Ausgabe 
(4.4.1937) Nr. 91
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parteiamtliche Tageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen Arbeitsfront Vremen

der Nationalsozialisten Vremens

Amtsblatt des Senats der Zielen Hansestadt vremen

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Das amtliche VerkündungsblaN des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

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Nr. Sl / ?. Zabrgang

Sonntag, 4. Npril 1SZ7

kinzelpreis lS Npf.

klchtkrone über StedingseHre

Unser Sauletter tarl Nöoer im Kreise der kandwerker vom vookstolzberg

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das Mchtsest

(LonäsrineläunA äsr „8rsin,sr 2situuZ")

Erüppenbühren, 1. April.

Gestern nachmittag fand aus dem Vookholzberg bei Erüppenbühren in Anwesenheit des Schöpfers der Niederdeutschen Gedenkstätte Stedingsehre, unseres Gauleiters Carl Rover, nach altem Hand- werkcrbrauch und in echt nationalsozialistischem Kaineradschaftsgeiste das Richtfest der Schmiede im Spieldorf statt. Zugleich mit dem Richten dieses letzten Gebäudes wurde die Richtseier sür das gesamte Spieldorf vollzogen.

An dem Festakt nahmen außer der an der Er­richtung der Gedenkstätte beteiligten Gefolgschaft zahlreiche Männer der Bewegung, des oldenburgi- ichen Staates, der Wirtschaft und des kulturellen Lebens teil, u, a, Ministerpräsident Pg. Joel, fast der gesamte Eaustab der Gauleitung Weser- Ems, der Geschäftsführer und die Mitglieder des Beirates der „Stiftung Stedingsehre", der Dichter der „Stedinge" August Hinrichs, Fritz Hoopts, Oberspielleiter G. R. Sellner, Bauleiter Vehrens und die meisten Darsteller der Niederdeutschen Bühne Oldenburg.

Ein schöner Frühlingstag strahlte über dem Bookholzberg und seiner gewaltigen Gedenkstätte. Schon lange vor Beginn der Feier strömten aus Erüppenbühren und der näheren Umgebung Männer und Frauen herbei, um an dem Fest teilzunehmen. Der Gauleiter traf gegen 13 Uhr auf der Gedenkstätte «in und wurde von dem Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Eanderkesee Pg. Friede! Strudthoff begrüßt. Die Zimmer- leute hatten inzwischen an dem Dach der Schmiede den letzten Sparren befestigt. Da nach altem Brauch dieser letzte Handgriff mit Schwierig­keiten verknüpft ist, baten die Zimmerleute den Bauherren, unseren Gauleiter Carl Röver, um Unterstützung. Der Gauleiter selbst schlug mit kräftigem Schlag den letzten Nagel ein. Dann begann das Richtfest,

Kranzjungfern hatten die farbenfrohe Krone, die oben einen Hahn trug, mit Fleiß gewunden. Mehrere Mädel trugen die Krone dem Festum­zug voran, Bauleiter Behrens führte den Um- marsch, dann folgte die Krone, danach der Gau­leiter inmitten der in Zunfttracht marschierenden Zimmerleute, und dann die Männer und Frauen aus Erüppenbühren in bunter Folge, Alle san­gen während des Zuges durch das Spieldorf alte Volkslieder mit, jeder nahm mit Bedacht den notwendigen wärmenden Trunk, der an jedem der schmucken Gebäude aus der Flasche genommen wurde.

Schließlich hielt der Zug vor dem Richtfestge­bäude. Der Zimmermann übernahm hier mit den Worten „Ich nehme den Kranz aus Jungfernhand, dem Bauherrn zur Ehr , dem Bau zur Zier" die Krone, die die Zimmerleute dann auf den Bau setzten. Nachdem die Arbeit verrichtet war, nahm der Altgeselle Gerd Meyer das Wort und sprach den folgenden

Mchtspruch:

Deutsche Volksgenossen, Frauen und Männer,

Kranzjungfern, meine lieben Arbeitskame­raden!

Euch allen gilt mein Gruß. Besonders begrüße ich noch unseren Gauleiter Carl Röver, als den Bauherrn und seine Mitarbeiter. Unserem Gauleiter haben wir es zu verdan­ken, daß dies «Weihe st ätte gebaut wird. Ferner begrüße ich den Architekten Beh­rens, den Bauleiter, unseren Bürgermeister der Gemeinde Ganderkesee, Friedei Strudthosf, den eifrigen Förderer dieser Weihestätte, die Männer der Presse und alle, die hierhergekommen sind und sich mit uns verbunden fühlen, uni an der Richtseier des Werkes teilzunehmen, bei dem so mancher Arbeiter Verdienst und Arbeit gesun­den hat und dadurch von der verdammten Geißel der Arbeitslosigkeit befreit wurde. Hierher wer­den die Volksgenossen aus nahen und fernen Gauen Deutschlands kommen uns Kraft und Er­

bauung finden. Sie werden sich freuen an dieser schönen Gegend, an der vor uns liegenden geseg­neten Wesermarsch und dem ganz in de, Nähe wachsenden ehrwürdigen Hasbruch mit seinen tausendjährigen Eichen,

Denn sür uns ist das heilige Land nicht Palästina, sondern diese Gegend, wo deutsche Volksgenossen gekiimpft, gelitten und gestrit­ten haben.

Da ich nun heute die Ehre habe, nach Aufrich­tung dieses neuen Baues und Aufstellung eines schönen Kranzes und der Fahne des' neuen Deutschlands eine kurze Rede zu halten und meine Glückwünsche auszusprechen, bitte ich euch alle, die ihr hier gegenwärtig seid, mir meine Irrtümer und Fehler zu vergeben, die bei einem Richtspruch vorkommen können. Und so will ich den Richtspruch anfangen mit den Worten, die der Dichter Schiller in der „Glocke" sagte:

Lüttich, 3, April.

Zu dem von uns bereits berichteten Sexual­mord, den der Klosterbruder Veinard in dem katholischen Waisenhaus „Zur heiligen Familie" in dem belgischen Städtchen Manage in den Oster- tagen verübte, werden jetzt weitere grauenerre­gende Einzelheiten bekannt, die zu einer außer­ordentlich heftigen Erregung der Bevölkerung des Gebietes von Charleroi geführt haben. Wie sich jetzt ergibt, sind bereits im Jahre 1821 bei den „Brudern der Barmherzigkeit", die das Waisen­haus von Manage verwalten, ekelhafte geschlecht­liche Ausschweifungen bekanntgeworden. Es wur­den damals 10 Klosterbruder verhaftet und zu schweren Kerkerstrasen verurteilt, weil sie sich an ihren Zöglingen furchtbar vergangen hatten. Da­mals war die gesamte Arbeiterbevölkerung vor den Toren des Waisenhauses in Aufruhr geraten und hatte mit handgreiflichen Maßnahmen gegen die Klosterbruder gedroht. Der erneute Vorsall in dem Waisenhaus hat nun dazu geführt, daß die Bevölkerung von Manage eine so drohende Hal­tung gegen die Mönche einnimmt, daß diese sich nicht mehr öffentlich zeigen können.

Wenn man in diesen Tagen nach Manage kommt, dann ist nicht nur in dem wallonischen Städtchen selbst, sondern in der weitesten Um­gebung der Sexualmord an dem 14jährigen Waisenknaben Cordemans aus Beitsford bei Brüssel in aller Munde. Die Leute erzählen sich auf der Straße davon, und selbst die Kin­de r w i s s en V e s ch e i d. In der Nähe des fin­steren Hauses, in dem der Mord geschah, stauen sich immer wieder Menschengruppen, die ganz un­mißverständlich ihre Meinung äußern und zum Ausdruck bringen, „man solle den ganzen Kasten ausräucher n".

Bei der ersten Kriminaluntersuchung bot sich nach den amtlichen Berichten folgende? Bild: Hoch oben im Speicher war die Leiche Des jun­gen Cordemans an einem Seil aufgehängt. Das Seil, das zuerst an einem Nagel der Dachluke und dami an einem Balken befestigt war, reichte bis ungefähr einige Fuß über den Boden.

Dort hing der Körper des Ermordeten im suh­len Licht der Dachluke völlig entblößt, Hände und Füße gebunden. Nur der Kops und die Brust schwebten srei. Die Beine und der Unterkörper lagen auf einer Matratze. Spuren aus der Ma­tratze und ein Strumpf mit menschlichen Fäkalien bewiesen, welch wüsten Exzessen sich der Kloster­bruder bei dem Sexualmord hingegeben hat.

Widerliche Szenen, die einen Einblick in die „Moral" des katholischen „Erziehers" geben, kamen bei dem Verhör des Mörders zutage. Z u - erst leugnete er alles ab. Schlag aus Schlag wurde aber festgestellt, daß nur er (außer

Zum Werke das wir ernst bereiten.

Geziemt sich Wohl ein ernstes Wort.

Wenn gute Reden sie begleiten.

Dann stießt die Arbeit munter fort.

So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten.

Was durch die schwache Kraft entspringt.

Den schlechten Mann mutz man verachten.

Der nie bedacht, was er vollbringt.

Das ist's ja, was den Menschen zieret.

Und dazu ward ihm der Verstand,

Daß er im innern Herzen spüret.

Was er erschasst mit seiner Hand.

Arbeit ist des Bürgers Zierde,

Segen ist der Mühe Preis.

Ehret drum der Hände Fleiß!

Dann fuhr der Altgeselle im Richtspruch fort: Vor Zeiten baute man aus Buschwerk und aus

Moos

Nur Hütten schlecht und klein.

Diese Anlagen aber liegen und stehen hier Gebaut mit Kunst und Fleiß,

einem anderen Bruder, dessen Alibi einwandfrei feststeht), den Schlüssel zum Speicher besaß. Außerdem war er am Tages des Mordes, am Karfreitag nachmittags zwischen 17.30 Uhr und 18.30 Uhr von niemandem gesehen worden. Zum Abendbrot war er in Schweiß gebadet und in furchtbarer Aufregung erschie­nen. Als dem Mörder Bruder Veinard alle diese Einzelheiten vorgehalten wurden, versuchte er feige, einen anderenVruder mit der Tatzu belasten. Nachher verdächtigte er einen Schüler. Erst nach vier Stunden mühevoller Ar­beit ist es den Kriminalisten gelungen, endlich ein Geständnis zu erhalten.

Nach allem, was die Untersuchung bisher er­gab, muß die Tat von dem Bruder Veinard sorgsam vorbereitet worden sein. Jeden­falls hat er seine Autorität miß­braucht, um das Opfer von seinen Kamera­den zu trennen. Die Zöglinge des Veinard spiel­ten am Karfreitagnachmittag gemeinsam im Hof. Plötzlich befahl Bruder Veinard dem jungen Cordemans, in den Schlafsaal zu gehen und die Schuhe zu wichsen. Er ist ihm dann nachgegan­gen und hat ihn von dem Schlafsaal 'aus den Speicher gelockt. Dort verging er sich dann an ihm. Ob er den Knaben tötete, weil dieser sich wehrte und ihn anzeigen wollte oder ob es sich um einen regelrechten Lustmord han­delte, ist bis zur Stunde noch nicht eindeutig er­mittelt worden.

Das tragische Lebensschicksal des kleinen Cordemans wird in Managa mit beson­derem Mitleid besprochen. Seit seinem dritten Lebensjahr befand sich Cordemans in religiöser Obhut. Er hat keine anderen Einflüsse gekannt als die der Klosterschwestern und der Kloster­bruder. Welcher Art diese gewesen sein mögen, beweist nicht nur das Vergehen des Bruders Veinards.

Bereits vor zwei Jahren mußte der kleine Cordemans aus den Händen eines lüsternen Klo­sterbruders befreit werden. Die Kriminalpolizei hatte von den geschlechtlichen Vergehen an Corde­mans gehört und den Bruder aufgegriffen. Mit Rücksicht auf die kirchliche Obrigkeit hatte man einen öffentlichen Skandal vermieden. Wieviel aber ist vertuscht worden? Wie oft mag die Kri­minalpolizei von den Vergewaltigungen im Hause der „Heiligen Familie" nichts gehört haben. Jedenfalls hat der Knabe Cordemans unter einem regelrechten Terror gelebt. Viermal hat er aus diesen Klostermaucrn zu fliehen ver­sucht. Viermal hat das bedauernswerte Kind das Freie erreicht, aber jedesmal hat ihn die Polizei seinen Peinigern wiedergebracht.

Die zweideutige Haltung der ver­antwortlichen Kirchenbehörden bei

I-iiiüs: .-VItyescII 6crä Clever unk seine Lrbeits- liaineraäo» „neb äem stieb tsprueb. — steckt» künser (lavleiter inmitten aer Aimmerlents . Lukn.: Devs (1), ^.rnurius -(-1-)

Dem Architekten Behrens zum Preis.

Zwar kann nicht alles ohne Tadel sein.

Denn nichts, gar nichts ist unter dem Monde Von jedem Fehler rein.

Doch sind die Häuser alle Wohl Gerichtet und gemessen.

Das Matz ist winkclrecht.

Die Zimmersugung auch nicht schlecht.

An Fenster und Tür ist es Wohl bestellt.

Versäumt ist nichts daran und vergessen.

Doch Eigenlob mag nimmer taugen.

Drum überlasse ich s fremden Augen,

Und so frag' ich den Bauherrn vor aller Welt,

Wie ihm das Gebäude und die ganze Arbeit gefällt. (Fortsetzung aus Seite 2)

der Entdeckung des Mordes, die im Verlaufe der polizeilichen Untersuchung aus Tageslicht gebracht wurde, hat auf die Bevölkerung in Managa den tiefsten Eindruck gemacht. Der Mord wurde am Sonnabend um 5 Uhr entdeckt. Die Polizei wurde von dem verantwortlichen Leiter des Instituts erst um 10 Uhr benachrichtigt. Fünf Stunden ließ man zwischen der Entdeckung des Mordes und der Mitteilung an die Polizei verstreichen. In diesen fünf Stunden wurde das Vertrauen der Gläubigen von Managa auf die härteste Probe gestellt.

Was ist von 8 bis 18 Uhr morgens im Kloster verhandelt worden? Was wurde fernmündlich mit den Bischöfen oder gar mit dem Erzbischof von Mecheln besprochen? Das sind die Fragen, die in Manage gestellt werden. Jeder ist sich nun­mehr bewußt geworden, daß es der katholischen Obrigkeit weniger auf die Bestrafung des Mör­ders als auf ihr eigenes Prestige ankam.

Den peinlichen Eindruck der Unehrlichkeit ver­wischen die kirchlichen Behörden jetzt mit ihren Versuchen, den Sexualmord in Manage als die Verirrungvon geistig Umnachteten hinzustellen. In Zeitungsmeldungcn katholischer Blätter wird schon angedeutet, sehr wahrschein­lich seien sowohl der Bruder als auch sein Opfer geistig minderwertig. Auf die früheren Sexual­verbrechen gehen die katholischen Blätter über­haupt nicht ein. Die Bevölkerung von Manage hat aber auf solche Ehrenrettungsoersuche der kirchlichen Obrigkeit die treffende Antwort ge­funden: Der Mörder und der Ermordete sollen beide wahnsinnig gewesen sein? Das wäre et­was viel Irrsinn auf einmal,

Die scheußlichen Ereignisse im Hause der „Heiligen Familie" sind für die Arbeiterbevölke­rung von Manage von schwerwiegenden moralischen und auch sozialen Fol- g e n. Der moralische Schaden, den die streng­gläubigen Bewohner des Städtchens erlitten haben, ist nicht wiedergutzumachen. Der soziale Schaden aber wirkl bei dem niedrigen Lebens­standard der wallonischen Arbeiter besonders er­schütternd. Von alt--rs her waren die Arbeiter dort gewohnt, ihre häusliche Ordnung auf dem Vertrauen zu den Priestern, Klosterbrlldern und Klosterfrauen aufzubauen. Während die Männer und meistens auch die Frauen arbeiten, werden die Kinder in das Kloster gegeben.

Jetzt aber hat wieder einmal ein Klosterbruder das ihm anvertraute Gut zur Befriedigung sei­ner Gelüste mißbraucht und einen Mord verübt. Keine Mutter hat in Manage noch Vertrauen zum Kloster. Wo aber sollen jetzt die Kinder hin­gegeben werden, wenn die Eltern zur Arbeit gehen?

«Man lall ven ganzen Kasten ausräuchern! "

Vor grauentiaste Sexualmord von Manage — Wie der Klosterbruder veinard sich an einem Waisenknaben verging

Lenkende kattung der Bevölkerung

„Zur HeMgen samttie"

Verbrecher Hinter klostermouern

* Bremen, 4. April.

Von Grauen geschüttelt steht man vor dem furchtbaren Sexualmord des Klosterbruders Veinard in dem katholischen Waisenhaus „Zur heiligen Familie" von Manage in Bel­gien. Ausgerechnet einen Karfreitag suchte sich der verbrecherische Mönch zur letzten Befriedigung seiner perversen Triebe aus, und keinerlei Empfinden hatte er für das Ausmaß seiner bestialischen Roheit, das Opfer seiner widernatürlichen Lüste aus dem Reigen der unschuldig spielenden Kinder herauszuholen, um es im dunklen Ober­geschoß des Waisenhauses zu Tode zu peinigen.

Tausend Jahre und mehrere Jahrhunderte dazu hat man den katholischen Volksteilen in aller Welt systematisch die Vorstellung von der Heiligkeit und Ehrbarkeit des Klo­sterlebens einzuimpfen verstanden. Und ohne Bedenken, ja oft mit innerem Stolze ver­trauten — und vertrauen noch heute — un­zählige kulhvlische Eltern ihre Kinder der Obhut von Klasterleuten an in der An­nahme, daß die Kinder hier, ungefährdet von der „bösen" Welt und gesichert vor allen Gefahren an Leib und Seele, zu guten, an­ständigen Menschen erzogen würden.

Vertrauensvoll haben Tausende von Eltern hilfloser unmündiger Kinder Ab­schied vom Leben genommen, überzeugt da­von, daß gerade katholische Waisenhäuser den elternlos gewordenen Kleinen die beste Heimstätte wären sür die ZLit bis die Kin­der körperlich, geistig und seelisch gefestigt in das Leben zu treten vermöchten. Tau­sende von Eltern die noch lebend, aus sozialer Not, d. h. um ihrer Tagelohnarbeit nachgehen zu können, ihre Kinder klöster­lichen Anstalten anvertrauen, stehen bei der grauenhaften Tat von Manage entsetzt und- in bangen Zweifeln, ob nicht auch ihren Kindern ähnliche Gefahren drohen, Gefah­ren wie dem armen 14jährigen Knaben Cordemans, der sich — und das ist beson­ders tragisch — viermal den verbreche­rischen Neigungen eines moralisch verkom­menen und vertierten Mönches durch Flucht entziehen wollte und viermal von der Polizei dem Kloster und damit seinem Peiniger wieder ausgeliefert worden ist.

Man kann leider nicht mehr sagen, daß es sich bei dem Verbrechen des Kloster­bruders Veinard um einen einzelnen Fall in der Geschichte des Klosterlebens handelt. Denn selbst, wenn man davon absehen möchte, daß im. Laufe von Jahrhunderten innerhalb einer so verbreiteten Institution wie es die katholischen Klosterorganisatio­nen sind, auch da und dort einmal Dinge vorkommen, die unter gar keinen Umstän­den vorkommen sollten und vorkommen dürften, so bleibt die Tatsache der noch in lebhaftester Erinnerung lebenden Ver­brechen von Klosterinsassen der Jetztzeit — Verbrechen, wie sie uns aus den Koblen­zer Prozessen bekanntgeworden sind — sprechender Beweis dafür, daß auch in unserer Zeit noch in einer ganzen Reihe von katholischen Erziehungshäusern Zu­stände herrschen, die der Moral und dem Anstand einfach ins Gesicht schlagen.

Es ist die Frage an die Mitwelt zu stellen, wie es möglich sein kann, daß unter solchen Verhältnissen überhaupt noch Kinder der Obhut von Mönchen anvertraut werden dürfen? Es hat diese Frage nichts aber auch gar nichts mit irgendwelcher Gegner­schaft zu einer kirchlichen Gemeinschaft zu tun. Sie ist lediglich geboren aus der be­rechtigten Besorgnis, daß aus der Ver­worfenheit eines Teiles der Klosterinsassen gerade dem Teil der Menschheit, der in dem Klosterleben etwas besonders Ver­dienstliches sieht und sein Bestes und Teuer­stes, was er hat, seine Kinder, Klö­stern anvertraut, aus falschem Vertrauen schwerster Schaden erwächst.

Und es ist die Frage um so mehr berech­tigt, als leider — wie man sowohl bei den Koblenzer Prozessen als gerade jetzt wieder auch bei dem Falle des armen ermordeten Knaben Cordemans deutlich erkennen kann — von verantwortlichen Oberen der verbreche­rischen Triebe huldigenden Klosterbrüder, den Verbrechen meist nicht mit jener Tat­kraft und mit jener Raschheit begegnet wird, wie es unbedingt notwendig wäre, um dem Verderben unschuldiger Kinder an Leib und Seele zu begegnen. Auch im Falle des Lust­mörders Veinard hat es sehr lange gedauert, bis, von der Stunde der Entdeckung an ge-