Ausgabe 
(5.6.1936) Nr. 155
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' parteiamtliche Lageszeitung

ilachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Vremen flmtsblatt des Senats der Lreien kjansestadt Dremen

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Nr. 155 / 6. Jahrgang

seeitag, 5. Juni 1SZ6

kinzelpreis 15 Npf.

fwnkreich vom bolschewistischen Strom erfaßt

Moskaus Streik-Saat geht auf / drohende wirtschaftsanarchie / Lebensmittelversorgung in Paris gefährdet

i Unser lagvsspisgsl

! Nach dem Rücktritt Sarrauts hat Leon Vlum

j nunmehr das neue französische Kabinett

, gebildet.

Der Streik in Frankreich nimmt immer mehr bolschewistische Formen an.

' ' Die LondonerTimes" setzt sich energisch für

Verhandlungen mit Adolf Hitler ein.

Rudolf Hetz sprach in Berlin zur deutschen Beamtenschaft.

Eauwalter der DAF., Bruno Dieckelmann, gibt einige Vorschläge zur Landschasts- verschönerung.

Wieder stand ei« katholischer Geistlicher wegen Sittlichkeitsverbrechen vor Gericht.

Der Reg. Bürgermeister kündigt den Bau von drei neuen Müttererholungsheimen an.

Heute treffen in Bremen die SA.-Reiter zum Tag der SA.-Gruppe Nordsee" ein.

Der Bürgerpark-Verein legte seinen Rechen­schaftsbericht vor.

Der Ex-König von Albaniender größte Abenteurer der Welt" weilt heute in Bremen.

SchnelldampferPotsdam" des NDL. machte eine Rekordruudreise nach Ostasien.

sttwer der Luftwaffe

Das Beileid des Führers zum Tode des Generalleutnants Weoer

Berlin, 5. Juni.

Der Führer und Reichskanzler hat der Witwe des tödlich verunglückten Generalstabschefs der Luftwaffe, Generalleutnants Wever, sein Beileid mit folgenden Worten ausgedrückt:Zu dem , schweren Verlust, den Sie durch den Unglücksfall Ihres Mannes, des hochverdienten Generalleut­nants der Luftwaffe, erlitten haben, spreche ich r Ihnen meine aufrichtigste Anteilnahme aus."

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat eine achttägige Trauer für die gesamte Luftwaffe und eine dreiwöchige Trauer für das Reichsluftfahrt­ministerium und das FliegergeschwaderEotha",

^ das künftig den NamenFliegergeschwader Gene­ral Wever" führt, angeordnet. Das Reichsluft­fahrtministerium setzt die Flagge bis zum Tage der Beisetzung halbmast, und sämtliche Dienst-' stellen der Luftwaffe flaggen am Tage der Bei­setzung halbmast.

klzrung der Sefallenen

Berlin, 5. Juni.

Als Auftakt des diesjährigen Reichshandwerker­tages wurde gestern in Berlin eine Totenehrung - vorgenommen, die den Gefallenen der Bewegung , und des Weltkrieges galt. Vor dem Ehrenmal . Unter den Linden waren eine Ehrenkompanie der Wachtruppe, Ehrenstürme der SA., der SS.

. und des Arbeitsdienstes sowie Handwerker in Be- ^ rufstracht aufmarschiert. Auch das Führerkorps der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk war an- - getreten. Reichsleiter Dr. Ley, Reichshandwerks- f meister Schmidt und der , Kommandeur der - Berliner Wachtruppe legten gemeinsam am Ehren-- mal einen Kranz nieder. Anschließend nahmen sie­den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie und der . Ehrenstürme ab. Sodann begaben sich Dr. Ley und Reichshandwerksmeister Schmidt zum Grabe Horst Wessels auf dem Alten Nicolai-Kirch- hof, wo sie gleichfalls einen Kranz im Beisein einer Ehrenformation der StandarteHorst Wessel" niederlegten.

Paris, 5. Juni.

Obgleich man vor einigen Tagen annahm, daß die Streikbewegung in Frankreich ihren Höhepunkt überschritten habe, besagen die letzten Meldungen das Gegenteil. Der Streik hat sich von der Auto­mobil-, Metall- und chemischen Industrie auf die Lebcnsmittel- und Benzinoersorgung ausgedehnt.

Eine Pariser Vrennstoff-Großoertriebsgesellschaft teilt mit, daß 27 ihrer insgesamt 30 Hauptlager von den streikenden Arbeitern besetzt sind und keinen Brennstoff mehr abgeben können. Die Vorräte der Klein-Verteilerstellen seien ganz verschieden; aber bei vielen mache sich bereits heute ein star­ker Benzinmangel bemerkbar. Der Streik hat ferner auch auf die Zeitungsver- triebsfirmaHachette übergegriffen, die in Paris eine monopolartige Stellung einnimmt. Hier-erstreckt er sich vorwiegend auf die Lastkraft- waaenführer, die die Zeitunaspakete auf die Bahnhöfe befördern. Auch die Kraftwagenführer der Gesellschaft, die die Beförderung der Unter­suchungsgefangenen vom Gefängnis nach dem Justizpalast und zurück übernommen hat befinden sich im Ausstand.

In der Provinz nimmt der Streik ebenfalls immer bedenklichere Formen an. Die Arbeiter der chemischen Werke in Rouen haben Forderungen gestellt, die zum Teil auf eine SOprozentige Lohn­erhöhung ausgehen. Getreu dem Vorbild in Paris hat hier die Belegschaft die Fabriken besetzt und erklärt, sie nicht eher zu verlassen, bis die Forderungen angenommen seien. In Lilie ist die Textilindustrie in großem Umfange von der Streikbewegung erfaßt. Auch die dortigen großen Stahlwerke liegen völlig still. In Ls Havre haben unbekannte Täter schon zweimal eine rote Sowjet-Fahne auf einem Lichtmast gehißt.

Madrid, 5. Juni.

Zu den von uns bereits gemeldeten Unruhen in Spanien werden aus einigen Provinzen jetzt weitere Zwischenfälle gemeldet. In Santander wurde der Direktor der sozialdemokratischen Zeitung Region" in einem Kaffee von einem Unbekann­ten überfallen und durch mehrere Schüsse nieder­gestreckt. Die Gäste des Kaffees verfolgten daraus den Täter und erschossen ihn. Aus ähnliche Weise wurde der Gefängnisdirektor in Sevilla von Linksradikalen ermordet, als er sich mit mehreren Freunden in einem Kaffeehaus aufhielt.

In Alora überfiel eine Gruppe streikender kommunistischer Landarbeiter einen Eutshof in der Absicht, das Grundstück zu enteignen und selbst zu bewirtschaften. Als die Besitzer den Angreifern entgegentraten, entstand eine Schießerei, in deren Verlauf eine Person getötet und zwei lebensge­fährlich verletzt wurden. Aus benachbarten Orten sind Polizeiabteilungen abkommandiert worden, um die Ruhe wiederherzustellen. In Malaga wurde ein Geistlicher, der 3000 Peseten Gehälter bei sich führte, von Kommunisten überfallen, be­raubt und durch Pistolenschüsse verletzt.

Bei einem Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern trugen ein Faschist und ein auf der Straße spielendes Kind erhebliche Verletzungen davon. In Saragossa legten Anarcho-Syndi- kalisten in den Geschäftsräumen des sozial­demokratischen . Eewerkschastsverbandes eine Bombe, bei deren Explosion erheblicher Sach-

I Die Vorgänge der letzten Tage haben in Paris I eine peinliche Nervosität hervorgerufen. In fran­zösischen Wirtschastskreisen wächst die Ueberzeu­gung, daß der Streik nicht allein zur Durchsetzung von Lohnforderungen inszeniert worden ist, son­dern vielmehr eine allgemeine politische Be­unruhigung der Oeffentlichkeit und den sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Wirrwarr zum Ziel hat. So ist bereits seit längerer Zeit eine Gold­flucht beobachtet worden, die ein ernstes Zeichen für eine nicht ausgeschlossene Wirtschaftsanarchie bedeutet. Da man außerdem der Ueberzeugung ist, daß die Streikbewegung von außen her geleitet wird, so bedarf es wohl keiner besonderen Seher­gabe, die Hauptverantwortlichen in Moskau zu suchen. Die Einheitlichkeit der Streikmethode läßt auf die Einheitlichkeit der Führung schließen.

K

Die Männer am Ouai d'Orsay glaubten, als sie damals mit den roten Gewalthabern im Kreml das Militärbündnis abschlössen, daß der Bolsche­wismus eine innere Angelegenheit Sowjetrutz- lands sei. Deutschland und mit ihm auch einsichts­volle Kreise des Auslandes haben beizeiten ihre warnende Stimm« erhoben und auf das Bestreben des Bolschewismus hingewiesen, sich in die Innen­politik der mit ihm verbündeten Länder einzu­mischen. Man verschloß sich damals jedoch am Quai d'Orsay allen Bedenken und Einwendungen, obwohl der rote Gürtel um Paris immer stärker und bedrohlicher wurde.

Schneller als man annahm, ist die Befürchtung wahr geworden. Der Streik in Paris und in der

schaden verursacht und zwei Personen verletzt wurden.

Da das asturische Grubenarbeiter-Syndikat bei den Schlichtungsvcrhandlungen mit dem Minister für Handel und Industrie zu keiner Verständigung gelangt ist, begann gestern in sämtlichen Berg­werken Asturiens der sogenanntefriedliche Generalstreik". Die Streikleitung obliegt dem sozialdemokratischen Gewerkschastsverband UGT. Die Ursache für den Streik ist in erster Linie die Tatsache, daß eine Reihe von Vergwerksdirektionen mit den Lohnzahlungen bis zu fünf Monaten im Rückstand ist. Die den Arbeitern geschuldeten Be­träge belaufen sich auf 12 Millionen Peseten.

Vie soziale Vrdnung in Sefake"

London, 5. Juni.

Die Londoner ZeitungDaily Mail" weist auf die Erfolge der von Moskau geleiteten kommuni­stischen Wühlarbeit in Frankreich, Spanien und Belgien hin. Moskau arbeite Tag und Nacht, um in allen Teilen der Welt Unheil anzurichten. Frankreich lerne jetzt die Gefahr kennen, die jenes Liebäugeln mit Sowjetrußland mit sich bringe. Die soziale Ordnung sei in Gefahr und das sei eine große Gefahr in der gegenwärtigen un­ruhigen Lage Europas. Ein ähnliches Ergebnis hätten die kommunistischen Erfolge bei den bel­gischen Parlamentswahlen gezeitigt. Der Streik in den Docks von Antwerpen sei auf kommuni- stische-Anstiftung zurückzuführen.

Provinz kann als eine Vorstufe der beab­sichtigten kommunistichen Revolte angesehen werden, zum mindesten aber als ein ent­schlossener Vorstoß der Söldlinge Moskaus. Der Sowjet-Pakt hat ihnen den Mut gestärkt,' die Volksfront und der rote Wahlsieg waren der erste Niederschlag der Allianz mit Moskau, und nun ruhen die Maschinen und Motors der französischen Industrie. Das ist die Ernte einer Politik, für die die Männer vom Quai d'Orsay allein die Ver­antwortung tragen.

Unruhiges Palästina

Anschlag auf britischen Truppentransportzug

London, 5. Juni.

Nach einer Meldung aus Jerusalem ist ein An­schlag auf den Truppentransportzug aufgedeckt worden, der zwei britische Bataillone von Aegypten nach Jerusalem beförderte. Eine vor dem Transportzug fahrende Lokomotive wurde zum Entgleisen gebracht. Nachdem die Gleise wiederhergestellt worden waren, konnten die Truppen sicher nach Jerusalem besördert werden. Auf der Straße von Jerusalem nach Hebron sind zwei Brücken in die Lust gesprengt worden.

In Jerusalem wurden am Mittwoch fünf jüdi­sche Kommunisten verhaftet. Bemerkenswert ist, daß den in jüdische Kolonien verbannten kommu­nistischen Hetzern von der Bevölkerung die Her­gäbe von Lebensmitteln verweigert wird, so daß sie aus der Eefängnisküche verpflegt werden müssen. Einer der Streikführer in Jerusalem. Rechtsanwalt Hassan Sidki Najani, ist in ein Kon­zentrationslager gebracht worden. Die Einwan­derung der Juden ist im Laufe des Monats Mai zurückgegangen. Sie -beließ sich nur auf 2158 Per­sonen gegenüber 3095 im April und 3646 im März.

Ein Zeichen, daß auch in Syrien die judenfeind- liche Stimmung immer stärker wird, ist die Tat­sache, daß es am Montag in Damaskus zu Zu­sammenstößen mit der Polizei kam. weil die Be­völkerung die Lebensmittellieferungen jüdischer Kaufleute nach Palästina verhindern wollte.

Jerusalem» 5. Juni.

Unmittelbar nach einem Ueberfall zweier Ara­ber auf Juden in der Nähe der jüdischen Siedlung Rischon erschien britisches Militär und umstellte das benachbarte Araberdorf Beit Dejan. Sämt­liche Häuser wurden nach Waffen durchsucht und fünf Einwohner, darunter die beiden mutmaß­lichen Täter, verhaftet. Außerdem wurde das Dorf mit einer Strafe von 5VV Pfund belegt. Als Sicherheit wurde die gesamte Ernte der Gemeinde beschlagnahmt.

In der Nähe von Haifa wurde auf einen Autobus eine Bombe geschleudert. Von den In­sassen wurden ein Araber und vier Juden ver­wundet. Allein in Jaffa haben sich während der letzten Wochen 80 Brandstiftungen ereignet. An sechs Stellen des Landes wurden die Fernsprech- leitungen durchschnitten. An mehreren Stellen kam es wieder zu Schießereien. In Tiberias ent­wickelte sich eine Schlägerei, bei der zwei Juden verwundet wurden.

strgentmien dringt durch

Genf, 5. Juni.

Das Völkerbundssekretariat teilt mit, daß der Präsident der Versammlung auf Grund des argen­tinischen Antrages beschlossen habe, die Völker­bundsversammlung einzuberufen. Der Zeitpunkt ihres Zusammentritts werde demnächst festgesetzt werden.

fluch in Spanien wichst Sie Kommune

Schießereien und Vombenanschtäge fordern zahlreiche rodesopfer

Sarraut Wückgetreten, vlum im Sattel

per neue französische Ministerpräsident will bereits morgen vor dem Parlament die Negierungserklärung

abgeben / herriot Kammer-Präsident ?

Vr. teg zum Neichshandwerkertag

Berlin, 5. Juni.

Der Leiter der Teutschen Arbeitsfront Reichs­organisationsleiter Dr. Ley hat an das deutsche Handwerk anläßlich des Reichshandwerkertages 1936 zu Frankfurt a. M. folgende Vegrüßungs- 7 Worte gerichtet:Der diesjährige Reichshand­werkertag wird zeigen, daß das Handwerk immer mehr in die Deutsche Arbeitsfront hineinwächst. Ich grüße das deutsche Handwerk in der schönen ' Stadt Frankfurt und wünsche, daß die Tagung > zum Segen des Handwerks verlaufen möge.

^ Südosteuropareise Schachts

Berlin, 5. Juni.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird in seiner s- Eigenschaft als Leiter der Notenbank in der i nächsten Woche mit dem Flugzeug eine Reise nach l Belgrad, Athen, Sofia und Budapest unternehmen.

! Der Zweck der Reise ist die Erwiderung der Be- j suche, die die Notenbankpräsidenten dieser vier l Plätze in der letzten Zeit dem Reichsbankpräsiden- f ten in Berlin abgestattet haben. Der Gegenbesuch I des Reichsbankpräsidenten war schon seit längerer f Zeit in Aussicht genommen.

Paris, 5. Juni.

Der Präsident der französischen Republik Lebrun hat das in Auswirkung des Kammerwahlergeb­nisses erfolgte Rücktrittsgesuch der Regierung Sar­raut angenommen und den bisherigen Ministern seinen Dank für ihre Arbeit ausgesprochen.

Der Vorsitzende -er Sozialistischen Partei, Leon Vlum, hatte kurz danach eine Besprechung mit dem Präsidenten der Republik. Die Besprechung dauerte etwas über eine Stunde. Dabei wurde Leon Vlum mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Anschließend besprach er sich mit den Vorsitzen­den der beiden Kammern. Darauf begab er sich mit den neuen Kabinettsmitgliedern in das Elysse, um seine Regierung dem Staatspräsidenten vor­zustellen. Wie Leon Blum mitteilte, wird seine Regierung am heutigen Freitagnachmittag zu einem Kabinettsrat und am Sonnabendvormittag zu einem Ministerrat zusammentreten, um die Regierungserklärung zu beraten, die vor dem Par­lament am Sonnabendnachmittag abgegeben wird.

Einer späteren Meldung zufolge hat das Ka­binett Leon Vlum folgende Zusammensetzung: Ministerpräsident: Leon Blum; drei Staatsmini- Iter: Chautemps, Paul Faure und Violette;

Aeußeres: Pvon Delbos; Landesverteidigung und Krieg, gleichzeitig stellvertretender Minister­präsident: Daladier; Kriegsmarine: Easnier-Du- parc; Luftfahrt: Pierre Cot; Inneres: Salengro;

Justiz: Marc Rucart; Nationale Erziehung: Jean Zay; Finanzen: Vincent Auriol; Nationale Wirtschaft: Spinasse; Handel: Bastid; Oefsentliche Arbeiten: Albert Bedouce; Kolonien: Marius Moutet; Post: Jardillier; Landwirtschaft: Georges Monnet; Pensionen: Albert Riviere; Arbeit: Le- bas; Volksgesundheit: Henry Sellier.

Ferner wurde eine Anzahl Staatssekretäre er­nannt, unter ihnen drei Frauen.

Die Radikalsozialisten haben folgende Mini­sterposten mit Leuten ihrer Partei besetzt: das Außenministerium, das Ministerium für Lan­desverteidigung und Krieg, das Kriegsmarine­ministerium, das Luftfahrtministerium, das Justizministerium, das Ministerium für natio­nale Erziehung und das Handelsministerium. Außerdem ist von den drei Staatsministern Chautemps Radikalsozialist. Die übrigen Mini­sterien und das Ministerpräsidium werden von Sozialisten verwaltet.

Neben dem Kabinett sind fünf mini­sterielle Koordinationskomitees ge­schaffen worden: 1 für die Landesverteidigung unter dem Vorsitz des Landesverteidigungs- und Kriegsministers Daladier. 2. für die'allgemeine Verwaltung unter dem Vorsitz des Innenmini­sters Salengro, 3. für nationale Wirtschaft unter dem Vorsitz des Ministers für nationale Wirt­schaft Spinasse, 4. für auswärtige Beziehungen unter dem Vorsitz des Außenministers Delbos,

5. für soziale Solidarität unter dem Vorsitz des ArbeitsPinisters Lebas.

Nach Bekanntgabe der Ministerliste sprach Lson Blum vor den Pressevertretern. Die Mini­sterliste enthalte eine Neuheit, der er große Be­deutung beimesse, die Hinzuziehung von drei Frauen. Die Tatsache, daß man eine Regierung aus mehreren Parteien bilde, habe eine gewisse Anzahl von leicht verständlichen Verpflichtungen zur Folge gehabt. Es sei eine Zahl neuer Amtsstellen geschaffen worden so für Sport, Feierabendgestaltung und Kind'erschutz. Heute um 12.30 Uhr werde Blum eine Rundfunk­ansprache über die innere Lage und den Streik halten.

Die französische Kammer nahm am Donnerstag die namentliche Abstimmung über die Wahl ihres Präsidenten vor. Danach ist Herriot mit 377 Stimmen zum Kammerpräsidenten gewählt worden. Der rechtsgerichtete Abgeord­nete Valat erhielt 155 Stimmen.

Herriot, bis vor wenigen Monaten Vorsitzender der Radikalsozialistischen Partei, hat bereits ein­mal, im Jahre 1925, den Vorsitz der Kammer innegehabt. In dem er für kurze Zeit das Präsi-' dium einem Stellvertreter überließ, hat er damals den damaligen Ministerpräsidenten Vriand in einer entscheidenden Rede angegriffen und zum Rücktritt gezwungen.

vervauer ln der Sowjetunion

Dr. Reinhart Maurach, Leiter der Rechtsabteilung des Osteuropa-Instituts in Breslau, veröffentlicht in der parteiamtlichen Deutschen-Arbeits-Korre- fpondenz nachstehenden Aufsatz über das Los des Bauern in Sowjctrutzland.

Einen Bauern in unserem Sinne, den mit seinem Grund und Boden verbundenen selbständigen Landwirt, gibt es in der Sowjetunion nicht, und streng genommen hat es einen solchen im eigent­lichen Rußland auch nie gegeben. Bis zur Auf­hebung der Leibeigenschaft (1861) war ein eigen- besitzlicher Bauernstand nur in den Rand-, den Kolonial"-Eebieten des Reiches, von den Steppen Südwolhyniens über Neurußland hinweg nach Si­birien, in Gebieten also begründet, die in über­wiegend kriegerischer Entwicklung dem Kaiserreich angefallen waren und in denen wie z. B. bei den Kosakensiedlungen die Ansehung freier Bauern überwiegend grenzpolitischen und mili­tärischen Erwägungen entsprang. Im übrigen Reich aber herrschte die Leibeigenschaft und die Agrarfrage, der historischeLandhunger" des russischen Muschik, ist auch durch deren Aufhebung nicht beseitigt worden: der Bauer wurde persön­lich zwar frei, eine eigene, ihm verbleibende Scholle wurde ihm aber nicht zugeteilt er war vielmehr auf das Gemeindeland angewiesen, das, arealmäßig unverändert, immer wieder auf die

Bremer Volksgenossen!

Zeigt amTage der SA-Gruppe Nordsee" eure Verbundenheit mit der SA und gebt der Stadt ein festliches Gepräge. Flaggt! Schmückt eure Häuser mit Tannengrün!

wachsende Zahl der Eemeindemitglieder umzeteilt wurde, das nicht dem Bauern gehörte, sondern der Dorfgemeinschaft (Mir). Es lag für den ein­zelnen Nutznießer kein Anlaß vor, auf lange Sicht zu kultivieren. Zwar hat das Kaiserreich durch die sog. Stolypinsche Agrarreform Ansätze zu einer Ueberführung des Gemeindelandes in Privat­eigentum in Gang gesetzt, doch verblieb es. zumal nach der Ermordung des Premierministers Stoly- pin (1911), bei diesen Ansätzen. Die. allerdings kurzfristige, Lösung des Problems brachte erst die Revolution von 1917, in der sich die Bauernschaft gewaltsam des Großgrundbesitzes bemächtigte, die ' orte und ' -n auch

a- mch.'nd n rüm".- et . oenen

Scholle wurde.

Die ersten Jahre der Sowjetregierung haben an diesem tatsächlich geschaffenen Zustand wenig geändert. Der Grund und Boden wurde zwar zum Staatsbesitz erklärt, aber tiefere Eingriffe wurden, getreu dem Leninschen Worteder ist Herr des Bodens, der ihn beackert", zunächst unter­lassen, zumal die Regierung Interesse daran hatte, durch eine gewisse SchonungbesBau- ern ihre Handelsbilanz durch Förderung der Ge­treideausfuhr zu stützen. Der gewaltige, für west­europäische Begriffe kaum vorstellbare Umbruch auf derAgrarfront" begann erst 1929 und hält, mit wenigen Rückschlägen, bis heute an. Es ist dies die erschütternde, Dutzende von Millionen Menschen umstürzende Bewegung der Agrar- kollektivierung. Die Bewegung begann, angeblich in spontaner Entwicklung, in Wahrheit auf sehr konkreten Parteidirektioen beruhend, mit der durchgehenden Liquidierung des Kulakentums" (Groß- und Mittelbauernschaft), d. h. mit der Vertreibung der wohlhabenderen Bauern von Grund und Boden, ihrer Massenverfrachtung in dieentfernten" Gebiete des äußersten Nordens und nach Sibirien, wo sie bei Holzfäll-, Kanal- und Wegebauarbeiten zu Hunderttausenden um­kamen. Das ihnen genommene Land diente zur Grundlage der in übereilter Hast neugeschaffenen Kollektivwirtschaften" (Kolchozy). in die als Mit­glieder und nun folgte der zweite Akt der Tra­gödie die sog.armen" Bauern hineingepreßt wurden. Diese Bewegung hat, wie erwähnt, Rück­schläge erlitten, und zwar in erster Linie dadurch, daß die zur Kollektivierung gezwungene Bauern­schaft zunächst einmal Vieh und Inventar ver­schleuderte und vernichtete, um sie nicht der Kollektivierung", d. h. der Einziehung zugunsten der Kolchozy verfallen zu lassen. Die hierdurch heraufbeschworenen Ernährn ngskata stro- phen veranlaßten die Regierung zunächst, den Schritt kürzer zu nehmen und das Moment der Freiwilligkeit" des Eintritts in die Kolchozy zu betonen. In der letzten Zeit nimmt die Kollek­tivierung aber wieder schärfstes Tempo an, und heute ist der weitaus überwiegende Teil der Bau­ernschaft in den Kollektivgütern zusannnen- geschlossen.

Nach dem Plan der kommunistischen Partei und dem geltenden Agrargrundgesetz sollen die