parteiamtliche Tageszeitung
liachrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen
Amtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt vremen
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Nr. 26S / 6. Jahrgang
Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen
Anzcigen-Srundprcise: Die 22-min-Jeile im Anzeigenteil 12 Ps-, die 70-mm-Acile ,m Textteil 75 Ps. Ermäszigte Grundpreise lsür tieine sranliiien-Anzeigen n a.) sowie sonstige Bedingungen Preis» liste 6 lNachlaststassel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr Annahmeschlutz 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schristlcitung Dienstag und Freitag 12^-13/4 Uhr,
Sonntag, 2?. September lSZS
kinzelpreis 15 Npf.
Moskauer flngriff auf das englische Pfund
Unser lagesspiegvl
Die sowjetrussische Staatsbank unternahm in USA. einen Angriss aus das englische Psund.
Als Folge der Francabwertung setzte in Paris ein panikartiger Sturm auf Sachwerte ein.
Die französische Presse bezeichnet die Francabwertung als Geste der Verzweiflung.
Der französische Finanzminister kündigt eine Beschlagnahme der Goldbestände in Frankreich an.
Nationalistische Flugzeuge bombardierten Bilbao.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach zu den Vertretern des deutschen Bergbaus.
Die Grabbe-Woche wurde mit einer Feier am Grabe des Dichters eröffnet.
Unser Gauleiter kehrte an Bord des KdF.- Schisses „Sierra Cordoba" von einer Nor- wegensahrt zurück.
Die Berwaltnngsakademie Bremen gibt den Vorlesungsplan des dritten Semesters bekannt.
Die Behörde für Wohlsahrt und Versicherungswesen regelt die Ausgabe der Bezugsund VerLilligungsscheine für Oktober, November und Dezember.
flmerlkas finanimmlster greift ein
«Kds."-Norwegirnfalirer heimgekehrt
Unser Gauleiter befand sich an Bord der „Sierra Cordoba"
Bremerhaven, 27. September.
Die beiden KdF.-Dampfer „Sierra Cordoba" und „Der Deutsche" trafen in. der Nacht zum Sonnabend, von ihrer letzten diesjährigen Nor- rvegewfcchrt kommend, in Bremerhaven ein. Die Passagiere kehrten mit Sonderzügen in ihre Heimatgaue zurück. Besonderes Interesse erregte die Heimkehr der „Sierra Cordoba", die außer »00 Arbeitern von Großbetrieben aus allen Gauen Deutschlands mit Dr. Ley auch zahlreiche Reichs- und Gauleiter, unter denen sich auch Gauleiter Rover befand, an Bord hatte. Am Freitagabend wurde die Fahrt mit einem großen Vetriebsappell an Bord abgeschlossen, an dem gleichfalls die gesamte Mannschaft, soweit sie dienstabkömmlich war, teilnahm. Dr. Ley hielt eine längere Ansprach^ in der er sich insbesondere mit der sozialen Lage der Seefahrer und den aktuellen Problemen der Seeschiffahrt überhaupt befaßte und weiter auf den künftigen Ausbau feines großen KdF.-Werkes zu sprechen kam. Um Mitternacht schloß ein Zapfenstreich, ausgeführt von der Kapelle des Borkumgeschwaders Boelcke, die lange Reihe der Veranstaltungen ab, die während der Tage der Reise in der üblichen frohen KdF.-Weise den Passagieren Stimmung und Frohsinn gab.
Die Leiden KdF.-Schiffe werden zunächst in den Bremsrhave-ner Häfen aufgelegt und für die kommenden KdF.-Reifen überholt werden. — Zu dem Empfang hatten sich auf der Kaje zahlreiche Vertreter der örtlichen Behörden und der Partei aus Bremerhaven-Wefermünde sowie Formationen der SA., SS., der HJ. und des BDM. eingefunden. Dr. Ley, die Reichs- und Gauleiter wurden beim Vonbordgehen von der auch zahlreich erschienenen Unterweser-Bevölkerung herzlich begrüßt.
volfchewiften am Werk
Washington, 28. September.
Der amerikanische Ainanzminister Morgenthau teilte in einer Sonderpressekonferenz mit, daß die sowjetrussische Staatsbank nach dem Abschluß des Abwertungsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten, England und Frankreich eine Million Pfund Sterling auf den Markt warf, um die Währungsstabilisierung zu verhindern. Der Erfolg dieses Vorgehens sei der Psundsturz von 502 auf 401 im Verhältnis zum Dollar gewesen.
Morgenthau erklärte weiter, daß er den Stabilisierungsfonds der Vereinigten Staaten dazu benutzt habe, um die von Sowjetrußland auf
den Markt geworfenen Eoldpsunde auszukausen und so ein weiteres Abgleiten des Pfundes zu verhindern. Der Finanzminister stellte fest, daß das sowjetrussische Vorgehen der einzige Fall sei, bei dem eine Regierung, eine Bank oder eine Einzelperson versucht habe, aus künstlichem Wege den ausländischen Geldmarkt in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Er hasse, daß dies nicht wieder vorkomme und daß kein Land mehr den Versuch machen werde, unangemessene Valutavorteile zu erlangen, um hierdurch die Bestrebungen nach stabilen Wirtschaftsverhältnissen zu behindern.
Seit Beginn der Währungsverhandlungen in den ersten Septembertagen stehe er, so führte Morgenthau weiter aus. Tag und Nacht mit dem im Hydepark weilenden Präsidenten Roosevelt in Verbindung. Am Sonntag werde er dort eine längere Konferenz mit dem Präsidenten haben. Es wird angenommen, daß Roosevelt durch die Währungsfrage veranlaßt worden ist, in der letzten Zeit nur wenige Tage von Washington fern
zu bleiben. In einer zweiten Pressekonferenz stellte Finanzminister Morgenthau noch fest, daß er den Stabilisierungsfonds bis zum Aeußersten benutzen werde, um Franc, Dollar und Pfund zu stabilisieren.
-r-
Die aufschlußreichen Erklärungen des amerikanischen Finanzministers lassen erkennen, -atz den bolschewistischen Machthabern jedes, aber auch jedes Mittel recht ist, den Frieden und die Ordnung der Welt zu untergraben. In Spanien wird geplündert und gemordet, in USA. torpediert man von Moskau aus zur Abwechslung einmal die Währung. Der Kommunismus unternimmt es, mittels großkapitalistischer Manipulationen „unangemessene Valuta- Vorteile zu erlangen" — hier müssen nicht zuletzt den irregeführten ausländischen Arbeitern die Augen endgültig aufgehen!
Nach fram-BwertuW Sturm auf Sachwerte
»kiner der schlimmsten Zusammenbriiche der parlamentarischen öeschichte"
Paris, 26. September.
Die Francabwertung bildet in Paris ganz allgemein das Tagesgespräch. Das in der Bevölkerung verbreitete Gerücht, daß die Banken längere Zeit geschlossen werdest würden, wird vom Finanzministerium als unrichtig bezeichnet. Dagegen trifft es zu, daß Beamte der Devisenabteilung des Finanzministeriums in den Großbanken bereits Nachforschungen nach Devisenguthaben anstellen.
Am Sonnabendnachmittag setzte ein Ansturm auf Sachwerte ein. Alle Geschäfte waren überfüllt; stellenweise konnten die Verkäufer dem Andrang der Kunden kaum standhalten. Die Warenhäuser geben bekannt, daß sie trotz der Franc-Abwertung keine Preiserhöhung vornehmen würden.
Auf den strotzen Boulevards sah man eine lange Reihe von Kraftdroschken, dicht besetzt von lachenden und singenden jungen Leuten.^ Die Insassen schwenkten gelbe Fahnen und riefen den zahlreichen Fußgängern zu: „Freut euch mit uns! Umarmt euch! Man hat uns betrogen!" Es handelte sich offensichtlich um eine Kundgebung rechtsstehender Kreise.
Der frühere Ministerpräsident Flandin, ein Fachmann in sinanz- und währungstechnischen Fragen, verurteilt die Abwertung und sagt ihren sicheren Mißerfolg voraus.
Dem „Temps" will es nicht einleuchten, daß das sogenannte internationale Währungsabkommen die Stabilisierung des Franc verbürge. Die
Regierungen von Washington und London hätten lediglich versprochen, soweit als möglich die sogenannte Ungleichung des Franc nicht zu stören. Ein solches Versprechen sei gewiß beachtlich, aber eine bindende Zusage liege nicht vor. Im Gegenteil, beide Regierungen versicherten, daß sie auf währungspolitischem Gebiet gezwungen seien, ihren inneren Bedürfnissen Rechnung zu tragen, mit anderen Worten, daß sie ihre Währungsunabhängigkeit zu behalten gedächten. Wenn man also von „Angleichung" spreche, so vergewaltige man den Sinn des grundsätzlichen Abkommens. Man habe es mit einer Abwertung schlechthin zu tun, ohne Rückkehr zu einem internationalen System fester Währungen.
Die Zeitung „Liberte" läuft Sturm gegen die Volkssront, die die Abwertung einer energischen Herstellung der Ordnung vorziehe. Frankreich lasse
jetzt nach seiner Politik auch seine Wirtschaft vom Ausland ins Schlepptau nehmen. Die Abwertung des Franc sei in aller Stille entgegen allen Versprechungen der Regierung vorbereitet worden zum Schaden der großen Masse der Sparer, der Ruhegehaltsempsänger und der ehemaligen Frontkämpfer. Das Parlament werde am Montag einen der schlimmsten Zusammenbräche der parlamentarischen Geschichte abzuurteilen haben.
Das „Journal des Debats" schreibt, die Regierung habe das Gegenteil von dem getan, was notwendig war. Sie suche sich so aus der Klemme zu ziehen, in die sie sich und damit die Franzosen gebracht habe. Sechs Monate Volksfrontregierung hättendas Ergebnis zehnjähriger Arbeit zur Erhaltung der Währung vernichtet. Das Parlament stehe vor einer äußerst ernsten Frage. (Siehe auch S. 2)
veschwWigungsversuche vlums
Ver französische Ministerpräsident verteidigt die srant-flbwertung
Paris, 26. September.
Der französische Ministerpräsident Blum gab am Sonnabend den Vertretern der Presse eine Erklärung zur Franc-Abwertung ab. Er betonte, daß er die Presse an Stelle des Finanzministers empfange, der sich ein wenig erhole. Die gleichzeitige Veröffentlichung in London, Washington und Paris sei ein beachtliches Ereignis. Zum erstenmal in der Geschichte der drei Großmächte hätten diese der öffentlichen Weltmeinung durch ein öffentliches Bekenntnis von ihrem Willen Kenntnis gegeben, gemeinsam sich für die Wiederherstellung normaler Wirtschaftsbeziehungen in der Welt einzusetzen, um zur wirtschaft
„wir bauen weiter an üeutWands Zukunft
Kundgebungen des l-eneralinspektors für das deutsche Strastenwesen Vr. rodt
Berlin, 28. September
Anläßlich der Verkehrsübergabe des 1888sten Kilometers der Reichsautobahnen an diesem Sonntag hat der Eeneralinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr. Todt folgende Kundgebungen an alle an dem großen Werke beteiligten Stellen gerichtet:
An die Arbeitskameraden an den Straßen Adolf Hitlers!" Drei Jahre, nachdem der Führer vor den erst«n^700 Arbeitern in Frankfurt am Main den ersten Spatenstich für das gewaltige Werk der Reichsautobahnen vollzog, wird der tausendste Kilometer dem Verkehr übergeben. In nicht ganz 900 Arbeitstagen haben deutsche Bauarbeiter und ihre Kameraden der Brückenbau-, Baustoff- und Baumasch ineninbustrie diesen ersten grüßen Abschnitt des Bauprogramms fertiggestellt und damit ein Werk geichapen, das nicht nur in Deutschland anerkannt wird, lonvern auch wesentlich dazu beigetragen hat. das Ansehen deutscher Leistung in der ganzen Welt zu starken.
Ich spreche allen Arbeitskameraden^der Industrie und Verwaltung den Dank de?. r 5 "hrers für diese gewaltige Leistung aus. Mrt 1888 K,to- meter fahrbaren Strecken ist ein wichtiges Te,I- ,i-el erreicht. Deutschland hat heute sthon die besten -tragen der Welt. In treuer Pflichterfüllung, »n gegenseitiger Hilse und in unwandelbarem Glauben an unseren großen »uhrer bauen „
an seinen Straßen, an Deutschlands Zulun,r.
An die „G e s e llschaft Reichs a u t o b ah-
uen und die obersten Bauleitungen . Mit der Fertigstellung der ersten 1000 Kilometer Reichsautobahnen ist ein Teilziel der gewaltigen Aufgabe erreicht, die der Führer dem deutschen
Straßenbau und besonders dem Unternehmen .Rcichsautobahnen" gestellt hat. Befähigtes Können. vorbildliche Gewissenhaftigkeit und vor allem immer wieder unermüdlicher Fleiß bei allen Mitarbeitern im Unternehmen Reichsautobahnen haben die Durchführung der bis fetzt erreichten gewaltigen Leistung ermöglicht.
Ich spreche hiermit allen Mitarbeitern in der Gesellschaft „Reichsautobahnen" den Dank und die Anerkennung des Führers für diese Arbeit aus. Wir wollen weiterhin mit dem Werk wachsen. Wenn es bei den ersten 1000 Kilometer aalt die Ansangswiderstände zu überwinden und eine technisch und kulturell hochwertige Leistung zu erzielen, so besteht die Aufgabe bei der Planung und Ausführung des nächsten Bauabschnittes darin, durch die gewonnene Erfahrung eine noch größere Vollkommenheit zu erreichen.' Jeder einzelne muß hierbei einsichtig und verständig Schwächen und Fehler der bisherigen Leistung' erkennen, Besseres sehen und erfassen, die höhere Vollkommenheit durchsetzen und so an seinem Teil zur S t e i ge r u n g der Leistung beitragen.
Wir wollen auch gesinnungsmäßig noch stärker zusammenwachsen zur großen Gemeinschaft der Werkleut« an den Straßen des Führers und uns bemühen, in Dienst- und Pflichtauffassung, in Betriebs- und Biirogemeinschaft und auch außerhalb des Dienstes als Werkleute des Führers Nationalsozialisten zu sein."
An den Leiter der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie. Sehr geehrter Herr Dr. Vogler! Seit dem ersten Spatenstich am 23. September 1933 bei Frankfurt sind drei Jahre vergangen. In unermüdlichem Fleiß hat der
deutsche Bauarbeiter in den Betrieben der deutschen Bauindustrie an einem Werk geschaffen, das weit über unsere Zeit bestehen wird. Mit der Fertigstellung der ersten tausend Kilometer ist ein erstes Teilziel der vom Führer gestellten Aufgabe erreicht. Die deutsche Bauindustrie, schon in früherer Zeit stets zu außerordentlichen Pionierleistungen bereit und befähigt, hat bei der Fertigstellung dieser ersten 1000 Kilometer Reichsautobahnen in knapp. 900 Tagen höchste Leistungsfähigkeit und bestes technisches Können bewiesen: ihre Arbeit verdient höchste Anerkennung.
Die erfolgreiche Durchführung dieser großen Arbeitsschlacht wurde auf selten der Bauindustrie ermöglicht und gewährleistet durch die arbeits- gewohnte Betriebserfahrung und das technische Können der Betriebssichrer, außerdem aber durch die Tüchtigkeit der meist in langjähriger Arbeit zusammengeschweißten Gemeinschaft des bewährten Stammpersonals der Ingenieure, Meister. Vorarbeiter, Facharbeiter, Maschinisten, Vaubuchhalter und Stammarbeiter, die wie Sturmtrupps den Angriff vorangetragen und die Gefolgschaft mitgerissen haben. Die Bauindustrie kann auf diese Arbeitsleistung, aber auch auf ihr Personal stolz sein. und es ist nur zu wünschen, daß die einzelnen Arbeitsgemeinschaften in stolzem Zusammengehörigkeitsgefühl bci- einanderhleiben.
Den Dank für die beständige Beschäftigung an einem so großen Werk wird die deutsche Bauindustrie dem Führer weiterhin durch vollen Einsatz, hochwertige Leistungen und Bekenntnis iu nationalsozialistischer Gesinnung in ihren Betrieben abstatten."
lichen Befriedung zu gelangen, die die Voraussetzung für die politische Befriedung sei. Das Vorgehen der drei Großmächte werde von diesen nicht als ausschließlich betrachtet, denn sie hofften, daß alle Völker sich ihm anschließen würden. Es treffe nicht zu, daß die „Währungsangleichung" Frankreich von England und Amerika aufg'e- zwungen worden sei. Die ersten Besprechungen zwischen den drei Mächten lägen sehr weit zurück, die erste Fühlungnahme habe im Juni dieses Jahres stattgefunden. Von Anfang bis Ende seien die Verhandlungen in freundschaftlichem Geiste geführt worden.
Blum ging dann auf die Währungsreform als solche ein. Die Schwierigkeit der Aufgabe liege darin, zwei wenn nicht gegensätzliche, sö doch verschiedene Ziele in Einklang zu bringen. Man dürfe die technische Auswirkung einer Währungsangleichung, in erster Linie also die Kapital- rückkehr nach Frankreich, nicht hindern. Andererseits aber sei der Wunsch selbstverständlich, gewisse Erzeugnisse der Spekulation zu entziehen. Außerdem habe man die Preisfrage nicht aus den Augen verlieren können. Er — Blum — sei überzeugt, daß durch die Währungsangleichung die Herstellungskosten verringert werden könnten und daß durch die Kapitalflüssigkeit eine Senkung des Zinssatzes möglich sein werde. Er sehe keinen Grund dafür, daß die Währungsmaßnahme der Regierung das Anziehen der Einzelpreise zur Folge haben müßte. Trotz allem berechtigten Optimismus in dieser Richtung bezeichnete der Ministerpräsident gewisse vorbeugende Schutzmaßnahmen zugunsten des Verbrauchers ais zweckmäßig.
krkliirungen
des französischen sinanzminisL-rs
Paris, 26. September.
Am frühen Morgen des Sonnabends empfing der französische Finanzminister Vincent A u r i o'l Vertreter der Presse, um Erklärungen über die Währungsentente abzugeben. Er sei überzeugt, daß bald andere Mächte sich dem Abkommen anschließen würden. Um soziale Ungerechtigkeiten zu vermeiden und den sozialen Frieden zu festigen, werde die Pariser Regierung dem Parlament die Beschlagnahme des Goldes zum jetzigen Kurs. Maßnahmen zugunsten der Kleinrentner, der ehemaligen Frontkämpfer und der kleinen Ruhegehaltsempsänger sowie die Anpassung der Gehälter an die Lebenshaltungskosten vorschlagen. Sie werde mit allen Mitteln eine ungerechtfertigte Preistreiberei verhindern unter Anwendung zollpolitischer Maßnahmen.
„beim ersten sind wir frei...!"
Moskaus jüngster Erfolg in Paris
* Bremen, 27. September.
„Geste der Verzweiflung", „regelrechter Betrug" und dergleichen mehr liest man als Schlagzeilenüberschriften in der französischen Presse zu der von der Pariser Regierung beschlossenen Währungsangleichung, die für den französischen Franken eine dreißig- prozentige Abwertung bedeutet. Und Demonstrantenzüge ziehen über die Boulevards der französischen Hauptstadt mit grimmigem Humor und rufen: „Freut euch mit uns, man hat uns betrogen."
Es mag im Zug der Entwicklung, welche die französische Politik seit dem 8. Juni dieses Jahres nahm, das Währungsabkommen den Regierenden Frankreichs heute als durchaus notwendig erscheinen: es mögen, handelspolitisch gesehen, Vorteile aus dem jetzt beschlossenen festen Verhältnis zwischen Franken, Pfund und Dollar zu erhoffen sein, e in es st e h t f e st : der französische Sparer, der den Hauptbestand der französischen radikalsozialistischen Partei in Frankreich bildet, der französische Arbeiter und kleine Angestellte, der fast durchweg sozialistisch gewählt hat, sieht in der neuen Währungsmaßnahme seiner Regierung lediglich die Frankenabwertung und damit eine Schmälerungder Ersparnisse, eine Kürzung des Einkomme ns, empfindet also eine schwere Enttäuschung durch die Regierung, von der er alles eher als eine Verschlechterung seiner Lebenshaltung erwartet hat. Und nicht nur enttäuscht, sondern getäuscht fühlt er sich durch die Regierung, die ihren Antritt mit dem feierlichen Versprechen, unter keinen Umständen an der Stabilität des Franken zu rütteln, genommen hat.
Wie gesagt: im Zug der Entwicklung der von der Volksfront gemachten Politik mag die Frankenabwertung heute als notwendig erscheinen: die Politik der Volksfront selbst aber war zweifellos von Anfang an verfehlt, wenn sie nicht bewußt zur Abwertung des Franken führen wollte.
Als den größten Sieg der Gewerkschaften feierten die französischen Arbeiter im Sommer dieses Jahres das Abkommen, das mit einer durchschnittlich 12prozentigen Lohnerhöhung und Einführung der Vierzigstundenwoche den großen französischen Streik beendete. W i r nannten es damals (im Leitartikel der Nummer 159 der BZ. vom 9. Juni 1936) eine fragliche Errungenschaft und sagten die zwangsläufig daraus erwachsende Verteuerung der Lebenshaltung in Frankreich und die baldige Abwertung des Franken voraus. Wir wollen es der Zeit überlassen, wie bald neue Streiks aus der mit der Frankenabwertung erwachsenden großen Unzufriedenheit der Massen, neue Erschütterungen der französischen Wirtschaft, neue Lohnerhöhungen, neue Preissteigerungen und schließlich im Bannkreise solchen Unheils neue Währungsexperimente der jetzt beschlossenen Frankenabwertung folgen werden und. möchten lediglich abermals darauf hinweisen, in welche bedauerliche Entwicklungsphase die französische Politik unter dem Einfluß der innerhalb der Volkssront tonangebenden kommunistischen Partei geraten ist.
Die Moskau völlig hörige kommunistische Partei Frankreichs will nichts anderes und kann nichts anderes wollen als die Ent- wicklung, die sich im Hexenkreise Lohnerhöhungen — Preiserhöhungen — Frankenabwertung — und dann wiederum Lohn- erhöbungen usw. bewegt und zuletzt mit den erbitterten französischen Rentnern und den verzweifelten französischen Arbeitermassen das ganze französische Volk dem Bolschewismus zutreibt. Bedauerlich nicht allein für Frankreich selbst, sondern für ganz Europa, wenn das zielbewußte Unheilsspiel der Kommunisten innerhalb der französischen Volksfront in Frankreich weiterhin in seinem ver- bangnisvollen Wesen und seinem letzten Ziele unerkannt bleibt. Bedauerlich, wenn dem französischen Volke jener Wea nicht erspart wird, den das deutsche Volk in der Nooemberrepublik gehen mußte, wo zuletzt die Abwertung der Mark den billionsten Teil ihres Goldwertes erreichte.
Das Spiel Moskaus bei der gesamten wirtschaftspolitischen Entwicklung Frankreichs seit den Wahlen liege ebenso klar zutage wie bei der politischen Entwicklung seit Volkerbundssitzung in Genf, wo Wallach Finkelstem, der sich Litwinow nennt als.Hecht im Karpfenteiche alle jungen Soff- nungskeime auf Völkerbundsreform und europäische Befriedung brutal zunichte machte, ganz folgerichtig, ganz zieln