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Nr. 109 / 2. Vierteljahr
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Zeitung
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Sonnabend, den 21. April
Einzelpreis is Rpf.
Ganz Deutschland feierte
Wagenladungen voll Geschenke für den Führer / Ungeheurer Andrang der Gratulierenden / Der Führer an
seinem Geburtstage nicht in Berlin
Berlin, 20. April
Der Andrang der Gratulierenden in der Reichskanzlei nahm heute mittag geradezu beängstigende Formen an. Der Führer selbst verbringt seinen Geburtstag nicht in Berlin, sondern hat schon gestern nachmittag Berlin verlassen. Trotzdem fanden sich schon um 12 Uhr nachts die ersten Tausende ein, und von da ab hat der Zustrom nicht mehr ausgesetzt. Von 12 Uhr nachts bis 1 Uhr morgens haben Tausende vor der Reichskanzlei gestanden, gerufey und gesungen und versucht, den Führer zu sehen. Es war nicht möglich, ihnen klar zu machen, daß der Führer nicht in Berlin sei.
2n der Reichskanzlei selbst sind in der Halle die Bücher für die Eintragung der Ekatulieren- den ausgelegt, in die sich schon gegen Mittag viele Tausende eingetragen haben. Unten in der Halle ist ein Teil der Geschenke aufgebaut, oben in der Wohnung des Führers der größere Teil. Ganze Wagenladungen von Geschenken sind eingegangen, Berge von Briefen, deren Sichtung viele Tage dauern wird, eine Fülle von Telegrammen. Und ebensoviele Geschenke und Briefe und Telegramme sind auch nach Haus Wachenfeld, dem Haus des Führers am Obersalzberg, gegangen. Hitler-Jungen und SS-Männer eilen hin und her, um die Geschenke auszupacken, zu ordnen,zu numerieren und dann in der Wohnung aufzubauen.
Zu Hunderten haben Arbeiter, ehemalige Kommunisten und Sozialdemokraten, kleine Handfertigkeiten geschickt, die sie in Mußestunden aus ihren geringen Mitteln angefertigt haben. In Begleitbriefen danken sie in überschäumender Freude dem Führer, daß er sie aus der Not erlöste, ihnen wieder Arbeit gegeben hat. „Jetzt sind wir erst wieder richtige Menschen geworden", so schreibt ein Arbeiter. Ein anderer weist darauf hin, daß er mit seinen 6 Kindern Jahre der bittersten Not und des großen Elends durchgemacht hat und oft der Verzweiflung nahe war, und daß er nun zufrieden und glücklich sei.
Da sind aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands Trachtenpuppen gekommen, von Arbeitslosen angefertigt, Bilder, Oberhemden, Schlipse, Decken, Kissen, Büsten, Bücher, und dann Blumen, Blumen in ungeheurer Zahl. Dann hat die NSKOV. mit einem Brief ihres Führers Oberlindober einen Scheck über 50 000 Mark geschickt zur Einrichtung des vom Führer schon lange vorgesehenen Heims für Kriegsblinde in Berlin, das demnächst zur Tatsache werden wird.
Die Arbeiter der Horch-Werke haben gemeinsam mit der ältesten Ortsgruppe der NSDAP. in Sachsen, Zwickau, einen wundervollen Horch-Wagen gestiftet. Ein alter Kapitän aus Hamburg hat ein Schiffsmodell geschickt. Von einem geradezu unglaublichen F l eiß und einer außerordentlichen Ee- schicklichkeit zeugt ein Geschenk, das der Sturmmann Ewald Schenk aus Altenburg angefertigt hat: ein
großes Hitlerbild, das ausschließlich aus den 781 Druckseiten des Werkes „Mein Kamps" besteht. Die Zahl der Geldspenden ist außerordentlich groß, auch aus dem Ausland sind viele Briefe mit größeren und kleineren Geldspenden gekommen. Blumenkörbe sind so zahlreich eingetroffen, daß die ganze Wohnung des Führers in einen Blumenhain verwandelt worden ist.
Gegen Mittag erscheint — ein Frühlingsblick in der Halle der Reichskanzlei — ein Gruppe von drei- bis fünfjährigen Kindern, in bunten Vauernwämsern aus dem Kinderhaus Friedrichshain kommend, und singen in der Halle zur Ziehharmonika Kinderlieder und geben eine Rutsche für den Führer ab. Viele sind von weit her nach Berlin gekommen, um dem Führer zu gratulieren. Leider müssen sie alle eine Enttäuschung erleben, da der Führer nicht in Berlin ist. Aber es wird ihnen wenigstens ermöglicht, die Reichskanzlei und die Wohnung des Führers zu sehen. Zu Fuß sind Hitler-Jungen aus Suddeutschland gekommen, Arbeitslose aus dem Westen, SA.-Männer. Die Glückwünsche einer Berliner Standarte sind durch Staffelläufer überbracht worden, und dauernd treffen neue Gratulanten aus allen Teilen Deutschlands ein.
Aus all diesen kleinen Bildern, insbesondere aus den vielen Briesen, die der Führer bekommen hat, gewinnen wir ein Bild davon, welch ungeheurer Liebe und welch unerschütterlichen Vertrauens sich der Führer bei jedem einzelne» Volksgenossen erfreut. Am schönsten aber werden immer die Briese bleiben, die von Bekehrten kommen, von denen, die einst gegen den Nationalsozialismus standen, und die heute — nun
wieder in Arbeit und Brot — die Segnungen des neuen Staates am eigenen Leibe verspüren und wieder frohe, freie und zufriedene Menschen geworden sind.
In den Schulen wurden die Schüler und Schülerinnen hingewiesen auf das Ereignis des Tages, die Angehörigen der Dienststellen der Partei, die an diesem Tage frei hatten, versammelten sich in ihren Diensträumen zu einem Appell, bei dem die Vorgesetzten über die Persönlichkeit und Leistungen des Führers sprachen. In den Mittagsstunden läuteten die Glocken der evangelischen Kirchen, von deren Türmen die
Hakenkreuz- und schwarzweißroten Fahnen wehten, und mahnten die Volksgenossen zu einem Augenblick der Einkehr und Besinnung. Das Palais des Kardinals und das erzbischöfliche Ordinariat hatten gleichfalls Flaggenschmuck angelegt.
BeMn - ein Flaggenmeer
Berlin, 20. April.
Die Liebe, die das deutsche Volk seinem Führer entgegenbringt, zeigt sich heute, am 45. Geburtstage des Volkskanzlers, in ganz besonders starkem Maße. Seit dem frühen Morgen dieses
sonnigen Frühlingstages ist die ganze Reichshauptstadt in ein Flaggenmeer verwandelt. Kein Haus, an dem nicht die Flaggen der nationalsozialistischen Revolution auf die Bedeutung dieses Tages hinweisen. Alle Dienstgebäude des Reiches, des Staates und der Stadtverwaltung, alle Wohnhäuser und Fabriken sind beflaggt. Auch die Berliner Verkehrsmittel mit Einschluß der Kraftdroschken und der Privat-Kraftwagen zeigen Flaggenschmuck. Besonders eindrucksvoll sind die Dekorationen vieler Geschäfte in der Berliner Innenstadt. In ihren Schaufenstern sind Bilder und Skulpturen des Führers aufgestellt.
Das Gelöbnis des Reichskabinetts
Vizekanzler von Papen hat an Reichskanzler Adolf Hitler folgendes Glückwunschschreiben gesandt:
„Sehr verehrter Herr Kanzler!
Berlin, 2V. April.
Zu Ihrem heutigen 45. Geburtstage ist es mir eine besondere Freude, Ihnen die herzlichsten Glück- und Segenswünsche des Reichskabinetts zu übermitteln. So, wie sich die inneren Beziehungen zwischen Führer und Volk im Laufe dieses Jahres immer stärker und unlöslicher geknüpft haben, so ist unter Ihrer Führung auch an der Spitze des Reiches eine Arbeitsgemeinschaft gewachsen, die sich unlöslich mit Ihnen verbunden fühlt. Die Loyalität und Treue, mit der Sie jedem einzelnen Ihrer Mitarbeiter begegnen, hat eine Gemeinschaft von Männern geschaffen, die nicht nur gewöhnt und entschlossen sind, ihr ganzes Denken und Können in den Dienst des von Ihnen gesteckten großen historischen Zieles zu stellen, sondern die auch an der Persönlichkeit ihres Führers mit einer aus gläubigem Herzen strömenden Treue hängen. Wir wissen, datz das wahre Führerprinzip zu allererst verpflichtenden Gehorsam an oberster Stelle verlangt. Deshalb umschließt unser Geburtstagswunsch das Gelöbnis, datz Ihre ersten Mitarbeiter und Helfer, stets eingedenk dieser Verpflichtung, wie bisher in rückhaltloser Offenheit, Treue und Gehorsam mit Ihnen marschieren werden im Kampfe um den Neubau des Reiches, dem Gott in Ihrem neuen Lebensjahr seinen Segen schenken möchte.
gez. von Pape n."
Göring an Adolf Hitler
Der preußische Ministerpräsident Göring hat dem Reichskanzler und Führer Adolf Hitler zum 45. Geburtstag folgendes Glückwunschtelegramm gesandt:
„Am heutigen Tage übersende ich Ihnen, mein Führer, auch namens aller Beamten, Angestellten und Arbeiter der mir unterstellten Ministerien und Behörden die aufrichtigsten und tiefempfundenen Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag. Ich gelobe Ihnen
gerade am heutigen Tage aufs neue, auch im neuen Jahre alle mir aufgetragenen Ausgaben in Ihrem Sinne zu erfüllen, vor allem aber, meine ganze Kraft einzusetzen, Ihrem wichtigsten Grundgedanken, dem deutschen Volke die Einheit des Reiches zu schassen, in Preußen auszugestalten. Jeder einzelne, mir durch Ihr Vertrauen überantwortete Mitarbeiter wird seine letzte Kraft einsetzen, dem Führer treulich zu dienen. Was mich selber betrifft, so wissen Sie aus anderthalb Jahrzehnten treuester Gefolgschaft, datz es meine tiefste Freude, mein höchster Stolz
und mein größtes Glück ist, Ihr treuer gebundener Gefolgsmann und eifrigster Mitkämpfer sein zu dürfen. In der restlosen Hingabe an Sie, mein Führer, sehe ich Sinn und Inhalt meines ganzen Lebens. Darum vermag ich nicht in Worte zu fassen, welch tiefempfundene Segenswünsche mich heute sür Sie erfüllen. Zutiefst weiß ich nur eines: Will der Herrgott Deutschland retten, so wird er Sie uns weiter in voller Gesundheit erhalten. In unerschütterlicher Treue und unauslöschlichem Gehorsam Ihr Ihnen restlos ergebener Hermann Göring."
Llm das Gesicht der deutschen presse
Die Neöe des Neichsminifters Dr. OoebbeSs vor dem Neichsverband
Berlin, 20. April.
Auf der Kundgebung des Reichsverbandes der Deutschen Presse am Donnerstagabend hielt Dr. Goebbels eine für die weitere Arbeit der Presse richtungwersende Rede. Dr. Goebbels betonte zunächst, daß auch heute im Zeitalter des Rundfunks und des Tonfilms die Macht der Presse noch groß sei. Es mußte sich daher der nationalsozialistische Staat mit ihr als Bildnerin der öffentlichen Meinung auseinandersetzen.
Es soll niemand sagen, führte der Minister u. a. aus, datz es in den Demokratien eine absolute Pressefreiheit für den Journalisten gäbe. Abhängig ist er auf jeden Fall, nur weiß er nicht von wem. Wie war es mit der deutschen Presse im alten Staat? Jede Gruppe besaß eine Presse. Es war nur verwerflich, datz oie Presse den Interessen ihrer Auftragsgeber diente, zugleich aber vor der Öffentlichkeit den Anschein erweckte, als diene sie dem allgemeinen Besten.
Die nationalsozialistische Presse hat einen anderen Standpunkt eingenommen. Sie war von Anfang an im Besitz der Partei. Sie hat niemals den Profitstandpunkt vertreten. Und wenn dann die Bewegung, ohne Machtmittel der anderen, eine so eklatante Auseinandersetzung herbeigeführt hat, daß in deren Folge der ganze Staatsapparat erobert wurde, so wird man wohl annehmen können, daß sie damit das Primat de, Macht für unabsehbar« Zeit gewonnen hat Ich habe die Auseinandersetzung mit der Presse der anderen in vollster Loyalität geführt. Mein Appell an die nationale Verantwortung der deutschen Presse ist zu meiner Freude nicht ungehört verhallt. Ich habe damals die deutsche Situation ganz ungeschminkt
dargestellt. Ich wußte, daß ich auf die Mithilfe der Presse angewiesen war, aber es waren meist die alten Menschen, die aus dem überwundenen Regime in den neuen Staat übernommen wurden. Wenn diese Menschen auch eine äußere Gleichschaltung vollzogen, so hatten doch nur wenige die innere Kraft, sich auch seelisch und geistig umzustellen. Strenge Gesetze mutzten dieser Press« die nötige Disziplin beibringen. Wir haben nicht allzuviel mit Verboten gearbeitet.
Im Laufe eines Jahres hat sich das Gesicht der Presse grundlegend geändert. Wenn heute noch Fehler und Mängel da sind, so weniger aus Böswilligkeit als aus Mangel an Instinkt. Da diese Menschen, auf dem für sie glatten Boden des Nationalsozialismus ganz unbewandert, von panischem Schrecken befallen sind, sie könnten etwas falsch machen, tun sie lieber etwas zu viel als zu wenig. Die Skala der lobspendenden Worte wiederholt sich dauernd. Das ergibt dann die berüchtigte Eintönigkeit. Die Presse hat kein Gesicht mehr, nicht deshalb, weil man ihr das Gesicht genommen hätte, sondern weil die kein Gesicht haben, die sie schreiben! Wir haben heute die sonderbare Ehre, am meisten in den Blättern gelobt zu werden, die es uns früher am meisten angetan haben. Wir verzichten aber darauf und es wäre uns lieber, sie stünden in charaktervoller Reserve, so wie mir auch viel lieber sind, die aus Charakter der Partei fern bleiben, als die, die sich mit einem gewagten Sprung in die Partei hin- überretteten!
Die frühere Anonymität ist verschwunden. Und üie Schriftleiter stehen wieder sichtbar im Scheinwerferlicht des öffentlichen Lebens. Der Journalist ist in Deutschland wieder ein gehobener Stand mit eigener Gerichtsbarkeit und Selbstverwaltung.
Mit aller Eindringlichkeit möchte ich mich auch gegen den Standpunkt verwahren, daß es in Deutschland eine Katholiken- und eine Protestantenpresse, eine Arbeiter- oder Biirgerpresse, Städter- und Proletarierpresse gibt. Es gibt nur eine deutsche Presse. Ln ihr werden die Belange der Bauern, wie der Katholiken, der Arbeiter wie der Protestanten vertreten. Den Schutz der Konfessionen hat die Regierung übernommen. Die Regierung braucht leinen Makler zwischen sich und den Ständen. Sie steht selbst mitten im Volk. Wir wollen nicht, daß sich zwischen Regierung und Volk das papicrne Blatt einer Jnteressen- zeitung drängt.
Der Presse erwachsen heute Aufgaben, wie sie das alte Regime niemals gekannt hat. Wir stehen in einem nationalen Wiederaufbau von grandiosen Ausmaßen. Aber auch das Problem der deutschen Wiederaufrichtung ist ein Problem der Nerven. So werden wir auch die Abrüstungsfrage lösen. Wenn heute die ganze Welt die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung hinnimmt, so ist das vor vier oder fünf Monaten noch anders gewesen. Die heutige Lage ist die Folge unserer inneren Stärke und Kom- promißlosigkeit.
Aber selbst diese Regierung kann schließlich keine Wunder tun, und hat nicht die Kraft Ueber- menschliches zu leisten. Sie hat daher die ernste Absicht mit Anstrengung aller Kräfte sich mit den Zeitproblemen auseinanderzusetzen. Jeder hat die Pflicht, nach besten Kräften am Ausbau mitzuarbeiten. Und die Presse als öffentliche Einrichtung kann sich dieser Pflicht nicht entziehen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Barthou
reist nach Warschau
k. KIü. Bremen, 21. April.
In einer Erzählung Gellerts ruft ein nach Gold grabender Mann das Glück um Beistand an. Er findet Gehör und stößt bei seiner Arbeit auf zwei große goldene Stangen. Doch der fleißige Mann hält die Goldstangen für altes Messing, gibt den Reichtum für wenig Geld wieder aus den Händen und bittet das Glück um wirksamere Hilfe. Der Dichter fügt seiner Erzählung die Lehre hinzu: „Klag' nicht, es kommt gewiß ein günstiger Augenblick: allein bitt' um Verstand, dich seiner zu bedienen!" Jener um die Gunst des Glückes sich bemühende Mann gleicht fast auf das Haar dem französischen Außenminister Barthou. Das Glück, dem er Tag um Tag nachjagt, ist der Dauerfriede, die ungestörte Sicherheit seines Landes. Das Ungewöhnliche des Schicksals, das ihm zuteil geworden ist, findet seinen Ausdruck zu einem Teil in dem Paktangebot Adolf Hitlers an die französische Nation, und zum andern in der Bereitschaft Englands, zur Garantierung eines Abrüstungsabkommens weitgehende Pflichten zu übernehmen. Aber der Pariser Staatsmann ist gezwungen» das alles beiseite zu schieben, als wäre es nicht reines, edles Gold, sondern wertloseres Messing. Aus dem Bildhaften ins Tatsächliche übertragen: er hütet sich, während seiner Reise Paris—Warschau den Eisenbahnwagen in Berlin zu verlassen und die ihm entgegengestreckte, nun so nahe Hand zu ergreifen. Die Ueberbetonung der französischen Bündnispolitik erscheint ihm wichtiger als die u n m i t t e l b a r e Sicherung des europäischen Friedens durch eine persönliche Verständigung mit dem Führer des nationalsozialistischen Deutschlands. Nur in einem Punkt hinkt der Vergleich mit dem unwissenden Goldgräber: Nicht an Verstand und Einsicht fehlt es Außenminister Barthou, sich des günstigen Augenblickes zu bedienen, sondern an Mut und Glaube, der Politik der versäumten Gelegenheiten mit zielsicherer Entschlossenheit ein Ende zu setzen. So will es der französische Generalstab, so will es der noch über Warschau hinaus nach Moskau schielende Herriot...
Was will Barthou in der polnischen Hauptstadt? Wir erinnern uns, daß sich schon sein Amtsvorgänger Paul-Boncour mit ähnlichen Reiseplänen beschäftigt hatte, deren Durchführung dann lediglich der Kabinettswechsel in Paris verhinderte. Was damals die Reise nach Warschau zweckmäßig erscheinen ließ, ist auch heute, nur noch in verstärktem Maße, das treibende Motiv: Erneuerung des (fast nur noch papiernen) französisch- polnischen Bündnisses zu einem engeren, freundschaftlicheren Verhältnis. Von Paris aus gesehen ist die Reise schon wegen der neuen Rüstungspolitik Frankreichs unaufschiebbar geworden, und was die selbständige Warschauer Politik betrifft, so glaubt Herr Barthou, nicht anders als in Brüssel nach der mannhaften Rede des belgischen Ministerpräsidenten Brocqueville, nun auch in der Hauptstadt Polens ein wenig nach dem Rechten sehen zu müssen. Was Frankreich so beunruhigt? Zunächst der deutsch-polnische Friedenspakt, dann das Schweigen Polens in der „Abrüstungs"- Frage und in gewissem Sinne auch der polnisch-tschechische Zwist um Teschen. Die Verständigung zwischen Berlin und Warschau hat das (von Paris aus) nur gegen Deutschland gerichtete französisch- polnische Bündnis zu einer recht problematischen. Angelegenheit werden lassen. Würde der Pakt von den führenden französischen Politikern ohne Vorurteil auf seinen letzten Sinn hin geprüft werden, so müßte er freilich auch im Westen als der Ausgangspunkt praktischer Friedensarbeit lebhaft begrüßt
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