Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Vremen / flmtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Nremen
c'insth?SrweAn^N Pf. Zustellungsgeb.; durch die Post
Postscheck: Hamburg 17S72. Betriebsstörunäsn a Ogeld. Bezugspreis ist im voraus zu entrichten.
Vas amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen
Anzeigen-Grundpreise; Die 22-mm-Aeile im Anzeigenteil 12 Pf-, die 70 -mm»Zeile im Textteil 75 W. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a., sowie sonstige Bedingungen Prers- liste 6 (Nachlaßstaffel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmefchluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schriftleitung Dienstag und Freitag 12^-l3>ä Uhr.
Nr. 205 / 6. Jahrgang
Donnerstag, 2). Juli 1S56
kinzelpreis 15 Npf.
In Spanien tobt der kntfcheidnngskampf
Nücktritt der Madrider Legierung?
Unser logssspisgsl
Nach Meldungen der spanischen Militärgrnppe soll die Madrider Regierung zurückgetreten sein.
Infolge einer politischen Amnestie in Oesterreich werden 10 000 Personen begnadigt.
In Hamburg wird heute der Weltkongreß für Freizeit und Erholung erössnet.
Dr. Sey hielt Leim Richtfest der KdF.-Stadt eine bedeutsame Ansprache.
Oberst Liudbergh ist in Berlin eingetroffen. Das erste Bataillon des J.-N. 88 führte einen kriegsmähigen llebergang über die Hunte durch.
Die Arbeiten zur Ausschmückung Bremens aus Anlag der Olympischen Spiele schreiten fort.
Die Olympiafackel durchquerte aus ihrem Lauf nach Berlin Delphi.
Auf dem Nürburgring fuhr Bernd Rosemeyer mehrere Rekorde.
Als einziger Herausforderer Vraddocks wurde Max Schmeling anerkannt.
Die Mllitärgruppe meldet wettere krfolge
Lissabon, 28. Juli.
Der in den Händen der Aufständischen befindliche Rundfunksender Sevilla teilte am Mittwoch um 18 Uhr mit, daß die Madrider Regierung soeben zurückgetreten sei. An ihrer Stelle habe sich -in revolutionärer Ausschuh gebildet, der angeblich unter Führung des Staatspräsidenten Azana stehen soll. Ferner berichtete der Sender Sevilla, dah sich die Garnison von Vadajoz in der Nähe der portugiesischen Grenze jetzt ebensalls den Aufständischen angeschlossen habe.
General Queipo del Llano, einer der Führer der Militärgruppe, berichtete gleichfalls über den Radio-Funk von Sevilla über die Lage. Er erklärte, die Bewegung der Militärgruppe schreite
dem Sieg entgegen. Er warne vor der Verbreitung falscher Nachrichten. In Madrid hätte die rote Miliz aus Angst nichts anderes zu tun, als Straßen und Brücken zu zerstören und zu plündern. Es sei zutreffend, daß regierungstreue Kriegsschiffe Ladiz beschossen hätten. Flieger der Militärgruppe hätten Bomben auf die Kriegsschiffe geworfen und drei von ihnen zerstört.
Die Truppen der Militärgrnppe marschierten in drei getrennten Abteilungen auf Madrid zu. Da das Aufmarschprogramm genau eingehalten werde, gehe der Vormarsch nur langsam. Die Truppen des Generals Mola seien in der Nacht zum Mittwoch weitermarfchiert, um verräterische Ueberfälle zu verhindern. Die Heeresgruppen würden wahrscheinlich mindestens fünf Tage bis Madrid brauchen, da sie auch unterwegs aufräumen mühten.
General Queipo del Llano betonte zum Schluh, dah die Militärgrnppe den Kommunismus und die Anarchie in Spanien gründlich ausrotten und
eine Eeneralreinigung durchführen werde. Er beendete seine Ansprache mit dem Rnse: „Visa Espania!"
Der Sender von Pontevedra in Nordspanien teilt mit, dah die Militärgruppe die Stadt in Besitz genommen und die dortige rote Miliz zerstreut habe. In der Mitteilung des Senders heiht es noch, in der Provinz feiere die Bevölkerung die Erfolge der Truppen des Generals Franco. Der Regierungssender Barcelona hat einen dringenden Ausruf an die Mitglieder der Volksfront gerichtet, den „Vormarsch der Faschisten" auf Barcelona zu verhindern.
Nach den Berichten der verschiedenen spanischen Sender scheint es, dah sich nur noch Madrid und Barcelona mit den angrenzenden Gebieten in der Gewalt der Regierung befinden. An der portugiesischen Grenze sind lange Automobilkolonnen mit Flüchtlingen aus Madrid eingetroffen.
Der süsirer in Nürnberg
Nürnberg, 23. Juli
Gestern nachmittag begab sich der Führer mit seiner Begleitung von Va^reuth aus nach Nürnberg, um das Reichsparteitagsgelände zu besichtigen und sich von dem Fortgang der Bauten zu überzeugen.
äderst tindbergft in Verlin
Berlin, 23. Juli.
Der amerikanische Ozeanflieger Oberst Charles Lindbergh traf gestern nachmittag kurz nach 5 Uhr mit seiner Gattin in seinem Privatflugzeug von Köln kommend in Berlin ein. Um 8 07 Uhr nachmittags landeten die Maschinen von Oberst Lindbergh und diejenige des Attaches der amerikanischen Botschaft, Major König, der Lindbergh bereits in Köln begrüßt hatte/ auf dem Flugplatz Staaken. Der Kommandant des Fliegerhorstes Staaken, Oberst Kastner, hieß Oberst Lindbergh im Auftrage des Reichsministers der Luftfahrt, Generaloberst Göring, in Berlin herzlich willkommen. Oberst Lindbergh dankte für den herzlichen Empfang. Zum Empfang waren auf dem Flugplatz anwesend der amerikanische Militärattache Major Smith, der amerikanische Ma- rineattachs Kapitän Dutton und der Leiter der Attache-Gruppe im Luftfahrtministerium, Oberstleutnant Haue sie. Nach der Abfertigung der Bordpapiere begab sich Oberst Lindbergh in Begleitung des amerikanischen Militärattaches nach Berlin.
Oberst Lindbergh, der sich als Gast des Reichsministers der Luftfahrt, Generaloberst Göring, eine Woche lang in Deutschland aufhalten wird, beabsichtigt u. a. den Zentralflughafen Tempelhof, die Fliegergruppe Döberitz des Jagdgeschwaders Richthofen, die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlershof, die Heinkel-Werke in Warne- münde, die Junkers-Werke in Dessau und die sportfliegerischen Anlägen in der Umgebung Berlins zu besichtigen.
Verschärfte Kontrolle der Frauenarbeit
u. Berlin, 23. Juli
Bei dem Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront mehren sich in der letzten Zeit die Klagen über zu starke Belastung der weiblichen Arbeitskräfte, besonders in der Süßwarenindustrie. Das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront hat die zuständigen Behörden auf diese .Klagen hingewiesen, und vom Reichs- und Preußischen Arbeitsministerium sind jetzt die entsprechenden Stellen angewiesen wordech in Zukunft den Einsatz der weiblichen Arbeitskräfte besonders aufmerksam im Auge zu behalten und die Kontrolle zu verschärfen. 2n allen Fällen, in denen den weiblichen Arbens- kräften eine ungeeignete Beschäftigung^ und zu schwere Arbeit auferlegt werden, sollen sofort die notwendigen Schritte durchgeführt werden.
ftutofaftrten als Werbungskosten
N. Berlin, 23. Juli
Der Reichsfinanzhof hat jetzt durch eine Entscheidung die Bestimmung des Einkommensteuergesetzes, nach der die Aufwendungen für die Fahrt Zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zu den Werbungskosten gerechnet werden können, dahingehend erweitert, dah auch Fahrten mit dem Kraftwagen einbezogen werden können; allerdings sind hier einige Einschränkungen vorgesehen. Die Fahrt mit dem Kraftwagen zur Arbeitsstätte kann nur dann zu den Werbungskosten geschlagen werden, wenn keine öffentliche Verkehrsverbindung zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte vorhanden ist. Außerdem muß die Entfernung die Benutzung des Kraftwagens erforderlich machen.
sörberung der Kleinsiedlung
Berlin, 23. Juli
Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn hat sich in verständnisvoller Würdigung der außerordentlichen staatspolitischen Bedeutung der Kleinsiedlung in entgegenkommender Weise bereit, erklärt, die für die Beförderung von Baustoffen zum Zwecke der Kleinsiedlung bis zum 31. Juli 1836 zugestandene Frachtermässigung von 20 v. H. in jederzeit widerruflicher Weise, zunächst bis zum 31. Juli 1937, weiter zu gewähren.
Spanische bomben aus britische Schiffe
lttbraltar in fieberhafter krregung / folgenschwere Zwischensalle
London, 23. Juli.
Ueber die Entwicklung der Militärbewegung in Spanien treffen in London zahlreiche Berichte ein. Uebereinstimmend melden die englischen Agenturen und Zeitungen, daß die Kämpfe zu Wasser, zu Lande und in der Luft auch am Mittwoch andauerten. In Ceuta hätten Kriegsschiffe der Regierung die Anhänger Francos mit Bomben belegt. Die Schiffe seien im Begriff, nunmehr auch die Städte La Linea und Algeciras zu beschießen. Nach einer von Reuter wiedergegebenen Meldung der Rundfunkstation Sevilla haben Flugzeuge der Militärgruppe die drei der spanischen Regierung treugebliebenen Kriegsschiffe nach der Bombardierung von Cadiz angegriffen und versenkt.
Wie der „Star" berichtet, sind der Londoner Tankdampfer „Vritish Endeavour" und der Liver- pooler Frachtdampfer „Mahratta" etwa 28 Kilo- meter von Gibraltar entfernt von spanischen Fliegern der Militärgruppe mit Bomben belegt worden. Nach den Aussagen des Kapitäns der „Vritish Endeavour" haben die Flieger auch aus Maschinengewehren geschossen. Der Tankdampfer wurde von Eeschoßstücken getroffen, doch sind keinerlei Verluste zu verzeichnen. Die „Mahratta" wurde nicht getroffen. Man glaubt, daß die Flieger die britischen Dampfer irrtümlich für Schiffe gehalten haben, die Brennstoff für die auf der Höhe von Gibraltar liegenden regierungstreuen Kriegsschiffe an Bord haben.
Wie am Mittwochabend aus Gibraltar gemeldet wurde, eröffneten am Nachmittag die in der Nähe der englischen Festung liegenden Kriegsschiffe der spanischen Regierung das Feuer auf Flugzeuge der Militärgruppe, die den Felsen von Gibraltar überflogen, um vor den Granaten Schutz zu suchen. Von Gibraltar aus konnte deutlich die Explosion der Granaten über dem Hauptquartier der britischen Luftstreitkräfte wahrgenommen werden. 2n der Stadt herrscht außerordentliche Erregung. Ein Schrapnell fiel in unmittelbarer Nähe des Rock-Hotels, ein anderes in
dem zu Gibraltar gehörenden Dorf Catalan Bay nieder. 2m Hinblick auf diese Zwischenfälle sind die Stellungen auf dem oberen Felsen der Festung Gibraltar mit britischen Artilleristen bemannt worden.
soo säte in varcelona
Paris, 23. Juli
Zeitungsmeldungen zufolge beträgt in Barcelona die Zahl der Todesopfer d:r dortigen Kämpfe etwa 500, die der Verletzten 3000. Die Kämpfe spielten sich hauptsächlich um das Hauptfernsprechamt, die Kasernen und das Hotel Lolon ab.
Kommunistische öceueltaien
London, 23. Juli.
Nach übereinstimmenden Aussagen von spanischen Flüchtlingen, die in Gibraltar eingetroffen sind, brennt Malaga an mehreren Stellen. In den Straßen liegen Leichen, und überall sind die Spuren des Blutvergießens zu sehen. Die Zahl der Toten wird hier auf über 200 geschätzt. Eine namentlich genannte englische Staatsangehörige schilderte dem Reutervertreter in Gibraltar grauenhafte Einzelheiten über eine kommunistische Mordtat. Die Augenzeugin beobachtete, wie in Malaga eine Gruppe vom Kommunisten einen Mann, der ein kleines Kind in den Armen hielt, zu Boden stieß und den Unglücklichen mit etwa einem Dutzend Schüsse tötete. Aehnliche Greueltaten werden aus anderen Teilen der Stadt berichtet.
Der zurzeit in England auf Urlaub weilende Gouverneur und Oberbefehlshaber Gibraltars, General Sir Charles Harington, wird sich am Freitag nach Gibraltar zurückbegeben.
Rom, 23. Juli.
Zeitungsmeldungen zufolge wurden in Barcelona 15 Italiener in ihrem Hotel von Kommu
nisten überfallen, die den Italienern vorwarfen, sie hätten vom Fenster aus Reoolverschüsse abgegeben Die Ueberfallenen wurden, nach einem Bericht des „Eionale d' Jtalia", mißhandelt und in einem städtischen Gebäude in Gewahrsam gebracht. Nach Zeitungsmeldungen befinden sich bereits einige italienische Kreuzer auf der Höhe von Tanger, um gegebenenfalls eingesetzt zu werden.
krkunöungsftüge der Mililär-Sruppe
Paris, 23. Juli.
Nach einer Meldung des „Echo de Paris" aus Hendaye soll die Flugstasfel von Leon zur Militärgruppe übergegangen sein. Die Flugzeuge führten bereits Erkundungsflüge bis in die Umgebung von Madrid aus. Die Streitkräfte hätten sich der kommunistischen Hochburg Oviedo bemächtigt. Aus Pamplona verlautet, daß am Dienstagabend die Provinzen Navarra, Asturien, Ealizien, Saragossa, Huesca, Andalusien und Alt-Kastilien im Besitz der Anhänger des Generals Franco gewesen seien.
Neichsdeutfchs nicht ;u Schaden gekommen
Berlin, 23. Juli.
Wie wir erfahren, liegen Meldungen der deutschen Botschaft in Madrid vor, wonach in Madrid bisher Reichsdeutsche nicht zu Schaden gekommen sind. Eine Reihe von Reichsdeutschen war im Verlaus der letzten Tage festgenommen worden, diese sind aber aus sofortige Schritte der Botschaft hin größtenteils wieder aus freien Fuß gesetzt worden. Von der Polizei wurde der Botschaft der Schutz von Leben und Eigentum der Reichsdeutschen zugesichert. Auch vom Eeneralkonhilat Barcelona liegt eine Meldung vor, wonach dort Reichsdeutsche von den Ereignissen gleichfalls nicht betroffen worden sind.
(Siehe auch Seite 2)
öroße politische ffmnestie in Oesterreich
klwa 5000 Personen werden am keutigen rage in freifteit gesetzt, weitere 5000 solgen
Wien, 23. Juli
Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der österreichische Bundespräsident Miklas mit Entschließung am Mittwoch eine Reihe von Gnadenakten politischer Natur vollzogen, die am heutigen 23. Juli durchgeführt werden. Die Enadenakte machen zwischen den politischen Richtungen der Beschuldigten keinen Unterschied.
Die Enadenaktion besteht aus vier Teil- aktionen, und zwar einer umfangreichen bedingten Nachsicht der Strafreste für Personen, die wegen einer rein politischen oder aus rein politischen Beweggründen begangenen anderen strafbaren Handlungen in Strafhaft sind, einer Niederschlagung von gerichtlichen Strafverfahren, die wegen politisch strafbarer Handlungen anhängig sind; einer gnadenweisen Einstellung von ruhenden Verfahren gegen Beteiligte am Juli- Putsch und einer Hemmung des Strafvollzugs zum Zwecke der Beurteilung einer Nachsicht von rechtskräftig verhängten .aber noch nicht angetretenen Strafen wegen politisch strafbarer Handlungen.
Für die Enadenaktion wurden bestimmte allgemeine Grundsätze aufgestellt, und zwar bei rein politischen Delikten, auf die mit Strafen bis zu zehn Jahren schweren Kerkers erkannt worden ist, wurden die Strafen allgemein ohne Ansehung der einzelnen Fälle erlassen, bei Strafen von über zehn bis zu zwanzig Jahren schweren Kerkers
wurde die Erlassung grundsätzlich zuerkannt, soweit nicht Blutschuld oder besondere erschwerende Umstände vorliegen, oder besonders schwere Verletzung der Amtspflichten oder des Soldateneides vorliegen. In Fällen, wo lebenslängliche Kerkerstrafen verhängt wurden, wurde die Strafe in 13 besonders berücksichtigten Fällen von insgesamt 18 Fällen erlassen.
Bei gemeinen Delikten, die aus politischen Beweggründen begangen wurden, wurde zwischen den Sprengstoffdelikten und anderen Delikten unterschieden. Bei wegen Sprengstofsdelikten Verurteilten wurde nur dann eine Begnadigung ausgesprochen, wenn es sich um den bloßen Besitz geringer Mengen von Sprengstoffen oder um untergeordnete Trägerdienste oder um solche Sprengstoffanschläge handelt, die mit verhältnismäßig gering gefährlichen Sprengstoffmitteln und auf eine Art begangen wurden, bei der weder Menschenleben gefährdet wurden, noch ein Sachschaden größeren Umfanges entstanden ist. Bei anderen Delikten wurde nur in vereinzelten Fällen Gnade geübt.
Was die Niederschlagung der anhängigen gerichtlichen Strafverfahren wegen rein politischer Delikte betrifft, so ersassen sie alle in Oesterreich bis zum heutigen Tage anhängigen Strafverfahren. Nach Durchführung dieser Enadenakte werden sich in Oesterreich nur noch 221 Personen wegen politischer Delikte in gerichtlicher Haft befinden.
Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, werden am heutigen Donnerstag etwa 8000 politische Gefangene in Freiheit gesetzt werden. Etwa die gleiche Zahl, also 3000 politische Gefangene, werden von der in Vorbereitung befindlichen Amnestie für die im Verwaltungsstrafversahren Verurteilten erfaßt werden, so daß im ganzen etwa 10 000 Personen der Amnestie teilhaftig werden.
Was die einzelnen Personen betrifft, so werden der ehemalige nationalsozialistische Landesrat Hauptmann Leopold, der nationalsozialistische Bundesrat Schattenfroh, der Verlagsdirektor des ehemaligen Hauptorgans der NSDAP. in Oesterreich, „Deutsch-Oesterreichische Tageszeitung", Major Der da, ferner der ehemalige Wiener Polizeidirektor Steinhäusl am heutigen Donnerstag freigelassen werden. Wie wir weiter verläßlich erfahren, befindet sich Dr. Rin- telen nicht unter den Amnestierten.
österreichische Zeitungen wieder zugelassen
Berlin, 23. Juli
Die Reichsregicrung hat eine zunächst beschränkte Anzahl österreichischer Zeitungen im Reichsgebiet zugelassen, deren Vertrieb bereits eingesetzt hat. Die österreichische Regierung hat wegen Zulassung reichsdeutscher Blätter entsprechende Maßnahmen getroffen.
Freizeitgestaltung
Wenn am heutigen Vormittag in Hamburg d« Schirmherr des Weltkongresses für Freizeit und Erholung, Reichsminister Rudolf Hetz, in der Eröffnungssitzung des Kongresses das Wort nehmen wird, werden die Vertreter der ganzen Welt sich mit ihren deutschen Gastgebern zu einer großen Gemeinschaftsarbeit des Friedens und der Freude zusammenfinden, die alle in gegenseitiger Achtung und in der Erkenntnis der hohen Aufgabe vereint, die dieser Weltkongreß sich gestellt hat.
Mit der zunehmenden Beachtung, welche die Frage der Freizeitgestaltung in den führenden Kulturstaaten der Welt in den letzten Jahren gefunden hat, ist auch ein grundsätzlicher Wandel in der Einstellung zu den Begriffen Freizeit und Erholung erfolgt. Schenkte eine individualistische Lebensauffassung der Freizeitgestaltung kaum Beachtung und stellte sie es in Las Ermessen des einzelnen, seine Freizeit nach eigenem Belieben zu verbringen, so macht das neue, immer stärker sich durchsetzende Gemeinschaftsdenken die Gestaltung der Freizeit zu einer Angelegenheit des allgemeinen Interesses und der öffentlichen Initiative und ordnet die egozentrische Eigenwilligkeit des einzelnen der Gemeinschaft unter.
Das bedeutet keineswegs eine Beschränkung der persönlichen Freiheit des einzelnen im Sinne irgendwelcher Reglementierung oder llniformie- rung der Freizeitgestaltung. Planmäßige Freizeitbewegung ist vielmehr die Vorbedingung für eine sinnvolle geordnete Freiheit und Freizügigkeit in der Freizeitgestaltung des einzelnen, dem sie in der Vielheit und Mannigfaltigkeit der gebotenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung die Voraussetzungen gibt, in der Freizeit Entspannung und Erholung zu finden und neue Kräfte zu sammeln. Sie stellt kein 'Thema kollektivistischen Freizeitgestaltungszwanges auf; innerhalb den von ihr gebotenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Gemeinschaft bleibt es vielmehr dem Willen und der Veranlagung des einzelnen überlassen, in welcher Form und auf welche Weise er die ihm zur Verfügung stehende Freizeit gestaltet und ausfüllt.
Aufgabe und Tätigkeit planvoller Freizeitgestaltung durch die Gemeinschaft kann sich dabei nicht beschränken auf bloße Teilgebiete der Freizeitbewegung, wie es z. V. der Sport, die Reise- und Wanderüewegung, die Pflege des Eemein- schaftsgesanges, des Volkstanzes u. a. Einzelbewegungen der Freizeitgestaltung darstellen. Soll vielmehr die Freizeitbewegung ihre große kulturelle und soziale Aufgabe der
Die feierliche Eröffnungssitzung des Weltkongresses für Freizeit und Erholung wird heute von 1ü bis 11 Uhr von allen deutschen Sendern übertragen.
Neugestaltung des Frsizeiterleb- nisses erfüllen, so muß sie, über die Grenzen bloßer Teilgebiete hinausgehend, das gesamte Problem der Freizeit und Erholung umfassen und alle LeSensgebiete und -faktoren in ihr Bestreben einer gemeinsamen Eesamtausrichtung auf das Prinzip der Gemeinschaft einbeziehen und organisch ordnen. Nur dann wird die Freizeit dem Menschen Erholung und Entspannung bringen und einer wirklichen Kräfteerneuerung dienen, wenn sie ihm auch auf den übrigen Lebensgebieten Erfüllung und Bestätigung seines Schaffens — Lebenslust und -freude — vermittelt.
Darum umfaßt das Programm des Weltkongresses für Freizeit und Erholung Mensch Arbeit und Freizeit, bezieht die Fragen und Probleme von Freizeit und Familie in seine Erörterungen ein und bleibt nicht stehen Lei der theoretischen Behandlung dieser Probleme, sondern greift mit den zahlreichen Freizeitveranstaltungen, die das Kongreßprogramm ergänzen und umrahmen, in das praktische Leben selbst ein um Möglichkeiten und Verwirklichung erfolgreicher planvoller Freizeitgestaltung zu' zeigen.
Es hat keinen Sinn, sich in wirklichkeitsfremde Theorien und Illusionen über unerreichbare weltferne Wunschträume zu verlieren, sich in roman- tifche Schwärmereien einzulassen, oder 'wissen- ichaftliche Ideologien zu erörtern, deren Verwirklichung an den harten Tatsachen und Gesetzen des Lebens heitern und die lediglich dazu angetan sind, die Meirichen unzufrieden zu machen und ihre Energie und Tatkraft lahmzulegen. Aufgabe der Freizeitbewegung ist es vielmehr, das Leben m leinen Gegebenheiten und harten, nüchternen Tatiachen zu bejahen - weil aus der LeLens- beiahung allein die Kräfte der Freude, die aus- zulolen Ziel und Zweck der Freizeitbewegung ist, entipringen können — und Mittel und Wege zu zeigen, die Wirklichkeit dieses Lebens so zu aestalten. daß Freizeit und Erholung allen schaffenden Menschen zur Erfüllung und Bestätigung des Arbeitstages werden. Im harten Ringen mit dem Leben selbst gilt es die