Ausgabe 
(16.10.1936) Nr. 288
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parteiamtliche Lageszeitung

iiachrichtenblatt der Deutschen prbeitssront Dremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt Vremen

Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Bremen

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Nr. 2S8 / 6. Jahrgang

sreitag, 16. Vklober 1956

kmzelpreis 15 Npf.

velgiens Schritt erregt entsetzen in Paris

Zusammendruckt der tocarno-polltik / Frankreich vor den Irümmern seiner sowjethöclgen Außenpolitik

Nach der Nede König Leopolds

Paris, 15. Oktober.

Die Rückkehr Belgiens zur strengen Neutrali­tät und die damit verbundene Loslösung Brüssels vom Pariser Schlepptau, wie sie aus der Rede des Königs der Belgier hervorgeht, hat in Paris

Unssr lagssspisgvl

In Frankreich ist man fassungslos über Bel­giens Neutralitätserklärung.

In Paris klettern die Preise weiter in die Höhe.

Eencral Franco wies die Uevergabebedingun- gen der Roten Madrids zurück.

zg sowjetrnssische Flugzeuge sollen Bilbao ver­teidigen.

In Bombay kam es zu schweren Unruhen zwischen Hindus und Mohammedanern.

Beim Empfang des Außenpolitischen Amtes der NSDAP. geigelte Reichsleiter Rosenberg die bolschewistische Zersetzungsarbeit.

Im nördlichen Vourtanger Moor wurde das Emslandhaus" durch Gauleiter Röver ein­geweiht.

Die Hackfrnchternte wird beträchtliche Mehr­erträge liefern.

DieNordsee" hat ein Neubauprogramm für zehn Hochseesischdampfer emtwickelt.

Der 4. deutsche Volkskundetag in Bremen schloß mit einer lehrreichen Studienfahrt.

Unermeßlichen Schaden richtete ein Riesen­feuer in Nowawes an.

... ....

sachlich wie stimmungsmäßig wie eine Bombe ein­geschlagen. Die Vorzeichen die Rede des bel­gischen Außenministers Spaak hatte man in Paris nicht ernst nehmen wollen. Man ist sich darüber klar, daß der selbständige belgische Schritt die Aussichten eines Westpaktes völlig ändern werde und daß die französisch-belgische Eeneral- stabszusammenarbeit aufgekündigt sei.

DasJournal" schreibt, Belgiens Verzicht auf alle einseitigen Verbindlichkeiten scheine nicht nur die Absicht anzukündigen, den gegenseitigen Bei­stand ablehnen zu wollen, sondern das französisch- belgische Abkommen überhaupt. Man müsse sich sogar fragen, inwieweit dieser Entschluß mit den Veistandspflichten nach Art. 16 der Völkerbunds- satzungen vereinbar sei. ImPetit Pari-sien heißt es, durch die Rückkehr zur Neutral r- tätsstellung von 1S14 befreie sich Velaren von den Beistandsverpflichtungen des Westpaktes, verliere aber auch seine Vergünstigungen, nämlich den Beistand der drei Großmächte. Was die Bel­gier vor allem geschreckt zu haben scheine, seien die Verstandsverpflrchtungen des französisch- sowjetrus fischen Paktes.

DieLivertö" schreibt:Der Grund für die plötzliche Schwenkung der diplomatischen Front Belgiens liegt auf der Hand, der fran- zösisch-sowjetrussische Pakt, das neue Bündnis mit Sowjetrußland.

DasEcho de Paris" sagt, Deutschland habe die Verpflichtungen aus dem Westpakt im März auf­gekündigt, Italien im Juni, jetzt mache sich Bel­gien aus dem Staube. Werde Belgien wenigstens an Sühnemaßnahmen gegen den Angreifer teil­nehmen oder Truppen eines dritten Staates, die an einer kollektiven Aktion teilnehmen, den freien Durchzug durch Belgien gestatten? Die Rede des Königs' enthalte keinerlei Anspielung auf diese internationale Verpflichtung.

Die Tatsache, daß künftig auch an der velgisch- sranzöfischen Grenze belgische Truppen Standorte beziehen, lasse das aktive Vorhandenesein der neu­tralistischen Aufsassung durchblicken. Der neue belgische Kurs schasse politisch und strategisch einen neuen Zustand. Die französisch-englischen Militär­abkommen liefen ohne die belgische Stütze Gefahr, an Wirksamkeit zu verlieren. Frankreich bezahle jetzt seine sozialen Experimente. Sogar die wal­lonischen Sympathien seien ihm entfremdet.

Oeuvre" fordert, daß auch London genau so energisch wie Frankreich gegen einederartige Verletzung der internationalen Verpflichtungen durch ein kleines Land" protestiere. Das ganze internationale politische System der Zeit des Friedensvertrages sei zu einem Nichts geworden. Die kollektive Sicherheit, so schließt dasOeuvre", erhalte einen schweren Schlag, und schließlich wi das ein ungeheurer Erfolg für Deutsch­land, das ja auf die zweiseitigen Abkommen hinsteuere.

Paris Midi" schreibt: Belgien bricht mit dem Pakt von Locarno. Der Quai d'Orsaq hat dies erst aus der Presse erfahren. Belgien will keine internationalen Verpflichtungen mehr eingehen. Wohl ist es bereit, Gegenstand einer Garantie zu sein, aber es will nicht mehr Bürge sein. Es »er­starrt seine Armee, aber es will sich nur ver­teidigen, wenn es unmittelbar angegriffen wird.

Die Mehrzahl der Projekte an denen seht den letzten Monaten die französische und die englische Diplomatie arbeite, sei damit zu Wasser ge­gangen. Man müsse sich mit London jetzt über die Rückwirkungen des belgischen Schrittes ins Ein­vernehmen setzen.Jntransigeant" sagt, Bel­gien habe mit Verkündung seiner Neutralität sein Bündnis mit Frankreich gebrochen, den Locarno- Vertrag aufgekündigt und dem Völkerbund den Rücken gekehrt.

-,kine vombe"

London, 15. Oktober,

Die außenpolitische Erklärung des Königs der Belgier hat in London allergrößtes Aufsehen her­vorgerufen. Die Blätter bringen sie in großer Aufmachung.Belgien setzt Europa in Erstau­nen", lautet die fettgedruckte lleberschrift der Evening News". Das'Blatt schreibt, daß König Leopold eine Bombe in die internationale Poli­tik geschleudert und damit die Diplomaten Euro­pas in Bestürzung versetzt habe.

Berlin, 15. Oktober

Der Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Reichsleiter Alfred Rosenberg, hatte für Donnerstag abend die Vertreter der auswärtigen Diplomatie und Presse zu einem Empfangsabend in den Terrassensaal des Adlon gebeten. Es handelte sich um die 25. Zusammen­kunft dieser Art seit Bestehen des Amtes.

Gleich zu Beginn des Abends ergriff Reichs­leiter Alfred Rosenberg das Wort, um u. a. aus­zuführen: Die NSDAP. habe nicht zufällig be­reits zweimal das ThemaBolschewismus und die Welt" auf den Nürnberger Partei­tagen behandelt. Es ständen sich nicht Proletariat und Bürgertum, nicht Bolschewismus und Faschis­mus gegenüber, sondern der Weltbolschewismus und Europa überhaupt. Der französische Schrift­steller Pierre Fervaque sei während des Krieges gemeinsam mit dem jetzigen rotenMarschall" Tuchartschewski in Deutschland gefangen gewesen. Er teilt mit, Turchartschewski habe angesichts der revolutionären Zustände erklärt, es sei ihm gleich, ob er unter den weißen Generalen oder der roten Fahne kämpfe, er wolle jedenfalls alles niederreißen undreinen Tisch" machen. Hier trete der Haß als Motor der Welt­politik in Erscheinung, nicht nur in diesem einenMarschall" der Roten Armee, sondern als eine kollektive Erscheinung, der Haß der Steppe gegen alle europäische Staatlichkeit, verbündet in unserem Zeitalter mit einer jüdischen Welt­verschwörung. Die Weltrevolution sei nach wie vor das eigentliche und wahre Schlachtgeschrei des Bolschewismus, und angesichts dieses Phänomens

Reuter meint, der belgische Wunsch nach einer Rückkehr zur Vorkriegsneutralität sei in letzter Zeit aus zwei Gründen neu belebt worden, näm­lich erstens durch die britische Locarno-Note vom 18. September und zweitens durch die Tatsache, daß Belgien der Regierung Blum in Frankreich und dem französisch-sowjetrussischen Bündnis ab­lehnend gegenüberstehe. Vom Standpunkt der britischen und der französischen Sicherheit würde eine Rückkehr Belgiens zum Neutralitätsstatus einen schweren Schlag bedeuten. Im Falle einer strengen Neutralität Belgiens wären Eeneral- stabsbesprechungen zwischen Belgien, Frankreich und England unmöglich. Auch würde es dann eine Verletzung der belgischen Neutralität sein, wenn bei einem europäischen Konflikt englische und französische Flugzeuge belgisches Gebiet über­stiegen. Außerdem entfalle für England und

könne es nur Mitleid erwecken, wenn man die Armee einer Weltzerstörung zu gut bürgerlichem Leben einer Biedermeierzeit überreden wolle. Ebenso gut könnte man einem Mann mit epilep­tischem Anfall dieKritik der reinen Vernunft" zu lesen geben!

Ein weiterer Köder des Bolschewismus sei der Begriff eines unteilbaren kollektiven Friedens. Einige europäische Staatsmänner glaubten ehrlich, vielleicht auf diese Weise eine Beruhigung der Welt herbeizuführen und erblick­ten in der Tatsache, daß der Bolschewismus sich scheinheilig diese Parole zueigen mache, in ihm einen Bundesgenossen. Die Rede Litwinows in Genf aber habe nur den einen Willen gezeigt, alle Mächte gegen jene zu sammeln, die die bol­schewistische Diktatur bei sich zu Hanse überwun­den hätten. Von einer Betätigung für einen wirk­lichen kollektiven Frieden sei nicht die Rode gewesen, sondern umgekehrt: Unter Litwinows Befehl habe neuerdings der Kommunist ich sage nicht Franzose Thorez eine empörende Rede gehalten, der die gleiche Tendenz zugrunde lag.

Wir wollen," so fuhr Reichsleiter Rosenberg fort,das französische Volk aber nicht mit dem Thorez verwechseln, der heute im Auftrage einer fremden Macht gegen Deutschland hetzt." Er ver­sage sich, die Beschimpfungen des Führers hier anzuführen. Er wolle nur feststellen, daß niemals ein nationalsozialistischer Führer oder Minister das französische Staatsoberhaupt angegriffen habe, ja, auch nicht den Ministerpräsidenten

Frankreich der Vorteil, im Kriegsfall belgische Flugzeugstützpunkte oder belgische Horchposten be­nutzen zu können.

stuf der Linie Mussolinis

Rom, 15. Oktober.

Obwohl man in Abwesenheit des italienischen Regierungschefs und des Außenministers in amt­lichen Kreisen zum Neutralitätsbeschluß der bel­gischen Regierung noch größte Zurückhaltung an den Tag legt, läßt man am Donnerstagabend in unterrichteten italienischen Kreisen doch erkennen, daß die belgischen Beschlüsse von neuem die Rich­tigkeit der von Italien im Hinblick auf die Vor­bereitung des West Paktes gemachten Vorbehalte bestätigen.

Man sehe ferner in der neuen belgischen Po­litik ein wichtiges Element des Aufbaues, das sich auf der Linie der von Mussolini seit langem befolgten Realpolitik entwickeln werde.

Blum, geschweige denn, daß diese Persönlichkeiten beschimpft worden seien.

Die Rede Thorez' habe in Deutschland eine be­rechtigte starke Erregung hervorgerufen. Deutsch­land vergesse darüber aber nicht, daß der Zweck dieses Kommunisten gewesen war, eine ehrliche Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich zu verhindern, das heißt also: Der Kommunis­mus will keinen Frieden, geschweige denn einen kollektiven Frieden, sondern er will die Zerstö­rung jener Staaten, die er noch nicht unterjocht hat und den Zustand einer ewigen Unruhe.

Darum haben," so sagte Reichsleiter Rosen­berg,die europäischen Nationen alle Ursache, Friedenspakte anzustreben, aber zu verhindern, daß professionelle Giftmischer dabei stören. 2m übrigen: Wie kommen ausgerechnet die Leute der Dritten Internationale dazu, Europa belehren zu wollen? Millionen verwahrloster Kinder laufen in der Sowjetunion herum, furchtbare Hunger­tode und Vernichtungen ganzer Völkerschaften sind dieErfolge" des Sowjetregimes gewesen. Wir hoffen, daß die Erkenntnis fortschreitet, daß nicht ausgerechnet der Verwahrlose sie zur Führung und Belehrung berufen ist." Aus diesem Gesichtspunkt heraus zeige sich auch/ daß ebenfalls von der Sowjetseite der französisch-sowjetrussische Pakt nicht als Beitrag zum kollektiven Frieden, sondern zu einer unter bolschewistischer Führung stehenden Blockbildung gedacht war.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Me Überraschung von heute

ISO. Bremen, 18. Oktober.

Das ist die Ueberraschung von heute. Bel­gien hat sich frei gemacht von den Bindungen des Vertrages von Locarno und hat aller Welt kundgetan, daß es nicht gewillt ist, den Angstzuständen Frankreichs zuliebe die Ge­fahr eines Krieges für Rußland aus sich zu nehmen. Belgien hat mit einem entschlosse­nen Schritt sich außerhalb des Kreises fran­zösischer Bevormundung gestellt, deren Ziel­streben mit hartnäckigem Eigenwillen unter dem Gesichtspunkte, angeblich sich sichern zu wollen, die Einkreisung Deutschlands ver­folgte.

Mit dem mannhaften Entschluß, womit Belgien seine Willensfreiheit sich zurück­gewann. steht die französische Außenpolitik vor den Trümmern einer Staatskunst von drei Jahrzehnten, und der Nervenstotz, wo­von sich die französische Oeffentlichkeit heute betroffen suhlt, ist begreiflich angesichts der Tatsache, daß nunmehr nicht bloß Frank­reichs politische Lage, sondern durch die von Belgien zurückgewonnene militärische Selbständigkeit auch Frankreichs strate­gische Lage sich zu Frankreichs Ungunsten gewandelt hat. Kein Wunder, wenn ganz Paris von Erregung und Entsetzen ersaßt ist.

wie das so kam?

Ein großes Rätselraten hat in der fran­zösischen Hauptstadt begonnen, wie die in Frankreich gänzlich unerwartete und übri­gens auch sonst vielfach völlig überraschende Kursschwenkung Belgiens möglich gewesen ist. Das Rätsel ist leicht zu lösen, wenn man folgerichtig denkend ermißt, daß Belgien als Staat schließlich belgische und nicht fran­zösische Politik machen kann und daß die Verantwortlichkeit König Leopolds es nicht zulassen darf, daß das belgische Volk ein zweites Mal für Frankreich leidet und' blutet, daß Belgiens Boden ein zweites Mal Vorfeld eines französischen Krieges wird.

An Krieg, Krieg und wiederum Krieg denkt man ja seit dem unglückseligen Ver­trag von Versailles in Frankreich und mehr noch in Paris, obschon man Krieg im französischen Volke ganz gewiß nicht und wohl auch nicht bei den Regierenden will. Rein aus Angstzuständen, die in Keiner Weise zu begründen sind, aber leider das Streben und Handeln Frankreichs seit Jah­ren bestimmen, hat man in Paris in der Meinung, alles tun zu müssen, was Frank­reich in einem neuen Kriege stark und sieg­reich machen könnte, gerade das getan, wo­mit man die Kriegsgefahr Europas för­derte. Oder war das französisch-sowjet- russische Bündnis etwas anderes als die Heraufbeschwörung einer ungeheuren Ge­fahr für Europa, dessen Totengräber, wie das Äeispiel Spaniens zeigt, die Sowjets so gerne sein möchten?

In Spanien die Volksfront, in Frankreich die Volksfront! Der Gleichlauf der politischen Entwicklungslinie ist zu deutlich, als daß er übersehen werden könnte. Und wenn auch die Entwicklung in Spanien bereits viel, viel weiter gediehen ist als noch in Frankreich: es ist immer ratsam, wenn ein Haus in Brandgefahr ist. daß das noch ungefährdete Nachbarhaus die allzu dichten Verbindungen mit dem gefähr­deten Hause abreißt und das noch-ungefähr­dete Haus sich isoliert. Neutralitäts­politik nennt man dies im Falle Bel­giens, das seine Bindungen mit Frankreich loste, und kein klarer Kopf wird sich darüber wundern.

Frankreich aber hat keinen Grund, sich über die Folgen seiner verhängnisvollen Politik zu beklagen. Wenn es klug ist, läßt es endlich ab von seinem Wahn, als ob Deutschland sein Feind wäre und handelt

Vrvmktvivlvrllas S«s «Evs Ses Vsutnvke» k«el,ts in a«r N»upt«t«St ckvr kevezun«. Vm 24. Oktober kinckvt in Mankoo. Äsr^tt'auckstsck äsr Serrszunz. äis krunckstswlozuiiz ckss llsnsss äss Deutschen kseiits statt. Unser öilck reizt äas kertize KoäsII ävs zsplsntsn Xsubanss.

wir wollen Kesundung, nicht Zersetzung!"

Neichsleiter kosenberg geißelt vor Sem Diplomatischen Korps den volschewismus