Ausgabe 
(17.9.1936) Nr. 259
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parteiamtliche Tageszeitung

l^achrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen

der Datlonalfoziailsten Dremens

Amtsblatt des Senats der Freien kjansestadt Vremen

Postscheck: Hamburg 17272 Betriebsstörungen i-gLW

M,-G°ub°rl°g W°s°--Ems G. m. b. H.. Vremen, Geer.n 6/8 / Fernsprecher- «121 und 611 ik

Das amtliche verkündungsblatt -es Veichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Anzeigen-Grundpreise- Die 22-rnrn-ZeiIe im Anzeigenteil 12 Ps-, die 70-min-Zelle im Textteil 75 Pf. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a.s sittme sonstige Bedingungen Preis, liste 6 (Nachlaßstaffel c). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr, Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag 12^-13)4 Uhr,

Nr. 25S / 6. lalirgang

Voirnerstag, l7. September 1S56

kinzelpreis 15 Npf.

Senf wieder einmal in Verlegendeit

Unser logvsspivgvl

Die kommende Genfer Herbittagung steht im Zeichen zahlreicher Schwierigkeiten.

Ja Frankreich haben sich Polizisten auf die Seite roter Streikposten gestellt.

Die spanischen Nationalisten sind bis 87 Kilo- meter an Madrid herangerückt.

Der belgische Ministerpräsident setzte sich erneut für restlose politische Unabhängigkeit - seines Landes ein.

Die Deutschen in Nordschleswig haben einen bedeutsamen Wahlerfolg zu verzeichnen.

In München wurde die Deutsche Strahen- bauausstellung eröffnet.

Gestern kam die Hanptzahl der Bremer . Niirnbergsahrer zurück.

i Das neue Feldzeichen der Motorstandarte 62 wurde feierlich in Vremen eingeholt.

Ein schweres Berkehrsunglück ereignete sich bei Glashütte nahe Dresden.

Mit einem Fugballtressen Werder — MB., Vremen 7:6 (2:6) wurde die neue Platz- anlage der Spvgg. MB.» Vremen am Ree­deich eingeweiht.

Vn Mrer beim V. Armeekorps

Berlin, 16. September.

Der ZAHrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh Mittwoch Berlin, um sich zur l Parade des V. Armeekorps in der Gegend von I Ochsenfurth zu begeben.

450 Mler-Iungen In padua

Mailand, 16. September.

Mit einem Sonderzug aus München trafen am Dienstagabend die 46Ü Hitler-Jungen, die eine Italien reise unternehmen, in Padua ein.

. Zu ihrem Empfang hatten sich die Vertreter der " Behörden, darunter der Präfekt der Provinz, der Bürgermeister der Stadt, der deutsche Vizekonsnl und' zahlreiche Mitglieder der faschistischen Ju­gendorganisationen auf dem Bahnhof eingesunken. Unter klingendem Spiel zogen die Hitler-Jungen durch die von zahlreichen Menschen dicht gefüllten Straßen in das Schulgebäude, das ihnen als Quartier dient. Die Führer der Gruppe begaben üch dann in das Balilla-Haus zu einem Besuch der faschistischen Jugendorganisation, als deren Erste die Hitler-Jungen in Padua weilen.

Keine Lohnsenkung im vaugewerbe

R. Berlin, 16. September Auf den Baustellen in verschiedenen Gauen des Reiches werden seit einigen Tagen Gerüchte über eine angeblich geplante Senkung der Spitzenlöhne für Baüfacharbeiter in Umlauf gesetzt. Diese Ge­rüchte sind mit der zurzeit beim Sondertreuhander des Baugewerbes zur Beratung stehenden neuen Aeichstarifordnung für das Baugewerbe in Zu­sammenhang zu bringen. Die Reichsbetriebs­gemeinschaft „Bau" erklärt jedoch, daß an den verbreiteten Gerüchten kein wahres Wort ist und m eine Lohnsenkung in keiner Weise gedacht wird. Es ist vielmehr das Bestreben der RBE. „Bau und des Treuhänders für das Baugewerbe, zur Klarstellung der in den geltenden Tarifordnun­gen bestehenden unklaren Bestimmungen und durch Einführung neuer Vorschriften soziale Ver­besserungen in dem Matze zu bringen wre sie sich schon heute in Anbetracht der wirtschaft­lichen Lage ohne Schädigung des Allgemein­wohls verwirklichen lassen. Die Reichsbetriebs- gemeinschaft ,Bau" bittet daher, derartigen un­begründeten Meldungen ganz energisch entgegen­zutreten.

Zuchthaus für einen Landesverräter

Berlin, 16. September.

Die Justizpressestelle in Berlin teilt mit: Der lb Jahre alte Franz Dyllong aus Schwientochlo- witz in Polen ist vom Volksgericht wegen eines Unternehmens des Landesverrates zu einer Zucht­hausstrafe von 16 Jahren verurteilt worden.

erechtigkeit siir fldols Hitler"

Rio de Zaneiro, 16. September, brasilianische Presse widmet der Bericht- nq über den Reichsparteitag autzerorden.- ü Raum und vermerkt mit groger Sym- die Abrechnunq mit dem Bolschewismus.

! Rio de Janeiro erscheinende Blatt „ma- ireibt bei einer Rückschau über den Reis­ig u, a, folgendes: Man müsse dem Mann, uttschland aus der von den Siegern ves ieaes diktierten Ohnmacht wieder erweckte, ens Gerechtigkeit zuteil werden

Er habe den Mut gehabt, die Derant- g zu übernehmen und einer Regierung en- itreten, die Verwirrung in das Söller tragen wollte. Er habe den Mut ge- ich freiwillig zum Schützer der Zivilisation r Verteidigung der gefährdeten europäischen ng zu stellen. Sein Beginnen ,ei her o !M männlich: es sei ferner die eines :s. der sich entschieden habe und der ve Entscheidung für eine Idee ein S"mS' istertes Volk mit sich rechen konnte.

wer vertritt Spanien aus der herbsttapung s

Lttwinow -rolil

(Vrnlltbsrivüt unseres denken Vertreters) Genf, 18. September

Die bevorstehende Bölkerbundstagung ist schon jetzt von einer völligen llngewitzheit und Unsicher­heit überschattet, die keinen Raum für irgend­welche Hoffnungen licht. Eine Reihe von Ereig­nissen wird zweifellos den Gang der diesjährigen Herbsttagung maßgeblich beeinflussen und zu er­hebliche» Störungen führen. Aus Madrid ist angekündigt, dah sich der Außenminister der Ma­drider Linksregierung ebenfalls in Genf einfinden werde, um Spanien vor dem Rat zu vertrete». Hier erhebt sich schon die Frage, mit welchen Kompetenzen der Madrider Vertreter noch aus­gestattet ist und ob ihm überhaupt noch gestattet werden kann, im Namen Spaniens zu sprechen.

Tatsächlich liegen die Dinge doch so, datz zwei Drittel des Landes von den Nationa­

listen besetzt sind und datz die Regierung in Burgos von den gegebenen Tatsachen ausgehen und für sich das Recht beanspruchen dürfte, die Vertretung dieses größeren Teils Spaniens — falls die spanischen Wirren in Genf überhaupt berührt werden sollten — auch vor dem Forum des Rates auszuüben. Da man in Genf Sinn für rechtstheoretische Konstruktionen und so­genannte Präzedenzfälle hat, wird man in diesem Falle wie üblich zwischen einer „legalen und an­erkannten" Regierung und womöglich auf der anderen Seite zwischen Aufständischen oder gar „Rebellen" unterscheiden.

Diese Unterscheidung wird aber schon verhäng­nisvoll, wenn man sich vergegenwärtigt, datz sie letzten Endes mit der gleichen Gründlichkeit dann auch in einem anderen, zumindest ebenso klaren Falle getroffen werden mutz, und zwar noch auf der diesjährigen Herbsttagung des Rates! In Abessinie'n sprechen die Tatsachen bekanntlich ebenfalls unwiderruflich dafür, datz es die Ver­tretung eines souveränen äbesstnischen Staates in Genf nicht mehr geben kann und datz diese Ver­tretung nur von Italien, der Siegermacht im äbesstnischen Feldzuge, ausgeübt werden

könnte. Italien hat zu diesem besonders heiklen Thema inzwischen schon selbst Stellung genommen. Sollte sich Genf nicht dazu bereit finden, die vollendeten Tatsachen in Lstafrika anzuerkennen, und sollte man sogar einer äbesstnischen Pseudo- VökkerLundsabordnung bereitwilligst einen Stuhl am Ratstisch einräumen, so wird Italien über­haupt darauf verzichten, in Genf zu erscheinen.

Was soll der Völkerbund tun, wen« auf der Herbsttagung auch noch der Sitz Italiens leer bleibt? Was soll aus der Pölkervundsreform wer­den, zu der ganze Aktenbiindel von Vorschlägen im Grneralsekretariat vorliegen, wenn in der Bölkerbnndsstadt nur noch ein Fähnlein der Un­entwegten das Banner der Liga entrollt?

Zu diesen schwerwiegenden Problemen kommt noch die Absicht Litwinoms, die diesjährige Gen­fer tzerbsttagung zu einem neuen propagandisti­schen Vorstoß gegen die „faschistische Gesahr" zu mißbrauchen. Diese Komödie würde noch fehlen, um dem Genser System den letzten Stotz zu ver­setzen.

französische Polizei hilft den Streikposten

Mit Summiknüppeln gegen flrbeitswillige! — »kintrittsgebiikr" mm Sekreten der flrbeitsstätte

Paris, 16. September.

Der Textilarbeiterstreik in der Gegend von Epinal hat sich in den letzten Stunden weiter ausgedehnt. Insgesamt wird zurzeit in 87 Betrieben mit rund 24 lM Arbeitern gestreikt. 59 dieser Werke sind von Arbeitern besetzt.

Der „Figaro" berichtet von unglaublichen Zwischensällen, die sich in Thaon in den Vogesen abgespielt haben. Schon beim Morgengrauen war eine große Wäscherei und Färberei, die 2500 Arbeiter beschäftigt, von kommunistischen Streik­posten umstellt, die die zur Arbeit kommende Be­legschaft des Werkes an der Arbeitsaufnahme verhindern wollten. Nach Einsetzen der Mobil- garde ist es zu Zusammenstößen gekommen.

Die Mobilgarde hat erstaunlicherweise nicht etwa die Fabrikeingänge von den roten Streik­posten gesäubert, sondern ist mit dem Gummi­knüppel gegen die Arbeitswilligen vorgegangen, um sie auseinanderzusprengen. Da es den natio­

nalen Arbeitern nicht möglich war, ihre Arbeits­stätten zu erreichen, haben sie sich zu einem Zuge zusammengeschlossen und das Rathaus der Stadt besetzt. Erst nachdem ihnen versprochen worden war, daß sie am Nachmittag wieder mit der Ar­beit beginnen dürsten, haben sie das Rathaus geräumt. Am Nachmittag haben sich dann jedoch dieselben Szenen vor dem Fabrikgebäude abge­spielt. Die Polizei hat es nicht für notwendig gehalten, einzuschreiten, um ihr Versprechen zu erfüllen, sondern hat es zugelassen, daß die Kom­munisten die ganze Stadt terrorisierten. Die Rote» besaßen dann noch die Frechheit, von den Arbeits­willigen S Frank als „Eintrittsgebühr" (!) in das Werk zu verlangen, was von diese» selbst­verständlich abgeschlagen wurde.

Wie zu den roten Uebersällen in Lyon'ver­lautet, sollen die linksgerichteten Elemente be­strebt gewesen sein, sämtliche Versammlungen der neuen französischen Sozialpartei zu stören. Bei einer großen Anzahl von Kraftwagen, die

in den Nebenstraßen der Hauptversämmlungs- räume geparkt hatten, wurden die Scheiben ein­geschlagen und die Reifen zerschnitten. Etwa 30 Verletzte mutzten ins Krankenhaus über­geführt werden.

vlum und velbos uneinig

Paris, 16. September.

Der „Jour" glaubt, datz zwischen Ministerpräsi­dent Leon Vlum und Außenminister Dslbos aus außenpolitischem Gebiete keine vollkommene Uebereinstimmung bestehe. Entgegen allen Erwar­tungen habe der Außenminister dem Kabinettsrat am Dienstag keinen Ueberblick über Sie fran­zösische Außenpolitik, die Ereignisse in Spanien und insbesondere über den Nürnberger Parteitag vorgelegt. Auch die Rede des Außenministers am letzten Sonntag in Verqerac wurde in der Ver­lautbarung über den Kabinettsrat mit keinem Wort erwähnt. Man behaupte in gewissen Krei­sen, datz diese Rede des Außenministers vom Mini­sterpräsidenten mit großem Vorbehalt aufgenom­men worden sei. Die für Donnerstag angekün­digte Rundfunkrede des Ministerpräsidenten über die Außenpolitik dürfte, wie das Blatt vermutet, eine Richtigstellung der Delbos-Rede für die „Arbeitermassen" werden.

Kommunisten schießen auf Polizei

Schwere Zusammenstöße in Polen

Warschau, 16. September In der Ortschaft Zukow in der Wojewodschaft Lublin ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Kommunisten gekommen. Als die Polizei die Wohnungen von Linksradikalen durchsuchte, wurde sie von einer Gruppe Marxisten angegriffen, die die Verhaftung ihrer Führer ver­hindern wollte. Die Marxisten schössen aus Pi­stolen auf die Polizisten, von denen drei schwer verwundet wurden. Darauf machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch und tötete fünf der Angreifer. 15 Kommunisten konnten verhaftet werden. Kurz nach dem Zusammenstoß verstarb einer der verwundeten Polizisten,

vastld wieder in Paris

Baldige Wiederaufnahme der deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen

Berlin, 16. September.

Der französische Handelsminister Bastid war mit >einen Begleitern Dienstag mittag Gast des mit der Führung des Reichswirtschaftsministeriums beauftragten Reichsbankpräsidenten Dr, Schacht bei einem Frühstück, bei dem n, a, anwesend waren der französische Geschäftsträger, der fran- zchllche Handelsattache, der Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk und in Ver­tretung des Außenministers der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dieckhoff, sowie eine Reihe anderer Herren aus den beteiligten Reichsämtern und der Industrie, ferner der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft von Arnim, Rektor der Technischen Hochschule Charlottenburg, Anjchlictzend fand eine längere Aussprache nnischen dem irarnöstichen Handelsminister und d?m Reichs- wir^^nitsminister stak«, in der über die Ziele der deuti-b-franzönkchen Wirtickastsbe-i-tzunäen eine Uebereinstimmung der Ann^ten festge­stellt wurde. Beiderseits kam der Wunsch nun Ausdruck, eine möglich': ä,irke Belebung des Ver- kebrs rwiuben den beiden Ländern in den bevor- Hebenden iäandelsv"rtrnasnerbandsi,ngen anni- bnbn-n tz^ie V-rbaud!unu-n i-ll-n noch >m Laufe diele- ^erbües ausaenammen werden Am Abend reiste Minister Bastid noch Paris ob Dr Schacht batte nch zur Verabschiedung des Gastes auf dem Bahnhof eingefunden.

käimlnncks k'vlämnrsedntt, önron.von Rnnnerkvim (Ritts), »eilt xsxenvärtix in L>onäon^ ^

wer stört den

flrbeltsfrleden frankrelchs?

Die Verhandlungen, die zwischen dem franzö­sischen Arbeitgeberverband der Textilindustrie und den Vertretern der streikenden Textilarbei­ter in Paris stattfinden, haben bisher zu keiner Einigung geführt.

K. Viü. „Die lateinischen Massen sind wei­bisch. Wer sich auf sie stützt, kann sehr hoch und sehr schnell steigen, aber in steter Nähe des tarpejischen Felsens seiner römischen Richtstätte) und mit der Gewißheit, eine? Tages von diesem hinuntergestürzt zu wer­den" — diese in Paris unzeitgemäßen Worte hat der französische Philosoph Le Bon geschrieben, und Frankreichs Ministerpräsident Leon Blum wird angesichts der wachsenden Spannungen zwischen ihm und den Gewerkschaf­ten die Richtigkeit jener Feststellung ohne Einschränkung bestätigen. Nicht nur die Streikwelle an sich, die unser westliches Nachbarland erneut heimsucht, sondern vor allem ihre bürgerkriegsmäßige Form dürfte den Pariser Regierungschef und die­jenigen seiner Kollegen, die dem Kommu­nismus noch nicht völlig verfallen sind, in eine immer schiefere Lage bringen. Die ernste Frage lautet: Wird Blum die

Bolschewisten zügeln oder wird er von ihnen beherrscht werden?

Die letzten Meldungen über die Auswir­kung der hemmungslosen kommunistischen Propaganda innerhalb der französischen Ar­beiterschaft sind in der Tat recht alarmie­rend: unzählige Fabriken in den nördlichen Gebieten des Landes sind wiederum von Streikenden besetzt worden, leitende Werk- angestellte werden nach spanischem Vorbild als Geiseln „festgehalten", und auch an Stellen, die den Hetzern und ihren Opfern Waffen liefern, fehlt es nicht. Das Bedenk­lichste aber ist, daß die staatlichen Machtmit­tel dem Terror nicht überall mit der erfor­derlichen Energie entgegengesetzt werden, ja, hier und dort bereits die Interessen der Streikenden zu fördern scheinen. In einem Falle hat sich die Mobilgarde sogar dazu her­gegeben, mit Gummiknüppeln gegen Arbeits­willige vorzugehen, statt ihnen ihr Recht zu verschaffen. Man könnte hier von einer „Sozial'-Politik mit vertauschten Rollen sprechen, stünde nicht letzten Endes weit mehr, stünde nicht die Regierungsautorität als Ganzes auf dem Spiel. Die Arbeitgeber- verbände haben denn auch in einem Schrei­ben an den Ministerpräsidenten auf dessen Vermittlungsaktion im Streikkonflikt hin chre unversöhnliche Haltung damit begrün­det, daß sie sich vor allem gegen die Einrichtung von Sowjets in ihren Betrieben auflehnen müßten.

Einrichtung von Sowjets in französischen Fabriken — das ist die automatische Folge der „taktischen Zurückhaltung", die das Volksfrontkabinett Blum gegenüber der ersten, nur mit großen Anstrengungen beigelegten Streikaktion sich selbst auf­erlegte. Die Methode der symbolischen Werk- besetzung, von der man seinerzeit das erste­mal hörte, hat Schule gemacht, und bei dem neuen, zweiten Vorstoß der Marxisten legt man bereits auf den symbolischen Charakter der „Selbsthilfemaßnahmen" kei­nen besonderen Wert mehr. Kein Wunder, daß der radikalsozialistische Staatsminister Chautemps diese Entwicklung nicht mit sei­nem Namen decken will und die Akte Streik­bewegung an das Pariser Innenministerium weiterleitet,- kein Wunder, dah die Bevöl­kerung Nordfrankreichs von Tag zu Tag nervöser wird und mit Schrecken gewisse Parallelen zwischen der Tendenz des Textil­arbeiterstreiks ihrer Bezirke und den bolsche­wistischen Zersetzungserscheinungen jenseits der Pyrenäen entdeckt, kein Wunder, daß es vor allem im Gebälk der Bolkssront hörbar zu knistern beginnt! Man hat dem franzö­sischen Volk lange Zeit weiszumachen ver- sucht daß die marxistischen Gewerkschaften lediglich wirtschaftliche Zwecke ver­folgen ^etzt aber ist es gerade das in Mas- »aus Auftrag gesteckte politische Ziel der Arbeitszeit- und Lohnforderungen fran­zösischer Werktätiger, das kraß und eindeu­tig hervortritt.

Wir brauchen nicht zu betonen, daß wir die Verwirrung und Kräftebrachlegung in der (meltrevolutionären Bestrebungen dienst- bar gemachten) Arbeiterschaft unserer großen Nachbarnation bedauern. Nicht aus eigen- iüchtigen Motiven oder gar, um uns in die Innenpolitik eines anderen Landes einzu­mischen, sprechen wir nies aus: der Arbeits­friede ist in Deutschland so fest untermauert und von so starken Säulen getragen, daß