Ausgabe 
(26.8.1936) Nr. 237
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parteiamtliche Lageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Vremen

ozialisten Vremens

Amtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt vremen

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Nr. 2Z? / 6. Jahrgang

Das amtliche verkündungsblatt des Neichsst atthalter s in Oldenburg und Vremen

Mittwoch, 26. Nugust 1SZ6

Anzcigen-Grundpreis«: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Pf., die 70-mm-Aeile im Tsxtteil 75 Pf. Ermäßigte Grundpreise ssür kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstasfel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit; Verlag werktäglich 12-13 Uhr: Schristleitung Dienstag und Freitag 12^-lS^ Uhr.

kinzelpreis lS Npf.

Veutschlands Wehrkraft - Hort des friedens

das Weite Zalir im aktiven wekrvienst

stusführungsbestimmungen

Berlin, 25. August.

Der Reichskriegsminister und Oberbefehls­haber der Wehrmacht hat folgende Ausfüh­rungsbestimmungen zu dem Erlaß des Füh­rers und Reichskanzlers über die Dauer der

ttnssr lagssspisgsl

Der Reichskriegsminister hat die Aus- sührungsLestimmungen zum Erlag über die Verlängerung der Dienstpflicht getroffen:

Die Weltpresse sieht in der Einsiihrung der zweijährigen Dienstzeit in Deutschland einen Faktor des Friedens.

2n zahlreichen Provinzen Sowjetrußlands sind neue Hungerrevolten ausgebrochen.

Die 18 Verurteilten im Moskauer Schau­prozeh find hingerichtet worden; im Anschlug daran erfolgten Massenverhastungen.

I» Madrid wurden von den Marxisten zahl­reiche Parteiführer erschossen. Reichsbrankpräfident Dr. Schacht ist in Paris eingetroffen.

Der Aufsichtsrat der Atlas-Werk« wurde durch Neuwahlen ergänzt.

Die Oberweser - Privatschiffer - Bereinigung kann auf ihr LSjähriges Bestehe» zurückblicken. Die Panzer-Abwehr-Abteilnng führte bei Wildeshausen eine Nachtübung durch. SS.-Truppensührer Lorenz besuchte unsere Hansestadt.

SS Hitler-Urlauber trafen in Bremen ein. Bremen ehrte den Turner Walter Steffens durch lleberreichung einer Ehrenurkunde.

aktiven Dienstpflicht in der Wehrmacht vom 24. August 1938 erlassen:

i. Zum allgemeinen Entlassungstag Herbst 1938 werden nach einjährigem aktiven Wehr­dienst entlassen:

sl die Freiwilligen des Geburtsjahrgan­ges 1913 und älterer Geburtsjahrgänge, bl die in Ostpreußen zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht herangezogenen Wehrpflichtigen des Eeburtsjahrgan- ges 1919,

soweit sie sich nicht freiwillig auf ein zweites Jahr verpflichten wollen oder schon für eine längere Dienstzeit verpflichtet sind. Für sie gilt die aktive Dienstpflicht im Sinne des Wehrgefetzes vom 21. 5. 1935 mit einem Jahr aktiven Wehrdienstes als erfüllt.

II. Es bleiben vom Herbst 1936 an zur Er­füllung ihrer aktiven Dienstpflicht ein zwei­tes Jahr im aktiven Wehrdienst: die im Herbst 1935 eingestellten Wehrpflichtigen des Geburtsjahrganges 1914 und jüngerer Ge­burtsjahrgänge, die zur Zeit ihre aktive Dienstpflicht erfüllen, einschließlich der Frei­willigen dieser Geburtsjahrgänge.

III. Die Oberbefehlshaber der Wehrmachts­teile erlassen die hierzu noch erforderlichen Zusatzbestimmungen.

Die Ausführungsbestimmüngen des Ober­befehlshabers der Wehrmacht haben das

I Rätselraten der jungen Wehrpflichtigen darüber, wer nun nach den neuen Bestim­mungen Soldat wird oder bleibt und wer entlassen wird — Fragen, die auch in be­rufsmäßiger und wirtschaftlicher Beziehung starke Bedeutung haben — -geklärt. Mit den ergänzenden Bestimmungen ist die Organi­sation unserer Wehrmacht in ihren wesent­lichen Zügen festgelegt. Sie lassen zweifellos die Notwendigkeit der getroffenen Maß­nahme besonders deutlich in Erscheinung treten. Es sind die Jahrgänge des Welt­krieges, die in den nächsten Jahren den Schutz des Reiches übernehmen werden. Be­kanntlich sind diese Jahrgänge sowohl zah­lenmäßig als auch der körperlichen Ber­fassung nach schwächer als die übrigen. Bor allem der zahlenmäßige Befund ließ irgend­einen Ausgleich als unbedingt notwendig erscheinen. Es war nicht angängig, vor allem nicht unter den gegenwärtigen weltpolitischen Umständen, daß die deutsche Armee bei der nächsten Rekrutierung automatisch eine starke zahlenmäßige Verringerung erfahren ätte, wie es der Fall gewesen wäre, wenn das System der einjährigen Dienstpflicht aufrechterhalten worden wäre. Dazu kommt noch die Erwägung, daß man gerade den Kricgsjahrgängen. die. in ihrer frühesten Fugend starke, körperliche Schädigungen er­führen haben, die Ausbildung durch eine Ausdehnung des Programms auf einen län­geren Zeitraum erleichtern will. Bekanntlich haben andere Staaten aus den gleichen Er­wägungen heraus bereits seit langem zu ähnlichen Maßnahmen gegriffen, eine Tat­sache, die am besten beweist, daß dieser deut­sche Schritt nichts mit einem blinden Wett­rüsten zu tun hat.

Note Iruppen schießen auf fronen und Kinder

Hungerrevolten in zahlreichen fowjetrussi scheu öebieten — Neue Zusammenstöße zwischen flrmee und Vevölkerung

Odessa, 25. August.

Die Hungerrevolten in der Ukraine haben trotz der Berhängung des Alarmzustandes für zahlreiche Truppenteile der roten Armee in diesen Tagen weiter um sich gegriffen. Im Bezirk Poltawa, wo es bei der Plünderung eines Militärmagazins durch die Bevölke­rung, wie wir bereits berichteten, zu bluti­gen Kämpen zwischen Arbeitern und Bauern einerseits und den Soldaten der roten Armee andererseits gekommen war, bei denen 23 Personen getötet wurden, haben sich erneut Unruhen ereignet, die blutig unterdrückt worden sind. Von den Demonstranten sind über 299 verhaftet und dem Gefängnis in Pcitawa zugeführt worden.

Ebenso sind in der Gegend von Konotop erneut Hunderte von hungernden Arbeitern

fralienbataillone

öis zum letzten Dropsen Vlut sür den

Moskau, 25. August.

Die Rote Armee, das Machtinstrument der olschewisten zur Verwirklichung der Weltrevo- tion, soll — nach einem Artikel in der „Roten ugend" vom 2V. 7. 1936, um einen nicht „uner- blichen Faktor" verstärkt werden. Als konse- iente Folge der bolschewistischen Gedanken, nicht >r die bestausgerllstete Riesenarmee zu besitzen, ndern darüber hinaus eine Bewaffnung der ge- mten männlichen wie weiblichen Bevölkerung lrchzufiihreil, zum anderen als Ausfluß einer gen. absoluten Gleichberechtigung der Frau ist r Vorschlag eingegangen, „daß die Frau gleich ie der Mann in der Roten Armee dienen kann."

Wenn auch die Tatsache bekannt ist, daß in den ßten Jahren in der UdSSR. 13 Millionen lcnschen. Männer wie Frauen, militärisch aus­bildet worden sind, um als Schützen, Gasabwehr­ute, Fallschirmspringer, als Fahrer und Flieger derzeit eingesetzt werden zu können, wenn auch e „Rote Jugend" vom 20. 7. 1936 wie im übri- u täglich die Sowjetpresse mit Stolz berichtet: gegenwärtig haben wir Frauen-Piloten der iilitar- und Zivilluftflotte, Frauen-Komman- »re und Frauen-Aviationsabteilungen", so ^rtrifft doch dieser neue Vorschlag einer Mili­ste d i e n st p f l i ch t der Sowjetfrauen llst all das, was man bislang zu hören gewohnt ar. Hier enthüllt sich mit erschreckender Deut- chkei-t, wohin der Weg für die Frau im bolsche- istischen „Paradies" fuhrt. Zur gleich«, Zeit,

und Bauern, die ihrem Unmut über die Be­schlagnahme aller Lebensmittelvorräte durch die rote Armee Luft gemacht hatten, von der A z verhaftet und in ein Stochel-

drahtlager übergeführt worden. Sie sehen ihrer Aburteilung wegen Sabotage entgegen.

Inzwischen haben die Hungerrevolten auch aus das Gebiet der nordkaukasischen Sowjet­republik und die Bezirke Kursk und Sara- tow übergegriffen. So haben in Ielansk am Don Hunderte von Arbeitern und Bauern die mit der Beschlagnahme der Lebensmittel beauftragten Kommissare der roten Armee überfallen und gelyncht. Die daraufhin ein­gesetzten Truppen haben rücksichtslos die Bevölkerung ganzer Dörfer verhaftet, und 16 Personen, die Widerstand leisteten, er­schossen. Auch in Kamensk wurden umfang-

der Sowjel'ftrmee

Sieg des Kommunismus in der Welt"

in der Moskau für Spaniens Kommunisten in den Straßen Frauen und Kinder demonstrieren läßt, in der man in Moskau mit Genugtuung berichtet, daß „man in Spanien spezielle Frauen- Vataillone geschaffen hat, und allein in Madrid gegenwärtig einige tausend Frauen mili­tärische Ausbildung bekommen", glaubt man die Zeit für gekommen, um mit diesem Vorschlag vor die Oeffentlichkeit'zu treten.

Da lohnt es sich, einige Monate zurückzugehen und sich die Botschaft des Internationalen kom­munistischen Frauentages vom 8. März 1338, der unter dem Ehrenvorfitz Stalins — dem Diktator der Sowjetunion nnd der Roten Armee — tagte, an die Frauen der ganzen Welt, ins Ge­dächtnis zurückzurufen. Genossin Kogan erklärt hier: „Wir werden einen kommunistischen Nach­wuchs in die Welt setzen, wir werden Helden des Bolschewismus gebären, die helfen werden, den Bolschewismus in der ganzen Welt durchzusetzen."

Noch aufschlußreicher allerdings, insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtigen politischen Ereignisse und dem jetzt zur Erörterung stehen­den Vorschlag, sind die Schlußworte der Genossin Kogan zum internationalen kommunistischen Frauentag: „Aus den ersten Ruf der Kommuni­stischen Internationale und des Genossen Stalin sind wir bereit, in die ersten Reihen zum Kampf gegen die Feinde des sozialistischen Vaterlandes einzutreten und bis zum letzten Trapsen Blut sür den Sieg des Kommunismus in der ggnzen Welt z» kämpfen." I

reiche Verhaftungen von Kulaken, wie es in dem amtlichen Bericht heißt, wegen Sabo­tage vorgenommen.

In Djelenkoje am Dnjepr spielten sich dra­matische Vorgänge ab. Als eine Kompanie der roten Armee ausrückte, um wegen der Weigerung, die Lebensmittel abzuliefern, Verhaftungen vorzunehmen, versuchten etwa 199 Personen in Booten über den Dnjepr zu flüchten. Die Truppen eröffneten auf die Boote, in denen sich auch zahlreiche Frauen und Kinder befanden, ein Schnellfeuer. Bei der daraus entstehenden Panik kenterten zwei Boote und etwa 4V Personen ertranken in den reißenden Fluten.

bereits hingerichtet

Das Schicksal der 18 Verurteilten im Sinojew-Trotzki-Prozeß

Moskau, 25. August.

Das Präsidium des Zentralexekutivkomitees in der Sowjet-llnion hat die Begnadigungs­gesuche der im Prozeß gegen die Sinojew-Trotzki- Eruppe vom Militiirgerichtshos wegen angeb­licher Verschwörung zum Tode Verurteilten abge­lehnt. Das Urteil ist gegen alle 18 Verurteilten bereits vollstreckt worden.

Wir haben bereits zu Beginn des Mos­kauer Schauprozesses daraus hingewiesen, daß es sich bei dem Verfahren gegen die ge­nannte Oppositionsgruppe nur um ein Ma­növer Stalins handele, von den großen innenpolitischen und wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten des Rätebundes abzulenken. Diese Schwierigkeiten sind durch die Hinrichtung, der sechzehn, zum Teil als „alte verdiente Bolschewisten" geltenden Verurteilten nicht beseitigt. Im Gegenteil: Die schleunige Be­seitigung, der Wortführer einer wachsenden Unzufriedenheit zeigt die Unsicherheit der. Sowjetmachthaber, denen lediglich daran ge­legen war, wieder einmal „ein Exempel zu statuieren". Der eigentliche bolschewistische Agitator aber, der im beendeten Prozeß mit soviel Schimpfworten belegte Leo Trotzki, wird im Ausland seine Wühlarbeit für Moskau unter heimlicher Förderung seitens des Kreml planmäßig fortsetzen.

(Siehe auch Seite 2) I

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Die salzenden, der „Bremer Zeitunz" von besonderer Seite zugehenden Ausführungen über die ungeheuren Rüstungsanstrengungen des Rätebundes unterstreichen die Notwendigkeit zielbewußter schützender Abwehr, wie sie soeben in der Einführung der 2jährigen aktiven Dienst- zeit, in Deutschland zum Ausdruck kommt.

Die in der Weltpresse veröffentlichte Mit­teilung der Herabsetzung des Dienstalters sür das sowjetistische Militär auf 19 Jahre soll eine 50prozentige Steigerung der jetzigen Effektiv­stärke bedeuten. Dadurch stehen jährlich über 2 Millionen Mann unter den roten Fahnen. Das Riesonreich der Sowjets bietet von Natur aus alle Möglichkeiten, um ein Militär lediglich zu Verteidigungsmaßnahmen zu unterhalten. Dem eigentlichen Gründer der Roten Armee, Lenin, schwebte daher einst auch die Schaffung einer Truppe vor, die „ein Schutz für die Errungen­schaften der Revolution und für den Sowjet- und Sozialiftenstaat" bilden sollte. Aus dieser Defen- sivtruppe wurde aber bewußt ein Angriffsheer. Stalin erklärte zu Beginn des ersten Fünfjahres­planes: „Am unserer Außenpolitik das nötige Rückgrat zu geben, brauchen wir keine Verteidi- .gungsarmeen nach westeuropäischer Schule, nein, was wir brauchen zum Schutz des Aufbaus und zur Stützung unserer Politik, ist ein stets zum Angriff bereites Heer, besonders aber eine starke Luftflotte!" Schon nach dem ersten Fünfjahres­plan wurde die Luftwaffe der Sowjets besonders schnell und stark aufgerüstet. Die beiden anderen Glieder der Wehrmacht, Wehr und Flotte, konn­ten dieser Aufrüstung nicht schnell genug folgen.

Die Luftwaffe das Wichtigste

Der „revolutionäre Kriegsrat" — die oberste Gewalt — wollte diese beiden älteren Waffen lediglich znr Landesverteidigung einsetzen, während die Luftwaffe die eigentliche Angriffs­waffe. sein sollte. Die Manöver der Roten Luft­flotte- bewiesen, daß die operativen Ausgaben der ,

Lustwaffen in schnellen, das Kriegsgeschick mög­lichst zu Beginn der Feindseligkeiten entscheiden­den Angriffen bestehen. Daher war auch alles andere, besonders alle wehrwirtschaftlichen Dinge in der ll. d. S. S. R., auf dieser Taktik aufgebaut. Die Flughäfen wurden weit im Innern des Lan­des angelegt, während die stärksten Flugstütz­punkte nur so weit von den Grenzen dieses Riesen­reiches entfernt wurden, daß die Sitze der Re­gierungen und Rüstungsindustrien der Nach­barstaaten noch im Aktionsradius der modernen Sowjet-Bomber liegen. Die Angst, vor den geg­nerischen Vergeltungsflügen kennen die Sewjets nicht. Ihr Land ist groß und, außer Moskau und Leningrad, ohne starke Bevölkerungsdichte. Ohne Rücksicht auf Wirtschaftlichkeit wurde die gesamte Industrie dezentralisiert und gänzlich außerhalb des Bereiches feindlicher Einwirkungen aus der Lust aufgebaut. Es entstanden Städte und Jn- dustriebezirke, deren ganze Anlagen in erster Linie nach dem Grundsatz „Schutz gegen Luft­angriffe" hergestellt wurden.

Verstärkung der Tanks „nur" 792 Prozent

Allmählich verschoben sich aber die Ansichten der sowjetistischen Heerführer und die Macht- sphäre der Sowjets. Durch die Volkskommissare für die Finanzen (Erinkö) und für das Verteidi­gungswesen (Tuchatschewski) würde die gesamte Wehrmacht grundsätzlich umgestellt. Auf dem Sowjetkongreß im Frühjahr 1935 gab Tnchat- jchewjki stolz Auskunft über den damalig „neuen Aufbau". Er erklärte u. a., daß die Sewjetwehr- macht in den letzten drei Jahren, also die Spanne von 1932 bis 1935, eine Verstärkung von 330 Prozent der Luftflotte, von 792 Prozent bei den mittleren und schweren Tanks, 789 Prozent bei den leichten Tanks und 535 Prozent bei den U- Booten erfahren habe. Der Mannschaftsbestand jei von 562 000 auf 910 000 gestiegen. Und Erinko berichtete stolz, daß die Wehrmachtsaus-