Ausgabe 
(27.5.1936) Nr. 147
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iiachrrHtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen

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Das amtliche Verkimdungsblatt des Neichsstatthaiters in Oldenburg und Vremen

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Nr. 14? / 6. Jahrgang

Mittwoch, r?. Mai 1g;e

kinzelpreis 15 Npf.

Heller fluftuhr in PaWlna

firaber setzen Maschinengewetzre em / öefangnisstürme und vomdenattentate / Warnung des britischen gberkammissars

Unse^ Vagssspisgsl

Die Wahlen zur Memeler Stadtverordneten­versammlung brachten den Memeldeutschen wieder die absolute Mehrheit.

In Ostoberschlesten kam es zu schweren Aus­schreitungen gegen Minderheitsdeutsche.

Dr. Goebbels empfing den ungarischen Kul­tusminister Dr. Homan.

Auch die Senatswahlen brachten in Belgien der Katholischen Partei eine schwere Nieder­lage.

Ein grauenvolles Fiihrunglück ereignete sich in Polnisch-Miihren.

In Koblenz begann ein aufsehenerregender Prozeß gegen 288 Franziskanermönche.

Ein großzügiger Plan sieht die Ausgestaltung der linksseitigen Weserniederung nor.

In Huckelriede wurden abermals Kasernen- Neuanlagen festlich gerichtet.

In Vegesack wurde gestern das neue Strand­bad der Öffentlichkeit übergeben.

Durch den sichrer ausgezeichnet

Berlin, 27. Mai.

Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vorn 30. April 1936 verliehen: s.) die Ret­tungsmedaille am Bande: dem Hauer Heinrich Althoff in Wanne-Eickel, dem Auto­schlosser Ewald Casimir in. Königsberg (P.r.s, dem Abteilungssteiger Friedrich Nolte in. Wanne- Eickel, dem, Studenten Werner Schülte-Döinghaus in Berlin, dem Fahrhauer Jakob Schulz in Mit- telbexbach - Saarland, dem Gefreiten Walter Wolfin Bremen; d) die Erinnerungs- m e d aille für Rettung aus,Gefahr: dem Postschaffner Andreas Kaspar in Haar, B. A. München.

Zuchthausstrafen für Landesverräter

Berlin, 27. Mai.

Die Fustizpressestelle Berlin teilt mit: Der 27jährige Herbert Preußaus Tilsit ist durch Urteil des 4. Senats des Volksgerichtshofes wegen Landesverrat zu lebenslangem Zucht­haus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden., Preuß hat rm Sommer 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht Nachrückten über Stärke und Verteilung der Wehrmacht in Ostpreußen, insbesondere über die Zusammensetzung und Bewaffnung der Gar- niscn einer bestimmten ostpreußischen Stadt ge­sammelt. Bei dem Versuch, diese Nachrichten in das Ausland zu bringen, ist der Verurteilte in­folge der Wachsamkeit der Polizei festgenommen ' worden, so daß ihm die Ausführung seines ver­brecherischen Vorhabens nicht gelungen izt.

Ferner ist der 27, Jahre alte Max Wittich ausNeiße durch Urteil des 1. Senats des Volks- gerichtshofes roe-gen Landesverrat zu zehn fahren Zuchthaus verurteilt worden. Wegen der von ihm bewiesenen ehrlosen Gesinnung und.der Gemern- gefährlichteit seines Treibens sind gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt und Polizeiaufsicht für zu­lässig erklärt worden. Der 'Verurteilte hat im Jahre 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht versucht, Stärke, Ausrüstung und Zu­sammensetzung der Garnison einer «tadt Schlesiens zu Verratszwecken in Erfahrung zu bringen.

sttm- und vuchpreis übergeben

Berlin, 27. Mai.

Reichsminister Dr. Eoebbel - übergab gestern den diesjährigen Preisträgern des.Nationalen Film- und Buchpreises, dem Regisseur Larl Froelich und dem Standartenluhrer .Gerhard Schumann, ihre. Preise. Bereits seiner An­sprache bei dem Festakt der Reichskulturkammer am 1. Mai hatte der Minister ^ Verleihung der Preise ausführlich begründet. Bei der lieb ergab der Preise gab der Minister >emer Freude darüber Ausdruck, -daß sie auch diesmal wieder ohne Vor­behalt ihren Trägern zugesprochen werden konnten für Leistungen, die große künstlerische Schonungen darstellen. Der Nationale Film-Preis >st eln .Wanderpreis und bisher sur den F-lm ..Flucht,

linge" und für den Reichsparteitagssilm -„Triumph des Willens" verllshenworÜen.Er

wird jetzt im Atelier seines neuen ^mhabers Auf­stellung finden. Der Nationale Vuchpreis wurde vor zwei Jahren Richard E ur ing er mi oo-

rigen Jahr Eberhard Wolsgang Möller ver­liehen.

Minister homan bei vr. Soebbels

Berlin, 27. Mai.

Der königlich-ungarische ^Kultusminister , Pros. Dr. Valentin H o m an, stattet- gestern mittag m

.bei welcher Gelegenheit Fragen des deut 4

ungarischen Kulturaustausches, lnsb°,ondere au^ d-n Gebieten des Films, des Rundfunks uno Theaters sowie aktuelle Presseprobleme in votier tlebeieinstimmung erörtert wurden.

(lüigsnsi- Orsbtbsriokt ckor „Lrsmsr Leitung")

Kairo, 27. Mai

Der arabische Generalstreik hat die Formen eines offenen Aufruhrs angenommen. Alle Dro­hungen der englischen Behörden waren bisher fruchtlos, und auch die Verbote einiger arabischer Zeitungen haben nur wenig genutzt. Ueberall, wo sich eine Gelegenheit bietet, werden die englischen Truppen und Polizeistreifen von den Arabern beschossen, wobei sich häufig regelrechte Feuer­gefechte entwickeln. Teilweise wurden von den Arabern sogar Maschinengewehre eingesetzt.

Der englischen Polizei gelang es, eine arabi­sche E e h e i in o r g a n i > a ti o n aufzudecken, deren Mitglieder sich mit der Herstellung von Bomben beschäftigten. Eine große Menge Sprengstoff konnte beschlagnahmt werden.

Auf die Anglo-Palästina-Bank in Jerusalem wurde ein Bombenanschlag verübt, Lei dem be­trächtlicher Sachschaden entstand und zwei Per­sonen getötet wurden. In der Jerusalemer Alt­

stadt wurde in eine alte Synagoge ebenfalls eine Bombe geworfen, die säst das ganze Gebäude zer­störte und verschiedene Personen schwer verletzte.

Am Berg Tabor stießen gestern morgen bri­tische Polizeistreifen auf etwa 250 Araber, die sie vergeblich zu zerstreuen versuchten. Die Polizei mußte sich schließlich aus Munitionsman­gel zurückziehen. Auf der Straße zwischen Nablaus und Janin gab es bei einem Zusam­menstoß mehrere Tote. In der Nähe des Hafens Gaza wurden die Eisenbahnschienen von den Arabern aufgerissen. Auf dieser wichtigen Linie, die den Anschluß nach Aegypten bildet, mußte daher der Verkehr eingestellt werden.

In der Nähe von Tel Aviv sind mehrere Wäl­der in Brand gesteckt. Dabei verbrannten 11 Häu­ser jüdischer Kolonisten. Die Araber kündigten außerdem einen Marsch nach Tel Aviv an, um den dort eingerichteten Nothafenbctrieb lahmzu­legen. 5000 Mann sollen sich daran beteiligen.

In einem Ort bei Jaffa gelang es den Auf­ständischen, ein Gefängnis zu stürmen und etwa 200 Verhaftete, die vor kurzem wegen Beteili­gung an einer Demonstration festgenommen

wurden, zu befreien. Vertreter der arabischen Wirtschaft kündigten gestern die Verschär­fung des Boykotts britischer Waren an. Die britischen Erzeugnisse sollen aus allen Schaufenstern der arabischen Geschäfte verschwin­den und nicht mehr verkauft werden. Die Aus­rufung des allgemeinen verschärften Boykotts in ganz Palästina soll noch im Laufe dieser Woche erfolgen.

Man erwartet, daß der britische Oberkommissar in den nächsten Tagen energisch durchgreifen wird, um der Unruhen, Ueberfälle und Schießereien Herr zu werden. Vor allem werden militärische Maßnahmen erwartet. Gestern empfing er Ver­treter der in Jerusalem wohnenden Juden, die sich über mangelnden militärischen Schutz be­klagten und die Stationierung einer Flugzeug- staffel in Tel Aviv verlangten.

Der Oberkommissar versprach, alle Machtmittel zum Schutze der Bevölkerung einzusetzen. Zwei in Kairo eingetrossene britische Flugzeugstaffeln er­hielten bereits den Befehl, nach Tel Aviv abzu­gehen. Sämtliche Eisenbahnstrecken wurden unter militärische Bewachung gestellt und die Araber nochmals eindringlich vor weiteren Gewalttaten gewarnt.

Sittlichkeitsoecgelien von 200 fnmMannn

Verführung zahlreicher minderjähriger sürforgepfleglinge — Trinkgelage in der Zelle eines vruders

Koblenz, 27. Mai.

Vor. der 111. Großen Strafkammer des Land- - geeichtes Koblenz, begann gestern vormittag ein Prozeß gegen weit über 200 Angehörige des Franziskaner-Vruderordens, denen schwerste sitt­liche Verfehlungen zur Last gelegt werden. Es handelt sich nicht nur um schwerste sittliche Ver­gehen der Ordensbruder untereinander, sondern auch an Pflegebefohlenen, die in den Anstalten des Ordens untergebracht waren, darunter Gei­steskranke, sowie um die Versührung zahlreicher minderjähriger Fürjorgepfleglinge, die zum Teil Beichtkinder der Angeklagten waren, und schließ­lich um die Versuchung jünger Aspiranten.

Die Straftaten sind in sämtlichen Niederlassun­gen des Franziskaner-Bruderordens im Rhein- land und in Westfalen vorgekommen. Die Zahl der angeklagten Ordensbruder müßte eigentlich noch um etwa 60 höher sein. Die Fehlenden haben sich jedoch durch Versetzung in die Niederlassungen des Ordens nach Holland ihrer Festnahme ent­zogen. Ein großer Teil der Angeklagten hat be­reits umfassende Geständnisse abge­legt. Der Prozeß, der mehrere Monate bean­spruchen dürste, wird in der Weife durchgeführt werden, daß die Angeklagten laufend in Einzel­prozessen sowie in kleinen Gruppen vernommen und abgeurteilt werden, da die meisten Angeklag­ten in'anderen Fällen wieder als Zeugen ver­nommen werden müssen.

Gestern vormittag begann unter dem Borsitz von Landgerichtsdirektor van Koolwyk der erste Prozeß gegen den 16jährigen Franziskaner­pater Bernhard Steinhoff, gen. Bruder Leo- vigill, zuletzt im Franziskanerkloster in Waren- dorf (Westfalen), gegen den 28 Jahre alten Wil­helm Schröder aus Kohlscheid Lei Aachen, den 19jährigen Fritz V. aus Warendorf und den'18- jährigen Heinrich B. aus Warendorf. Die An­klage vertritt Oberstaatsanwalt Hattingem (Bonn a. Rh.) Zur Verteidiguna sind fünf Rechts-' anwälte erschienen. Bei der Verhandluitg waren zugegen: 'Oberlandesgerichtspräsident Dr. Berg mann (Köln) und'Generalstaatsanwalt Wind­hausen (Köln) sowie als Vertreter des Reichs- justizministeriums Oberregierungsrat Dr. Dör­ner (Berlin) und Erster Staatsanrvalt Dr. Joel (Berlin).

Der angeklagte Franziskanerpater Stein­hoff, der sich seit Dezember, 1935 in Unter­suchungshaft befindet, wird beschuldigt, in. der Orde-nsmederlassung Waldbreilbach sowie anderen Ordensanstalten durch vier selbständige Handlungen als geistlicher Lehrer und Erzieher mit minderjährigen Schülern und Zöglingen un­züchtige Handlungen vorgenommen zu haben und ferner in acht weiteren Fällen mit Personen männlichen Geschlechts widernatürliche Unzucht aetrieben zu haben. Die übrigen drei Angeklagten werden beschuldigt, mit dem erstangeklagten Stein­hoff homosexuellen Verkehr getrieben zu haben. Sodann wurde der erste Angeklagte Bernhard Steinhoff vernommen. Er ist 1889 in Oelde iWestfalen) geboren, erhielt 1921 die Priester­weihe in Paderborn. Vom Mai 1929 bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1935 war er in der Nieder­lassung Warendorf (Westfalen) als Seelsorger außerhalb des Klosters tätig, während er im Kloster selbst die Aspiranten in Religion und Kirchengeschichte unterrichtete.

Nach Abschluß der Vernehmung zur Person wurde wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffentlichkeit mit Ausnahme der Behörden- und Pressevertreter ausgeschlossen. Der Angeklagte Pater Steinhoff (Leovigill) bekannte sich schuldig und gab an, daß er seine Taten bereue.

Der Zweitangeklagte Schröder, der damals in Waldbreitbach Bruderaspirant war, empsing nach seinen Angaben wiederholt von Pater Leo­vigill Geschenke, manchmal in Bargeld, auch dann nochmals Schröder aus dem Orden ausgeschieden

war. Schröder hat danach den Pater noch zwei­mal, inu Kloster „besucht. Schröder erklärte, seine Tat gebeichtet zu haben und Reue zu empfinden.

Der Drittimgeklirgte Fritz B., der in' feiner Eigenschaft als Metzgerlehrling Fleisch ins Kloster brachte, würde ebensälls öfters von Pater Leo­vigill Mit Pralinen, Zigaretten und Geld be­schenkt. Als B. krank war und zu Bett lag, be­suchte Pater Leovigill den 11jährigen jungen Menschen und verging sich an ihm. In der Zelle des Paters kam es zu Trinkgelagen.

In ähnlicher Weise fand der Verkehr des Pa­ters Leovigill mit dem ebenfalls noch jugend­lichen Angeklagten Heinrich V. statt. Die Zweifel der Jugendlichen über ihr fündiges Treiben be­schwichtigte der Pater mit dem Hinweis, das könne man wieder gutmachen, wenn man älter sei.

1935 wurden die Angeklagten verhaftet und in das Witticher Gefängnis eingeliefert. Bezeich­nend ist, daß der Pater Leovigill den Jugend­

lich«« den Rat gab, niemals etwas zuzugeben und unter Umständen auch zu,beschwören, daß nichts zwischen ihnen passiert,sei. ' j ....

Als erster. Zeuge würde sodann , der 53jährige Ordensbruder Robert Ankerer, genannt Bru­der Erhard, aus dem'Mutterhaus« der Franzis- kanerbrllder in Waldbreitbach vernommen. Er sagte über die allgemeinen Verhältnisse und Zu­stände in den Niederlassungen der Franziskaner- brüder aus. Die Pater hätten seinerzeit das Ge­lübde der Keuschheit und der Armut abgelegt. Als letzter Zeuge vor der Mittagspause wurde der Arbeitgeber des jugendlichen Angeklagten Fritz V., ein Metzgermeister aus Warendorf, vernom­men, der bekundete, daß Pater Leovigill oft in die Fleischerei gekommen und nach dem jugend­lichen V. gefragt habe. jedoch hätten weder er noch seine Frau etwas von dem schändlichen Vorhaben des Paters gewußt. Er habe solche Ehrfurcht vor dem Ordenskleide gehabt, daß er auf einen solchen Gedanken nie gekommen wäre.

Sie Verfehlungen wurden nie verfolgt"

Nach der Mittagspause wurde der 27jährige ehemalige Franziskanerbruder Kilian M a tth e s, genannt Bruder Ladislaus, als Zeuge, ver­nommen. Er hat 1926 als Bruder-Aspirant in der Ordensniederlassung Waldbreitbach den Erst­angeklagten Pater Leovigill kennengelernt, und ist von diesem, der ihm Unterricht in'Katechismus erteilte und gleichzeitig sein Beichtvater war, miß­braucht worden. 1931 trat Matthes aus dem Franziskaner - Orden aus. Aehnlich liegt der Fall bei dem ehemaligen Franziskanerbruder Al- fons Schils, gen. Bruder Wibald, der jetzt 21 Jahre alt ist. Erschwerend ist, daß Pater Leovigill dem Bruder Wibald dessen Lehrer und lBeichtvater-er war, nicht nur Alkohol gab. son-^ Lern aych unzüchtige Photos gezeigt hat: Schils ist.später ebenfalls aus dem Franziskaner-Orden ausgetreten. .. .

Auch der ehemalige 25 Jahre alte Franziskaner­bruder Hans Broß aus Laupheim (Württem­berg), gen. Bruder Alexander, gab zu, im Kloster Waldbreitbach mit dem Angeklagten Steinhoff verkehrt zu haben. Der Zeuge bekundete, daß er innerhalb,dreier Jahre in sieben Ordenshäusern gewesen sei und überall derart anormal veran­lagte Patres und Lrdensbrüder vorhanden leren. 2m übrigen hat Broß, ebenso wie die beiden vorhergehenden Zeugen, eingestanden, auch mit zahlreichen anderen Ordensbrudern verkehrt zu haben.

Der 27 Jahre alte Zeuge Walter Kaiser, der sich in der Heil- und Pflegeanstalt Andernach befindet; kam 1922 infolge einer Kopfgrippe als Pflegling,. Iljährig. in die Ordensniederlassung in Waldbreitbach. Der Zeuge, der einen stark zu­rückgebliebenen Eindruck macht, ist, wie er an­gibt, von mehreren Ordensbrudern, u. a. den Brlldern Emmeran, Expeditus und Richards so­wie von Pater Leovigill mißbraucht worden. Der Staatsanwalt teilte lodann mit, daß gegen Stein­hoff noch eine Nachtragsanklag'e wegen sittlicher Vergehen gegen einen minderjährigen. Schüler er­hoben worden ist.

Zum Schluß der Beweisaufnahme wird noch­mals der Generalsekretär, der Franziskanerbruder Ankerer (Bruder Erhard), vernommen. Er sagt aus, daß der damalige Eeneralobcrcr des Ordens. Bruder Pankratius, 1931 gestorben sei. Sein Nach­folger, Bruder Alsons, der verboten hatte, über die Verschlungen zu sprechen, halte gegenwärtig in Afrika Visitationen ab. Sein Stellvertreter ist der Bruder Plazidus, der in Deutschland wegen Meineides gesucht wird und sich gegenwär­tig in Rom aufhält. Dieser Bruder Plazidus ist, bevor er ins Ausland ging, bei den Franzis­kaner-Klöstern herumgefahren und hatte kleine

Bruderkonvents abgehalten, in denen vertraulich gesagt wurde, wer etwas ausaefressen habe, solle sofort nach den holländischen Niederlassungen gehen.

Der Anstaltsarzt der Niederlassung Waldbreit­bach, Dr. Arthur Kost, bekundete, daß ihm nur zwei Fälle von Verfehlungen bekanntgeworden seien; der damalige Eeneraloberer, Bruder Pan­kratius, habe derartige Fälle aber nie verfolgt, sondern sei darüber hinweggegangen. Der Zeuge Brvß teilte noch mit, daß er den Eeneraloberer seinerzeit von den Verfehlungen schriftlich Kennt­nis gegeben habe, daß ihm aber sein Schreiben als Frechheit ausgelegt worden und nicht verfolgt worden sei.

' Schließlich wurde noch der 51jährige Pater Georg vonder Heide, genannt Pater Mein- hard, vernommen, dem die westfälische Ordens­provinz untersteht. Er betont, daß einem Manne wie dem Angeklagten Leovigill in Zukunft jede ptiesterliche Tätigkeit streng untersagt sei. Er könne im Orden kein Amt mehr bekleiden, es be­stehe außerdem die Möglichkeit, ihn in einem regelrechten Prozeß aus dem Orden auszustoßen. Ob es dazu komme, hänge von der Entscheidung beim Pater-General bei der Kongregation in Rom ab.

Als medizinischer Sachverständiger äußerte sich Dr. med. Eiden, Koblenz, daß der Angeklagte für seine Straftaten voll und ganz verantwortlich sei. Es handle sich um einen hemmungslosen, moralisch und sittlich tiefstehenden Menschen. Da­mit wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß das Gericht Vertagung auf heute vormittag 10 Uhr.

looooo nm. Werkstiftung

Aachen. 27. Mai.

Auf einem Kameradschaftsabend der Tuchfabrik. Rummeny in Haarem bei Aachen teilte der Betriebsführer der Firma mit, daß sich die Ge­schäftsleitung entschlossen habe. neben der Ge­währung von 50 KdF.-Reisen eine Werkstif­tung von 100 000 RM. zu errichten. Sie bat den Zweck, Wohlfahrtseinrichtungen zu för­dern, sowie Werksangehörige, die mindestens zehn Jahre im Betrieb, beschäftigt waren, und deren Witwen und Waisen im Notfall zu unterstützen. In der Hauptsache aber soll die Stiftung Gefolg- ichaftsmitglied.ern, die siedeln wollen, zu dem be­nötigten Eigenkapital verhelfen, höchstens jedoch 25 v. H. des gesamten.Kapitals gegen, eine mäßige Verzinsung und Amortisation überlassen.

Festigung

der Kleinen kntenlel

Italiens aktive Valkanpolitik

Belgrad, 27. Mai.

Als die Anfang Mai in Belgrad zusammen­getretene Konferenz der Staaten der Kleinen Entente auseinanderging, erregte in eingeweih­ten Kreisen die vorsichtige Formulierung ihres Schlußkommuniques ziemliche Verwunderung, Wie sich jetzt von Woche zu Woche deut­licher zeigt, lag in der damaligen Zurück­haltung eine ganz bestimmte Absicht. Man wollte in einer Zeit, in der die großen politischen Fra­gen alle noch mehr oder minder im Fluß waren, nicht allzu klare Fronten schaffen, sondern erst einmal abwarten, in welcher Richtung sich die Politik der Großmächte entwickeln würde. In­zwischen ist in einer Beziehung, die die Inter­essen der Kleinen Entente sehr stark berührt, eine gewisse Klarheit eingetreten. Es zeigte sich näm­lich mittlerweile, daß Italien ganz klar und ent­schieden darauf hinsteuerte, seine Position im Donauraum und auf dem Balkan noch weiter auszubauen. Die verschiedenen neuen Ab­kommen zwischen Italien und Albanien waren der erste Schritt in dieser Richtung. Jetzt soll Bulgarien folgen, mit dem die italienische Diplomatie allmählich wieder ein besseres. Ver­hältnis zu schaffen bestrebt ist. Außerdem zeigten die neuen römischen Protokolle, daß Mussolini auch in diesem Punkt an seiner bisherigen Akti­vität festhalten will.

Es ist daher nicht erstaunlich, wenn man in Belgrad über diese Zielsetzungen der italienischen Politik einige Beunruhigung zeigt. Schließlich stellt die Festigung des italienischen Einflusses in Albanien für Südslawien eine ständige

Zum »Lag See Sst.-6ruppe Nordsee" am 6. und 7. Zuni 19Z6 in vremen:

Junger Seemann, der Führer braucht alle Mann an Deck. Dein Platz ist in der M a r i n e - S A.

Flanksnbedrohung dar, die noch verstärkt wird durch die Wiederannäherungsversuche Ita­liens an Bulgarien. Dazu kommt, daß die letzte Balkankonfersnz in Belgrad bewiesen hat, daß der Balkanbund praktisch bedeutungslos gewor­den ist und daß Südslawien hier im äußersten Winkel Europas nur einen wirklich zuverlässigen Bundesgenossen hat: die Türkei. Angesichts dieser Verhältnisse liegt der Gedanke nahe, daß Südslawien bestrebt ist, sich anderweitig Siche­rungen zu verschaffen. Diese Bemühungen kön­nen naturgemäß nur zu einer Wiederannäherung Südslawiens an die Kleine Entente und gleich­zeitig an Frankreich führen. Es wäre selbst­verständlich übereilt, wollte man nun von einer Wiederherstellung des Verhältnisses sprechen, wie es zwischen diesen Staaten in der Zeit der ersten Nachkriegsjahre bestand. Davon kann heute na­türlich nicht die Rede sein. Unzweifelhaft aber gewinnt man in Belgrad immer mehr und mehr die Ueberzeugung, daß es im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig wäre, eine zu eigen­willige Außenpolitik zu führen, wie dies noch vor einem halben Jahre in der Absicht der maß­gebenden Kreise in Belgrad zu liegen schien.

Anfang Juni soll in Sinaia in Rumänien eine Zusammenkunft der Staatsoberhäupter de, Staaten der Kleinen Entente stattfinden. Nach den hier angedeuteten Gedankengängen dürfte gerade dieser Konferenz einige Bedeutung Seizu- messen sein, denn von ihr ist zu erwarten, daß sie gemeinsame Richtlinien für eine neue Bündnis­politik zwischen den Staaten der Kleinen Entente bringen wird. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß schon seit Monaten die außen­politische Lage der Tschechoslowakei recht schwierig geworden ist. Das Vordringen des Kommunismus in der Tschechoslowakei führte zu einer allmäh­lichen Unterhöhlung des Präger Scheinparlamen- tarisinus. Gleichzeitig wuchsen die Spannungen zwischen den Tschechen und allen anderen Nationalitäten dieses Staates. In Rumänien liegen die Dinge, mit gewissen Einschränkungen, nicht viel anders. Hier macht sich eine wachsende Abneigung gegen den Abschluß eines Vertrages mit.Sowjetrußland bemerkbar. Außerdem be­schäftigt man sich mit der Sorge, daß Rumänien durch Sowjetrußland eines Tages einfach erdrückt werden könnte und daß die russischen Truppen, wenn man sie zur Hilfeleistung für die Tschecho­slowakei durch rumänisches Gebiet ziehen lassen würde, später vergessen könnten, Rumänien wie­der zu verlassen. Dazu kommt das Anwachsen