Ausgabe 
(27.4.1934) Nr. 115
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Nr. 115 / 2 . Vierteljahr

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Spanien im Ueber

Bombenanschlag auf den Innenminister Madrid, 26 .April.

Die spanische Regierung hat soeben von dem ihr durch den Staatspräsidenten zugestandenen Recht Gebrauch gemacht und über das ganze Staatsgebiet den Alarmzustand verhängt. Gegen den spanischen Innenminister wurde am Mittwoch­abend in der Innenstadt von Madrid ein Bomben­anschlag verübt. Der Anschlag erfolgte in dem Augenblick, als der Minister seinen Krastwagen befestigen wollte. Nähere Einzelheiten fehlen noch. jedoch scheint bei dem Anschlag niemand verletzt worden zu sein.

Vanama-Gchleusen gefährdet?

Newqork, 26. April.

Die Marinebehörden in Colon (Panama- Kanal) geben bekannt, datz die Kanal-Schleusen mindestens bis zur Rückkehr der Flotte im No­vember dauernd scharf bewacht werden würden, während sie bisher Tag und Nacht frei zugänglich waren. Die Matznahme wird als Folge von Gerüchten über einen geplanten Anschlag auf die Schleusen betrachtet. Die Durch- schleusung ist im übrigen ohne Zwischenfall vor sich gegangen. Die amerikanische Presse gibt in grotzer Aufmachung die japanischen Blätterstim­men wieder, die die Kanaldurchfahrt der ameri­kanischen Flotte als einen Fehlschlag bezeichnen, da sie länger als einen Tag gedauert habe.

Amerikanische Anfrage in Tokio

Washington, 26. April.

Die amerikanische Regierung prust zur Zeit ein­gehend alle Einzelheiten und Gesichtspunkte hin­sichtlich der japanischen Veröffentlichungen über die Politik Japans in China. Die Regierung hat nicht nur den Washingtoner japanischen Botschaf­ter um nähere Aufklärung ersucht, sondern nun­mehr auch den amerikanischen Botschafter in To­kio, Grew, angewiesen, beim japanischen Autzen- amt Erkundigungen darüber einzuziehen, ob das in der Presse veröffentlichte Manifest von der ja­panischen Regierung als offizielle Dar­stellung der japanischen Politik in China an­erkannt werde. Ferner soll Grew in Tokio fest­stellen, welche Folgerungen im einzelnen Japan zu ziehen gedenke und wie sich Japan zu der Frage stelle, ob nicht Schritte, wie sie in den japanischen Veröffentlichungen a' gedroht seien, dem Grundsatz der Offene. Tür in China und dem Neunmächtevertrag widersprä­chen. Man betont im Staatsdepartement, datz alle diese Erkundigungen sowie die Prüfung der sich aus ihnen für Amerika ergebenden Folgerungen Zeit brauchten. Die ganze Angelegenheit werde in Washington intensiv bearbeitet.

Verlrauenserklärung für Hirota

Tokio, 26. April.

In der Kabinettssitzung erstattete Außenminister Hirota Bericht über die außen­politische Lage, insbesondere über die englische Note und die Ergebnisse der Unterhaltung Sal­tos mit der amerikanischen Regierung. Das Kabinett sprach dem Außenminister sein Ver­trauen aus.

Zollreform — Notbehelf

Staatssekretär Hüll vor dem Senatsausschutz Washington, 26. April.

Vor dem Ausschutz des amerikanischen Senats verlas Staatssekretär Hüll eine Erklärung über die Zollreform. Er betonte darin, datz Gegen­seitigkeitsverträge mit fremden Mächten Not­behe l f e für die Zeit der Krise seien. Nur we­gen der Weltwirtschaftskrise schlage Präsident Roosevelt auch die Form der Eegenseitig- keitsverträge vor, die an und für sich nicht dem von Amerika vertretenen Grundsatz ent­spreche. Hüll wies darauf hin, datz andere Länder mit dem Beispiel solcher Verträge voran­gegangen seien und datz die amerikanische Er­zeugung die Möglichkeit des Abstotzens des Überschusses an das Ausland dringend nö- tig habe. Der Außenhandel sei ein sehr wesentlicher Faktor für eine gesunde Wirtschaft. Er kenne all die Bedenken, die im Kongreß gegen den Gesetzentwurf bestünden. Jetzt sei es aber an der Zeit, den Streit über Grundsätze zu­rückzustellen und sich klar zu machen, datz es sich nur um einen vorübergehenden Notbehelf zur Ueberwindung der außergewöhnlichen Lage han­dele. Dabei sei zu berücksichtigen, datz schnell ge­handelt werden müsse, um die amerikanische Wirt­schaft aus dieser schweren Krise herauszubringen.

Ein Richter als Mörder

Mexiko-Stadt, 26. April.

InMorelis (Michoacan) wurde der Bericht­erstatter der Zeitungen „Universal" und „La Prensa" von dem früheren Richter Rafael- Garcia ermorde t. Die Ursache der Tat soll darin zu suchen sein, datz der Berichterstatter un­günstige Meldungen über Rafael gebracht hat. In Zeitungskreisen hat die Nachricht große Em­pörung ausgelöst.

6nb. Berlin, 26. April.

Vor neun Jahren, am 26. April 1925. wurde der nunmehr über 86jährige General- seldmarschall von Hindenburg von der über­wiegenden Mehrheit des deutschen Volkes zum Reichspräsidenten gewählt.

Als der verdienstvolle Feldherr des Welt­krieges aus seiner wohlverdienten Ruhe heraustrat, um an die Spitze des Volkes zu treten, war er dem Ruf und Drängen der Volksgenossen gefolgt, die von ihm die Be­freiung aus den Fesseln der inneren und Sicheren Unehre erhofften, die die marxisti­sche Novemberrevolte des Jahres 1918 über das im Kampf gegen eine Welt von Feinden nicht erlegene Deutschland gebracht hatte. Als Reichspräsident von Hindenburg am 36. Januar 1933 den Führer des inzwischen mächtig emporgewachsenen neuen Deutsch­land in das Kanzlermt berief, war die Hoff­nung endlich erfüllt.

Ein Rückblick aus die schwere Zeit, die den Generalfeldmarschall bis zum Tage der nationalen Erhebung vor die verantwor- tungsschwersten, oft über menschliche Kraft hinausgehenden Ausgaben stellte, ruft zu­nächst die Erinnerung an bedeutende außen­politische Ereignisse wach, die in seine ersten Amisjahre fielen. Am 1. Dezember 1923 wurde der Vertrag von Locarno ab­geschlossen und ein Jahr später trat Deutsch­land in den Völkerbund ein. Am 18. Juli 1927 wandte sich Hindenburg bei der Einweihung des Tannenberg-Denkmals aufs

Berlin, 26. April.

Am Donnerstagabend sprach Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die am 27. April in Berlin in der Reichsbank zusammengetretene Konferenz der Gläubigervertreter für die deutschen Mittel- und langfristigen Schulden über alle deutschen Sender. Diese Konferenz mit den Vertretern der Reichs­bank verfolgt bekanntlich das Ziel, für das Problem der deutschen Auslands­schulden eine konstruktive Lösung auf dauer­hafter Grundlage zu finden. Dr. Schacht führte u. a. aus:

Die Welt erwartet von dieser Konferenz mehr als von den bisherigen Diskussionen über die Frag« der langfristigen deutschen Schulden. Die große zur Debatte stehende Frag« ist, wie kann man die Uebertragung der deutschen Schuldenzahlungen in fremde Wäh- rung ermöglichen — denn das ist das Problem des sogenannten Transfers — und wie kann man die Störungen, die von diesem Transferproblem auf die Welt ausgehen, beseitigen?

Auch für das hier vorliegende Problem ist der Versailler Vertrag der Ursprung allen Uebels. Auf Grund dieses Vertrages hat Deutschland jähr­lich Milliardenbeträge an Reparationen zu zah­len gehabt. Aber die Reparationsglänbiger gaben sich mit dem aus Steuern aufgebrachten deutschen Geld nicht zufrieden, sondern forderten von uns ausländisches Geld. Ausländisches Geld aber kann sich Deutschland nur dadurch beschaffen, datz es deutsche Waren im Ausland verkauft.

Es gibt indessen einen vorübergehenden Weg, in den Besitz ausländischer Zahlungsmittel zu kommen, nämlich dadurch, datz man im Ausland Anleihen aufnimmt. Tatsache ist, datz infolge dieses Pumpsystems im Laufe der Zeit weit über zehn Milliarden RM. Anleihen, die wir jetzt ver­zinsen und tilgen müssen, nicht der deutschen Volkswirtschaft zugute gekommen find, sondern in Form von Reparationen direkt an das Ausland geflossen find. Wir befinden uns nun dem Problem gegenüber, datz Deutschland dieses bei ausländischen Privatleuten für Reparationszwecke aufgenommene Geld zurückzahlen muh.

Obwohl angesichts dieser Sachlage nicht ge­leugnet werden kann, daß das auf der Konferenz zur Debatte stechend« Transferproblem seine Entstehung der politischen Unvernunft der Vergangenheit verdankt, sind wir auf der andern Seite als ehrliche Schuldner selbstverständlich verpflichtet, unseren Zahlungen

schärfste gegen die Kriegsschuld- lüge, gegen die er am 28. Juni 1929 aus Anlatz der zehnten Wiederkehr des Jahres­tages der Unterzeichnung des Versailler Dik­tates eine erneute Kundgebung erlietz. Mit dem Beginn der ersten Haager Konferenz am 31. August 1929 setzte eine neue Epoche der völkerrechtlichen Wirksamkeit ein. Im November 1929 wurde die zweite Zone des Rheinlandes von den Be­satzungstruppen geräumt. Ein da­mals eingebrachter Volksentscheid gegen den Aoung-Plan, der die politische Schuld Deutschlands in eine kommerzielle Schuld umwandeln sollte, scheiterte am 2V. Dezem­ber an dem Widerstand der Systemregierun­gen im Reich und in Preußen. Am 2V. Juni 1931 sah sich Hindenburg zu einem Schrei­ben an den amerikanischen Prä­sidenten Hoover veranlaßt, in dem er ihn bat, Schritte zur sofortigen Aende­rung der gefahrdrohenden weltwirtschaft­lichen Lage zu unternehmen.

Aber auch im Innern sah sich Hindenburg durch die damaligen Machthaber des republi­kanisch-demokratischen Systems zu den schwersten Entscheidungen gedrängt. Eine. fast hoffnungslose wirtschaftliche Lage, der stete Kampf zwischen den Parteien, unfruchtbarer Parlamentarismus, rer eine Inflation an Neuwahlen zur Folge hatte, schließlich die Notverördnungsaera des. Zentrumskanzlers Brüning bürdeten, dem Reichspräsidenten eine übermäßige Last an Verantwortung auf.

nachzukommen, zumal unsere Gläubiger Privat­leute sind. Der deutsche Schuldner zahlt auch die fälligen Beträge jn deutschem Geld für Rechnung der ausländischen Privatgläubiger pünktlich bei der Konverstonskasse für deutsche Auslands­schulden ein. Was wir aber nicht bewirken können und was nicht in unserer Macht liegt, ist, die vom Schuldner eingezahlten Reichsmarkbeträge dem ausländischen Privatgläubiger infremder Währung zur Verfügung zu stellen. Diese Devisen können wir jedoch nur beschaffen, indem wir Waren ins Ausland verkaufen.

Das Ausland legt aber unseren auf eine Stei­gerung unserer Ausfuhr gerichteten Bemühungen immer größere Schwierigkeiten in den Weg, so datz wir gegenwärtig nicht in der Lage sind, so viel Waren auszuführen, daß wir damit unsere Einfuhr bezahlen und darüber hinaus unseren Schnldenverpslichtungen an das Ausland in frem­dem Geld nachkommen können.

Infolge der Kredit- und Bankenkrachs von 1931 ist auch die zweite heimische Quelle, der in normalen Zeiten vorübergehend ausländische Zahlungsmittel entnommen werden können,

Wir veröffentlichen heute im Handels­teil die Abschlüsse des Norddeut­schen Lloyd und der Hamburg- Amerika Linie für das Geschäftsjahr 1933, ein Jahr harten Ringens.

nämlich die Gold- und Devisenreserve der Reichsbank, völlig zum Versiegen ge­bracht worden. Die Kreditrückziehungen haben, da Deutschland den Kreditrückzahlungswünschsn des Auslandes bis zum Weißbluten nachgekom­men ist, den Gold- und Devisenbestand der Reichs­bank auf einen ganz geringfügigen Betrag Herab­sinken lassen. Der Zusammenbruch des inter­nationalen Kreditgebäudes im Jahre 1931 hatte verheerende Folgen für den internationalen Handel. Die Unterbringung einer bestimmten Warenmenge an ausländischen Märkten ist heute dreimal so schwierig wie in den Zeiten, in denen beispielsweise Deutschland seine Schuldverpflich­tungen einging.

Zwei unserer größten Gläubigerländer, Eng­land und die Vereinigten Staaten von Amerika, haben durch eine Entwertung ihrer Währung unsere Ausfuhr aus das empfiniusch le erschwert, indem sie uns aus den eigenen A au fremden Märkten unterbieten. Die übe c.' eingeführten Zollerhöhungen und Änsuhrbestp.änkungen haben unserem Export weiterhin unüberwindliche

Trotzdem entschlotz er sich, im März 1932, nach Ablauf seiner siebenjährigen Amts­periode, ein zweites Mal für das Amt eines Reichspräsidenten zu kandidieren. Gleich darauf, zu Beginn seiner zweiten Amtszeit, kam es zu neuen Reichstagswahlen, die im ungeheuren Anwachsen der national- sozialistischenStimmen dem stürmi­schen Ruf des deutschen Volkes nach einer Erneuerung des Reiches durch den Führer Adolf Hitler Ausdruck gaben. Das im No­vember 1932 gebildete Kabinett Schleicher geriet in hoffnungslose Schwierigkeiten, die am 28. Januar 1933 zu seinem Rücktritt führten.

Schon zwei Tage später, am 30. Januar, wurde Adolf Hitler vom Reichspräsidenten mit dem Kanzleramt betreut und das neue Kabinett der nationalen Er­hebung gebildet. Am Abend dieses denk­würdigen Tages huldigten Hunderttausende dem greisen Reichspräsidenten und dem Füh­rer des neuen Deutschland in einem Riesen­fackelzuge. Am 21. März 1933 wurde in der Potsdamer'Garnisonkirche vor der Gruft Friedrichs des Grossen im Rahmen eines Staatsaktes der neue Reichstag mit An­sprachen des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers eröffnet. In dieser geschicht­lichen Stunde deutscher Schicksalswende reichten sich das alte und das junge Deutsch­land die Hand zu dem gemeinsam bekun­deten Willen zum Bau des neuen, des Dritten Reiches.

Schwierigleiten in den Weg gelegt, die insbe­sondere noch verstärkt werden dadurch, datz man die Boykotthetze gegen deutsche Waren geduldet hat.

Trotz aller dieser Hemmnisse hat Deutschland bis zum Juni 1933 seine fälligen Verpflichtungen an das Ausland in fremden Zahlungsmitteln voll erfüllt. Von diesem Zeitpunkt ab muhten die Zahlungen herabgesetzt werden. Heute ist unsere Lage infolge der bereits geschilderten Zustände so, daß auch eine Fortsetzung der gegenwärtigen tcilweisen Erfüllung in fremder Währung nicht mehr möglich ist.

Um die völlige Transferunsähigkeit Deutsch­lands festzustellen, wäre es natürlich nicht nötig gewesen, eine internationale Konferenz zu be­mühen, denn die Tatsachen liegen für jedermann klar auf der Hand. Aufgabe der Konferenz ist es vielmehr, Abhilfemahnahmen für die gegenwärtige Lage zu finden.

Abhilfe kann nur von zwei Seiten kom­men: Die eine Möglichkeit ist eine Steige­rung der deutschen Ausfuhr durch Belebung des Welthandels, die andere ein Entgegen­kommen der Gläubiger in der Höhe der Zin­sen, der Hinausschiebung der Tilgung und ähnlichen Maßnahmen. ,7

Da die Wiederbelebung des Welthandels ab­hängig ist von einer vernünftigen Rege­lung der Schuldenfrage, ist es not­wendig, das Schuldenproblem entschlossen in An­griff zu nehmen. Gerade die jüngste Entwick­lung zeigt mit völliger Klarheit, wie der Block der alten Schulden sich einer internationalen Ee- schäftsbelebung entgegenstellt. Während sich in den einzelnen Ländern binnenwirtschaftliche Ve- lebungserscheinungen geltend machen, verharrt die Weltwirtschaft auf ihrem tiefen Stand, weil die Kreditbeziehungen von Land zu Land infolge der alten Schulden ins Stocken geraten sind.

Es ergibt sich daher der jeder Vernunft bare Zustand, daß diejenigen Länder, die Rohstoffe verbrauchen und industrielle Fertigprodukte in Ueberfluß herstellen können, aus Mangel an fremden Zahlungsmitteln daran gehindert wer­den, Rohstoffe zu kaufen, und daß diejenigen Länder, die Rohstoffe produzieren, auf den Konsum industrieller Fertigwaren verzichten müssen. Dieser den eigenen Interessen des Aus- landes zuwiderlaufende Tatbestand zwingt Deutschland, seine Rohstoffeinfuhr auf ein Min­destmaß zu beschränken.

(Fortsetzung im Innern des Blattes)

Kritische Gedanken

ll. ll. Bremen. 27. April 1934.

Diplomatie sollte nicht nur heute eine Kunst der Staatsmänner sein, die diese im Verkehr mit anderen Ländern pflegen, son­dern auch eine solche, die im praktischen Le­ben anzuwenden, von dem gewöhnlichen Sterblichen fleißig geübt weü>en müßte. Unter dem Begriff „Diplomatie" braucht man absolut nicht, wie im Volke schlechthin angenommen wird, eine unehrliche, zwei­deutige Politik zu verstehen. Gute Diplo­matie heißt nur kluges und weises Handeln, dabei zähes Festhalten am gesteckten Ziel und konsequente, kompromißlose Arbeit, bis dieses Ziel erreicht worden ist.

Auf das praktische Leben übertragen: Diplomatisch ist es, über manche Dinge weniger reden, aber immer daran denken. Beispiel: Wir wollen unsere Außenhan- delswirtschast wieder aufbauen. Von der erfolgreichen Arbeit in dieser Richtung hängt die künftige Existenz vieler hundert­tausend deutscher Arbeiter ab. Wir wissen, wie der Boykott der deutschen Waren im Auslande sich ausgewirkt hat, nach den letz­ten Meldungen hat er neuerdings wieder in verschärfter Form eingesetzt. Wenn z. B. in Newyork in einem Geschäft jemand Ware kauft und erwischt dabei ein deutsches Erzeugnis, so ist, nach unseren Informatio­nen, der Verkäufer verpflichtet, dreimal den Käufer darauf aufmerksam zu machen, daß es sich um deutsche Ware handelt. Amerika­nische Aufkäufer, die kürzlich in Sachsen umfangreiche Textilwaren kaufen sollten, haben auf Anweisung aus Amerika die Tä­tigkeit abgebrochen und ihre Einkäufe mit den billigen Waren in der Tschechoslowakei fortgesetzt. Das sind bedenkliche Zeichen, die wir in Deutschland nicht unbeachtet lassen dürfen.- Auch aus Südamerika kommen ähn­liche beunruhigende Meldungen.

Es scheint uns, angesichts solcher Tat­sachen, daß wir in Deutschland noch reichlich sorglos leben und uns wenig Mühe geben, aufsteigenden Sturmwolken am wirtschaft­lichen Himmel rechtzeitig Zu begegnen. Die Regierung trägt daran keine Schuld, sie hat die Gefahren erkannt und läßt kein Mittel unversucht, dem Kampfe gegen die deutsche Wirtschaft im Auslande die Spitze abzu­brechen. Der Fehler aber liegt da, wo man die großen weltwirtschaftlichen Zusammen­hänge nicht erkannt hat und heute nach eigenen Rezepten eine „Auslandspolitik" treiben will, die von keiner Sachkenntnis getrübt ist. Es gibt zuviel unberufene Kreise, die gerne auf eigene Faust „deutsche Auslandspolitik" treiben wollen und deren Gesichtskreis nicht über die Nasenspitze hinausreicht.

Wir arbeiten in Deutschland noch zuviel mit Worten und Begriffen, die in den Kampsjahren nicht nur am Platze gewesen sind, sondern auch den grundsätzlichen na­tionalsozialistischen Standpunkt festlegten, die aber heute, gerade wegen ihrer welt­wirtschaftlich-politischen Bedeutung, gefähr­lich werden, wenn Unberufene sie ständig am falschen Orte und zur fal­schen Zeit gebrauchen. Diese Begriffe haben auch heute noch ihre Gültigkeit, nur erfordert es die Gegenwart, daß man sie in diplomatischer Form anwendet. Es ist z. B. durchaus richtig, wenn von der Bevölkerung verlangt wird, sie soll deutsche Waren kaufen. Der Kauf deutscher Waren ist eine Selbstverständlichkeit für Deutsche, denn von ihm hängt das Schicksal unseres Binnen­marktes ab. Aber es ist heute, gerade im Hinblick auf den schweren Kampf, den Deutschland um den Aufbau des Export­handels führt, nicht mehr notwendig, in großer Form ständig laut trommelnd durchs Land zu ziehen, und diese Forderung aus- zuschreien. Wir wissen aus guter Quelle, daß in südamerikanischen Ländern auf Grund des deutschen Vorgehens eine umgekehrte Forderung sich dort jetzt öffentlich geltend macht, nämlich die: Kaust nur heimische Waren! Ob das in Brasilien, in Chile, in Argentinien oder in Columbien ist: Man hat von den Deutschen diese Methode gelernt und wendet sie dort selbst an. Wer ist der Leidtragende: die deutsche Wirtschaft und schließlich der deutsche Arbeiter.

Nachdem die deutsche Regierung kürzlich in Hamburg öffentlich erklären ließ, daß der Begriff „Autarkie" in Deutschland endgültig tot ist, hat niemand in Deutsch­land das Recht, auf Umwegen die Autarkie

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Barthou in Prag

Deutschlands Standpunkt zum Vor­schlag des baltischen Garantiepaktes

Der italienische Staatssekretär Suvich in Brüssel

Sudetendeutsche nationalsozialistische Abgeordnete haftentlassen

Nicht nur Steigerung der deutschen Ausfuhr ist nötig:

Für Zinssenkung m ->«, Auslandsschulden

Neichsbankpräfident Dr. Schacht über die Lransferkonferenz