Ausgabe 
(24.11.1936) Nr. 327
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paLteiamtliclie Tageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsstont vremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblan des Senats der Zreien lfansestadt vremen

El.^IPsWerwesist^

Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Anzeigen-Erundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Pf.. die M-mm-Zeile im Textteil 75 Ps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familisn-Anzeigsn u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstassel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag 12^-13^ Uhr.

Nr. 527 / ö. Zatirgang

Vienstag, 24. November 1SZS

kinzelpreis 15 Npf.

das kulturelle Schaffen ln Veser kms

Unser lagesspivgvl

Deutschland ist den Bestimmungen über den Unterseebootskrieg des Londoner Seerüstungs­vertrages beigetreten.

Daily Telegraph" äußerte sich über Eng­lands Stellung zu den Grenzen in Osteuropa.

Barcelona soll die neue EPll.-Zentrale für Westeuropa werden.

Der Vierte Reichsbauerntag in Goslar be­gann mit Sondertagungen.

Der Präsident der Reichspressekammer, Reichsleiter Amann, vollendet heute sein 45. Lebensjahr.

Reichsminister Dr. Goebbels ernannte Pros. Zieglcr (München) zum neue, Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste.

Der Seeschisfsverkehr in den deutschen Häsen hat den bisherigen Rekordstand Lbertroffen.

Für dieHansa" lief ein neuer Frachtdampfer vom Stapel.

Gruppenführer Jiirgensen besichtigt in den nächsten Tagen die Motorbrigade Nordsee.

Gestern erfolgte auf der Kreisleitung die Verteilung von Rundfunkgeräten aus der Dr.-Eoebbels-Spende.

In Sittense» wurden bei einem Raubüberfall 11899 RM. gestohlen.

Neichsleiter flmann 4S lalire all

Berlin, 23. November.

Reichsleiter Max Amann, der Präsident der Reichspressekammer, wird am 24. November 45 Jahre alt. Max Amann gehört zu den ältesten und engsten Mitarbeitern des Führers. Er stand im Felde mit Adolf Hitler in der gleichen Front­kompanie des Regiments List und schloß sich nach seiner Rückkehr aus dem Kriege schon frühzeitig

^ukv.: Lrssss-Illustr. Uottmanu

deutschen Freiheitsbewegung an. 1921 wurde ix Amann der erste Geschäftsführer der DAP. 1922 übernahm er den Verlag des attischen Beobachters" und 1925 die Leitung Zentralparteiverlages. An dem Aufbau der ionalsozialistischen Presse und dem Aufstieg Zentralparteiverlages und nach der Macht- rnahme an der Neugestaltung des gesamten ckschen Zeitungswesens hat Reichsleiter Max mnn hervorragenden Anteil, ^in November !5 wurde Amann Präsident der Reichspresse- riner.

Pros. Segler Präsident der ichskammer der bildenden Künste

Berlin, 23. November.

der Präsident der Reichskammer der bildenden nste, Professor Eugen Hönig. hat den Pra- mten der Reichskulturkammer, Reichsminlster . Goebbels gebeten, ihn mit Rücksicht auf sein ^geschrittenes Alter und zur Erfüllung per- üicher künstlerischer Ausgaben von ,einem Amte entbinden. Reichsminister Dr. Goebbels Hot sein Wunsche entsprochen mit dem , Ausdruck - Bedauerns und des Dankes für die aßen V e r d i e n st e, die sich Profest or Honig m Ausbau der Reichskammer der bildenden inste erworben hat. Gleichzeitig hat Reichs- nister Dr. Goebbels Pros. Höniq sein Bild mit -er besonders herzlichen Widmung überreichen sen. Professor Honig bleibt auch weiterhin itglied des Präsidialrates der Reichskammer der benden Künste und des Reichsiulturssnates. s Nachfolger von Pros. Hönig hat Reichsminrster Goebbels das Mitglied des Prasidialrates r Reichskammer der bildenden Künste und des nchskultuvsenates Pros. .31? 9 I " ' "

ünchen zum Präsidenten der Reichskammer der ldenden Künste ernannt.

Programm der öau-kulturwoche

öauletter Nover spricht

Bremen, 23. November.

Nachstehend veröffentlichen wir das endgültig festgelegte Programm der Eau-Kulturwoche Weser- Ems 1938, die in den Tagen vom 29. November bis 6. Dezember stattfindet.

Sonntag, 29. November

19 Uhr: Oeffentliche Werbeveranstal- tung des Bundes deutscher Film- Amateure, im Roten Saal des Nordischen Hof; Vorführung der besten deutschen Amateur­filme.

19.39 Uhr: Kundgebung der Reichs- schrifttumskammer im Kunstgewerbehaus. Es sprechen: der Vizepräsident der Reichsschrift­tumskammer, Ministerialrat Dr. Witz mann, Berlin, der Leiter der FachschaftBund Reichs­deutscher Buchhändler", Baur, Leipzig, und Landesleiter August Hinrichs.

11 Uhr: Tagüngder Fachschaft Volks­musik der Reichsmusikkammer im kleinen Elockensaal. Es sprechen: Eau-Kultur- hauptstellenleiter Eontermann, Dr. Manze, Leiter der Fachschaft Volksmusik, und Dr. Bran­des, Leiter der Programmberatungsstelle. Leitung der Tagung: Landesfachschaftsleiter

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11 Uhr: Eröffnung einer Aus­

stellung bildender Künstler des Gaues Weser-Ems in der Kunsthalle durch den Landes­leiter Architekt Fricke.

11 Uhr: Eröffnung einer Kunst -

gewerbeschau, veranstaltet von der Orts­gruppe Bremen des VerbandesDeutsche Frauen- kultur". Es spricht Reichskulturhauptstellenleiter Pros. Groß.

12 Uhr: Tagung der Reichspresse­

kammer in der Jacobihalle. Es spricht das Präsidialratsmitglied der Reichspressekammer, Rienhardt. Leiter der Tagung: Vertrauens­mann der Reichspressekammer Verlagsdirektor Köhler.

16 Uhr: Tagung der Schriftsteller im Eesellschaftsraum derGlocke". Es spricht Ministerialrat Dr. Witz mann. Leitung der Tagung: Landesleiter August Hinrichs.

16 Uhr: Fachschaftstagung der Buch­st ndler im Kunstgewerbehaus. Es sprechen eschäftsführer Baur und Eauschulungsleiter Buscher. Leitung der Tagung stellvertretender Landesleiter Salow.

16.39 Uhr: Volksmusikabend im großen Elockensaal, durchgeführt von der Fachschaft Volks­musik in der Reichsmusikkammer.

29 Uhr: Im großen Saal der Glocke Kultur­kundgebung des Gaues Weser-Ems und Eröfs- nungsseier der Gaukulturwoche. Es sprechen Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Rover, Reichskulturwalter Hanns Hinke! und Landes­kulturwalter Ernst Schulze.

Montag, 39. November

29 Uhr: Festauffllhrung im Bremer SchauspielhausPanamaskandal" von Wolsg. Eberhard Möller mit Theodor Loos als Gast.

29.39 Uhr: Preisverteilungdes ersten Amateurfilm-Wettbewerbes im Gau Weser-Ems durch den Geschäftsführer der Reichs­filmkammer, Melzer, im Nordischen Hof, roter Saal.

Dienstag, 1. Dezember

26 Uhr: Nordischer Abend im großen

Glockensaal, durchgeführt von der NS.-Gemein-

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schaffKraft durch Freude". Es spielt das Bre­

mer Sinfonieorchester unter Leitung von Kapell­meister E. von W alt er sh ausen.

29.39 Uhr: 2m Cafe Flora und in den Hastedter Zentralhallen Feierstunden der SA., durchgeführt von der SA.-Standarte R. 7 5 und der Marine-Standarte 15.

Mittwoch, 2. Dezember

29 Uhr: In den CentralhallenRasse und Kultur", Kulturabend der .SS.- Standarte 88. Es spricht SS.-Obsrsturm- führer,Dr. Strobel, Berlin, vom Rasse- und Siedlungshauptamt der SS..

Donnerstag, 3. Dezember

11 Uhr: Tagung der Reich.smusik-

kammer. Kundgebung aller Fachschaften und der städtischen Musikbeaüftragten im Saal der Union Es sprechen der Geschäftsführer der Reichsmusikkammer, JHIert, Eaukulturhaupt- stellenleiter Eontermann und der Landes­leiter Niedersachsen der Reichsmusikkammer, Koch. Leiter der Veranstaltung: Landesleiter

Weser-Ems der RMK., Kammermusiker BUr­in e i st e r.

29 Uhr: 2m großen Saal der Glocke Fest­konzert anläßlich der Tagung der Reichsmusikkammer, durchgeführt von der NS.-Kulturgemeinde. Mitwirkende: Das

Bremer Sinfonieorchester unter Leitung von Kapellmeister E. von Waltershausen und das Bremer Lehrerorchester unter Leitung von Kapellmeister Willy Kopf.

Freitag, 4. Dezember

29 Uhr: 2m Staatstheater Festaufsüh-

r u n gEin Deutscher namens Stein" von Müller-Scheld. Erstaufführung in An­wesenheit des Präsidenten der Reichstheater­kammer, Dr. Schlösser.

26.39 Uhr: 2m EastnosaalDie Zeiten­wende", ein Chorspiel von Müller- Schlick, durchgeführt vom Arbeitsgau 17 des Reichsarbeitsdienstes.

Sonnabend, 8. Dezember Veranstaltungen der NS.-Kulturgemeinde

29.36 Uhr: im Festsaal des Lyzeums Vietor Carl- Maria -von-Weber - Gedächt­nisfeier.

29 Uhr: im Festsaal der Schule Schaumburger Straße Thor- und Klavierabend.

29 Uhr: im Festsaal der Realschule Westen

MusikalischerAbend.

29 Uhr: im großen Saal der Union Sunner - klaus-Abend unter Mitwirkung der Rabling- hauser Spesldeel und des Plattdeutschen Vereins. Vortrüge, Lieder, Trachten und Volkstänze,

Sonntag, 8. Dezember

26 Uhr: im großen Saal der Glocke Feier­stunde der NSDAP., durchgeführt von der Bremer SA., Herybert Menzel liest.

Von den auswärts stattfindenden Son­dertagungen der Einzelkammern sind folgende zu nennen, zu denen für Kammermit­glieder keine besonderen Teilnehmerkarten heraus­gegeben werden. Es genügt für diese der Fach­schaftsausweis der Einzelkammern.

Reichskammer der bildenden Künste

Donnerstag, 3. Dez., in Osnabrück, Schloß: 16.36 Uhr: Tagung der Vertrauensleute der

Reichskammer der bildenden Künste;

. 16 Uhr (Schlotzsaal): Kundgebung der Rsichs- kammer der bildenden Künste.

Reichssilmkammer

Dienstag, 1. Dezember: 2n Osnabrück,

Schloßsaal, 11 Uhr: Geschlossene Arbeitstagung der Bezirksleitung Norddeutschland der Fach­gruppe Filmtheater; 15.39 Uhr: Tagung der Reichsfilmkammer Weser-Ems.

Reichstheaterkammer

Sonnabend, 5. Dezember, 11 Uhr: In Olden­burg,Civil-Casino".

Für die am 39. November in Wilhelmshaven und am 1. Dezember in Osnabrück stattfindenden Kulturkundgebungen sind von den Mitgliedern der Reichskulturkammer die Karten direkt bei den Kreisleitungen in Wilhelmshaven, Bis- marckstratze, und Osnabrück, Kanzlerwall 27, an­zufordern.

Die geladenen Gäste werden gebeten, bei der Kartenanforderung die eingangs erwähnte Terminverlegung der Kulturkundgebung zur Eröffnung der Kulturwoche auf den 29. Nov. zu berücksichtigen.

Veranstaltungen im Rahmen der Eaukultur- woche finden außer in den obengenanntcn Städten auch in allen größeren Orten des Gaues Weser-Ems statt. Programme und Eintrittskarten für diese Veranstaltungen sind durch die Kreisleitungen und Ortsgruppen der NSDAP. zu erhalten. Die Theater und Niederdeutschen Bühnen im Gau Weser-Ems geben in größerem Ausmaß während der Kultur­woche in den theatsrlosen Städten Gastspiele. Die Veranstaltungen sind durch die Kreis­leitungen der NSDAP. zu erfahren und werden außerdem in der Presse bekanntgegeben. In den Filmtheatern werden Spitzenleistungen des deutschen Filmschaffens gezeigt werden. In kino- losen Orten gelängen durch die Gaufilmstelle Weser-Ems der NSDAP. staatspolitisch beson­ders wertvolle Filme zur Aufführung. : :

Neues vekenntnls Neutschlands zum frieden

verlin tritt dem flbkommen über die sülzrung des Unterseeboot krieges bei

Berlin, 23. November.

Botschafter von Ribbentrop hat Montag im Austrage der Reichsregierung an den englischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten eine Note gerichtet, in der erklärt wird. daß die deutsche Reichsregicrung den Bestimmungen über den Unterseeboot-Krieg des Teiles IV des Lon­doner Seerüstungsvertrages beitritt und diese als vom heutigen Tage ab für sie verbindlich annimmt.

In den ausgedehnten Nachkriegsverhandlungen über die Begrenzung und Herabsetzung der Rü­stungen zur See sind internationale Regeln für die Führung des U-Bootkrieges ausgestellt wor­den die im Artikel 22 (Teil IV) des Londoner Vertrages vom 22. April 1939 niedergelegt sind und zunächst von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Japan ange­nommen wurden. 2m Verlauf der deutsch-eng­lischen Flottenverhandlungen 1935 hat Deutsch­land aus englische Anfrage hin seine Bereitwil­ligkeit erklärt diesen Bestimmungen beizutreten. Die königlich-britische Regierung hat nunmehr, nachdem auch die Annahmeerklärung von Frank­reich und Italien vorliegt, Deutschland auf Grund seines vom 6. November ds. Js. in Lon­don von den bereiligten Seemächten gezeichneten Protokolls förmlich zum Beitritt aufgefordert. Daraufhin hat am 23. November der deutsche

Botschafter in London an den englischen Staats­sekretär für auswärtige Angelegenheiten fol­gende Note gerichtet:

In einer Mitteilung vom 9. ds. Mts. hat der königlich-britische Botschafter in Verlin dem Reichsminister des Auswärtigen Abschrift eines am 6. November 1936 in London unterzeichneten Protokolls über die Regeln der Unterseeboot- Kriegsführung gemäß Teil IV des Londoner Ver­trages vom 22. April 1936 llbersandt und dabei namens seiner Regierung der Hoffnung Ausdruck verliehen, die deutsche Regierung werde den ge­nannten Regeln beitreten.

Diese Regeln lauten:1. Bei ihrem Vor­

gehen gegen Handelsschiffe müssen Unterseeboote sich nach den Bestimmungen des Völkerrechts rich­ten, welchem Ueberseeschisfe unterworfen sind. 2. Insbesondere darf. mit Ausnahme des Falles der fortgesetzten Weigerung zu stoppen, nachdem die ordnungsmäßige Aufforderung hierzu ergan­gen ist. oder des tatsächlichen Widerstandes gegen Besichtigung oder Untersuchung, ein Kriegsschiff, ob Ueberwasserschifs oder Unterseeboot, ein Han­delsschiff nicht versenken oder zur Seefahrt untauglich machen, ohne vorher die Passagiere, die Bemannung und die Schiffspapiere an einen siche­ren Ort, gebracht zu hasten. Für diesen Zweck werden die Boote des Schiffes nicht als ein siche­rer Ort angesehen, es sei denn. daß die Sicherheit der Passaaiere und der Bemannung o-i den herr­schenden See- und Wetterverhältnissen durch die Nähe von Land oder durch die Anwesenheit eines

anderen Schiffes, welches in der Lage ist, sie an Bord zu nehmen, gewährleistet ist."

Die deutsche Regierung hat anläßlich der deutsch-englischen Flottenverhandlungen in der Zusammenfassung der Besprechungen zwischen den deutschen und englischen Flottensachverständigen am 23. Juni 1935 ihre Bereitwilligkeit erklärt, den Bestimmungen über den llnterseebootskrieg des Teiles IV des Londoner Seerüstungsvertrages beizutreten. Demgemäß beehre ich mich. im Aus­trage meiner Regierung zu erklären, daß die deutsche Regierung den oben wiedergegebenen Regeln beitritt und diese als vom heutigen Tage ab für sie verbindlich annimmt.

gez.: von Ribbentrop

»

Während die europäische Politik erneut im Zustande einer neuen Krise liegt, hat Deutschland sich wieder einmal, wie schon so oft, nicht nur durch das Wort, sondern durch die Tat zum Frieden bekannt. Was die technische Seite betrifft, so stellt der Beitritt Deutschlands zum U-Bootabkommen einen Beitrag zur Humanisierung des U-Bootkrie­ges dar. Da^ bedeutet, daß die Untersee­boote sich ebenfalls an die Bestimmungen ge­bunden fühlen, die auch für die Ueberwasser- streitkräfte gelten und die Prisenordnung dieser Schiffe auch für U-Boote gültig ist.

Veukschland wartet!

Zum neuen sowjetjüüikchen Vrandstiftungsversuch an kuropa

* Bremen, 24. November. Der blutige Urteilsspruch skrupelloser Will­kür, der am Sonntag von einem feigen und feilen Gerichtshof der Sowjets u. a. auch gegen den Reichsdeutschen Stickling in No­wosibirsk gefällt wurde, schreit zum Himmel.

Rein menschlich gesehen von einer ab- schaumüblen Gemeinheit, kommt dieses Ur­teil politisch gesehen einem gewissenlosen Brandstiftungsversuch an Europa gleich, weil es die gewallte Herausforderung eines seiner Ehre und der Pflichten seinen Staatsbürgern gegenüber voll bewußten Volkes darstellt, eines Volkes, von dem man in Moskau ganz genau weiß, daß es in Hinsicht aus Ehre und Pflicht keinen Spatz versteht.

Es läßt sich kaum mehr bezweifeln, daß man in Moskau die Probe aufs Exempel machen möchte, inwieweit Deutschlands Ge­duld den Cowjetniederträchtigkeiten gegen­über ruhig bleibt; wobei man sich im Kreml aber das eine gesagt sein lassen mag, daß Deutschland bestimmt nicht, wie etwa der Völkerbund, mit sich Schindluder treiben läßt. Was soll es heißen, wenn soeben Niko- lei Ieschow, der Chef der GPU., in seinem Runderlaß an seine Schergen und Folter­knechte Belastungsmaterial gegen alle in Rußland lebenden Deutschen einfordert?,

Will man es etwa nicht genug sein lassen mit dem einen deutschen Opfer ungeheuer­lichsten Tscheka-Terrors? Man hat ja gewiß im Kreml allen Grund, das Augenmerk des russischen Volkes, das wieder einmal vor einer furchtbaren Hungersnot steht und zu­gleich vor dem Bankerott der Außenpolitik seiner Regierung, von der eigenen Unfähig­keit abzulenken und auf Dinge zu richten, die angeblich diese Unfähigkeit zu entschuldi­gen imstande sind. Dabei soll man aber ge­fälligst die Hände von deutschen Staats­bürgern lassen.

Obwohl alle beschämenden Mißerfolge einer nur in Grausamkeit und Greueln be­wanderten Despotie sich aus die natürlichste Weise durch . die nackte Dummheit dieser Despotie und ihre Engstirnigkeit erklären lassen, müssen vor dem Volke Fälle von Sa­botage konstruiert werden, von denen keine Spur vorhanden und für die nicht einmal ein Schein von Beweisen zu finden ist. In Ermangelung solcher Spuren und Beweise arbeitet man indessen im Kreml mit durch Foltern und Martern erzwungenen Schein­geständnissen. Beispiellos in der Welt ist die Sowjetmethode, mit Versprechungen und Verlockungen aller Art Angehörige fremder Nationen ins Land zu rufen weil man selber über keine geeigneten Kräfte verfügt, um ausbauen zu können, und nachher, wenn diese Kräfte sich voll und ganz den ihnen gestellten Aufgaben gewidmet haben, sie der S a b o t a g e zu zeihen, weil sie nicht hexen, d. h. über das Maß des Menschen­möglichen hinaus leisten können, was ein verrücktes System ihnen zu leisten vor­schreibt.

Unerhört ist es, solchen Menschen mit bru­talsten Erpresser- und Foltermethoden Scheingeständnisse abzuzwingen, aus Ankla­gen hin, die jeder Grundlage entbehren. Welche Martern und Qualen seelischer und körperlicher Art mag der deutsche Ingenieur Stickling ausgehalten und wie mag er sich vor der Wiederholung solcher Martern und Qualen gefürchtet haben, als er Dinge ein- gestand, die er niemals tat und von denen er wußte, daß sie sein Todesurteil bedeu­teten. Es ist nichts anderes und wohl noch Schlimmeres, als bei den düstersten Methoden mittelalterlicher Hexenprozesse, was die Menschen in diesen sowjetrussischen Schau- prozessen zu Aussagen zwingt, zu Zuge­ständnissen, die der Wahrheit so ferne lie­gen, wie Menschlichkeit und Barmherzigkeit den sowjetjübischen Gewalthabern.

Ein furchtbarer Schlag gegen die gesamte europäische Kulturwelt ist das Urteil von Nowosibirsk, und wir Deutschen warten ab. ob nicht endlich mit einem einzigen Schrei grimmiger Entrüstung die ganze europäische Kulturwelt gegen das Bluturteil aufsteht Jetzt hat sich das Weltgewissen bemerkbar zu machen, oder es hat in Zukunft niemand mehr das Recht, noch von einem Welt- gewissen zu sprechen.

Wir fragen: Was gedenkt die Welt zu tun, um die Vollstreckung eines Urteils zu verhindern, das für jedermann und auch für die, welche es fällten, als der schändlichste, weil gewallte Justizmord erkennbar ist. Der deutsche Botschafter hat, soweit es sich um einen deutschen Staatsbürger handelt eindringlichen Protest erhoben. Die Gewalt­haber im Kreml, die bis jetzt es noch nicht