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rteramtlrctie Tageszeitung
Hachrichlenblatt der Deutschen flrbeitsstont Dremen
flmtsblatt des Senats der Freien kjansestadt Dremen
Zllchemt .mal wöchentlich. Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. 30 Pf. Zustellungsgeb.; durch die Post AM'.SM emschl Uberweisungsgeb ausschl. Postbestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck: Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung od. Ersatz. NS.-Gauverlag Wes er-Ems G. m. b. H.. Bremen, Gecken 6/8 / Fernsprecher: L41 21 und 511 15.
Nr. r?0 / 6. Jahrgang
Vas amtliche verkündungsblatt des lieichsstattl ialters in Oldenburg und Vremen
Sonnabend, 2S.Juni1SZ6
Anieigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Pf.< die 70 -mm-Zeile im Textteil 7b W. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a.) solme sm Span s" 16 llbr'
liste 6 (Nachlaßstassel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahm^chluß 16 Uhr.
Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schriftleitung Dienstag und Freitag 12^-13^ Uhr.
kinzelpreis lS Npf.
Verständnis artverwandter Länder füreinander
iieichstagung der Nordischen öeselischast eröffnet
flufartung der Familien
Lübeck, 20. Juni.
Die 3. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft wurde gestern vormittag in der Lübecker Stadthalle eröffnet. Der Feier voraus ging eine Sitzung des Große» Rates, in der über die Tätigkeit der Nordischen Gesellschaft im abgelaufenen Jahre Bericht erstattet wurde. Zu der Eröffnungsfeier
Unser logssspisgsl
Edens Erklärungen im Unterhaus fanden den Beifall des größten Teiles der englischen Presse.
Der Streik in Belgien zeitigt schlimme Aufruhrerscheinungen.
In Schwede» wurde eine Regierung des Vauernbundes gebildet.
In Lübeck wurde die dritte Reichstagung der Nordischen Gesellschaft eröffnet.
Die erste Teilstrecke der Reichsautobahn Königsberg—Elbing wurde dem Verkehr übergeben.
Gelegentlich der gestrigen Sonnenfinsternis wurde von der Sternwarte Berlin-Vabels- verg ei« neuer Stern entdeckt.
Bon der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt wurde eine neue Schisfssorm gefunden.
In Eisenach wurde der Deutsche Bauerntag abgehalten.
Ln der Bahr beginnt heute das große Fahr- und Reitturnier.
Die bremischen Amtsleiterinnen der NS.- Frauenschast kehrten von Norderney zurück.
hatten sich Vertreter des Reiches und der Länder, der Reichsleitung, der Partei, die Mitglieder des lüveckischen Senats sowie zahlreiche führende Persönlichkeiten aus Staat. Partei, Wehrmacht, aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft eingesunken.
Nach der Aufführung der „Saga" des finnischen Komponisten Jean Sibelius durch das Symphonie-Orchester Lübeck hielt der Präsident des lübeckischen Senats und Vorsitzende des Großen Rates der Nordischen Gesellschaft, Bürgermeister Dr. Drechsler, die Begrüßungsansprache, in der er im Auftrage des durch Erkrankung an der Teilnahme verhinderten Leiters der Nordischen Gesellschaft, Gauleiter und Oberpräsident Lohse- Kiel, die Erschienenen willkommen hieß und seiner Freude Ausdruck gab, daß das nordische Ausland in diesem Jahre einen weit größeren Anteil an der Reichstagung der Nordischen Gesellschaft nehme als früher.
Das seit der 2. Reichstagung verflossene Jahr sei für die Nordische Gesellschaft wiederum eine Zeit stetigen Fortschreitens in der praktischen Arbeit und in der Organisation gewesen. Die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft im Jn- und Auslande habe sich in diesem Jahre ungefähr verdreifacht und die Auswirkung ihrer Tätigkeit habe außerordentlich an Breite gewonnen. Dann sprach der Leiter der Abteilung Nord im Amt der NSDAP.
rilllo von rrocha
über „DasPersönlichkeitstzefllhl beim nordischenMensche n". Es dürfte wohl nicht zu weit gehen, so führte der Redner u. a. aus, wenn wir die Behauptung aufstellen, daß das Bewußtsein des Einzelhofs jedem nordischen Menschen im Blut stecke und daß demzufolge durch Rassen- anlagen, Umwelteinflüsse und Ueberlieferungen in allen nordischen Menschen ein Selbständig- keitsbewußtsein, ein Herr enge fühl und auch ein Einsamkeitsb edürfni s vorhanden sei, das stärker als bei sämtlichen anderen Völkern und Rassen ausgeprägt sei.
Das Persönlichkeitsgefühl des nordischen Men- schne habe, unterstützt von seinem außerordentlichen Organisationsvermögen, alle jene freiheitlichen Gemeinschaftsformen hervorgebracht, die die germanischen Völker auf den so hohen stand ihrer Kultur hinaufgeführt haben.
Ministerialdirektor 0r. Lütt
hsministerium des Innern sprach an- über „Ausartung durch Famr- leqe". Alle nord- und westeuropäischen o betonte er, gehen — volksbiologisch - dem Abgrund entgegen, tionalsozialismus sieht es daher als keine afaabe an, die Ausartung und Bestand- ^ der deutschen Familien zu gewahr- olk und Rasse haben im Mittelpunkt der litik zu stehen! Der Staat kann aber s tun. Familienpflege und Familiensinn :n Endes Probleme, die nur von den selbst gelöst werden können, mpflege läßt sich aber nicht ohne die eibem Gerade die Frau werde sich wieder
auf sich selbst besinnen müssen. Sie werde selbst- « bewußt zu den Erkenntnissen unserer germanischen Vorfahren von derHeiligkeitderEhe und der hohen Auffassung der Sittlichkeit zurückfinden müßen.
Es müsse unser Streben sein, unsere Jugend zur Achtung der Geschlechter voreinander und zur Reinerhaltung des Erb- und Rasscngutes zu erziehen, denn eine Ausartung ist nur durch geeignete Gattenwahl möglich! Wähle deinen Gefährten und Gatten aus gleichgearteter und erbgesunder Sippe! Daraus kommt es an!
Die Rassenpflege des Staates bedeutet lediglich Schutz vor Vermischung mit fremdem Blut. Rassenpflege der einzelnen dagegen bedeutet Aufstellen eines Rassenideals, eines Schönheitsideals, dem er nachzustreben gewillt ist. Die rassenverwandten Völker, besonders des nordischen Kulturkreises, sollen wissen, daß sie miteinander verwandt und neue Bande erwünscht sind.
Nie wieder darf es einen Kampf zwischen nordisch-germanischen Völkern geben. Dr. ELtt schloß mit den Worten: „Streben wir daher als Einzelmensch und Sippe nach Ausartung durch Familienpflege, treten wir ein als Volk für den Bestand Europas, für die Erhaltung unserer Rasse und ihrer Kultur!"
Zum Schluß der Eröffnungsfeier sprach
stauplomksleiter kttgenfeldt
über den nordischen Gedanken in der deutschen Wohlfahrtspflege. Nordisches soziales Denken geht wie alle anderen Lebensäußerungen nordischer Kultur von dem Primat der Ehre, von der Verantwortung und der Pflicht zur Selbsthilfe aus. Dieser Wille zur Selbsthilfe aber war nicht eigensüchtig, sondern war gestellt unter die Gemeinschaft der Familie. Mensch und Sippe sind eine Kampfgemeinschaft im Kriege wie im Frieden.
Für ihre Erhaltung lebt und stirbt der nordische Mensch.
Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege hilft als Vertreter der deutschen Volksgemeinschaft durch besondere Maßnahmen daran mit, die Grundlagen für eine gesunde und leistungsfähige Familie der Zukunft zu schaffen.
Slückwunschtelegramm des siikrers
Berlin, 20. Juni.
Die Reichstagung der Nordischen Gesellschaft in Lübeck hat an den Führer und Reichskanzler ein Telegramm gerichtet, das wie folgt beantwortet wurde: „Den zur Reichstagung in Lübeck versammelten Mitgliedern der Nordischen Gesellschaft und ihren Gästen danke ich für die mir telegraphisch übermittelten Grüße. Ich erwidere sie mit den besten Wünschen für Ihre Arbeit zur Förderung der deutsch-nordischen Beziehungen, (gez.) Adolf Hitler."
Vrußworie fllfced Nosenbergs
Reichsleiter Alfred Rosenberg hat zur dritten Reichstagung der Nordischen Gesellschaft ein Erußwort gesandt, in dem es u. a. heißt:
Die Nordische Gesellschaft hat sich mit Erfolg bemüht, die als verwandt cmpsuydenen geistigen Schätze Skandinaviens und des Ostseeraumes erneut dem heutigen Deutschland zu vermitteln und kulturschasfenden Persönlichkeiten aus dem Norden Eingang in deutsches Leben zu ermöglichen. Sie darf stolz darauf sein, daß ihre Tätigkeit auch im Norden Achtung und Anerkennung gefunden hat. Wir begrüßen deshalb alle Gäste, die nach Lübeck kommen, als Mitwirkende zur Verständigung aller Nationen des Nord-Ostsee- kreises, seiner geschichtlichen Erinnerungen und seiner kulturellen Zukunft.
NequWonsrecht in Velvien
überall marxistische Sabotageakte — kinsetzung von Militiir
Brüssel, 20. Juni.
Donnerstag abend ist in den Hauptstreikgebieten Belgiens der Bevölkerung durch Maueranschlag ein gemeinsamer Erlaß des Ministers für Landesverteidigung und des Innenministers über das Requisitionsrecht der Armee bekanntgegeben worden. Durch diese Verordnung, die Hand in Hand geht mit der Einsetzung des Militärs in den Streikgebieten, werden die Militärbehörden ermächtigt. Requirierungen in den Gemeinden vorzunehmen. Auf Grund dieser Verordnung sind die Truppenkommandeure uneingeschränkt berechtigt, Fabriken, Geschäfte und öffentliche Betriebe aller Art zu beschlagnahmen und eventuell sogar die Wiederaufnahme der Arbeit in lebenswichtigen Betrieben zu erzwingen. Die Militärbehörden sind für Entscheidungen dieser Art niemandem Rechenschaft schuldig.
Auch am Freitag hat sich die Streikbewegung weiter ausgedehnt. In der Umgebung von Lüttich machten sich Versuche bemerkbar, auch die Landwirtschaft in den Streik Hineinzuziehen. Angehörige der jungen sozialistischen Garden und Kommunisten durchführen auf Fahrrädern das Land und suchten teilweise mit Gewalt, die Landarbeiter zur Niederlegung der Arbeit zu veranlassen.
In Namur haben gestern vormittag die meisten Geschäfte geschlossen. Der Straßenbahnverkehr ruht. In Brüssel befinden sich zahlreiche Fabriken im Streik. Auch im Hafen von Brüssel ist die Arbeit niedergelegt worden. Gestern vormittag haben Streikende versucht, das Personal der großen Warenhäuser zur Arbeitsniederlegung zu veranlassen. Aus Lharleroi wird gemeldet, daß die Arbeiter der Gas- und Elektrizitätswerke in den Streik getreten seien, daß aber die Gas- und Elektrizitätsversorgung gesichert sei. In Antwerpen sind Schlichtungsverhandlungen gescheitert. In Gent hat sich der Streik auch aus das Baugewerbe ausgedehnt. In der Nähe des Hafens haben Streikende mehrere Lastwagen umgeworfen. Angesichts der drohenden Haltung der streikenden Arbeiter haben auch in Gent mehrere Geschäfte geschlossen. Die Autodroschkengesellschaften haben gleichfalls den Betrieb eingestellt. Aus verschiedenen Orten Flanderns werden Sabotageakte, gemeldet.
Lichtleitungen zerstört. An verschiedenen Stellen sind die Gleise der Staatsbahnen aufgerissen oder Hindernisse auf den Bahnkörper gelegt worden. An der Maas wurden verschiedene Schleusen- anlagen beschädigt. In Namur konnte ein terroristischer Angriff auf die kommunale Easfabrik noch im letzten Augenblick verhindert werden. Die Fabrik wurde von Polizei besetzt.
Ein weiterer ernster Vorfall, der sich in Borst bei Brüssel ereignete, harrt noch der Aufklärung. Hier ging eine der bekanntesten belgischen Ven- zinsabriken in Flammen auf. Unmittelbar nach dem Ausbruch des Feuers folgte eine Explosion der anderen. Die Benzintanks flogen unter ungeheurer Detonation in die Luft. Insgesamt wurden dabei 250 000 Liter Benzin vernichtet» während der Sachschaden im ganzen aus etwa 1 Million Frank beziffert wird. Der Brand breitete sich so schnell aus, daß es einigen im Werk befindlichen Arbeitern nicht mehr gelang, rechtzeitig die Hallen zu verlassen. Vier Arbeiter wurden dabei von den Flammen ersaßt und rannten wie lebende Fackeln umher. Sie mußten mit schweren Vrandverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Ihr Zustand ist so besorgniserregend, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Man vermutet auch bei diesem großen Schadenfeuer Brandstiftung durch Terroristen aus den Reihen der Streikenden.
Paris ostne klektriMl r
Paris, 20. Juni.
Die französische Hauptstadt ist von einem Streik des Elektrizitätswerkes bedroht. Die Arbeiter und Angestellten des Pariser Elektrizitätswerkes haben gegen die Haltung des Verwaltungsrats protestiert, der angeblich ihren Forderungen keine Rechnung getragen habe. Sie haben den Innenminister gebeten, eine allgemeine Aussprache zwischen den Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern unter seiner Leitung herbeizuführen. In einer Versammlung der Arbeitnehmervertreter wurde beschlossen, Angestellte und Arbeiter in Alarmbereitschaft zu halten.
kine verrünfabrik explodiert
(Orabtbsrioiit uvssrss Lrüssoler Nitordoitkrs)
Brüssel, 20. Juni.
Nach einer Mitteilung des belgischen Innenministeriums ist bei Jö'nappes eine Brücke in Brand gesteckt worden. Gendarmerietruppen konnten nur noch mit Mühe größeres Unheil verhüten. Strcikcp.de aus Lüttich haben nach der belgischen amtlichen Mitteilung die Fabriken am Albert-Känal überrumpelt, wo sie schwere Sabotageakte verübten. So wurden u. a. elektrische
flusnakmezustand in kowno
Kowno. 20. Juni
Der Kownoer Kriegskommandant hat gestern morgen durch Anschlag bekanntgegeben, daß er über die Stadt Kowno den Ausnahmezustand verhängt habe. Zwischen 22 Uhr und 1 Uhr ist jeder Verkehr sowie das Betreten der Straßen verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 5000 Lit oder drei Monaten Arrest bestrast. Personen, die der Polizei Widerstand leisten, werden vor das Feldgericht gestellt. Vorläufig streiken die meisten Arbeiter noch weiter.
Ni» Mmelllijs k« Zieger
weSerdoxer Zoe Louis in Uer 12 »unUe ru voüen SescMsLen
Vor 85 000 Zuschauern gelang Max Schmeling der bisher größte Sieg seines Lebens. In zwölf Runden wurde Joe Louis, der bisher unbesiegte ko.-Schläger der Vereinigten Staaten, systematisch niedergeboxt. Damit steht dem deutschen Exweltmeister der Weg zur Weltmeisterschaft, was bisher noch keinem Boxer der Welt gelungen war, wieder offen. In geradezu hervorragender Form stellte er unter Beweis — die Wetten standen 4:1 für den Neger, der noch wenige Tage vor dem Kamps äußerte, er würde unseren „Max" zerschlagen wie eine leere Whiskqflasche — daß er der wiederkommende Weltmeister sein wird. Schmeling ließ den Neger, sich seiner lleberlegenheit bewußt, in den ersten Runden angreifen, bis er in der vierten Runde Joe Louis zum ersten Mal zum Wanken
brachte. In den kommenden Runden blieb der Deutsche vollkommen überlegen und brcchte den Neger mehrmals zu Boden. Max Schmeling wartete wie immer als Boxstratege auf seinen großen Augenblick, bis er den Neger völlig in seiner Gewalt hatte.
Ii der zwölften Runde schlug er seinen jugendlichen Gegner, der in seinen zahlreichen vorausgegangenen Kämpfen noch niemals zu Boden gegangen war, endgültig auf die Bretter. Wir hoffen, daß der Endkamps um die Weltmeisterschaft auf deutschem Boden ausgetragen wird.
Die 6oxnvr als Kamorackeii. Kux ScliinolivK im Oospräclr mit ckos lwuis. (Lollirvsr - L.)
stusfiikrNcher vericht in unserer Sonntags-flusgabe
Der A-uttsck ciec LieLeL He/estiHturs ^ec DarciMtekLett
In den nächsten Tagen versammeln sich die Garantiemächte der Meerengenkonvention in Montreux, um über das Verlangen der Türkei nach einer Befestigung der Dardanellen zu beraten und zu beschließen. Die Türkei will es nicht länger dulden, daß die Tür zu ihrem Hause unter fremder Aufsicht steht. Sie will den Schlüssel selbst in der Hand haben. Bereits im Vorjahre hatte der türkische Außenminister vor dem Völkerbünde die Erklärung abgegeben, daß jede Abänderung der militärischen Klauseln der Verträge auch für die Türkei die Beseitigung der Ungleichheit zur Folge haben müsse. Er hatte damit das bestehende Regime der Meerengen gemeint und forderte die Aufhebung der die souveränen Rechte der Türkei einschränkenden Bestimmungen vom 24. Juli 1923.
Damals hatte sich die türkische Vertretung am Verhandlungstisch von Lausanne veranlaßt gesehen, neben dem Friedensinstrument ein Abkommen zu unterzeichnen durch das die Dardanellen. sowie einige anliegende Inseln für alle Zeiten entmilitarisiert wurden und nicht befestigt werden durften. England. Frankreich, Japan, Italien, Bulgarien, Griechenland und Jugoslawien traten dem Abkommen bei. Eine internationale M e e r e n g e n k o m m i s s i o n wurde unter der Aufsicht des Völkerbundes ins Leben gerufen, die darüber zu wachen hat, daß das Abkommen nicht durch vie Türkei verletzt werde. Die freie Durchfahrt für Handels- und Kriegsschiffe ist gestattet, es läge demnach nicht in der Macht der Türkei, den Anmarsch einer feindlichen Flotte vor dem Goldenen Horn zu verhindern, sie wäre einem überraschenden lleberfall wehrlos ausgeliefert. Es ist begreiflich, daß die Türkei diesem Zustand ein Ende machen und die Dardanellen dem Machtbereich der Großmächte entziehen möchte, dagegen wäre sie bereit, ein Abkommen mit den Anrainerstaaten des Schwar
zen Meeres abzuschließen, das den Interessen dieser Staaten entgegenkommen würde.
Als die Türkei vor einem Jähre die Forderung auf Aufhebung der Meerengenkonvention stellte, machten der damalige britische Außenminister Sir John Simon und Baron Aloisi gewisse Einwendungen, während Litwinow sich voll für die Türkei einsetzte. Aber da Sowjetrußland weder den Frieden von Lausanne noch die Meerengenkonvention unterschrieben hat, so hat es in dieser Angelegenheit auch keine Stimme. Japan' hat seine Uninteressiertheit in der Dardanellenfrage erklärt. Im Laufe des letzten Jahres hat sich nun die Erde nicht nur einmal um die Sonne gedreht sondern das politische Weltbild hat eine ganz andere Färbung angenommen, und die Stellungnahme der Mächte in der Dardanellenfrage hat deshalb auch eine Aenderung erfahren müssen.
Wenn England befürchten mußte, daß bei freier Durchfahrt durch die Meerengen eine sowjet- russische Flotte im Schwarzen Meer seine Stellung im östlichen Mittelmeer gefährden könnte, so ist das heute nicht mehr so sehr der Fall. Haifa und auch Alexandrien sind heute gewaltige Fleckten- basen des britischen Reiches und nach dem drohenden Konflikt mit Italien sind die englischen Positionen im östlichen Mittelmeer derart gefestigt, daß die wenigen sowjetrussischen Kriegsschiffe im Schwarzen Meer für die britische Seemacht keine Gefahr bedeuten. England hätte eher ein Interesse daran, sich die freie Durchfahrt durch die Dardanellen nicht für die eigenen Schiffe sperren zu lassen. Es gilt ferner, die „Bulgarische Schwierigkeit" zu überwinden, denn durch den Vertrag von Lausanne ist Bulgarien laut 8 4« berechtigt, im Falle einer Wiederbefestigung der Dardanellen einen Zugang zum Aegäischen Meer zu fordern, das könnte aber nur auf Kosten