Ausgabe 
(23.7.1936) Nr. 203
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Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Vremen / flmtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Nremen

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Vas amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

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Nr. 205 / 6. Jahrgang

Donnerstag, 2). Juli 1S56

kinzelpreis 15 Npf.

In Spanien tobt der kntfcheidnngskampf

Nücktritt der Madrider Legierung?

Unser logssspisgsl

Nach Meldungen der spanischen Militärgrnppe soll die Madrider Regierung zurückgetreten sein.

Infolge einer politischen Amnestie in Oester­reich werden 10 000 Personen begnadigt.

In Hamburg wird heute der Weltkongreß für Freizeit und Erholung erössnet.

Dr. Sey hielt Leim Richtfest der KdF.-Stadt eine bedeutsame Ansprache.

Oberst Liudbergh ist in Berlin eingetroffen. Das erste Bataillon des J.-N. 88 führte einen kriegsmähigen llebergang über die Hunte durch.

Die Arbeiten zur Ausschmückung Bremens aus Anlag der Olympischen Spiele schreiten fort.

Die Olympiafackel durchquerte aus ihrem Lauf nach Berlin Delphi.

Auf dem Nürburgring fuhr Bernd Rosemeyer mehrere Rekorde.

Als einziger Herausforderer Vraddocks wurde Max Schmeling anerkannt.

Die Mllitärgruppe meldet wettere krfolge

Lissabon, 28. Juli.

Der in den Händen der Aufständischen befind­liche Rundfunksender Sevilla teilte am Mittwoch um 18 Uhr mit, daß die Madrider Regierung soeben zurückgetreten sei. An ihrer Stelle habe sich -in revolutionärer Ausschuh gebildet, der angeb­lich unter Führung des Staatspräsidenten Azana stehen soll. Ferner berichtete der Sender Sevilla, dah sich die Garnison von Vadajoz in der Nähe der portugiesischen Grenze jetzt ebensalls den Auf­ständischen angeschlossen habe.

General Queipo del Llano, einer der Führer der Militärgruppe, berichtete gleichfalls über den Radio-Funk von Sevilla über die Lage. Er er­klärte, die Bewegung der Militärgruppe schreite

dem Sieg entgegen. Er warne vor der Verbrei­tung falscher Nachrichten. In Madrid hätte die rote Miliz aus Angst nichts anderes zu tun, als Straßen und Brücken zu zerstören und zu plün­dern. Es sei zutreffend, daß regierungstreue Kriegsschiffe Ladiz beschossen hätten. Flieger der Militärgruppe hätten Bomben auf die Kriegs­schiffe geworfen und drei von ihnen zerstört.

Die Truppen der Militärgrnppe marschierten in drei getrennten Abteilungen auf Madrid zu. Da das Aufmarschprogramm genau eingehalten werde, gehe der Vormarsch nur langsam. Die Truppen des Generals Mola seien in der Nacht zum Mittwoch weitermarfchiert, um verräterische Ueberfälle zu verhindern. Die Heeresgruppen würden wahrscheinlich mindestens fünf Tage bis Madrid brauchen, da sie auch unterwegs auf­räumen mühten.

General Queipo del Llano betonte zum Schluh, dah die Militärgrnppe den Kommunismus und die Anarchie in Spanien gründlich ausrotten und

eine Eeneralreinigung durchführen werde. Er beendete seine Ansprache mit dem Rnse:Visa Espania!"

Der Sender von Pontevedra in Nord­spanien teilt mit, dah die Militärgruppe die Stadt in Besitz genommen und die dortige rote Miliz zerstreut habe. In der Mitteilung des Senders heiht es noch, in der Provinz feiere die Bevölkerung die Erfolge der Truppen des Gene­rals Franco. Der Regierungssender Barce­lona hat einen dringenden Ausruf an die Mit­glieder der Volksfront gerichtet, denVormarsch der Faschisten" auf Barcelona zu verhindern.

Nach den Berichten der verschiedenen spa­nischen Sender scheint es, dah sich nur noch Madrid und Barcelona mit den angrenzenden Gebieten in der Gewalt der Regierung be­finden. An der portugiesischen Grenze sind lange Automobilkolonnen mit Flüchtlingen aus Madrid eingetroffen.

Der süsirer in Nürnberg

Nürnberg, 23. Juli

Gestern nachmittag begab sich der Führer mit seiner Begleitung von Va^reuth aus nach Nürn­berg, um das Reichsparteitagsgelände zu besich­tigen und sich von dem Fortgang der Bauten zu überzeugen.

äderst tindbergft in Verlin

Berlin, 23. Juli.

Der amerikanische Ozeanflieger Oberst Charles Lindbergh traf gestern nachmittag kurz nach 5 Uhr mit seiner Gattin in seinem Privatflugzeug von Köln kommend in Berlin ein. Um 8 07 Uhr nach­mittags landeten die Maschinen von Oberst Lind­bergh und diejenige des Attaches der amerikani­schen Botschaft, Major König, der Lindbergh bereits in Köln begrüßt hatte/ auf dem Flugplatz Staaken. Der Kommandant des Fliegerhorstes Staaken, Oberst Kastner, hieß Oberst Lindbergh im Auftrage des Reichsministers der Luftfahrt, Generaloberst Göring, in Berlin herzlich will­kommen. Oberst Lindbergh dankte für den herz­lichen Empfang. Zum Empfang waren auf dem Flugplatz anwesend der amerikanische Militär­attache Major Smith, der amerikanische Ma- rineattachs Kapitän Dutton und der Leiter der Attache-Gruppe im Luftfahrtministerium, Oberst­leutnant Haue sie. Nach der Abfertigung der Bordpapiere begab sich Oberst Lindbergh in Be­gleitung des amerikanischen Militärattaches nach Berlin.

Oberst Lindbergh, der sich als Gast des Reichs­ministers der Luftfahrt, Generaloberst Göring, eine Woche lang in Deutschland aufhalten wird, beabsichtigt u. a. den Zentralflughafen Tempelhof, die Fliegergruppe Döberitz des Jagdgeschwaders Richthofen, die Deutsche Versuchsanstalt für Luft­fahrt in Adlershof, die Heinkel-Werke in Warne- münde, die Junkers-Werke in Dessau und die sportfliegerischen Anlägen in der Umgebung Ber­lins zu besichtigen.

Verschärfte Kontrolle der Frauenarbeit

u. Berlin, 23. Juli

Bei dem Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront mehren sich in der letzten Zeit die Klagen über zu starke Belastung der weiblichen Arbeitskräfte, besonders in der Süßwarenindustrie. Das Sozial­amt der Deutschen Arbeitsfront hat die zuständi­gen Behörden auf diese .Klagen hingewiesen, und vom Reichs- und Preußischen Arbeitsministerium sind jetzt die entsprechenden Stellen angewiesen wordech in Zukunft den Einsatz der weiblichen Arbeitskräfte besonders aufmerksam im Auge zu behalten und die Kontrolle zu verschärfen. 2n allen Fällen, in denen den weiblichen Arbens- kräften eine ungeeignete Beschäftigung^ und zu schwere Arbeit auferlegt werden, sollen sofort die notwendigen Schritte durchgeführt werden.

ftutofaftrten als Werbungskosten

N. Berlin, 23. Juli

Der Reichsfinanzhof hat jetzt durch eine Ent­scheidung die Bestimmung des Einkommensteuer­gesetzes, nach der die Aufwendungen für die Fahrt Zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zu den Wer­bungskosten gerechnet werden können, dahingehend erweitert, dah auch Fahrten mit dem Kraftwagen einbezogen werden können; allerdings sind hier einige Einschränkungen vorgesehen. Die Fahrt mit dem Kraftwagen zur Arbeitsstätte kann nur dann zu den Werbungskosten geschlagen werden, wenn keine öffentliche Verkehrsverbindung zwi­schen der Wohnung und der Arbeitsstätte vor­handen ist. Außerdem muß die Entfernung die Benutzung des Kraftwagens erforderlich machen.

sörberung der Kleinsiedlung

Berlin, 23. Juli

Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichs­bahn hat sich in verständnisvoller Würdigung der außerordentlichen staatspolitischen Bedeutung der Kleinsiedlung in entgegenkommender Weise bereit, erklärt, die für die Beförderung von Baustoffen zum Zwecke der Kleinsiedlung bis zum 31. Juli 1836 zugestandene Frachtermässigung von 20 v. H. in jederzeit widerruflicher Weise, zunächst bis zum 31. Juli 1937, weiter zu gewähren.

Spanische bomben aus britische Schiffe

lttbraltar in fieberhafter krregung / folgenschwere Zwischensalle

London, 23. Juli.

Ueber die Entwicklung der Militärbewegung in Spanien treffen in London zahlreiche Berichte ein. Uebereinstimmend melden die englischen Agenturen und Zeitungen, daß die Kämpfe zu Wasser, zu Lande und in der Luft auch am Mitt­woch andauerten. In Ceuta hätten Kriegsschiffe der Regierung die Anhänger Francos mit Bom­ben belegt. Die Schiffe seien im Begriff, nunmehr auch die Städte La Linea und Algeciras zu be­schießen. Nach einer von Reuter wiedergegebenen Meldung der Rundfunkstation Sevilla haben Flugzeuge der Militärgruppe die drei der spani­schen Regierung treugebliebenen Kriegsschiffe nach der Bombardierung von Cadiz angegriffen und versenkt.

Wie derStar" berichtet, sind der Londoner TankdampferVritish Endeavour" und der Liver- pooler FrachtdampferMahratta" etwa 28 Kilo- meter von Gibraltar entfernt von spanischen Flie­gern der Militärgruppe mit Bomben belegt wor­den. Nach den Aussagen des Kapitäns derVri­tish Endeavour" haben die Flieger auch aus Ma­schinengewehren geschossen. Der Tankdampfer wurde von Eeschoßstücken getroffen, doch sind kei­nerlei Verluste zu verzeichnen. DieMahratta" wurde nicht getroffen. Man glaubt, daß die Flie­ger die britischen Dampfer irrtümlich für Schiffe gehalten haben, die Brennstoff für die auf der Höhe von Gibraltar liegenden regierungstreuen Kriegsschiffe an Bord haben.

Wie am Mittwochabend aus Gibraltar gemel­det wurde, eröffneten am Nachmittag die in der Nähe der englischen Festung liegenden Kriegs­schiffe der spanischen Regierung das Feuer auf Flugzeuge der Militärgruppe, die den Felsen von Gibraltar überflogen, um vor den Granaten Schutz zu suchen. Von Gibraltar aus konnte deut­lich die Explosion der Granaten über dem Haupt­quartier der britischen Luftstreitkräfte wahrge­nommen werden. 2n der Stadt herrscht außer­ordentliche Erregung. Ein Schrapnell fiel in un­mittelbarer Nähe des Rock-Hotels, ein anderes in

dem zu Gibraltar gehörenden Dorf Catalan Bay nieder. 2m Hinblick auf diese Zwischenfälle sind die Stellungen auf dem oberen Felsen der Festung Gibraltar mit britischen Artilleristen bemannt worden.

soo säte in varcelona

Paris, 23. Juli

Zeitungsmeldungen zufolge beträgt in Barce­lona die Zahl der Todesopfer d:r dortigen Kämpfe etwa 500, die der Verletzten 3000. Die Kämpfe spielten sich hauptsächlich um das Hauptfernsprech­amt, die Kasernen und das Hotel Lolon ab.

Kommunistische öceueltaien

London, 23. Juli.

Nach übereinstimmenden Aussagen von spani­schen Flüchtlingen, die in Gibraltar eingetroffen sind, brennt Malaga an mehreren Stellen. In den Straßen liegen Leichen, und überall sind die Spuren des Blutvergießens zu sehen. Die Zahl der Toten wird hier auf über 200 geschätzt. Eine namentlich genannte englische Staatsangehörige schilderte dem Reutervertreter in Gibraltar grau­enhafte Einzelheiten über eine kommunistische Mordtat. Die Augenzeugin beobachtete, wie in Malaga eine Gruppe vom Kommunisten einen Mann, der ein kleines Kind in den Armen hielt, zu Boden stieß und den Unglücklichen mit etwa einem Dutzend Schüsse tötete. Aehnliche Greuel­taten werden aus anderen Teilen der Stadt be­richtet.

Der zurzeit in England auf Urlaub weilende Gouverneur und Oberbefehlshaber Gibraltars, General Sir Charles Harington, wird sich am Freitag nach Gibraltar zurückbegeben.

Rom, 23. Juli.

Zeitungsmeldungen zufolge wurden in Barce­lona 15 Italiener in ihrem Hotel von Kommu­

nisten überfallen, die den Italienern vorwarfen, sie hätten vom Fenster aus Reoolverschüsse abge­geben Die Ueberfallenen wurden, nach einem Bericht desEionale d' Jtalia", mißhandelt und in einem städtischen Gebäude in Gewahrsam ge­bracht. Nach Zeitungsmeldungen befinden sich be­reits einige italienische Kreuzer auf der Höhe von Tanger, um gegebenenfalls eingesetzt zu werden.

krkunöungsftüge der Mililär-Sruppe

Paris, 23. Juli.

Nach einer Meldung desEcho de Paris" aus Hendaye soll die Flugstasfel von Leon zur Mili­tärgruppe übergegangen sein. Die Flugzeuge führten bereits Erkundungsflüge bis in die Um­gebung von Madrid aus. Die Streitkräfte hätten sich der kommunistischen Hochburg Oviedo bemäch­tigt. Aus Pamplona verlautet, daß am Dienstag­abend die Provinzen Navarra, Asturien, Ealizien, Saragossa, Huesca, Andalusien und Alt-Kastilien im Besitz der Anhänger des Generals Franco ge­wesen seien.

Neichsdeutfchs nicht ;u Schaden gekommen

Berlin, 23. Juli.

Wie wir erfahren, liegen Meldungen der deut­schen Botschaft in Madrid vor, wonach in Madrid bisher Reichsdeutsche nicht zu Schaden gekommen sind. Eine Reihe von Reichsdeutschen war im Verlaus der letzten Tage festgenommen worden, diese sind aber aus sofortige Schritte der Botschaft hin größtenteils wieder aus freien Fuß gesetzt worden. Von der Polizei wurde der Botschaft der Schutz von Leben und Eigentum der Reichs­deutschen zugesichert. Auch vom Eeneralkonhilat Barcelona liegt eine Meldung vor, wonach dort Reichsdeutsche von den Ereignissen gleichfalls nicht betroffen worden sind.

(Siehe auch Seite 2)

öroße politische ffmnestie in Oesterreich

klwa 5000 Personen werden am keutigen rage in freifteit gesetzt, weitere 5000 solgen

Wien, 23. Juli

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der öster­reichische Bundespräsident Miklas mit Entschlie­ßung am Mittwoch eine Reihe von Gnadenakten politischer Natur vollzogen, die am heutigen 23. Juli durchgeführt werden. Die Enadenakte machen zwischen den politischen Richtungen der Beschuldigten keinen Unterschied.

Die Enadenaktion besteht aus vier Teil- aktionen, und zwar einer umfangreichen be­dingten Nachsicht der Strafreste für Personen, die wegen einer rein politischen oder aus rein politi­schen Beweggründen begangenen anderen straf­baren Handlungen in Strafhaft sind, einer Niederschlagung von gerichtlichen Strafverfahren, die wegen politisch strafbarer Handlungen anhän­gig sind; einer gnadenweisen Einstellung von ruhenden Verfahren gegen Beteiligte am Juli- Putsch und einer Hemmung des Strafvollzugs zum Zwecke der Beurteilung einer Nachsicht von rechtskräftig verhängten .aber noch nicht ange­tretenen Strafen wegen politisch strafbarer Hand­lungen.

Für die Enadenaktion wurden bestimmte allge­meine Grundsätze aufgestellt, und zwar bei rein politischen Delikten, auf die mit Strafen bis zu zehn Jahren schweren Kerkers erkannt worden ist, wurden die Strafen allgemein ohne Ansehung der einzelnen Fälle erlassen, bei Strafen von über zehn bis zu zwanzig Jahren schweren Kerkers

wurde die Erlassung grundsätzlich zuerkannt, so­weit nicht Blutschuld oder besondere erschwerende Umstände vorliegen, oder besonders schwere Ver­letzung der Amtspflichten oder des Soldateneides vorliegen. In Fällen, wo lebenslängliche Kerker­strafen verhängt wurden, wurde die Strafe in 13 besonders berücksichtigten Fällen von insgesamt 18 Fällen erlassen.

Bei gemeinen Delikten, die aus politischen Be­weggründen begangen wurden, wurde zwischen den Sprengstoffdelikten und anderen Delikten unterschieden. Bei wegen Sprengstofsdelikten Ver­urteilten wurde nur dann eine Begnadigung ausgesprochen, wenn es sich um den bloßen Besitz geringer Mengen von Sprengstoffen oder um untergeordnete Trägerdienste oder um solche Sprengstoffanschläge handelt, die mit verhältnis­mäßig gering gefährlichen Sprengstoffmitteln und auf eine Art begangen wurden, bei der weder Menschenleben gefährdet wurden, noch ein Sach­schaden größeren Umfanges entstanden ist. Bei anderen Delikten wurde nur in vereinzelten Fällen Gnade geübt.

Was die Niederschlagung der anhängigen ge­richtlichen Strafverfahren wegen rein politischer Delikte betrifft, so ersassen sie alle in Oesterreich bis zum heutigen Tage anhängigen Strafverfah­ren. Nach Durchführung dieser Enadenakte werden sich in Oesterreich nur noch 221 Personen wegen politischer Delikte in gerichtlicher Haft befinden.

Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wer­den am heutigen Donnerstag etwa 8000 politische Gefangene in Freiheit gesetzt werden. Etwa die gleiche Zahl, also 3000 politische Gefangene, wer­den von der in Vorbereitung befindlichen Amnestie für die im Verwaltungsstrafversahren Verurteil­ten erfaßt werden, so daß im ganzen etwa 10 000 Personen der Amnestie teilhaftig werden.

Was die einzelnen Personen betrifft, so wer­den der ehemalige nationalsozialistische Landesrat Hauptmann Leopold, der nationalsozialistische Bundesrat Schattenfroh, der Verlagsdirek­tor des ehemaligen Hauptorgans der NSDAP. in Oesterreich,Deutsch-Oesterreichische Tageszei­tung", Major Der da, ferner der ehemalige Wiener Polizeidirektor Steinhäusl am heu­tigen Donnerstag freigelassen werden. Wie wir weiter verläßlich erfahren, befindet sich Dr. Rin- telen nicht unter den Amnestierten.

österreichische Zeitungen wieder zugelassen

Berlin, 23. Juli

Die Reichsregicrung hat eine zunächst be­schränkte Anzahl österreichischer Zeitungen im Reichsgebiet zugelassen, deren Vertrieb bereits eingesetzt hat. Die österreichische Regierung hat wegen Zulassung reichsdeutscher Blätter entspre­chende Maßnahmen getroffen.

Freizeitgestaltung

Wenn am heutigen Vormittag in Hamburg d« Schirmherr des Weltkongresses für Freizeit und Erholung, Reichsminister Rudolf Hetz, in der Eröffnungssitzung des Kongresses das Wort neh­men wird, werden die Vertreter der ganzen Welt sich mit ihren deutschen Gastgebern zu einer großen Gemeinschaftsarbeit des Friedens und der Freude zusammenfinden, die alle in gegenseitiger Achtung und in der Erkenntnis der hohen Aufgabe vereint, die dieser Welt­kongreß sich gestellt hat.

Mit der zunehmenden Beachtung, welche die Frage der Freizeitgestaltung in den führenden Kulturstaaten der Welt in den letzten Jahren gefunden hat, ist auch ein grundsätzlicher Wandel in der Einstellung zu den Begriffen Freizeit und Erholung erfolgt. Schenkte eine individualistische Lebensauffassung der Freizeitgestaltung kaum Beachtung und stellte sie es in Las Ermessen des einzelnen, seine Freizeit nach eigenem Be­lieben zu verbringen, so macht das neue, immer stärker sich durchsetzende Gemeinschafts­denken die Gestaltung der Freizeit zu einer Angelegenheit des allgemeinen Interesses und der öffentlichen Initiative und ordnet die egozen­trische Eigenwilligkeit des einzelnen der Gemein­schaft unter.

Das bedeutet keineswegs eine Beschränkung der persönlichen Freiheit des einzelnen im Sinne irgendwelcher Reglementierung oder llniformie- rung der Freizeitgestaltung. Planmäßige Frei­zeitbewegung ist vielmehr die Vorbedingung für eine sinnvolle geordnete Freiheit und Freizügig­keit in der Freizeitgestaltung des einzelnen, dem sie in der Vielheit und Mannigfaltigkeit der ge­botenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung die Voraussetzungen gibt, in der Freizeit Ent­spannung und Erholung zu finden und neue Kräfte zu sammeln. Sie stellt kein 'Thema kollektivistischen Freizeitgestaltungszwanges auf; innerhalb den von ihr gebotenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Gemeinschaft bleibt es vielmehr dem Willen und der Veranlagung des einzelnen überlassen, in welcher Form und auf welche Weise er die ihm zur Verfügung stehende Freizeit gestaltet und ausfüllt.

Aufgabe und Tätigkeit planvoller Freizeit­gestaltung durch die Gemeinschaft kann sich dabei nicht beschränken auf bloße Teilgebiete der Frei­zeitbewegung, wie es z. V. der Sport, die Reise- und Wanderüewegung, die Pflege des Eemein- schaftsgesanges, des Volkstanzes u. a. Einzel­bewegungen der Freizeitgestaltung darstellen. Soll vielmehr die Freizeitbewegung ihre große kul­turelle und soziale Aufgabe der

Die feierliche Eröffnungssitzung des Welt­kongresses für Freizeit und Erholung wird heute von bis 11 Uhr von allen deutschen Sendern übertragen.

Neugestaltung des Frsizeiterleb- nisses erfüllen, so muß sie, über die Grenzen bloßer Teilgebiete hinausgehend, das gesamte Problem der Freizeit und Erholung umfassen und alle LeSensgebiete und -faktoren in ihr Be­streben einer gemeinsamen Eesamtausrichtung auf das Prinzip der Gemeinschaft einbeziehen und organisch ordnen. Nur dann wird die Frei­zeit dem Menschen Erholung und Entspannung bringen und einer wirklichen Kräfteerneuerung dienen, wenn sie ihm auch auf den übrigen Le­bensgebieten Erfüllung und Bestätigung seines Schaffens Lebenslust und -freude ver­mittelt.

Darum umfaßt das Programm des Weltkon­gresses für Freizeit und Erholung Mensch Ar­beit und Freizeit, bezieht die Fragen und Pro­bleme von Freizeit und Familie in seine Er­örterungen ein und bleibt nicht stehen Lei der theoretischen Behandlung dieser Probleme, son­dern greift mit den zahlreichen Freizeitveranstal­tungen, die das Kongreßprogramm ergänzen und umrahmen, in das praktische Leben selbst ein um Möglichkeiten und Verwirklichung erfolgrei­cher planvoller Freizeitgestaltung zu' zeigen.

Es hat keinen Sinn, sich in wirklichkeitsfremde Theorien und Illusionen über unerreichbare welt­ferne Wunschträume zu verlieren, sich in roman- tifche Schwärmereien einzulassen, oder 'wissen- ichaftliche Ideologien zu erörtern, deren Verwirk­lichung an den harten Tatsachen und Gesetzen des Lebens heitern und die lediglich dazu angetan sind, die Meirichen unzufrieden zu machen und ihre Energie und Tatkraft lahmzulegen. Aufgabe der Freizeitbewegung ist es vielmehr, das Leben m leinen Gegebenheiten und harten, nüchternen Tatiachen zu bejahen - weil aus der LeLens- beiahung allein die Kräfte der Freude, die aus- zulolen Ziel und Zweck der Freizeitbewegung ist, entipringen können und Mittel und Wege zu zeigen, die Wirklichkeit dieses Lebens so zu aestalten. daß Freizeit und Erholung allen schaf­fenden Menschen zur Erfüllung und Bestätigung des Arbeitstages werden. Im harten Rin­gen mit dem Leben selbst gilt es die