Ausgabe 
(23.4.1937) Nr. 110
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19Z7

parteiamtliche Lageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen flrbeitsstont Bremen / flmtsblatt des Senats der Seien Hansestadt Bremen

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Nr. 110 / 7. Jahrgang

sreitag, 25. April 1SZ7

kinzelpreis 15 Npf.

Nund 750 kreisleiter auf vurg Vogelfang

ljaupttßema der laguns: der Mrjaliresplan

Unser Vagvsspisgsl

Der österreichische VundeskanMr Schuschnigg ist in Venedrg mit Mussolini zusammen­getroffen.

Die Mörder des Parteigenossen Riedle in Buenos Aires wurden verhaftet.

Auf Burg Bogelsaug find rund 7S0 Kreis­leiter zu einer Tagung eingetroffen.

Gegen den Hochverräter Kaplan Rossaint be­antragte der Staatsanwalt 15 Jahre Zucht­haus.

Zu Wilhelmshaven wurde das neue Kom­mando-Gebäude der Marinestation der Nord­see eingeweiht.

Deutschlands erste SA.-Banernfiedlnng ent­steht im Pfalzdorfer Moor in Ostsriesland.

Die Mörder der beiden Jagdaufseher von Leese haben ein umfassendes Geständnis ab­gelegt.

Zn einem VZ.-Gespräch äußerte sich die Frau des chinesischen Außenministers, Frau Ronan W. Chang, begeistert über Bremen.

Die Lloyd-Dynamo werte müssen Betriebs- erweiterungen vornehmen.

Me Mörder Medles verhaftet

Buenos Aires, 22. April

Nach Mitteilung des Polizeichefs von La Plata a« die deutsche Botschaft ist es gelungen, die Mör­der des Parteigenossen Joseph Riedle zu verhafte«.

Die Festgenommenen find zwei Wel beleumdete Männer. Bei dem einen handelt es sich um den italienischen Staatsangehörigen Felix Martin Bucci, der einen kleinen GemDfehandel betreibt; der zweite Mörder ist ein 19jähriger Argentinier, den die Polizei in Sän Martin, einem Vorort von Buenos Aires, stellen konnte; sein Name ist bisher noch nicht bekanntgegeben worden. In dem Geständnis, datz die beiden dem Untersuchungs­richter abgelegt haben, behaupten sie, sie hätten nicht die Absicht gehabt, Riedle zu töten. Viel­mehr hätten sie es lediglich auf das Geld abge­sehen gehabt, das Riedle bei sich trug. Bucci be­hauptet, nur deshalb geschossen zu haben, weil Riedle sich gegen die Räuber zur Wehr gefetzt habe. Dem widerspricht, daß die Mörder ihr Opfer nicht beraubt haben, sondern alsbald nach der Tat flüchteten. Unter den in Argentinien an­sässigen Italienern befinden sich viele linksradi- kale Emigranten.

dankesmöglichkeit

für jeden Volksgenossen

Berlin, 22. April.

Reichsleiter Max Amann erläßt folgenden Aufruf zum Dankopfer der Nation:

„Zum Geburtstag des Führers führt auch in diesem Jahr die SA. im Monat April das Dankopfer der Nation als Geschenk des Volkes an den Führer durch. Die dadurch gewonnenen Mittel werden wiederum zur Schaf­fung von Siedlungen für den deutschen Arbeiter verwendet. Die Siedlungen tragen den Namen der SA. und bezeugen, sag der in der Kampf­zeit bewiesene Opfergeist der SA. fortlebt.

Die SA., die dem Führer treu zur Seite stand, als er die Ehre und Freiheit des deutschen Vol­kes wieder herstellte, die Blut und Leben ein­setzte im Kampf'gegen die jüdischen und marxi­stischen Volksverderber, sie schafft mit dem Dank­opfer der Nation heute hohe kulturelle Werte und zeigt damit erneut ihre unaus­löschliche Verbundenheit und Liebe zum Führer. Wenn in den Tagen des April die Sturmdrenst- sellen wiederum Sammellisten zur Einzeichnung mr das Dankopfsr der Nation auflegen, hat ieder Volksgenosse die Möglichkeit, seinem Dank für die rmedererrungene Freiheit durch Einzeichnung in die Liste Ausdruck zu geben."

Hermann Sörings Parole

Berlin, 22 April

Im Anschlug an seine Maßnahme zur stärksten Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung mit dem Ziele, die Ernährung des deutschen Vol­kes so weit wie möglich aus deutschem Boden sicherzustellen, äußert sich der Beauftragte für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Generaloberst Eöring, in der Zeitschrift „Vierjahresplan" erneut zur Frage der Ernährungssicherung. „Ich erwarte", so sagt Hermann Göring, „daß das deutsche Land­volk vorn kleinsten Bauern bis zum größten Land­wirt die gegeben« Parole aufnimmt und allen Schwierigkeiten zum Trotz das Programm durch­fühlt. das ihm gestellt ist. Privatwirtschaftliche Erwägungen dürfen den volkswirtschaftlichen Er­folg nicht gefährden. Die Landwirtschaft muß den Ruf nach höheren Roherträgen in dem Be­wußtsein aufnehmen und erfüllen, damit einen Teil der Dankesschuld abzutragen, die sie dem Führer für die Sicherung ihrer Lebensgrundlage schuldet. Ich erwarte auch, daß die Landwirt­ichast die jetzt gegebenen Möglichkeiten zur Ver­besserung der Wohnverhältniss« der Eefolgfchafts- mitglieder restlos ausschöpft."

Mchtungweifende Vortrüge

Berlin, 22. April.

Die Kreisleiter der Partei sind vom 22. bis 28. ds. Mts. auf der Ordensburg Vogelfang versam­melt. Aus allen deutschen Gauen sind sie von Reichsorganisationsleiter Dr. Sey zur diesjähri­gen Schulungstagung zusammengerufen worden, um aus den Vortrügen führender Parteigenossen, die ihnen klare Einblicke in die Ausgaben und Forderungen ihrer Arbeitsgebiete vermitteln, aus dem Erlebnis der Kameradschaft, aus dem Ge­dankenaustausch und nicht zuletzt aus der At­mosphäre dieser Glaubenstrutzburg in der Eisei Ausrichtung, Kraft und Ansporn für den ver­antwortungsvollen Dienst in ihren Hoheitsgebie­ten zu erhalten.

Berlin, 22. April.

Im Hochverratsprozeß gegen die katholischen Jugendführer vor dem Volksgerichtshof des Deut­schen Reiches hielt der Staatsanwalt am Don­nerstag seine Anklagerede. „Der abzuurteilende Tatbestand, so führte er aus, „wird in der Haupt­sache getragen von dem Tun und Lassen des Hauptangeklagten Rossaint. Es liegt hier ein Zusammenwachsen zwischen dem typisch kommu­nistischen Hochverrat auf der einen Seite mit dem besonders geformten Hochverrat auf feiten des Kaplans Rossaint vor. Als der Hauptangeklagte mit den kommunistischen Funktionären nach dem Verbot der KPD. zusammenarbeitete, war jede kommunistische Tätigkeit verboten und ungesetz­lich. Die roten Hetzer versuchten daher, unter­irdisch ihre verderbliche Tätigkeit weiter fort­zusetzen. Bei diesen Bestrebungen erschien den lei­tenden Funktionären des ehemaligen Zentral­komitees der KPD. Rossaint als geeignete Per­son, um ihnen Zutritt zu den damals noch legal bestehenden katholischen Jugendorganisationen zu verschaffen.

Rossaint ist schon sehr früh aus seiner seelsor- gerischen Arbeit für die katholische Jugend her­ausgetreten zu einer rein politischen Vetätigung, deren Fäden hinführten bis zu den extremsten kommunistischen Bestrebungen, denen er sich frei­mütig und freiwillig geöffnet hat. Er stand in­nerlich den pazifistischen Kreisen im berüchtigten „Friedensbund deutscher Katholiken" nahe und unterstrich diese innere Verbundenheit dadurch, daß er der Organisation als Mitglied beitrat.

Besonders kennzeichnend für seine Einstellung ist ein Vorfall aus dem Jahre 1933, den die als Zeugin vernommene Frau eines SA.-Sturm- führers vor Gericht bekundet hat. Rossaint hat dieser Frau nahegelegt, ihren Mann zu über­reden, daß er nicht in Uniform in der Kirche er­scheinen solle. Während des Gesprächs mit der Zeugin wies Rossaint auf ein Bild des Führers hin und bemerkte: „Der bleibt ja doch nicht, es kommt alles noch anders!"

Dann ging der Staatsanwalt näher auf die Be­ziehungen ein, die Rossaint seit August 1933 mit verschiedenen kommunistischen Funktionären, hin-

Der Donnerstag war der Anreise und Unter­bringung der rund 759 Kämpfer der Bewegung aus vorderster Front vorbehalten, die gauweise in Stubengemeinschaften in den zehn Kamerad­schaftshäusern auf ven vielen Terrassen der Ordensburg am Urft-See zusammengefaßt sind. Die Eröffnung der Tagung nimmt Reichsorgani­sationsleiter Dr. Ley selbst vor. Nach einleiten­den Worten des Burgkommandanten, Hauptamts­leiter Mand erb ach, der die Tagung leitet, wird er am Freitagvormittag'zu den Hoheits­trägern sprechen, die auf sein Geheiß hier für ihre Pflichterfüllung am Volk gestählt werden. Als Kernproblem hat er in diesem Jahr den Vier­jahresplan und seine Forderungen bestimmt, bei dessen Erfüllung gerade die Kreisleiter der Partei in vorderster Linie stehen. Die Referate der Tagung beginnen mit diesem bedeutsamen Thema.

Nach der Eröffnung werden am Vormittag nacheinander Leiter der Eeschäftsgruppen des Beauftragten für den Vierjahresplan ihre

auf bis zu Mitgliedern des ehemaligen Zentral­komitees der KPD., unterhalten hat. Kennzeich­nend für diese Beziehungen ist, daß der den Kom­munisten immer wieder Gelegenheit gab, in den Kreisen der katholischen Jugend ihre zersetzenden Eedankengänge bekanntzugeben.

Dabei wurde ganz offen zum Ungehorsam gegen den Staat, zu Streiks und Sabotageakten aufge­fordert. Rossaint hat derartigen Ausführungen niemals widersprochen und trotz dringender War­nungen aus dem Kreise seiner eigenen Zuhörer nicht von der Fortsetzung seiner staatsfeindlichen Propaganda mit den Kommunisten gelassen. Seine Ausführungen wurden von den roten Agenten besonders genau verfolgt und fanden in ihrem Lager solchen Beifall daß sie in Moskau zum Gegenstand von Besprechungen gemacht wurden.

Die roten Agenten, insbesondere auch die in Moskau geschulte Bertha Karg, haben nicht den geringsten Zweifel darüber gelassen, daß es ihnen nicht auf theoretische Diskussionen ankam, sondern daß sie die „noch schlummernde Aktivität der katholischen Jugendverbände" wachrufen wollten für den gemeinsamen Kampf gegen die national­sozialistische Regierung.

Katholisch-Kommunistische SchanLpiäne für den Saarkamps

Im Hause des katholischen Kaplans fand die Funktionärin Karg auch Gelegenheit, einen dort anwesenden Sturmscharfllhrer aus dem Saar­gebiet zur Bildung einer katholisch-kommunisti­schen Einheitsfront im Hinblick auf die damals bevorstehende Saarabstimmung aufzurufen. Am 29. Januar 1934 traf sich Rossaint schließlich mit dem in Begleitung der Bertha Karg befindlichen Spitzenfunktionär des ehemaligen kommunistischen Jugendverbandes, Ewald Kaiser, in Köln. Um ungestörter verhandeln zu können, suchte man die Wohnung eines Rossaint befreundeten Geistlichen auf. Nach dem 29. Januar 1934 wurde unter Lei­tung Stebers in Köln noch eine Versammlung der Vezirkssturmscharführer abgehalten, in der zwei kommunistische Funktionäre sprachen. Ros-

Arbeitsgebiete vor den Kreisleitern entwickeln: Präsident Dr. Syrup behandelt das Thema des Arbeitseinsatzes, Ministerpräsident Köhler- Baden die Rohstoffverteilung und Gauleiter Josef W a g n e r - Vreslau die Preisbildung. Für den Einsatz des ganzen Volkes, insbesondere aber der Parteigenossen, die Ministerpräsident Eöring zuvorderst für den Vierjahresplan auf­gerufen hat, wird diese Unterrichtung der Kreis­leiter durch die von Ministerpräsident Eöring berufenen Männer von starker Auswirkung sein.

Der Nachmittag steht unter dem Eindruck des Besuchs und Vortrags von Reichsmini­ster Dr. Goebbels. Anschließend wird General der Flieger Milch im Auftrage des Ministerpräsidenten zu den Kreisleitern sprechen. Mittagspausen und Abende der Tagung sind stets dem Erfahrungsaustausch untereinander, der Auseinandersetzung mit den behandelten Problemen, ihrer Uebertragung auf den Alltag und der Kameradschaft vorbehalten.

saints Wohnung wurde nach der Verhaftung der Karg noch als rote „Anlaufstellung" benutzt.

Anschließend ging der Staatsanwalt zur Be­handlung des letzten Anklagekomplexes, der Be­ziehungen Rossaints zu dem Mitangeklagten Jülich, über. Jülich, ein zum katholischen Glau­ben übergetretener, von Rossaint getaufter frü­herer Jude, händigte Rossaint hochverräterische Druckschriften aus und machte ihn auch mit dem kommunistischen Funktionär Schnuppert bekannt, den Rossaint nach seiner Flucht nach Holland nicht nur geldlich unterstützte, sondern auch mit politischen Informationen über die Lage in Deutschland versah. Sicherheitshalber sandte der Kaplan diese gefährlichen Briefschaften zum Teil von jenseits der Reichsgrenze an den in Amster­dam lebenden Empfänger ab.

Me Strafantr8-e

Am Schluß seiner zweistündigen Ausführungen beantragte der Staatsanwalt gegen den Haupt­angeklagten, Kaplan Joseph Rossaint, wegen fort­gesetzter. teilweise gemeinschaftlicher Vorbereitung zum Hochverrat 15 Jahre Zuchthaus und 1V Jahre Ehrverlust unter Anrechnung der Untersuchungs­haft.

Weiter beantragte der Staatsanwalt gegen den früheren Reichssührer der Sturmscharen Franz Lieber aus Matgendorf in Mecklenburg wegen Vorbereitung zum Hochverrat sieben Jahre Zucht­haus und sieben Jahre Ehrverlust, gegen Her­mann Jülich aus Düsseldorf wegen Vorberei­tung zum Hochverrat 24L Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust, gegen Kaplan Karl Kre - mer aus Remscheid wegen Beihilfe zur Vorberei­tung des Hochverrats zwei Jahre acht Monate Ge­fängnis, gegen Peter Himmes aus Düsseldorf, ebenfalls wegen Beihilfe, zwei Jahre Gefängnis, gegen Hubert Schäfer aus Düsseldorf wegen Unterlassens der Anzeige über das Vorhandensein hochverräterischer Druckschriften ein Jahr Gefäng­nis. Für den Generalsekretär des katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands Jakob Cle­mens aus Düsseldorf beantragte der Staats­anwalt Freispruch mangels Beweise. Den An­geklagten soll die Untersuchungshaft angerechnet werden. Das Urteil ist voraussichtlich zu Beginn der kommenden Woche zu erwarten.

Schuschnigg in Venedig

Mailand, 22. April.

Mussolini traf am Donnerstagoormittag in Begleitung des italienischen Außenministers Graf Eiano und des Fliegergenerals Valle in Venedig ein, um den österreichischen Bundes­kanzler Schuschnigg zu empfangen. Kurz vor 11 Uhr traf der Zug mit der österreichischen Ab­ordnung ein. In der Begleitung des österreichi­schen Bundeskanzlers befanden sich u. a. Staats­sekretär des Beugern Schmidt und Oberst Adam. Nachdem Mussolini den Bundeskanzler mit einem freundschaftlichen Händedruck begrüßt hatte, schritt Dr. Schuschnigg die Ehrenkompanien ab. Beide Staatsmänner hatten anschließend eine mehrstün­dige Unterredung, die heute fortgesetzt wird.

kosaken-terbwache sür Stalin

e. London, 22. April.

Die durch die Verhaftung Jagodas offenbar gewordene Unzuverlässigkeit der GPU. hat das Mißtrauen Stalins gegen seine eigene Leibgarde hervorgerufen und ihn veranlaßt, die den Wach­dienst im Kreml vergehenden GPU.-Truppen und Funktionäre schleunigst zu entfernen. Wie „Daily Mail" durch seinen Sonderkorrespondenten er­fährt, hat jetzt eine Kosaken-Division die Auf­gaben der GPU.-Wache in Moskau übernommen.

kntllekene jchnen?

Karl IV., Kopernikus urü> ihre „Interessenten"

N. Xlü. Die Gründungsurkunde. der Karls- Universität in Prag vom Jahre 1348 ist mit dem Siegel desdeutschen Kaisers Karl IV, versehen. Man sollte annehmen, datz diese Tatsache und darüber hinaus der Inhalt jenSr Gründungsurstunde nicht zuletzt den tschechischen Teschichtsprofessoren bekannt ist, zumal sich gerade die älteste deutsche Univer­sität, also die von Karl IV. ins Leben ge­rufene Forschungsstätte an der Moldau, auf eine in ihren Mauern heimische Pflege der historischen Wissenschaften berufen kann. Der an der Karlsumoersitäi lehrende Professor Dr. Weigner will dieser Tradition jedoch nicht die Ehre erweisen: Bei ein«: Kranzniederlegung am Grabe Karls IV. im Präger St.-Veits-Dom erklärte jener ge- schichtssälschende „Wissenschaftler", einem Bericht der „Präger Presse" zufolge: „Wir legen diesen Kranz als Beweis der Dank­barkeit und 'der uneingeschränkten Ehr­erbietung für den grotzen Tschechen und Europäer nieder!" So, da halben wir's, Karl IV. aus kerndeutschem Mrsten- hause, von 1347 bis 1378 Kaiser von Deutsch­land, ist — Tscheche! Etwa weil er in Prag geboren wurde? Vielleicht dürfen wir bei aller Rücksichtnahme auf die politischen Tat­bestände der Gegenwart an die ursprünglich enge Verbundenheit Böhmens mit den deut­schen Kernlanden erinnern. Es ist kein Zufall, datz die alte Stadt Prag architek­tonisch ein für jeden aus dem Reich kommen­den Besucher unverkennbar deutsches Gepräge hat. Wesentlicher noch als der Ge­burtsort Karls lV. aber ist die einwandfreie deutsche Ahnenreihe dieses Kaisers. Wollte man sie — an sich eine Unmöglichkeit — nach tschechoslowakischem Vorbild völlig autzer acht lassen, so könnte hinsichtlich der Kultur- zugehörigkeit Karls IV. mit dem gleichen „Recht" Frankreich seine „Ansprüche" anmel­den, denn in Paris hat der spätere Urheber des Grundgesetzes unseres Ersten Reiches, der sogenannten Goldenen Bulle, seine entschei­dende Erziehung und Bildung ge­nossen. Wir möchten dem genannten Präger Professor, dessen Tschechisierungseiser bereits die Formen des Komischen angenommen hat, einen guten Rat geben: Es empfiehlt sich, bei der weiteren Suche nach überragenden tschechischen Stammesangehörigen den Wunsch nicht mit der Wirklichkeit, die Leicht­gläubigkeit der eigenen Landsleute nicht mit der Bestätigung seitens eines wissenschaft­lichen Forums zu verwechseln. Oder will die tschechische Geschichtsschreibung vom Gipfel der Lächerlichkeit nie wieder herunter­kommen?

Zu jener seltsamen Beanspruchung führen­der Männer der deutschen Vergangenheit für fremde Kulturvölker scheint auch Nikolaus Kopernikus wieder ein Beispiel liefern zu sollen. Im repräsentativen Raum des im Bau befindlichen polnischen Pavillons der Pariser Weltausstellung hat, wie kürzlich be­kannt wurde, neben den Büsten heroischer Polen auch eine den großen deutschen Astro­nomen darstellende Plastik einen hervor­ragenden Platz gefunden. Wir hätten nichts einzuwenden gegen diese Ehrung des bahn­brechenden, vor 400 Jahren wirkenden Na­turforschers, dem die Welt bekanntlich die Lehre von der Umdrehung der Erde um die Sonne verdankt, wenn der in Thorn ge­borene Gelehrte im Pariser Ausstellungs­raum nicht trotz seiner erwiesenen deutschen Abstammung als dem polnischen Volke zugehörig bezeichnet würde. Das Wissen um die ausnahmslos deutsche Ahnenreihe des genialen Pioniers unseres naturwissenschaft­lich begründeten Weltbildes hätte die War­schauer Propagandastellen davor bewahren müssen, den längst erledigten Streit um Ko­pernikus' Herkunft neu zu entfachen. Unsere Verwunderung über den Einzug des erfolg­reichen Astronomen in die polnischen Ge­filde der Weltausstellung ist um so größer, als es unser östliches Nachbarvolk angesichts der hohen Zahl seiner eigenen bedeutenden Männer wahrlich nicht nötig hätte, einen unsterblichen deutschen Geisteshelden als einen zum Polentum gehörenden Grotzen auszugeben.

Nicht zuletzt ist Kopernikus' Lebenswerk selbst ein stolzes Zeugnis germanischen Blu­tes und Geistes. Nur einem selbstbewußten, von unbestechlichem Mut zur Wahrheit er­füllten Deutschen war es vorbehalten dem kirchlich-zweckhaften Weltbild der feststehen­den Erdscheibe mit dem über ihr schweben­den Himmelreich der Romhörigen und der unter ihr lodernden Hölle der Ketzer beharr-, lich die aus sorgfältiger Beobachtung der Natur gewonnene wissenschaftliche

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