Ausgabe 
(7.7.1936) Nr. 187
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parteiamtliche Tageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitssront Bremen / flmtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt Bremen

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Nr. 187 / 6. latzrgang

Menstag, 7. lull ISIS

tinzelpreis 15 Npf.

knglands Vorschlüge ;ur Vardanellenfrage

freie fflirchsalirt für Kriegsschiffe gefordert

Ver zweite vertzandlungsabfchnitt

Montreux, 7. Juli.

Die englische Abordnung auf ber Meerengen- Konferenz hat anläßlich des Beginns des zweiten Konferenzabschnittes eine „Neufassung des türkischen Abkommensentwurf es vom 22. Juni vorgelegt. Diese Neufassung hat in den entscheidenden Bestimmungen, vor allem hinsicht­lich des Durchfahrtsrechtes für Kriegs- schiffe.und des Kräfteverhältnisses der Flot'ten

Unser logesspiegvl

Die „Times" wirbt für Verständigung mit Deutschland.

Auf der Meerengen-Konferenz in Montreux wurden die englischen Gegenvorschläge über­reicht.

Senatspräsident Greiser weist ausländische Verdächtigungen zurück.

Starhemberg hob das Startverbot für öster­reichische Sportler in Deutschland auf.

Durch «in Erotzfeuer wurde die Elektrolux- Fabrik in Stockholm eingeäschert.

LZ. „Hindenburg" erreichte eine neue erstaun­liche Rekordgeschwindigkeit.

Gegen die Selbstbeteiligung der Kraftfahrer an der Kraftfahrzeugversicherung machen sich erhebliche Widerstände geltend.

Die Einzelhandelsumsätze im Reiche sind im Mai weiter gestiegen.

Das erste Schulheimschiff in Deutschland „Hans Schemm" traf gestern in Bremen ein.

im Schwarzen Meer den Charakter eines Ge­genvorschlages.

Danach soll die internationale Meerengen- Kommission zur Ueberwachung der neuen Durch- fahrtsbestimmnngen beibehalten werden. Die Durchfahrt von Kriegsschiffen mit Ausnahme der Unterseeboote soll nach Artikel 9 des eng­lischen Gegenentwurfes für alle Länder, ob sie llferstaaten des Schwarzen Meeres find oder nicht, vollständig frei sein.

Die Beschränkung der N i ch t u f e r st a a t e n auf Höflichkeitsbesuche, wie sie der türkische Ent­wurf vorsah, soll demnach wegfallen. Der englische Entwurf stellt für die Durchsahrt durch die Dar­danellen und für den Aufenthalt fremder Kriegs­schiffe im Schwarzen Meer je eine besondere Höchstgrenze auf. Artikel 11 sieht vor, daß die Höchsttonnage aller ausländischen Seestreit­kräfte, die auf der Durchfahrt durch die Meer­engen begriffen sind, jeweils nicht größer sein darf als die Hälfte der Eesamttonnage der tat­sächlich aktiven türkischen Flotte bzw. 18 600 Tonnen, wenn die Hälfte der im Dienst stehenden türkischen Flotte diese Zahl nicht erreicht. In die Hochstzahl sollen diejenigen Schiffe der llferstaaten oder Nichtufeistaaten nicht einbegriffen werden, die, ohne sich auf der Durchfahrt zu befinden, mit Genehmigung der Türkei einen türkischen Hafen der Meerengen besuchen. Durch diese Bestimmungen solle eine Seestreitmacht von irgendwelcher Tonnage oder Zusammensetzung in keiner Weise verhindert werden, auf Einladung der türkischen Regierung einem türkischen Hafen einen Besuch abzustatten. Jedoch soll dabei Bedingung sein, daß diese Streitkräfte nach Beendigung des Besuches die Meerengen auf dem gleichen Wege, den sie auf der Einfahrt benutzt haben, wieder zu verlassen.

Für den Aufenthalt von Kriegsschiffen von Nichtuferstaaten im Schwarzen Meer wird für Friedenszeiten eine normale Höchst-Tonnage von 39 0vl> Tonnen festgesetzt. Diese Höchstgrenze kann jedoch bis zu 18 ÜOK Tonnen erhöht werden, wenn in einem gegebenen Augenblick die Tonnage des stärksten Userstaates, des Schwarzen Meeres um mehr als 1V v. H. größer ist als die Tonnage der Schwarzen-Meer-Flotte der Sowjet-Union.

Hierüber sollen in einem Anhang, den die eng­lische Abordnung sich vorzulegen vorbehält, be­sondere Bestimmungen getroffen werden. Ein einzelner Nichtuferstaat soll im Schwarzen Meer immer nur höchstens dreiviertel der nach den vorgenannten Bestimmungen zulässigen Höchst- tonnags unterhalten, jedoch ist eine A u s nähme für den Fall vorgesehen, daß eine dieser Mächte zu humanitären . Zwecken Seestreitkräfte im Schwarzen Meer entsenden will. In diesem Falle kann sie ihre Flottenbestände im Schwarzen Meer bis auf 10 000 Tonnen erhöhen.

Allgemein ist vorgesehen, daß der Aufenthalt fremder Kriegsschiffe im Schwarzen Meer sich nicht über einen Monat hinaus erstrecken soll. Nach Artikel 16 des englischen Entwurfes sollen die gleichen Durchfahrt- und Aufenthalts­bestimmungen auch für den Kriegsfall

gelten, wenn die Türkei neutral bleibt. Jedoch sollen diese Bestimmungen nicht auf eine krieg­führende Macht zum Schaden ihrer Rechte als Kriegführender anwendbar sein. Die Rechte und Pflichten der Türkei als neutrale Macht sollen ihr auch nicht die Befugnis geben, irgendeine Maßnahme zu treffen, die geeignet wäre, die Durchfahrt und die Schiffahrt in den Meerengen zu verhindern. Vielmehr müssen deren Gewässer, wenn in Kriegszeiten die Türkei neutral ist, eben­so vollständig frcibleiben wie in Friedenszeiten.

So wie der türkische sieht auch der englische Entwurf vor, daß die Regelung der Durchsahrt in das Ermessen der türkischen Regierung gestellt wird, wenn die Türkei in Kriegszeiten zu den Kriegführenden gehört. Ebenso gilt der englische Entwurf der türkischen Regierung das Recht, die Bestimmungen dieses Artikels anzuwenden, wenn sie sich als im Zustand drohender Kriegsgefahr befindlich betrachten sollte. .

Das Versahren, das bekanntlich im ersten Ab­schnitt der Konferenz zu Erörterungen Anlaß ge­geben hatte, will der englische Entwurf in diesem Falle so regeln, daß die türkische Regierung den Unterzeichnermächten des Abkommens sowie dem Bölkerbundsrat eine Mitteilung zugehen läßt. Die von der Türkei daraufhin getroffenen Maß­nahmen sollen jedoch wieder aufgehoben werden, wenn der Bölkerbundsrat mit Zweidrittelmehr­heit entscheidet, daß sie nicht gerechtfertigt seien.

Das absolute Verbot des U eberfl Le­ge n s der Meerengenzone im türkischen Entwurf ist im englischen Entwurf abgemildert. Artikel 20 erkennt an, daß die Türkei hinsichtlich des Rech­tes zur Regelung des lleberfliegens ihres Gebie­tes und ihrer Hoheitsgewässer durch Zivil- und Militärluftfahrzeuge auf dem gleichen Fuße wie jede andere Macht stehe und daß sie von Rechts wegen volle Freiheit zur Anlegung von Verbotszonen besitze. Jedoch soll sich die Türkei verpflichten, im Rahmen der diesbezüg­lichen türkischen Regelung die notwendigen Er­leichterungen zu gewähren, um den sicheren Verkehr von Zivilluftfahrzeugen ohne Rücksicht auf ihre Herkunft oder ihre Nationalität zwischen Europa und Asien einerseits und zwischen dem Mittelländischen Meer und dem Schwarzen Meer andererseits zu ermöglichen.

Die Konferenz beschloß nach längerem Mei­nungsaustausch, den Text im Zusammenhang mit dem > türkischen Entwurf zu prüfen. Bezüglich einer Teilnahme Italiens an den Arbeiten der Meerengen-Konferenz wurde gestern abend bekannt, daß die italienische Regierung beschlossen habe, keine Abordnung nach Montreux zu entsenden.

bescheuerte Senker Wenkungsmanöoer

Unterredung mit SenatspriMent greiser über Verdächtigungen der ausländischen presse

Berlin, 7. Juli

Während des Rücksluges von Genf gewährte Senatspräsident Greiser dem Danziger Ver­treter des „Völkischen Beobachters" eine Unter­redung, in der auf die wesentlichsten Fragen ein­gegangen wurde, die nach dem Verlauf der Genfer Ratstagung im Zusammenhang mit dem Auftreten Greifers aufgeworfen worden sind.

Frage: Ein Teil der Auslandspresse hat in bewußter Verkennung der Zusammenhänge Ihrer Rede Mutmaßungen vorgebracht, als ob zwecks Beseitigung des Genfer Statuts eine gewalt­sam e'Aktion geplant sei. Sind Sie in der Lage,'hierzu eine Erklärung abzugeben?

Antwort: Mir ist diese Stimmungsmache in Genf bekanntgeworden. Ich bin sogar zu meiner großen Ueberraschung während meines kurzen dortigen Aufenthaltes mehrere Male von englischen Zeitungen aus London angerufen worden, welche von mir die Bestätigung haben wollten, daß 6000 reichsdeutsche Soldaten in der Nacht zum Sonntag in Danzig einmarschieren würden. Ich habe über diese Erfindungen ge­lacht, weil ich wußte, daß man in Genf aus Gründen der Ablenkung Sensationen gebrauchte. Mein Auftreten in Genf entsprang dem Anlaß, auf Aufforderung des Völkerbunds­rates Danzigs Interessen dort zu vertreten. Vor meiner Abreise wußte ich noch gar nicht, wie der Inhalt des Berichtes aussah, zu dem ich dann Stellung genommen habe.

Frage: Werden Sie auf eine Revision des bisherigen Verhältnisses Danzigs zum Völ­kerbund bestehen?

Antwort: Nachdem durch die Tätigkeit des jetzigen Kommissars, welcher weiter nichts tat, als zu versuchen, sich in die innere Politik eines souveränen Staates einzumischen, sich ein un­erträglicher Zustand entwickelt hat, werde ich mich dafür einsetzen, daß dieser nicht nur mit zeitlicher Begrenzung, sondern für alle Zeit über­wunden wird.

Frage: Wird Danzig künftig an einer Dis­kussion im Völkerbund teilnehmen und auf Auf­forderung erscheinen, wenn in Genf innerpoli­tische Danziger Vorgänge behandelt werden sollen?

Antwort: Sollten in Zukunft noch einmal rein innerpdlitische Vorgänge vor dem Forum

des Völkerbundes erörtert werden, so wird die Freie Stadt Danzig es ablehnen, an einer solchen Diskussion teilzunehmen. Bei allen anderen An­gelegenheiten, die die Freie Stadt interessieren, wird sie jede Möglichkeit wahrnehmen, eingeschal­tet zu werden.

Frage: Glauben Sie, daß ein abgeändertes Verhältnis Danzigs zum Völkerbund Störungs­momente für die deutsch-polnischen Beziehungen enthalten könnte?

Antwort: Ich befürchte das keineswegs,

sondern bin im Gegenteil fest davon überzeugt, daß Danzig dann einen noch größeren Beitrag als bisher zu leisten imstande sein wird, das gute deutsch-polnische Verhältnis zu befestigen.

„kme befreiende Ist"

Danziger Pressestimmen über den Vorstoß Greifers

Danzig, 7. Juli-

Der starke und begeisterte Widerhall, den die Ausführungen des Danziger Scnatspräsidenten Greiser in Genf in der Danziger Bevölkerung ge­funden haben, kommt auch in den Kommentaren der Danziger Presse zum Ausdruck. Die national­sozialistische und die bürgerliche Presse gibt den spontanen Empfindungen der Danziger Bevöl­kerung Ausdruck, wenn sie Ereisers Vorstoß als eine befreiende Tat gegenüber einem unerträglich gewordenen Zustand kennzeichnet.

Das amtliche Organ der Danziger NSDAP., der Danziger „Vorposten" schreibt u. a.: „Greifers Vorstoß in Genf ist nicht von ungefähr gekommen, sondern ist zu verstehen als der zwar leidenschaftliche, aber zielklare Anfang eines fest- umrissenen neuen Weges, den man einzuschlagen gezwungen war, nachdem der bisherige zu große Anforderungen an die Lammesgeduld der Dan­ziger Regierung stellte. Der Zeitungsaufsatz Gau­leiter Försters mit dem massiven Angriff ge­gen Lester kündete unmißverständlich an, daß der NSDAP. nach einer Zeit starker Zurückhaltung zuletzt doch der Geduldsfaden gerissen war." Die bürgerlichen „Danziger Neuesten Nach­richten" schreiben u. a.: „Die Worte des Dan­ziger Senatspräsidenten sind. nicht gesprochen aus einer ängstlichen Abwägung politischer Vorteile.

Sie sind gesprochen aus einer elementaren Stim­mung der nationalsozialistischen Danziger Be­völkerung, der einmal Wort verliehen werden mußte, und seine Ausführungen werden deshalb in Genf nicht angehört verhallen können.

Neue probe für den Völkerbund

Wien, 7. Juli.

Die Wiener Presse erörtert in ihren Leitauf- sätzen die Danziger Frage. Wenn sie ihrer sonsti­gen Gewohnheit entsprechend sich auch nicht zu einer Anerkennung des Auftretens des Senats­präsidenten Greiser durchringen kann, so wird doch übereinstimmend die Schaffung des Frei­staates Danzig durch das Friedensdiktat als großer Fehler zugegeben. So schreibt die „Reichspost" u. a.: „Kaum hat der Völkerbund zur Not den Mißerfolg seiner Abessinienaktion überstanden, wird ihm eine neue Belastungsprobe zugemutet, diesmal durch eines jener vielen europäischen Probleme, die.der Diktatsfriede neu geschaffen hat in der Meinung, dadurch den Frie­den zu sichern, in Wirklichkeit aber. wie sich mit wachsender Deutlichkeit herausstellt, zur Verewi­gung der Unruhe."

Kurswechsel erforderlich f

Der „Messagero" über den Vorstoß Greifers

Rom, 7. Juli.

Der Vorstoß Greifers vor dem Völkerbunds­rat findet in der römischen Presse lebhafte Be­achtung. Nach Ansicht des Berliner Bericht­erstatters des „Messagero" gehen die an das Danziger Problem geknüpften Betrachtungen der deutschen Presse über die Beziehungen Danzigs zum.Völkerbund hinaus. Es gehe um die Stel­lung des Reichs zum Völkerbund. Die Aussichten eines europäischen Wiederaufbaues, wie sie sich aus der geplanten Völkerbundsreform und aus der allgemein durch die französisch-englische Po­litik bestimmten Entwicklung ergäben, seien nicht dazu angetan, Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu verlocken. Es iei daher müßig, von der deutschen Mitarbeit und von der Rückkehr des Reiches nach Genf zu sprechen, wenn sich Europa nicht zu einem Kurswechsel entschließe.

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Wacttkt xieu ?

* Bremen, 7. Juli.

Keinen Zweifel kann es darüber geben, daß das deutsch-englische Nachbarverhältnis ausschlaggebend für die nächste Zukunft Europas fein wird. Um fo bedeutsamer wäre es, wenn sich endlich einmal die beiden großen Nationen besser verstehen lernten, um so wichtiger, wenn beide Völker daran arbeiten wollten, einander gerecht zu werden.

Wohl ist es richtig, daß Blut dicker ist als Wasser. Aber dennoch Hat uns Deutsche der­einst die Hoffnung betrogen, daß England in einem Kampfe Deutschlands auf Leben und Tod auf selten Deutschlands stehen oder wenigstens nicht gegen Deutschland die Waffen ergreifen würde. Verwandten-Zwist ist stets der erbittertste gewesen, und im Weltkrieg wurde offenbar, daß die blutig­sten und zähesten Kämpfe zwischen Englän­dern und Deutschen ausgesuchten werden mutzten.

Nun kann man nicht sagen, daß in Deutsch­land Art und Wesen der englischen Nation in den letzten Zähren verkannt worden wären. Adolf Hitler, unser Führer, hat auch das seinen Deutschen gelehrt, Englands nationales Leben zu achten und Englands politisches Streben zu verstehen. Leider hat bisher das nationalsozialistische Deutschland auf der Gegenseite nicht die entsprechende Gesinnung erfahren, und wir freuen uns darum desto mehr, soeben in der „Euro­päischen Revue" (Juli-Heft 1936) auf Aus­führungen eines namhaften Engländers, Duncan Sandys, des Schwiegersohnes Winston Churchills, zu stoßen, auf Ausfüh­rungen, die uns zum besseren Verstehen Deutschlands in England um so wert­voller erscheinen, als ihr Verfasser in den Jahren 1930 bis 1932, also in der Zeit des trostlosesten deutschen Verfalls, Botschafts­sekretär an der britischen Botschaft inBer - tin war und somit seine Erkenntnisse aus eigenen Anschauungen gewonnen hat.

Wie uns Deutschen selber, so ist auch Dun­can Sandys wohlbekannt, daß in England dem nationalsozialistischen Regime gegenüber unsachliche Kritik, Verdächtigungen und so­gar Feindseligkeit verbreitet sind, und Duncan Sandys spricht es auch ganz offen aus. daß es in England vollständig an einer Würdigung oder an einem Verständnis für das neue Deutschland fehlt. Der gerech­ten Würdigung Bahn zu brechen, einem richtigen Verständnis Englands für Deutsch­land die Wege zu ebne», sind erfreulicher­weise die Ausführungen Duncan Sandys in höchstem Matze geeignet.

Es ist das Recht eines jeden Lan- des. seine Reoierungsform selbst zu bestim­men, sagt Duncan Sandys, und daß das deutsche Volk nach Jahren ergebnisloser politischer Verzettelung in Ausübung seines

Nationalsozialismus die gesamte Macht im Staate überantwortete und . sich ^ seither immer wieder bei neuen Wahlen in nie da­gewesener Geschlossenheit zum Führer be­kannte, ist eine so unumstößliche Tatsache, daß kein ehrlicher Demokrat daran etwas zu mäkeln vermag. Auch Duncan Sandys ist dies klar. Offen spricht er aus, daß es für fremde Nationen weder angängig, noch anständig ist, die deutschen inner­politischen Regierungsmethoden zu kritisie­ren, zumal mit einem derart hemmungslosen Nachdruck und einer solchen Erbitterung, daß damit die internationalen Beziehungen zutiefst in Mitleidenschaft gezogen werden.

Mögen Denken und Handeln Deutschlands manchmal den Grundsätzen demokrätischer Länder zuwiderlaufen, so gibt das dem Ausland noch kein Recht zu Feindseligkeiten an deutschen Ideen und zur hartnäckigen Weigerung, die Segnungen, die das Dritte Reich dem deutschen Volke gebracht hat, an­zuerkennen. „Die meisten ausländischen Kri­tiker scheinen zu vergessen oder mit Absicht zu übersehen," schreibt Duncan Sandys, „von welcher Sinnlosigkeit und Rechtlosig­keit, von welchem Hader und welcher stechlichkeit, Erniedrigung und Zwecklosig- keit die unrühmliche Seite deutscher Ge­schichte vom Waffenstillstand bis zum Er­scheinen Hitlers gekennzeichnet ist." Daß das parlamentarische System in Deutschland längst vor der Machtergreifung des Natio­nalsozialismus bereits zusammengebrochen war, ist Duncan Sandys nicht entgangen, ebensowenig wie die Tatsache, daß die Wei­marer Verfassung zuletzt nur noch in dem berüchtigten Artikel 48 bestand, der für Zwecke gestreckt und gedehnt wurde, für die er niemals gedacht war. Mit erfrischender Deutlichkeit bemerkt der aufgeschlossene Engländer, daß die demokratischen Rechte in Deutschland zuletzt keinen Schutz, sondern eine Bedrohung der allgemeinen Freiheit dar,teilten, und daß schon in den Tagen des Bruning-Systems volle zwei Drittel ^ Reichstags nach der Mehrheit- strebten, um die Macht zum stürze der Verfassung zu erlangen.

Auch der für die Engländer so schwer be­greiflichen Iudenfrage in Deutschland be­müht sich Duncan Sandys gerecht zu werden, indem er der Iudeninvasion aus Polen ge­denkt und des untragbaren Zustandes in Deutschland während der Systemzeit, wo im Zeichen des Sozialismus die Juden in Deutschland sich gegenüber dem Stammvolke eine Vorzugsstellung eingeräumt hatten. Die Art von Iiiden, die an die Spitze von Deutschland gelangt waren, deren politische und soziale Anschauungen und die Tatsache, daß jüdische Kriegsgewinnler die Kontrolle über den Lebensstrom der Nation an sich