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parteiamtliclie Tageszeitung
Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsstont Vremen
der Nationalsozialisten Vremens
flmksblatt des Senats der Lreien kjansestadt Vremen
Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstattlialters in Oldenburg und Vremen
Nr. Z2Z/ 6. labrgang
freilag, 20. November 1SZ6
Anzcigcn-Grundprcise: Die W-mm-Zeile im Anzeigenteil ISPs-, die 70-inm-ZeikermTsxttell75Pf. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Familien-Anzeigen u. a.Z !°^°s?"stlge^d,ngiingen Preis liste S (Nachlaßstaffel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-18 Uhr-. S christleitung Dienstag und Freitag 12)4-18)4 Uhr.
kinzelpreis 15 Npf.
Staatssekretär Schmidt oom sichrer empfangen
Unser lagssspiegel
Der österreichische Staatssekretär Schmidt wurde vom Führer empfangen.
Die Anerkennung der spanischen National- regierung durch Deutschland und Italien fand Zustimmung in der europäischen Presse.
Die Madrider Bevölkerung fordert die Ueber- gabe der Stadt.
Der Große Faschistische Rat tritt für Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Italien, Deutschland, Oesterreich und Ungarn ein.
Auf der Ordensburg Vogelfang sprachen Rosenberg, Dr. Frick und Dr. Goebbels.
In München wurde die „Forschungsabteilung Judensrage" des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands eröffnet.
Auf der Jahresversammlung der Schifsbau- technischen Gesellschaft wurden zwei bremische Referate über schisfbauliche Neuerungen gehalten.
In Habenhausen brannte ein IllSjähriges Haus nieder.
Line neuartige Aktion des WHW. sieht Verlauf von Weihnachtspäckchen für Hilfsbedürftige vor.
gausrolrtschoftttche
Sachbearbeiterinnen
Eine neue Einrichtung der DAF.
Berlin, 19. November.
Das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront hat für seine Abteilung „V o l,k s.w i r t sch a ftI i ch e Erziehung" in allen' 32 Gauen „H a u s - wirtschaftliche S ach b e a r be i t.e.ri n- ne n" eingesetzt. Dtn'ne.uen Sachbearbeiterinnetl. fällt die Aufgabe zu, die werktätigen Frauen innerhalb der DAF...zum volkswirtschaftlich richtigen Denken und Handeln zu erziehen. Sie stehen in enger Verbindung mit der Abteilung „Volkswirtschaft — Hauswirtschaft" des Deutschen Frauenwerks und sind zugleich Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Mütterschulung. Durch die Zusammenarbeit mit diesen beiden Stellen wird die notwendige Verbindung der hauswirt- schaftlichen Sachbearbeiterinnen mit den Dienststellen geschaffen, die an der volkswirtschaftlichen Erziehungsarbeit der deutschen Hausfrauen und Mutter mitarbeiten.
Zuchtbaus für Nassenschiinder
Hamburg, 19. November.
Die Große Strafkammer des Hamburger Landgerichtes verurteilte den 45 Jahre alten Voll- juden Willy Curland wegen Rassenschande zu einem Jahr sieben Monaten Zuchthaus. Curland hat noch nach Erlaß des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre bis in den März dieses Jahres Rassenschande getrieben. Die Behauptungen, die er nach seiner Verhaftung aufstellte, daß er nicht Volljude sei, wurden klar widerlegt. Besonders kennzeichnend für die niedrige Gesinnung dieses Juden ist, daß er bei der Durchführung seiner Geschäfte stets versuchte, sich den Anschein eines Ariers zu geben. Aus diesem Grunde hatte er auch am 9. November vorigen Jahres die Hakenkreuzfahne an seiner Wohnung gehißt, obwohl ihm bekannt war. daß der Paragraph 4 des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre Juden das Hissen der Reichs- und Nationalflagge verbietet.
NS.-Zoarnalislen bei tiano
Rom, 19. November.
Donnerstag vormittag legte Reichspressechef Dr. Dietrich mit der Abordnung der nationalsozialistischen Pressevertreter in Rom am Grabe des Unbekannten Soldaten und am Mahnmal für die Gefallenen der faschistischen Revolution Lor- beerkränze nieder. Nach dieser feierlichen Ehrung begab sich Reichspressechef Dr. Dietrich mit seiner Begleitung in den Palazzo Chigi, wo sie von dem italienischen Außenminister Graf Liano empfangen wurden. ^ . —
Nachmittags besuchte Reichspressechef Dr. Dietrich mit seiner Begleitung das neugegrundete deutsche Heim in Rom. Anschließend fand em Empfang durch die faschistische B-rtei im Palazzo Littorio statt in dessen Etos eine Ehrenabteilung Jungfaschlsten Aufstellung genommen hatte. Der Generalsekretär der faschistischen Partei, Staraca, gab seiner lebhaften und aufrichtigen Freude darüber Ausdruck. die nationalsozialistischen Journalisten am -itz der faschistischen Partei begrüßen zu können. Er unterstrich die großen und wichtigen Aufgaben, die eine disziplinierte Presse, wie sie m Deutschland und Italien bestehe, für Partei und staat Müllen könne. , In seiner Erwiderung betonter. Dietrich, daß eine besondere innere Wesensverwandtschaft die Kampfer der nationalsozialistischen Partei in Deutichland uns die der sajcknstischen Partei in Italien miteinander - verbinde. In beiden Ländern sei d i e Partei das Rückgrat des Staates dss von ihr vertretene Weltanschauung das Geheimnis der nationalen Kräfte.
Am Abend waren die Haupt, chrrftleiter von Minister Alfieri zum Essen geladen und nahmen anschließend an einem für ste veranstalteten Empfang auf der deutschen Botschaft teil. Außerdem hat am Abend -in Teilnehmer ber nationalsozialistischen Presseabordnung am "alienischen Rundfunk gesprochen.
flussprache über schwebende fragen
Vor österreichische Staatsbesuch
Berlin, 19. November.
Mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Wie» traf am Donnerstag um 8.37 Uhr auf dem An- halter Bahnhof der österreichische Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. Guido Schmidt als Gast der Reichsregierung zu seinem angekündigten mehrtägigen Besuch in Berlin ein. In seiner Begleitung befand sich der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des Außcn- ministeriums, Gesandter Wildner, der Leiter der Abteilung für Mitteleuropa, Gesandter Hoffinger, ferner die Legationssekretäre Wildmann und Chlumocky-Loewenthal. Botschafter von Papen begleitete, wie schon berichtet, die österreichischen Gäste nach Berlin. Denselben Zug benutzten auch der Direktor der österreichischen amtlichen Nachrichtenstelle, Hofrat Weber und Sektionsrat Wolf.
Zur Begrüßung der österreichischen Gäste hatten sich auf dem Bahnsteig eingefunden: der Staatssekretär und Chef der Präsidialkanzlei Dr. Meißner, der im Auftrage des Führers und Reichskanzlers die Gäste willkommen hieß, der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath, der stellvertretende Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff, der Chef des Protokolls, Gesandter von Vülow- Schwante und die Herren der Länderabteilungen des Auswärtigen Amtes. Von österreichischer Seite hießen den Staatssekretär für die Auswärtigen Angelegenheiten der österreichische Gesandte in Berlin, Tauschitz, und das gesamte Personal der Gesandtschaft und des Generalkonsulats in Berlin willkommen. Auf dem Bahnsteig und vordem Bahnhof.hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt, die die Österreicher herzlich begrüßte.
Der Führer und Reichskanzler empfing sodann den österreichischen Staatssekretär zu einer etwa zweistündigen Aussprache über schwebende politische Fragen. An den Besprechungen nahmen Reichsminister Freiherr von Neurath, der österreichische Gesandte in Berlin Dr.-Jng. Tauschitz, Botschafter von Papen und Staatssekretär Dr. Meißner teil. Im Anschluß hieran stellte Staatssekretär Dr- Schmidt dem Führer seine Mitarbeiter, Gesandten Dr. Wildner, Gesandten Hossinger sowie seine anderen Begleiter vor.
Durch eine feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal Unter den Linden gedachte der öster-
l>vi- iistei roiebiseile LtaLtsselcrotäi- äes ^eulleren, Dr. 8clniiiüt, bsiin Vorlassen des Lnlialtsr Lsdnlloks in Berlin. Von links: Ftaatsselcrskär Dr. Nsikuor, Dr. Lebinickt, Uoiolisanüsnministsr Drsillorr v. dlsnratb, Lotsollaktsr v. Lagen. (Drssso-IIlnstraiionsn üldkkmann.)
reichische Staatssekretär der Gefallenen des deutschen Heeres. Um 13 Uhr marschierte vor dem Ehrenmal Unter den Linden eine Ehrenkompanie des Wachregiments unter Führung des Hauptmanns HoebeI, ein.Träger des Blutordens, mit klingendem Spiel auf. Kurz darauf erschien Staatssekretär Dr. Schmidt, begleitet vom Chef des Protokolls Gesandten von Bülow- Schwante, dem Botschafter von Papen, Gesandten Wildner und Gesandten Hoff inst er. Sie wurden am Ehrenmal von dem Kommandanten von Berlin Generalleutnant Schaum bürg begrüßt. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritten der Staatssekre
tär, Generalleutnant Schaumburg, der österreichische Gesandte Tauschitz und Botschafter von Papen die Front der Ehrenkompanie ab. Dann begaben sie sich in das Ehrenmal, wo sie einen großen Lorbeerkranz niederlegten, dessen rot-weiß-rvte Schleifen die Inschrift tragen „Den gefallenen Helden des verbündeten deutschen Heeres. Der österreichische Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten." Nach einer Minute stillen Gedenkens. während von draußen die Klänge des Liedes oom guten Kameraden hereintönten, bildete ein Vorbeimarsch der Ehrenkompanie den Abschluß der Totenehrung, der viele hundert Berliner beiwohnten.
Weltanschauung lm Vordergrund
Nosenberg, Luise, Vr. srick und Sr. üoebbels bei den üauamlsleilern auf Burg Vogelfang
Burg Vogelfang, 19. November.
Die NSK. meldet: Der vorletzte Tag der Gau- amtsleitertagnng auf Burg Vogelfang in der Eisel wurde mit einem grundsätzlichen Referat Alfred Rosenbergs eröffnet und fortgesetzt mit bedeutsamen Ausführungen des Stabschefs der SA. über den Weg, den die SA. in Zukunft gehen wird. Abschließend ergriff Reichsminister Dr. Frick das Wort.
Reichslöiter Alfred Rosenberg umriß in großen Zügen die weltpolitische Situation Europas, in der die nationalen Auffassungen und Kulturen aller europäischen Mächte und Länder gemeinsam vom Weltbolsche- wismu's bedroht seien. Die bolschewistische Gefahr, die früher für Deutschland eine innenpolitische Angelegenheit gewesen sei, habe sich zu einer europäischen Frage ersten Ranges entwickelt, wie es sich im Beispiel Spanien am bedeutsamsten ausdrücke. Das Interesse Deutschlands an der Erhaltung und am Aufbau der eigenen und der europäischen Kultur bestimme seine Verbindung mit allen, auch den sogenannten kleinen europäischen Staaten und regele die freundschaftlichen Beziehungen zu den Ländern, die für einen Austausch kultureller und wirtschaftlicher Werte offenstünden.
Stabschef der SA. Viktor Lutze legte ein Bekenntnis ab, daß die SA. das Instrument ist, das immer in der festesten Tuchfühlung mit der gesamten Bewegung stehen muß. Indem er darauf hinwies, daß viele der Eauamtsleiter früher selbst SA.-Männer waren und genau so wie er treppauf. treppab mit Plakaten und Flugblättern gelaufen und dem Gegner auf der Straße mit der Faust entgegengetreten sind, zeigte er. wie durch dielen Kamps in der SA. eine Auslese mutiger und gläubiger Männer entstanden ist. Der Stabschef sprach dann weiter über die Entwicklung der SA., wie sie sich von der Machtübernahme bis heute gestaltet hat. Eine vordringliche Aufgabe ist es gewesen, durch Prüfungen von SA.-Führern und SA-Männern die wirklichen Führer festzustellen. Pa. Lutze führte dann weiter aus, wie er sich den SA.-Führer und SA.-Mann denkt.
„Ich muß verlangen", so sagte er, daß die SA.-Führer sich nicht nur als Borgesetzte fühlen, sondern ich muß auch von dem Führer verlangen, daß er geistig und weltanschaulich führend vor der Front steht." An die Führer stellte er eine
zweite Forderung: Er verlange von einem Führer, daß er in Zivil und Uniform, wo er gehe und stehe, eine Werbung für den Nationalsozialismus ist.
Der Stabschef zeigte weiter den Weg, den die SA. geht. „Der Führer muß für seine Männer ein Beispiel sein, was er als heiligen Glauben durch den Führer in sich aufgenommen hat, mutz er an seine Männer weitergeben können, und zwar so,-daß diese Männer als Mittler zum Volk wiederum gläubige Nationalsozialisten erziehen können, So sehr wie ich außenpolitisch für ein machtvolles und starkes Deutschland eintrete, so sehr bin ich aber auch der Auffassung, daß man innenpolitisch nicht mit Machtmitteln regieren kann, sondern daß das Volk mit dem Herzen gewonnen werden muß." So habe er, führte der Stabschef weiter aus, immer die Weltanschauung in den Vordergrund gestellt. „Wir wollen wie eine gläubige Gemeinschaft für den Führer stehen, so daß er bei den großen Aufgaben, die ihm gestellt sind, nicht rückwärts zu schauen braucht." Die Sendung unserer Zukunft ist die Schaffung einer solchen Gemeinschaft durch die Partei als Vorbild für das ganze Volk.
Nach dem Stabschef der SA. sprach Reichsminister Pg. Dr. F r ick. Er benutzte die Gelegenheit, um in ausführlichen und eindringlichen Darlegungen den führenden Männern der Bewegung den Sinn und Zweck des nationalsozialistischen Staatsaufbaus vor Augen zu halten. Er sprach dann über den Neubau des Reiches und erklärte hierzu: Neubau des Reiches ist nicht die Herstellung einer blutleeren Konstruktion, sondern das Werden und Wachsen auf Grund einer blnts- mäßig gebundenen, lebendigen Volksgemeinschaft. Mit dem Umbruch der Weltanschauung ist auch eine Aenderung aller Rechtsformen Hand in Hand gegangen. An die Stelle des herkömmlichen Staatsdenkens ist die Idee des artgleichen Volksganzen getreten. Die werdende Staatsordnung ist nichts anderes als die Uebertragung des nationalsozialistischen Denkens auf den Staat. „Parlamentarismus und formale Den- kungswsise passen nicht zum deutschen Volk, an ihre Stelle mußte der von einem verantwortlichen Führer .geleitete wahre Volks st aat treten." Was in der Partei gewachsen ist, — ein Wille und ein Führer muß auch auf den Staat übertragen werden. Der nationalsozialistüche Führerstaat kann daher nur ein Einheitsstaat sein. Mit Hilfe der nationalsozialistischen Be
wegung allein wird der Neubau des Staates vollendet, so wie es der Führer auf dem Parteitag in Nürnberg verkündet hat. Schließlich zeigte Reichsminister Dr. Frick dann noch die grundlegenden Gesetze auf, die den Neubau des Staates vom ersten Tage an, da Adolf Hitler die Macht übernommen hat, eingeleitet haben.
Der Nachmittag stand im Zeichen des Besuches von Reichsminister Dr. Goebbels, der gegen Mittag in Köln eintraf. Dort wurde er von Gauleiter Grohs und Landesstellenleiter Winkelnkempner empfangen und im Kraft- wagen zur Ordensburg Vogelfang geleitet. Die Fahrt durch die geschmückten Dörfer und- Städte zwischen Köln und Vogelfang gestaltete sich zu einem Triumphzug. Trotz der nebligen kühlen Witterung hatten sich Tausende von Nienschen am Wege eingefunden, die Dr. Goebbels immer wieder zujubelten und ihn herzlich begrüßten. Der Reichspropagandaminister mutzte auf seinem Wege wiederholt anhalten, um Volksgenossen die Hand zu drücken und kurz mit ihnen zu sprechen. Diesen überwältigenden Empfang durch die Bevölkerung des Eifellandes folgte eine ebenso herzliche Aufnahme in dc - Ordensburg durch die Gauamtsleiter.
Dr. Goebbels erklärte, seinen Besuch nicht in der Form eines üblichen Referates ablausen zu lassen, sondern er wolle sich in kameradschaftlicher Aussprache mit den versammelten Führern der NSDAP. über tagespolitische Fragen, gemeinsame Sorgen und Freuden unterhalten. Er berührte in seinen einleitenden Worten das Problem der politischen Taktik, die der Strategie des Staates zu Diensten stehen muß und führte dabei praktische Beispiele für taktische Wege zur Erreichung eines politischen Zieles an. Er verglich die Taktik der Staatsführung mit der Taktik eines Schachspielers, der seine Regeln und Maßnahmen, die ihn zum Ziele geführt haben, auch erst nach erfolgreichem Spiele bekanntgebe Die nationalsozialistische Taktik sei von Vernunft und dem gesunden Menschenverstand beherrscht.
Nach dieser Einführung forderte Reichsminister Dr. Goebbels die anwesenden Eauamtsleiter auf, aus ihren Arbeitsgebieten und aus der Tagest politik Fragen an ihn zu richten, die er beantworten wolle. Diese politische Unterhaltung wurde von den Gauamtsleitern mit freudiger Zustimmung aufgenommen. Die vielen Fragen .der Eauamtsleiter boten Reichsminister Dr. Goebbels die Gelegenheit, zu einzelnen Problemen ausführlich Stellung zu nehmen.
Höllische Kriegsschiffe vor Spanien
Msi,er rund 1S000 Flüchtlinge gerettet
Bon Kapitänleutnant (MA. E.) Giese gehen uns die folgenden interessanten Ausführungen zu:
Juli 1936. Wenige Wochen erst waren seit dem Ausbruch der inneren Kämpfe in Spanien vergangen, aber schon ließen die anfangs spärlich einkommenden Nachrichten klar erkennen, daß Leben und Eigentum der Ausländer in Spanien nicht mehr sicher waren. Die Größe der auslandsdeutschen Kolonie in Spanien ließ es als wahrscheinlich erscheinen, daß auch sie durch die dortigen Ereignisse in stärkste Mitleidenschaft gezogen werden würde. Der rasche Entschluß zur Entsendung deutscher Kriegsschiffs zu ihrem Schutz und zur Wahrnehmung der deutschen Interessen mußte daher von allen Ausländsdeutschen in Spanien mit großer Erleichterung begrüßt werden und in ihnen das Gefühl verstärken, daß die Heimat auf sie und ihre Sicherheit bedacht war.
Am Sonntag, 26. Juli, traf das Panzerschiff „Deutschland" bereits vor Sän Sebastian ein und übernahm dort, nachdem sich' die österreichische, schweizerische und schwedische Gesandtschaft in Berlin mit entsprechenden Bitten an die Reichsregierung gewandt hatte, auch den Schutz -der Oesterreicher, Schweizer und Schweden. Die Flüchtlinge aus den Bezirken Sän Sebastian, Bilbao und Santander wurden teilweise ein Bord des Kriegsschiffes genommen, ein anderer Teil wurde unter ünlitärischer Bedeckung an Bord von Handelsschiffen weiterbefördert. Einen Tag. später, als die „Deutschland" vor Sän Sebastian, traf das Panzerschiff „Admiral Scheer" vor Malaga ein und stellte auch hier den Schutz der deutschen Reichsangehörigen sicher. Unter der Obhut von „Admiral Scheer" erfolgte hier am 29. Juli die Abbeförderung von 1266 Deutschen auf italienischen Handelsschiffen und von 866 Deutschen auf den deutschen Dampfern „Uckermark" und „Fulda".
Kurze Zeit nach dem Auslaufen der beiden Panzerschiffe erwies sich aber bereits eine Verstärkung durch weitere deutsche Seestreitkräfte als notwendig. Am 27. und 28. Juli verließen Kreuzer „Köln" und die Torpedoboote „Seeadler", „Albatros", „Luchs" und „Leopard" die Heimat und wurden nach Eintreffen vor der spanischen Küste auf die einzelnen Häfen verteilt. Am 16. August schließlich trafen auch noch die Torpedoboote „Möwe" und „Kondor" in den spanischen Küstengewässern ein. Damit war der Schutz und der reibungslose Abtransport der gefährdeten deutschen Reichsangshörigen in den einzelnen bedrohten spanischen Häfen sicher- gestellt.
Die überaus starke Inanspruchnahme der Besatzungen unserer Kriegsschiffe, die fast alle seit ihrem Eintreffen in den spanischen Gewässern am 26. Juli ohne Unterbrechung-die Betreuung unserer bedrohten Volksgenossen wahrgenommen hatten, führte Ende August zu dem Entschluß einer Ablösung der bisherigen deutschen Seestreitkräfte durch andere deutsche Kriegsschiffe. Der an der nordspanischen Küste eingesetzte Kreuzer „Köln" und die Torpedoboote „Seeadler" und „Albatros" wurden durch den Kreuzer „Leipzig" und die Torpedoboote „Jaguar" und „Wolf" abgelöst. Den Dienst, der an der Süd- und Südostküste stehenden Panzerschiffe „Deutschland" und „Admiral Scheer" und der Torpedoboote „Leopard" und „Luchs" übernahmen Kreuzer „Nürnberg", Panzerschiff „Admiral Graf Spee" und die Torpedoboote „Greif" und „Falke". Der Befehl über die in Spanien stehenden deutschen Seestreitkräfte ging von dem Befehlshaber der Panzerschiffe, Konteradmiral Carls, auf den Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte, Konteradmiral Boehm, über.
Wie segensreich die Tätigkeit unserer deutschen Kriegsschiffe bisher schon gewesen war, geht aus der Tatsache hervor, daß bis zum 16. September insgesamt 11 637 Personen gerettet wurden, darunter 4927 reichsdeutsche Staatsangehörige. Nicht immer gingen die Maßnahmen zum Schutze der bedrohten Ausländsdeutschen ganz reibungslos vor sich. So wurde Ende. August der deutsche Dampfer. „Kamerun" außerhalb der spanischen. Küstengewässer von dem spanischen Regierungskreuzer „Liber- tad" auf freier See beschossen, ins Kielwasser gezwungen und durch bewaffnete Soldaten untersucht. Diese Tat rief einen scharfen Protest des deutschen Seebefehlshabers hervor, der dem Chef der spanischen Regierungsflotte mitteilte, daß er