Ausgabe 
(13.1.1937) Nr. 12
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parteiamtliche Lageszertung

pachrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen

Amtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Vremen

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Nr. 12 / 7. Jahrgang

Mittwoch, 1). Januar 1SZ7

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„Nichts;u verheimlichen!"

Paris, 12. Januar.

Havas veröffentlicht folgende Mitteilung: Ge­legentlich des gestrigen diplomatischen Empfanges in Berlin versicherte Reichskanzler Hitler dem französischen Botschafter, daß Deutschland nicht die Absicht habe noch jemals gehabt habe, die Inte­grität Spaniens oder der spanische» Besitzungen

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Die Marokko-Erklärung des Führers und eine solche des französischen Botschafters führte» zur Entspannung der Lage.

Dem französischen Militärattache in Tanger wurde ein unbeschränkter Eeleitschein für die gesamte spanische Marokko-Zone ausgestellt.

In Amerika kam es zu scharfen Zusammen­stößen zwischen Streikenden und Polizei.

Der Arbeitseinsatz stand auch im Dezember im Zeiche» eines günstigen Beschäftigungsgrades.

Die Weltschiffbaubestände erhöhten sich weiter erheblich.

Zur Finanzierung des Treivstoffprogramms sollen verschiedene Jnduftrieanleihen aufgelegt werden.

Der Anteil des Norddeutschen Lloyd am Atlantik-Fahrgastverkehr ist gestiegen.

Reichsminister Dr. Goebbels wählte den Entwurf Pros. Antons zum Werbeplakat für die Berliner Automobilausstellung.

Gauleiter Röoer besuchte einen Bremer Betrieb.

Die Anmeldungen zum Meisterwettkamps müssen am 13. Januar eingereicht sein.

in irgendeiner Form anzutasten. Der französische Botschafter versicherte im Namen seiner Regierung, daß Frankreich fest entschlossen sei, die Integrität Spaniens und das Statut von Spanisch-Marokko im Rahmen der bestehenden Verträge zu achten.

Die Pariser Presse bringt an erster Stelle und in großer Aufmachung die Meldung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem fran­zösischen Botschafter in Berlin. Die Blätter sprechen in ihren Artikeln von einer Ent­spannung. „Petit Parisien" meint, daß die deutsche Zusicherung, von Adolf Hitler persönlich und unter solchen Umständen ausgesprochen, natürlich große Bedeutung habe. Die Erklärung des deutschen Reichskanzlers habe selbstverständlich in diplomatischen französischen Kreisen wie auch in London einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Einige der Zeitungen versuchen allerdings immer noch, Mißstimmung und Unzufriedenheit zu säen und den gewaltigen Eindruck, den die spontane Friedenserklärung des Führers hervorgerufen hat, abzuschwächen und zu verfälschen. So kann die Zeitung „Oeuvre" zwar nicht leugnen, daß die französischen Amtsstellen die Erklärung des Führers mit Befriedigung aufgenommen haben, versucht aber, den Eindruck dieser Erklärung ab­zuschwächen und zu fälschen, indem es von einem Druck redet, der erfolgreich von London und Paris ausgeübt worden sei.

Der „Jour" bestätigt, daß die Erklärungen des Führers im französischen Außenministerium tiefe Genugtuung hervorgerufen haben. Man sehe in ihnen ein ermutigendes Vorspiel für Verhand­lungen, die vielleicht im kommenden Frühjahr aufgenommen werden könnten. Auch der „Ex- celsior" erklärt, man sei im Quai d'Orsay über den Eindruck der Entspannung sehr erfreut, der durch die deutsch-französische Unterhaltung hervor­gerufen worden sei.

Der schärfste Hetzer der letzten Tage, der Außcn- politiker des „Echo de Paris", versucht gleichfalls, die Wirkung der freundschaftlichen Unterredung und die Erklärung des deutschen Staatsober­hauptes abzuschwächen. Er bemerkt nämlich, daß Francois-Poncet für seine Zusicherung keine be­sondere Anweisung erhalten habe. Schließlich ver­steigt er sich zu der Drohung, Frankreich würde nicht zögern, entsprechende Maßnahmen zu er­greifen, wenn Deutschland dazu Grund gebe. Er macht also den Versuch, die bisherigen Verdächti­gungen Deutschlands fortzusetzen.

Unbeschränkter eeleitschein

Nach einer Unterredung, die der französische Konsul in Tetuan mit dem spanischen Ober­kommissar Veigbeder hatte, ist dem französischen Militärattache in Tanger, Houptmann Luiset, von den spanischen Marokko-Behörden ein unbe­schränkter Eeleitschein ausgestellt worden, mit dem er frei die ganze spanische Marokko-Zone, einschließlich Melilla und Ceuta bereisen kann. Es wird ihm ein leichtes sein, festzustellen, daß ein „Eingreifen deutscher Truppen in Spanisch- Marokko" nur in der Phantasie gewisser Hetzer erfolgte.

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Die Erklärung des Führers gegenüber dem französischen Botschafter in Berlin er­bringt wieder einmal vor aller Welt den Beweis, daß Deutschland inmitten eines aufgeregten Europas, das gerade in den

letzten Tagen von einem unverantwortlichen Kriegsgeschrei widerhallte, tatsächlich der sicherste Garant des Friedens ist. Wir haben die Pariser Pressehetze bereits als ein wohl- vorbereitetes Manöver gekennzeichnet, das einen folgenschweren Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland schaffen sollte. In einer wahrhaft kritischen Situation hat der Führer, obschon Deutschland keineswegs die Verantwortung für die politische Ent­wicklung zugeschoben werden konnte, die' Initiative ergriffen und in einer ein­deutigen, die jüdisch-marxistischen Machen­schaften durchkreuzenden Erklärung noch einmal den Willen Deutschlands betont, Europa den Frieden zu erhalten. Dieser Schritt ist um so bedeutsamer, als der Füh­rer dem französischen Botschafter in der Marokkofrage eine Versicherung gegeben Hat, zu der er angesichts der vollkommen freien Erfindungen der Pariser Presse in Keinem Sinne verpflichtet war. Sogar der spanische Oberkommissar hat den schein­heiligen französischen „Protest" gegen an­gebliche deutsche Truppenlandungen in Marokko energisch zurückgewiesen. Vor allem das gleichzeitige Auftauchen der Hetz- „ Meldungen in der französischen und fowjet-

russischen Presse zeigte, daß nicht zuletzt der Sowjetjude Rosenbckrg in Verbin­dung mit seinen französischen Rassegenossen eine neue Brandfackel in das europäische Pulverfaß werfen wollte.

Es ist zu begrüßen, daß die französische Regierung im Bewußtsein ihrer Verant­

wortung durch eine Gegenerklärung eben­falls zur Entspannung beigetragen hat und von der Pressehetze der „Volksfront- Organe abgerückt ist. Wenn trotzdem einige Pariser Asphaltblätter die Dreistigkeit zu weiteren Störungsversuchen besitzen, so müssen wir diese Sabotage gegenüber der Politik des Quai d'Orsay erneut an den Pranger stellen. Den Gipfel der Frechheit gewisser französischer Redaktionsstrategen bedeutet es, im Zusammenhang mit Spanisch-Marokko von einer formalen Warnung seitens des französischen Bot­schafters in Berlin an Deutschland zu spre­chen. Das englische Nachrichtenbüro Reuter hat daraufhin sofort mit erfreulicher Klar­heit festgestellt, „daß der französische Bot­schafter beim Diplomatenempfang am Mon­tag Gelegenheit hatte, mit dem deutschen Reichskanzler zu sprechen; dies hat er wahr­genommen, um eine Zusicherung zu geben und auch eine zu erhalten". Wir haben dieser englischen Klarstellung nur noch hinzu­zufügen, daß der Schritt des Führers be­sonders einen wertvollen Beitrag zur Ver­tiefung der deutsch-französischen Beziehungen darstellt.

(Siehe auch Seite Sj

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Zwei Jahre Aufbauarbeit im deutschen Grenzland

Der Kampf um die Rückgliederung des Saar- gebiets ist nie ein Kampf gegen die deutschen Menschen an der Saar gewesen. Die politischen Geschäftemacher wollten jedoch einen solchen daraus machen, als sie sahen, daß ihre Zeit sich rapid dem Ende zuneigte und als die großen Internationalen eine Möglichkeit zu sehen glaub­ten, gegen die Bande des Blutes und des Her­zens dem Nationalsozialismus auf welthistorischer Ebene eine Entscheidungsschlacht noch einmal aufzuzwingen, die er im Reich bereits gewonnen hatte und an der Saar nun verlieren sollte. Dieser marxistischen Front gegen das Reich war bereits in dem Augenblick das Rückgrat ge­brochen, als Gauleiter Vllrckel den Kampf um .die Saar in seine Hände nahm und die Deutsche Front ausrief, in der alle Par­teien sich mit einheitlicher Zielsetzung zu gewal­tiger Stoßkraft verbanden. 2n diesem Augenblick war bereits das erste, aber sehr entscheidende Vorgefecht gewonnen.

Was trotzdem monatelang in der internatio­nalen Öffentlichkeit, in der Presse, im Rund­funk, auf allen politischen.Paukböden um der Saar willen inszeniert wurde; war nur noch ein großangelegtes und mit vielen Mitteln darge­stelltes Theater. Die einfache Entscheidung, ob der deutsche Arbeiter an der Saar bei seinem Volke bleiben wollte oder nicht, wurde umge­bogen und umgelogen, wurde zu einer völlig schiefen und verdrehten Kampfstellung verschoben, die sich aber am Ende, sehr zum Entsetzen ihrer geistigen Väter, als restlos ungeeignet erwies, die Phalanx des deutschen Aufmarsches zu zerbrechen.

Als am 15. Januar 1985, kurz nach 8 llhr morgens im großen Saal der „Wartburg" zu Saarbrücken das Ergebnis der Saarabstimmung vom 13. Januar verkündet wurde: 95 Prozent der Abstimmungsberechtigten für die Rückgliede­rung zum Reich, hatte der Nationalsozialismus eine doppelte Schlacht gewonnen. Gegen diplomatische, politische, gegen willkürlich konstruierte Widerstände hatte er sich in einer Entscheidung von historischer Tragweite, ganz auf sich selbst gestellt, durchgesetzt, er hatte das deutsche Volk und Reich zu einem unvergleich­lichen Sieg geführt, hatte bewiesen, daß die starken Krastströme, die von Volksgenossen zu Volksgenossen einer Nation führen, nicht abge­schaltet werden können, und hatte zum anderen im Kampf um den Durchbruch seiner Welt­anschauung auf der internationalen Front sich zum ersten Male behauptet. Im Hauptquartier der sog. Einheitsfront für das Saargebiet, der marxistischen, von aller Welt unterstützten Zen­trale im Saarland, gab es an jenem Morgen einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen.

Noch am Morgen dieses Tages war den Völ­kern der Welt durch ihre zu Hunderten versam­melten Vertreter der öffentlichen Meinung aus Saarbrücken erklärt worden, nicht der Sieg des Nationalsozialismus und damit des deutschen .Volkes, viel eher der Sieg der marxistischen Volksfront sei sicher. Die Saar werde nicht zu- rückgegliedert, allenfalls nur zu einem Teil, die deutschen Menschen an der Saar hätten sich gegen ihr eigenes Vaterland entschieden. Noch wenige Wochen und Tage zuvor stand in denselben Blät­tern zu lesen, daß die Rückgliederung der Saar die endgültige Ermunterung für Deutschland zum sofortigen Losschlagen an allen Fronten bedeute.

Es wurde behauptet, daß, wenn erst die Saar heimgeholt sei, unverzüglich die Stunde Elsaß- Lothringens geschlagen habe. Deutsche Truppen- massierungen an der Saargrenze galten als selbstverständlich, obwohl sämtlichen SA.-Män- nern im Umkreis von 50 Kilometer jenseits der Grenze verboten worden war, sich vor der Ab­stimmung in Uniform zu zeigen und obwohl in der entmilitarisierten Zone sich noch kein deut­scher Soldat befinden durfte. Deutsche feierliche Versicherungen, deutsche handgreifliche Beweise für das Gegenteil dessen, was draußen behauptet wurde — sie wurden als falsch, als nicht ver­bindlich, als trügerische Vorspiegelungen eines schlechten Willens hingestellt und die Welt glaubte es.

Die .deutschen Arbeiter an der Saar glaubten nicht, was ihnen in einer Flut von Papier täg­lich ins Haus gelogen wurde: daß die Rück-

Neues StSruiMfeuee aus Moskau

Nach Sem mißglückten Marokko-Manöver »internationale flottenpläne"

(Orabtbsriobt unserer Lsrllusr Lebriktlsitung)

r. Berlin, 12. Januar.

Nachdem der Marokko-Bluff, den die franzö­sische Presse im Dienste bolschewistischen Regimes der Welt glaubte vorsetzen zu können, ebenso rasch wie gründlich verflogen ist und eine Ent­spannung sich anbahnt, sinnt Moskau auf neue Mittel, um unter allen Umständen eine Entspan­nung zu verhindern. Bereits jetzt zeigt sich, von welcher Seite aus die Sowjets neue Querschüfse anbringen «ollen. In London versucht der sowjet- russische Botschafter im Foreign Office, die eng­lische Admiralität und die englische Regierung für den bolschewistischen Plan einer „inter­nationalen Flottenaktion" gegen Franco zu ge­winnen.

Auch in Moskau wird man zwar wissen, daß die Engländer ihrer Flotte eine viel zu große Bedeutung beimessen. um sie irgendwelchen ge­fährlichen Abenteuern auszuliefern, trotzdem wird aber versucht, auf diesem Wege durch Herrn Maisky neue „Probleme" aufrollen zu lassen mit dem einzigen Ziel, Spannungen und Konflikte zu erzeugen. Aber auch in Spanien selbst bemüht sich Moskau, sich für das mißglückte Marokko-Manö­ver schadlos zu halten und neue Schwierigkeiten ur schaffen. In diesen Rahmen fällt die Aktion Rosenbergs in Valencia, alle roten Freiwil­ligen, die von Moskau für die spanischen Kommu­nisten abkommandiert wurden, durch die bol­schewistischen Machthaber „gesetzmäßig" als „Spanier" zu erklären. Es bedarf keines beson­deren Scharfsinns, um zu erkennen, das Moskau versucht, dadurch die Freiwilligen-Frage weiter zu komplizieren, und daß durch dieses Manöver

gleichzeitig «in Schritt unternommen werden soll, nunmehr den Abtransport dieser freiwilligen Mordbrenner aus Spanien zu verhindern. Um diesen Quertreibereien den erforderlichen Hinter­grund zu geben, hielt es die sowjetrussische Regie für nötig, gleichzeitig in der Eröffnungssitzung des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion den Rüstungsetat Moskaus für das Jahr 1937 bekanntzugeben und der Welt drohend vor Augen zu halten, daß die sowjetrussischen Rüstungen ein« Steigerung um 79 Prozent erfahren werden. Das Störungsfeuer aus Moskau hält also unvermin­dert an.

Sie mußten in krdtiölilen Hausen

Warschau, 12. Januar.

Immer wieder muh man die Feststellung machen, daß das beste Heilmittel gegen eine Jn- fizierung mit dem bolschewistischen Gift die eigene Anschauung und das eigene Erleben in Sowjet- rußland ist. Dies ist bei den ehemaligen öster­reichischen Schutzbiindlern zu beobachten, die seinerzeit nach dem mißglückten Ausstand in Oesterreich nach Sowjetrußland flüchteten, um dort eine Zufluchtstätte zu finden und die jetzt vielfach auf das tiefste enttäuscht und vom bol­schewistischen Wahn geheilt, zurückkehren.

So sind auf dem Warschauer Hauptbahnhof wieder mehrere Gruppen von ehemaligen Ange­hörigen des österreichischen Schutzbundes einge­troffen, die — halb verhungert und verelendet — glücklich sind, der roten Hölle entronnen zu sein. Diese im „Sowjetparadies" ernüchterten ehemals fanatischen Kommunisten sind meist schweigsame

Leute, denen das Grauen und Elend, mit dem sie in der Sowjetunion so gründliche Bekanntschaft machen mußten, noch immer die Zunge lähmt. In dürren Worten sprechen sie von ihren Ent­täuschungen in der Sowjetunion. Sie hatten, als sie sich zur Flucht in die Sowjetunion anschickten, erwartet, in ein Land sozialer Gerechtigkeit und friedlichen Schaffens zu gelangen. Sehr bald er­fuhren sie, daß die gesamte Sowjetunion nur ein einziges Gefängnis ist, in dem sich nie­mand — und mag er selbst zehnmal sein Leben für die Geschäfte der Volschewisten in die Schanze geschlagen haben — sicher fühlen darf.

Am ersten Jahrestag der roten Revolution, den sie in der Sowjetunion miterlebten, unter­hielten sich zwei Schutzbündler im Flüsterton auf dem Roten Platz in Moskau über die Ab- sperrmaßnahmen zur Sicherung Stalins. Ein Schutzbündler sagte, alle Vorkehrungen seien ja recht sorgfältig durchgeführt, aber wenn jemand, dessen Gesinnung man nicht kenne, böse Absichten hätte, vielleicht würde es ihm doch gelingen, in eine für Stalin gefährliche Nähe zu gelangen. Der andere Schutzbündler erwiderte etwa wört­lich: „Du hast ganz recht, mit einer amerikani­schen Maschinenpistole könnte man Stalin von hier zum Beispiel schon treffen." Der erste Schutz­bündler wurde zu fünf, der zweite zu zehn Jah­ren Zwangsarbeit verurteilt. Ein anderer Schutz­bündler erzählte von einem Wolgadeutschen Bau­ern, den er selbst in einem Zwangsarbeitslager kennengelernt hatte. Der Mann hatte fünf Jahre' bekommen, weil er qesagt hatte: „Die Streich­hölzer brennen ja noch, aber im vorigen Jahr waren sie besser". Auch eine derartig harmlose Aeußerung gilt als gegenrevolutionäre Propa­ganda und wird als solche bestraft!

Ein Schutzbündler berichtete von seinen Erleb­nissen in einem Zwangsarbeitslager. Es handelt sich um das Lager von Tschibju an der Petschora, etwa 159 Kilometer westlich des Ilrals, in dem insgesamt mindestens 59 999 Gefangene untergebracht sind. Der Bestimmungsort für' den etwa 899 Mann starken Transport der Schutz­bündler lag unweit der Mündung der Petschora in das nördliche Eismeer. Der Weg dorthin führte von der letzten Eisenbahnstation aus fast 599 Kilometer nördlich durch die schneeüberdeckten gefrorenen Weiten der Tundra. In einer end­losen Kette stampften sie. ein Mann hinter dem anderen, durch diese Schneewllste Tage und Tage, Wochen und Wochen. Der Bestimmungsort für den Transport war ein Wald ohne Baracken und Hütten. Die ersten Nächte mußten sie im Freien verbringen: Dann hatten sie ihre Erdhütten ge­baut, in denen sie notdürftig den harten Winter überstanden, der ihnen einen Frost bis über 59 Grad bescherte. Die Gefangenen sollten Holz fällen. Die von ihnen verlangte Leistungsnorm lag so hoch, daß der Durchschnittsgefangene nicht über 39 v. H. der Norm kam.

Nichterfüllung der Mindestnorm bedeutet aber Kürzung der an sich spärlichen Kost. Tatsächlich muß der Gefangene im Durchschnitt sein Leben bei je einem halben Liter Brei am Morgen und am Abend und bei 399 Gramm trockenen Brotes fristen.

Ueber ein Kapitel will niemand von den ehe­maligen Kommunisten viel sagen: über das

Schicksal der weiblichen politischen Gefangenen. Das Schicksal dieser Frauen, so sagte einer, die mit den gemeinsten Verbrecherinnen und übelsten Straßendirnen zusammen in den Gefangenen­lagern Hausen müssen und die jedes Selbstbe­stimmungsrecht über ihren Körper verloren haben, ließe sich gar nicht beschreiben, so scheuß­lich und ekelhaft sei es.

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