Ausgabe 
(4.7.1936) Nr. 184
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Nachrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen

Amtsblatt des Senats der freien Hansestadt öremen

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Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters m Mdenburg und Vremen

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Nr. 1S4 / 6. Jahrgang

Sonnabend, 4. Juli ISIS

kmzelpreis 15 Npf.

der führet dankt den alten Kämpfern in Weimar

solange unsere vewegung fest und stark in Veutschland stellt, so lange wird deutschland stark und sest sein "

Zestnjastrfeier des Neichspartettages

Weimar, 4. Juli.

Gestern begann in Weimar das große Schau­spiel abzurollen, das in den nächsten Tagen die Blicke Deutschlands und der Welt nach der thüringischen Eauhauptstadt lenken wird. Unter den ersten Gäste» der Zehnjahrfeier, die gestern eintrafen, war der Führer des NSKK., Korps- führer Hühnlein. Mit klingendem Spiel zog die Leibstandarte des Führers ein, und im Lause des Tages folgten SS.-Ehrenstürme aus allen Teile»

MISS»

Unser lagesspiegel

Aus einem Staatsempfang anläßlich der Feiern in Weimar dankte der Führer den alten Kämpfern.

Der französische Außenminister Delbos fordert, Vorschläge zur Reform des Völkerbundes bis Mitte August einzureichen.

Infolge der hohen Rüstungsausgaben wird der kommende englische Haushalt mit einem erheblichen Fehlbetrag abschließen.

Auf Vorkum wurde das zweite Schulungs­lager der Hauptschriftleiter des Gaues Weser- Ems abgeschlossen.

Als dritte vollständige Mannschaft trafen Japans Olympiakämpfer in Berlin ein. MotorschiffMünchen" des Norddeutschen Lloyd erledigte gestern seine Probefahrt.

Die Aussichten für die Herbst-Textilmesse werden als außergewöhnlich günstig bezeichnet. Im Mai sind die Sparkasseneinlagen im Reich um 37,7 Mill. RM. weiter gestiegen.

Nach einem schweren Autounfall wurde v. Gramm von Perry geschlagen.

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des Reiches. Der ehemalige thüringische Bolks- bildungs- und Innenminister Gauleiter Wächtler rückte an der Spitze der Abordnungen des Gaues Ostmark, den er jetzt führt, in die Stadt ein. Die Bevölkerung brachte ihm ganz besonders herzliche Kundgebungen dar. Vor dem HotelElefant" aus dem Marktplatz, wo der Führer bei seinen Besuchen in Weimar stets Quartier zu nehmen pflegt, hatte sich eine erwartungsfrohe Menge angesammelt, um die Ankunft des Führers abzu­warten.

0er Meer trifft ein

Ilm 15.20 Uhr traf der Führer in Weimar ein. Damit wurden die offiziellen Veranstaltungen zur Erinnerung an den ersten Reichsparteitag nach der Neugründung der NSDAP. eröffnet. Obwohl die Ankunft des Führers erst einige Minuten zuvor bekanntgeworden war, hatte doch eine vieltausendköpfige Menge um den Bahnhof und in den angrenzenden Straßen Aufstellung genommen.

Zum Empfang des Führers und Reichskanzlers hatten sich eingefunden Reichsstatthalter Sauckel, Ministerpräsident Marschier und Staatssekretär Ortlepp als Vertreter der thüringischen Regie­rung. Korpsführer Hühnlein, SA.-Gruppen- führer Staatsrat Günther, NSKK.-Gruppen- sührer Ponndorf, SS.-Vrigadeführer Staatsrat Hennicke, SS.-Vrigadeführer Staatsrat Pflomm. Die auf dem Bahnsteig anwesenden Weimarer und auswärtigen Gäste begrüßen den Führer mit stürmischen Heilrufen. In seiner Begleitung be­fanden sich Stabschef Lutze, Reichsminister Dr. Goebbels, Obergruppenführer Brückn«, Reichs- presseches Dr. Dietrich und Brigadesührer Schaub.

Als der Führer auf den Bahnhofsplatz heraus­trat, begrüßten ihn die Tausenden, die sich hinter den Sperrketten drängten, mit jubelnder B e- geisterung. Der Führer schritt die ange­tretenen Ehrenformationendes Heeres und.der Luftwaffe ab und fuhr alsdann durch das dichte Spalier der Bevölkerung. Vor dem HotelElefant" spielte der Musikzug des 3. SS.-Totenkopf-Sturmbannes Sachsen den Präsentiermarsch. Auch hier wieder jubelten die begeisterten Weimarer dem Führer zu.

feierlicher Staatsempfong

Mit einem feierlichen Staatsempfang der Spitzen der Partei und der Behörden im Schloß zu Weimar wurden gestern nachmittag die offiziellen Veranstaltungen anläßlich der zehn­jährigen Wiederkehr des ersten Reichspartei­tages »ach Neugründung der NSDAP. festlich eingeleitet. Der Führer und Reichskanzler entbot in Anwesenheit des Führerkorps der nationalsozialistischen Bewegung der gastgcben- den Stadt Weimar und dem Gau Thüringen seinen Gruß und gab seiner Freude Ausdruck, die Kameraden des Rcichsparteitages vor zehn . Jahren an dieser Stätte wiedersehen zu können. Der große Festsaal des Weimarer Schlosses war durch lange von der Empore herabhängende rote Samttücher und schlichten Blumenschmuck zu einer würdigen Empfangs st ätte ausgestaltet worden.

In der Mitte des Saales hatten alle Reichs­leiter und Gauleiter der NSDAP., die Eruppen-

und Obergruppenführer der SA., die Staats­sekretäre der Reichsregierung und Staatsminister der Länder, die Ehrengäste'der Wehrmacht und der thüringischen Parteidienststellen und Staats­behörden Platz genommen.

Wenige Minuten vor 17 Uhr verließ der Führer das HotelElefant" und begab sich zu Fuß in das nahegelegene Schloß. Wieder nm- brandete ihn auf diesem kurzen Weg der

Jubel der Weimarer

und der Gäste von nah und fern, die dem Führer dankbar für sein Kommen waren. Zu beiden Seiten bildeten Ehrenabordnungen der SS., der SA. und des NSKK. Spalier. Aus der letzten Strecke aber standen die mehr als viertausend Teilnehmer des ersten Reichsparteitages nach der Neugründung der Partei, die sich hier nun zum ersten Male wieder geschlossen versammel­te». Unbeschreiblich fast war ihre stürmische Begeisterung, als sie den Führer grüßten in Er­innerung an jene denkwürdigen Tage, da sie noch die einzige Gefolgschaft des Führers bil­deten. Ohne Rangabzeichen, in schlichtem Braunhemd waren sie angetreten. Aber unter ihnen war kaum einer ohne das Goldene Par­teiabzeichen, und sehr viele trugen den Blut- ordeb, den höchsten Orden der nationalsozialisti­schen Vewegung. Begleitet vom Stellvertreter des Führers, von Gauleiter Sauckel und den Reichsleitern Stabschef Lutze, Dr. Goebbels, Dr. Frick und Dr. Sey schritt der Führer auf einer engen Gasse durch die Reihe» dreier Män­ner, deren Treue ihm vor zehn Jahren bereits die Gewißheit des endgültigen Sieges gab, und die ihm auch nun wieder in gleicher Treue zu­jubelten. Auf dem Schloßhos schritt der Führer die

front der kkrenformationen

der nationalsozialistischen Gliederungen ab und begrüßte die Standarten der SA. und SS. aus ganz Deutschland, die dort Aufstellung genommen hatten. Der Führer schritt nun durch ein Spalier des Bundes Deutscher Mädel die mit Samt aus- geschlagene Schloßtreppe zum Festsaal empor. Als er den Saal betrat, erhoben sich die Männer des Führerkorps der. NSDAP. und grüßten ihn mit dem Deutschen Gruß. Neben dem Führer nahmen in der ersten Reihe Reichsminister Rudolf Heß, Reichsstatthalter Gauleiter Sauckel und Mi­nisterpräsident Marschier Platz.

Die weihevollen Klänge der 5. Symphonie von Ludwig von Beethoven, gespielt von der Wei­marischen Staatskapelle des Deutschen National- theaters, leiteten den feierlichen Staatsempfang ein. Dann richtete

Neichsstattkoltor und Sauleiter feist Sauckel

an den Führer und. Reichskanzler das Wort. Er. führte u. a. aus:' 'Ueberglücklich in grenzenloser Dankbarkeit und Liebe begrüße ich Sie, mein Führer und Ihre hervorragenden Mitarbeiter

und Mitkämpfer im Namen aller Volksgenossen und Dolksgenossinnen im Gau Thüringen. Tief ergriffen danke ich aber auch der allmächtigen und gütigen Vorsehung, die Ihren unvergleichlichen Kampf um Deutschlands Ehre und Freiheit so wundervoll segnete.

Kaum vermögen wir die Größe unserer Zeit und ihr einzigartiges geschichtliches Werden zu begreifen. Unser Land und unsere Nation sind im Zeichen des Hakenkreuzes und unter dem Symbol der von Ihnen, mein Führer, ver­kündeten nationalsozialistischen Weltanschauung in neuer Krast und Herrlichkeit auferstanden. Deshalb grüße ich auch in dieser Stunde diö stol­zen kampferprobten und sieggewohnten Standar­ten der Bewegung und deren Führer. Mit

ihnen heiße ich die vielen Tausende Ihrer in schwerstem Ringen erprobten Parteigenossen und Parteigenossinnen der Alten Garde sowie der Teilnehmer am Parteitag 1928 herzlich will­kommen.

Dieser Gau hieß einst dasrote Thüringen". Es war damals der Wille der marxistischen Volkszerstörer, dieses Herz Deutschlands zu einem Bollwerk des Klassenkampfes, ja sogar bolsche­wistischen Zersetzungswahns zu machen.

2n der ganzen schweren Kampfzeit sind sich aber die Thüringer Nationalsozialisten treu ge­blieben. Sie kannten immer nur eine Parole: Adolf Hitler; sie hatten nur eine Sorge: die Bewegung; sie kannten nur ein Glück: dem Führer zu dienen.

Sttmdliafligkeit und freue

bewiesen sie auch in der Zeit, als sich das Grauen des Elends, die Verzweiflung der Arbeitslosigkeit und damit die Qual von Hun­ger und Kälte des langen Waldwinters ins unermeßliche steigerten. Diese Standhaftigkeit bewährte sich auch, als im Jahre 1931 Marxisten und bürgerliche Parlamentarier unseren hier in Thüringen allverehrten ersten nationalsozialistischen Minister in Deutschland, Dr. Frick, in verräterischer Weise stürzten und glaubten, dem Nationalsozialismus so einem vernichtenden Schlag versetzt zu habe».

Die Rechnung war falsch. Sie selbst, mein Führer, haben damals in grandiosen und ge­waltigen Massenkundgebungen unsere Volks­genossen auf den Marktplätzen in Eera, Mei- ningen und Weimar, in ihrem Kampfes­willen bestärkt, so daß schon nach einem Jahr die Macht total in Thüringen übernommen werden konnte.

Was aber, mein Führer, wäre trotz all dieser Erfolge aus Deutschland geworden, wenn Sie nicht am 39. Januar 1933 die Macht in Deutschland ergriffen hätten?

Sauckel führte sodann einige Beispiele der trost­losen Lage des deutschen Volkes im Jahre 1982 an und fuhr u. a. fort: Ein herrliches Wunder ist geschehen, Deutschland ist zu neuer Gesundheit und zu neuem starken Leben und Schaffen auferstanden. Jetzt wird jene damalige Zeit des unerbittlichen Kampfes und größten Opferns der Vewegung neu in uns lebendig und zwingt ganz Deutschland wieder in ihren Bann.

Nie vermöchten Worte des Dankes oder Versiche­rungen der Treue das auszudrücken, was Ihre Alte Garde, Ihre Mitkämpfer und Ihr Volk empfin­den, und wie wir alle an Ihnen hängen, Ihnen

vertrauen, und nur den einzigen Wunsch haben, daß der Herrgott Sie gesund erhalten und schützen möge, um Deutschlands willen.

Nach der Rede des Gauleiters führte der thüringische

MinisterprüstSent Marschier

in seiner längeren Ansprache u. a. folgendes aus:

I« diesem feierlichen Augenblick, der die Führer­schaft der Partei und des Reiches in diesem tra- ditionsreichcn Saal zu einem Auftakt versammelt, drängt es mich, Ihnen, mein Führer, vor allem anderen für den Glauben zu danken, den Sie uns damals zu Beginn des Wiederaufstiegs der Be­wegung kraft Ihrer Persönlichkeit in die Herzen pflanzten. Dieser Glaube an Deutschland, der immer identisch war mit dem Glauben an den Führer, und dazu Ihr Vertrauen aus unsere und unseres Volkes Kraft, haben uns überhaupt erst die Fähigkeit zu kämpfen und zu siegen gegeben. Wir bitten Sie, es uns nicht als Unbescheidenheit auszulegen, wenn wir als Gau Thüringen auf jene ersten Tage mit Stolz zurückblicken und mit einem Gefühl der Genugtuung zurückdenken an die einzelnen Etappen unserer Entwicklung in Thüringen und der Niedcrringung all der feind­lichen Parteien, die einmal im Jahre 1919 gerade hier in Weimar versucht hatten, ein Schandmal deutscher Ehrlosigkeit aufzurichten. Angefeuert durch ihren unbändigen Willen ist es uns in kür­zester Zeit gelungen, die einst vergiftete Atmo­sphäre von Weimar zu reinigen und Weimar zu einem

stört neuen deutschen kuiturwillens

und zu einer Zelle des nationalen Widerstandes und Freiheitswillens zu gestalten. Darum geden­ken wir auch mit Stolz und Dankbarkeit der Zeit des Ministeriums Frick in Thüringen, die wir Ihrer besonderen Anteilnahme an der Entwicklung gerade dieses Gaues verdankten."

(Fortsetzung auf Seite 2)

kin Schuß im Mkerbunvssaal

Selbstmordversuch eines tschechischen Pstotograpsten - velbos fordert Nesormvorschläge bis zum 14. flugust

(Oisdtbsrioüi unseres Qonksr Vsrtrstsrs)

Genf, 1. Juli.

Während der gestrige» Völkerbundssitzung er­eignete sich ein hochdramatischer Zwischenfall, der in der ohnehin gespannten Atmosphäre wie ein Blitzschlag wirkte. Als die Rede des spanischen Vertreters zum Thema Sanktionsaufhebung über­setzt wurde, fiel plötzlich aus der Gegend der Photographcnbänke, die sich nicht auf den Presse­tribünen, sonder: seitlich zu den Sitzen der Dele­gierten befinden, ein Schuß! Erschrocken wandte sich alles nach der Saalecke, in der ein Mann sich von seiner Bank erhob und auf der Stelle zusammenbrach.

In der allgemeinen Erregung dachte zunächst alles an ein Attentatsversuch. Rufe des Schreckens wurden laut. Die herbeistürzende Polizei schien ebenfalls mit der Möglichkeit eines Attentats zu rechnen. Ihre Waffen schußbereit in der Tasche, riegelten zahlreiche Polizisten und Detektive die Ecke der Photographen ab, um weitere Zwischen- sälle zu verhindern.

Es stellte sich heraus, daß ein tschechischer Photograph, namens Stephan Lux, der für die Präger Presse arbeitete, den Schuß abgegeben und mitten in der Völkerbundsversammlung einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Schwer verletzt die Kugel war ihm bis oberhalb des Herzens in den Brustkorb gedrungen wurde er aus dem Saal getragen und sofort in ein Kranken­haus übergeführt. In seiner Brieftasche fand man Briese an Eden, den englischen König, den Sekretär des Völkerbundes Avenol und einige englische Zeitungen, aus denen klar hervorgeht, daß Lux in einem Wahnsinnsansall gehandelt hat.

Noch geraume Zeit nach dem Zwischenfall herrschte im Völkcrbundssaal Verwirrung. Die meisten Delegierten saßen mit bleichen Gesichtern auf ihren Plätzen. Erst als der französische Außen­minister Delbos das Rednerpult betrat, flaute die Unruhe ab. Herr Delbos scheint die aktuelle Frage dieser Sanktionsperiode weit­gehend als erledigt zu betrachten, denn er be­zeichnete seine Rede etwas kühn alsSchluß­folgerungen" dieser Debatte. Die Gründe für die Niederlage des Völkerbundes erblickt er ausschließlich darin, daß man die Waffen des Genfer Paktes nicht voll ausgenutzt habe. Der Fehler liege also nicht am Pakt selbst, dessen Struktur und Geist, gut und daher nicht reform­bedürftig seien. Es komme darauf an, die Wirk­samkeit des Paktes zu erhöhen, d. h. die vor­beugenden und unterdrückenden Maßnahmen zu stärken.

-In diesem Sinne müsse man für Art. 11 und 18 bessere Auslegungen finden. Als letzte» Weg, dieses Ziel zu erreichen, bezeichnete Tullbos eine andere Zusammenschließung der bereits bestehen­den Verträge. Um eine Beschleunigung des Ver­fahrens herbeizuführen, schlug der Redner vor, big zum 18. August dem Völkerbunds-Sekretariat ihre Reformvorschläge und Aendcrungswünsche einzureichen.

Delbos hat der Ankündigung, die französische Absicht klarer zum Ausdruck zu bringen, als das Herr Blum vor einigen Tagen getan hat, ent­sprochen. Seine Rede gestattete einen Einblick in die von Frankreich für die kommenden Monate geplante Aktion. Frankreich rät England zu einem Mittelmeer-Pakt, einem West- pakt und einem Mitteleuropa-Donau- Pakt.

Die Rede Delbos' soll das Sprungbrett bilden, um von der .abessinischen Angelegenheit loszu­kommen. DieseLiquidierungs-Jnitiative" will sich Frankreich von Rom natürlich gut bezahlen lassen. Schon seit 10 Tagen spielt der Draht zwischen Paris Rom und Genf Rom ohne Unterbrechung. Die Unterstützung, die Frankreich der italienischen Sache in Genf gewahrt, soll

durch eine Unterstützung der französischen Wunsche bei den geplanten sogenannten Locarno- Vesprechungen in Brüssel bezahlen.

Das Büro der Vollversammlung beschäftigte sich gestern bis in die Nacht hinein mit Vor­schlägen zu einer Entschließung, mit der die Ver­handlungen abgeschlossen werden können. Argen­tinien soll dazu die Forderung gestellt haben, daß dieser Bericht die ausdrückliche Nichtanerken­nung der Annexion Abessiniens enthalten solle. Frankreich dagegen wünscht, diese Frage bis zum Herbst zu vertagen, und diesmal nur eine allge­meine, niemanden verpflichtende Formel aufzu­stellen. Andererseits spielt auch der Plan, eine Kommission zu berufen, die den Inhalt der ita­lienischen Note an den Völkerbund durchprüfen soll.

Schließlich mutz der Rat auch noch in irgend­einer Form zu den Anträgen des Negus Stellung nehmen, der nicht nur die Verbesserung der An­erkennung der Annexion seines Landes durch offi­ziellen Rechtsbruch, sondern auch eine Anleihe von zehn Millionen Pfund fordert. Es ist noch nicht abzusehen, in welcher Weise man in Genf aus dieser peinlichen Forderung einen Ausweg zu finden hofft. Es wird aber bereits darauf hinge­wiesen, daß die Anleihewiinsche des Negus reich­lich unhaltbar und damit nicht diskutabel seien. Unter Umständen besteht die Gefahr, daß der Negus. wie aus seiner Umgebung verlautet, noch­mals das Wort ergreifen wird. Damit wäre das Maß der Verlegenheit voll.

öreiser vkich Senf abgereist

Danzig, 4. Juli.

Wie von der Pressestelle des Danziger Senats mitgeteilt.wird. ist der Präsident' des Senats Greiser nach Genf abgereist.

Sas Problem eines krbteils

Um die Sründung eines Negerstaates im stehen stfrikas

Dr. Berlin, 4. Juli.

Jetzt, wo die Seismographen der Weltpresse aus allen Teilen der Erde Sturmzeichen melden, ist es tunlich, auf ein Problem hinzuweisen, das voraussichtlich kommende Jahrzehnte in Atem halten wird. Afrika soll aus seinem tausend­jährigen Schlummer geweckt werden. 2n Nord­amerika, in Südafrika, überall dort, wo die Neger ein gewisses Kulturniveau erreicht haben, wird an der Aufrüttelung und an der Be­freiung der schwarzen Rasse von den Fesseln weißer Eroberer gearbeitet. Aus den reichen Negerkolonien in Harlem, aus den Negeruniversitäten in Nordamerika, aus Haiti

Uebl deutsche lZastfreundschast

Ausruf des Reichsministers Dr. Goebbels

Der Reichsminister für Bolksaufklärnng und Propaganda erläßt folgenden Ausruf: Nach dem Willen des Führers hat Deutschland für die Olympischen Spiele 1S3K Vorbereitungen wie kaum ein anderes Land zuvor getroffen. Die Hundert­tausende ausländischer Gäste sollen würdig emp­fangen werden und ein besonders glänzendes Beispiel deutscher Gastfreundschaft erleben. Ich bin gewiß, daß jeder Deutsche seine Ehre dareinsetze» wird, den ausländischen Besuchern, die alle unter dem Schutz des Deutschen Reiches stehe», zuvor­kommend gegenüberzutreten und, wenn sie einer Hilfe bedürfen, ihnen mit Rat und Tat Beistand zu leisten. (gez.) Dr. Goebbels.

werden Emissäre zu den zurückgebliebenen schwarzen Völkern gesandt, um bei ihnen ein Gefühl der Schicksalsgemeinschaft und das Rassen- bewußtsein zu wecken. Da nun die Negergewerk­schaften in den Vereinigten Staaten und in Süd­afrika teilweise unter kommunistischen Einflüssen stehen und kürzlich wieder 400 Neger die Propa­gandaschule in Moskau absolviert und als Agenten nach Afrika entsandt worden sind, so vermengt sich die Kulturarbeit unter den llr- bewohnern Afrikas oft mit kommunistischen Losungen. So hatten z. B. die schwarzen Arbeiter in den Kupferbergwerken von Nord-Rhodesien neben der Forderung auf eine Lohnverbesserung auch die völlige Gleichstellung mit den Weißen verlangt. Die Untersuchung hatte dann ergeben, daß dort bolschewistische Einflüsse am Werk waren und daß der Versuch gemacht worden war, die Bevölkerung zum offenen Auf­ruhr aufzuputschen.

In der Südafrikanischen Union steht das Rassenproblem bereits seit Jahren an erster Stelle. Dort leben in enger Berührung S Millionen Schwarze mit etwa 2 Millionen Weißen. Der weißen Bevölkerung nun gehören 18 Millionen Hektar Land, der schwarzen aber nur 12 Millionen. Der jährliche Durchschnitts­lohn eines Weißen beträgt 210 Pfund Sterling, während der Farbige bei ungefähr der gleichen Arbeitsleistung 34 Pfund verdient. Die Ungleich­heit ist in die Augen springend und wird von den Agenten des roten Aufruhrs geschickt ausge­nutzt.

Es ist nun der Plan aufgetaucht, um unabseh­baren Verwicklungen vorzubeugen, einen großen Neger st aat, ein sogenanntesBlack Dominion" im Herzen Afrikas zu gründen, der Nordrhodesien, Tanganyka, Nyassa und Uganda umfassen würde. Diese zusammengefaß­ten, riesigen Gebiete sollten als reines Reser­vat der schwarzen Rasse gelten, in dem die Interessen der Neger und ihre Entwicklungs­möglichkeiten denen der Weißen und der einge- wanderten Asiaten vorangestellt werden. Die Neger sollen dort das absolute Vertrauen ge­winnen, daß sie weder unterdrückt, i noch ausge­beutet werden können. Dagegen soll Slldrhodesien mit seinem gesunden Klima und seinem frucht­baren Boden in einer Ausdehnung von rund 400 000 Quadratkilometer vorzugsweise als Re­servat für eine weiße Einwanderung gelten.

Der Chefkommissar für Rhodesien, Oberst Ear- butt, meint in einer Zuschrift an dieTimes", daß die Verwirklichung dieses Planes überaus dringlich sei, da es vielleicht in einigen Jahren