Ausgabe 
(14.6.1937) Nr. 160
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Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Meinen / Amtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Bremen

der slationa»svjmlisten Vrrmms

parteiamtliche Lageszeitung

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Vas amtliche verkündungsblatt des Neichsstaichalters in Oldenburg und Vremen

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Nr. 160 / 7 . lalirgang

Montag, 14 . Juni 1 SZ 7

kinzetpreis 15 Npf.

kinjiglittige vekundung deutscher tebenssteude

die Kds.-Iagung aus dem Höhepunkt Vremens Vertretung im „sestzug des deutschen Volkes" besonders herrlich bejubelt

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Starke deutsche und ausländische Veteiligung

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0. 8. Hamburg, 14. Juni.

Mittelpunkt der Freude für die Welt möge in diesen Tagen Hamburg sein! Das war der Wunsch, den Dr. Ley auf einer Pressebesprechung Zum Ausdruck brachte. Und wer die Reichstagung der NSG. „Kraft durch Freude" miterlebt, wer gesehen, gehört und mit allen Fasern seines Her-

Onssr lagssspiegel

In Hamburg erreicht die KdF.-Reichstagung mit dem Festzug des deutschen Volkes ihren Höhepunkt.

Die früheren deutschen Kommunistenführer Holz und Neumann wurden in Moskau hin­gerichtet.

Die nationalspanischen Truppen konnten ihre Offensive bis 5 Kilometer vor Bilbao vor­treiben.

Französische Pressestimmen fordern Abkehr Frankreichs vom Sowjetpakt.

Am gestrigen Sonntag sahen wieder 12 680 Volksgenossen „De Stedinge".

Sieger des internationalen Eifelrennens wurde Bernd Rosemeyer auf Auto-Union.

Werder Bremen gewann gegen eine llnter- weser-Städtemannschaft 8:4.

Auf dem HJ.-Bannsportfest wurden be­merkenswerte Resultate erzielt.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde in Trupe die Tausendjahrfeier be­gangen.

zens gesuhlt hat. wie sich in dieser Stadt, die den Feiertagen einen gewaltigen und festlichen Rahmen.gab, Deutsche und Ausländer gemeinsam Zu dem Gedanken „Kraft durch Freude" rückhalt­los bekannt haben, der weiß, daß es Jahr für ^ahr mehr ausländische Abordnungen sein wer­den, die sich mit den deutschen Volksgenossen ver­einen zu dem Bekenntnis der Leb'ensbejahung, der Freude am Leben.

.Wer am Sonnabend durch Hamburgs Straßen ging, wer die singend und jauchzend dahinziehen­den Volkstumsgruppen sah, wer den Veranstal­tungen sämtlicher in- und ausländischer Trachten- und Volkstumsgruppen in der Hanseatenhalle bei­wohnte und wer dann »--staubt hat, daß diese Kundgebung der Lebensb^ahung keiner Steige- tung nrehr fähig sei, der mußt« 'erleben, daß d«r -,<iegzug des deutschen Volkes", der am Sonntag

durchgeführt wurde, alles Vorhergegangene und mag es noch so groß und gewaltig, noch so un­bändig in seiner Kraft- und Freudeentfaltung gewesen sein, weit in den Schatten gestellt hat.

Nur wenige Stunden Nachtruhe gönnten sich die Festzngteilnehmer, die schon am frühen Sonn- tagmorgen zum Heiligengeistfeld zogen, um letzte Hand anzulegen an die Ausgestaltung der Fest­wagen und für die eigene Ausrüstung. Mit etwa 25 000 Menschen waren zahlreiche Musikkapellen und über 210 Festwagen, ferner viele hundert Pferde in den Zug einzugliedern.

Schon gegen 9 Uhr waren die Straßen und unzählige Tribünen, die sich längs der viele Kilo- meter langen Festzugsstraßen 'hinzogen, besetzt. Auf dem Adolf-Hitler-Platz, wo vor dem Rat­

haus die Ehrentribüne errichtet worden war, trafen bald mit führenden Persönlichkeiten des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Le­bens Deutschlands, mit den Führern der Wehr­macht und des Reichsarbeitsdienstes die Vertreter vieler Nationen^ vor allem viele ausländische Kriegsmarine-Offiziere und auch Offiziere des Landheeres ein. Punkt 9.45 Uhr fuhren, jubelnd von den Volksgenossen begrüßt, Reichsminister. Rudolf Heg und Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley und in ihrer Begleitung Gauleiter Kaufmann ein. Noch hatte sich der Beifall nicht gelegt, noch jubelten die Massen dem Stellver­treter des Führers und dem Vertreter der Wehr­macht,, der von Pg. Rudolf Heg herzlich begrüßt wurde, zu, als auch schon von weit her das

dumpfe Dröhnen der Landsknechtstrommeln und das helle Schmettern der Fanfaren des Jung­volks über den Platz klangen. Begeisterungsstürme brausten auf, als dann unsere Jugend in breiter Front und in tadelloser Ordnung an der Tribüne vorbeimarschierte. Flott und schneidig marschierte dann der Spielmanns- und Musikzug und ein Marschblock der Hitlerjugend vorüber. Kernig war der Vorbeimarsch.

„Freut euch des Lebens"! Mit diesem Marsch, der von allen Volksgenossen begeistert mitgesun­gen wurde, marschierte der Reichsarbeitsdienst, dessen Marschblock mit geschultertem Spaten ange­rückt kam, schneidig vorüber.

(Fortsetzung im Innern des Blattes) '

„eingegangen ins Sowjet-Paradies"

Vas Schicksal der deutschen kommunistenkäuptlinge war Kitt; und Sem; Naumann

Warschau, 14. Juni.

Ueber das Schicksal der früheren kommunisti­schen „Führer", die seinerzeit aus Deutschland nach Sowjetrußland emigrierten, werden jetzt aus Moskau im Zusammenhang mit den bolschewisti­schen Massenschlächtereien nähere Einzelheiten be­kannt, die mit Sicherheit darauf schließen lassen, daß sie allerdings in aller Stille fast ausnahms­los das gleiche Schicksal ereilt hat wie alle jene, die bisher vom sowjetrussischen Moloch verschlun­gen wurden.

Max Hölz z. V., von dem ursprünglich ange­nommen wurde, er sei „ertrunken", hat ebenso wie Heinz Neumann durch den üblichen Revolver­schuß ins Genick in den Kellergewölben des EPU.- Palastes am Moskauer Lubljanka-Platz geendet. Elf weitere ehemalige Reichstagsabgeordnete wer­den bekanntlich seit langem „vermißt". Es kann heute nach den bisher vorliegenden Meldungen mit Sicherheit angenommen werden, daß sie das gleiche Schicksal erlitten haben. Sie sind „einge­gangen ins Sowjetparadies" — aber anders als sie es sich vorgestellt und einst dem deutschen Ar­beiter vorgegaukelt haben.

Sie krlckießung der Sowjetgenerale

Frankreichs Presse bekundet Bestürzung, Empörung und betretenes Schweigen

Paris, 14. Juni

Die Exekution des Marschalls Tuchatschewski und der mitverurteilten hohen Generale der Roten Armee füllt in großer Aufmachung die Spalten der Pariser Sonntagspresse. Für die französische Öffentlichkeit ist die Erschießung des Marschalls Tuchatschewski, der noch vor kurzem in offizieller Mission in Paris weilte und dem vom franzö­

sischen Oberkommando die tiefsten Militärgeheim­nisse mitgeteilt wurden, besonders pein­lich. vor allem in Hinblick auf den französisch- sowjetrussischen Pakt.

Unter dem Eindruck des Todesurteils der Sow­jets gegen den Mann, den man mit Vorliebe als den „roten Napoleon" bezeichnete, und gegen sieben der höchsten und fähigsten Generale der Roten Armee hat eine lebhafte Diskussion über den Wert des französisch-sowjetrussischen Bünd­nisses in der hiesigen Presse eingesetzt. Selbstver­ständlich ist. daß die Antisowjetblätter noch ener­gischer als bisher gegen diesen gefährlichen Pakt bzw. dagegen, daß mit diesem unsicheren Partner etwa noch besondere militärische Abkommen ge­schlossen werden. Sturm laufen.

Viel bezeichnender ist jedoch die Tatsache, daß sogar das radikalsoziale „Oeuvre", das bisher zu den eifrigsten Verfechtern des Bündnisses mit Sowjetrußland gehörte, ernsthaft die Frage aus­wirft, was unter diesen Umständen ein solches Bündnis überhaupt noch für einen Wert habe. Das Blatt stellt fest, daß die neuen Hinrichtungen das internationale Prestige Sowjetrußlands kom­promittierten. Der offiziellen Moskauer Lesart zufolge sei die Rote Armee, die bisher als gesund und dem Regime völlig ergeben erschien, von dem Vazillus des Verrats verseucht. Wenn es wahr sei, daß alle diese hohen Generale Verräter gewesen seien, was müsse man dann von der Kampffähigkeit und der Widerstandskraft der Roten Armee im Falle eines europäischen Kon­fliktes halten? Moskau müsse wissen, so schreibt das „Oeuvre" weiter, daß die letzten Ereignisse in politischen und militärischen Kreisen Frank­reichs große Bestürzung hervorgerufen habe.

General llborewitsch habe im September 1936 die großen Manöver in Weißrußland und General Jakir die Manöver in der Ukraine geleitet. Bei

diesen Manövern seien die französischen Generale Schweißguth und Vuillemin zugegen gewesen.

Hätten sie damals annehmen können, daß sie ihre Hand in die Hände von „Verrätern" legten? Frankreich habe einen gegenseitigen Beistandspakt mit Sowjetrußland unterzeichnet. Was sei dieser Beistandspakt noch wert? Auch die Tschechoslo­wakei, die ebenfalls einen Beistandspakt mit Sowjetrußland unterzeichnet habe, werde sich fragen müssen, was nun dies diplomatische Schrift­stück wert sei.

Der „Populaire", das Blatt des Minister­präsidenten Leon Blum, schweigt sich über diese Seite der peinlichen Angelegenheit vorsichtig aus.

In dem neugegrllndeten rechtsstehenden Blatt „Epoque" schreibt Henry le Eerillis u. a.: Stalin erhalte sich nur durch Terror. Wie lange aber noch? Es sei offensichtlich die Furcht, ge­paart mit Irrsinn, die ihn zum Verbrechen treibe. Aber alles hab: ein Ende. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß die Stunde herannahe, in der auch dieser rote Götze zusammenbrechen werde.

Der Außenpolitiker des „Fiqar o", Wladimir d Ormesson, stellt folgende Fragen: Was bedeutet das Spiel Moskaus? Stalin säubere Sowjet­rußland vollständig von Kommunisten. Warum aber unterhalte er. der die Zügel seiner .französi­schen Provinz" fest in der Hand hat. in Frank­reich die Kommunisten in so reichhaliiaem Maße? Und wie lange werde die französische Republik noch dulden, daß eine der drei Parteien die die Regierung unterstützen, vom Ausland geleitet werde?

Pierre Dominique überschreibt seinen Artikel m der „R ö p u b l i q u e": „Stalin hat einen

doppelten Streich geführt; indem er seine Ge­nossen tötete, hat er auch das Militärabkommen totgemacht." (Siehe auch Seite 2.)

Vas gesökrliche Zölibat

Psychiater über die Ordensprozesse

„Eine Anzahl Zeitungen bauscht, diese. Fälle leider sehr auf — aber man müh unterscheiden: Wahrheiten und., Zeitungswahrhesten^. Die Kirche fordert die Gläubigen''zumt: Kämpf aus bis zum Letzten". ./

(Aus dem Hirtenbrief, des Kardinals Schulte, Köln, vom 17. Mai 1937:)

b. b. Köln, 14.^ Juni.

Man findet kaum mehr durch, wenn man die Fülle der Sittlichkeitsprozesse gegen die Kloster- brüder der letzten Wochen betrachtet. Kein Tag ohne daß die Zeitungen über immer neue Fälle berichten müssen. Die Prozesse, denen Tausends von Zuhörern bisher beiwohnen konnten, u. a. auch die Auslandspresse, haben in ihren Einzel­heiten ein Bild solcher Scheußlichkeit entstehen lassen, daß es wohl an der Zeit ist, einmal den Gesamtkomplex dieser Sittlichkeitsverbrechen — losgelöst vom Formalrechtlichen — vom Stand­punkt des ärztlichen Sachverständigen, des Psychiaters zu betrachten, um zu hören, ob tat­sächlich in den Klöstern überall Verbrecherorden Hausen oder ob besondere Einflüsse krankhafter Art Veranlassung zu den Schandtaten^ und Sexual-Exzessen sind.

Die Fachärzte für Psychiatrie Dr. Crome und Medizinalrat Dr. Esser haben die Bonner und zum Großteil die Koblenzer Untersuchungen ge­führt. Ein Schriftleiter des „Westdeutschen Be­obachters" hatte Gelegenheit, sich über die auf­tauchenden Fragen mit Medizinalrat Dr. Esser ausführlich zu unterhalten. Im folgenden sol­len die Hauptgedanken des Psychiaters zu den Vorkommnissen wiedergegeben werden.

Grundsätzlich sei herausgestellt, daß alle bisher begutachteten Kranken voll zurechnungs­fähig sind und daß ihnen auch nicht der 8 51 in seiner neuen Fassung, die verminderte Zurech­nungsfähigkeit vorsieht, zugebilligt werden kann. Im Gegensatz zu den begutachteten zivilen Ver­brechern, die gegen den 8 175 verstießen, haben die Untersuchungen ergeben, daß die Kloster- brllder — mit verschwindenden Ausnahmen — zu­nächst versuchten, dem Arzt Unzurechnungsfähig­keit, Idiotie,"Jugendirresein usw. vorzutäuschen, um eine Besserung ihrer Lage herbeizuführen. Bemerkenswert ist ferner, daß die Verbrechen der Klosterbrüder in allen Fällen scheußlicher in der Ausführung waren und mit mehr Zynismus ver­übt wurden, als das bei begutachteten zivilen Angeklagten je der Fall war.

^ Bei her Betrachtung Hunderter abgeurteilter Fälle ist zu bedenken, daß im ganzen nochmehr als tausend angeklagte Kloster­brüder und Geistliche auf ihre Ab- urteilung warten und daß diese tausend