Ausgabe 
(2.7.1936) Nr. 182
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parteiamtliche Tageszeitung

l^achrichtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Vremen

der Nationalsozialisten Vremens

Amtsblatt des Senats der Freien fjansestadt Vremen

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Nr. 182 / 6. Jahrgang

Das amtliche Verkundungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

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frankrelchs Vorschlüge;m Völkerbundsreform

Krunvsätjliche siusfülicungen e«on VIums

Vie Verhandlungen in Senf

Gens, 2. Juli

In der gestrigen Vormittagssitzung der Völker- bundsverjammlung sprach nach dem Vertreter Co- lumbiens der französische Ministerpräsident Leon Blum. Er sagte u. a.: Ich habe gehört und ge­lesen, daß seit einigen Wochen der Einfluß Frank­reichs in Europa und seine Fähigkeit, die inter­

Unser lagssspisgvl

In Gens machte Leon Blum Vorschläge zur Völkerbundsreform.

Bei einem Unfall des Musikzuges der SS.- Leibstandarte kamen vier Mann ums Leben. Im Beisein des Reichsstatthalters Carl Rover wurde die Landesplanungsgemeinschaft Olden- Lurg-Bremen gegründet.

Die weibliche Jugend soll zur Hilfe in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Der Treuhänder der Arbeit, Dr. Defchner, hat eine Tarifordnung für die Regelung des Ur­laubs im Bau- und Vaunebengewerbe er­lassen.

Die Wehrmacht «bergab das Olympiadorf dem olympischen Organisations-Komitee.

Max Schmeling nmrde von Staatskommissar Dr. Lippert empfangen.

Für das Wimbledon-Finale setzte« sich v. Cramm und Perry durch.

Die Bremer Bank kann auf ein Svjähriges Bestehen zurückblicke«.

nationale Politik zu beeinflussen, im Abnehmen begriffen sei: Frankreich sei unfähig, den Ver­letzungen des internationalen Gesetzes wirksam entgegenzutreten oder hinsichtlich der Erfüllung internationaler Verträge nützliche Hilfe zu leisten; Frankreich sei eine Macht zweiten Ranges gewor­den und nach außen durch seine inneren Schwierig­keiten gehemmt. Es gibt unter den Mächten, die die internationale Gemeinschaft bilden, keine Rangordnung nnd wir glauben auch nicht, daß es jemals eine -solche geben wird. Die Entwertung des Faktors Frankreich in der europäischen Po­litik wird mit zwei Tatsachen begründet: Mit den Arbeiterunruhen in Frankreich'und der durch die Wiederbefetzung des Rheinlandes hervorge­rufenen Krise.

Man habe, so fuhr Leon Blum fort, die Streik­unruhen so ausgelegt, als ob sie im inneren Leben Frankreichs eine Periode der Uneinigkeit und Zerrissenheit eröffnet hätten, die den Anschein eines Bürgerkrieges bedeute. Die Ereignisse nach dem 7. März lege mau so aus, als begründeten sie in der französischen Außenpolitik eine Periode der passiven Resignation, in der sich Frankreich alles gefallen lasse und erst recht hinsichtlich der anderen alles hinnehme. Beides sei ein schwerer Irrtum.

Zuerst hat Europa erwartet, daß die militäri­sche Besetzung der Rheinlandzone ebenfalls eine militärische Antwort hervorrufen werde. Frank­reich hat sie nicht gegeben. Es hat die Lösung einer so gefährlichen Krise nur in internatio­nalen Verfahren gesucht. Anstatt zu mobilisieren, hat es die Garantiemächte des Locarnooertrages angerufen."

Hinsichtlich der Arbeiterunruhen in Frankreich erklärte Leon Blum, Frankreich sei in einem großen Umbruch begriffen, der sich ohne Gewalt vollziehe. Obwohl es Frankreich freistehe, wie die anderen Völker sich selbst seine Freundschaften nach politischen, sozialen, historischen und völki­schen Gesichtspunkten auszusuchen, wolle Frank­reich den Frieden für, und mit allen Völkern, einerlei, welches Regime oder welches Regie­rungssystem bei ihm herrscht.

Zur augenblicklichen Krise erklärte Leon Blum, die Ursachen für das Versagen des Völ­kerbundes liege nicht im Pakt, sondern in seiner verspäteten, unbestimmten und zweideutigen Anwendung. Die Paktverpslichtungen mutzten jetzt auch verstärkt werden. Die französische Ab­ordnung könne keiner der Revisionssormeln zu­stimmen, die die Rolle des Völkerbundes aus eine akademische Beratung zurückführen würde. Frankreich werde mit ganzer Kraft dazu bei­tragen, dem Völkerbund neues Leben zu geben. Der gleiche Selbsterhaltungstrieb, der die Völ­ker heute ihre Rüstungen verstärken lasse, müsse sie dazu bringen, sich enger zusammenzu­schließen. Die Rüstungen dienten zur Aufrecht­erhaltung des Friedens, aber die aus eine Koali­tion der Rüstungen gegründete kollektive Sicher­heit könne kein dauerhaftes Friedensinstrument sein.

Die französischen Resormvorschläge beschränk­ten den Beistand auf die geographisch und poli­tisch dem angegriffenen Staat am nächsten stehenden Länder, aber auch so bliebe das Risiko eines Krieges bestehe» und müsse mutig getragen werden. Um ihm zu begegnen, könne man nur an Abrüstung denken, obwohl dieser Gedanke heute beinahe als eine lächerliche Utopie erscheine. Aber ohne Abrüstung könnten die internationalen Schiedssprüche keine Wirkung haben und die friedlichen Sanktionen nicht abschrecken. Kollek­

tive Sicherheit und Abrüstung bedingten sich gegenseitig. In diesem Sinne werde Frankreich seinen Einfluß geltend machen und vor keiner Initiative zurückschrecken.

In diesem Geiste wolle es auch die der Ver­sammlung vorliegenden Konflikte prüfen. Zwei internationale Rechtsverletzungen lägen vor: Die Verletzung des Paktes und die eines feier­lichen Vertrages. Beide hätten zu einer tatsäch­lichen rechtswidrigen Lage geführt. Die Rhein­landangelegenheit werde nicht durch Zeitver- streichen geregelt und die Abessinienangelegenheit könne wohl in Afrika bereinigt werden, aber in Genf sei dies nicht geschehen.

Frankreich wolle den rechtswidrigen Handlun­gen keine Absolution erteilen, die einer Ermuti­gung gleichkäme, aber der Völkerbund müsse an die Länder, die diese Rechtsbriiche begangen hätten, die wesentliche Frage stellen, ob sie ent­schlossen seien, eine bessere Zukunft vorzubereiten und an dem Werk des entwaffneten Friedens im Rahmen des neuerstandenen Völkerbundes mitzu­arbeiten.

Sie müßten gefragt werden, welche Absichten sie hegten und welche Garantien sie vorschlagen wollen. Die der Versammlung unterbreitete ita­lienische Denkschrift stelle einen wertvollen Bei­trag in diesem Sinne dar. Es sei zu wünschen, daß die deutsche Antwort auf den englischen- Fragebogen ihrerseits den Ausgangspunkt für einen p o l i t i s ch e n Wiederaufbau Eu­ropas bilden könne.. Friedensangebote nnd AL- rllstungsvorschläge seien von überall her ge­kommen, aber sie müßten erst auf ihre Aufrichtig­keit geprüft werden.

Nach dem französischen Ministerpräsidenten hielt der Vertreter Panamas eine grundsätzliche und proklamatische Rede über die Völkerbunds­idee, die ihren Ursprung in Panama habe, wo sie vor genau 10g Jahren vom Präsidenten Vo- livar verkündet worden sei. Nach dem Vertreter Kanadas Massey sprach

der englische Menminisier kden

Er führte u. a. aus: Wenn die britische Regierung Grund zu der Annahme hätte, daß die Beibehal­tung der bestehenden Sanktionen oder sogar deren Verstärkung die Lage in Abessinien wiederherstel­len könnten, dann wäre sie für ihren Teil bereit, eine solche Politik zu befürworten. Nach unserer Meinung könnte nur eine militärische Aktion heute ein solches Ergebnis erzielen. Ich kann nicht glauben, daß in der heutigen Weltlage eine solche militärische Aktion für möglich gehal­ten werden könnte

In dieser Lage befinden wir uns heute: Die Tatsache müsse anerkannt werden. In deren Licht kann ich nur mit Bedauern wiederholen, datz unter den bestehenden Umständen die Fortführung der Sanktionen keinen wichtigen Zweck verfolgen kann. Gleichzeitig ist die bri­tische Regierung der Meinung, daß die Ver­sammlung in keiner Weise die italienische Er­oberung Abessiniens anerkennen sollte.

Auf eine besonders die britische Regierung be­treffende Tatsache muß ich in dieser Hinsicht ver­weisen. Am 22. Januar 1936 legte die britische Regierung dem Koordination'sausschuß eine Denkschrift über die Ergebnisse ihres Meinungs­

austausches mit gewissen anderen Regierungen im Zusammenhang mit der Anwendung des Ar­tikels 16 der Völkerbundssatzung vor. 2m Ab­satz 10 der Denkschrift wurde berichtet, die bri­tische Regierung habe gewissen anderen Regie­rungen auf Gegenseitigkeit beruhende Zusicherun- gen gemacht, wonach sie beabsichtige, getreu aller ihr aus der Völkerbundssatzung erwachsenden Verpflichtungen Lei Durchführung der unter Ar­tikel 16 ergriffenen Maßnahmen zu ergreifen.

Die britische Regierung erklärt, daß sie bereit ist, ihre Verpflichtungen aufrechtzuerhalten, wenn eine Lage entstehen sollte, die diese Ver­pflichtungen bei der Durchführung der Aktion unter Artikel 1K in Kraft gesetzt hätte.

Diese Erklärung soll gewisse Besorgnisse zer­streuen, die hinsichtlich der Uebergangsperiode bestehen könnten, und es ist beabsichtigt, daß sie nach Ansicht der britischen Regierung nur so lange in Kraft bleiben soll, 'wie sie den Umständen ange­paßt sein wird. Eden ging darauf zu Betrach­tungen über die Zukunft des Völker­bundes über. Wenn in diesem Fall der Sieg des Rechts über dir Gewalt nicht erreicht worden sei, so dürfe man ein solches Ziel für die Zukunft nicht aufgeben. (Siehe auch Seite 2)

«ntzeiMe Planung des deutschen Naumes

Sründung Vor Landesplanungsgemeinschast oivenburg-vremen durch Neichsstatthalter tarl Nöoer

Oldenburg, 2. Juli

Fm großen Sitzungssaal des Oldenburger Land­tags fand am Mittwoch in Anwesenheit des Reichs- chatthalters und Gauleiters Carl Röver eine Versammlung führender Vertreter der Reichs-, Landes- und Stadtbehörden sowie der Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes, der Deutschen Arbeits­front, der Wirtschaftskammern, des Reichsnähr- ltandes, der Industrie und der Parteigltederun- gen statt. Der Landesplanungs-Referent beim Reichsstatthalter, Eauamtsleiter Vaurat Linde, sprach über die Ziele und Aufgaben der Landes­planung, wie sie durch das Reichsgesetz vom 29. 3. 103.) gegeben sind. Planungsräume sind die Reichr-siatthalterbezirke, bzw. in Preußen die Pro­tzen. Hier arbeiten nun die Landesplanungs- KMÄ?:schasten. Nachdem kürzlich in Hannover unter Leitung des Oberpräsidenten, Stabschef Lutze, die gleiche Gemeinschaft gebildet wurde, hat sich nunmehr in Oldenburg die Landesplanunas- geineinschaft Oldenburg-Bremen konstituiert. Sie Wird von Vertretern aller einschlägigen Behörden und Verwaltungsstellen, Körperschaften und Or­ganisationen gebildet, die sich irgendwie mit der Landesplanung befassen.' Die Landesplanungs- gcmcinschaflen haben alle Vorarbeiten für die Reichs- und Landesplanung zu leisten. Bemer­kenswert sei, so führte Baurat Linde aus, daß der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Reichskriegs­minister Eeneralfeldmarschall von Blomberg, als

erster die große Bedeutung der Reichsstelle für Raumordnung anerkannt habe, indem er an die ihm untergeordneten Dienststellen der Wehrmacht Richtlinien über die Zusammenarbeit mit dieser neuen Einrichtung gab. Zweifellos wird das Zu­sammenwirken mit der Wehrmacht künftig eine der wichtigsten Ausgaben der Landesplanungsgemein­schaft sein. Selbstverständlich werde auch die Pri­vatwirtschaft weitgehend zur Mitarbeit herange­zogen werden. In der Satzung sei vorgesehen, daß die Länder, die Städte und Landkreise, die befaßten Reichs- und Landesbehörden, die Dienst­stellen der Wehrmacht, die Siedlungsgesellschaften, Energiewirtschafts- und Verkehrsunternehmungen sowie die größeren industriellen Einzelunterneh- mungen Mitglieder der Landesplanung-' :mein- schaft werden sollen. Alle seien zur Mitarbeit auf­gefordert. Vorsitzender der Landesplanungsge­meinschaft ist der Reichsstatthalter bzw die Ober­präsidenten.

Der Planungsraum der Landesplanungsge­meinschaft Oldenburg-Bremen umfaßt den Reichs­statthalterbezirk einschließlich Wilhelmshaven. Das rechtsseitige llnterwesergebiet, das aus dem Kreise Osterholz-Scharmbeck, Stadt- und Land­kreis Wesermünde. Langemeinde Hemelingen ge­bildet wird und zum Planungsraum des Ob'er- präsidenten in Hannover gehört, solle in der praktischen Zusammenarbeit von der Landes­planungsgemeinschaft Oldenburg-Bremen mitbe-

treut werden. Der Redner wies dann noch kurz darauf hin, daß im Gau Weser-Ems schon vor Jahresfrist eine Eauplanung in Angriff ge­nommen wurde, und zwar habe diese Arbeit praktische Ergebnisse sowohl in Fragen der Moor- und Oedland-Kultivierung wie auch der Sied­lung gezeitigt. Damit sind im Gau Weser-Ems schon praktische Erfahrungen gemacht und in diesem Sinne kann nun weitergearbeitet werden. Sparsamste Geschäftsführung ist selbstverständlich.

Auch Reichsstatthalter Carl Röver sprach kurz zu den Planungsarbeiten und über die bereits im Rheiderland erzielten Erfolge. Er forderte alle beteiligten Stellen auf, sich in der Gemeinsamkeit der großen Aufgaben zu finden und sie anzupacken.

Dann wurde die Gründung der Landespla­nungsgemeinschaft Oldenburg-Bremen vollzogen. Im Laufe dieses Monats werden Vorschläge für den Beirat eingeholt und der Beirat ernannt werden: auch werden die Arbeits- und Fachaus­schüsse gebildet z. B. für Industrie-Verlagerung, Energiewirtschaft, Wasser- und Verkehrswirt­schaft, Siedlungsfragen usw. Die Zusammen­arbeit mit Hannover wird eingeleitet werden. Leiter der Bezirksstelle Bremen und zugleich Stellvertreter des Landesplanungsreferenten wird Baurat Wortmann in Bremen sein.

W

Kanipk dein Marxismus >van sdio» die Iwminx vor rwlin .labron. Kdolk Hitler '(linkst nimmt: auk dem ersten Löiobspartsits.Z in IVsimar vor 7.sbn 3stiren äsn Vorbsimarseli seiner. 6-strsnoü. ab; vor dem IVagsn Hitlers llrankenkübrer Ltroieksr, Ilnlis daneben (Znttkriod Csdsr nnd ^.lkrsd Hosenbsrx. (Hoinriod. Aokkmann - C.),

Arkce IWee-ArHlemi

ün weites ^eceit

MC. Berlin, 2. Juli.

Es-war.auf dem ersten Reichsparteitag der wiedererstandenen deutschen Freiheitsbewegung in Weimar am 4. und 5. Juli 1926, daß die Hitler­jugend als Reichsorganisation gegründet wurde und ihren heute im ganzen deutschen Volk und in der Welt. so bekannten und geläufigen Namen erhielt. Bis dahin hatte und zwar auch erst vom 25. April 1926 ab nur die Ortsgruppe Gera der Jugendbewegung der NSDAP. diesen Namen getragen. Gauleiter Julius Streicher, der seit jeher eine tätige Anteilnahme an der Entwicklung der NS-2ugend gezeigt hatte, war es, der auf diesem Parteitag die Namensfrage mit dem Vorschlag entschied, den Namen und Be­griff der Jugend des Führers alsHitlerjugend" auf die gesamte nunmehr als Reichsorganisation gegründete Jugendbewegung der Partei zu über­tragen.

So feiert die Hitlerjugend jetzt in Weimar nicht nur den 10jährigen historischen Erinnerungstag der Partei mit, sondern sie feiert auch ihren eige­nen Geburts- und Namenstag. Diesem bedeutsamen Anlaß wird auch die Ausgestaltung des ihr gehörigen Programmpunktes im Gesamt­festplan entsprechen. Die Redner, Führer und Hitlerjungen, die vor 10 Jahren diese denkwürdige Gründung und Namensgebung miterlebt haben, werden im Geist nochmals den Weg gehen, der von der HJ. von Weimar 1926 bis zu der von 1936 zurückzulegen war. Sie werden das gewaltige Werk zurückverfolgen, das in diesen 10 Jahren geleistet wurde, das Werden des Baues, wie er heute beinahe schon in der endgültigen Größe seines Planes^or uns steht als die Hitlerjugend, die größte, umfassendste und nach allen Richtungen total st e Jugendorganisation der Welt.

Es wird die Geschichte der Eroberung der gan­zen Jugend eines großen Volkes und seiner Zu­kunft sein, die hier noch einmal zu kurzer, drama­tischer Schau abrollen wird, denn am Tage der Gründung und Namensgebung der Hitlerjugend waren es erst noch wenige Gruppen mit nur wenigen taufenden Mitgliedern, die sich hier zur Reichsjugendorganisation der selber erst wieder langsam erstehenden NSDAP. zusammenfanden. Fast unübersehbar standen ihrer einzigen Fahne und ihrem einzigen Zeichen die Fahnen der Jugendorganisationen undBewegungen" der an­deren gegenüber. Noch zur Zeit der Macht­ergreifung, als die Hitlerjugend bereits über 200 000 Angehörige zählte, standen ihr nicht weniger als 477 Jugendparteiorganisationen und selbständige Bünde gegenüber, die es freilich trotz oder gerade wegen ihrer Vielheit nicht vermochten, den Großteil der deutschen Jugend in ihren Bann zu ziehen Nehmen wir zu dieser politischen und weltansmaulichen Zerrissenheit und Zerfahrenheit einer Generation, die einmal die Führung von Volk und Staat übernehmen sollte, noch die be­reits so weit gediehen? moralische Zer­

setzung, die sich unter anderem in ^ einer er­schreckenden Kriminalität kundgab, den gesund­heitlichen, körperlichen und leistüngsmatzigen Tief- stand, so gewinnen wir ein Bild, wie es trostloser und für die Zukunft eines Volkes. bedrohlicher wohl kaum sein konnte.

In dieses Chaos von Auflösung und Zersetzung pflanzte die Hitlerjugend vor zehn Jahren, .'in Weimar als Jugendorganisation der Erneuerungs­und Befreiungsbewegung des deutschen Volkes ihr Banner der llsimkehr, der Rettung und der Wiedergeburt. Hier die Wendung zum Besseren herbeigeführt und zur heutigen Höhe emporgetragen: zu haben, das wird ihr ewiges Verdienst und ihr historisches Denkmal sein/ Die Voraussetzungen hierzu wurden von ihr. zunächst durch die politische Eroberung der deutschen Äu­gend geschaffen, durch die aus den ehedem tausend Fähnchen und Abzeichen der deutschen Jugend nunmehr ein Abzeichen und eine, Fahne würde, Fahne und Abzeichen der HJ., der es bis zur Jahreswende 1935/38 gelang, weit mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Jugend in ihren Reihen zu vereinen. Bereits das erste Halbjahr 1936, desJahres des Deutschen Jungvolks", hat dann mit seiner durchschnittlichen 95°/»igen Er­fassung der Altersklasse der Zehnjährigen die totale Eroberung der deutschen Jugend durch die Hitlerjugend eingeleitet.

Auf Grund dieser politischen Eroberung und organisatorischen Erfassung konnte seit der Macht­ergreifung jene andere ft> vielgestaltige und um­fassende Arbeit der Hitlerjugend an der nach­wachsenden Generation auf allen Gebieten ein­setzen und erfolgreich werden. Begriffe wie Reichsberusswettkampf und Lei­stungssteigerung durch zusätzliche Verufs- schulnng, körperliche Ertüchtigung, weltanschau­liche Erziehung, die Urlaubs- und Freizeitaktion, die Zeltlager, Fahrten und Jugendherbergen, das Gesundheitswesen der HJ. bezeichnen in nur ganz grobem Aufriß den Umbruch, den die Hitler­jugend auf allen Gebieten der Jugendarbeit ge­bracht hat. Wie tief diese Arbeit bereits in den ersten Jahren ging und wie sehr sie sich vor allem auch moralisch auswirkte, bezeugt der Rückgang des Anteils der Jugendlichen an der Eesamt- kriminalität von 15 auf 3 v. H. zwischen 1932 und 1935.

Die Hitlerjugend ist heute mit ihrer Reichs­jugendführung und deren verschiedenen Aemtern mit ihren Obergebieten und Gebieten zu einer festgefügten und starkgeleiteten machtvollen Ein­heit geworden, die für den nationalsozialistischen Staat arbeitet, dem er seine Jugend erzieht und für seine Zukunft vorbereitet. Diese zukünftigen Geschlechter der deutschen Jugend im Denken und Handeln nationalsozialistisch zu machen, das ist die große und bleibende Ausgabe der Hitlerjugend, die, weit über den Charakter und den Rahmen einer vormilitärischen Jugend­erziehung herausgehen, wie die Arbeit der HJ.