Ausgabe 
(16.6.1936) Nr. 166
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parteiamtliche Tageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen flrbeitsfront Vremen

der National

flmtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt vremen

,allsten vremens

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Nr. 166 / 6. Jahrgang

Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstattli alters in Oldenburg und Vremen

Menslag, 16. Juni 1SZ6

Anzeigen-Grundpr-ise: W-22-MM.M-imAn^

beginn der Sanktionsaussprache in London

ilnsor logssspisgsl

Das englische Unterhaus wird am Donnerstag znr Sanktionsfrage Stellung nehmen.

Ganz Belgien droht der Generalstreik.

Staatssekretär Dr. Schlegelberger gab den Erbgesundheitsrichter« neue Richtlinie«.

In Berlin wurde der Reichskolonialbund ge­gründet.

Eine Reichsgerichtseutscheidung nimmt zur Frage des Anuahmeoerzugs bei Reichsmark­sperrkonten Stellung.

Die Lufthansa führt gegenwärtig in Bremen billige Schüler-Rundflüge durch.

Der Sendeleiter des Bremer Nebensenders» Hermann Jacobs, ist verstorben.

Der Appell der Langemarck-Kämpfer in Bre­men schlicht heute mit einer Helgoland­fahrt ab.

I» der GV. der Argo-Reederei wurden zuver­sichtliche Ausführungen über den Geschäfts­gang laut.

Neichskolonialbund gegründet

Bundesführer General Ritter von Epp

R. Berlin, 16. Juni.

Die 1882 in Frankfurt am Main mit dem Fürsten Hohenlohe-Naumburg als Präsidenten ge­gründete Deutsche Kolonialgesellschaft, die bis 1884 mit der von Dr. Karl Peters gegründeten Gesell­schaft für deutsche Kolonien zusammengeschlossen war, wurde am 13. Juni d. I. durch einen Be> schluh einer Vertreterversammlung ausgelöst. Ihre Aufgaben werden von dem Reichskolonialbund übernommen, der vor einigen Tagen als einge­tragener Verein in das Bereinsregister des Amts­gerichts Berlin aufgenommen wurde und nun­mehr die alleinige Organisation darstellt, die dazu berufen ist, den koloniale» Gedanken im deut­schen Volk wach zu halten.

Mit der Gründung des Reichskolonialbundes werden auch die bisherigen besonderen Frauen- organisationen, die auf kolonialem Gebiet soziale Tätigkeit entfalteten, sich auflösen und ihre Aufgaben an den Reichskolonialbund ab­treten. Die Auflösung dieser Verbände, ins­besondere der Kolonialgesellschaft darf nicht statt­finden, ohne daß die Augen der deutschen Öffent­lichkeit sich nochmals auf die ruhmvolle Tradition der Gesellschaft und auf die Namen der bewährten Kolonialpräsidenten richten, die die Gesellschaft zu Ehre und Ansehen gebracht haben: Dr. Kar! Peters und die späteren Präsidenten Herzog Johann Albrecht, Gouverneur Dr. Sei? und Gouverneur Dr. Schnee. Der Reichs­kolonialbund wird unter seinem Vundesführer, General Ritter von Epp berufen sein, die Tradition der alten deutschen Kolonialgesellschaft in Ehren zu halten.

VasprogrammdesNölchspartettages

Nürnberg, 16. Juni.

Der Führer hat das Programm des Reichs­parteitages 1936, das ihm der Reichsorgani­sationsleiter Dr. Ley vorlegte, genehmigt. Dr. Ley hatte gestern in Nürnberg den Stab der Organisationsleiter der Reichsparteitage zu­sammengerufen, um ihm die grundlegenden Aus- fübrungen seiner Richtlinien für seine diesjährige Arbeit zu geben. Er beauftragte seinen Stabs­leiter, Hauptamtsleiter Pg- Simon mit seiner Vertretung in allen Fragen des Reichsparteitages und bestimmte den Parteigenossen Amtsleitsr Krapp als Geschäftsführer der Organisations­leitung der Reichsparteitaae. Der Reichsorgani­sationsleiter verteilt die Arbeiten auf die ein­zelnen Mitarbeiter, die im wesentlichen die bisher bewährten Kräfte des Vorjahres sind. Die Or­ganisationsleitung der Reichsparteitage hat mit dem gestrigen Tage ihre Arbeit aufgenommen.

vluttaten Vanziger Marxisten

Danzig, 16. Juni.

Wie die Pressestelle des Danziger Polizei­präsidiums mitteilt, ist es am Sonnabend ver­gangener Woche in Wiesental bei Danzig nach einer privaten Meinungsverschiedenheit zu einer schweren Bluttat gekommen, bei der der 30jährige Sparkassenbuchhalter Ernst Ludwig durch einen Bauchschuß getötet und der 32zahrlge Eelderheber Paul Fressonke durch einen Rückenschuß lebensgefährlich verletzt worden ist. Beide sind Angehörige der <-S.

Die polizeilichen Ermittlungen haben noch in der gleichen Nacht eingesetzt. Die Täter, die Bru­der Reinhold und Bernhard Zelle r sowie sieben weitere ihrer Familienangehörigen sind von der Polizei festgenommen worden. Bei der polizei­lichen Untersuchung der Wohnung des Bernhard Zeller wurden zwei Päckchen hochexplosiven Sprengstoffes vorgefunden. Die Bruder Zeller sind bekannte marxistischeFunktio- näre. Reinhold Zeller ist bereits wegen Ver­stoßes gegen die Waffenbestimmungen, gefährlicher Körperverletzung, Meineid usw. u. a. mit Zucht­haus vorbestraft.

IWttauensantrag gegen den englischen Ministerpräsidenten

Kein Nücklritt kdens

London, 16. Juni.

Die große englische Aussprache über die Sank­tionspolitik wird, wie gestern im Unterhaus mit­geteilt wurde, am Donnerstag stattfinden.

^An Außenminister Eden wurden in der gestrigen Sitzung des Unterhauses verschiedentlich Anfragen gestellt, ob die britische Regierung die Sanktionen beenden und die Befugniße des Völkerbundes ein­schränken wolle oder nicht. Eden sagte, daß die britische Regierung den Wunsch habe, die Aus­sprache über die Außenpolitik zu dem frühest­möglichen Zeitpunkt vorzunehmen. Bei dieser Ge­legenheit werde er die Ansicht der britischen Re­gierung über die zu ergreifenden Kollektivver­handlungen beim Zusammentritt des Völker­bundsrates und der Völkerbundsvollversammlung, die am 26. bzw. 30. Juni stattfinden sollten, er­läutern.

Der Führer der Opposition, Athlee, teilte mit, daß die Arbeiterpartei am Donnerstag den An­

trag stellen werde, das Gehalt des Premiermini­sters zu kürzen, um eine autoritative Erklärung über die Außenpolitik der Regierung zu erhalten. Der konservative Abgeordnete Vyvyan Adams verlangte, daß Eden bei der Formulierung der zu­künftigen Regierungspolitik beachten solle, daß es für die Interessen Großbritanniens im Osten lebenswichtig sei, daß der Völkerbund Italiens groben Vertragsbruch nicht verzeihe.

Der Labour-Abgeordnete Henderson fragte, welche Folgen der Bruch des Kelloggpaktes durch Italien für die Politik Großbritanniens und der anderen Signatarmächte habe. Eden erwiderte, daß diese Angelegenheit alle Unterzeichner oes Kelloggpaktes angehe. Der Kelloggpakt sehe jedoch nicht vor, daß irgend etwas im Falle seiner Ver­letzung durch einen Unterzeichner unternommen werden müsse. Auf eine Anfrage bestätigte Eden sodann, daß der abessinische Gesandte in London nach wie vor als der akkreditierte Gesandte des abessinischen Kaiserreiches angesehen werde.

Kolonialminister Ormsby-Eore erklärte auf eine Anfrage, daß die königliche llnter- suchungskommission in Palästina ihre Arbeiten erst aufnehmen werde, sobald Ruhe und Ordnung in Palästina wiederhergestellt seien.

Zu der Mitteilung unterrichteter englischer Kreise, wonach ein Rücktritt Edens als wenig wahrscheinlich angesehen wird, schreibt der diplomatische Reuter-Korrespondent: Die ten­

denziösen Gerüchte, denen zufolge Eden gezwun­gen sein könnte, auf die Rede Chamberlains hin zurückzutreten, dürften in keiner Weise begründet sein. Diese Gerüchte werden nicht nur amtlich als unrichtig bezeichnet, sondern man darf auch annehmen, daß Chamberlains Ansichten mit denen des Außenministers übereinstimmen. Man nimmt an, daß die kommende Rede Edens in der Unter- Haus-Aussprache eine der wichtigsten Reden sein wird, die Eden bisher als Außenminister ge­halten hat. Sie wird voraussichtlich sämtliche Un­sicherheiten über die Sanktionspolitik Großbri­tanniens beseitigen.

Vorkämpfer des krb- und NMgedankens

Staatssekretär Sr. Schlegelberger aus der strbeltstogung der krbgesundkeitsrichter

Berlin, 16 Juni

Reichsminister der Justiz Dr. Gürtner hat die Vorsitzenden der Erbgesundheitsgerichte und H der Erbgesundheitsobergerichte des ganzen Reiches zu Arbei tstagungen vom 15. bis 17. Juni 1936 in Berlin und vom 22. bis 24. Juni 1936 in München zusammenberufen. Die Lehrkurse ver­folgen den Zweck, die Erbgesundheitsrichter in die ihnen durch das Erbgesundheitsgesetz übertragenen Aufgaben einzuführen und ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Verhütung erbkranken Nachwuch­ses zu vertiefen. Erfahrene Sachkenner werden in eingehenden Vortrügen die einzelnen im Ehe- gesundheitsgefetz und in dem Gesetz zur Ver­hütung erbkranken Nachwuchses bezeichneten Krankheiten behandeln.

Die Berliner Lehrkurse eröffnete gestern in Ver­tretung des auf einer Dienstreise befindlichen Reichsministers der Justiz Dr. Gürtner Staats­sekretär im Reichsjustizministerium Dr. Schle­gelberger. Er begrüßte die Erschienenen und führte u. a. aus: Unserem Volk hat die national­sozialistische Weltanschauung die Erkenntnis ver­mittelt, daß in der Uebernahme und Weitergabe von Anlagen. Fähigkeiten und Eigenschaften von Geschlecht zu Geschlecht blutgebunden die schicksal- mäßige Gestaltung einer Raste, einer Nation, eines Volkes fest verankert ist. Sie hat uns ge­lehrt, wie Schicksal und Zukunft unseres Volkes durch die Beschaffenheit seines Erbstroms bestimmt werden, welche Kraft von ihm ausgeht, wenn er rein und ungetrübt fließt, aber auch welche ver­derblichen Folgen für ein Volk dann eintreten müssen, wenn die kranken und minderwertigen

Erbanlagen sich immer mehr ausbreiten und die gesunden zu überwuchern drohend Zu meiner Freude kann ich feststellen, daß die Gemein­schaftsarbeit von Richter und Arzt be­sonders eng und für beide Teile angenehm und befruchtend gewesen ist. Noch vor einigen Tagen sind auf der Tagung der Aerzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes von zahlreichen Aerzten das verständnisvolle Verhalten der Richter in erb­lichen Fragen und ihr großes Wissen auf dem ihnen von Haus aus doch fremden Gebiet der Erbkrankheiten rühmend hervorgehoben worden.

Die Aufgabe des Erbgesundheitsrichter erschöpft sich nicht in der ordnungsmäßigen Durchführung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nach­wuchses und des einzelnen Verfahrens. Ihre Sorge muß es auch sein, die Gedanken der deut­schen Erb- und Rassenpflege immer tiefer in den Herzen und Hirnen der deutschen Volksgenossen zu befestigen. Dann werden Sie Vorkämpfer des Erb- und Rassengcdankens in der Welt sein. Im Auslande besaßt man sich immer mehr mit dem Gedanken der Erb- und Rassenpflege und erwägt in mehreren Ländern sogar die Einführung von Sterilisierungsgesetzen, die den unseren ähnlich sind.

Staatssekretär Dr. Schlegelberger wies sodann auf das Ehegesundheitsgesetz hin, durch das das Arbeitsgebiet der Erbgesundheitsgerichte wesent­lich erweitert worden ist.Ueber die Bedeutung des Ehegesundheitsgesetzes für unser Volk, für

M.

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llittwsister Hasse im Lpruiix auk üem Reitturnier cker Kavallerieseliuie Hannover. (Liebs Lporttsil.). Lebsrl-Lilitsrckisnst.

die deutsche Familie und auch für den einzelnen Volksgenossen brauche ich vor Ihnen kein Wort zu verlieren. Sie, die 214 Jahre lang als Rich­ter beim Erbgesundheitsgericht oder Erbgesund- heitsobergericht tätig gewesen sind, können die Notwendigkeit und den Wert des Gesetzes ja am leichtesten ermessen. Sie können den Segen richtig einschätzen, den das Ehegesundheitsgesetz für unsere deutsche Familie und für unser ganzes Volk haben wird. wenn es Ihnen und den mit Ihnen arbeitenden deutschen Aerzten gelingt, die Schließung von Ehen zu verhindern, die für die Ehegatten nur Leid und Elend bringen, weil sie den Keim der Zerrüttung von Anfang an in sich tragen und die für unser Volk verderblich sind, weil sie die Grundlage des Volkes, die Familie gefährden und die Volksgesundheit schädigen.

Wenn wir heute einen Blick zurückwerfen, so können wir jene Zeit kaum noch verstehen, in der Vererbung und Rasse dem größten Teil unteres Volkes unklare oder sogar fremde Begriffe waren. Nur verhältnismäßig wenige Deutsche wußten auch damals schon, daß die Erbmasse eines Men­schen sein unabänderliches Gut ist, das weder durch Ort und Zeit, weder durch Lebens­art noch durch andere Umwelteinflüsse wesentlich umgestaltet werden kann. Und doch hatte schon einer unserer großen Deutschen die Wahrheit klar erkannt und ausgesprochen:Nach ewigen,

ehernen, großen Gesetzen müssen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden." Für diese Wahrheit Künder zu sein und aus der Erkenntnis dieser Wahrheit heraus ohne Ansehen der Person gerade und unbeirrt für unser deutsches Volk zu wirken, das ist Ihre Aufgabe. Diese Tagung soll Ihnen hierzu das nötige Rüstzeug geben." Der Staats­sekretär schloß mit einem Sicgheil auf den Führer. Sodann eröffnete Ministerialdirektor Dr. Eütt vom Reichsministerium des Innern die Reihe der Fachoorträge.

krsle Nelchssiedlerschule gewelkt

Erlangen. 16. Juni.

Am Montag wurde durch Rcichsorganisation leiter Dr. Ley die erste Rcichssiedlerschule Erlangen ihrer Bestimmung übergeben. ^ dem Weiheakt hatten sich Vertreier der Partei, d Wehrmacht, der Gauleitung, der Gliederung der Partei und der staatlichen und städtischen D Hürden eingefundcn Nach den Begriißungswort des Kreisleiters und Oberbürgermeisters von E langen sprach der Siedlungsbeauftragte Dr. L i dowici. Die Siedlerschule habe die Aufgal den Siedlern Siedl erwarte und Leh siedleran die Hand zu geben, die als Führ einer Siedlergemeinschaft auftreten könnten. T Schulung dieser Siedlersührer sei auf Iahi berechnet. Dann sprach Ncichsorganisationsleit Dr. Ley. Die nationalsozialistische Bewegung ha aus einem Volk, das hoffnungslos und verzwcif, am Boden lag, wieder ein frohes und zi kunstsmutiges Volk gemacht. Die Nev lution habe sich nicht erschöpft in inneren Form und äußeren Dingen, sondern sei in das Vc hineingegangen und habe die Herzenerober Alle deutschen Menschen ohne llnterschi des Standes seien von dieser Revolution c saßt worden.

Dr. Ley ging dann auf das gewaltige Wc vonKraft durch Freude" ein, wobei er beton! daß die Partei es fertiggebracht habe, daß d Menschen heute wieder zusammenkämen ui gegenseitig in der Hilfe, im wahren Sozialism zustammenständen.Was wir heute begann- haben" fuhr Dr. Ley fort.ist noch nicht ve bereitet und vorgebildet. Aber in zwei bis di Jahren muß jeder Gau eine solche Siedlerschu haben Wir werden das gewaltige Werk a greifen >obald unsere äußere Macht gebaut i Inzwischen werden wir probieren und uns d besten Wege für dieses Werk aussuchen."

Sie Sanktionen fallen

Neform des Völkerbundes überflüflig!

* Bremen, 16. Juni 1936.

Die in London für morgen angesetzte Ka­binettssitzung und die dieser Sitzung am Donnerstag folgende Aussprache im Unter­haus über die Sanktionen mird für den künftigen außenpolitischen Kurs Englands von entscheidender Bedeutung werden.

Nachdem Neville Ehamberlain, der Cchatzkanzler Englands, frisch und frei eme Fortsetzung der Sanktionen für emeVerruckt- heit erklärte, und nachdem auch die übrigen Mitglieder der englischen Regierung in letz­ter Zeit deutlich genug zu erkennen gaben, daß England an der Fortsetzung der Sank­tionen nichts mehr gelegen sei und da man in London offensichtlich als einfach selbstverständlich erwartet, daß in Genf ein Antrag aus Fortfall der Sanktionen erfolgt und angenommen wird, ist heute nicht mehr die Frage, ob die Sanktionen aufge­hoben werden, sondern höchstens nur wer den Antrag auf Aufhebung stellt.

England, das nach Ausbruch des italienisch- abesfinischen Krieges sich mit Feuereifer darangemacht hatte, den verhängnisvollen Artikel 16 der Völkerbundssatzung auf feine praktische Brauchbarkeit hin zu prüfen, möchte sich. nachdem dies in überraschend klarer, aber dem Völkerbund nicht gerade zukömmlicher Weise geschehen ist, am liebsten möglichst geräuschlos aus der leidi­gen Angelegenheit ziehen und es einer anderen Macht überlassen, den Antrag aus Aufhebung der Sanktionen zu stellen. Eng­land brauchte sich nur diesem Antrag an­zuschließen und wäre dann ohne viel Verlust an Ansehen aus einer Sackgasse wieder herausgekommen, in die es sich in falschem Vertrauen auf den Zusammenhalt des Völkerbunds verrannt hat.

Nun scheint Frankreich England den Ge­fallen einer französischen Antragsstellung nicht tun zu wollen, und da kleinere Staaten innerhalb des Völkerbundes kaum Gewicht und Ansehen genug haben, allein mit solchem schwerwiegenden Antrag hervorzutreten, bleibt England nichts anderes übrig, als schließlich sich selbst führend einzusetzen, wenn es jetzt darum geht, die Santionen wie­der aus der Welt zu schaffen, nachdem Eng­land führend gewesen, als es galt, die Sanktionen zu beschließen. Solches braucht nicht einmal als ungünstig für die gesunde Weiterentwicklung in Genf erachtet zu wer­den. Im Gegenteil!

Indem England den Antrag, die Sank­tionen aufzuheben, stellt, ist England, das vorher den Antrag auf Anwendung der Sanktionen gestellt hat, gezwungen, ganz eingehend zu begründen, warum es zu ' einem Stellungswechsel um 180° gekom­men ist. Und es kann eine solche Begründung für den berüchtigten Paragraphen des Völ­kerbundes und somit für den Völkerbund in seiner heutigen Verfassung nur vernichtend lauten, nicht zuletzt auch vernichtend für den Gedanken der Kollektivpolitik, dessen leidenschaftlicher Vorkämpfer nach wie vor heute noch Frankreich ist.

Der Paragraph 16 der Völkerbundssatzung, demzufolge alle Völkerbundsmitglieder ge­halten waren, sich vorbehaltlos im italienisch- abessinischen Kriege gegen Italien einzu­stellen, hat, als es zum erstenmal seit Be­stehen des Völkerbundes in Wirksamkeit treten sollte, kläglichst versagt. Um Haares­breite ist Europa an der Gefahr eines allge­meinen europäischen Krieges um Abessi- niens willen vorbeigekommen; nur darum, weil selbst England dessen Interessen in Ost­afrika am unmittelbarsten bedroht gewesen sind davor zurückschreckte, die letzten Folgerungen aus dem Paragraphen 16 der Volkerbundssatzung zu ziehen, konnte die Inbrandsetzung Europas vermieden werden.

Oelsperre oder gar militärisches Eingreifen zu Gunsten Abesfiniens sind unterblieben! Und wenn es heute die allgemeine politische Weltlage wollte, das irgendwo wieder in einer Ecke der Welt oder in einer Ecke Euro- pas ein Brand ausbräche, dan» könnte nur wiederum weise Zurückhaltung aller Un­beteiligten den Frieden Europas sichern ganz entgegen dem Paragraphen 16 der Volkerbundssatzung, der bei jedem solchen

naß gleich ganz Europa ins Unheil stürzen mußte. o

Darum - und diese Folgerung sollte Eng­land demnächst in Genf deutlich werden lassen - hat der Paragraph 16 der Völkerbunds- Intzung zu verschwinden, wenn nicht der Völkerbund selber verschwinden will oder wenn Europa nicht eines Tages um eines verhängnisvollen Paragraphen der Völker­bundssatzung willen in unermeßliches Unheil

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