Ausgabe 
(30.6.1937) Nr. 176
 
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flmtsblatt des Senats der freien Hansestadt meinen

uachrichtenblatt der Deutschen prbeitssront Vremen

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Nr. 176 / 7. Jahrgang

Mittwoch, Z0. Juni 1S57

kinzelpreis 15 Kpf.

Mbbentrop vor dem NWeinmischungsausschuß

Unser lagesspiegel

England und Frankreich wollten die Tee- kontrolle allein ausüben.

Die französischen Börsen sind bis aus weiteres geschlossen.

Der unumgänglich gewordenen Franken­abwertung wird Amerika folgen.

Der englische Ministerpräsident Lhamberlain warnt vor der bolschewistischen Zersetzungs­arbeit.

Der Führer zeichnete italienische Offiziere und Staatsmänner durch Ordensverleihungen aus.

Dr. Goebbels berief eine Kommission zur Bewahrung von Zeitdokumenten.

Der Eauverbaird des Reichskolonialbundes führte eine zweitägige Arbeitstagung im Emslandhaus durch.

Die Ortskrankenkasse Vremen steigert ihre Leistungen um ein Wesentliches.

Mit einem feierlichen Akt bei der Kriegs­marine wurde in Vremen der Zerstörer Paul Jacob!" in Dienst gestellt.

Auf den internationalen Schwinnnroett- kämpfen in Budapest gewann der Bremische Schwimmverband den Komjary-Erinnerungs- preis.

kmpfänge beim sichrer

- Berlin, 39. Juni.

Der Führer und Reichskanzler empfing am Dienstag unter dem üblichen Zeremoniell den neuernannten peruanischen Gesandten Manuel Ugarteche zur Entgegennahme seines Beglaubi­gungsschreibens und des Abberufungsschreibens seines Vorgängers Henrique Gildemeister.

An dem Empfang des Gesandten nahm der Reichsminister des Auswärtigen. Freiherr von Neurath, teil. In den bei dieser Gelegenheit gewechselten Ansprachen betonten der peruanische Gesandte und der Reichskanzler die alte Freundschaft, die zwischen beiden Nationen besteht, und hoben die erfolgreiche und auf allen Gebieten noch ausbaufähige wirtschaftliche Zu­sammenarbeit zwischen Deutschland und Peru her­vor. Anschließend empfing der Führer und Reichskanzler den japanischen Senatspräsidenten Hisashi Jshida aus Tokio in Privataudienz. Nach diesen Empfängen erschien der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht unter den jubelnden Zurufen der Menge, die sich zahlreich in der Wilhelmstratze versammelt und die An- und Abfahrt der Besucher mit freundlichem Inter­esse verfolgt hatte, im Ehrenhof desHauses des Reichspräsidenten", wo er die Front der Ehrenwache abschritt.

Ferner empfing der Führer und Reichskanzler imHaus des Reichspräsidenten" den kanadischen Premierminister Dr. William Lyon Mackenzie King, der auf einer Europareise Deutschland einen Besuch abstattet.

flutobahn SerlinNom

Berlin, 29. Juni.

Das dem Führer im Dezember v. 2s. und Ja­nuar ds. Js. durch den italienischen Senator Puricelli vorgetragene Projekt einer Auto­bahn RomInnsbruck-München, welches mit dem Eeneralinspektor für das deutsche Straßen- wesen besprochen wurde, ist auf italienischer Seite nunmehr geprüft worden. Es ist mit einem baldigen Baubeginn auf italienischer Seite zu rechnen. Die Unterhandlungen mit Oesterreich sind soweit gediehen, daß von öster­reichischen Ingenieuren nunmehr untersucht wird, welche Linienführung von Innsbruck zur deut­schen Grenze als die zweckmäßigste für die öster­reichischen Verkehrsverhältnisse erscheint. Der Führet hat Senator Puricelli in Begleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen empfangen. Er hat dabei sein großes Interesse an diesem Plan bekundet. Von deutscher Seite wird es möglich sein, den deutschen Anteil dieser großen Straßenachse BerlinRom, die Strecke BerlinMünchenReichsgrenze, bis zu der 1941 vorgesehenen Weltausstellung in Rom sertigzu- stellen.

Orden für ttaliemsche Offiziere und StaatsmSnner

Berlin, 30. Juni.

Der Führer und Reichskanzler hat in An­erkennung ihrer Verdienste um die deutsch­italienischen Beziehungen dem Marschall B a - doglio, den Generälen Pariani und Valle, dem Admiral Cavagnari, dem Staatsminister Graf Volpi und dem Staats­sekretär Ricci das Eroßkreuz des Ordens vom Deutschen Adler, ferner dem Divisionsgeneral Villa Santa, dem Ehrengouverneur Corni. dem Außerordentlichen Gesandten und Bevoll­mächtigten Minister Dr. Pirelli und dem Vor­sitzenden des faschistischen Jndustriearbeiterver- bandes, Cianetti, das Verdienstkreuz des Ordens vom Deutschen Adler mit dem Stern ver-. liehen.

öevenken gegen den englisch-französischen Plan

Unmögliche vorschlüge

kin besseres Kontroltsvstem erforderlich

Mandat der vlerMiichte erloschen

(üstgensr Orabtbsriolit äsrBrsmsr LsitunZ")

London, 39. Juni.

Dem Londoner Nichteinmischungsausschuß unter­breitete Lord Plymouth am Dienstag den fran­zösisch-englischen Vorschlag, die gesamte Kontrolle der spanischen Küste durch Frankreich und Eng­land wahrnehmen zu lassen. Dabei soll dierote" Küste von englischen Streitkrästen allein und die weiße" Küste in noch festzulegenden Zonen von englischen und französischen Schissen überwacht werden. An Bord jedes Kontrollschifses soll sich ein neutraler Beobachter befinden.

Diesem Vorschlag gegenüber stellten die Ver­treter Deutschlands, Italiens und Portugals fest, Latz jedes Kontrollsystem, das nicht unbedingt eine unparteiische Durchführung gewährleiste, be- d.enklich-sei; im übrigen erklärten sie sich bereit, den von Lord Plymouth vorgelegten Plan an ihre Regierungen weiterzu- leiten. >

Botschafter von Ribbentrop verwies in seinen Ausführungen auf die kürzliche Feststellung Lord Plymouths, daß sich die bisherige Kontrolle

als s e h r, u nz u l ä n g I i ch erwiesen habe. Im I Zusammenhang mit dem französisch-englischen Vor­schlag könne man auch die Frage stellen, was.man in Paris und London zu einer lleberwachung Spa­niens durch Deutschland und Italien allein sagen würde. Grundsätzlich könne es sich auch gar nicht darum handeln, die an der spanischen Mittelmser- küste entstandene Lücke zu schließen, da durch das Ausscheiden zweier Mächte aus dem Kontroll­system das den vier Seemächten gemeinsam erteilte Mandat erloschen sei. Demgegen­über sei vielmehr zu erwägen, das unzureichende Kontrollsystem durch etwas völlig Neues zu ersetzen, das geeignet sei, tatsächlich eine wirksame lleberwachung zu gewährleisten.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung, das Problem der Zurückziehung der Frei­willigen aus Spanien, wurde auf Frei­tag vertagt. Zu Beginn der Sitzung hatte der trotz seiner Krankheit erschienene italienische Botschafter Er andi eine von den Valencia- Bolschewisten verbreitete restlos erlogene Behaup­tung über angebliche italienische Truppenlandun­gen in Slldspanien scharf zurückgewiesen. Er erklärte dabei, daß seit dem von der italieni­schen Regierung erlassenen Verbot kein ein­

ziger italienischer Freiwilliger mehr nach Spanien gekommen sei.

Außerdem teilten der deutsche und der italieni­sche Botschafter dem Nichteinmischungsausschuß mit, daß sich ihre Länder von jeder aktiven Kontrolle der spanischen See- und Landgren­zen zurückgezogen haben. Ihre sämtlichen Beamten und Kontrolleure, die innerhalb dieses Systems z. B. bei der Prüfung der für Spanien bestimmten Dampferladungen tätig waren, seien daher abberufen worden.

Da man in der Londoner Öffentlichkeit diesen Ausgang der Verhandlungen vorausgesehen hatte, besagen die Pressekommentare kaum etwas anderes als das, was sie schon in den letzten Ta­gen ausgesprochen hatten. Man hält es auch für unwahrscheinlich, daß in der Freitagsitzung eine Lösung gefunden werden kann. Nach wie vor wer­den von einzelnen Blättern Versuche unternom­men, Deutschland und Italien die Schuld an dem Nichtfunktionieren des Kontrollsystems in die Schuhe zu schieben. Von einigen Blättern, z. B. Evening Standard", wird auf der anderen Seite die Möglichkeit eines englischen Kurs­wechsels Anerkennung beider spanischer Parteien als kriegführende Mächte angedeutet.

Amerika wird mitmachen

krneute Abwertung des kranken unvermeidlich / Verläßt krankreich dos Vreierabkommenl

(üiKsnsr Druktbsriekt äsrLrsmsr 'Leitung'':) !

Newyork, 39. Juni.

Gerüchte in Newyork, denen französische Pri- vatmeldungen zugrunde liegen, sprechen davon, davon, daß Frankreich seine» Austritt aus dem Dreier-Abkommen bekanntgegeben habe. Irgend­eine Stellungnahme hierzu erfolgte in Wallstreet nicht, auch waren keinerlei Auswirkungen zu verzeichnen. Man ist in Newyork der Ansicht, daß sich der Frank allmählich auf sein neues Ni­veau abschwächen werde, was in Anbetracht der umfangreichen und lange Zeit vorher erfolgten Vorsorge nur von geringster Wirkung sein wird.

Dem Vernehmen nach hat das amerikanische Schatzamt in den kürzlich erfolgten Besprechungen einen Plan ausgearbeitet, der es gestattet, jeder französischen Währungsbewegung zu folgen, bzw. sich anzupassen. Daß Frankreich auch künftighin dem Dreier-Abkom-, men angehören wird, hält man für wahrscheinlich, obgleich der Frank innerhalb des Abkommens der neuen Parität angeglichen werden würde. In Anbetracht der englisch-amerikanischen Zusam­menarbeit wird auch selbst im Falle eines Aus­tritts Frankreichs aus dem Abkommen die Währungsstabilität aufrecht erhal­ten bleiben. Das amerikanische Schatzamt wird wahrscheinlich nach Abschluß der Debatten im französischen Parlament Aufklärung über die Währungslage geben. Frankreich wird zeitweise

aus der Liste der Länder gestrichen werden, denen die USA. Gold zu den Bedingungen des Dreier-Abkommens verkaufen, das eine auto­matische Suspendierung bis zur Wiederaufnahme der Geldzahlungen vorsieht. Bisher ist jedoch keine formelle Ankündigung dieser Art erfolgt.

Me vörsen geschlossen

Paris, 39. Juni.

Die Regierung Chautemps hat noch in der Nacht zum Dienstag vor Abgabe einer Regie­rungserklärung eine Reihe von Beschlüssen ge­faßt, die von größter Tragweite sind. Nachdem im Kabinettsrat beschlossen war, das seinerzeit von der Regierung Blum eingebrachte und vom Senat abgelehnte Ermächtigungsgesetz in erwei­terter und wesentlich verschärfter Form wieder aufzunehmen, hat die Regierung, um einer Fran­kenspekulation während der Aussprache über die­ses Gesetz vorzubeugen, beschlossen, die Wert- papier- und Effektenbörsen von Dienstag ab bis auf weiteres zu schließen. In einem entsprechen­den Erlaß wird darauf hingewiesen, daß die Wie­dereröffnung der Börsen zu gegebener Zeit vom Finanzminister angeordnet werde. Die Zahlung der in Gold oder Devisen fälligen Handelsschul­den kann aus Forderung des Schuldners hin ein­gestellt werden. Der Zeitpunkt, an dem die Zahlung gefordert werden kann, wird ebenfalls

vom Finanzminister bekanntgegeben. Wechsel und Tratten können während des Zahlungsmora­toriums nicht zu Protest gehen. Der Zinsfuß wird für die Dauer der Zahlungseinstellung der gleiche sein wie der Diskontsatz der Bank von Frankreich.

Die sehr eingreifenden Maßnahmen der neuen Regierung stoßen schon jetzt auf nicht zu unter­schätzende Schwierigkeiten. Bezeichnender­weise machen sich die ersten Widerstände in den Reihen der Bolkssrontparteien selbst eltend. Chautemps soll jedoch entschlossen sein, is zum Aeußersten zu gehen und den Bestand seines Kabinetts von der Annahme der Eesetzes- vorlage abhängig zu machen.

(Siehe auch Seite 2)

pariser Hoteliers machen kraft

Paris, 30. Juni.

Die Pariser Hoteliers und Restaurateure schei­nen aus ihrer Drohung, am kommenden Sonnabend ihre Betriebe zu schließen, Ernst machen zu wollen. An sämtlichen Pariser Betrieben des Gaststätten- und Veherbergungsgewerbes wurden Plakate mit folgendem Wortlaut angeschlagen:

Angesichts der Unmöglichkeit, die Vierzig- Stunden-Woche unter den durch das Dekret vor­gesehenen willkürlichen und unmöglichen Bedin­gungen anzuwenden, werden die Hotels, Kaffee­häuser und Restaurants am Sonnabend, dem 3. Juli schließen."

llsieb-.kriet'smini.-'ter «vuelnlkelckmarsolia» von Momlivi-A >vm'Ie in liu.lupe^t von ll.i» unxaiiscken Honveüministvr- venorirl lloeüer berrliel, deKriiüt. Unser, Lilä reizt äsn 6eueraltsläwarsvkall beim äbsellyolten äsy Lüreuicompanis. s.uk äem byuzplatr. .(Lrssss-I'boto.).

(Von unserer Usrlinsr Lcbriktlsitung)

Die Dienstagsitzung des Londoner Nichtein­mischungsausschusses ist, wie zu erwarten war, ergebnislos verlaufen. Am kommenden Freitag ist zwar eine neue, die inzwischen SS. Sitzung des Ausschusses anberaumt worden, aber es dürften kaum irgendwelche Hoffnungen be­stehen, daß sie zu einem besseren Resultat führt.

Zur Debatte steht augenblicklich der jetzt in der Dienstagfitzung auch formell eingebrachte englisch- französische Antrag, die Ausübung der Kontrolle ausschließlich Frankreich und Eng­land zu übertragen. Mit Recht hat sich außer Deutschland und Italien auch eine Anzahl an­derer am Londoner Ausschuß beteiligter Länder diesem Vorschlag gegenüber ablehnend ver­halten. Was den Standpunkt Deutschlands und Italiens anbelangt, der auch in diesem Falle von einer völligen Uebereinstimmung ge­tragen ist, so konnte von vornherein keine Un­klarheit darüber bestehen, daß jede weitere Ver­lagerung des Gleichgewichts in Spanien niemals eine deutsch-italienische Zustimmung finden kann.

Es ist völlig unnötig, sich heute näher mit dem Gedanken zu beschäftigen, welche Folgen unter Umständen ein« parteiische Handhabe der See- kontrolle für die zukünftigen Ereignisse in Spa­nien selbst haben könnte. Schon die Lehren der Vergangenheit genügen restlos, um ein klares Bild der ganzen gegenwärtigen Schwierigkeiten zu erhalten. Bekanntlich ist der französischen Re­gierung von ihrer eigenen Presse vom Tags des Bestehens des Nichteinmischungsabkommens an der Vorwurf gemacht worden, daß dieses ganze Abkommen, was seine Durchführung durch die französischen Behörden anbelangt, nur auf dem Papier bestanden habe. In der Tat können keine Zweifel darüber bestehen, daß die Unterstützung der spanischen Bolschewisten im wesentlichen von Frankreich oder durch fran­zösische Vermittlung erfolgte. Hunderte und Tausende von Beweisen liegen darüber v»r> daß das berüchtigteLoch von Perpignan" nie­mals abgeriegelt worden ist, und daß hier ein denkbar umfangreicher Menschen- und Waffenhandel blühte, der sich nicht nur der Duldung, sondern auch der weitestgehenden Unter st ützung der französischen Volksfrontorgane erfreute.

Nicht wesentlich anders liegt es bei gewissen englischen Jnterventionsbestrebungen. Trotz allem Geschrei über diefaschistischen" oderna­tionalsozialistischen" Interventionen in Spanien' hat es sich die englische Linkspresse nicht nehme» lassen, dieRuhmestaten" ihrer eigenen roten Genossen in der berüchtigten internationalen Bri­gade mit Lobeshymnen zu bedecken. Zahlreiche englische Staatsangehörige, die auf bolschewisti­scher Seite kämpften, bereiteten der Londoner Regierung darüber hinaus das zweifelhafte Ver­gnügen, in nationalspanische Gefan-. genschaft zu geraten.

Nicht zuletzt kann aber außerdem noch an die kürzliche nationalspanische Erklärung im Zu­sammenhang mit dem etwas seltsamen englischen Ansinnen, ein britisches Konsulat in Bilbao errichten zu wollen, erinnert werden, in der es kurz und bündig hieß, daß die eng­lische Intervention an der baskischen Front gemeint sind die unter dem Schutz englischer Kriegsschiffe erfolgten Blockadedurchbrüche den Fall Bilbaos um mindestens 2 Mo­nate hinausgezögert haben. Es ist also nichts mit den entrüsteten und unschuldigen Augenaufschlägen.

Wo aber nimmt man so muß heute mit allem Ernst gefragt werden angesichts dieser klaren Sachlage die Kühnheit her und das Recht zu fordern, eine englisch-französische Blockade über Spanien zu verhängen. So wenig wie die bis­herigen Ereignisse und die bisherigen ständigen Verletzungen des Nichteinmischungsabkommens dem ganzen Kontrollsystem überhaupt zu irgend­einer Wirksamkeit verhelfen konnten, so wenig dürfte erst recht ein derartiger Zustand geeignet sein, eine unparteiische Behandlung der spanischen Frage in irgendeiner Beziehung zu gewährleisten.

Mit vollem Recht hat daher Botschafter von Ribbentrop in London darauf hingewiesen, daß der englisch-französische Vorschlag nicht anders geweitet werden könne, als ein gleiches Angebot Deutschlands und Italiens, ihrerseits allein die Kontrollrechte zu beanspruchen. Welche Haltung die britische Presse einem derartigen Vorschlag