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Nr. 14? / 6. Jahrgang
Mittwoch, r?. Mai 1g;e
kinzelpreis 15 Npf.
Heller fluftuhr in PaWlna
firaber setzen Maschinengewetzre em / öefangnisstürme und vomdenattentate / Warnung des britischen gberkammissars
Unse^ Vagssspisgsl
Die Wahlen zur Memeler Stadtverordnetenversammlung brachten den Memeldeutschen wieder die absolute Mehrheit.
In Ostoberschlesten kam es zu schweren Ausschreitungen gegen Minderheitsdeutsche.
Dr. Goebbels empfing den ungarischen Kultusminister Dr. Homan.
Auch die Senatswahlen brachten in Belgien der Katholischen Partei eine schwere Niederlage.
Ein grauenvolles Fiihrunglück ereignete sich in Polnisch-Miihren.
In Koblenz begann ein aufsehenerregender Prozeß gegen 288 Franziskanermönche.
Ein großzügiger Plan sieht die Ausgestaltung der linksseitigen Weserniederung nor.
In Huckelriede wurden abermals Kasernen- Neuanlagen festlich gerichtet.
In Vegesack wurde gestern das neue Strandbad der Öffentlichkeit übergeben.
Durch den sichrer ausgezeichnet
Berlin, 27. Mai.
Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vorn 30. April 1936 verliehen: s.) die Rettungsmedaille am Bande: dem Hauer Heinrich Althoff in Wanne-Eickel, dem Autoschlosser Ewald Casimir in. Königsberg (P.r.s, dem Abteilungssteiger Friedrich Nolte in. Wanne- Eickel, dem, Studenten Werner Schülte-Döinghaus in Berlin, dem Fahrhauer Jakob Schulz in Mit- telbexbach - Saarland, dem Gefreiten Walter Wolfin Bremen; d) die Erinnerungs- m e d aille für Rettung aus,Gefahr: dem Postschaffner Andreas Kaspar in Haar, B. A. München.
Zuchthausstrafen für Landesverräter
Berlin, 27. Mai.
Die Fustizpressestelle Berlin teilt mit: Der 27jährige Herbert Preußaus Tilsit ist durch Urteil des 4. Senats des Volksgerichtshofes wegen Landesverrat zu lebenslangem Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden., Preuß hat rm Sommer 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht Nachrückten über Stärke und Verteilung der Wehrmacht in Ostpreußen, insbesondere über die Zusammensetzung und Bewaffnung der Gar- niscn einer bestimmten ostpreußischen Stadt gesammelt. Bei dem Versuch, diese Nachrichten in das Ausland zu bringen, ist der Verurteilte infolge der Wachsamkeit der Polizei festgenommen ' worden, so daß ihm die Ausführung seines verbrecherischen Vorhabens nicht gelungen izt.
Ferner ist der 27, Jahre alte Max Wittich ausNeiße durch Urteil des 1. Senats des Volks- gerichtshofes roe-gen Landesverrat zu zehn fahren Zuchthaus verurteilt worden. Wegen der von ihm bewiesenen ehrlosen Gesinnung und.der Gemern- gefährlichteit seines Treibens sind gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt und Polizeiaufsicht für zulässig erklärt worden. Der 'Verurteilte hat im Jahre 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht versucht, Stärke, Ausrüstung und Zusammensetzung der Garnison einer «tadt Schlesiens zu Verratszwecken in Erfahrung zu bringen.
sttm- und vuchpreis übergeben
Berlin, 27. Mai.
Reichsminister Dr. Eoebbel - übergab gestern den diesjährigen Preisträgern des.Nationalen Film- und Buchpreises, dem Regisseur Larl Froelich und dem Standartenluhrer .Gerhard Schumann, ihre. Preise. Bereits seiner Ansprache bei dem Festakt der Reichskulturkammer am 1. Mai hatte der Minister ^ Verleihung der Preise ausführlich begründet. Bei der lieb ergab der Preise gab der Minister >emer Freude darüber Ausdruck, -daß sie auch diesmal wieder ohne Vorbehalt ihren Trägern zugesprochen werden konnten für Leistungen, die große künstlerische Schonungen darstellen. Der Nationale Film-Preis >st eln .Wanderpreis und bisher sur den F-lm ..Flucht,
linge" und für den Reichsparteitagssilm -„Triumph des Willens" verllshenworÜen.Er
wird jetzt im Atelier seines neuen ^mhabers Aufstellung finden. Der Nationale Vuchpreis wurde vor zwei Jahren Richard E ur ing er mi oo-
rigen Jahr Eberhard Wolsgang Möller verliehen.
Minister homan bei vr. Soebbels
Berlin, 27. Mai.
Der königlich-ungarische ^Kultusminister , Pros. Dr. Valentin H o m an, stattet- gestern mittag m
.bei welcher Gelegenheit Fragen des deut 4
ungarischen Kulturaustausches, lnsb°,ondere au^ d-n Gebieten des Films, des Rundfunks uno Theaters sowie aktuelle Presseprobleme in votier tlebeieinstimmung erörtert wurden.
(lüigsnsi- Orsbtbsriokt ckor „Lrsmsr Leitung")
Kairo, 27. Mai
Der arabische Generalstreik hat die Formen eines offenen Aufruhrs angenommen. Alle Drohungen der englischen Behörden waren bisher fruchtlos, und auch die Verbote einiger arabischer Zeitungen haben nur wenig genutzt. Ueberall, wo sich eine Gelegenheit bietet, werden die englischen Truppen und Polizeistreifen von den Arabern beschossen, wobei sich häufig regelrechte Feuergefechte entwickeln. Teilweise wurden von den Arabern sogar Maschinengewehre eingesetzt.
Der englischen Polizei gelang es, eine arabische E e h e i in o r g a n i > a ti o n aufzudecken, deren Mitglieder sich mit der Herstellung von Bomben beschäftigten. Eine große Menge Sprengstoff konnte beschlagnahmt werden.
Auf die Anglo-Palästina-Bank in Jerusalem wurde ein Bombenanschlag verübt, Lei dem beträchtlicher Sachschaden entstand und zwei Personen getötet wurden. In der Jerusalemer Alt
stadt wurde in eine alte Synagoge ebenfalls eine Bombe geworfen, die säst das ganze Gebäude zerstörte und verschiedene Personen schwer verletzte.
Am Berg Tabor stießen gestern morgen britische Polizeistreifen auf etwa 250 Araber, die sie vergeblich zu zerstreuen versuchten. Die Polizei mußte sich schließlich aus Munitionsmangel zurückziehen. Auf der Straße zwischen Nablaus und Janin gab es bei einem Zusammenstoß mehrere Tote. In der Nähe des Hafens Gaza wurden die Eisenbahnschienen von den Arabern aufgerissen. Auf dieser wichtigen Linie, die den Anschluß nach Aegypten bildet, mußte daher der Verkehr eingestellt werden.
In der Nähe von Tel Aviv sind mehrere Wälder in Brand gesteckt. Dabei verbrannten 11 Häuser jüdischer Kolonisten. Die Araber kündigten außerdem einen Marsch nach Tel Aviv an, um den dort eingerichteten Nothafenbctrieb lahmzulegen. 5000 Mann sollen sich daran beteiligen.
In einem Ort bei Jaffa gelang es den Aufständischen, ein Gefängnis zu stürmen und etwa 200 Verhaftete, die vor kurzem wegen Beteiligung an einer Demonstration festgenommen
wurden, zu befreien. Vertreter der arabischen Wirtschaft kündigten gestern die Verschärfung des Boykotts britischer Waren an. Die britischen Erzeugnisse sollen aus allen Schaufenstern der arabischen Geschäfte verschwinden und nicht mehr verkauft werden. Die Ausrufung des allgemeinen verschärften Boykotts in ganz Palästina soll noch im Laufe dieser Woche erfolgen.
Man erwartet, daß der britische Oberkommissar in den nächsten Tagen energisch durchgreifen wird, um der Unruhen, Ueberfälle und Schießereien Herr zu werden. Vor allem werden militärische Maßnahmen erwartet. Gestern empfing er Vertreter der in Jerusalem wohnenden Juden, die sich über mangelnden militärischen Schutz beklagten und die Stationierung einer Flugzeug- staffel in Tel Aviv verlangten.
Der Oberkommissar versprach, alle Machtmittel zum Schutze der Bevölkerung einzusetzen. Zwei in Kairo eingetrossene britische Flugzeugstaffeln erhielten bereits den Befehl, nach Tel Aviv abzugehen. Sämtliche Eisenbahnstrecken wurden unter militärische Bewachung gestellt und die Araber nochmals eindringlich vor weiteren Gewalttaten gewarnt.
Sittlichkeitsoecgelien von 200 fnmMannn
Verführung zahlreicher minderjähriger sürforgepfleglinge — Trinkgelage in der Zelle eines vruders
Koblenz, 27. Mai.
Vor. der 111. Großen Strafkammer des Land- - geeichtes Koblenz, begann gestern vormittag ein Prozeß gegen weit über 200 Angehörige des Franziskaner-Vruderordens, denen schwerste sittliche Verfehlungen zur Last gelegt werden. Es handelt sich nicht nur um schwerste sittliche Vergehen der Ordensbruder untereinander, sondern auch an Pflegebefohlenen, die in den Anstalten des Ordens untergebracht waren, darunter Geisteskranke, sowie um die Versührung zahlreicher minderjähriger Fürjorgepfleglinge, die zum Teil Beichtkinder der Angeklagten waren, und schließlich um die Versuchung jünger Aspiranten.
Die Straftaten sind in sämtlichen Niederlassungen des Franziskaner-Bruderordens im Rhein- land und in Westfalen vorgekommen. Die Zahl der angeklagten Ordensbruder müßte eigentlich noch um etwa 60 höher sein. Die Fehlenden haben sich jedoch durch Versetzung in die Niederlassungen des Ordens nach Holland ihrer Festnahme entzogen. Ein großer Teil der Angeklagten hat bereits umfassende Geständnisse abgelegt. Der Prozeß, der mehrere Monate beanspruchen dürste, wird in der Weife durchgeführt werden, daß die Angeklagten laufend in Einzelprozessen sowie in kleinen Gruppen vernommen und abgeurteilt werden, da die meisten Angeklagten in'anderen Fällen wieder als Zeugen vernommen werden müssen.
Gestern vormittag begann unter dem Borsitz von Landgerichtsdirektor van Koolwyk der erste Prozeß gegen den 16jährigen Franziskanerpater Bernhard Steinhoff, gen. Bruder Leo- vigill, zuletzt im Franziskanerkloster in Waren- dorf (Westfalen), gegen den 28 Jahre alten Wilhelm Schröder aus Kohlscheid Lei Aachen, den 19jährigen Fritz V. aus Warendorf und den'18- jährigen Heinrich B. aus Warendorf. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Hattingem (Bonn a. Rh.) Zur Verteidiguna sind fünf Rechts-' anwälte erschienen. Bei der Verhandluitg waren zugegen: 'Oberlandesgerichtspräsident Dr. Berg mann (Köln) und'Generalstaatsanwalt Windhausen (Köln) sowie als Vertreter des Reichs- justizministeriums Oberregierungsrat Dr. Dörner (Berlin) und Erster Staatsanrvalt Dr. Joel (Berlin).
Der angeklagte Franziskanerpater Steinhoff, der sich seit Dezember, 1935 in Untersuchungshaft befindet, wird beschuldigt, in. der Orde-nsmederlassung Waldbreilbach sowie anderen Ordensanstalten durch vier selbständige Handlungen als geistlicher Lehrer und Erzieher mit minderjährigen Schülern und Zöglingen unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben und ferner in acht weiteren Fällen mit Personen männlichen Geschlechts widernatürliche Unzucht aetrieben zu haben. Die übrigen drei Angeklagten werden beschuldigt, mit dem erstangeklagten Steinhoff homosexuellen Verkehr getrieben zu haben. Sodann wurde der erste Angeklagte Bernhard Steinhoff vernommen. Er ist 1889 in Oelde iWestfalen) geboren, erhielt 1921 die Priesterweihe in Paderborn. Vom Mai 1929 bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1935 war er in der Niederlassung Warendorf (Westfalen) als Seelsorger außerhalb des Klosters tätig, während er im Kloster selbst die Aspiranten in Religion und Kirchengeschichte unterrichtete.
Nach Abschluß der Vernehmung zur Person wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffentlichkeit mit Ausnahme der Behörden- und Pressevertreter ausgeschlossen. Der Angeklagte Pater Steinhoff (Leovigill) bekannte sich schuldig und gab an, daß er seine Taten bereue.
Der Zweitangeklagte Schröder, der damals in Waldbreitbach Bruderaspirant war, empsing nach seinen Angaben wiederholt von Pater Leovigill Geschenke, manchmal in Bargeld, auch dann nochmals Schröder aus dem Orden ausgeschieden
war. Schröder hat danach den Pater noch zweimal, inu Kloster „besucht. Schröder erklärte, seine Tat gebeichtet zu haben und Reue zu empfinden.
Der Drittimgeklirgte Fritz B., der in' feiner Eigenschaft als Metzgerlehrling Fleisch ins Kloster brachte, würde ebensälls öfters von Pater Leovigill Mit Pralinen, Zigaretten und Geld beschenkt. Als B. krank war und zu Bett lag, besuchte Pater Leovigill den 11jährigen jungen Menschen und verging sich an ihm. In der Zelle des Paters kam es zu Trinkgelagen.
In ähnlicher Weise fand der Verkehr des Paters Leovigill mit dem ebenfalls noch jugendlichen Angeklagten Heinrich V. statt. Die Zweifel der Jugendlichen über ihr fündiges Treiben beschwichtigte der Pater mit dem Hinweis, das könne man wieder gutmachen, wenn man älter sei.
1935 wurden die Angeklagten verhaftet und in das Witticher Gefängnis eingeliefert. Bezeichnend ist, daß der Pater Leovigill den Jugend
lich«« den Rat gab, niemals etwas zuzugeben und unter Umständen auch zu,beschwören, daß nichts zwischen ihnen passiert,sei. ' j ....
Als erster. Zeuge würde sodann , der 53jährige Ordensbruder Robert Ankerer, genannt Bruder Erhard, aus dem'Mutterhaus« der Franzis- kanerbrllder in Waldbreitbach vernommen. Er sagte über die allgemeinen Verhältnisse und Zustände in den Niederlassungen der Franziskaner- brüder aus. Die Pater hätten seinerzeit das Gelübde der Keuschheit und der Armut abgelegt. Als letzter Zeuge vor der Mittagspause wurde der Arbeitgeber des jugendlichen Angeklagten Fritz V., ein Metzgermeister aus Warendorf, vernommen, der bekundete, daß Pater Leovigill oft in die Fleischerei gekommen und nach dem jugendlichen V. gefragt habe. jedoch hätten weder er noch seine Frau etwas von dem schändlichen Vorhaben des Paters gewußt. Er habe solche Ehrfurcht vor dem Ordenskleide gehabt, daß er auf einen solchen Gedanken nie gekommen wäre.
Sie Verfehlungen wurden nie verfolgt"
Nach der Mittagspause wurde der 27jährige ehemalige Franziskanerbruder Kilian M a tth e s, genannt Bruder Ladislaus, als Zeuge, vernommen. Er hat 1926 als Bruder-Aspirant in der Ordensniederlassung Waldbreitbach den Erstangeklagten Pater Leovigill kennengelernt, und ist von diesem, der ihm Unterricht in'Katechismus erteilte und gleichzeitig sein Beichtvater war, mißbraucht worden. 1931 trat Matthes aus dem Franziskaner - Orden aus. Aehnlich liegt der Fall bei dem ehemaligen Franziskanerbruder Al- fons Schils, gen. Bruder Wibald, der jetzt 21 Jahre alt ist. Erschwerend ist, daß Pater Leovigill dem Bruder Wibald dessen Lehrer und lBeichtvater-er war, nicht nur Alkohol gab. son-^ Lern aych unzüchtige Photos gezeigt hat: Schils ist.später ebenfalls aus dem Franziskaner-Orden ausgetreten. .. .
Auch der ehemalige 25 Jahre alte Franziskanerbruder Hans Broß aus Laupheim (Württemberg), gen. Bruder Alexander, gab zu, im Kloster Waldbreitbach mit dem Angeklagten Steinhoff verkehrt zu haben. Der Zeuge bekundete, daß er innerhalb,dreier Jahre in sieben Ordenshäusern gewesen sei und überall derart anormal veranlagte Patres und Lrdensbrüder vorhanden leren. 2m übrigen hat Broß, ebenso wie die beiden vorhergehenden Zeugen, eingestanden, auch mit zahlreichen anderen Ordensbrudern verkehrt zu haben.
Der 27 Jahre alte Zeuge Walter Kaiser, der sich in der Heil- und Pflegeanstalt Andernach befindet; kam 1922 infolge einer Kopfgrippe als Pflegling,. Iljährig. in die Ordensniederlassung in Waldbreitbach. Der Zeuge, der einen stark zurückgebliebenen Eindruck macht, ist, wie er angibt, von mehreren Ordensbrudern, u. a. den Brlldern Emmeran, Expeditus und Richards sowie von Pater Leovigill mißbraucht worden. Der Staatsanwalt teilte lodann mit, daß gegen Steinhoff noch eine Nachtragsanklag'e wegen sittlicher Vergehen gegen einen minderjährigen. Schüler erhoben worden ist.
Zum Schluß der Beweisaufnahme wird nochmals der Generalsekretär, der Franziskanerbruder Ankerer (Bruder Erhard), vernommen. Er sagt aus, daß der damalige Eeneralobcrcr des Ordens. Bruder Pankratius, 1931 gestorben sei. Sein Nachfolger, Bruder Alsons, der verboten hatte, über die Verschlungen zu sprechen, halte gegenwärtig in Afrika Visitationen ab. Sein Stellvertreter ist der Bruder Plazidus, der in Deutschland wegen Meineides gesucht wird und sich gegenwärtig in Rom aufhält. Dieser Bruder Plazidus ist, bevor er ins Ausland ging, bei den Franziskaner-Klöstern herumgefahren und hatte kleine
Bruderkonvents abgehalten, in denen vertraulich gesagt wurde, wer etwas ausaefressen habe, solle sofort nach den holländischen Niederlassungen gehen.
Der Anstaltsarzt der Niederlassung Waldbreitbach, Dr. Arthur Kost, bekundete, daß ihm nur zwei Fälle von Verfehlungen bekanntgeworden seien; der damalige Eeneraloberer, Bruder Pankratius, habe derartige Fälle aber nie verfolgt, sondern sei darüber hinweggegangen. Der Zeuge Brvß teilte noch mit, daß er den Eeneraloberer seinerzeit von den Verfehlungen schriftlich Kenntnis gegeben habe, daß ihm aber sein Schreiben als Frechheit ausgelegt worden und nicht verfolgt worden sei.
' Schließlich wurde noch der 51jährige Pater Georg vonder Heide, genannt Pater Mein- hard, vernommen, dem die westfälische Ordensprovinz untersteht. Er betont, daß einem Manne wie dem Angeklagten Leovigill in Zukunft jede ptiesterliche Tätigkeit streng untersagt sei. Er könne im Orden kein Amt mehr bekleiden, es bestehe außerdem die Möglichkeit, ihn in einem regelrechten Prozeß aus dem Orden auszustoßen. Ob es dazu komme, hänge von der Entscheidung beim Pater-General bei der Kongregation in Rom ab.
Als medizinischer Sachverständiger äußerte sich Dr. med. Eiden, Koblenz, daß der Angeklagte für seine Straftaten voll und ganz verantwortlich sei. Es handle sich um einen hemmungslosen, moralisch und sittlich tiefstehenden Menschen. Damit wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß das Gericht Vertagung auf heute vormittag 10 Uhr.
looooo nm. Werkstiftung
Aachen. 27. Mai.
Auf einem Kameradschaftsabend der Tuchfabrik. Rummeny in Haarem bei Aachen teilte der Betriebsführer der Firma mit, daß sich die Geschäftsleitung entschlossen habe. neben der Gewährung von 50 KdF.-Reisen eine Werkstiftung von 100 000 RM. zu errichten. Sie bat den Zweck, Wohlfahrtseinrichtungen zu fördern, sowie Werksangehörige, die mindestens zehn Jahre im Betrieb, beschäftigt waren, und deren Witwen und Waisen im Notfall zu unterstützen. In der Hauptsache aber soll die Stiftung Gefolg- ichaftsmitglied.ern, die siedeln wollen, zu dem benötigten Eigenkapital verhelfen, höchstens jedoch 25 v. H. des gesamten.Kapitals gegen, eine mäßige Verzinsung und Amortisation überlassen.
Festigung
der Kleinen kntenlel
Italiens aktive Valkanpolitik
Belgrad, 27. Mai.
Als die Anfang Mai in Belgrad zusammengetretene Konferenz der Staaten der Kleinen Entente auseinanderging, erregte in eingeweihten Kreisen die vorsichtige Formulierung ihres Schlußkommuniques ziemliche Verwunderung, Wie sich jetzt von Woche zu Woche deutlicher zeigt, lag in der damaligen Zurückhaltung eine ganz bestimmte Absicht. Man wollte in einer Zeit, in der die großen politischen Fragen alle noch mehr oder minder im Fluß waren, nicht allzu klare Fronten schaffen, sondern erst einmal abwarten, in welcher Richtung sich die Politik der Großmächte entwickeln würde. Inzwischen ist in einer Beziehung, die die Interessen der Kleinen Entente sehr stark berührt, eine gewisse Klarheit eingetreten. Es zeigte sich nämlich mittlerweile, daß Italien ganz klar und entschieden darauf hinsteuerte, seine Position im Donauraum und auf dem Balkan noch weiter auszubauen. Die verschiedenen neuen Abkommen zwischen Italien und Albanien waren der erste Schritt in dieser Richtung. Jetzt soll Bulgarien folgen, mit dem die italienische Diplomatie allmählich wieder ein besseres. Verhältnis zu schaffen bestrebt ist. Außerdem zeigten die neuen römischen Protokolle, daß Mussolini auch in diesem Punkt an seiner bisherigen Aktivität festhalten will.
Es ist daher nicht erstaunlich, wenn man in Belgrad über diese Zielsetzungen der italienischen Politik einige Beunruhigung zeigt. Schließlich stellt die Festigung des italienischen Einflusses in Albanien für Südslawien eine ständige
Zum »Lag See Sst.-6ruppe Nordsee" am 6. und 7. Zuni 19Z6 in vremen:
Junger Seemann, der Führer braucht alle Mann an Deck. Dein Platz ist in der M a r i n e - S A.
Flanksnbedrohung dar, die noch verstärkt wird durch die Wiederannäherungsversuche Italiens an Bulgarien. Dazu kommt, daß die letzte Balkankonfersnz in Belgrad bewiesen hat, daß der Balkanbund praktisch bedeutungslos geworden ist und daß Südslawien hier im äußersten Winkel Europas nur einen wirklich zuverlässigen Bundesgenossen hat: die Türkei. Angesichts dieser Verhältnisse liegt der Gedanke nahe, daß Südslawien bestrebt ist, sich anderweitig Sicherungen zu verschaffen. Diese Bemühungen können naturgemäß nur zu einer Wiederannäherung Südslawiens an die Kleine Entente und gleichzeitig an Frankreich führen. Es wäre selbstverständlich übereilt, wollte man nun von einer Wiederherstellung des Verhältnisses sprechen, wie es zwischen diesen Staaten in der Zeit der ersten Nachkriegsjahre bestand. Davon kann heute natürlich nicht die Rede sein. Unzweifelhaft aber gewinnt man in Belgrad immer mehr und mehr die Ueberzeugung, daß es im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig wäre, eine zu eigenwillige Außenpolitik zu führen, wie dies noch vor einem halben Jahre in der Absicht der maßgebenden Kreise in Belgrad zu liegen schien.
Anfang Juni soll in Sinaia in Rumänien eine Zusammenkunft der Staatsoberhäupter de, Staaten der Kleinen Entente stattfinden. Nach den hier angedeuteten Gedankengängen dürfte gerade dieser Konferenz einige Bedeutung Seizu- messen sein, denn von ihr ist zu erwarten, daß sie gemeinsame Richtlinien für eine neue Bündnispolitik zwischen den Staaten der Kleinen Entente bringen wird. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß schon seit Monaten die außenpolitische Lage der Tschechoslowakei recht schwierig geworden ist. Das Vordringen des Kommunismus in der Tschechoslowakei führte zu einer allmählichen Unterhöhlung des Präger Scheinparlamen- tarisinus. Gleichzeitig wuchsen die Spannungen zwischen den Tschechen und allen anderen Nationalitäten dieses Staates. In Rumänien liegen die Dinge, mit gewissen Einschränkungen, nicht viel anders. Hier macht sich eine wachsende Abneigung gegen den Abschluß eines Vertrages mit.Sowjetrußland bemerkbar. Außerdem beschäftigt man sich mit der Sorge, daß Rumänien durch Sowjetrußland eines Tages einfach erdrückt werden könnte und daß die russischen Truppen, wenn man sie zur Hilfeleistung für die Tschechoslowakei durch rumänisches Gebiet ziehen lassen würde, später vergessen könnten, Rumänien wieder zu verlassen. Dazu kommt das Anwachsen