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flmtsblatt des Senats der Zreien fjansestadt vremen
parteiamtliche Lageszeitung
Hachrichlenblatt der Deutschen flrbeitsfront Bremen
WÄ/inschl^L7w^ Pf Zustell.mgsgeb, durch die Post
Nr. 174 / 6. Jahrgang
Anspruch auf Erstattung od. Ersatz. / Fernsprecher: 841 2« und 511 18.
Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen
Anreiaen-Grundpreise- Die 22-mrn-ZeiIe im Anzeigenteil 12 Ps., die 70-mm-Zeils im Textteil 75 Pf. Ermüstiate Grundpreise (für kleine Familien.Anzeigen u. a.s sowie sonstige Bedmgrmgen Preisliste 6 lNachlaßstafsel Cs. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Eewahr.Ännahmeschluß 16 Uhr.
Sprechzeit- Verlag werktäglich 12-18 Uhr; Schnitte,tung Dienstag und Freitag 12N-1SN Uhr.
Mittwoch, 24. Juni 1SZ6
kinzelpreis 15 Kpf.
blum über frankreichs außenpolitischen Kurs
Negierungserklücung im Senat und in der Kammer / Verständigung mit Veutststland!
für „kollektive Sicherheit"
Paris. 24. Juni.
Der französische Ministerpräsident Blum gab gestern im Senat im Namen der Regierung eine außenpolitische Erklärung ab, die gleichzeitig vom Außenminister Delbos in der Kammer verlesen wurde. In ihr heißt es:
Wir würden dem uns vom Lande erteilten Auftrag zuwiderhandeln, wenn wir nicht zuerst seinen
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Frankreichs Ministerpräsident gab im Parlament eine außenpolitische Erklärung ab.
In Marseille haben die Streikenden 4V Schisse besetzt.
In Berlin wurden die ersten Olympiagäste festlich empfangen.
Im Bremer Institut für Gesundheit und Leistung ist das Modell des Olympischen Dorfes zu besichtigen.
Reg. Bürgermeister Pg. Otto Heider wird auf dem 3. Sippenabend der SS. im Parkhaus sprechen.
Der Jungvannführer Redeker gab Aufschluß über die Jungvolklager in Hitzacker.
Im Wimbledon-Turnier erzielten Deutschlands Vertreter wiederum eindrucksvolle Siege.
Mit einer Teilnahme von 44 Jachten begann die große Transatlautik-Regatta.
18 Tote und 36 Verletzte forderte ein Eisenbahnunglück in Spanien.
sind glücklich, daß diese Bemühungen sich in herzlicher Weise mit den unseligen und mit denen aller interessierten Mächte decken.
Bei unserer Anstrengung zur Wiederherstellung der kollektiven Sicherheit zweifeln wir nicht an der vorbehaltlosen Unterstützung der großen britischen Demokratie, die durch so viele gemeinsame Erinnerungen und Anstrengungen mit der französischen Demokratie verbunden ist. Wir legen um so größeren Wert darauf, als die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit unserer beiden Länder die wesentliche Bürgschaft des Friedens in Europa ist. Frankreich rechnet über Großbritannien hinaus auf die herzlichen Gefühle der amerikanischen Demokratie, der natürlichen Freundin der freien Völker. Frankreich ist des machtvollen Beistandes seines Freundes, der Sowjetunion, gewiß, mit der Frankreich ein Pakt des Beistandes, der allen
offen steht, verbündet, ein Pakt, den uns unsere gemeinsame Sorge um den Frieden vorgeschrieben hat. Die französisch-polnische Freundschaft wird eine neue Weihe in einer herzlichen unmittelbaren Suche nach besseren Formen der Zusammenarbeit zwischen zwei solidarischen Völkern finden. Mit Belgien, Rumänien, der Tschechoslowakei und Jugoslawien fühlt sich Frankreich sowohl durch Verträge wie durch eine Intimität des Gedankens und des Herzens vereint. Ihre Sicherheit bildet ein Element unserer eigenen Sicherheit, wie auch unsere eigene Sicherheit restlos zum Bestand ihrer Sicherheit gehört. Wir rechnen auch für die zu erfüllende Ausgabe auf die Balkan-Entente, auf die spanische Demokratie, aus alle Völker, die von Portugal bis zu den skandinavischen Staaten wiederholt so viele Unterpfänder der Treue zum Völkerbund gegeben haben.
Frankreichs veziehungen zu Veutschland
Friedenswillen betonen würden. Wir wollen den Frieden für alle Völker, den Frieden mit allen Völkern. Unser Friedenswille ist zu aufrichtig, um nicht ein tätiger Friedenswille zu sein. Deshalb wollen wir mit allem Nachdruck unsere Völkerbundstreue betonen. Die Prüfungen, die der Völkerbund durchmacht, entfremden uns den Völkerbund nicht, sondern stärken unsere Entschlossenheit, ihn zu einer wirksameren Organisation der kollektiven Sicherheit auszubauen die zwei Bedingungen erfordert: Die Achtung des Gesetzes und der internationalen Verträge, und die Wiederherstellung eines durch zu viele Erschütterungen, Enttäuschungen und Befürchtungen wankend gewordenen Vertrauens.
Me Sanktionen
In diesem Geist hat die Regierung das Problem der Sanktionen gegen Italien geprüft. Niemand erwartet von uns wohl, daß wir nach der Niederlage Abessiniens den Besiegten verleugnen und diese Gefühle in Abrede stellen, aber beim gegenwärtigen Stand der Dinge wäre die Aufrechterhaltung der Sanktionen nur noch eine Geste ohne wirkliche Wirksamkeit. Unter diesen Umständen haben wir am Freitag unsere Ansichten bekanntgegeben und sind sicher, dabei im Einvernehmen mit den befreundeten Völkern zu sein.
Der Frieden kann nur durch die Verstärkung der Sicherheit der Nationen gefestigt werden. Um einen Angriff zu unterdrücken, muß man möglichst bald das Höchstmaß der Mittel einsetzen, über die die internationale Gemeinschaft verfügen kann. Aber es wäre für den Augenblick ein Trugschluß, auf diesen vollkommenen Beistand von Völkern zu rechnen, die nicht unmittelbar von dem Streit betroffen sind.
Also muß die kollektive Sicherheit zwei Seiten umfassen. Zunächst muß eine Gruppe von Mächten bereit sein, alle ihre Kräfte gegen den Angreifer einzusetzen. Dafür muß die gesamte Kollektivität des Völkerbundes zwangsläufig die wirtschaftlichen und finanziellen sühnemaßnahmen anwenden. Die Art. wie in Genf der Grundsatz der in den Satzungen enthaltenen Einstimmigkeit ausgelegt wird, lähmt die Kraft des Artikels 11. Solange man Artikel 11 in dieser Weise auslegt, wird der Völkerbundsrat nicht in der Lage sein, die Vorbereitung eines Streites zu verhüten, und der Angreifer wird vollkommen Zeit haben, um seine Stunde zu wählen.
Die französische Regierung wird vorschlagen, dieser paradoxen Lage ein Ende zu bereiten. Die Gründe die den Abschluß eines Paktes Zwilchen allen Donaustaaten empfehlen, haben heute mehr ihrell Wert als jemals. Ein solcher Pakt wird allen Mächten Mitteleuropas offenstehen. Wir selbst sind daran durch die Bande der Zuneigung interessiert die uns mit der Kleinen Entente vereinen. — Ebenso notwendig ist es. alle Mittel-
Die Regierungserklärung beschäftigt sich dann eingehend mit den Beziehungen Frankreichs zu Deutschland. Die Parteien der Volksfront, so heißt es an dieser Stelle, haben immer für eine deutsch-französische Verständigung gekämpft. Jaurss hat seine leidenschaftliche Handlung für den Frieden mit seinem Leben bezahlt. Briand hat Verleumdung und Beleidigung gekannt, weil auch er wollte, daß der Rhein Deutschland und Frankreich verbinde, anstatt sie zu trennen. Wir haben die von Her- riot verhandelten Londoner Abkommen begrüßt, weil sie Locarno möglich machten. Wir bedauern nicht die Handlung, die wir seit fünfzehn Jahren durchgeführt haben. Wir sind entschlossen, sie in der Sicherheit und Ehre der beiden Länder fortzusetzen.
Bei mehreren Gelegenheiten hat der Reichskanzler seinen Willen zur Verständigung mit Frankreich bekundet. Wir haben nicht die Absicht, an seinem Wort als ehemaliger Frontkämpfer, der vier Jahre lang in den Schützengräben das Elend gekannt hat, zu zweifeln. Aber so aufrichtig unser Wille zur Verständigung auch sei, wie können wir die Lehren und Erfahrungen und die Tatsachen vergessen.
Die deutsche Aufrüstung entwickelt sich in einem täglich steigenden Rhythmus. Am 16. März 1935 hat Deutschland die Militärklauseln des Versaille'r Vertrages unter Bedingungen zurückgewiesen, die gewisse von ihm angegebene Irrtümer nicht rechtfertigen. Am 7. März 1936 hat es den freiwillig unterzeichneten Locarnopakt verletzt und zurückgewiesen, von dem der Reichskanzler bei mehreren Gelegenheiten erklärt hatte, daß er die hauptsächlichste Garantie für den europäischen Frieden darstelle. Seit diesem Zeitpunkt ist die Lage ernst geblieben. Am 19. März unterbreiteten die Locarnomächte Deutschland einen Plan, der greifbare Vorschläge für die Schaffung eines neuen Sicherheitsabkommens enthält. Am 24. März unterbreitete Deutschland Gegenvorschläge, die jedes System von Abkommen zurückweisen, das auf den gegenseitigen Beistand in den Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn mit Ausnahme der Locarnomächte beruht. Am 10. April beauftragten die Locarnomächte in dem Wunsche, alle Versöhnungsmöglich-
keiten auszunutzen, die englische Regierung, gewisse Punkte der deutschen Denkschrift aufzuklären. Dies ist Gegenstand eines englischen Fragebogens, der am 6. Mai in Berlin überreicht wurde. Auf diesen Fragebogen hat das Reich noch nicht geantwortet. Wird es dies morgen tun?
Frankreich wird auf alle Fälle die deutschen Vorschläge in dem aufrichtigen Wunsche prüfen, darin eine Abkommensgrundlage zu finden. Dieses Abkomme» kann aber nur verwirklicht werden, wenn es dem Grundsatz des unteilbaren Friedens entspricht und keine Drohungen gegen irgend jemanden enthält.
Vie stbriistung
Mit der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen ist der Erfolg der Anstrengungen im internationalen Abrüstungswerk eng verbunden. Das französische'Volk weiß, daß der Rüstungswettlauf zwangsläufig zum Kriege führt. Es würde gern durch eine kollektive Anstrengung diesen Wett- laus anhalten und eine durch die Gemeinschaft der Völker kontrollierte Abrüstung möglich machen. Die Regierung wird zunächst die vorherige Veröffentlichung und die Kontrolle der Kriegswaffen- herstellung durch eine internationale, ständige und in Genf sitzende Kommission beantragen.
Die Regierung wird sich mit vollkommener Loyalität jeder Maßnahme anschließen, die einstimmig ergriffen werden sollte, um die Rüstungen zu kontrollieren, zu beschränken und herabzusetzen, und die Regierung wird alle zweckmäßigen Gelegenheiten nützen, um dazu die Initiative zu ergreifen.
Me frage des tuftpaktes
Trotz aller Anstrengungen sind die Verhandlungen über einen Luftpakt nicht fortgeschritten, da die deutsche Regierung bisher ihre Antwort aufgeschoben hat. In ihrer letzten Denkschrift hat sie grundsätzlich sich nochmals einem Abschluß des Paktes geneigt gezeigt, jedoch nicht gesagt, ob ihrer Ansicht nach dieser Pakt notwendigerweise. durch ein Beschränkungsabkommen ergänzt werden sollte. Von der englischen Regierung ist in dieser Angelegenheit eine Frage gestellt worden. Auf die Antwort wird gewartet. Um
den Rüstungswettlauf anzuhalten, der in der Luft immer schneller wird, bleibt ein Abkommen über die Beschränkung der Luftstreit k r ä f t e außerordentlich wünschenswert. Frankreich ist für seinen Teil bereit dazu.
lvirkschaftsfragen
Um eine Bilanz der allgemeine nWirt- schaftslage, der Bedürfnisse der Völker und der Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, um den Austausch zu beleben, auszustellen, wird die französische Regierung die Einberufung des Studienausschusses für die europäische Union beantragen, die Briand geschaffen hatte. Dieser Ausschuß umfaßt alle europäischen Staaten, ob sie Mitglieder des Völkerbundes sind oder nicht. Deutschland wird also daran teilnehmen und seine Anregungen geben können.
Internationale Zusammenarbeit
Alle Männer, die heute auf der Regierungsbank sitzen, sind einig in der Auffassung, daß der Zustand desbewaffnetenFriedens, aus dem Katastrophen entstehen, vorübergehend sein muß, und daß alle Anstrengungen darauf gerichtet sein müssen, seine Dauer abzukürzen, und daß die Sicherheit der Völker nur durch kollektive Einrichtungen der internationalen Gemeinschaft gesichert werden kann. Die Völker werden sich mit aller unentbehrlichen Vorsicht auf den Zustand des ab- gerüsteteten Friedens einstellen müssen.
Unsere Tätigkeit wird von dem Glauben an die Zukunft der kollektiven Sicherheit beseelt sein. Dem Aufbau dieser Zukunft werden wir unsere ganze Arbeit widmen. Wir werden nicht die Unvorsichtigkeit begehen, bereits jetzt den Stand unserer Verteidigungskräfte unseren Hoffnungen anzugleichen. So lange ein internationaler Mechanismus nicht den Beweis seiner Wirksamkeit erbracht hat, ist es die Pflicht Frankreichs, sich selbst gegenüber sowie gegenüber seinen Freunden in der Lage zu bleiben, alle Angreifer zu entmutigen. Aber wir rufen zur internationalen Zusammenarbeit alle Völker und alle Regierungen auf, die dem Frieden ergeben sind, die glauben, daß der Friede aus der Achtung der srei übernommenen Verpflichtungen beruhen muß, die an Stelle der Umwandlung der Welt durch die Gewalt die Entwicklung unter Führung einer internationalen Gerechtigkeit und Moral wünschen.
Moskaus kinfliisse
Als erster Redner ergriff nach Verlesung der außenpolitischen Erklärung der Abgeordnete Montigny von der radikalen und demokratischen Linken das Wort. Er bedauerte, daß Frankreich seit Monaten keine Außenpolitik mehr habe und daß man sich fragen müsse, ob die kollektive Sicherheit noch als Grundlage der Politik in Frage komme. Wenn ein deutsch-italienisches Abkommen geschlossen wäre, müßte man zu einer Verständigung mit Deutschland und mit Italien kommen. Man dürfe nicht die Politik des Blocks der Demokratien gegen den Block der Diktaturen betreiben. Als von der Rechten des Hauses der Ruf ertönt: „Nach Moskau!" und Abgeordneter Montigny sein Bedauern ausspricht, daß fremdländische Einflüsse auf der französischen Außenpolitik lasten, erhebt Außenminister Delbos Einspruch und erklärt, er könne diese Anschuldigungen nicht durchgehen lassen, ohne dagegen mit größter Energie Einspruch zu erheben.
IWtrauensantrag gegen kven abgelehnt
Scharfe flngriffe auf die englische Negierung — Vag knde der Sankttonsaussprache
einstellen kann in einem Meer. dessen Hler durch eine gemeinsame Zivilnation verbunden sind. Für Westeuropa wünschen wir ein Abkommen, das der am 7. März eröffneten Krise ern Ende bereitet. Wir sind überzeugt, daß Italien diesen Aufgaben seine notwendige Mitarbeit leiht. Wir
London, 24. Juni.
Im englische» Unterhaus wurde gestern der Mißtrauensantrag der Arbeiteropposition gegen die Regierung Valdwin mit 384 gegen 170 Stimmen abgelehnt. Damit ist das Schicksal der Sanktionen besiegelt.
Vor der Abstimmung wurde die Aussprache fortgesetzt, die am Donnerstag durch*Edens Rede eingeleitet wurde. Die Aussprache wurde damit eröffnet, daß der Führer der Opposition, Attlee, den Antrag einbrachte, der Regierung das Mißtrauen auszusprechen, weil ihr Mangel an Entschlossenheit in der Außenpolitik das Ansehen des Landes gemindert, den Völkerbund geschwächt und den Frieden gefährdet habe. Für die Politik der Regierung gebe es keine Erklärung. Der Angriff der Arbeiterpartei richte sich gegen die ganze Regierung. Er halte es nicht für fair, daß der Außenminister allein angegriffen werde. Er habe seine Pflicht getan, und niemand könne annehmen, daß er dabei sehr glücklich sei. Die Regierung habe von Anfang an einen Mangel an Entschlossenheit bewiesen, die Sanktionen anzuwenden. Sie habe sich ständig von der Hoffnung leiten lassen, zu einer Verständigung mit Italien zu kommen.
Der Premierminister behaupte, man habe nur die Wahl gehabt zwischen der Preisgabe der Sanktionen und dem Krieg. Sei denn mit dem Krieg gedroht worden? Die Regierung babe immer nur daran gedacht, daß sie Bündnisse schließen
wolle und daß sie Mussolini für diese Bündnisse brauche. Die Regierungspolitik laufe auf Bündnisse solcher Art hinaus, wie sie 1914 den Krieg herbeigeführt hätten.
Hierauf erhob sich der Innenminister Sir John Simon, um Attlee zu antworten. Daß der Völkerbund einen schweren Rückschlag erlitten habe, sei bedauerlicherweise richtig. Es sei nicht gelungen, die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit eines Völkerbundsmitgliedes aufrecht zu erhalten. Die Frage sei aber, ob dieser Fehlschlag die Schuld der britischen Regierung sei
Die Opposition fragte, ob die Regierung einen Angriff Italiens aus England fürchte. Darum drehe es sich nicht. Der Punkt, um den es sich drehe, sei, daß die Lage nur durch eine militärische Aktion des Völkerbundes und seiner Mitglieder gewandelt werden könne. Man müsse die Lage so hinnehmen, wie sie sei. Man könne sie nur ändern, wenn man die Mitglieder des Völkerbundes zu militärischem Vorgehen bereitsinden würde. Tatsache sei, daß kein einziges Mitglied des Völkerbundes bereit sei, Gewalt anzuwenden. Die Opposition habe lächerliche Dinge gesagt.
Er, Simon, zweifle nicht daran, daß die britische Flotte zeigen würde, was sie könne. Aber angesichts der gegenwärtigen Lage in Europa und der schweren Gefahren, von denen England näher der Heimat umgeben sei, sei er nicht bereit, auch nur ein einziges Schift zu opfern, selbst wenn es sich um eine erfolgreiche Seeschlacht für die Sache Abessiniens handele. Dann werde gefragt, warum
man die Sanktionen nicht fortsetze? Ob sie Schaden brächten? Er erinnere hier daran, oaß dem Handel Englands sieben Millionen Pfund Sterling Verluste entstanden seien. So lange triftiger Grund bestanden habe, die Sanktionen fortzusetzen, habe man diese Verluste tragen müssen. Er sei aber nicht der Ansicht, daß man die Sanktionen fortsetzen dürfe, weil die Verluste „nur" sieben Millionen Pfund Sterling betragen hätten. Es sei mutiger, die Sanktionen aufzuheben als sie fortzusetzen.
Deshalb verkehre England seine Politik der Verpflichtung auf den Völkerbund noch lange nicht in ihr Gegenteil. Man diene dem Völkerbund besser, indem man den Wirklichkeiten ins Gesicht sehe und prüfe, wie der Völkerbund gestärkt werden könne, um solche Schläge und Enttäuschungen in Zukunft zu vermeiden. Die Arbeiteropposition habe, so stellte Simon fest, kürzlich gegen den Ergänzungshaushalt für die Unterhaltung der Streitkräfte im Mittelmeer und ebenso gegen die Ausgaben für diese Streitkräfte überhaupt gestimmt. Er verlange daher, daß der Mißtrauensantrag abgelehnt werde.
Der Konservative Emry Evans griss die Sanktionsfreunde lebhaft an. Düs Land habe ein Recht zu wissen, ob die Arbeiterpartei bereit sei, bis zum Kriege zu gehen, um die Unabhängigkeit Abessiniens wiederherzustellen. Die unmittelbaren Interessen Englands lägen längs der Grenzen Belgiens. Hollands und Frankreichs. Die französische Armee sei der Schutzschild, hinter dem England wieder ausrüsten könne.
Veclin und Paris
vlums „Sicherkeils"-Poli1ik
ir. K4ü. Der französische Ministerpräsident Blum hat in seiner mit Spannung erwarteten außenpolitischen Erklärung, die gestern im Senat und in der Kammer zur Debatte gestellt wurde, in bemerkenswerter Weise auch zur Frage der deutsch-französischen Verständigung Stellung genommen. Dabei ist ihm zunächst ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Irrtum unterlaufen. Der Chef der Pariser Regierung wünscht für West- europa ein Abkommen, „das der am 7. März eröffneten Krise ein Ende bereitet". Um dies hier sofort richtigzustellen: Nicht am 7. März. dem Tage der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit im Rheinland, sondern mit der Inkraftsetzung des Versailler Unfriedensvertrages begann jene Krise, die pon Jahr zu Jahr das Verhältnis zwischen den
Der thüringische Ministerpräsident Marschier setzte sich aus der Wasserwirtschaftstagung in Saalfeld für die baldige Inangriffnahme der Werra-Kanalisierung ein, da die thüringische Exportindustrie eine Verbindung mit dem Seehafen Bremen dringend benötige. (Ausführlicher Bericht im Handelsteil.)
Völkern vergiftete und mit der Unterzeichnung des französisch-sowjetrussischen Militärpaktes ihren Höhepunkt erreichte. Am 7. März aber schuf der Führer die Voraussetzungen für eine vernünftige und damit dauerhafte Ueberwindung der Krise!
Was Blum dagegen über die Friedenserklärung des Führers gesagt hat, wollen wir als eine durchaus positive Aeußerung festhalten. Indem Frankreichs Ministerpräsident ausdrücklich versichert, man müsse die Worte Adolf Hitlers ernst nehmen, weil der Führer als Frontkämpfer gesprochen habe, bekennt sich der verantwortliche Leiter der französischen Politik grundsätzlich zur Möglichkeit und Notwendigkeit einer Verständigung zwischen den beiden Nationen. In der gleichen Richtung bewegt sich die Andeutung Blums, man werde am Quai d'Orsay die deutschen Vorschläge in dem aufrichtigen Wunsch prüfen, in ihnen eine Abkommensgrundlage zu finden. Es versteht sich von selbst, daß die englischen Rückfragen, die der Pariser Kabinettschef in diesem Zusammenhang erwähnte, in Berlin mit der Sorgfalt und Gründlichkeit beantwortet werden, die der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessen sind. Irgendwelches Drängen auf Beschleunigung der deutschen Antwort ist also schon aus diesem Grunde nicht am Platze. Sodann: Der Erklärung, daß mit der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen der Erfolg der Anstrengungen im internationalen Abrüstungswerk eng verbunden ist, stimmen wir restlos zu; wir möchten nur wünschen, daß sich von französischer Seite aus zu dieser Erkenntnis nicht erst dann die Tat gesellt, wenn es schon zu spät ist. Ganz ungeeignet erscheint uns zur Erreichung dieses Zieles die Kontrolle der Krieaswaffenher- stellung durch eine internationale, in Genf sitzende Kommission, denn nur das gegenseitige unmittelbare Vertrauen von Staat zu Staat kann hier die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bilden.
So klar und vernünftig die Ausführungen Leon Blums über das deutsch-französische Verhältnis in mehrfacher Hinsicht auchwaren. um so starker müssen seine rückhaltslos zu- stlmmenden Aeußerungen zum französisch-sowjetrussischen Militärpak t enttäuschen. Was von der Bemerkung zu halten ist, der Russenpakt sei von der gemeinsamen Sorge um den Frieden vorgeschrieben worden, haben die Vertreter der Kammeropposition in der gestrigen Aussprache über die Regierungserklärung wirkungsvoll genug unterstrichen. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß in der Begründung der friedenstörenden Zusammenarbeit zwischen Paris und Moskau nicht mit offenen Karten gespielt wird. Vielleicht liest man an der Seine einmal nach, was der Bürgermeister von Versailles. Gaston Henrn- Haye der seit langem für die Verständigung Frankreichs mit Deutschland eintritt, für das ftum-Heft der deutschen „Europäischen Revue mit Bezugauf den französisch-sowjet- russlschen Beistandspakt geschrieben hat: „Es