Ausgabe 
(8.4.1934) Nr. 96
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Nr. 96 / 2. Vierteljahr

Sonntag, den 8. April

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Himmler in Bremen

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Meine Ehre heißt Treue!

Der NeichöMrer der GG. in Oldenburg

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Ltebernahme der politischen Polizei

In Oldenburg herrschte am Sonnabend reges Leben. Auf dem Pferdemarktplatz war um 3 Uhr die 24. SS-Standarte angetreten zur Besichtigung durch den Reichsführer Himmler. Kommandos erschallen über den Platz, Standartenführer Wappenhaus gibt die letzten Anweisungen. Punkt 4 Uhr trifft der Reichsführer in Begleitung des Reichsstatthalters Röver mit seinem Ge­folge ein, in dem sich auch SS-Eruppenführer Iaeckel - Braunschweig befindet. Er begibt sich sofort zur Rednertribüne, um seine SS-Kamera- den mit einem Heil-Ruf zu begrüßen. Dann wen­det er sich kurz an die Ehrengäste, unter denen sich u. a. SA-Standartenführer von Hedemann, Oberbürgermeister Dr. Rabeling, Vertreter der Reichswehr, Polizei und Marine befinden. Der Präsentiermarsch erklingt, und der Reichs­führer schreitet die Front ab.

Nach der Besichtigung sprach der Reichsführer der SS, Himmler, zu den Männern der 24. SS- Standarte und erinnerte in, seiner Rede zunächst an die Zeit vor der Machtergreifung, in der es nur ein kleines Häuflein von SS-Männern in Oldenburg gab und wies dann darauf hin, daß wohl der Zeitabschnitt der Auseinandersetzung mit den Terrorbewegungen des Marxismus zu Ende sei, daß wir auf der anderen Seite aber klar erkennen, daß es auch heute noch Geg­ner des Nationalsozialismus gibt.

„Wir wissen", so führte der Reichssiihrer aus, „datz Hunderttausende ehrlichen und treuen Her­zens und aus wirklicher Erkenntnis zu uns ge­kommen find, wir wissen aber auch, datz es Hun­derte und Tausende gibt, die den Arm heben, vom Geist des Führers sprechen und das Gegenteil denken!"

Unter den SS.-Kameraden, die heute hier ver­sammelt sind, finden wir viele junge Kämpfer. „Ihr Jungen, vergeht niemals, genau so wie alle anderen in Deutschland, datz dieser Aufstieg, datz die Freiheit, die Ehre im Innern, der Aufba» unseres Vaterlandes nie möglich gewesen wäre, wenn nicht Jahre des Kampfes von ein paar ver­wegenen Trupps im Braunhemd und schwarzen Rock. wenn nicht Jahre von Not und Elend vor­ausgegangen wären.

W>r sind groß geworden als Bewegung unrer unserem Führer, groß geworden durch unsere Weltanschauung, durch das Erkennen vom Wen des eigenen deutschen Denkens, durch das Erken­

nen vom Wert unserer Geschichte, wir sind groß geworden durch bestimmte Tugenden, ohn? die kern Volk, kein Soldaten- und Mannestum, keine Nation bestehen kann. Ich verlange von euch als erstes unbedingte Treue zum Führer. Ihr Alten könnt euch daran erinnern, mit wel­chem Stolz wir es aufnahmen, als der Führer der Schutzstaffel den Spruch auf das Koppelschloß verlieh:

„Meine Ehre heißt Treue"

Ihr Alten, zeigt Euch dieses Spruches bis ans Ende Eures Lebens würdig, Ihr Jungen, bemüht Euch, diese Ehre und dieses Geschenk des Führers neu zu verdienen.

Als zweites verlange ich von Euch Gehor­sam. Gehorsam beginnt dann, wenn ein Befehl einmal etwas unangenehm erscheinen mag, und wenn es schwer zu fallen scheint, ihn zu erfüllen. Wenn einer glaubt, diesen Gehorsam nicht leisten zu können, so muß ergehen, denn wer diesen schwarzen Rock trägt, der hat treu zu sein und untersteht unserem Gesetz.

Und als drittes verlange ich von Euch, SA.- Männern, Kameradschaft. Es gibt nichts auf der Welt, das so stark ist, wie eine Gruppe von Kameraden, die aus Leben und Tod zusam­men halten. Und wenn wir alle ehrlich zusam­menstehen, dann muß uns alles gelingen.

Als Aufgabe und Pflicht für das vor euch liegende Jahr, SS-Männer, stelle ich euch, daß ihr keinen Tag und keine Stunde versäumt, die euch zur Verfügung steht, um Leib und Seele, Körper und Geist zu stählen. Das kann der Führer und muß die Nation und Bewegung in diesem Jahre des Aufbaues von jedem von euch verlangen. Ich bin überzeugt, Kameraden, daß ihr diese Aufgabe lösen werdet, genau so wie ihr Alten in der Vergangenheit jede, auch die un­möglichste, Ausgabe gelöst habt.

Ich wünsche", so schloß der Reichsführer seine Ansprache, „datz wir SS-Männer dem Führer nicht mit Worten, sondern mit Taten unsere Treue beweisen."

Nach einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer und dem Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes sand noch eine kurze Führer- besprechung statt. Anschließend folgte ein Vor­beimarsch der 24. SS-Standarte vor dem Reichs- sührer an dem Adolf-Hitler-Haus.

L.-N. Bremen, 7 April.

Bereits vor einigen Tagen konnten wir an­kündigen, Laß der Reichsführer der SS Himmler zur Uebernahme der Politischen Polizei nach Bre­men kommen wird Freudig wurde diese Nach­richt von unjeren SS-Kameraden aufgenommen. Fieberhafte Erwartung herrschte, sollte doch die Bremer SS zur Standarte erklärt werden.

Am Sonnabend um 9,48 Uhr traf der Reichs­führer in Begleitung seines Stabes sowie des SS- Eruppensührers Iaeckel - Braunschweig, mit dem Kraftwagen von Hamburg kommend, in Bre­men ein. Zur Begrüßung hatten sich an der Landesgrenze der Führer des Abschnittes XIV der SS Harm sowie als Vertreter des bremischen Senats Senator von Hoff eingesunken. Nach kurzer Begrüßung begab sich der Reichsführer mit seiner Begleitung zum Polizeihaus. Nach einer Besprechung mit dem Senator für Inneres und Justiz, Laue. in der wichtige staatspolitische Fragen behandelt wurden, begab sich der Reichs­führer in Begleitung von Senator Laue zu dem neuen Sitz der Geheimen Staatspolizei, Am Wall Nr. 199.

Hier wurde der Reichsführer vom Leiter der Geheimen Staatspolizei, Kriminaldkrektor Krebs, empfangen. Der Reichsführer der SS. besichtigte dann mit großem Interesse die einzel­nen Abteilungen der Gestapo. In großen Zügen ließ er sich die bisher getroffenen Maßnahmen er­klären.

Mittlerweile hatten sich sämtliche Beamte ver­sammelt. Der Reichsführer ließ sich jeden Beam­ten vorstellen und begrüßte sie mit einem kräf­tigen Handedruck.

Neben den zahlreiche» Veannen sah man noch unter den Anwesenden Oberregierungsrat Dr. Pott und den Leiter der Bremerhavener Ge­stapo, Regierungsrat Dr. V ö s ch e. In einer kur­zen markigen Ansprache führte der Reichsführer u. a. etwa folgendes aus:

Durch die Ernennung durch den Regierenden Bürgermeister und den Reichsstatthalter bin ich auch hier, wie in den anderen Ländern, Kom­mandeur der Politischen Polizei ge­worden. Der Sinn dieser Zusammenfassung der Politischen Polizei in ganz Deutschland ist sehr einfach. Die Zusammemassung hat den Zweck und die Ausgabe, der Politiichen Polizei die es bisher zusammenhängend in Deutschland nicht gab, einen Sinn, einen Geist, eine Welt­anschauung zu geben Es gibt dreierlei Mög­lichkeiten, die politische Polizei aufzuziehen. Die erste Schule, die, wie ich von vornherein betonen möchte, nicht die unsrige sein wird, ist die fran­zösischrussische Schule. Es ist das Sustem, das auf dem Schlechten im Menschen aufbaut und nur mitSpitzeln und sonstigen charakter­losen Leuten arbeitet. Sie wissen, daß wir auch oft auf Spitzel angewiesen sind, denen wir aber am liebsten nur mit der Feuerzange das Geld reichen möchten, um sie nie wiederzusehen. Dieses französisch-russische System ist am deut­lichsten verkörpert in der Ochrana, die von heute aus morgen fähig war, aus der politischen Polizei

des russischen Kaiserreiches die politische Polizei der Kommunisten zu werden. Ein solches System lehnen wir ab. Wehe demjenigen von uns, der ein solches System von An­geberei, Spitzelei und Verleumdung unserem deutschen Volk zumuten wollte! Wir würden damit die Aufgabe, das nationalsozialistische Deutschland zu bewahren, niemals erfüllen können.

Die zweite Art, eine politische Polizei aufzu­ziehen, ist die englische Art, die unserer Wesens­art bereits weit verwandter ist. Sie baut auf den anständigen Menschen, den Kavalier und Gentle­man.

Diese Art der Polizei ist unserem Charakter mehr.entsprechend, als die erstgenannte Schule. Dach ist sie für uns bei unseren ganz anders ge­arteten Verhältnissen auch nicht ohne wei­teres geeignet. Bei meiner Amtsüber­nahme habe ich mir lange darüber Gedanken ge­macht, wie eine deutsche politische Polizei auf­zubauen ist. In Deutschland war es gerade in den letzten 18 Jahren, wo der Polizei Unmögliches zugemutet wurde, teils aber auch unmögliche Ele­mente in diesen Beruf kamen, schwer. Polizen beamter zu sein: vielfach hat daher auch der Poli­zeibeamte das Ansehen verloren gehabt, das ihm gebührt. Man nahm im Volk den Kriminalbeam- ten allenfalls als ein notwendiges Uebel.

Wir haben 1933 als uns nach jahrelanger un­glücklicher Geschichte wieder ein Führer erstand, die Gegner aus ihren staatlichen Stellungen her-, ausgeworfen. Daß die Gegner darüber nicht er­freut sind, ist klar. Sie hassen uns, weil wir endlich wieder zu einem nationalen und gerechten Staatsleben gekommen sind. Da liegt es auf der Hand, daß sie versuchen, diesen neuen Staat von innen zu zersetzen. Wenn Sie sich diese beiden sich die klare Erkenntnis, Laß die nächsten Jahre gefährlich für das Vaterland sein werden und daß wir alle drohenden Gefahren von dem Staat ab­zuhalten haben.

Das ist nur möglich, wenn all unser Handeln aus einer Weltanschauung heraus ge­schieht. Als Beamte allein werden wir es nicht schassen. Wir schaffen es nur, wenn wir uns, ganz gleich an welcher Stelle wir stehen, in Treue und Pflicht unserer Aufgabe wid- m e n und uns als die Soldaten einer neuen Weltanschauung fühlen. Mein Bestreben ist es daher, Ihnen auch die Ehre die dem Soldaten, gebührt, zu verschaffen. Es darf kein Polizeibe­amter mehr. wie es früher wohl war, von andern über die Schultern angesehen werden. Wir als Polizeibeamte kämpfen an einer Front, die niemand sieht, wo niemand Heil ruft und uns zujubelt. Gerade deswegen aber verlangt unser Dienst vollkommene Charak­tere. Fühlen wir uns als Soldaten eines Korps, wahren wir soldatischen Gehorsam und soldatische Treue! Wenn wir in diesem Geist arbeiten,

(Fortsetzung Seite 2)

Der österreichische Friedftof

I? L. Bremen, 8. April 1934.

Ueber Oesterreich ist's still geworden. Was über das arme Land an die Öffentlichkeit gelangt, sind Verzweiflungsrufe, Meldungen über die Zwietracht unter den Kräften, die heute das Land zu beherrschen glauben oder ruhmsüchtige (soll es nicht besser heißen rühm­lose?) Reden der Machthaber. Das alles hört sich an wie das Schreien des Käuzchens auf dem Friedhof, wie geisterhaftes Hantieren dunkler Mächte zu einer geheimnisvollen Stunde. Und wenn wir bei dem Bilde blei­ben wollen: das liebe Oesterreich gleicht heute auch tatsächlich einem Friedhof. Mag der Wie­ner Rundfunk feine jüdische Jazzmusik in den Aether hinausplärren, mag man auch ver­suchen, Straußsche Walzer zu spielen — die Strauß' von damals würden heute in Oester­reich längst den Geigenkasten zugeschlagen haben, denn es sind schlechte Dirigenten, die in Oesterreich heute die große Musik machen wollen. Die Wiener Musik klingt heute hohl und dumpf, der Rhythmus ist tot und selbst der Frühling vermag das Leben nicht her­vorzuzaubern.

So vertrottelt sind natürlich auch die der­zeitigen Machthaber in Oesterreich nicht, daß sie nicht selbst diese unheimliche Fried­hofsruhe spüren würden. Wer Angst vor feinem eigenen Schatten hat — und das trifft bei diesen Leuten zu —, führt gern Selbst­gespräche, um sich die Angst aus den Gliedern zu reden, oder er nimmt sich, um die Geister zu bannen, einen Schnaps, der dann die son­derbarsten Vorstellungen über die eigenen Kräfte auslöst. Diese Methode scheint augen­blicklich in Wien stark in Anwendung gebracht zu werden, denn sonst wäre es nicht denkbar, daß dieser Tage" ist Braunau in einer Grenzlandkundgebung der österreichischen Ar­beiter und Angestellten der Landessührer Gasperschitz davon sprach, „der Retter des deutschen Volkes heiße nicht Hitler, sondern Engelbert Dollfuß". „Oesterreichs historische Sendung sei, frei und unabhängig zu bleiben, sich christlich und sozial zu erneuern, damit im deutschen Raume ein Land vorhanden sei, in dem der Jrrgeist der Vergangenheit, an dem Deutschland zugrunde zu gehen drohe, nicht aufkommen könne. Im Reiche selbst wachse die Erkenntnis, daß der Retter Deutschlands nur Dollfuß sein könne." Das erinnert mich lebhaft an die Worte eines Wiener Regie­rungsrates, die er mir vor Jahren in der An­schlußfrage zuwarf: „Ihr Reichsdeutschen

könnt bei dem Anschluß ja nur gewinnen." Nun, viel anders als dieser Regierungspräsi­dent hat sich der Herr Landesführer von heute auch nicht ausgedrückt. Es scheint also, als hätte eine ziemlich starkeUeberheblich- keit seit Kriegsende gewisse Herrschaften in Oesterreich bedenklich gepackt. Dabei bleibt es gleichgültig, ob sie selbst daran glauben oder nicht Sie reden sich diese Dinge so lange laut vor, daß sie schließlich nicht mehr die eigene Phantasie von der Wirklichkeit unterscheiden können.

Es märe diesen Herrschaften zuviel Ehre angetan, wollten wir in Deutschland uns da­rüber besonders aufregen. Erstens brau­chen wir in Deutschland keinen Retter mehr, denn wir haben Adolf Hit­ler, und wenn wir auf Herrn Dollfuß als Retter warten wollten, glich unser schönes Deutschland heute längst dem österreichischen Friedhof. Zweitens sind wir heilfroh, daß die Kirche nicht mehr die politische Suppe kochen kann, wie dies in Oesterreich durch die ein­seitige Unterstreichung des Wortes „christlich" (lies: „klerikal"!) anscheinend ewiges Gesetz werden soll. Mit dem Worte „christlich" ist in Deutschland genug Schindluder getrieben worden. Und drittens soll Herr Dollfuß zu­nächst einmal in Oesterreich zeigen, daß er die Rolle des Retters spielen kann, die man ihm andichtet.

Die Berichte aus Oesterreich lassen erkennen, daß das Volk die Dollfuß'sche Rettung auch heute, selbst nach dem schrecklichen Rettungs­blutbad, noch nicht anerkennt. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo in der Nacht Hakenkreuze ihre Flammen in die Dunkelheit werfen und Riesenhakenkreuzfahnen sich in den Städten an den belebtesten Plätzen ge­heimnisvoll plötzlich entfalten. Auch in den früher so roten Ärbeiterbezirken in Wien be­zeugte eine Reihe von nationalsozialistischen

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Elfenbahntratastrophe in Brasilien

»l> Tote bei einer Sturmflut in Nor­wegen

Generaloberst v. Einem gestorben

Verständigung zwischen Henderson und Barthou

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