Ausgabe 
(29.4.1934) Nr. 117
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Nr. 11? / 2. Vierteljahr

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Sonntag, den 29. April

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Wirtschaflöminlster Dr. Schmitt vor den bayerischen Industriellen

Wirtschaft: Dienst am ganzen Volk

Neue Anstrengungen und Opfer als Garanten dauernder Besserung

München, 28. April.

Reichswirtschaftsminister Dr. Kurt Schmitt hielt auf der Bayerischen Jndustriellentagung eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Meine deutschen Volksgenossen! Der leitende Gedanke unseres heutigen staatlichen Lebens ist, alles in den Dienst des Volkes zu stellen. Re­gierung und Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden, die Partei in ihren vielfältigen Organisationen, die Wirtschaft in ihren verschie­denen Zweigen, sie alle sind dazu da, dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen. Von diesem Ge­sichtspunkt aus müssen alle Entscheidungen ge­troffen und in die Tat umgesetzt werden. Meine Aufgabe ist es, für die Durchführung dieser For­derung auf dem großen Gebiet der Wirtschaft Sorge zu tragen, wobei ich mir darüber klar bin, daß die Formulierung dieser Aufgabe schlicht und einfach, ja, bis zu einem gewissen Grade selbst­verständlich ist; vor der Geschichte kommt es ent­scheidend darauf an, in welchem Maße es uns ge­lingt, diese Forderung auch tatsächlich zu ver­wirklichen.

Es kann nicht darauf ankommen, das zu tun, was im Augenblick gefällt, sofort eine sichtbare Erleichterung bringt und als Erfolg gepriesen werden kann. Nötig ist vielmehr, so zu handeln, daß eine andauernde, wachsende Besserung eintritt, selbst wenn vorübergehend neue An­strengungen und Opfer auferlegt werden müssen.

Wie »ollen keine Scheinblüte, wir wollen eine von innerer Kraft getragene Gesundung als Quelle wachsenden Wohlergehens für unsere Kinder.

Die Reichsregierung hat den Mut gehabt, durch ein großangelegtes Arbeitsbeschassungs- programm der Wirtschaft den Impuls zu ge­ben, der aus der fürchterlichen Stagnation und alles zerstörenden Arbeitslosigkeit herausführen soll. Der Erfolg dieser Aktion ist in großem und überraschendem Maße eingetreten.

Wir wollen uns aber nicht verhehlen, daß hier gewisse Eefahrenp unkte liegen, und es ist notwendig, sie zu erkennen und zu vermeiden. Die Gefahren sehe ich nach den verschiedensten Rich­tungen: beispielsweise darin, daß man unter Vernachlässigung der obenerwähnten Naturgesetze in die Versuchung gerät — wenn man schon bei künstlicher Arbeitsbeschaffung ist — unter dieser Parole Betriebe zu errichten oder wieder in Gang zu setzen, die nicht lebensfähig sind. Bei allen Arbeitsbeschaffungsprogrammen ist es unvermeid­lich, daß die Belebung zunächst nicht gleichmäßig auf allen Fronten einsetzt, sondern einzelne Teile besonders begünstigt werden müßen. Es gibt heute schon Gebiete und Wirtschaftszweige, wo das Material knapp geworden ist; es gibt auch schon Berufe — vor allen Dingen im Handwerk —, für die es schwer ist, die erforderlichen Arbeits­kräfte zu bekommen. Die Erfahrung lehrt, daß daraus leicht die Tendenz zu Preis- und Lohn­steigerungen erwächst. Es darf aber nicht ver­gessen werden, daß Lohn- und Preiserhöhungen nicht einzelnen Gruppen zugute kommen können, daß sie sich vielmehr auf die Gesamtheit über­tragen müsse».

Das nationalsozialistische Reich will keine Lohn-, Klassen- und Jnteressenkämpfe. Es will die gleichmäßige Förderung aller, ausgehend von der Anerkennung des Eigentums, der Leistung und der Führung, aber auch von der Forderung, daß Besitz verpflichtet. In stetem Bewußtsein seiner hohen Verantwortung und durch die Her­stellung einer aufrichtigen Verbundenheit mitseiner Gefolgschaft wird der deutsche Wirtschaftsführer national und sozialistisch.

Auch das Problem unserer Aus- und Einfuhr möchte ich in diesem Zusammenhang kurz streifen. Sie alle kennen die Entwicklung unserer Außen­handels- und Zahlungsbilanz, deren Verschlechte­rung neben anderen Gründen vor allen Dingen daraus zurückzuführen ist, daß durch die Belebung unserer Wirtschaft der Import von Rohstoffen naturgemäß in ständigem Steigen begriffen ist, während auf der anderen Seite unsere Ausfuhr durch das unverminderte Fortbestehen der Welt­wirtschaftskrise und die sich immer noch steigern­den Schwierigkeiten aus den Weltmärkten sich rück­läufig entwickelt. Ich brauche nicht zu erwähnen, was so oft schon ausgesprochen wurde, daß das heutige Deutschland, getreu seinen Tradi­tionen, gemäß seiner Lage und seiner Leistungs­fähigkeit den offenen Weltmarkt sucht und seine Förderung herbeiwünscht. Auf der anderen Seite sind wir gezwungen, der tatsächlichen Situ­ation Rechnung zu tragen. Wir können Rohstoffe nur mit Waren, und Zinsen nur aus dem Export­überschuß bezahlen.

So ist unserer hochwertigen Wirtschaft die Auf­gabe gestellt, alles zu tun, um vollwertigen Ersatz für einzuführende Rohstoffe durch deutsche Erzeug­nisse zu schaffen. 2n dieser Richtung sehe ich dank der technischen Fortschritte Möglichkeiten von Tragweite, und ich bin sicher, daß mangels ver­nünftiger und für uns tragbarer Abmachungen mit den rohstosfliefernden Ländern Deutschland, wenn es sich erst umgestellt hat, in vielen Rich­

tungen und in großem Umfange dauernd auf die Hereinnähme ausländischer Rohstoffe verzichten kann, für die es sonst wachsend Abnehmer wäre.

Andererseits ist die Sicherstellung des not­wendigen Exports eine Frage des Eesamt- interesses der Nation und kann daher nicht nur vom Standpunkt der Lage und Bedürfnisse des einzelnen Betriebes entschiede» werden. Unter keinen Umständen darf zunehmende Beschäftigung auf dem Jnlandsmarkt das Be­streben, Euter auszusühren, erlahmen lassen, es muß es vielmehr steigern.

Noch ein Wort zu den großen Aufgaben der neu zu schaffenden Organisation der Wirtschaft. Das Ziel geht dahin, die Wirt­schaft in ihrer Gesamtheit zu erfassen, in ihren einzelnen Fachgruppen zu gliedern, in mög­lichster Selbstverwaltung, aber unter der Autori­tät von Führern, die von dem Vertrauen der Unternehmungen und der Reichsregierung ge­tragen sind. So wird es möglich sein, an die Stelle der bisherigen rein privatwirtschaftlich geleiteten Verbände — in gleicher Weise wie ört­lich in den Handelskammern — eine fachlich gegliederte Organisation der deutschen Wirtschaft zu setzen. Wenn wir bei der Konstituierung schrittweise vorgehen und die Beendigung des Aufbaues vielleicht den Zeitabschnitt eines Jahres in Anspruch nehmen wird, so deshalb, weil ich die sorgfältige Auswahl der Führer und ein behutsames Hereinwachsen in die Aufgabe für besonders wichtig halte.

Die Einrichtung einer Hilfskasse der NSDAP. erwies sich bereits vor mehreren Jahren deshalb als unumgänglich notwendig, weil die Versiche­rungsgesellschaften, mit denen die NSDAP. zuerst zu arbeiten begann, um die im Dienste der Partei zu Schaden kommenden Parteigenossen zu ver­sichern, mit zu hohen Unkosten zu arbeiten ge­zwungen sind, da sie außer den eigentlichen Un­kosten auch noch ihren Verdienst in Rechnung stellen müssen. Daher konnte die NSDAP. bei ihrem ständigen wachsenden Mitgliederstand und der immer größer werdenden Zahl der Unfälle auf die Dauer eine eigene Organisation für ihre von Unfällen betroffenen Mitglieder nicht ent­behren. Infolgedessen nahm der Reichsschatzmeister die Gründung einer eigenen Hilfs- kasse der Partei vor, zu deren Orga­nisation und Leitung er den Pg. Mar­tin Bormann berief.

Die Hilfskasse der NSDAP. unterscheidet sich von den privaten Versicherungsgesellschaften da­durch, daß bei ihr der eigene Verdienst fortfällt und die Unkosten auf den geringen Satz von 9 Prozent herabgemindert werden. Nur so läßt sich auch der verhältnismäßig geringe Bei­trag von 3V Pfg. im Monat erklären.

Bürotechnisch ist die Hilfskasse in Kartet- abteilung, Buchhaltung, Mahnabtei- lung und Unfallabteilung eingeteilt. Zu der Kartothek der Ortsgruppen, in der jeweils der Mitgliederstand und die Erfüllung der Beitrags­pflicht vermerkt wird, kommt eine Kartei der Versammlungen hinzu, die jederzeit eine ge­naue Kontrolle der gesamten Propagandatätigkeit der Partei, sowie auch der einzelnen Redner ge­stattet.

Ueber den Umfang der von der Hilfskasse ge­leisteten Arbeit mag man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß zu Beginn eines Monats im Postzimmer täglich rund 1300 Postsachen ein­laufen, deren Zahl sich ab Mitte jeden Monats auf täglich 3000 und 1000 erhöht.

Das ist nicht verwunderlich, denn die über 10 000 Ortsgruppen der Partei sind verpflichtet, monatlich einmal abzurechnen, wozu dann noch die übrige Post der Sonderfiille hinzukommt.

Gegenwärtig lausen täglich rund 200 Anzeigen bei der Hilfskasse ein. Die lausenden Schaden­fälle gehen in die Tausende.

Die Zahl der Angestellten der Hilfskasse beträgt heute über 100. Die Bearbeitung der Schaden- fälle in den kleineren Ortsgruppen wird von den Ortsgruppenleitern oder den Kassenwarten vor­genommen, in den größeren Ortsgruppen sind eigene Obmänner aufgestellt.

Mit diesem gewaltigen Apparat sorgt die NSDAP. für die Kämpfer der Bewe­gung, die Leben und Blut für ihre national­sozialistische Idee einsetzen. Jeder Parteigenoß« trägt dazu bei, daß dieHinterblie denen

Es ist mein sehnlichster Wunsch, daß hier von der deutschen Wirtschaft etwas wirklich Nationalsozialistisches geschaffen wird.

Es ist nun naheliegend, daß ich hier in München noch etwas über die Stellung der Länder sage, wobei ich bemerke, daß dies nichts mit der Reichsreform und den Ländern als solchen zu tun hat. Ich verstehe hier unter „Länder" die großen Wirtschaftsgebiete, wie sie ungefähr in den Treuhänderbezirken zum Ausdruck kommen. Diese großen Wirtschaftsgebiete — man denke z. B. an daß Rheinisch-Westfälische und an Ost­preußen —, sind in sich gänzlich verschieden. Es scheint mir deshalb unerläßlich, daß Lei aller

Lapans Antwort

London, 28. April.

Wie Reuter aus Tokio meldet, stellt sich der japanische Minister des Auswärtigen, Hirota, neuerdings auf den Standpunkt, daß die Aufsehen erregende Erklärung des Ministeriums des Aus­wärtigen, die rasch unter dem Namen der ostasia- tischen Monroe-Doktrin bekannt geworden ist, „offiziell nicht existiere". Die Grundlinien der ja­panischen Politik seien vielmehr dargelegt in der drei Tage nach dem Zwischenfall herausgegebenen Erklärung. Den Botschaftern von Großbritannien und den Vereinigten Staaten in Tokio sind in diesem Sinne schriftliche Mitteilungen des Außen­ministers zugegangen.

unserer Toten, daß die Tausende von verwundeten SA.- und SS. - Männern Hilfe und Unterstützung erhalten. So ist die Hilfskasse der NSDAP. ein großartiges Werk des Sozialismus der Tat. Auch die

NeiOezeugmeisterei

ist dem Reichsschatzmeister seit dem 1. August 1930 aus organisationstechnischen Gründen unterstellt. Die Reichszeugmeisterei und ihr Aufgabengebiet wuchs mit dem Wachsen der Bewegung, ins­besondere der SA. und SS. Die Führung dieses dem Selbstzweck der Partei dienenden Unter­nehmens war außerordentlich schwierig, zumal die von den früheren Machthabern erlassenen Uniformverbote, sowie auch des Verbotes der SA., SS., HJ. u. dgl. eine geordnete kaufmännische Leitung nahezu zur Unmöglichkeit machten.

Dauernde Beischlagnahme von Waren, Kassen und Büchern, Sicher­stellung nahezu ganzer Zeug- meistereien wurden nur durch­geführt, um der NSDAP. schweren Schaden zuzufügen. Der Reichsschatz- meifter entschloß sich deshalb im November 1932 mit einer durchgreifenden Reorganisation der Reichszeugmeisterei zu beginnen und diese auf eine in sich unabhängige finanzielle Basis zu stellen.

Während die Sanierung der Reichszeugmei­sterei von dem Reichsschatzmeister selbst durch­geführt wurde, erhielt den Auftrag zur Durch­führung der technischen und kaufmännischen Reorganisation der damalige Leiter der Reichs­revisionsabteilung und jetzige Stabsleiter des Reichsschatzmeisters Pg. Saupert, der alle seine Anordnungen im engsten Einvernehmen mit dem Reichsschatzmeister traf.

Die neue Reichszeugmeisterei wurde wiederum „eröffnet" am 20. März 1933, mit 1 Leiter und 8 Angestellten. Unter der direkten Führung des Reichsschatzmeisters und dessen Stabsleiters ent­wickelte sich die Reichszeugmeisterei unerhört rasch. — Reichszeugmeister Büchner, der lang­jährige und verdiente Leiter der Reichszeug­meisterei, wurde dabei seiner Aufgabe in jeder Weise gerecht. Organisatorisch ist die nun­mehrige Reichszeugmeisterei gegenüber der frühe­ren vollkommen verschieden.

Während vorher mit eigenen Filialen und Verkaufsstellen gearbeitet wurde, entstand im Laufe der letzten 7 Monate ein konzessioniertes Verkaufsstellensystem von Privatunternehmungen, das seinesgleichen in der Wirtschaftsorganisation der größten Unternehmungen der Welt überhaupt suchen dürfte. Nicht weniger als rund 8000 Ver­triebsstellen, die zur Abgabe vorschriftsmäßiger Bekleidnngs- und Ausriistungsgegenstände sowie

Wahrung einer einheitlichen Eesamtwirtschafts- politik die Unternehmungen, ähnlich wie örtlich in den Handelskammern, so auch in den Ländern zusammengefaßt werden müssen.

So gewiß es nur ein Deutsches Reich gibt, so kann es auch nur eine deutsche Wirtschaftspolitik geben, die von der Reichsfiihrung der Wirtschaft in Verbindung mit der Reichsregierung festzu­legen ist. Dies bedeutet aber nun keineswegs, Latz alles von Berlin aus bestimmt werden muß. Ich unterstütze jegliche Bestrebungen, die das wirt­schaftliche Eigenleben in den großen Wirtschafts­gebieten fordern.

Meine Volksgenossen! Ich hoffe, Ihnen hier­durch gezeigt zu haben, wie wir uns das Zusam­menarbeiten von Staat und Wirtschaft, von Reich und Ländern im nationalsozialistischen Sinne vorstellen und wie in der Praxis Einord­nung in das Eesamtwohl des Volkes unter star­ker Staatsgewalt und gleichzeitige Entfaltung des einzelnen gelöst werden können. Ich schließe mit dem Wunsch, daß es uns gelingen möchte, die Männer zu finden, die in einem solche» Geist an die Arbeit gehen, und daß die Gesamtheit unserer wirtschaftenden deutschen Menschen über ihren Alltag hinweg mit hohem Sinn sllr die Größe der gestellten Aufgabe freudig mitarbeiten wird. Der wirtschaftende Mensch muß sich plagen und sorgen, er muß nüchtern rechnen, er muß sich aber auch sein Herz warm halten für die große Aus­gabe, die ihm als Glied der deutschen Nation ge­stellt ist!

und Fmlmz-OrgamsMon

Abzeichen und dergleichen an die Formationen der hinter der Regierung der nationalen Er­hebung stehenden Verbände ermächtigt sind, wur­den zugelassen.

Um eine einheitliche Bekleidung der SA., SS., H2. usw. überhaupt zu ermöglichen, war es not­wendig, die gesamten Ausrüstungsstücke von der Fabrikation bis zur Verkaufsstelle unter Kon­trolle zu stellen. Diese gigantische Aufgabe wurde von der Reichszeugmeisterei auch nach dem Ur­teil erster Fachleute aus allen Schichten der in Frage kommenden Fabrikationsbetriebe usw. meisterhaft gelöst. Um die Angehöriger der SA. und SS. von vornherein vor Uebervorteilung und Belieferung mit minderwertiger Qualität zu schützen, mußte gegen dieses hemmungslose Treiben ein- und durchgegriffen werden.

Für Herstellung und Verkauf der Beklcidungs- und Ausrüstungsgegenstände sowie Abzeichen sind rund 3800 Fabrik- und Handwerksbetriebe, 1200 Großhändler, 20 000 Schneidermeister und 8000 Verkaufsstellen, wie bereits oben erwähnt, zu­gelassen. Eine einzige Aenderung der Veklei- dungsvorschristen beispielsweise bedingt einen Versand von rund 33 000 Stück Rundschreiben.

Neben den großen Abteilungen der Reichs­zeugmeisterei, wie Einkauf und Verkauf, SA.- und SS.-Versand, PO.-Versand, Hauptbuchhal­tung und Lizenzbuchhaltung ist die Lizenzabtei­lung mit folgenden Unterabteilungen wie Tuch­fabriken, Tuchhandlungen, Schneiderei und Klei­derfabriken, Trikotagen, Webereien, Köper-, Kord- und Futterstoffe sowie Verarbeitung dieser Ware, Mützenherstellung, Herstellung von par­teiamtlichen Abzeichen in Metall und Textil, Verkaufsstellen, Lederherstellung und Großhandel am hauptsächlichsten zu erwähnen.

Sogar eine eigene Rechtsstelle, die die Straf­verfolgung derjenigen einleiten muß, die unbe­rechtigterweise Bekleidnngs- und Ausrllstungs- gegenstände herstellen bzw. vertreiben, mußte ein­gerichtet werden.

Die Organisation der Reichszeugmeisterei läßt es hierbei zu, daß insbesondere die Notstands­gebiete berücksichtigt werden können. Das glatte Funktionieren aller Einrichtungen der Reichs­zeugmeisterei hat auch den Führer der Deutschen Arbeitsfront veranlaßt, der Reichszeugmeisterei die Ausarbeitung der Herstellungs- und Ver- kaufsoorschriften für den Fesitanzug der Deutschen Arbeitsfront, sowie die ge­samte Kontrolle hierüber zu übertragen.

Das Ziel, dem SA.- und SS.-Mann sowie allen denjenigen, die als Käufer für Ausrüstungs- und Bekleidungsgegenstände in Frage kommen, für wenig Geld nur beste Ausführung und gute Qualität an Waren zu liefern, ist erreicht.

(Weitere Berichte über Ressorts aus dem Be­reich des Reichsschatzmeisters folgen in den nächsten Ausgaben der BZ.)

Wir wollen keine Scheinblüte

b. K. B r e m e n, 29. April 1934.

„Wir wollen keine Scheinblüte, wir wollen eine von innerer Kraft getragene Gesundung als Quelle wachsenden Wohlergehens für unsere Kinder."

Reichswirtschastsminister Tr. Schmitt aus der bayrischen Jndustriellentagung in München am 28. April.

Der 1. Mai als der Nationalfeiertag deut­scher Arbeit steht vor der Tür. In allen deutschen Gauen rüstet sich das Volk, diesen Tag aufs würdigste zu begehen. Das Riesen­heer aller Werktätigen, die in der Deutschen Arbeitsfront vereinigt sind, wird an jenem Tage durch die Straßen marschieren, und alle Schaufenster, vom größten bis zum kleinsten Geschäft, zeigen sedes in seiner Art nicht nur die Symbole deutscher Arbeit und deutschen Schaffens, sondern werden auch dem Beschauer in eindringlichster Form vor Augen führen, daß er sich mit allem Ernste um das Schicksal der Wirtschaft heute zu kümmern hat. Der 1. Mai wird also nicht allein ein Feiertag sein, sondern auch vor­nehmlich ein Tag der Erziehung und der Besinnung; denn es geht heute nicht darum, daß irgendeinem Stande wirtschaftlich geholfen wird, sondern dem schaffenden deutschen Volke überhaupt.

Gerade, weil wir den 1. Mai feiern und dabei ein machtvolles Bekenntnis zur deut­schen Volksgemeinschaft ablegen wollen, weil wir an diesem Tage die Arbeit in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen und unserer Freude stellen, ist es notwendig, auch den ganzen sittlichen Ernst und höchste Verantwortung zu zeigen. Damit man uns recht verstehe: Wir sollen mit offenen Augen durchs Leben schreiten. Wir sollen das, was wir beginnen, so gestalten, daß es dauern­den Wert besitzt. Es hat keinen Zweck, im Taumel einer Begeisterung wirtschaftlich et­was zu beginnen oder zu fordern, was doch über kurz oder lang wieder zusammen­brechen muß.

Die Geschichte des deutschen Volkes hat viele Beispiele dafür, wie planlos an sich günstige Zeiten des wirtschaftlichen Auf­stieges ausgebeutet wurden, um dann wie­der eine Periode des Niederbruches folgen zu lassen. Charakteristisch dafür waren die sogenannten Gründerzahre nach dem Kriege von 1870/71. Da schössen neue Unter­nehmungen wie Pilze aus der Erde, da blähte sich die Wirtschaft aus, als säße sie aus dem festesten Fundament, und dann kam der. Kladderadatsch. Oder erinnern wir uns der unseligen Schieberzeiten nach dem Kriege und zum Teil schon während des Krieges, als plötzlich aus allen Ecken und Winkeln des Landes Pseudo-Wirtschafts- führer erstanden, die einen Reichtum vor­täuschten, der zusammenbrechen mußte, so­bald der kleinste Krisenwind einmal wehte. Erinnern wir uns ferner der Zeit nach der Inflation 1924/25, als wir in die Stabilisierung der Mark schritten. Auch in jenen Jahren war weiten Kreisen jedes Maß wirtschaftlicher Ueberlegung, jedes nüchterne Gefühl, daß zwei mal zwei nun Z einmal vier ist und nicht fünf ergibt, ver­loren begangen. Man stürzte sich in Schul­den, dre Zinsen wurden zu Wucherzinsen, aber niemand fragte darnach. Unter dem Stichwort „Aufbau und Ankurbelung der Wirtschaft" wurde planlos ins Blaue hinein­gelebt. Der Staat im alten System ging da­bei mit „gutem" Beispiel voran und die Wirtschaft und das Volk folgten. Zwei Jahre ging das gut und dann flog der Pleitegeier aus die Dächer und gab dem Gerichtsvoll­zieher glänzende Arbeitsmöglichkeiten. An den Folgen jener Zeit leidet heute noch ein großer Teil unserer Wirtschaft und nicht zu­letzt auch unser Bauernstand.

Wir begrüßen es deshalb mit ganz beson­derer Freude, daß der Reichswirtschafts­minister Dr. Schmitt in München vor den Industriellen ausdrücklich erklärt hat: Wir wollen keine Scheinblüte! Der Minister wird, davon sind wir überzeugt, feine triftigen Gründe gehabt haben, wenn 8 er diese Worte in die Diskussion der Oeffent- lichkeit geworfen hat. Nichts ist leichter als in erner Zeit des wirtschaftlichen Aufbaues, wie wir ihn heute unter nationalsozialisti­scher Führung tatsächlich erleben, über das Ziel hinauszuschießen. Viele verlieren das richtige Augenmaß und verlernen das Rech-

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