Ausgabe 
(21.5.1936) Nr. 141
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parteiamtliche Tageszeitung

Ilachrichlenblatt der Deutschen Arbeitsfront Bremen

flmtsblatt des Senats der Lreien Hansestadt Bremen

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Das amtliche verkündungsblatt des

Deichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

Anzeigen-Grundpreisc: Die SS-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Ps die 70-mm-Zeile im Textteil 75 Pf- Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstassel C). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr: Sch-istlcitung Dienstag und Freitag 12^-13^ Uhr.

Nr. 141 / 6. Jahrgang

Vonnerstag, 21. Mai 1SZ6

kinzelpreis 15 Npf.

Marristischer Imor in der Völkerbundsstadt

kine nationale Kundgebung gesprengt / W-vunbespriMent Musg niedergebrüllt

l-nsvr logssspisgel

Zwischen Tokio und London bahnt sich ei» neues Flottengespräch an.

In Genf wurde der Alt-Vundespräsident Musy von Marxisten niedergebrüllt.

Das größte Ereignis im laufenden KdF.-Jahr wird der in Hamburg tagende Weltkongreß für Freizeit und Erholung sein.

Die Dritte Reichsnährstandsausstellung ver­zeichnet bereits eine Viertelmillion Besucher.

Reichsleiter Rosenberg sprach vor der HJ. über die Aufgaben der Jugendsührung.

Von der Reichsversicherungsanstalt für Ange­stellte konnte 1935 die Rücklage gestärkt werden.

Auf der Schulungswoche für Reichsbank­beamte wurde die Notwendigkeit deutschen Kolonialbesitzes dargetan.

Der gestrige Fuhvallkampf auf der Bremer Kampfbahn Werder Hertha BSC. endete unentschieden 1:1 (0:9).

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die Zeitungsanzeige

ein überaus wichtiges Werbemittel

Berlin, 21. Mai.

Zwischen dem Reichsverband der Deutsche» Zeitungsoerleger und der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel sind gemeinsame Richtlinien über die Zusammenarbeit der örtlichen Gliederungen beider Organisationen bei der Aufgabe von An­zeigen des Einzelhandels in Zeitungen verein­bart worden. Die Richtlinien gehen von der Auffassung aus, daß die Zeitungsanzeige ein überaus wichtiges Werbemittel für den Einzel­handel ist und durch enge Zusammenarbeit be­sonders auch für mittlere und kleinere Unter­nehmungen stärker als bisher erschlossen werden soll.

Den Gliederungen des Reichsverbandes und der Wirtschaftsgruppe wird daher eine ständige und enge Zusammenarbeit aufgetragen; es wer­den besondere Hinweise darüber gegeben, wie die Zeitungsverleger durch zweckentsprechende Be­ratung den Kaufleuten zur größten Werbewirk- samkeit der Anzeige verhelfen, wie andererseits die Gliederungen der Wirtschaftsgruppe Einzel­handel daran mitarbeiten sollen, um für eine vom Ctandpunkt des Wettbewerbs einwandfreie An­zeige zu sorgen. Mit dieser Zusammenarbeit soll eine Aufklärung der Kaufleute Hand in ?and gehen, die eine möglichst starke Inanspruch­nahme der Anzeigen neben den sonstigen Werbe­mitteln des Einzelhandels (Schaufenster, persön­liche Kundenpflege usw.) bezweckt.

Nelchsautobahn KölnVusseldorf

Heute feierliche Eröffnung

Köln, 21. Mai.

heute, am Himmelfahrtstag, wird die Strecke

ÜnDüsseldorf der Reichsautobahn Koin

chrgebiet durch Reichsminister Dr. Goebbels erlich dem Verkehr übergeben. 2n dem dicht- iedelten Bezirk vom Auslauf des Jndustrre- üetes bis zur Hansestadt Köln kommt dieser aen Reichsautobahn eine ganz besondere Be­ttung zu. Am 3. Januar 1934 erfolgte der erste mteiptich für den Bau der 24,3 Kilometer lan- a Teilstrecke. 2 290 000 Kubikmeter Boden mutz- l bewegt werden. Die vielfache Durchkreuzung c Strafen, Wirtschaftswege und Eisenbahnen dingte die Errichtung von 60 Brücken. An tonfahrdecken wurden 370 000 Quadratmeter rgestellt. Auf der Baustelle selbst waren 650 000 igewerke und in den Werkstätten und Fabri- i rund 400 000 Tagewerke zu leisten.

> über 250 000 Vesucher

der Reichsnährstandsausstellung Frankfurt a. M.. 21. Mai.

nährstandsausstellung in Frankfurt

hlte gestern nachmittag bereits den ssucher. Seit vier Tagen strömen aus ies Reiches Bauern und Landwirte 'rt am M°m. Alle Mundarten heinander. Trachten aus allen deut- sieben das Bild Gestern kamen die us Westfalen, Rheinland. Sachsen, d Oberhessen. '

slev Mitglied des englr,chen rd früherer englischer Landwir besuchte- die Rerchsnahrstandsaus Lebtet der deutschen Marktordnung Milchwirtschaft, erregte seine b°- rksamkeit, da ja auch.England ,ich und die Sicherheit !e>nes B - Bor der Besichtigung der Aus Lord Eltisley vom Relchsbauern o empfangen, nachdem er »"'cher erDriReischle einer. Besuch ab

(vrabtbsriekt uvssrss Ssvksr Vsrtrstsrs) r. Gens, 21. Mai.

2n einer von den nationalen Jugendgruppen Genfs veranstalteten Kundgebung gegen die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen der Schweiz zu Sowjetrußland, in der Alt- Bundespräsrdent Musy sprechen wollte, kam es zu einem wilden Durcheinander. Sozialisten und Kommunisten, die in dem Organ des links- sozialistischen Leiters des Justiz- und Polizei- Departements zu dem Besuch der Versammlung aufgefordert worden waren, hatten schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung über die Hälfte des Saales besetzt. Als Musy den Saal betrat, wurde er mit dem Gesang der Inter­nationale empfangen.

Obwohl den Marxisten freie Diskussion zu­gesichert worden war, machten sie mit einem

wilden Gepfeife bereits «ach zehn Minuten eine Wetterführung der Versammlung un­möglich.

Im Anschluß an die gesprengte Versammlung kam es in den Straßen von Genf noch zu einigen Zwischenfällen, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machten. Die Blätter der bürger­lich-nationalen Parteien sehen in dem Mangel an Geschlossenheit der schweizerischen nationalen Parteien, der eine. zielbewußte Organisierung der Versammlung verhindert habe, die Ursache des Erfolges der extremen Linken. Die Blätter wer­fen ferner dem Genfer Bürgertum, das der Ver­sammlung ferngeblieben war, vor, aus Mangel an Mut dem Marxismus das Feld zu überlassen.

Die politische Entwicklung, die mit der Hin­neigung gewisser Kreise der Schweiz zum Mos­

kauer Regime eingeleitet wurde, zeitigt ihre ersten Früchte: die Bolschewisten gehen auch im Alpenland zu offenen Gewalttaten über. So er­freulich es ist/ daß die Zusammenstöße in Genf im ganzen unblutig verliefen, so ernst ist der Vor­gang in seiner grundsätzlichen Bedeutung, wirft er doch ein grelles Licht nicht nur auf die Hetz- methoden der Marxisten, sondern auch auf das bedenkliche Fehlen jeglicher durchgreifen­der Abwehrkräfte. Man sollte allerdings an­nehmen, daß in der Schweiz wenigstens jetzt die von Sowjetrußland her drohende Gefahr in ihrem ganzen Umfange erkannt wird und zur beschleu­nigten Frozotbildung aller nationalen Gruppen gegen den gemeinsamen Feind führt.

Umfassende Wgaden der lugendführung

Neichsleiter Nosenberg vor den Sann- und lungbannfichrern der KI. in vraunschweig

Vraunschweig, 21. Mai

Gestern nachmittag traf R-eichsleiter Alfred Rosenberg im Reichsführerlager der HJ. in Draunschweig ein, um zu der versammelten aktiven Führerschaft der HJ. und des Jungvolkes über Fragen der Weltanschauung und Aufgaben der Jugendführung zu sprechen. Er wurde am Ein­gang des Schloßparkes Richmond in Begleitung des Ministerpräsidenten SS. - Gruppenführer Klagges von Stabsführer Hartmann Lauter- bacher empfangen und zum Lager geleitet.

In seiner richtungweisenden Rede betonte Neichsleiter Rosenberg, daß diese Zusammenkunft der verantwortlichen Führer der HJ. ebenso wie die kurze Kreisleitertagung auf der Ordensburg Erössinsee den tieferen Sinn habe, die Einheit der nationalsozialistischen Idee noch tiefer im Herzen zu verwurzeln und diese Einheit dann weiter ins praktische Leben zu übertragen.Es ist in der Geschichte der Völker das erste Mal" mit diesen Worten wandte sich Reichsleiter Rosenberg, an die Jugendführerdaß eine politische Bewegung und ein Staat gemeinsam einer heranwachsenden Jugend eine derartige Verantwortung übergeben haben, wie Sie sie erhalten haben. Es hat noch niemals die Jugend sich selbst führen können, wie Sie es tun dürfen. Noch nie sind allen entfalten­den Möglichkeiten eines jungen Geschlechts der­artige freie Bahnen geschaffen worden wie Ihnen. Das bedeutet ein Glück. Es hat aber auch seine Gefahren, wenn diese Jugend nicht vom ersten Tage an, wo sie diese Freiheit und Möglichkeilen der Selbstführung bestätigt, sich der Verantwor­tung bewußt ist, die sie damit für heute und die kommenden Zeiten auf ihre Schultern nimmt.

Wesentlich ist nicht, daß von außen an der Ju­gend Kritik geübt wird, sondern daß die Jugend an sich selbst Kritik übt. Es ist nicht so sehr nötig, daß diese Jugend von außen her Zucht erhält, son­dern daß sie selbst Zucht übt.

Sie in der Hitlerjugend sind eine Grundlage für alle Gliederungen der Partei, von denen jede ihre Sonderausgaben hat, von denen aber keine ein besonderes Vorrecht genießt. Die erste Auf­gabe, der Jugendführung ist die, die Einheit des nationalsozialistischen Erlebens und der national­sozialistischen Idee schon in der Hitlerjugend so stark zu machen, daß sie durch alle Sonderaus­gaben bestehen bleibt.

Diese Einheit der nationalsozialistischen Idee ist das wesentliche für alle weiteren praktischen Maß­

nahmen und Gestaltungen und die Voraussetzung dafür, daß die nationalsozialistische Revolution nicht eine vorübergehende Epoche, sondern wirklich eine neue Grundlage des deutschen Lebens ist."

In seinen weiteren Ausführungen stellte Reichsleiter Rosenberg eine Reihe von entschei­denden Grundsätzen auf, die das Wesen der nationalsozialistischen Weltanschauung umreißen. Er schloß seine eindrucksvolle Rede mit einem Be­kenntnis zu dem großen Erlebnis unserer Zeit. -

Der Stellvertreter des Reichsjugendsllhrers in seiner Eigenschaft als Leiter des Kulturamtes der HJF., Obergebietsführer Cörsf, hatte vorher zur HJ.-Führerschaft über die Kulturarbeit der Hitler-Jugend gesprochen. Nach nationalsozia­

listischer Auffassung, so sagte er u. a., müsse der Künstler aus dem Erlebnis der Gemein­schaft heraus schaffen und sich in der Gemein­schaft gegenwartsnahe Aufgabengebiete und Probleme suchen, wie heute z. B. die künstlerische Gestaltung des GedankensSchönheit der Arbeit". Die Jugend habe mit der Arbeiterschaft den sicheren Instinkt für eine wahrhafte und echte Kunst gemiensam. Durch eine umfassende Brei - tenarbeit wolle die HJ. das Verständnis der Jungen und Mädel für eine wahre Kunst und wahres kulturelles Schaffen wecken und fördern.

Am Abend blieb Neichsleiter Alfred Rosenberg noch einige Zeit mit den HJ.-Führern Lei regem Meinungsaustausch im Lager zusammen.

via aus 51.5. nilä Lttlil. Iiei-rEKvgnngeve kreirvillixe llugenakonei-velii- Oi-nnivubui-x sieixt, mit Helm unck irnuvkselintnimslrs -nwAoriistet, gelnäenen v-iston ibi- Können. (Zebsrl-LilOeräisiist.)

flotten- ^ ^ 7 lokio und London

Japan will als «ausschlaggebende Macht im fernen klslen" anerkannt werden

Tokio, 21. Mai.

lusländische Agenturen hatten die Nachricht breitet, daß die japanische Regierung be- ossen habe, England einen Ausgleich im Fer- i Osten und ein zweiseitiges Flottenabkom- n vorzuschlagen. Diese Meldungen gehen auf en längeren Artikel zurück, den die Zeitung okyo Nicht Nicht" gelegentlich der Abreise des ,en japanischen Botschafters Yoshida nach Lon-

i veröffentlichte.

Vie in Tokio erklärt wird, beruht dieser Zei- msaufsatz lediglich auf Vermutungen, die ihren sgangspünkt in der Regierungserklärung des nisterpräsidenten Hirota und des Außen- nisters Arita sowie einer Aeußerung des irineministers im Parlament haben. Die ußerung des Marineministers besagte im we- tlichen, daß Japan die. Hoffnung auf das Zu­gekommen eines neuen Flottenvertrages nicht sgegeben habe.

;» allen Einzelheiten jedoch weicht der er- hnt« Kommentar vonTokqo Nichi Nicht" von außenpolitischen Linie der japanischen Re- rung vollständig ab. Wie Ministerpräsident rota betonte, wünscht die japanische Regierung hl eine friedliche Verständigung mit allen

Völkern, insbesondere mit den Nachbarstaaten sowie mit England und Amerika, es werde jedoch vorausgesetzt, daß Japan als die ausschlaggebende Macht im Fernen Osten anerkannt wird.

Auf die Frage des Vertreters des Deutschen Nachrichten-Büros, ob der gemeldete Beschluß der japanischen Regierung tatsächlich erfolgt sei, er­klärt der Sprecher des Auswärtigen Amtes, daß keine derartigen Beschlüsse vorlägen und daß sich auch an der japanischen Haltung zur Lage im Fernen Osten sowie seiner Einstellung gegenüber China und der Flottenfrage nichts geändert Habs. Der Sprecher des japanischen Auswärtigen Amtes teilte weiter mit, daß die englische Erklärung über die von Großbritannien beabsichtigte weitere Jndiensthaltung von Zerstörern mit einer Ee- samttonnage von 40 000 Tonnen über die im Flottenvertrag vorgesehene Zerstörertonnage von 150 000 Tonnen hinaus in Tokio eingetroffen sei. Die japanische Regierung werde nach Prüfung der bestehenden Verträge zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen.

Aus der Haltung der japanischen Presse kann man schließen, daß Japan der Absicht der briti­schen Regierung nicht ohne weiteres zustimmen dürste. Die Blätter vertreten die Auffassung, daß der englische Vorschlag dem Londoner Flot­

tenvertrag widerspreche und die diesbezüglichen zwischenstaatlichen Abreden verletze. Die Nach­richtenagentur Domei erfährt aus japanischen Marinekretsen, daß die einseitige Vermehrung der Zerstörertonnage durch England den Londoner Flottenvertrag gegenstandslos mache.

Im übrigen wurde der japanischen Regierung am Mittwoch durch den japanischen Geschäfts­träger Fuji! in London die Aufforderung der britischen Regierung zugestellt, dem kürzlich in London abgeschlossenen neuen Flcttenabkommen zwischen England, den Vereinigten Staaten und Frankreich beizutrcten.

Die Agentur Domei erklärt dazu, daß Tokio die,e Einladung in Zusammenarbeit des Aus­wärtigen Amtes mit dem Marineministerium aufmerksam prüfen werde. Domei weist darauf hin, daß Admiral Nagano, der jetzige Marine­minister. seinerzeit als Delegierter in London die Haltung Japans zur Flottenfrage genau festgelegt habe. An dieser Haltung habe sich seither nichts geändert, es stehe fest. daß das neue Abkommen nicht die vo-> Japan geforderte einheitliche Pau- schaltonnage berücksichtige. Japan werde die Hal­tung der großen Seemächte zu dieser Frage be­obachten und seine Stellungnahme hiervon ab­hängig machen.

fronkrelrlfs kegierungsnöte

0er volschewismus als der lachende dritte

* Bremen, 21. Mai.

Die Regierungsbildung in Frankreich zieht sich immer noch weiter in die Länge. Ein sicheres Zeichen dafür, daß innerhalb der Volksfront, die dem Wahlausfall entsprechend zur Uebernahme der Regierung berufen ist, starke Meinungsver­schiedenheiten bestehen.

Zweierlei nur steht bis jetzt von der kommen­den französischen Regierung fest: Leon Blum, der Führer der Sozialiften, wird französischer Ministerpräsident und die Kommunisten beteili­gen sich unter keinen Umständen an der Regierungsbildung. Darüber hinaus ist bis jetzt zwar noch anzunehmen, daß die Radikalsoziali- sten in die neue Regierung gehen; doch bleibt be­achtenswert, daß sie und die Sozialrsten sich vor­erst durchaus noch nicht über die Besetzung der Ministerposten einig sind und daß die Möglich­keit immerhin besteht, daß die Radikalsozialisten zuletzt-schmollend die Regierungsbildung den Sozialisten allein überlassen, was diesen aller­dings bestimmt nicht angenehm wäre.

Als Minderheitsregierung die Verantwortung in Frankreich allein für das zu übernehmen, was dort für die nächste Zeit an gesetzgeberischen Ar­beiten von den Wählern verschiedener Richtungen innerhalb der Volksfront erwartet wird, insbe­sondere die Verantwortung für Maßnahmen zu übernehmen, welche den, ganz den Wünschen der Radikalsozialisten entgegengesetzten Eewerkschafts- forderungen entsprächen, müßte den Sozialisten unendlich schwerfallen, obwohl sie dabei der Unterstützung der Kommunisten sicher wären. Es ist diese Unterstützung eineWohltat", die ustter Umständen sehr zur Plage zu werden vermag, da ja eine Minderheitsregierung der Sozialisten nicht nur nichts entscheiden darf, was den Kommunisten nicht paßt, sondern durch die Kommunisten > sogar noch vor mancherlei Entscheidungen gestellt werden kann, die den Sozialisten gar nicht be­hagen.

Darin liegt die eine der Schwierigkeiten über die die Sozialistische Partei innerhalb der Volks­front nicht hinauskommt. Die andere Schwierigkeit liegt darin, daß als rechter Flügel der Volksfront, die Radikalsozialisten auch bei einer Nichtteilnahme an der Regierungsbildung für ihre Unterstützung einer Minderheitsregierung bei guter Laune erhalten werden müssen. D. h. wenn die Radikalsozialisten ihre Forderungen, die ganz in entgegengesetzter Richtung von denen der Kommunisten liegen, den Sozialisten zu gegebener Zeit mit mehr oder minder deutlicher Entschiedenheit -präsentieren, - wollen diese eben­falls so gut wie möglich berücksichtigt werden.

Schon weigert sich Herriot, der Aufforderung Leon Vlums, das französische Außenministerium zu übernehmen, nachzukommen. Ob dabei die Rede Leon Blums, worin dieser den russischen Sowjet­staat als einen kulturerhaltenden Staat ange­sprochen hat, eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Viel glaubhafter erscheint uns das Sträuben Herriots darin begründet, daß er als Radikal­sozialist, also als Vertreter des französischen Kleinbürgertums starke Bedenken hegt eine Außenpolitik fortzuführen, die durch den sowjet- russischen Pakt Frankreichs nun leider einmal schon nach Moskau hin gebunden ist und von dorther mittels der bolschewistischen Beeinflussung der in der französischen Kammer plötzlich so stark gewordenen Kommunisten zwangsläufig in Bahnen einlenken kann, die weit weniger der Friedens­liebe der Mehrheit des französischen Volkes als der friedensstörerischen Lust Sowjetrußlands dienen. Vor allem aber wird die Erwägung, daß Herriot als Außenminister bei innerpolitischen Entscheidungen, besonders wirtschaftlicher und finanzieller Art kaltgestellt wäre, eine Rolle spielen.

Immer ist es die Rücksicht auf die Wählermassen, welche im parlamentarischen Staate die Entschlüsse der Regierenden verkümmert. Erklärt sich damit das Zögern der Radikalsozialisten, in eine Koa­lition mit den Sozialisten zu gehen, so erklärt sich damit erst recht das Verhalten der Kommunisten, die von vornherein jede Beteiligung an einer Re­gierung abgelehnt haben. Sie. die jetzt erst so stark in die französische Kammer eingezogen sind,, stellen sich eindeutig darauf ein, aus der zu er­wartenden Unzufriedenheit der französischen