Ausgabe 
(11.6.1936) Nr. 161
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

parteiamtliche Tageszeitung

Dachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Dremen

flmtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt Dremen

EMeint 7mal wöchentlich. Monatsbezug: RM. 2.80 einschl. 30 Pf. Zustellungsgeb.; durch die Post ^-20 emschl. Ubsrweisungsgeb., ausschl. Postbestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck: Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen kernen Anspruch auf Erstattung vd. Ersatz.

RS.-Gauverlag Weser-Ems G. m. b. H.. Bremen. Geeren 8/8 / Fernsprecher: 841 21 und 51115.

Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-ZeiIe im Anzeigenteil 12 Ps.. die 70-mm-Zeils im Textteil 75 Pf. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familie,nAnzeigen u. a.> sowie ^"ltige Bedingmlgen Prers- liste ö (Nachlaßstasfel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit-Berlaq werktäglich 12-13 Uhr: Schristleitung Dienstag und Freitag 12/4-13)4 Uhr.

Nr. 161 / 6. Jahrgang

Vonnerstag, 11. Juni 1SZ6

kinzelpreis 15 Npf.

Nie Schweiz laßt sich vonMoskau nicht einsangen

liegen' . 7 ' . zum Kreml

llnssr logesspisgel

Der Schweizer Bundesrat Motta wandte sich gegen die Wiederaufnahme der Beziehungen BernMoskau.

Als Folge der Lohnerhöhungen machen sich in Frankreich Preissteigerungen bemerkbar.

I» Malaga ist der Generalstreik ausgerufen worden.

Dr. Goerdeler sprach vor dem Internationalen Eemeimdekongretz über die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung.

Im Seeschiffsverkehr von Rotterdam steht die deutsche Flagge an erster Stelle.

Das Jahr 1836 wird ein Rekordjahr der Eisenerzeugung sein.

Im Sittlichkeitsprozeh gegen die Franzis- kanerbrüder wurde Droh zu 3 Jahre» Ge­fängnis verurteilt.

Stabschef Lutze besichtigte im Anschlich a» die Bremer Tage den SA.-Sturmbann z. b. V. im Emsland.

In der Vöttcherstrahe wihxde ein Export- Musterlager kunstgewerblicher Gegenstände eröffnet.

eröffnet.

wehrpflichtige und Landwirtschaft

Berlin, 11. Juni.

Das Oberkommando des Heeres gibt bekannt: Vielfach werden von Wehrpflichtige», die ihre aktive Dienstpflicht erfüllen, oder von deren An­gehörigen an die Dienststellen Anträge auf län­gere Beurlaubung z«r Aufrechterhaltung des Be­triebes oder der Landwirtschaft gestellt. Solchen Anträgen kann im allgemeinen nicht stattgegeben werden, da die an und für sich kurze Ausbildungs­zeit zum Erreichen des Ausbildungszieles bei längerer Beurlaubung nicht mehr ausreicht. Aus­nahmsweise darf bei Vorliegen besonderer Gründe Urlaub erteilt werden, wenn 1. ein tatsächlich be­sonderer Notstand festgestellt und dies auch von der Orts- und Kreispolizeibehörde bestätigt wird, 2. während der Urlaubszeit bei der Truppe keine besonders wichtigen Ausbildungsvorhaben durch­geführt werden.

Keine vefchäftlgung ohne ftrbettsbmh

Berlin» 11. Juni.

Nach einer soeben erlassenen Verordnung des Reichsarbeitsministers dürfen in folgenden Be­triebsgruppen Arbeiter und Angestellte, für die ein Arbeitsbuch auszustellen ist, vom 1. Juli 1936 an nur beschäftigt werden, wenn sie im Besitze eines ordnungsmähig ausgestellten Arbeitsbuches sind: 1. Landwirtschaft, Gärtnerei, Tierzucht, Forst­wirtschaft. Fischerei, 2. Bergbau, Salinenwesen, Torfgräber», 3. Textilindustrie, 1. Vervielfälti­gungsgewerbe, 5. Musikinstrumenten- und Spiel- warenindustrie, 6. Bekleidungsgewerbe, 7. Wasier-, Gas- und Elektrizitätsgewinnung und -Versorgung, 8. Reinigungsgewerbe, S. Gaststättenwesen, 1D. Häusliche Dienste.

Wer entgegen den gesetzlichen Vorschriften einen Arbeiter oder Angestellten beschäftigt oder sich als Arbeiter und Angestellten beschäftigen läht, macht sich strafbar.

Veutflhlandrelie 0r. Legs

Zahlreiche Großkundgebungen der Deutschen Arbeitsfront

München, 11. Juni.

Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, DrLey, tritt am Sonntag, 14. Juni, eine neue für die Dauer von sechs Wochen vorgesehene Reise durch die Gaue Deutschlands an, in deren Rahmen er auf zahlreichen Großkundgebungen der Deutschen Arbeitsfront und aller Gliederungen sprechen wird. Das Programm der Reise sieht auch die Teilnahme an fast allen Gautagungen der NSDAP., ferner eine eingehende Besichtigung von Siedlungen, Betrieben und Dienststellen in zahlreichen Gauen vor. Die Reise beginnt mit der Teilnahme Dr. Leys am Eautag der NSDAP. in Schlesien, wobei Dr. Ley auf einer Großkund­gebung der Deutschen Arbeitsfront in der Bres- lauer Jahrhunderthalle sprechen wird.

Neikhsfthulungsburg der Vfts.

Baldiger Baubeginn in Hirschberg

nsk. Hirschberg, 11. Juni Bei seiner Anwesenheit beim ersten Lehrgang des neu gegründeten Volksbildungswerkes der NS.-EemeinschaftKraft durch Freude" in Hirsch­berg entwickelte Dr. Ley den Plan eines Neu­baues einer Reichsschulungsburg in Hirschberg. Diese Reichsschulungsburg der DAF., die unter­halb der jetzigen Schulungsburg mit der Front nach dem Riesengebirge zu errichtet werden soll, wird Raum zur Unterbringung von 500 Lehr­gangsteilnehmern schaffen. Mit dem Bau, dessen Vläne Reichsorganisationsleiter Dr. Ley per­sönlich dem Architekten zur Bearbeitung über­geben wird, soll möglichst bald begonnen werden.

Scharfe flbsage Mottos I

Bern, 11. Juni.

Im schweizerischen Nationalrat fand gestern I eine große Aussprache über die Wiederaufnahme der Beziehungen der Schweiz zu Sowietrußland. statt. Die Reden der Antragsteller eröffnete der Kommissionsreferent E r a f (freist».). Er erklärte, daß besonders wirtschaftlich interessierte Kreise die Wiederaufnahme der Beziehungen zur Sowjet­union anstrebten. Er persönlich fei gegen die Wiederaufnahme. Der sozialdemokrätische Par­teiführer Reinhard ebenso wie der Ingenieur Stäubli (unabhängig) erklärten sich für die Wiederaufnahme, während der Abgeordnete Val- loton in scharfer Form die Ablehnung der An­träge verlangte.

Bundesrat Motta legte in längerer Rede die ablehnende Haltung des Bundes­rates dar. Der Bundesrat müsse die Geschäfts­welt vor Illusionen warnen. Er bestreitet, daß die offizielle Anerkennung Sowjetrußlands im­stande wäre. das Wesen des gegenseitigen Han­delsverkehrs in wirklich fühlbarer Weise zu ändern.

Der Anteil Rußlands am Weltaußenhandel, so erklärte Motta, ist verschwindend klein. Die Schweiz hatte im Jahre 1935 als kleines Land von 4,8 Millionen Einwohnern einen Außenhan- dxl auszuweisen, der bedeutender ist als derjenige des unermeßlichen Rußlands mit seiner Bevölke­rung von 160 Millionen. Der russische Außen­

handel ist übrigens in einem Schrumpfungspro­zeß begriffen. Er belies sich im Jahre 1935 im ganzen nur aus 1650 Millionen Eoldfranken, während der schweizerische Außenhandel noch eine Ziffer ausweist, die zwei Milliarden überschreitet.

Belgien hat die Sowjetunion anerkannt. Die Ergebnisse für den Handel waren aber ent­täuschend. Holland hat gleich der Schweiz die Sowjetunion nicht anerkannt. Sein Handel mit Rußland übersteigt dennoch beträchtlich denjeni­gen Belgiens. Die Vereinigten Staaten haben den Sowjetstaat 1933 anerkannt. Diese Anerken­nung war durch die Banken und andere Ge­schäftskreise befürwortet worden. Ihr Ziel wurde nicht erreicht.

Wäre die russische Regierung, so fuhr Bundes­rat Motta fort, im gegenwärtigen Augenblick imstande, darauf zu verzichten, die kommunistische Propaganda direkt oder indirekt zu unterstützen? Die Sowjetregierung könnte dies nicht, selbst wenn sie es verspräche. Die kommunistische Pro­paganda stellt nun aber in unseren Augen ein moralisches Verbrechen dar, ein Ver­brechen zwar, daß unsere Gesetzgebung als solches noch nicht umschrieben und geahndet hat, aber dennoch ein Verbrechen. Die Sowjetregierung ist untrennbar von der Dritten Internationale.

Es besteht zwischen der Sowjetregierung und der kommunistische» Partei eine teilweise Sden- tität der Personen und eine verwirrende Solida­rität der Ideen und Interessen. Der Einfluß

Moskaus ist überall am Werke. Die Dritte In­ternationale schwingt die Brandfackel im Westen Europas und feiert dort die Verbindung von Kommunismus und Anarchie. Der Einfluß Mos­kaus arbeitet, wo er kann, an der Bildung von Volksfronten". Er bringt die französischen Kom­munisten dazu, die Militiirkredite anzunehmen, und die Schweizer Kommunisten, sie abzulehnen. Die kommunistische Taktik kennt alle Formen und alle Schattierungen. Sie sucht Revolutionen in Brasilien, in Argentinien, in Uruguay und in anderen Staaten Südamerikas zu entfachen.

Es ist nicht richtig, daß die Schweiz in ihrer dauernden Weigerung, ' Sowjetrußland offiziell anzuerkennen, allein dasteht, Holland, Portugal und Jugoslawien betreiben die gleiche Politik wie wir. Die 20 Republiken Süd- und Mittel­amerikas handeln ebenso. Der Augenblick, unsere Politik abzuändern, wäre darum schlecht ge­wählt.

Die Darlegungen des Bundesrates Motta sind so eindringlich, daß sie ihre Wirkung auf die Vertreter des schweizerischen Volkes nicht verfehlt haben können. Welches Lügen­gewebe wird man nun im Kreml wieder spinnen, um die Wahrheit über den Räte­bund erneut zu verschleiern?

imai vrrem rnve PreisireMruiMN

kinigung im nordfrairMschen Vergbau Wirtschaftliche folge der Lohnerhöhungen

Paris, 11. Juni.

Die rückläufige Bewegung im Streik in Frank­reich scheint sich allmählich stärker durchzusetzen. In der Nacht zum Mittwoch kam ein Abkommen zu­stande, durch das der Streik der Bergarbeiter in Nordfrankreich beigelegt werden konnte. Dieses Ab­kommen sieht eine allgemeine Lohnerhöhung von 12 v. H. vor. Heute soll in sämtlichen Bergwerken die Arbeit wieder ausgenommen werden. In Paris erfolgte eine Einigung im Kleinhandel und im Versicherungsgewerbe, die dem Streik in diesen Wirtschaftszweigen ein Ende setzt. Hingegen sind in Toulouse jetzt auch die Arbeiter des Baugewerbes und verwandter Gewerbe in den Streik getreten.

Während die der Regierung nahestehenden Blät­ter mit Befriedigung die bisher erreichtenSiege der '' Arbeiterschaft" hervorheben, versuchen die Blätter der Rechten nachzuweisen, daß die Tat­sachen dem ausgegebenen Stichwort einer Entspan­nung nicht entsprechen. Mit einer gewissen Beun­ruhigung heben die Rechtsblätter hervor, daß am

Dienstag zum erstenmal streikende Arbeiter über die Boulevards gezogen seien und die Passanten miterhobenerFaust gegrüßt hätten. Ferner wird auf der Rechten die Auffassung vertreten, daß eine allgemeine Preiserhöhung und Lebensverteue­rung unvermeidlich sei, während die.Linke sich da­gegen verwahrt, daß durch Preissteigerungen die Arbeiter um die Früchte des Kampfes gebracht werden sollen. Die Arbeitgeber scheinen jedoch nicht gewillt zu sein, die Kosten der unmittelbaren oder mittelbaren Lohnerhöhungen selbst zu tragen. So sehen sich die Kraftfahrer, die zunächst erfreut waren, am Montag überhaupt wieder Betriebs­stoff zu bekommen, vor der unangenehmen Ueber- raschung, daß die Preise für Benzin seit der vori­gen Woche um etwa 6 bis 8 v. H. erhöht worden sind. Die Textilindustrie ist bereits mit der Forde­rung an den Staat herangetreten, einen Ausgleich zu erhalten, um ausfuhrfähig zu bleiben.

Wie zu erwarten war, werden ferner nicht nur bei der Opposition, sondern auch auf dem rechten Flügel der Volksfront Bedenken gegen die Aus­wirkungen laut, die die einseitige Einführung der 40-Stunden-Woche in Frankreich nach sich ziehen würden. Mit einer Offenheit und Deut­

lichkeit, als ob ein Blatt der Opposition schriebe, erklärt die Herriot nahestehende radikalsoziali­stischeEre Nouvelle", die Durchführung der 40- Stunden-Woche werde für die Ausgaben der Armee eine Mehrbelastung von 850 Millionen Francs bedeuten, bei der Kriegsmarine noch mehr. Im ganzen würde sich unter Einrechnung der sonstigen öffentlichen Betriebe eine Mehr­belastung von zweieinhalb Milliarden Francs ergeben. Bei den Eisenbahnen würde die Durch­führung der 40-Stunden-Woche eine Personal­vermehrung erfordern, deren Kosten eineinhalb Milliarden jährlich betragen würden.

Die Vorsitzenden der Pariser Handelskammern haben in einer Entschließung Vorbehalte bezüg­lich der Einführung der 40-Stunden-Woche vor­gebracht. An sich sei die 40-Stunden-Woche eine zulässige Reform im Sinne des sozialen Fort­schrittes; aber die Regierung übernehm e eine schwere Verantwortung, wenn sie diese Reform plötzlich und ohne gleichzeitige Durchführung dieser Maßnahmen in anderen Ländern zur An­wendung bringen würde.

>

.4,ik ckvx vivti-ivIi-LelLai-l-Lükno, äis äiekt dsi cken Ol^wpisclisn Lampkstättsn AsIsZsn ist, vllrä sikriZ Zsprobt. 2ur ^ukt'iiln »UA cvirck

wusikaliseko Drama .v.on Da^änLsralclss" kommen. (Selieri Liläsrclisnst)

Um zu oerlsindern.

Dokumente sprechen

* Bremen, 11. Juni.

Um zu verhindern, daß Deutschland sei­nen Angriff wiederholt, mutz seinen Truppen der Zutritt zum linken Rheinufer versagt und seine Westgrenze an den Rhein verlegt werden." So lautet die Kernstelle der fran­zösischen Denkschrift des Marschalls Fach vom Februar 1919 an die Alliierten, derzu- folge zur Gewährleistung der französischen Sicherheit in den Versailler Vertrag die Be­stimmung aufgenommen wurde, daß Deutsch­land am Rhein eine entmilitarisierte Zone zu dulden habe.

Man wird daran erinnert durch die im Verlag von Junker L Dünnhaupt erschienene Dokumentensammlung über Locarno, von der wir unseren Lesern bereits Mitteilung machten und aus deren Vorwort, das vom Botschafter Ribben- trop stammt, wir auch bereits einige be­merkenswerte Stellen veröffentlicht haben. Im Gegensatz zu der nur zweckhaft zusam­mengestellten Sammlung von englischen Schriftstücken, als die sich das bekannte eng­lische Blaubuch darstellt, ist die deutsche Dokumentensammlung ebenso gründlich und unvoreingenommen durchgearbeitet wie lückenlos und bietet darum allen Wahrheit- suchenden völlig einwandfreies Material für das richtige Urteil im Streit über die Be­rechtigung Deutschlands zur Wiederbesetzung der ehemals entmilitarisierten Zone.

Es bedarf nur eines ganz klein wenig folgerichtigen Denkens, um aus der Reihe dieser Schriftstücke, die, soweit es sich um die französische Sicherheit handelt vom Jahre 1919 bis zur englischen Rückfrage vom 6. Mai 1936 zusammengestellt sind, zu dem zwingenden Schluß zu kommen, zu dem der Führer kam, als er am 7. März dieses Jah­res den Locarnopakt für zerstört erklärte.

Um zu verhindern, daß Deutschland sei­nen Angriff wiederholt . . .", so heißt es in dem bereits oben angeführten Schreiben Fachs, dem zu entnehmen ist, daß der fran­zösische Marschall die Sicherheit Frankreichs mit der Einführung der entmilitarisierten Zone als völlig gewährleistet erachtet hat. Dem Wunsche des französischen Marschalls gemäß wurde diese Bestimmung in den Ver­sailler Vertrag aufgenommen. Aber gleichzeitig wurde Deutschland in Versailles das Ver­sprechen gegeben, daß im Gefolge der durch die Entmilitarisierung des Rheinlandes so­wie durch die anderen Entwaffnungsbestim­mungen für Deutschland gewährleisteten Sicherheit sich auch die übrigen europäischen Länder, somit auch Frankreich, der deutschen Abrüstung anschließen würden, um auch ihrerseits alles zu tun. was dem Frieden Europas dienen könnte.

Locarno sollte dann die Krönung des Erfolges eines Friedensstrebens sein. das. wie man in Paris immer und immer wieder vorgab, unter allen Umständen die Möglich­keit eines neuen Krieges ausschalten wollte. Tatsächlich hätte Frankreich und hätten die übrigen europäischen Staaten ihr Ver­sprechen, nach dem deutschen Beispiel nun auch ihrerseits abzurüsten, nur zu halten brauchen, und der Friede Europas wäre ebenso wie die Sicherheit Frankreichs aufs beste gewährleistet gewesen. Indessen tat Deutschland, dem Frieden Europas zu die­nen, noch mehr.

Wenn die am Rhein interessierten Mächte sich gegenseitig zu treuen Händen der Regie­rung der Vereinigten Staaten feierlich ver­pflichten möchten, für ein Menschenalter keinen Krieg ohne besondere Ermächtigung durch eine Volksabstimmung gegeneinander zu führen, so würde Deutschland nicht zögern, eine solche Verpflichtung zu übernehmen", hatte, wie in der Dokumentensammlung deutlich zu lesen ist, Deutschland im Dezember 1922 vorgeschlagen, um seinen Friedenswillen Frankreich gegenüber abermals zu beweisen. Der Locarnopakt kam daraufhin auf der Grundlage gegenseitiger Sicheryeitsverpflich- tungen der am Rhein interessierten Staaten zustande.

Der Locarnopakt konnte voll und ganz den am Rhein interessierten Staaten, darunter vor allem Frankreich, Sicherheit bieten, und der Friede Europas wäre zweifellos damit gewährleistet gewesen, wenn Frankreich sich an dem Locarnopakt hätte genug sein lassen und nicht neue Unruhe über Europa mittelst eines ganzen Sammelsuriums von Pakten mit deutschen Nachbarländern, gebracht Hütte. Tiefe Pakte konnten allein nur den Zweck haben Deutschland einzukreisen und nicht bloß Deutschland, sondern auch die äußer- deutsche Diplomatie hat die französische Pakt- politik so aufgefaßt. Dieser seiner Bedroh-