Ausgabe 
(31.8.1934) Nr. 240
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Nr. 240 / 3. Vierteljahr

Freitag, 31. August

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Unterbringung von Arbeitslosen

Arbeitskräfte unter 25 Zähren werben durch ältere ersetzt

Berlin, 30. August. Nachdem der Reichswirt­schaftsminister im Einvernehmen mit dem Reichs­arbeitsminister und dem Stellvertreter des Füh­rers der NSDAP. durch Verordnung vom 1V. August 1934 bestimmt hat, daß der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung allein ermächtigt ist, die Verteilung von Arbeitskräften, insbesondere ihren Austausch, zu regeln, und jede Betätigung an­derer Stellen auf diesem Gebiet verboten und mit Strafe bedroht hat, ist nunmehr von dem Präsi­denten der Reichsanstalt auf Grund der ihm er­teilten Ermächtigung eine Anordnung unter dem 28. August 1934 erlassen und im Reichsanzeiger Nr. 202 vom 30. August 1934 veröffentlicht worden.

Leitgedanke dieser Anordnungen ist, die altersmäßige Gliederung der in den Betrieben und Verwaltungen Beschäftigten unter Berücksichtigung betriebstechnischer und wirtschaft­licher Erfordernisse so zu gestalten, daß sie den staatspolitischen Erfordernissen nach bevor­zugter Beschäftigung arbeitsloser älterer Arbeiter und Angestellten, insbesondere kinder­reicher Familienväter, Rechnung trägt.

Hiervon betroffen werden alle privaten und öffentlichen Betriebe und Verwaltungen, die Arbeiter und Angestellte beschäftigen, mit Aus­nahme der Land-, Forst- und Hauswirtschaft und dtt'Schiffe der See-, Binnen- und Luftschiffahrt. Die Führer der Betriebe und Verwaltungen sind verpflichtet, erstmalig im Laufe des September ihr« Gefolgschaft auf die altersmäßige Zusammen­setzung hin durchzuprüfen und das Ergebnis für eine Nachprüfung durch die Arbeitsämter schrift­lich niederzulegen. Darüber hinaus haben die Führer größerer Betriebe formularmäßig bis zum 1. Oktober 1934 dem zuständigen Arbeitsamt zu melden, wieviel Arbeiter und Angestellte über und unter 28 Jahren bei ihnen tätig sind und in welchem Umfange und Zeitraum die Auswechslung jüngerer durch ältere Arbeitskräfte vorgenommen werden soll.

Zu dem Personenkreis der jüngeren Arbeiter und Angestellten, die von einem solchen Aus­tausch auszunehmen sind, gehören verheiratete Männer, Unterhaltsverpflichtete, Lehrlinge, ehe­malige Wehrmachtsangehörige, „alte Kämpfer" der Wehrverbände und der NSDAP., ferner Per­sonen, die im Arbeitsdienst oder in der Land­hilfe mindestens ein Jahr tätig ge­wesen sind. Die Führer der Betriebe haben sich mit den Arbeitsämtern darüber ins Benehmen zu setzen, daß die zur Entlassung Kommenden andere Arbeitsplätze, besonders in der Land- und Hauswirtschaft, im Arbeitsdienst oder in der Landhilfe erhalten. Die durch die Entlassungen freigewordenen Arbeitsplätze sind durch die bei den Arbeitsämtern anzufordernden älteren Ar­beitslosen wieder zu besetzen.

Abgesehen von diesem Arbeitsplatzaustausch dürfen in Zukunft Personen unter 25 Jahren nur noch mit Zustimmung der Arbeits­ämter in den von der Anordnung betroffenen Betrieben und Verwaltungen eingestellt werden; ausgenommen hiervon sind lediglich Lehrlinge, mit denen ein Lehrvertrag über mindestens zwei Jahre abgeschlossen wird. Bei der Anforderung von Arbeitskräften unter 25 Jahren hat der Führer des Betriebes verantwortlich zu prüfen und darzulegen» daß diese den Notwendigkeiten des Betriebes und den staatspolitischen Erforder­nissen entspricht. Zu bevorzugter Bermittlung ist hierbei im wesentlichen der gleiche Personenkreis zugelassen, der auch von einem Arbeitsplatzaus­tausch ausgenommen ist.

Für älter« Angestellte über 40 Jahre, die nach längerer Arbeitslosigkeit infolge Austausches ein­gestellt werden, sind zum Ausgleich von Minder­leistungen Leistungszuschüsse bis zur Höhe von 50 RM. und Kinderzulagen aus Mitteln der Reichsanstalt vorgesehen.

Besonder« Bestimmungen sind daneben für die Land- und Forstwirtschaft getroffen. Die Ver­mittlung von Personen unter 25 Jahren darf durch nicht gewerbsmäßige Arbeitsvermittlungs­einrichtungen und sonstige Stellen nur im Auf­trage und nach Weisung des Präsidenten der Reichsanstalt erfolgen. Auch hier wird bei Neu- einstellungen von arbeitslosen verheirateten männ­lichen Angestellten über 40 Jahre ein Leistungs­ausgleich gewährt. Um die Mehreinstellung ver­heirateter land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter zu fördern, gewährt die Reichsanstalt ferner bei der Erstellung von Familienwohnungen für die Dauer voiz sechs Jahren einen jährlichen Zuschuß bis zu 300 RM.

Die Einhaltung und Durchführung der sozial­politisch außerordentlich bedeutsamen Maßnahmen

wird durch Strafbestimmungen gegen Nichtbefolgung sichergestellt. Es wird daher allen Führern von Betrieben, Vorständen und Ver­waltungen sowie Leitern dringend angeraten, sich mit dem Inhalt dieser wichtigen Anordnung ein­gehend zu befassen.

Nach den Erkundungen unserer Berliner Schrift- leitung ist der Gesetzgeber sich darüber klar, daß in vielen Fällen eine gewisse Belastung der Arbeitgeber durch höhere Tarife für die älteren Arbeiter und Angestellten zu verteilen sein wird. In Anbetracht der hohen staatspolitischen Ziele aber ist eine solche Erhöhung mit in Kauf zu nehmen, soweit nicht die Arbeitsämter von sich aus mit Zuschüssen in Erscheinung treten.

Bad Eilsen, 30. August.

Auf der internationalen Konferenz für Agrar- wissenschaft sprach heute der mit der Führung des Reichswirtschaftsministeriums beauftragte Reichs­bankpräsident Dr. Schacht über das internationale Schulden- und Krsditproblem. Er wies zunächst nach, daß der Status der großen Notenbanken die Bahn für einen weltwirtschaftlichen Aufschwung nicht versperre, und daß genügend Geld vorhanden sei, das lediglich auf Nutzbarmachung warte. Der zu hohe Kapitalzins erkläre sich im letzten Grunde nur daraus, daß die Politik jene Atmosphäre des internationalen Vertrauens, die für lang­fristige Anlagen unentbehrlich sei, noch immer nicht geschaffen habe.

Der Kapitalist hielt von jeher die Umringung eines waffenlosen Staates im Herzen Europas durch hochgerüstete Nachbarn für eine ständige Bedrohung des Weltfriedens.

Die Unbeständigkeit des Konjunkturauftriebs beruhe in der Hauptsache auf der Ankurbelung durch künstliche Maßnahmen, die zwar unbedingt notwendig seien und sich auf die einzelnen Länder beschränkten und auch eine unentbehrliche Voraus-

Textilarbeiterftreik in USA.

1590 Betriebe mit 800 000 Arbeitern betroffen Washington, 30. August.

Der Streik der amerikanischen Textilarbeiter, aus dessen Abwendung man bis gestern noch einige Hoffnungen gesetzt hatte, ist nunmehr doch unver­meidlich geworden. Die zentrale Streikleitung hat die Anweisung zum Streikbeginn heraus­gehen lassen. Die Arbeitseinstellung erfolgt in der Nacht zum Sonntag um 23 Uhr bei Schichtwechsel. Es werden zunächst 1500 Betriebe mit 600 000 Ar­beitern betroffen. Außerdem arbeitet man an Plänen, um die Arbeiterschaft verwandter In­dustrien zu Sympathiestreiks zu veranlassen.

Kabinettörat in Paris

Paris, 30. August.

Die Minister sind Donnerstag zu ihrer ersten Beratung nach den Ferien zusammengetreten, die in der Hauptsache dem Haushaltsplan von 1935 und den mit dem Stavisky-Skandal zusammenhängenden Angelegenheiten diente. Der Haushaltsvoranschlag soll seine endgültige Fassung im nächsten Ministerrat finden und am 20. Sept. im Parlament eingebracht werden. Die Aus- gabengrenze wurde auf 47 Milliarden Franken festgesetzt.

Der Handelsminister hat Maßnahmen ange­ordnet, durch die jede Behinderung der normalen Kursbildung ausgeschaltet wird. An­schließend wurde über den Nizzaer Kongreß der marxistischen Lehrerverbände gesprochen. Der Unterrichtsminister hat bekanntlich ein« Untersuchung über die dort gehaltenen Reden angeordnet. Sollte keine Antwort auf die an die beteiligten Lehrer gestellten Fragen erfolgen dann würde man daraus folgern, daß die Lehrer den Aufruf zur Revolte gegen die gesetzlichen Bestimmungen stillschweigend zugeben. In ciesem Falle würden die zuständigen Departementsräte mit der Angelegenheit befaßt werden. Ueber die Gesetzentwürfe zur Schaffung eines nationalen Arbeitslosenfonds und einer besonderen staatlichen Arbeitsbeschaffungsstelle sowie über die Vor­bereitung der Notstandsarbeitcn berichtete der Arbeitsminister.

Andererseits wird aber auch vermieden, daß in manchen Betrieben gegen den Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" verstoßen wird, indem vorwiegend Jugendliche als billige Arbeits­kräfte bevorzugt werden. Wo allerdings aber auch aus Exportgründen möglichst billige Her­stellung gewisser Produkte von Wichtigkeit ist, können Ausnahmen gemacht werden. Darüber hinaus werden auch in Zukunft solche Jugendliche, die nach ihrer Entlassung den Arbeitsdienst oder die Landhilfe absolvieren, wieder in erster Linie damit rechnen können, daß sie wieder Arbeit erhalten.

Für Beamte ist die neue Regelung nicht vorge­sehen, doch wird von jetzt ab grundsätzlich bei

setzung für die Anbahnung einer Weltkonjunktur schafften. Die Weltkonjunktur selbst aber könne nur entstehen, wenn sich die Einzelkonjunkturen vermittels des Welthandels zusammen­fänden.

Dr. Schacht gab dann ein Bild von der Gestal­tung der Rohstoffpreise. Heute werde die Farm- und Plantagenwirtschaft fast aller über­seeischen Länder nur durch künstliche Maßnahmen der Staaten notdürftig am Leben erhalten. Die Nachfrage versage im fünften Jahre der Krise noch ebenso wie im ersten. Die derzeitige Währungszerrüttung spiele nur insofern eine Rolle, als einmal die Befürchtung bestehe, die noch bei der Goldparität verbliebenen Länder würden ebenfalls devalvieren müssen, andererseits die Währungsentwertungen den Handelsbilanz­ausgleich zwischen den Gold- und den Entwer­tungsländern immer schärfer erschweren.

Der Kern der Sache sei aber der, daß zunächst der Störungssaktor beseitigt werden müsse, der beide Erscheinungen, nämlich die mangelnde Sta­bilisierung der Währungen und die Handels­hemmnisse, verursacht habe. Dieser Zerstörungs­faktor sei die politische Verschuldung aus dem Weltkrieg.

Die Variier Luftmanöver

Paris, 30. August.

Die Pariser Luftmanöver haben Donnerstag ihren Höhepunkt erreicht mit dem Angriff der von Osten kommenden „blauen Partei" gegen den Pariser Lufthafen Le Vourget. Trotz aller Vor­kehrungen ist es der angreifenden Partei ge­lungen, die Abwehrlinie zudurch- brechen, so daß der Flughafen Le Vourget von 47 Flugzeugen stark mit Bomben belegt wird. Ob es der Abwehr gelingen wird, den Angriff doch noch abzuschlagen, läßt sich noch nicht sagen, doch scheinen sich die Erfahrungen, die man vor kurzem in Lyon gemacht hat, wonach eine unter allen Umständen wirksame Verteidigung gegen Luft­angriffe besteht, nicht zu bestätigen.

London, 30. August.

Wie nunmehr amtlich bestätigt wird, lassen sich die britische, die französische und die italienische Regierung durch ihre Vertreter in den ver­schiedenen Hauptstädten über die Haltung der einzelnen Regierungen zur Frage des Eintritts Sowjetrußlands in den Völkerbund unterrichten.

Vom Foreign Office verlautet, daß Mitteilun­gen von Botschaftern und Gesandten teilweise schon in London vorliegen. Es wird betont, daß auch die deutsche Regierung unter den Staaten ist, über deren Stellungnahme man sich Gewißheit verschaffen will.

In sowjetrussischen Kreisen Londons verlautet am Donnerstag, daß es unmöglich sei, den Bericht von der Bildung eines Staatenblocks, der sich der Zulassung Rußlands zum Völkerbund widersetzen würde, zu bestätigen oder zu dementieren. In politischen Kreisen Londons beschäftigt man sich bereits lebhaft mit der Frage, ob Sowjetrußland auf der bevorstehenden Genfer Tagung die

Neueinstellung von Anwärtern usw. das Prinzip verfolgt, daß Arbeitsdienstmänner und Landhelser in erster Linie berücksichtigt werden. Bei Frauen sind Ausnahmen von der Entlassung Jugendlicher nicht vorgesehen, es sei denn, daß es sich um Unterhaltsverpflichtete und Lehrlinge handelt.

Der Rahmen der neuen Bestimmungen ist also sehr weit gefaßt. Er wird von einschneidender Be­deutung sein. Zehntausende von Familienvätern werden wieder in Arbeit und Brot kommen; Zehntausenden von Jugendlichen wird neuer An­reiz gegeben werden, sich für den Arbeitsdienst und die Landhilfe zu interessieren. Wieder ist ein wichtiger Schritt getan, um das Staatsprinzip des Dritten Reiches in die Praxis umzusetzen.

Vor dem Kriege habe es politische, ohne wirt­schaftlichen Gegenwert entstandene Zahlungen nicht gegeben. Dr. Schacht schilderte dann ein­gehend die organischen Verhältnisse der Weltver­schuldung und Weltwirtschaft vor dem Kriege, wogegen der Weltkrieg diesen organisch aufge­bauten Welthandelsmechamsmus zerstört habe.

Er wies weiter die völlige Veränderung des weltwirtschaftlichen- Gesichtes durch die Entwick­lungen in den einzelnen Ländern und Erdteilen infolge dieses Kriegsausganges nach. Auch hin­sichtlich der Zinssätze zeigte sich, daß Deutschland allein den verlorenen Krieg zu bezahlen hatte. Seit 1918 sei die Wirtschaft von der Politik er­drückt worden.

Das Bersailler Diktat hatte, wie es Adolf Hitler einmal knapp, aber erschöpfend formuliert habe, die Tendenz, Deutschland die Levensmöglichkeit zu nehmen.

Eingehend setzte sich dann Dr. Schacht mit dem Reparationssystem und der dann vorgenommenen Verschleierung des Reparationsproblems auseinander.

Herrn Knox' „Objektivität"

Saarbrücken, 30. August.

Die kommunistische „Arbeiter-Zeitung" meldet heute triumphierend, daß die Regierungs­kommission des Saargebietes das am 19. April 1933 ausgesprochene Verbot der geschlossenen kom­munistischen Veranstaltungen aufgehoben habe.

Die Regierungskommisston ist somit gewillt, der üblen Hetze, die gerade von separatistischer Seite ausgeht und die unter allen Umständen eine ge­waltsame Aenderung der Verhältnisse im Saar­gebiet erstrebt, Tür und Tor zu öffnen.

Elf Chinesen hingerichtet. Wie die japanische Agentur Kokuzu ^meldet, wurden elf chinesische Staatsangehörige hingerichtet. Sie hatten einen Anschlag auf den Chef der mandschurischen Armee, General Tschanstnkui, geplant.

genügende Zweidrittel-Mehrheit finden wird, die für den Eintritt in den Völkerbund benötigt wird.

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Herald" schreibt, Anfang diesxr Woche habe be­sonders in Paris die bestimmte Erwartung bestan­den, daß der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund glatt vonstatten gehen werde. Jetzt aber glaube man zu wissen, daß es eine An­zahl feindlicher Stimmen geben werde Die Schweiz werde höchstwahrscheinlich gegen die Aufnahme der Sowjetunion stimmen, Holland vermutlich auch. Andere Staaten wie Kanada, Belgien, Ungarn und eine Anzahl Mittel- amerikanischer Staaten zögerten noch. Zwar seien in der Völkerbundsversammlung 18 ablehnende Stimmen notwendig, um die erforderliche Zwei- Drittel-Mehrheit zu verhindern, aber die Zahl der gegnerischen Staaten erreiche diese Ziffer nicht Es sei immerhin zweifelhaft, ob die Sowjet-Regie­rung das Risiko einer Ablehnung eingehen wolle. Ferner wär es denkbar, daß starker Widerstand in der Versammlung Veranlassung zuIntrigen im Völkerbundsrat geben werde.

Der Störungssaktor der Weltwirtschaft

Dr. Schacht über die politifche Verschuldung

(Fortsetzung im Handelsteil.)

Moskau und Genf

Die Mächte sollen zur Frage des Eintritts Rußlands in den Völkerbund Stellung nehmen

Die Lttgenct iron Heute/

xL. Bremen, 30. August 1934.

„. . . Ach, ja", stöhnten die Menschen von damals, „das ist die Jugend von heute!" und bekreuzigten sich dreimal, um damit auszu­

drücken, daß sie „schlecht" gewesen heute". „Ach ja", Menschen, wenn s

riiher nicht so wild und eien, wie die „Jugend von töhnen heute noch manche e die Jugend marschieren sehen, „das ist die Jugend von heute. Man hat sie nicht mehr am Bande, sie geht ihre eigenen Wege, sie politisiert und diskutiert mit den Eltern. Sie will klüger sein und sie entfremdet sich dem Elternhaus . . ." Es ist schon immer so gewesen: Jede Generation hat ihre Jugend kritisiert und zum Schlechten verändert gefunden. Aber es ist auch immer schon so gewesen: Jede Jugend ist ihre eige­nen Wege gegangen, ohne schlecht gewesen zu sein. Das, was die Alten an Schlechtem bei der Jugend gesehen, war im Grunde ge­nommen nichts als eine optische Täuschung. Die deutsche Jugend war nie in ihrem Kern schlecht gewesen: wenn sie einmal gestrauchelt ist, dann nur deshalb, weil die Alten ihre eigenen Fehler vergessen hatten und sie die Jugend in eine Form zwingen wollten, die dem deutschen Geiste zuwider war. Die Be­griffe „artig, brav, sittsam", die man als höchste Erziehungsformel der Jugend ein­hämmern wollte, sind doch nur Selbstver­ständlichkeiten, machen aber den Menschen noch lange nicht zur Persönlichkeit. Wir brauchen im harten Kampf des Lebens etwas mehr als brave, artige Kinder. Wir brauchen im Leben und für die Existenz des Staates die Jugend, die erfüllt von Wagemut ist. Sie muß das Gehorchen gelernt haben, aber mit diesem Gehorchen muß sich der Wille zur eigenen Tat verbinden. Wenn Napoleon von

Das Standquartier des Gaues Weser-Ems in Nürnberg

Um Rückfragen bei der Organisations­leitung zu vermeiden, geben wir die An­schrift des Standquartiers des Gaues Weser- Ems bekannt: Bezirk 18, Gau Weser-Ems: Gau-Standquartier» Prank- stratze 8. Tel. 80280.

seinen Soldaten sagte, daß jeder Musketier den Marschallstab in seinem Tornister trage, so verlangen wir von unserer deutschen Ju­gend der Gegenwart und der Zukunft, daß in jedem Iungenherzen der Geist des zu­künftigen Führers lebendig ist.

Wir haben am Mittwochabend wieder die Hitler-Jugend und besonders das Jungvolk marschieren sehen, als sie den Reichsjugend­führer hören wollte. Nur verkalkte Herzen konnten beim Anblick dieser marschierenden, frischen Jugend nicht höher schlagen und keine Freude empfinden Wer aber wirklich Sorge um die Jugend hatte, konnte nur ein Empfinden dabei haben: Das Bedauern, daß noch nicht hundertprozentig die deutsche Ju­gend Aur Hitler-Jugend gehört. Denn das ist die einzige Sorge, die wir noch um die deutsche Jugend im Herzen tragen, daß es immer noch viele hunderttausend Jungens und Mädels gibt, die aus falsch verstandenen Erziehungsbegriffen der Eltern abseits stehen müssen und so des ungeheuer reichen Segen, der von der Hitler-Iugend-Bewegung aus­strömt, nicht teilhast werden können. Jene Eltern, die diesen Segen ihren Kindern mit Absicht vorenthalten, laden eine schwere Ver­antwortung auf sich. Nicht nur, daß sie ihren Kindern die beste Lebensfreude rauben, daß sie verhindern, aus ihren Sprößlingen ganze Kerle, aus ihren Töchtern echte deutsche Frauen werden zu lassen, die sich im Leben einmal auf eigene Faust zurecht finden kön­nen — sie schaffen obendrein verbitterte junge Menschen, Einzelgänger, erfüllt mit Selbst­sucht und Lieblosigkeit, Pessimisten und Men­schen, die nie ihre Zeit erkennen werden.

Der Eintritt in die Hitler-Jugend kann, wie Baldur von Schwach in seiner Rede am Mittwoch betonte, nach dem Willen des Führers nur ein freiwilliger sein. Mit diesem Prinzip der Freiwilligkeit ist das oberste Gesetz, das für jede Gemeinschaft gilt, erfüllt, daß nur der freie Wille, nur die Unterordnung und der selbstlose Einsatz eine wahre und opferbereite Gemeinschaft schmie­den könne. Gerade diese Freiwilligkeit

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