parteiamtliche Tageszeitung
liachnchtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen
der Nationalsozialisten Dremens
flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Vremen
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Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen
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Nr. 516 / 6. Jahrgang
freltag, 15. November 1956
kmzelpreis 15 Npf.
Neichsdeutsche Kolonie in Moskau bedroht
Unser lagvsspiegsl
In Moskau wurden mehrere berusstätige Reichsdeutsche willkürlich verhaftet.
Die Danziger Regierung hat wegen der Deutschenhetze polnischer Blätter einen Protestschritt unternommen.
Die spanischen Marxisten haben im Stadt- innern Madrids zahlreiche Brandherde gelegt.
Die Londoner Philharmoniker find in Berlin eingetroffen.
Der Führer empfing den Botschafter von Argentinien, den Gesandten von Bolivien und den ungarischen Gesandten.
Aus der Ordensburg Bogelsang sind 8KS Eau- amtsleiter vereinigt.
Vremen stand gestern im Zeichen des Besuches und Vortrages des Reichsfinanzministers.
An Bord der „Vremen" fand die feierliche Verabschiedung des Kommodore Ziegenbein statt.
MS. „Kandelfels" der Hansa-Linie lief vom Stapel.
Der Augenhandel mit Uebersee hat sich erhöht.
Pg. Appel erläuterte die am 16. November in Kraft tretenden Höchstpreise für Fleisch- und Wurstware».
Die HJ. führt in Vremen eine HeimLau- und Führertagung durch.
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soo Sauamtsleitec auf der ordensburg Vogelfang
Ordensburg Vogelfang, 12. November.
Auf Bogelsang, der westlichsten der drei Ordensburgen der Partei, in der Nähe von Einund in der Eisel, eröffnete am Donnerstag Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die Reichstagung aller Eauamtsleiter aus sämtlichen Gauen der NSDAP.
Die Frage, warum nach den Kreisleitern nun auch die 800 Eauamtsleiter zu einer solchen Tagung befohlen wurden, beantwortete Dr. Ley eingangs seiner Rede dahin: „Wir wollen uns auch sichtbar einmal wieder alle in den Schoß unserer Partei zurechtfinden, nachdem die erste fieberhafte Zeit der Einfügung in neue und fremde Aufgaben nach der Machtergreifung abgeklungen ist." Die Eauamtsleiter folgten den weiteren Darlegungen des Reichsorganisationsleiters mit starkem Interesse.
Dr. Ley sprach u. a. von dem Sieg der nationalsozialistischen Gesinnung über den Bürokratismus, mit dem alle Systeme vorher nie hätten fertig werden können, und der gehofft habe, auch die Aktivität der NSDAP. im Aktenstaub zu ersticken. „Dem Elan, mit dem diese Hindernisse gestürmt wurden, liegt die erfüllte Forderung des Führers zugrunde, in der Partei ohne Rücksicht auf alle persönlichen Sympathien und Antipathien die gemeinsame Aufgabe über alles zu sehen. Aus' solcher Arbeitsgemeinschaft wächst dann schon mit der Zeit die gegenseitige Achtung und aus der Achtung die Freundschaft. 'Damit steht die Partei fest für die Ewigkeit. Gerade diese Tagung wird über den Kreis der Eauamtsleiter hinaus der ganzen deutschen Öffentlichkeit ein eindrucksvolles Bild von der Größe und Geschlossenheit der NSDAP. in diesem Sinne der Achtung und Freundschaft und von dem Können und dem Wert ihrer führenden Parteigenossen entwerfen." Dr..Ley schloß seine Eröffnungsansprache mit dem Wunsch für guten und nachhaltigen Verlauf der nächsten Tage.
ftppell der weiblichen Hilfskräfte im Noten Kren;
Berlin, 12. November.
Im Rahmen der Jubiläumstagung des Reichs- srauenbundes im Deutschen Roten Kreuz fand Donnerstag nachmittag im Sportpalast ein Appell der weiblichen Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuzes statt. Dieser Appell erhielt seine besondere Bedeutung dadurch, daß ihm mehr als 3 000 Kriegsschwestern und Kriegshelferinnen als Ehrengäste beiwohnten. Die stellvertretende Vorsitzende des Reichssrauenbun- des und Vorsitzende des Provinzialvereins Berlin, Frau von dem Knesebeck, wies nach herzlicher Begrüßung insbesondere der Krregs- schwestern aus die Notwendigkeit einer engen und reibungslosen Zusammenarbeit gerade auf dem Gebiet des Vereitschaftsdienstes hin, um dann die Verpflichtung der Samariterinnen vorzunehmen. Herzliche Worte der Begrüßung und, des Dankes an die Schwestern des Weltkrieges fand auch die Ehrenführerin des Reichsfrauenbundes, Eräsin vonderEroeben.
Die Reichsfrauenführerin §rau Scholtz- ^link. versprach den neu verpslichirten Sama- riterinnen, ihnen stets eine Kameraden zu fern. Es sprachen weiter der stellvertretende Kommissar d«r freiwilligen Krankenpflege Pros. Dr. Napp über die freiwillige Krankenpflege rm Krieg und Frieden, Frau Lotte Schmidt-Stolp über ihre Kriegserlebnisse als Helferin, Oberin Port «am Märkischen Haus für Krankenpflege 'N Berlin über die Verantwortung der Mutterhäuser v°m Roten Kreuz für den Bereitschaft-dienst und Generalstabsarzt Dr. Hornemannals Bevollmächtigter für den Bereitschaftsdienst der weiblichen Hilfskräfte über Richtlinien für die Winter- arbeit.
Verhaftung berusstätlger Volksgenossen
Protest der volschast
Moskau, 12. November.
In der Nacht zum 5. November wurden in Moskau fünf Reichsdeutsche verhaftet, darunter der Reichsdeutsche Thiinig, der stellvertretende Direktor der deutschen Konzession „Labor Leo". Da gleichzeitig auch der erste Direktor der Konzession, der litauische Staatsangehörige Ratz, verhaftet wurde, ist die Konzession praktisch ohne Leitung. Bei den Verhafteten handelt es sich um einwandfreie Personen, die lediglich ihrem Beruf nachgehen. Die deutsche Botschaft hat wegen dieser Vorfälle beim Außenkommissariat nachdrückliche Vorstellungen erhoben.
Einer späteren Meldung zufolge handelt es sich bei den verhafteten Reichsdeutschen, soweit bekannt ist, um folgende Personen: Buchhalter Hermann Niedermeier, Geigenbauer Waldemar Ober-
berg, Automechaniker Alfred Erlinghäuser, Fabrikleiter Georg Thimig und Uhrmacher Alfred Mocher. Ein weiterer Reichsdeutscher, der Friseur Heinrich Höninghausen, wurde bereits vor einigen Tagen verhaftet. Gegen welche Personen sich der von sowjetrussischer Seite erhobene Vorwarf „staatsfeindlicher Tätigkeit" richtet, ist zurzeit unbekannt.
In die gleiche Zeit, in der die erwähnten Reichsdeutschen verhaftet wurden, fielen auch Verhaftungen sowjetrussischer Staatsangehöriger, die zur deutschen Botschaft oder zu Botschaftsmitgliedern Beziehungen unterhielten, bzw. zur reichsdeutschen Schule oder zur evangelischen Kirche gehörten. So wurden u. a. verhaftet: der letzte und einzige evangelische Geistliche in Moskau, Pastor Streck, eine Lehrkraft der rcichsdeut- fchen Schule, der Rechtsberater der deutschen Botschaft, der Hausarzt einiger Votschaftsmitglieder. »
Das gesamte deutsche Volk erhebt gegen die leichtfertigen Freiheitsberaubungen deutscher Staatsangehöriger, wie sie in Moskau
erfolgt sind, schärfsten Einspruch. Die Mitglieder der betroffenen reichsdeutschen Kolonie sind, das mögen sich die verantwortlichen sowjetrussischen Stellen mit aller Deutlichkeit gesagt sein lassen, kein Freiwild für bolschewistische Machthaber, die mit solchen in jeder Weise ungerechtfertigten Verhaftungen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von den zunehmenden inneren Schwierigkeiten des kommunistischen „Staats"-Regi- mes ablenken wollen. Wir verlangen, daß den energischen Vorstellungen der deutschen Botschaft in Moskau sofort Rechnung getragen wird und daß die Verhafteten nach Feststellung der Unhaltbarkeit des gegen sie erhobenen Vorwurfs ohne Säumen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Mögen sich die gewissenlosen Bolschewisten die Objekte für ihre Gewaltherrschaft unter ihresgleichen suchen — das Deutsche Reich wird einen Uebergriff auf seine Angehörigen nie und nimmer stillschweigend hinnehmen. Darum noch einmal: Hände weg von deutschen
Staatsangehörigen!
vremer ftppell der NellksftnanWlnlsters
«Unserer Wirtschaft tut immer ein ftauch des ftanseatengeistes not"
Bremen, 12. November.
Der Reichsminister der Finanzen, Graf Schwerin von Krosigk, hielt Donnerstag in der Berwal- tungsakademie in Bremen einen Vortrag über die Reichsfinanzen.
Nach einem Ueberblick über die Finanzpolitik der letzten Jahre und der Gegenwart, die veranschaulichte, wie heute eine kraftbewußte Nation im Vertrauen auf ihr Schicksal und ihre Führung auch ihre wehrpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben durch Einsatz aller finanziellen Kräfte und Reserven ganz anders meistern könne als Deutschland vor der Machtergreifung, führte er u. a. folgendes aus: Die großen national politischen Aufgaben erforderten selbst- ständlich höchste Anspannung der Ar- beits- und Steuerkraft der Bevölkerung, zumal da nicht nur die laufenden Einnahmen, sondern auch die künftigen in Form des Kredits herangezogen werden müßten. Geschenkt würde uns nichts und Kredite müßten zurückgezahlt werden. Deshalb bestünde keine Veranlassung, großzügig zu wirtschaften, etwa weil die großen öffentlichen Ausgaben zu erfreulichen wachsenden Steuererträgen führten.
Namentlich müsse der einzelne so wirtschaften, daß er die Last des großen öffentlichen Bedarfs
nicht auch selbst noch vermehre. Wenn auch der Staat produktive Ausgaben im Sinne der nationalsozialistischen Politik leisten könne, ohne daß sich jede Ausgabe alsbald wieder durch eigene Einnahme selbst finanziere, in der Wirtschaft sei jeder für sich selbst verantwortlich und müsse dafür sorgen, Saß sein Unternehmen sich rentiere. Auf öffentliche Hilfe dürfe sich keiner verlassen.
Erhöhte Disziplin erfordere nun der Pierjahresplan. Ebenso wie dieser Plan versinnbildliche, daß wir mit unseren heimatlichen Schätzen sparsam und pfleglich umgehen müßten, so erforderten die großen Ziele Deutschlands, hauszuhalten mit unseren Devisen und etatsmäßigen Einnahmen.
Die Lage, die uns zu diesem Plan führte, hätten wir nicht selbst herbeigeführt. Angesichts der Abschnürung der Welt durch Handelshemmnisse und Valutäerschwerungen sei es uns auch nicht möglich, durch gewinnbringende Betätigung im Außenhandel und in der Schiffahrt die nach dem Kriege erlittenen Kapitaleinbußen auszugleichen. Die Verluste Deutschlands durch die Tribute hätten die uns geliehenen Kapitalien weit überstiegen, und die Last der noch ausstehenden Auslandskredite, die seinerzeit zum großen Teil wieder für Kredite abgezogen wurden, aber nun
noch einmal zurückgezahlt werden mußten, sei das schwerste Hindernis für eine vernunftgemäße Wiedereingliederung Deutschlands in den Welt- wirtschastsmechanismus.
Neue Kredite allein könnten 'Deutschlands außenwirtschaftliche Lage nicht verbessern, da wir ja schon mit den alten Krediten auf die bekannten Schwierigkeiten gestoßen seien. Wolle man zu stabilen weltwirtschaftlichen Verhältnissen kommen, so müsse Deutschland die Möglichkeit gegeben werden, seinen eigenen Kredit für Gewinnung solcher Rohstoffe nutzbar zu machen, die ihm heute noch im Lande fehlten; ferner müßten die sonstigen Schranken abgebaut werden, die es heute Deutschland verwehrten, die innere und äußere Kostenlage auszugleichen und zur dauerhaften Belebung des Welthandels beizutragen.
Unter diesen Verhältnissen erfordere die Selbstbehauptung des deutschen Kaufmannes und Reeders äußerste Kraftentfaltung. Unserer Wirtschaft tue immer ein Hauch des Hanseatengeistcs not. Der in die Ferne weisende, Meere überbrückende und völkerverbindende, neue Räume erschließende Kaufmann im besten Sinne des Wortes sei für Deutschland auch in der Zukunft unentbehrlich. So falle auch Bremen eine wichtige Aufgabe im Wirtschaftsaufbau des Dritten Reiches zu. (Siehe unseren örtlichen Teil)
Milk ins ftusland
lr. kill. Bremen, 12. November.
Die entscheidenden mili- Die rechtmäßige irischen Erfolge der Regierung Franco spanischen Nationalisten im Kampfe gegen die marxistischen Verbrecher-Bataillone und die Flucht der roten Madrider „Regierung" nach Valencia haben in den letzten Tagen zu sonderbaren Betrachtungen der französischen und englischen Presse über die Frage der völkerrechtlichen Anerkennung der Regierung Franco geführt. Besonders in Paris macht sich schon jetzt das Bestreben bemerkbar, die Anerkennung des neuen nationalen Kabinetts Spaniens zu verweigern. Dabei wird von gewissen politischen Jongleuren der französischen Hauptstadt ein kleiner „juristischer Trick" in Anwendung gebracht: Man nimmt plötzlich den Standpunkt ein, die Anerkennung der Bur- gos-Regierung müsse von ihrer Bestätigung durch allgemeine Wahlen abhängig gemacht werden. Dieser Versuch, der unter dem Deckmantel juristischer Formeln eine rein politische Absicht im Interesse- der marxistischen Drahtzieher verfolgt, stimmt nun aber mit den völkerrechtlichen Regeln in keiner Weise überein. Es hat sich vielmehr in der zwischenstaatlichen Praxis als feste Norm herausgebildet, daß einzig und allein das Vorhandensein der wirklichen Staats- gewasit des betreffenden Kabinetts sowie sein Wille, internationale Verpflichtungen zu erfüllen, als Voraussetzungen für die Anerkennung zu gelten haben. Alle diese Bedingungen sind. seitens- der Regierung Franco erfüllt. Sie übt bereits die Staatsgewalt über den größten Teil Spaniens aus, hat das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit hinter sich und bietet eine Gewähr für Dauer und Kraftentfaltung des nationalen Regimes; ihr Chef hat ausdrücklich erklärt, allen internationalen Verpflichtungen nachkommen zu wollen. Die Minister der Bur- gos-Regierung brauchen eine Volksbefragung nicht zu fürchten, aber um diese „demokratische Bestätigung" ist es den Helfern und Helfershelfern der in die Enge getriebenen Marxisten Spaniens gar nicht zu tun. Sie wollen mit ihrem parlamentarischen Dreh nur Zeit gewinnen, um von dem falschen Roß, auf das sie sich bei Ausbruch der spanischen Wirren geschwungen haben, nicht s o- sort heruntersteigen zu müssen.
tmivoim WllMmoniker In verlin
Herzlicher empfang auf dem Vahnhof Zoo und im Nachaus
Heute abend Konzerl-Uebertragung im Nundfunk
Berlin, 12. November.
Sir Thomas Beecham, der auf Einladung des Botschafters, von Ribbentrop eine Konzertreise durch Deutschland macht, traf Donnerstag morgen mit den Mitgliedern des Londoner Philharmonischen Orchesters auf dem Bahnhof Zoo in Verlin ein. Hier hatten sich Dr. von Räumer und von Wussow von der Dienststelle des Botschafters und Bertreter des Berliner Philharmonischen Orchesters zum Empfang eingefunden. Schon an der Grenze hatte ein Vertreter des Botschafters das Orchester begrüßt. Anschließend an die Begrüßung auf dem Bahnhof fand im großen Festsaal des Rathauses ein offizieller Empfang statt. Oberregierungsrat Dr. Schamvogel richtete an die Londoner Gäste im Namen von Staatskommissar Dr. Lippert eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Gerade die geistig-kulturelle Befruchtung zweier kulturnaher Völker ist besonders geeignet, das Berständnis auch auf anderen Lebensgebieten zu fördern. Es kann als ein besonders günstiger Umstand betrachtet werden, daß in demselben Augenblick, in dem die Dresdener Oper in Ihrem Lande deutsches Kulturgut Ihren Landsleuten vermittelt, ein so bedeutsamer Kulturträger wie das Londoner Philharmonische Orchester uns englisches Kulturgut näherbringen wird. Ihr Besuch wird dazu beitragen, die gemeinsamen Bande noch mehr zu festigen, als es bisher schon möglich gewesen ist!
Der Dirigent, Sir Beschäm, dankte für die herzliche Begrüßung und versicherte, daß allen Mitgliedern des Orchesters »der Besuch in Berlin ein besonderes Erlebnis sei. Der Engländer schätze Deutschland als die älteste Heimat der Musik. -- An dsn Empfang schloß sich eine Besichti-
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gungsfahrt durch Berlin und Potsdam. Am Freitagabend um 20 Uhr wird als erstes Konzert der Deutschlandreise in der Berliner Philharmonie ein Konzert der Londoner Philharmoniker stattfinden, an das sich ein Kameradschaftsabend mit den Berliner Philharmonikern anschließt. Das Konzert wird in der Zeit von 20 bis 22 Uhr vom Deutichlandsender übertragen und von den Reichssendern Berlin, Hamburg und Leipzig übernommen. Die Reichssender Breslau, Frankfurt a. M„
Köln, München und Saarbrücken übernehmen den zweiten Teil des Konzerts ab 21 Uhr.
Seit Tagen und Wochen sah die deutsche Musikwelt dem Eintreffen der Londoner Philharmoniker und ihres Meister-Dirigenten mit erwartungsvoller und berechtigter Spannung entgegen. Freitag abend wird rhr erstes großes Konzert in Berlin stattfinden. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß dieses beste und größte Orchester Englands unter seinem Führer Sir Thomas Beecham, dessen musikalische und menschliche Persönlichkeit unseren Lesern längst nicht mehr fremd ist, ebenso herzlich von allen deutschen Musikfreunden aufgenommen und einmütig gefeiert werden wird, wie es in diesen Tagen unserer Dresdner Oper in London geschah. Kunst und Kultur der Völker haben in ihren größten und volkseigen- tümlichsten Ausprägungen stets ihre nicht zu unterschätzende völkerverbindende Bedeutung gehabt, nicht in jenem abgeklapperten internationalen Sinne, der sich davon eine friedliche Vereinigung der Menschheit in einem künstlerischen Erdenhimmel erträumte, sondern darin, daß sie uns Eigenart und Eigenwert jedes Volkes erkennen und achten lehrte. Webe dem Abendlands, wenn es sich dieser Mittlertätigkeit zwischen den Völkern begäbe oder solchen Kulturaustausch in völliger Verblendung oder überheblicher Selbstgenügsamkeit absterben ließe! Die Musik steht darin unter allen Künsten an allererster Stelle, weil sie die vermittelnde Sprache entbehren kann. Die Sprache des Tones aber, von einem so edlen Klangkörper wie dem der Londoner Philharmonie gemeistert, wird in allen deutschen Herzen verwandte Saiten erklingen lassen.
Der „freie" Woroschiloff, der sowjet-
Sowiet'Büroer russische „Volkskommissar Sowjet-Burgsr ^ die Verteidigung", hat
dieser Tage einen Armeebefehl erlassen, in
dem sich die folgenden Sätze befinden: „Unversöhnliche Feinde bereiten einen Ueberfall auf die Sowjet-Union vor. Sie träumen davon, unsere Heimat in Ruinen zu verwandeln und die freien Bürger der Sowjetunion zu Sklaven zu machen..." Die plumpe Zwecklüge des bolschewistischen Marschalls, der Rätebund werde von außen bedroht, entspricht ganz der Schein- heiligkeit und Unverschämtheit der Sowjet- Machthaber, wie sie in dem von Moskau geschickten spanischen Bürgerkrieg unverhüllt hervorgetreten sind. Nach all dem Material, das der Kreml auch in anderen Teilen der Welt zum Thema „Einmischung der Sowjet- regierung in die Innenpolitik anderer Staaten mit dem Ziel der Herbeiführung chaotischer Zustände" geliefert hat, weiß heute jedes Kind, wer der Drohende und wer der Bedrohte ist. Jedes weitere Wort hierzu ist also überflüssig. Aber wie steht es mit dem „freien Bürger" des Rätsparadieses? Nun, der Zufall will es, daß zur selben Zeit, als Woroschiloff seinen famosen Armeebefehl erließ, die Moskauer Zeitung „Prawda" einen wertvollen Einblick in das Wesen der sowjetrussischen Freiheit gewährte, und zwar mit folgender Schilderung:
„Bei einem Ueberfall auf einen Schüler in Moskau erhielt dieser von einem Jungen einen Faustschlag ins Gesicht. Er setzte sich zur Wehr, mußte jedoch die Flucht ergreifen und wurde von einem zweiten Angreifer eingeholt Er erhielt von ihm einen Messerstich in den Rücken. Der verwundete Knabe wurde in ei» Krankenhaus gebracht, wo er nach wenigen stunden starb. Später wurden die. jugendlichen Verbrecher erkannt: die Leiden sind
Schüler einer Moskauer Schule und neun und elf Jahre alt. Die jugendlichen Verbrecher wurden der Miliz-Verwaltung übergeben. Hier aber wurde den Rowd'ies ein Verweis erteilt . . . worauf sie freigelassen wurden. Die jugendlichen Banditen be,uchen wieder ihre Schule als ob nichts geschehen wäre . . ."
Jugendliche Verbrecher können also, nachdem sie unbestraft einen ihrer Mitschüler ermordet haben, sich weiterhin frei bewegen und das Leben „freie r" Bürger gefährden