Ausgabe 
(26.5.1936) Nr. 146
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parteiamtliche Lageszeitung

Nachrichtendlatt der Deutschen flrbeitssront Bremen

der Tiaüona

flmtsblatt des Senats der Freien kjansestadt vremen

Nr. 146 / 6. Jahrgang

Das amtliche Derkündungsblatt des Neichsstatchalters m oldenbmg und Vremen

Anzeiaen-Grundör-ile: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Ps., die M-mm.Zeile im Textteil 75 Pf. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Fainilien-Anzcigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßst-issel C). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Eewahr, Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag 12^-13)4 Uhr.

Menslag, 26. Mai 1S56

kinzelpreis 15 Npf.

21 keMen in der neuen belgischen Kammer

Das oorläusige endgültige Wakiergebnis / Wieder eine Vrei-Pacteien-Negierungl

Unssr lagssspisgel

Die Lage in Palästina spitzt sich bedenklich zu. Geheime Hinrichtungen des Kü-Klux-Klan in Amerika beschäftigen die Staatspolizei von Michian.

In die neue belgische Kammer werden 21 Ver­treter der Rex-Partei einziehen.

Die englische Presse setzt sich sür beschleunigte Verhandlungen mit Deutschland ein.

Reichsminister Rüst empfing gestern den unga­rischen Kultusminister Dr. Homau.

Der Gauner Varmat beschäftigt fortgesetzt bel­gische und holländische Gerichte.

Das Reichsjugendführerlager in Vraunschweig fand mit einer machtvollen Kundgebung sein Ende.

Reg. Bürgermeister Pg. Heidcr vollendet heute sein 4V. Lebensjahr.

Der Tiergarten im Biirgerpark steht vor sei­ner Eröffnung.

Wegen des Vahnunfalls bei Varrien wurde Bahnwärter Böttcher sestgenomme».

Die Atlas-Levante-Linie Bremen erhöht ihr Grundkapital um bis zu 1,2 Millionen RM.

kein Sprochchor bei parleiveranslaltungen

Berlin,, 26. Mai.

Die Reichspropagandaleitung, gibt bekannt: Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß in letzter Zeit der Sprechchor auf Parteiveran­staltungen in übermäßiger Weise mißbraucht worden ist. Nach einigen Ansätzen hat sich leider die Konjunktur dieses Themas bemächtigt. Es hat sich dabei eine öde Eebrauchslyrik heraus­gebildet, die sich nur in der Aenderung der Requisiten von den sattsam bekannten „patrioti­schen" Feiern der Vergangenheit unterscheidet. Diese Machwerke, deren Gefährlichkeit von den Kulturreferenten meist nicht voll erkannt wird, werden dann einer Organisation unserer Be­wegung zur Aufführung in die Hand gedrückt. Banalitäten und Phrasen werden nicht dadurch gehaltvoll, daß man sie in getragenem Tone vor­trägt oder in Chören spricht. Die geschwollene und bombastische Ausdrucksweise, in der die deutsche Revolution in solchen unausgereiften Werken gefeiert wird, steht in scharfem Gegen­satz zu dem schlichten Kämpferleben und dem schweigenden Opfer unserer Parteigenossen.

In den Reihen der Partei dars aber sur Dilettantismus kein Raum sein. Ich verbrete deshalb für alle Veranstaltungen der Partei und ihrer Gliederungen die Verwendung des Sprech- chors.

München, den 23. Mai 1936.

fqez.): Dr. Goebbels, Reichspropagandaleiter der NSDAP.

is zweite Norbmarktreften in kiel

Kiel. 26. Mai.

sie Kriegsmarinestadt Kiel stand Sonntag im chen des großen II. Nordma r k t r esse n s, rund 50 060 Kameraden der SA., SS. und NSKK. aus allen Städten und Dörfern der :dmark vereinte. Am Sonnabend fand im fest- geschmllckten-Saal des Kieler Rachauws ein früßungsabend statt, zu dem Stabschef Lutze, ipssührer Hühnlein und in Vertretung des chssührers SS. Gruppenführer L° renz er­eilen waren. Die enge Verbundenheit mit der hrmacht kam dadurch zum Ausdruck, daß der mmandierende Admiral der Ostwe Admiral brecht der Flottenchef Admiral F oer st e r , der Befehlshaber im Luftkreis VI, General nder unter den Gästen weilten. Am Sonn-

fand ein großer Appell der 50 000 Männer SA der SS. und des NSKK. auf den rie- m Rasenflächen des Sport- und Spielplatzes si. Stabschef Lutze hielt eine kurze An,prach«, in ein Gelöbnis zum Führer und ,n em dre,- fes Sieg-Heil ausklang. de" Mlttags-

iden fand auf dem Exerzierplatz ein ^stund'- Vorbeimarsch statt. Eroge Schau- rbietungen, darunter eine Katastrophen- satzllbung, beschlossen das Nordmarktreffen.

Kampf gegen öie ötaatsfeinde

Belgrad, 26. Mai.

Velarad fand gestern die feierliche Er- mq der 12. ordentlichen Jahrestagung der nationalen kriminulpolizeMchen A Fu der Tagung sind grogere Abordnungen führenden Polizeibeamten aus allen euro-

ien sowie aus einer„Reihe von augereu^o-

Heu Staaten eingetroffen. Die deut sch e Ab

unq, die neun Mitglieder umfagt steht unter Führung, des Generalleutnan - der Landes, ei Daluege. Ihr gehort auch der Polizei- Lent von Berlin. Graf H e I l d o r x. an. ^ inenminister Dr. Koros 4 e ß > »röi'nete

ang mit einer Vegrügungsauwrache ero^ete

- darauf hin. daß es wünschenswert war., n die internationale Z> ^

>eit der Polizei, die sich bisher yaup sich auf dat Gebiet der KriM,n°lp°l.zei er- kt habe, in Zukunft auch d-e Bekämpfung türzlerischen Bewegung und Propaganva

Brüssel, 26. Mai

Nach einer hauptamtlichen Mitteilung wird sich die neue belgische Kammer in ihren 202 Sitzen folgendermaßen zusammensetzen: Belgische Sozia­listische Arbeiterpartei 70 Sitze, Katholische Partei 63 Sitze, Liberale Partei 23 Sitze, Rex-Vewegnng 21 Sitze, National-Flämischer Block 18 Sitze, Kom­munistische Partei 9 Sitze.

Dieses Gesamtergebnis dürste endgültig sein. Demnach haben verloren die Sozialisten drei, die Katholiken 16, die Liberalen einen Sitz. Ge­wonnen haben der Nationalflämische Block acht Sitze und die Kommunisten sechs Sitze. Die neue Partei Rex zieht mit 21 Abgeordneten in die Kammer ein.

Der erste Eindruck dieses Wahlganges, über den bereits berichtet wurde, hat sich noch weiter ver­tieft. Die Wahl hat der Katholischen Partei eine große Niederlage gebracht. Auch die Sozialisten haben — allerdings in weniger starkem Maße — Stimmen- und Mandatsverluste zu verzeichnen, und die Liberalen sind ebenfalls zurückgegangen. Die Niederlage dieser drei Parteien, die in den vergangenen Jahrzehnten ständig die Regierungs­gewalt miteinander geteilt haben, erklärt sich im allgemeinen aus der ständig zunehmenden Ab­neigung der Bevölkerung vor dem Parlamentarismus und dem Par- teiensystem und in besonderem auf gewissen Fi­nanzskandalen, in die die katholische und die so­zialistische Partei verwickelt waren, und die na­mentlich von dem Führer der Rexbewegung in aufsehenerregenden Enthllllungn ans Licht der Oeffentlichkeit gebracht worden sind.

Als Sieger sind aus dem Wahlkamps die ex­tremen Parteien hervorgegangen, und zwar Re- xisten, flämische Nationalisten und Kommunisten. Den größten Erfolg haben die Rexisten zu verq zeichnen. Der Erfolg der Kommunisten ist beson­ders stark in den wallonischen Jndustriebezirken, aber auch in Brüssel haben sie ihre Stimmenzahl erheblich erhöhen können. Die vor kaum Jahres­frist erfolgte Wiederankniipfung der diploma­tischen Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Belgien hat sehr schnell ihre Früchte gezeitigt.

Was die Bildung und Zusammensetzung der künftigen Regierung angeht, so hat der Wahlgang hierfür insofern neue Tatsachen geschaffen, als die katholische Partei, die seit beinahe einem

Jahrhundert die stärkste Gruppe im belgischen Parlament war, nunmehr an die zweite Stelle ge­rückt ist An ihre Stelle sind trotz ihrer Stimmen- und Mandatsverluste die Soziälisten getreten, und der Präsident der Zweiten Internationale, Vandervelde, hat nunmehr den Anspruch auf die Ministerpräsidentenschaft erhalten. Ob die Sozialisten auch tatsächlich die Führung der nächsten Regierung übernehmen werden oder ob sie aus taktischen Gründen wiederum sich mit einer neutralen Persönlichkeit, z B. mit dem keiner Partei angehörenden jetzigen Ministerpräsidenten van Zestand abfinden, wird die nächste Zu­kunft zeigen.

Man nimmt aber in Brüssel allgemein an, daß auch die neue Regierung wieder eine Drei- Parteien-Regierung sein werde, die sich wiederum aus Sozialisten, Katholiken und Liberalen zu­sammensetzen wird. Es besteht aber kein Zweifel, datz eine solche Regierung im Parlament aus größere Schwierigkeiten stoßen wird als die ver­gangene Drei-Parteien-Rcgierung, und zwar im Hinblick auf die stärker gewordene Opposition, die ihr jetzt gegenübersteht.

Da die Katholiken in den wallonischen Pro­vinzen stärkere Verluste erlitten haben als in Flandern, wird die katholische Fraktion in Kam­mer und Senat künftig in der Mehrzahl aus Flamen bestehen, was im Hinblick auf die Außen­politik der neuen Regierung sicher zu begrüßen ist, denn die schärfsten Gegner einer großzügigen Verständigung?- und Friedenspolitik sind neben den Liberalen immer die wallonischen Mitglieder der katholischen Partei gewesen.

Heute tritt der belgische Ministerrat zusammen, Um wahrscheinlich den Rücktritt der jetzigen Re­gierung zu beschließen.

Der aufsehenerregende Erfolg der Rex- Vewegung ist in der Hauptsache das persönliche Werk Degrolles, des 30jährigen Führers der neuen Bewegung, der selbst aus der katho­lischen Partei hervorgegangen ist. Die Entwick­lung Degrelles und seiner Partei ist recht in­teressant. Degrelle, ein gläubiger Katholik, hat jahrelang im Dienste des katholischen Laienaposto- lates gewirkt. Die von ihm geschaffene junqkatho- lische Bewegung hat Degrelle mit rein religiöser Zielsetzung unter den Schutz des „Christkönigs" ge­stellt, Die entscheidende Wendung vom Religiösen zum Politischen hat sich bei Degrelle und stiner Bewegung erst im vorigen Jahre vollzogen, als Degrelle erkannte, daß die von ihm erstrebte Re­form der katholischen Partei an der unheilvollen '

Verquickung zwischen Religion und Politik, die in Belgien besonders straff in Erscheinung tritt, schei­terte. Zum offenen Bruch kam es im September vorigen Jahres, als Degrelle in Courtraq die Jahresversammlung der katholischen Partei stürmte und den Rücktritt des Präsidenten der Partei, des Staatsministers Seegers, forderte. Der Kampf gegen Seegers war der Anfang eines erbitterten Feldzuges gegen andere führende Per­sönlichkeiten der katholischen Partei, die von De­grelle durch aufsehenerregende Enthüllungen vor der Oeffentlichkeit in Anklagezustand versetzt wur­den. Die Verwirrung, die dadurch in den Reihen der belgischen Katholiken entstand, veranlaßte den belgischen Episkopat im November vergangenen Jahres, Priestern und Geistlichen die Verbindung mit Degrelle und seiner Bewegung zu untersagen. Bon da ab datiert eigentlich erst der Aufschwung der Rex-Bewegung, die nunmehr ihren Kampf von außen her gegen die katholische Partei und darüber hinaus gegen das herrschende politische System in Belgien richtete und ständig steigerte.

Das politische Programm der Rex-Vewe- gung geht auf eine Verstärkung der Re­gierungsgewalt gegenüber den Partei- einflüssen und eine Reform des Parla­ment s im Sinne des ständischen Gedankens aus. Die katholische Grundlage seines Programms ist unverkennbar, wenn auch Nichtkatholiken nicht zu­rückgewiesen werden. Auf außenpolitischem Gebiet tritt Degrelle für die Unabhängigkeit und Selb­ständigkeit Belgiens namentlich gegenüber Groh- machtsinflüssen ein. In der Frage Eupen-Malmedy hat er sich einer klaren Stellungnahme im Wahl- kampf entzogen. Er scheint aber einer Verständi­gung mit Deutschland über diese Frage nicht ab­geneigt zu,seist. . _ .'.

kin seltsamer kirtenbrles

Amsterdam, 26. Mai.

Am Sonntag wurde in allen römisch-katholi­schen Kirchen Hollands ein Schreiben des Erz- bischofs und der Bischöfe verlesen, in welchem mitgeteilt wird, daß Katholiken, die die NSB.- Vewegung (Mussert-Bewegung) Hollands wesent­lich unterstützen, zu den heiligen Sakramenten in Zukunft nicht mehr zugelassen werden dürfen. — Diese Maßnahme gegen eine Bewegung, in deren Programm die Grundsätze positiven Christentums vertreten werden, läßt sich nur durch die ständige Ausbreitung der NSB. erklären, in der die be­stehenden politischen Parteien Hollands und vor allem die römisch-katholische Staatspartei eine Gefährdung ihres Weiterbestehens erblicken.

Reibt valdwln Mlnisterpräslvent?

Londoner Stimmen zur Umbildung des englischen Kabinetts — Veschleunigte Verband lungen mit Veutschland

London, 26, Mai,

Die politische Stellung Baldwins und die be­vorstehende Neubesetzung einiger Kabinettsposten stehen gegenwärtig im Mittelpunkt der Londoner Pressebetrachtungen. Die „Times" unterstützt den Ministerpräsidenten m einem Leitauf'atz und spricht den Wunsch aus, daß er bis zur Königs­krönung im nächsten Jahre die Führung der Staatsgeschäfte und der Nation beibehalte.

Allgemein glaube und hoffe man, daß Baldwin sich zwei Hauptaufgaben gestellt habe, bevor er sein Amt mit gutem Gewissen niederlegen könne. Die erste Aufgabe sei die, dem neuen König wäh­rend einer schwierigen Uebergangszeit als bekann­ter und vertrauter Berater zur Seite zu stehen. Die zweite Aufgabe bestehe darin, einen endgül­tigen Beitrag zur Befriedung Europas zu liefern, womit in allererster Linie eine bessere Verständi­gung mit Frankreich und Deutschland und zwischen diesen beiden Staaten gemeint sei.

Das sei eine Aufgabe, die dem innersten Wunsch Baldwins entspreche und zu deren Durchführung das Ansehen eines erfahrenen und mitfühlenden Ministerpräsidenten erforderlich sei, um die Arbeit des Außenministeriums zu unterstützen. Je eher diese Aufgabe vorwärtsgebracht werde, um so bester sei' es. Es sei nicht der mindeste Anlaß vorhanden, auf die Regelung des abessinischsn Problems oder auf die Schaffung der neuen fran­zösischen Regierung zu warten. Im übrigen brauchten die Bemühungen für eine klare Verständigung mit Deutschland, durch die jeder zweifelhafte Punkt in den Vorschlägen Hitlers aufgeklärt würde, nicht durch die inner- politische Lage irgendeines anderen Landes ver­zögert zu werden, da England allein mit dieser Sondermission beauftragt sei. Der nächste Schritt wüste voraussichtlich eine öffentliche Antwort von Berlin auf eine Reihe von britischen Kommen- > taren sein, deren Veröffentlichung notwendig ge- j worden sei. Mit diesem Meinungsaustausch sollte : jedoch diese „Langstreckendiplomatie" beendig! sein und eine vernünftige Besprechung am Konte­ren,ztisch beginnen. .

Die radikalkontervatlve „Morningpost fordert mit großem Nachdruck, Baldwin solle den Rücktritt des Kolonialminister Thomas benutzen, um sofort eine weitgehende Regierungsumbildung vorzu­nehmen. 2m besonderen solle Baldwin sich nach

einem geeigneten Minister umsehen, der ihm nor­malerweise im Unterhause zu vertreten hätte, so daß der Ministerpräsident mehr Zeit für die Ueberwachung der Politik und der Verwaltung hätte. Das Blatt weist in diesem Zusammen­hang auf die Zukammenkunft führender konser­vativer Abgeordneter hin, die während des Wochenendes auf dem Landsitz des Lord Winter­ton stattfand, Lord Winterton und seine Gäste, unter denen sich Sir Austin Chamberlain, Win- ston Churchill und Sir . Robert Hörne befanden, seien alle der Ansicht gewesen, daß Baldwin be­reits jetzt eine weitgehende Kabinetts­umbildung versuchen solle.

London, 26, Mai.

Nach Berichten aus Jerusalem kam es am Sonntag zu einem r^uen Zusammenstoß zwischen britischen Truppen und arabischen Demonstranten. Die Araber versuchten, ein Gefängnis in Nur-el- Shem zu stürmen. Nachdem Hochländertruppen aus Hederah herbeigeeilt waren, entwickelte sich ein Gefecht, in besten Verlaus ein britischer Sol­dat getötet wurde.

Die Tätigkeit der kommunistischen Partei in Palästina nimmt weiter zu. Die Kommunisten versuchen Unruhen hervorzurufen, stiften Brand­legungen an und provozieren überall. Die Zahl der Mitglieder der illegalen kommunistischen Partei beträgt nur 500. Sie sind jedoch außeror­dentlich rührig und setzen sich zu etwa 45 v, H. aus Arabern, weiteren 45 v. H. aus Juden zu­sammen. Ein großer Teil von ihnen ist erst in siesen Monaten geschlossen eingewandert.

Acht Kilometer vor Jafsa wurde das angeblich aus Hamburg kommende jüdische Schiff „Richard Burgharht" von entgegenfahrenden Araberbooten mit Schüssen und Bombenwürfen empfangen, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Das Schiff

Auch. die liberale „News Chronicle" will wissen, daß die bei Lord Winterton versammelten Konservativen die Möglichkeit eines baldigen Rücktritts Baldwins besprochen hätten. Das Rothermere-Vlatt „Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel, in dem Lloyd George als Mi­nisterpräsident vorgeschlagen wird. ,Meß Asso­ciation" meldet, daß die Zusammenkunft der Konservativen bei Lord Winterton nicht den Cha­rakter einer Revolte gegen das Kabinett Vald- wins gehabt habe, vielmehr sei es möglich, daß Lord Winterton einen beruhigenden Einfluß auf seine Gäste ausgeübt habe.

konnte den neuen Hafen Tel Avis erreichen und seine Ladung löschen.

Bei Nazareth griffen Araber die Polizei an, die darauf Feuer gab. Eine Araberin wurde ge­tötet. Auf der Landstraße von Afuleh nach Jerusalem wurde eine Autokarawane unter mili­tärischer Bedeckung von Arabern beschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer. Zwei Araber wurden verwundet, mehrere Angreifer verhaftet. Die Oberleitung der arabischen Bewegung wird heute einen Aufruf veröffentlichen, in dem den verbannten Streiksllhrern sür ihre Tätigkeit ge­dankt und betont wird datz alle Araber die Zwangsverschickungen, die auf jüdischen Druck hin zurückzuführen seien, als Herausforderung empfän­den, Der Kampf werde bis zur Erreichung des Zieles fortgesetzt werden.

Die arabischen Bürgermeister der Städte Palä­stinas haben gegen das Verbot der Mandats- regierung, eine allgemeine Bürgermeisterversamm­lung in Ramallah abzub-lten, Verwahrung ein­gelegt und gedroht, im Falle der Nichterfüllung der arabsichen Forderungen ab 1, Juni zum Streik der Stadtverwaltungen überzugehen. Die Stadt­verwaltung von Nablus hat mit dem Streik be­reits begonnen, die Städte Jaffa, Gaza und andere werden am 1. Juni-folgen.

Krabersturm auf ein öeföngnis

kin Dampfer mit Schliffen und vombenwürfen empfangen

die belgischen lvkchlen

und der autoritäre Staatsgedanke

* Bremen, 26. Mai

In zweierlei Hinsicht ist das Ergebnis der jüngsten belgischen Wahlen auch noch über Bel­gien hinaus bemerkenswert.

Einmal im Hinblick auf den Ausfall der Wahlen in Eupen - Malmedy, wo die Heimattreue Front einen unzweideutigen Erfolg errang. Daß sie trotz unerhörter Unter­drückung ihrer Wahlfreiheit einerseits und dem seitens der katholischen politischen Geistlichkeit andererseits ausgeübten Druck eine sichere Mehr­heit erhielt, die sich allerdings nicht in Mandateix, sondern in den weißen Zetteln dartut, ist beson­ders aufschlußreich. Erfreulich ist, daß der Pro­test gegen Drangsal und Schikanen, welche die Deutschen der unrechtmäßig von Deutschland ab­getrennten Provinzen in den letzten Jahren und während der Wahlzeit verstärkt erleiden mußten, nunmehr unverkennbar aller Welt vor Augen steht.

Nichts hat es geholfen, daß man den Heimat­treuen sogar das Kleben von Wahlplakaten un­tersagte. Mannhaft sind sie für ihr gutes Recht eingetreten, und unter Berücksichtigung, daß etwa 3606 Altbelgier seit 1918 in Eupen-Malmedy sich angesiedelt haben, bedeutet das Ergebnis von rund 19 000 Stimmen unter 18 000 schlechtweg in Eupen-Malmedy einen Sieg, wie er nicht besser erwartet werden konnte. Wie würden die Wahlen erst ausfallen, wenn die Bevölkerung Eupen-Malmedys gänzlich frei und ohne Druck ihren Willen dahin Ausdruck zu geben hätte, ob sie wieder zurück ins Reich oder weiter bei Belgien bleiben will! Die Antwort ergibt sich aus dem jüngsten Wahlergebnis von selbst und wir wün­schen nur, daß in absehbarer Zeit die belgische Regierung zur Korrektur des Unrechts schreitet, das nun einmal unverhohlen vorliegt, wo man Sie beiden deutschen Provinzen, ohne Rücksicht auf den Volkswillen ihrer Einwohnerschaft, wie auf dem Schachbrett von einer Grenze zur anderen Grenze verschoben hat.

Jjt >omit das jüngste Wahlergebnis Belgiens allein schon von diesen Gesichtspunkten aus für uns Deutsche beachtenswert, so nicht weniger wegen des Fortschritts, den der autoritäre Staatsgedanke nun auch in Belgien zu verzeich­nen hat. „Weg vom Parteienstaat, weg von den üblen Begleiterscheinungen des , Parlamentaris­mus", war die Losung der Rex-Bewegung in Bel­gien, die zur höchsten Ueberraschung der Belgier selbst gleich auf den ersten Anlauf 21 Sitze er­langen konnte. Rex-Bewegung (Rex-König) heißt die Bewegung, weil sie aus dem katholischen Laienaposteltum herauswuchs, dessen Losung „Christus ist Köni g" heißt.

Weg vom Parlamentarismus und Kampf der Verquickung von Religion und Politik, hat die Rex-Bewegung auf ihre Fahne geschrieben und in dem katholischen Belgien in kurzer Zeit soviel Anhänger gewonnen, daß sie heute über mehr als den zehnten Teil aller Sitze im Parlament ver­fügt. Das will unter den sechs Parteien, die hier vorhanden sind, immerhin etwas besagen, zumal man nicht vergessen darf, daß das Verhältnis­wahlsystem es der jungen Partei nicht erlaubte, die ihrer Stimmenzahl entsprechenden Sitze zu erhalten. Sonst wäre die Rex-Bewegung, die' fast 30 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt hat, mit 60 Sitzen in die belgische Kam­mer eingezogen.

Daß sich nunmehr die Sozialisten mit ihren 70 Sitzen, trotz verlorener 3 Sitze, heute in Belgien als die größte Partei bezeichnen können, daß die Katholische Partei mit ihren 63 Sitzen nach dem Verlust von 16 Sitzen zur zweitstärksten Partei im Lande herabgesunken ist, sind nun zwar Tat­sachen, womit bei der neuen Regierungsbildung in Belgien gerechnet werden muß, die aber aus weite Sicht gesehen für die Entwicklung Belgiens zum autoritäten Staatsgedanken hin nur Tat­sachen zweiter Ordnung sind.

Wie erklärt sich die vernichtende Niederlage der Katholischen Partei bei den jüngsten Wahlen? Degrell heißt der Mann, der, erst 30 Jahre alt, erkannt hat, daß auch in seinem Vaterlande der Parlamentarismus sich schädlich für die Gesamt­heit erwies, und daß dieser Parlamentarismus — wir haben es in Deutschland übergenug in der Systemzeit erlebt — zu Korruptionserscheinungen führt, die nicht zuletzt sich innerhalb der bisher