Ausgabe 
(5.6.1937) Nr. 151
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parteiamtliche Tageszeitung

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Nr. 151 / 7. Jahrgang

Sonnabend, 5. Juni 1SZ7

kin;elpreis 15 Npf.

Seltsame Moralauffaffung der Klosteroberen

wenn zwei „brillier" sich tteffen...

Unssr Ivgesspiegsl

Vor Reichskriegsminister von Vlomberg sand eine große Schon des italienischen Hee­res statt.

Dr. Goebbels gewährte einem Vertreter der „Tribuns" eine Unterredung.

Schmeling bat sich zur sofortigen Rückreise nach Deutschland entschlossen.

In Koblenz wurden zwei neue Urteile gegen priesterliche Sittlichkeitsverbrecher gefällt.

Amerika will seine Handelsflotte beschleunigt ausbauen.

Der Ratenkrieg in der Newyork—Südafrika- Fahrt wurde beendet.

Der Aufsichtsrat der Atlas-Werke wurde durch Neuwahlen ergänzt.

Während der Jahrestagung der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft in Bremen wird im Rickmerspark ein Immergrüner Garten eröffnet.

Beim Meisterwettkampf 1837 in Frankfurt a. M. errang ein bremischer Handwerker den 3. Preis.

In Lüneburg wurde der Eautag Osthanno­ver feierlich eröffnet.

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Ver betrug an Mar Schmeling

Newyorker Voxkommission schlägt Sport­gedanken ko.

(Vrabtbsriabt uussrsr Lsi-Iiusr Lobriktlsituvß)

rci. Berlin, 4. Juni.

Der Beschluß der Newyorker Voxkommission gegen den wort- und Vertragsbrüchigen sogenann­ten Weltmeister Braddock stellt den größten Sportskandal dar, den das an Skandalen gewiß nicht arme Land der unbegrenzten Mög­lichkeiten je erlebte. Schon seit Jahren haben die um die Pflege und Erhaltung des Sportgedan­kens besorgten europäischen Sportkrei'se mit Ver­wunderung festgestellt, daß der Boxsport in den Vereinigten Staaten immer mehr durch rein geschäftliche, vom sportlichen Gesichtspunkt völlig unbeeinflußte Machenschaften an Ansehen verlor. Der Beschluß von Newyork ist die Krö­nung dieser traurigen Entwicklung, denn sie raubt einem fairen Sportler, der sich in ehr­lichem Kampf nach vorn gebracht hat, die ihm durch einwandfreie Verträge zugesicherte Chance zur Wiedereroberung des Weltmeistertitels. Die „S u s p en d ie r un g" Braddocks ist praktisch absolut wirkungslos, da die 48 anderen Staaten der Union sich einen Teufel um die Be­schlüsse Nswyorks scheren und der wortbrüchige Mister Braddock in diesen Staaten ungehindert weiterwirken kann. Wenn es den Herren in Newyork wirklich um sportliche Fairneß gegangen wäre, dann hätten sie aus den widerlichen Äa- növern der Leute um Vraddock und aus dessen Wort- und Vertragsbruch die Konsequenzen ziehen und dem vor Schmeling feige kneifenden Braddock den Titel aberkennen müssen.

Der beispiellose Betrug an Max Schmeling hat den Glauben aller wirklichen Sportsleute auf der Welt an die Reellität des amerikanischen Box­sports aufs schwerste erschüttert. Die Boxwelt, deren Sympathien völlig auf feiten des um sein Recht betrogenen Schmeling stehen, erwartet, daß Maßnahmen getroffen werden, um diesem Skandal ein Ende zu machen und die verhindern, daß der Sportgedanke von gewissenlosen amerika­nischen Voxgangstern völlig vernichtet wird.

Der Schluß liegt nahe, daß der Dollar gewissen Herren in USA. mehr gilt als Recht und Gerech­tigkeit. Wir beglückwünschen jedenfalls die Ver­einigten Staaten nicht zu einem sogenannten „Weltmeister", der monatelang feige vor dem ehr­lichen Herausforderer davonläuft und dessen ein­zige Tätigkeit darin besteht, Verträge zu unter­schreiben, um sie je nach.Belieben wie einen Fetzen Papier zu zerreißen.

Die übrige Welt, außer USA., jedenfalls, in der der Sportgedanke und der Begriff der Fairneß lebt, lehnt es ab, ein solches Individuum als „Weltmeister aller Klaffen" anzuerkennen.

Schmeling kehrt heim

Newyork, 4. Juni.

Der unbefriedigende Beschluß der Newyorker Voxkommission hat Max Schmeling veranlaßt, die weitere Entwicklung nicht in Newyork abzu­warten. Wie sein Betreuer und Freund Max Machon dem Vertreter des DNB.-Sports mit­teilte, wird unser Boxmeister aller Klaffen be­reits am Sonnabend mit dem Dampfer „Ham­burg" die Rückfahrt nach Deutschland antreten. Machon hofft, daß Schmeling im Herbst einen Kampf gegen den Sieger aus der Begegnung Braddock — Louis am 22. Juni in Ehikago er­halten wird. Er beabsichtigt deshalb, Anfang September wieder nach Newyork zu reisen, um seine Belange an Ort und Stelle wahrzunehmen.

Neue öeulsch-englische *lotten- verhandlungen

London, 4. Juni.

Die deutsch-englischen Flottenverhandlungen über den Abschluß eines qualitativen Flottenoertrages als Ergänzung des deutsch-englischen Flottenabkommens vom 18. Juni 1835 sind Freitag wiederaufgenommen worden und haben einen befriedigenden Verlaus ge­nommen.

Neue Urteile m Noblen;

Koblenz, 4. Juni.

Vor der dritten Großen Strafkammer des Land­gerichts Koblenz hatten sich Freitag der 34 Jahre alte ehemalige Franziskanerbruder Böcken, gen. Bruder Arcadius, und der 31jährige Barmherzige Bruder Ernst Endres, gen. Bruder Kajetan wegen widernatürlicher Unzucht zu verantworten.

Während die Verhandlungen bezüglich der Straftaten ein gleichartiges Bild boten, sind sie durchaus verschieden hinsichtlich des Charakters und der Einstellung der Angeklagten, Der eine, der als unbescholtener, streng religiös erzogener Junge ins Kloster eintrat und sich auch nach seiner Klosterzeit einwandfrei geführt hatte, legte ein aufrichtiges Geständnis ab und zeigte den ernsten Willen zur Besserung, den er auch durch sein Ausscheiden aus dem Kloster bekundet hatte. Der zweite dagegen leugnete hart­näckig und gab schließlich nur das zu, was ihm schlagend und unwiderleglich bewiesen werden konnte.

Bruder Arcadius hatte ein Handwerk erlernt und war 1926 im Alter von 23 Jahren, nachdem er arbeitslos geworden war, auf eine Zeitungs­anzeige bei den Franziskanerbrlldern in Wald­breitbach als Postulant eingetreten. Kaum war er in Waldbreitbach eingetroffen, da nähre sich ihm schon der Versucher in Gestalt des Bruders Alexander, der zu ihm in die Zelle kam und ihn ohne große Umschweife in die scheußlichen Ge­heimnisse des Klosters einweihte. Diesen Bruder Alexander hat der Angeklagte später in Linz wie- dergetroffen und die widerlichen Beziehungen mit ihm fortgesetzt.

Einmal verdorben machte sich der Angeklagte nun auch an die Pfleglinge heran. Wenn er in

(bllgsnsr vradtboriobt cksr „Lrswor Leitung")

Rom, 4. Juni.

In dem hügeligen und bewaldeten Gelände bei Civitavecchia, etwa 88 Kilometer von Rom entfernt, fanden Freitag vormittag zu Ehren des Reichskriegsministers von Blomberg große takti­sche Manöver des italienischen Heeres statt.

Unter Führung des Generals Pariane hatten vier Jnfanteriebataillone, ein Bataillon faschisti­scher Miliz, acht Abteilungen leichter und schwe­rer Artillerie sowie ein Bataillon leichter Kampfwagen folgende Aufgabe zu lösen: Im Gegenangriff sollten vorgedrungene Feindkräfte zurückgeworfen, aus ihren rückwärtigen Stellun­gen vertrieben und bei gleichzeitiger Offensive aufgerieben werden. Trotz glühender Sonnen­hitze gingen die Jnfanteriebataillone mit impo­nierendem Schneid durch das Eranatenfeuer vor. Die Zusammenarbeit sämtlicher Waffengattun­gen, die in Anbetracht des Geländes erhebliche Schwierigkeiten bot, klappte ganz ausgezeichnet.

Nach eineinhalb Stunden war das Manöver, über das sich Generalfeldmarschall von Blom­berg höchst anerkennend und bewun­dernd aussprach beendet. Nach einer Besichti­gung der Ausrüstung der einzelnen Waffen­gattungen erwartete den Reichskriegsminister in Civitavecchia ein überwältigender Empfang. Während die Spitzen der Partei und der Behörden ihn begrüßten, jubelten Tau­sende begeisterter Menschen ihm zu. Nach einem Frühstück, an dem die Minister Lessona und

andere Klöster kam, so wurde dort das schand­bare Treiben fortgesetzt. Es war wirklich so, wie der Vorsitzende erklärte, wenn zwei Vrüder allein irgendwo zusammentrafen, auf der Veranda, in der Zelle, im Warteraum, dann waren diese ab­stoßenden Perversitäten eine Selbstverständlich­keit, wobei man auch vor den dem Kloster anver­trauten Zöglingen nicht haltmachte.

Besonders erschütternd ist die Erklärung des angeklagten Bruders Arcadius, er habe seine Oberen wiederholt gebeten, ihn von den Kranken wegzunehmen. Schriftlich und mündlich habe er die wahren Gründe für seine Bitte angegeben, jedoch lediglich die Antwort erhalten, er solle zu­sehen, wie er fertig werde (!). Jeder würde ja von Versuchern geplagt. Und so setzte er eben seine Schmutzereien fort, da seine Oberen ihm auf keine Weise halfen.

Nachdem Bruder Arcadius unermeßliches Un­heil angerichtet hatte, bekam er Weihnachten 1931 aus Waldbreitbach die Mitteilung, daß er zu den ewigen Gelübden nicht zugelassen werben könne und trat aus dem Kloster aus. In seinem Plä­doyer betonte der Staatsanwalt, der Angeklagte habe sich vollständig den im Kloster herrschenden Gepflogenheiten angepaßt. Bemerkenswert sei nur der Werdegang des Angeklagten, der sich vor seiner Kl-osterzeit anständig geführt und auch nach seinem Austritt aus dem Kloster einwandfrei gelebt habe, also ausschließlich während seines Klosteraufenthalts die Dinge begangen habe, die ihn nun ins Zucht­haus brächten. Darin liege die Tragik seines Lebens. Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust.

In der zweiten Verhandlung hatte sich der Barmherzige Bruder Kajetan zu verantworten. Er ist 1906 geboren und hat ebenfalls ein Hand-

Alfieri sowie die Marschälle Vadoglio, de Vono und Caviglia teilnahmen, hatte der Reichskriegsministor bei Tor die Quinta Ge­legenheit, die berühmten „schnellen Regimenter" des italienischen Heeres, darunter motorisierte Bersaglieri, lybische Kavallerie und Tankforma­tionen bei Uebungen zu besichtigen. Abends fand im Palazzo Barberini, dem neuen Offiziers- kasino, ein Diner zu Ehren des Reichskriegs­ministers statt.

Trotz stärkster Beanspruchung seiner Zeit stat­tete Eeneralfeldmarschall von Vlomberg den vor wenigen Monaten eröffneten Arbeitsräumen der Landesgruppenleitung Italien der Auslands-

Sowietrussischer Seneral kaltgestellt

Moskau, 4. Juni.

Ein Erlaß über die Einberufung einer Volks­versammlung des Zentralrates des Wshrverban- des „Ossoaviachim", der am Freitag in den Mos­kauer Blättern erschien, ist nicht mehr von dem bisherigen Leiter des Verbandes, General Eide mann, unterzeichnet, sondern von dem früheren Mitglied des Zentralrates Gor scho­nt n. Hierdurch bestätigen sich Gerüchte über die Amtsenthebung Eidemanns, der sich in Armee­kreisen besonderer Beliebtheit erfreute.

werk erlernt. Im Jahre 1929 trat er im Alter von 23 Jahren in die Genossenschaft der Barm­herzigen Brüder in Montabaur ein. Ende 1931 kam er dann in das Herz-Jesu-Heim zu Fulda, wo er seine unter Anklage stehenden Straf­taten verübte. Die Beweisausnahme ergibt den nun schon bis zum Ueberdruß bekannten Tat­bestand. Mit Zigaretten und kleinen Geschenken wurden die Zöglinge gefügig gemacht und gingen bei den Brüden: von Hand zu Hand. Mit tiefer Erschütterung hörten die Anwesenden den Brief des Vaters eines im Herz-Jesu-Heim unter­gebrachten Zöglings, den der Vorsitzende aus den Akten vorlas.

In diesem Bries an den „ehrwllrdign Herrn Bruder-Vorsteher" gibt dieser ahnungslose Vater seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß sein Sohn im Herz-Jesu-Heim Ausnahme gefunden habe, und mit rührenden Worten versichert er das unbegrenzte Vertrauen zn diesen frommen Män­nern und seine unauslöschliche Dankbarkeit. Er spricht von den „treuen und unverdorbenen Augen seines Jungen", den er mit frohem Herzen der Fürsorge der Barmherzigen Brüder übergebe.

Wie sehr dieses rückhaltlose Vertrauen miß­braucht und wie schändlich dieser unglückliche Vater hintergangen wurde, geht mit erschreckender Deutlichkeit aus den Aussagen der als Zeugen vernommenen früheren Pfleglinge der Anstalt hervor. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß gerade die Genossenschaft der Barmherzigen Vrll- der in Fulda mit P e r d nch t i g u n g e n der deutschen Rechtspflege zu operieren ver­suche und mit lügenhaften Behauptungen einem Herrn Mundelein und ähnlichen Subjekten die Unterlagen für ihre Verleumdungen liefere. Das Urteil lautete auf zweieinhalb Fahre Z u ch thaus und drei Jahre Ehrverlust.

organisation der NSDAP. einen Besuch ab, zu dem die politischen Leiter der Landesgruppe Ita­lien und der Ortsgruppe Rom in Uniform an­getreten waren. Landesgruppenleiter Eitel be­grüßte den in Begleitung von Botschafter von Hassell erschienenen Eeneralfeldmarschall und Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht. Von Blomberg verglich in seiner Erwiderung die Ar­beit des Ausländsdeutschen mit dem Ehrenplatz des Soldaten an der Front, für den gerade der Führer und Reichskanzler als alter Soldat ganz besonderes Verständnis habe. Der Eeneralfeld­marschall trug sich dann als erster in das Gäste­buch der Landesgruppenleitung ein.

viehische lat kommunistischer Jugend

Paris, 4. Juni.

In Toulouse verübten kommunistisch ver­hetzte Schulkinder einen ähnlichen Ueberfall auf einen Klassenkameraden, wie dies kürzlich in Lyon geschah, wobei ein Knabe durch Steinigen zu Tode mißhandelt wurde. Der 13jährige Schü­ler Michel Ribell, der an seinem Fahrrad eine kleine Trikolore befestigt hatte, wurde von zehn kommunistisch verhetzten Jungen angehalten, zu Boden gerissen, in roher Weise geschlagen und mit Füßen getreten. Damit nicht genug holten sich die Angreifer Steine herbei und bewarfen das hilflos am Boden liegende Opfer. Vorbeikom­mende Spaziergänger entrissen endlich den jugendlichen kommunistischen Rowdiss den miß­handelten Knaben und brachten ihn in ärztliche Obhut. Die verrohten Täter flüchteten.

Wiener Juden brauchen Seid

Wien, 4. Juni.

Ein flammender Aufruf des offiziellen Organs des Bundes der jüdischen Frontsoldaten Oester­reichs, „Die Jüdische Hront", schreit an die Juden in den Wiener Kasfeehäuiern, Direktionszimmern und wo sie sonst noch überall sitzen. „Jeder Jude muß seine Pflicht erfüllen!" Dann ist zu lesen, daß etwas gegen den „überhandnehmenden Anti­semitismus" geschehen müsse. Die Stellung des Judentums werde überrannt. der Frontbund'müsse sich daher an die Spitze der Abwehrorzanisation stellen. Die „Jüdische Front" weist dann auf die „bedeutenden Erfolge des Bundes" hin. die aber noch nicht genügten, um die antisemitische Hast und Hetzpropaganda „abzustellen". Und da das im Interesse des Eesamtjudentums erreicht wer­den müsse, sei es Pflicht für jeden, mitzutun. Weil dazu Geld notwendig sei, müsse sich jeder an der geplanten Sonderaktion be­teiligen. Die zugestandenen „Erfolge" sollen nicht so ohne weiteres Lestritten werden. Ob aber die Wiener so einfältig sind. um durch Geld den Glauben zu bekommen, daß jeder Jude ein edler Mensch ist, bleibt noch abzuwarten. Jedenfalls aber kann man eindeutig feststellen, daß im gegnerischen Lager keine Geldmittel notwendig waren, um den Antisemitismus zu verwurzeln. Dort entscheidet immer noch die Gesinnung!

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broße fteeresmanöver vor vlomberg

hervorragende Zusammenarbeit aller italienischen Waffengattungen

Her Wille;um Kind

Die Auswirkungen einer erfolgreiche» Bevölkerungspolitik

Im Hinblick auf das Reichstreffen und die Groß­kundgebung des Reichsbundes der Kinderreichen am morgigen Sonntag in Frankfurt am Main ge­winnen die folgenden Ausführungen und Zahlen- angaben über die seit 1933 gezeigten sichtbaren Er­folge auf bevölkerungspolitischem Gebiet besonderes Interesse. Hinter den Zahlen steht der durch den Nationalsozialismus geschaffene Wille zum Kind und die geweckte Verpflichtung der Nation zur Erhaltung der Art.

Von den zahlreichen Möglichkeiten, eine prak­tische Bevölkerungspolitik zu betreiben, seien zu­nächst ein wichtiger allgemeiner Gesichtspunkt, die Schaffung p o I i t i s ch e n und wirisch äst- lichenVertrauens, und dann eine praktische staatliche Maßnahme, die Gewährung der Ehe­standsdarlehen, herausgegriffen. Die Häu­figkeit der Eheschließungen und Kindergeburten hängt nicht einmal so sehr von der augenblick­lichen wirtschaftlichen und sozialen Lage der ein­zelnen Volksgenossen ab, als vielmehr vor allem davon, welche Zuversicht sie allgemein in ihre eigene Zukunft und in die künftige Entwicklung von Staat und Wirtschaft setzen können. Die nationalsozialistische Staatsführung hat seit Uebernahme der Macht politisch stabile Verhält­nisse geschaffen und das Pertrauen in eine ruhige und unerschütterte Fortentwicklung von Staat und Wirtschaft wiederhergestellt. Mit der Schnelligkeit und in dem Maße, in dem die Gesundung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse fort­schreitet, hob sich auch von selbst die Zahl der Eheschließungen und Geburten.

. Mit dieser allgemeinen Stabilisierung von Wirtschaft und Politik wurde zugleich eine prak­tische bevölkerungspolitische Aktion allergrößten Ausmaßes ausgelöst, die sogleich in augenschein­licher Wirkung zutage trat. Viele in den letzten Krisenjahren vor der Machtübernahme aufge­schobene Eheschließungen und zahlreiche aus der Eesamtunsicherheit der Verhältnisse heraus unter­bliebene Zeugungen wurden nachgeholt, der schönste und nützlichste Vertrauensbeweis, den das deutsche Volk als Dank für die Aufbauleistung des nationalsozialistischen Staates bringen konnte.

So sind in Deutschland während des Jahres 1933 bereits 639 690 Ehen geschlossen worden, also um 122 060 oder rd. 24 v. H. mehr als im Jahrs 1932. Während des Jahres 1934 ist die Zahl der Eheschließungen wiederum um 100 600 auf 739 660 angewachsen, das sind also 19 v. H. mehr als im Jahre 1933 und 43 v. H. mehr als im Jahre 1932. Wenn man dazu bedenkt, daß die Wirtschaftskrise in den letzten Jahren der Weimarer Republik einen Ausfall von über 360 000 Ehe­schließungen verursacht hat, so erscheint dieses starke Ansteigen der Heiratszahl in den Jahren 1933 und 1934 noch als um so bedeutungsvoller. Dazu kommt, daß diese Aufwärtsentwicklung wäh­rend jener Jahre allein in Deutschland zu verzeichnen ist, während in den meisten zum Pergleich geeigneten Ländern die Heiratszahl weiterhin langsam absinkt.

Das gleiche erfreuliche Bild bietet die Ent­wicklung der Geburten in diesem Zeit­raum. Das Jahr 1933, das sich auf die Zeugun­gen des Jahres 1932 aufbaut, wies noch gegenüber dem Jahre 1932 einen Geburtenrückgang von 22 666 oder 2 v. H. auf. Demgegenüber brachte das Jahr 1934 schlagartig eine Zunahme von 264 660 Geburten oder 21 v. H„ 1935 weiterhin eine Zunahme von 268 006 Geburten oder 27 v. H., also über ein Viertel mehr, stets verglichen mit dem Jahre 1932. Auch dieses Emporschnellen der Ge­burtenzahlen steht in seiner Art in Europa einzig da.

Mit der Gewährung der Ehestandsdarlehen hatte man ursprünglich in erster Linie eins arbeitsmarktpolitische Wirkung beabsichtigt. Es sollte dadurch nämlich die übergroße Anzahl von unverheirateten werktätigen Frauen aus dem Berufsleben in Fabrik und Büro herausgenom­men und ihrem eigentlichen Beruf als Haus­frau und Mutter zugeführt werden. Die damit frei werdenden Arbeitsplätze aber sollten der Aufnahme erwerbsloser Männer dienen. Ueber diesen anfänglichen Zweck hinaus entwickelten die Ehestandsdarlehen aber sogleich auch eine große bevölkerungspolitische Wirkung, und schließlich wurde durch sie noch ein drittes begrüßenswertes Ergebnis hervorgebracht, näm­lich eine sehr spürbare allgemeine Wirt­schaftsankurbelung infolge der vermehr­ten Nachfrage nach aller Art von Ausstattungs­gut für Eheschließung und Haushalt.

Nach den grundlegenden Bestimmungen des Gesetzes über Förderung der Eheschließungen können deutsche Reichsangehörige auf Antrag ein Ehestandsdarlehen im Betrag bis zu lOOÖ Reichsmark erhalten. Der durchschnittlich gewährte Ehestandsbetrag bewegt sich zwischen 500 und 600 Reichsmark. 2m übrigen ist die Höhe des Darlehens nach dem Betrage zu bemessen, den ein Ehepaar bei der Gründung eines Haushalts nach den ortsüblichen Verhältnissen für den Er­werb von Möbeln und Hausgerät aufzuwenden pflegt. Der Antrag auf Gewährung des Ehe- standsdarlehns kann erst nach Bestellung des standesamtlichen Aufgebots und muß vor Eingehung der Ehe gestellt werden. Der Betrag wir in Form von Bedarfsdeckungsscheinen erst nach der Eheschließung gewährt.

Voraussetzung für die Hingabe der Ehestands­darlehen ist außerdem noch, daß die künftige Ehe­frau innerhalb der letzten zwei Jahre vor Stellung des Antrages mindestens neun Monate lang im Inland in einem Arbeitnehmeroerhält- nis gestanden hat, ferner daß sie ihre Tätigkeit