iM
der Natrons
parteiamtliche ^geszeitung
Hachrrchtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Dremen
flmtsbiatt des Senats der Zreien kjansestadt Dremen
Nr. 2Z5 / 6. JaNrgang
Das amtliche Verkündungsblatt des Neichsstattlialters in Oldenburg und Vremen
Anzeigen-Grundpreise: Die SS-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Ps., die 70-mm-Zsil« im Textteil 7S Pf. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Beb,nmnigen Preis, liste 6 (Nachlatzstassel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-1» Uhr; Schristleitung Dienstag und Freitag 12^-1»^ Uhr.
Montag, 24. flugust 1SZS
kinzelpreis lS Npf.
Note Piraten durchsuchen britisches Schiff
Uns«? lagvsspisgsl
Ein britischer Dampfer wurde vo» einem «panischen Regieruugsschiff durchsucht u»d ist seitdem verschwunden.
Madrid wurde mit zahlreichen Fliegerbomben belegt.
Ein Pariser Geheimsender erteilt täglich Fnnkbefehle an die spanischen Kommunisten. Im Rennen um den Großen Preis der Schweiz siegte wiederum Bernd Rosemeqer.
Gegen schwere italienische Konkurrenz gewann Wahnfried sicher das Fiirstenbergrenneu in Baden-Baden.
2m Kampf um den Tschammer-Pokal wurde der 1. FC. Nürnberg von dem VfL. Benrath 2:3 besiegt.
Die Olympische Woche in Bremen fand mit dem Fest der Leichtathletik einen wohl- gelungenen Abschluß.
Das Radrennen „Rund um den Bürgerpark" gewann Korte-Bremen.
Die Arbeitsgemeinschast der„Wümme-Hamme- Segler" fuhr auf der llnterweser eine erfolgreiche Regatta.
krstes Unterwafferkrastwerk der Welt
Stettin, 23. August.
Sonntag nachmittag wurde in Rosti» an der Persange durch Gauleiter und Oderpräsident Schwede-Coburg das erste llnterwasserkrastwerk der Welt in Betrieb genommen. Die Anregung zu diesem neuartigen Werk der Energieerzeugung ging von Gauleiter Schwede-Coburg aus. Nach dem Riigendamm ist diese gewaltige Anlage, mit der die Regulierung der Persanke in zwei Vau- stusen und Unterwasserkraftwerken durchgeführt wird, mit 230 vvv Tagewerken das größte Bauvorhaben des Gaues Pommern, das von dem Landesarbeitsamt gefördert wurde.
Bei der Inbetriebnahme des Werkes dankte Gauleiter Schwede-Coburg allen am Bau beteiligten Arbeitern, Technikern und Unternehmern und wies dabei auf den gewaltigen Unterschied hin, der zwischen dem heutigen Deutschland und der übrigen Welt bestehe. In Deutschland stehe alles zusammen, um am Aufbau des Reiches mitzuarbeiten, während in anderen Ländern die zerstörenden Kräfte des Kommunismus am Werke seien. '
veöeutung und weg des Handwerks
Ordensburg Krösfinsee, 23. August.
Reichshandwerksmeister Schmidt sprach vor den Abteilungsleitern der Eauwaltungen der Deutschen Arbeitsfront auf der Ordensburg Krösfinsee über die Bedeutung des gesamten Handwerks, das in allen Teilen des deutschen Erwerbslebens beteiligt ist. Die Bedeutung des deutschen Handwerks geht schon aus der Zahl von 4 899 009 Volksgenossen hervor, die nn Handwerk unmittelbar ihr Brot verdienen, so dag insgesamt mit Familienmitgliedern (uno 1.6 Millionen Vetriebsführern) 6 bis 9 Millionen Volksgenossen vom Handwerk leben.
Nach den durchgeführten organisatorischen Ausgaben bahnt sich eine intensive und sicherlich segensreiche Entwicklung im deutschen Handwerk aii. deren Bedeutung der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley. durch seine Anordnung über die Neubezeichnung der Reichs- betriebsgemeinschaft Handwerk als ..Das Deutsche Handwerk" eindeutig und klar' unterstrichen hat. Der Reichshandwerksmeister entwickelte sodann das gesamte Problem der Betreuung von Lehrlingen, Gesellen und Meistern, von der fachlichen Schulung und der nationalsozialistischen Ausrich- tung, wobei neue Wege gegangen werden. Fach- liches Können muß aufgebaut sein aus na-
tional sozialistischer Haltung und dem
Bekenntnis zu Volk und Führer.
0ampfer»6It>eI Zerson'stior Kibcaltar verschollen
Neuer Nechlsbruch Madrids
London, 23. August.
Nach einer Meldung aus Gibraltar, die von amtlicher Londoner Stelle bestätigt wird. ist der britische 14W-Tonnen-Dampser „Gibel Zerjon", der im Fracht- und Passagierverkehr zwischen Gibraltar und Marokko verwendet wird, auf hoher See. 10 Meilen von Melilla entfernt, von einem Kriegsschiff der Madrider Regierung angehalten und durchsucht worden. Seitdem ist das Schiff verschollen. Es hatte am Sonnabendmittag Gibraltar verlassen und ist bisher noch nicht in seinem Bestimmungsort» dem spanisch
marokkanischen Hafen Melilla, eingetroffen. Reuter erfährt von zuverlässiger Seite in Gibraltar, datz Kriegsschiffe der Madrider Regierung den englischen Dampfer festhalten und ihm die Weiterfahrt nach Melilla verweigern.
Sofort nach Eintreffen der Nachricht haben die englischen Marinebehörden in Gibraltar den Panzerkreuzer „Repulse" angewiesen, sofort in Richtung Melilla auszulaufen, um den englischen Dampfer in sicheres Geleit zu nehmen. Die zum Teil an Land befindlichen Mannschaften des englischen Kriegsschiffes wurden sofort zusammengetrommelt, und kurze Zeit nach Erteilung des Befehls lies die „Repulse" gefechtsbereit in Richtung
Melilla aus, in kurzem Abstand gefolgt von dem Flottillenfiihrerschiff „Codrington". Der britische Zerstörer „Wolsey" ist von Malaga nach Melilla in See gegangen.
Reuter meldet in diesem Zusammenhang, einem anhaltenden, aber unbestätigten Gerücht zufolge, habe das betreffende spanische Kriegsschiff die „Gibel Zerjon" beschlagnahmt und nach Malaga abgeschleppt. Das amtliche englische Nachrichtenbüro stellt den Bericht von der Aufhaltung und Durchsuchung eines englischen Dampfers der am Sonnabend abgegebenen Versicherung der Madrider Regierung gegenüber, datz sie kein Durchsuchungsrecht britischer Schiffe aus hoher See beanspruchen wolle.
Sie firmer der proletarischen sievolution
Vedenkliche Zahlen über den ftu-bau und die parteimäßige Srganisation des sowjetrussischen Heeres
Moskau, 23. August.
Die ungeheuren Ausrüstungsmaßnahmeu -er Sowjetregierung, die in den letzten zwei Jahren Schritt um Schritt durchgeführt werde», und die die Rote Armee zu dem gewaltigsten Augriffsheer aller Zeiten gemacht haben, werden von den bolschewistischen Führern amtlich damit begründet, daß die Sowjetunion „einen sicheren Schutz des Friedens" benötige. Daß dies jedoch nur eine Phrase ist, dazu bestimmt, das Ausland über die wahren Motive dieser außerordentlichen Rüstungen zu täuschen, geht aus dem ganzen Ausbau und der parteimäßigen Organisation des roten Heeres sowie aus zahlreichen Aeußerungen roter Führer selbst hervor.
Der rote Eeneralstab hat in den letzten Jahren keine Mühen gescheut, um den Kommunismus in der Armee fest zu verankern und vor allem das Verhältnis zwischen den nicht zuverlässige» Bauern und den ergebeneren Arbeitern in der Armee zugunsten der letzteren zu ändern. Während die Armee noch im Jahre 1833 19 v. H. Arbeiter und 71 v. H. Bauern zählte, hat dieses Verhältnis sich jetzt nach den Angaben des Marschalls Tuchat- schewsli in 43:47 v. H. geändert.
Ebenso ist die prozentuale Anteilnahme der Parteimitglieder in der Armee außerordentlich gewachsen und Tuchatschewski gab dafür die hohe Zahl von 49,3 v. H. an. Dazu kommt allerdings noch eine beträchtliche Anzahl der in dieser Aufrechnung nicht enthaltenen Mitglieder der kommunistischen Jugendverbände, deren Prozentual- satz 1935 mit 24 v. H. angegeben wurde. Nahezu völlig kommunistisch ist das rote O ff iz i e r k o r ps, da 72 v. H. aller Regimentskommandeure, 99 v. H. aller Divisionskommandeure und 109 v. H. der Korpskommandeure Parteimitglieder sind.
Bei sämtlichen Stäben der Roten Armee befinden sich politische Kommandostellen, deren Aufgabe die kommunistische Kontrolle über die gesamte Armee ist; sie stellt die politische Verwaltung der Wehrmacht dar und ihr obliegt nicht nur die kommunistische Erziehung der Armee, sondern
als besondere Aufgabe nach außen auch die Zersetzung der feindlichen Heere und Zivilbevölkerung im Kriegsfalle.
Entsprechend diesem Aufbau der Roten Armee besteht Ihre Hauptaufgabe darin, der Weltrevolution zu dienen! Schon die Eidesformel des Soldaten ist bezeichnend dafür; sie lautet: „Ich, Sohn des werktätigen Volkes, nehme den Beruf eines,Kriegers der Arbeiter- und Bauernarmee auf mich und verpflichte mich, angesichts der werktätigen Klassen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken uno der ganzen Welt für die Sache des So.zialismus und der Verbrüderung der Völker weder meine Kräfte noch mein Leben zu schonen". Niemand anders als Tuchatschewski bezeichnete die Rote Armee
als einen Stoßtrupp der Weltrevolution und der rote Marschall V'u djonny hat vom Sieg des Kommunismus in der Welt gesprochen, für den die Sowjet-Union rüste.
In der „Prawda" wird die Rote Armee „die Armee der proletarischen Revolution" genannt, und wiederum Tuchatschewski hat die Reform der Armee mit dem Hinweis auf die revolutionären. Angriffskriege begründet, die geführt werden müßten. Wenn schließlich Stalin selbst als von der „Armee der Weltrevolution" sprach, die eine Besonderheit dieser sowjetrussischen Arbeiter- und Vauern- armee sei, so beleuchtet das zur Genüge die wahren Beweggründe, die die gegenwärtigen gewaltigen Rüstungen der Sowjet-Union veranlaßt haben.
In dem großen Moskauer Schauprozeß gegen Sinowjew, Kamenew und Genossen erhielten nach der Anklagerede des Staatsanwaltes die Angeklagten, die alle vorher auf das Recht der Selbstverteidigung verzichtet hatten, das „letzte Wort". Zuerst sprachen Mratschkowski, Jewdo- kimow, Dreizer und Reingold. Das „letzte Wort" dieser Angeklagten bot ein überraschendes Schauspiel. Anstatt sich zu verteidigen, übertrafen sich die Angeklagten gegenseitig in unterwürfigen Schuldbekenntnissen, wobei sie im llebereifer der Selbstbezichtigung in den Ton von Leitartikeln der Sowjetpresse verfielen. Die Angeklagten bezeichneten sich selbst als gemeinste Verbrecher und Verräter, nannten sich gegenseitig „räudige Hunde" und „Faszisten" und brachten es schließlich so weit. sogar Treuebekenntnisse zu Stalin auszusprechen!
Besonders der Angeklagt« Reingold gebärdet« sich bei seinem Schlußwort schärfer als der Staatsanwalt. In leidenschaftlichen Ausdrücken bezichtigte «r die übrigen Angeklagten gemeinster Verbrechergesinnung und bedachte Trotzki mit Schimpfworten wie Räuber. Bandit und Mörder. Angesichts des wilden Tobens dieses Angeklagten konnte man sich des Eindruckes nicht
wieder fiunaerrevolten in der Ukraine
Schlacht zwischen Veoölkerung und Noter flrmee
Odessa. 23. August.
Nach Meldungen sowjetruss,scher Matter in Odessa, hat in Poltawa eine aus Arbeitern und Bauern bestehende erregte Menschenmenge überfallartig das Mlitarmaga- zin gestürmt und sich der dort lagernden Le- bcnsmittelvorräte bemächtigt. Als der Ortskommandant Militär einsetzte, kam es zu einer sörmlichen Schlacht zwischen d - gesetzten Truppen und der nur mit «tacke» bewaffneten Bevölkerung. Be, den Zus«»'- menstötzen wurden insgesamt auf ^ en Bevölkerung 23 Personen S-totet »nd übe 50 verletzt. Auch die Truppen sollen Verluste gehabt haben.
Donez und im Bezirk
Auch in Konotop
ist.
^ 'es "zu" schien" Unruhen gekom- trmee sämtliche Lebensmittelvor-
...»I Mm?
men. weil die Armee sämtliche
rate
sich gegriffen und zu schweren Gegensätzen zwischen Arbeitern und Bauern einerseits und der Roten Armee andererseits geführt hat, weil die Rote Armee als Machtinstrument der Sowjets, auf die sie sich stützen, glänzend uniformiert, bewaffnet und verpflegt wird, während es der Bevölkerung selbst am Notwendigsten fehlt.
Wie aus Charkow gemeldet wird, findet dort demnächst ein großer Schauprozeß gegen K0 Bauern statt, die sich weigerten, die gesamte neue Ernte an die Militärkommissare abzuliefern. Insgesamt sind in der letzten Woche etwa 2999 Bauern und Arbeiter verhaftet worden. Um weiteren Unruhen vorzubeugen, sind zahlreiche Truppenteile in der Sowjet-Ukraine in Alarm- zustand versetzt worden.
Während in der ganzen Welt Cowjetruß- land von den Komintern als Paradies geschildert wird, kommen aus der Ukraine neue Meldungen über Hungerdemonstratzo-
Sie nennen sich selbst „rSubige stunde"
Vas „letzte Wort" der Nngeklagten ln der Moskauer lustizkomödie
Moskau, 23. August erwehren, daß Reingold bei der Durchführung seiner Rolle des Guten etwas zuviel tat. Nur so ist es zu erklären, daß ihm u. a. ein interessantes Geständnis entschlüpfte.
Reingold beschuldigte den kürzlich entlassenen Vizepräsidenten der sowjetrussischen Staatsbank Artus, auf Wunsch und unter Mitwirkung Ka- menews im Ausland einen Goldfonds geschaffen zu haben. Dieser Goldsands sei zur Unterstützung der weltrevolutionären Umtriebe Trotzkis bestimmt gewesen. Bei der Errichtung dieses Fonds habe der ehemalige sowjetrussische Handelsvertreter in Paris Tumanow als Mittelsmann mitgewirkt.
Durch diese sensationelle Enthüllung werden die mehrfach aufgetauchten Nachrichten bestätigt, daß Trotzki und die Vierte Internationale in Moskau finanzielle Unterstützung gefunden haben.
Das ekelhafte Schauspiel zynischer Selbstbezichtigungen wiederholte sich immer wieder bei Vaka- jew. Pickel. Sinowjew, Kamenew und allen übrigen. Besonders abstoßend- war der Eindruck, wenn einzelne Angeklagte sich selbst als „faschistische Hunde" bezeichnen und dann fast in demselben Atemzug unter Tränenströmen ihre Liebe und Verehrung für Stalin beteuern. Auch die Reden Kamenews und Sinowjews unterschieden sich nicht wesentlich von den übrigen. Kamenew. der ruhiger und gefaßter sprach al- die anderen, bezeichnete seinerseits auch den Strafantrag des Staats» anwaltes als „gerecht und billig", jedoch nicht ohne unter Tränen die Großzügigkeit Stalins", dem er nach dem Leben getrachtet habe, zu rühmen.
Die Art und Weise, wie Sinowjew und Kamenew. zweifellos in der Absicht, damit die Abwendung des Todesurteils zu erreichen, mit theatralischem Fanatismus Trotzki und den ..internationalen Faschismus und Nationalsozia- lismu " beschimpften, zeigte die politüchen Grundtendenzen des Prozesses erneut in grellem Licht. Trotzkis Weg. so sagte Kamenew. führe über die Berge von Leichen der Führer der bolschewistischen Partei und des Sowjetstaates, aber es werde ihm nicht gelingen ihn zu beschreiten
somski verübte Selbstmord
Moskau, 23. August.
Einer amtlichen Verlautbarung zufolge hat der Leiter des sowjetrussischen Staatsverlages, Tomsli, in seiner Villa Selbstmord begangen. Tomsli war im Verlauf des Verhörs in dem Moskauer Prozeß beschuldigt worden, in Verbindung mit den „gegenrevolutionären Terroristen Trotzki und Sinowjew" gestanden zu haben.
Ueber 20 lote
nen der notleidenden Bevölkerung. Seit Beginn der bolschewistischen Herrschaft ist die Hungersnot in Sowjetrußland zu einer ständigen Erscheinung geworden. Allein im Jahre 1935 starben im roten Paradies 4,5 Millionen Menschen den Hungertod. Dieser traurige Zustand ist die Folge der Kollektivierung des russischen Bauerntums. Infolge der unverantwortlichen Bewirtschaftung der Kollektivgüter wurden die Ernteerträge immer geringer, so daß in keinem Jahr der kommunistischen Herrschaft der Vorkriegs- ertrag wieder erreicht werden konnte. Die geringen Getreidemengen, die der Boden noch hervorbringt, werden für das Heer, für die Industriebevölkerung und einige bevorzugte Gruppen in den Städten beschlagnahmt, so daß zuerst die Bauern der Hungersnot ausgesetzt sind. Die Demonstrationen der Bauern und ihre Erbitterung gegen die Rote Armee sind also durchaus verständlich. gn. .
Me Note flrmee als „Verbündeter"
?r. Zwei europäische Staaten, Frankreich und die Tschechoslowakei, sind mit dem bolschewistischen Rußland verbündet. Sie glauben, datz die Rote Armee ausgebaut wird, um ihnen als Hilfe zur Verfügung zu stehen, obwohl die sowjetrussische Aufrüstung in Wahrheit lediglich dem Ziele der Weltrevolu tion dient. Wer die Rote Armee nach Mitteleuropa einführen will, der öffnet Stalins Rotgardisten alle Tor« zur BolschewMerung ganz Europas. In Spanien hat der Bolschewismus in letzter Stunde noch Gegenwehr gefunden, aber in anderen Gegenden ist er erfolgreicher gewesen. Die chinesische Provinz Sinkiang (Ehinesisch-Turkestan) liegt zwar weit von Europa, aber sie ist ein ganz deutliches Beispiel aus den letzten Jahren, wie es denjenigen Regierenden geht, die di« Rot« Armee als Verbündeten in ihr Land ruft.
Wir können hier der Schilderuns der Londoner „Times" folgen, die vor kurzem ein neues Buch ihres Mitarbeiters Peter Fleming „Neuigkeiten aus der Tartarei" ausführlich ankündigte. Fleming war selber in Sinkiang. Dort hatte 1933 der chinesische General Sheng die Macht ergriffen und wurde von dem mohammedanischen Chinessn- general Ma angegriffen. Sheng aber, der sich zwar von der Nanking-Regierung als Gouverneur hatte bestätigen lassen, rief die sowjetrussische Rote Armee zur Hilfe. Sie kam mit vielen Tants und Flugzeugen und schlug die Reiter des tapferen Generals Ma. Aber dann ging die Rote Armee nicht wieder aus dem „verbündeten" Lande. Wie es nun in Sinkiang aussieht, schildert die „Times" mit folgenden Worten:
„Sinkiang ist noch immer eine chinesische Provinz unter General Sheng. Aber Sheng ist nicht mehr als eine Puppe in russischer Hand. Jede Abteilung der Regierung, jedes Regiment der Armee ist mit einem r u ss i sch en „Ra tgeber" versehen. Jede Schlüsselstellung im Staats wird von einem Sowjetagenten eingenommen. Die Provinz ist tatsächlich zu Moskau gekommen. Darüber hinaus haben die Russen in Urumtschi (der Hauptstadt) eine Militärakademie und eine Fliegerschule errichtet . . . und das Hauptwerkzeug der Innenpolitik ist eine mächtige Geheimpolizei. die nach dem Muster der GPU. aufgebaut ist und für ihre Handlungen den Behörden keine Rechenschaft ablegt."
Dieser Schilderung des Schicksals der Verbündeten der Sowjetarmee ist nichts hinzuzufügen. Die Rote Armee ist übrigens sogar „ganz diskret" nach Sinkiang gekommen, nämlich in Zivil. Der deutsche Flugtechniker Georg Vase! hat jene Ereignisse miterlebt und in seinem Buche „Flammen in der Wüste" spannend geschildert. Er erzählt, wie diese Kolonnen von „eigentümlich gekleideten Zivilisten" als „Hilfstruppen" einrückten, aber von der waffenlosen Bevölkerung sofort erkannt wurden: „Jetzt sind wir verloren, die Bolschewiken find da!"
Die Verbündeten haben sich in Sinkiang mit ihrem „bewährten Terror" blutig durchgesetzt. Auch Vasel, der im friedlichen Luftverkehr tätig war, ,st monatelang in grauenhaften Gefängnissen der GPU. festgehalten worden, bis seine Freilassung erreicht werden konnte.
Das Schicksal von Sinkiang ist eine heilsame Lehre für die Europäer, die den Bolschewismus für harmlos halten. Vor allem in England wird es wohl Anteilnahme erregen, denn Indien liegt nicht weit von Sinkiang. Vielleicht ist manchen Briten die Entwicklung dort lehrreicher als die bolschewistische Waffendrohung gegen Ost- und Mitteleuropa, auf die wir Deutschen so ernst verweisen müssen.
So hat der bekannte englische Forschungsreisende und Politiker Philby denn jetzt auch sehr deutlich auf die Vorgänge in Sinkiang hingewiesen, die mit der Errichtung offener Sowjetrepubliken in anderen Teil« Chinas parallel lausen. Philby schildert im neuesten Heft der „Zeitschrift für Eeopolitik", wie die Sowjetrussen in Jnnerasien außerdem versuchen. auch Tibet in ihre Hand zu bringen. Hier könnten, wie Philby schreibt, wichtige Ausfalltore „in die Hände einer Macht fallen, deren stetiger Druck aus die Nordwestgrenze Indiens das schwierigste Problem bildet, das das britische Weltreich bisher zu lösen berufen war".
Philby sagt zum Schluß über die Sowjetpqsitik in Asien: „Es ist ernstlich zu hoffen, daß Großbritannien bei den Entscheidungen die es aller- nächstens zu treffen haben wird. sich nicht den Blick ablenken läßt von dieser stetigen und hinterhältigen Dnrchdrin.zuttgspolilik und ihren u»ab- weislichen. verhängnisvollen Folgen". Wird diese Einsicht stark genug sein. um sich durchzusetzen?