Ausgabe 
(13.5.1936) Nr. 133
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parteiamtliche Tageszeitung

Bachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Bremen

der Nationalse»Zlalrsten Bremens

flmtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt Dramen

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Nr. IZZ / 6.7aftrgang

Mittwoch i;. Mai is;e

kinzelpreis 1S kpf.

Senf beschließt veibebaltung der Sanktionen

2er Völkerbundsrat vertagt die veratung über die italienisch-abeslinische frage bis Mtte Juni

ttnssr logssspisgel

Der Völkerbundsrat hat sich für die vorläu­fige Beibehaltung der Sanktionen gegen Italien entschieden und sich bis Mitte Juni vertagt.

Der italienische Vertreter Baron Aloisi hat Gens unter Protest verlassen.

Die Rest-Locarno-Mächte beschlossen in Gens, ihre Beratungen bis zur Beantwortung des englischen Fragebogens zu vertagen.

Die französischen Frontkämpfer richten an ihre deutschen Kameraden eine Friedensbot­schaft.

Staatssekretär Reinhardt stellte in einer Rede die Erhöhung des Steueraufkommens mit 2,8 Milliarden fest.

Das Luftschiff LZ. „Hindenburg" verlieh am Dienstag Lakehurst und befindet sich nun­mehr auf der Rückfahrt nach Deutschland.

Die Bremer Teilnehmer an der Ostpreuhen- sahrt wurden von Vrigadesiihrer Uhde feier­lich empfangen.

Die Park- und Tankdienstanlage an der Baumwollbörse wurde gestern ihrer Bestim­mung übergeben.

Die NSV., Ortsgruppe Findorff, eröffnete wieder ihren Spielplatz.

vettagungsbeschluß der Nesilotornymachre

Genf, 13. Mai.

Ueber die von den Vertretern Frankreichs, Englands und Belgiens am Dienstagnachmittag abgehaltene Sitzung zur Erörterung der Locarno- srage wurde folgende Verlautbarung ausgegeben: „Die Vertreter Belgiens, Frankreichs und des Bereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland, die sich anläßlich der Tagung des Völkerbundsrates in Genf befanden, haben, wie am 18. April zwischen den Vertretern der Lo- carnomächte vereinbart worden war, eine Sitzung abgehalten. Dabei wurde unterstrichen, datz es wichtig wäre, die unternommenen Bemühungen so bald wie möglich zum Ersolge sichren zu sehen. Jedoch muhte festgestellt werden, dah die Unter­suchung, die gemäh der Verabredung von dem britischen Vertreter zur Klärung einer Anzahl von Punkten des Memorandums der deutschen Rgierung vorgenommen wurde, nicht beendet sei. Unter diesen Umständen haben sie es für zweck­mäßig befunden, ihre Entscheidung bis zu einer späteren Zusammenkunft zurückzustellen. Sie sind der Meinung, dah es alsbald nach dem Eingang der deutschen Antwort für die Locarnomächte an­gezeigt sein wird, unverzüglich zum Zwecke des Austausches ihrer Meinungen in Fühlung zu treten."

See englische Versicherungsskandal

London, 18. Mai.

Am zweiten Sitzungstage des richterlichen Aus- schusses zur Untersuchung des Londoner Versiche­rungsskandals wurde zunächst der langjährige Sekretär des britischen Kabinetts, Sir Maurice Hankey. als Zeuge vernommen. Er teilte mit, daß der Schatzkanzler zu einer Kabinettssitzung am 8. April eine umfassende Darlegung seiner Haus- haltsvorschläg« gegeben habe, dah aber die Er­klärungen Chamberlains nicht zu Protokoll ge­nommen und auch später nicht schriftlich festgelegt worden seien. Außerhalb des Kabinetts hätten keine Besprechungen über die Steuererhöhungen stattgefunden. In normalen Zeiten gebe der Tchatzkanzler seinen Kabinettskollegen vier oder fünf Tage vor der Verkündung des Haushalts im Unterhaus seine Vorschläge bekannt. Hankey erklärte hierauf, dah ein Durchsickern des Haus­halt-geheimnisses nur durch das Kabinett selbst möglich sei.

Anschließend wurde der Sohn des Kolonial- «inisters Thomas. Leslie Thomas, erneut ver­nommen. Er erklärte dah er die Teilhaber der Firma Velisha und Co. von dem Versicherungs­geschäft erst nach dessen Abschluß in Kenntnis gesetzt habe.

^Der Finanzmann Bat es, der als ein alter llreund des Kolonialministers Thomas bezeichnet wird, erklärte bei seiner Aussage, er sei ein be­rufsmäßiger Spieler. Er habe viele Wetten für Pserderennen abgeschlossen, die sich wöchentlich auf IVVN-Mg Pfund Sterling beliefen. Er habe mit einer Erhöhung der Steuern gerechnet, da er ge- Ni-t habe. daß die Regierung Millionenbeträge Mr Aufrüstung benötige. Während des Ver­hörs wurde mitgeteilt, daß der Rechtsanwalt ein Sekretär von Bates, im Laufe emes nmpräches einen „sehr geschickten" Mann erwähnt Mbe. der sich für große Summen gegen die Er­höhung der Einkommensteuer versichert habe. Eves Nabe den Namen des Mannes nicht erwähnt, son- Arn lediglich erklärt, dah er einen sehr starken verdacht habe. Dieser Verdacht habe sich seither

Genf, 13. Mai.

Der Völkerbundsrat hat . Dienstag nachmittag in öffentlicher Sitzung — in Abwesenheit der ita­lienischen Delegierten — folgende Entschließung angenommen: „Der Rat, der berufen ist, den ita- lienisch-abessinischcn Konflikt zu untersuchen, er­innert an die Feststellungen und Entscheidungen, die in dieser Sache seit dem 3. Oktober 1935 ge­troffen worden sind. Er ist der Ansicht, dah eine Frist notwendig sei, um seinen Mitgliedern die Prüfung der Lage zu ermöglichen, die durch die schwerwiegenden neuen Schritte der italienischen Regierung entstanden ist. Der Rat beschließt, am 15. Juni seine Beratungen über die Angelegen­heit wieder aufzunehmen und erachtet, dah es nicht angebracht sei, die Mahnahmen abzuändern, die durch die Völkerbundsmitglieder gemeinsam ge­troffen worden find.

In der Aussprache über die Entschließung gab

der abessinische Vertreter eine kurze Erklärung ab, worin er die unerschütterliche Entschlossenheit Abessiniens betonte, seine Unabhängigkeit und Unversehrtheit zu verteidigen.

Der Vertreter Argentiniens erklärte, er stimme der Entschließung im Interesse der Aufrechterhal­tung der Grundsätze des Völkerbundes zu, mache aber einen Vorbehalt hinsichtlich der Vertagung der Aussprache.

Der Vertreter Chiles meldete seine Stimm­enthaltung an, da nach Auffassung seiner Regie­rung die Sanktionen mit Beendigung des Krieges gegenstandslos geworden sein und deshalb aufge­hoben werden müßten. Die Aushebung der Sank­tionen wäre ein wichtiger Beitrag zur Ueberwin­dung der gegenwärtigen politischen und wirt­schaftlichen Krise.

Der Vertreter Ecuadors wies darauf hin, dah sein Land die Sanktionen bereits aufgehoben habe, nachdem sie sich als Mittel zu dem ursprüng­lich angestrebten Zweck nicht mehr als angemessen

erwiesen hätten. — Damit war der einzige auf der Tagesordnung der Sitzung vom Dienstag stehende Punkt erledigt.

flloifi verläßt Senf

Eenf, 13. Mai.

Wie am Dienstag gegen 1.38 Uhr nachmittags bekanntwurde, hat die italienische Delegation von Mussolini die Anweisung erhalten, Eenf sofort zu verlassen. Baron Aloisi hat darauf den Generalsekretär des Völkerbundes verständigt, datz er an den Arbeiten des Rates nicht mehr teil­nehmen könne. Man ist sich bewußt, dah in der italienischen Geste eine neue Drohung mit dem Austritt aus dem Völkerbund liegt.

Paris, 13. Mai.

Die Nachrichtenagentur Havas. meldet aus Eenf, daß die italienische Völkerbundsabordnung vor ihrer Abreise erklärt habe, dah die aus Rom erhaltenen Anweisungen es ihr nicht erlaubten, irgend etwas darüber zu sagen, ob sie Genf für immer oder nur vorläufig verlasse.

M versölinungsstunve muß endlich schlagen!

Volschaft der französischen srontkämpfer an ihre deutschen Kameraden

Paris, 13. Mai.

Der Generalsekretär des Spitzenverbändes der französischen Frontkämpfervereinigungen, der 6on- keäörslion nationale ckss anelsns ooinbattants, Rivollet, ehemaliger französischer Pensions­minister, empfing gestern nachmittag Vertreter der deutschen und französischen Presse und überreichte ihnen nachstehende Botschaft:

Deutsche Kameraden! Die französischen Front­kämpfer wenden sich an Euch. Die gegenwärtigen Tage und die Tage, die kommen werden, können entscheidend sein für die Zukunft Europas und für die Zukunft unserer beiden Länder. Wir haben 52 Monate hindurch hart und ohne Falsch gegen einander gefochten. Sehen wir uns gerade in die Augen und sprechen wir offen zu einander! AIs französische Soldaten haben wir unser Vaterland verteidigt, und es gibt keinen Franzosen, der nicht auch heute bereit wäre, es erneut zu ver­teidigen, wenn die Stunde schlagen sollte. Doch

da wir den Kriegkennen, wollen wir ihn nicht wieder erleben. Wir sind Gegner des Krieges, weil wir Menschen sind, und weil ein allgemeiner Weltenbrand den Untergang der europäischen Kul­tur besiegeln würde, die durch Jahrhunderte wäh­rende Mühe und Arbeit geschaffen wurde, und für die unsere beiden Länder ihr Bestes hergegeben haben. Wir erklärten mit Nachdruck und aus Er­fahrung heraus, daß diejenigen, die den Krieg entfesseln, den Krieg niemals auch nur erleben, und dah diejenigen, die ihn erleben, niemals seine Nutznießer find.

Die Regierungen unserer Länder haben Frie­denspläne veröffentlicht. Was müssen wir Deutschen und Franzosen sehnlich wünschen? Einen würdevollen und dauerhaften Frieden für Deutsch­land, für Frankreich und für ganz Europa, einen Frieden, in dem das Recht geachtet und die Ord­nung gesichert ist, einen Frieden, in dessen Schah jede Nation die Psrantwortung für die Sicherheit aller anerkennt.

Wir rufen Euch deutschen Kameraden zu, daß die Stunde der aufrichtigen Versöhnung end­lich schlagen muß, dah unsere Interessen und un- - sere Pflichten es erfordern, gemeinschaftlich auf ihr Nahen zu drängen durch eine gleiche und wechselseitige Anstrengung im Geiste des Einver­nehmens, das es uns ermöglicht, uns gegenseitig zu verstehen und kennenzulernen. Liegt nicht in der Tat die Wurzel der französisch-deutschen Tra­gödie der Nachkriegszeit darin, dah unsere Regie­rungen und wir selbst gedacht haben, Ihr, als ob wir Deutsche, wir, als ob Ihr Franzosen wäret? Wir haben gemeinschaftlich die gleiche Achtung vor der Arbeit, die dem Menschen das Le­ben gibt und seine Würde hebt.

Unsere Mission als Frontsoldaten ist, im Ge­denken der Opfer an Toten, im Gedenken an un­sere eigenen Opfer aus dieser Welt die Gewalt, die Ungerechtigkeit, die Unaufrichtigkeit und das Unwisfen auszumerzen, die stets Quellen des größ­ten Unheils find. Wir wissen, Ihr und wir, unsere Völker lehren, sich zu verständigen und zu ver­stehen. Wir müssen in unseren Nationen den guten Willen wecken, von dem die freimütige Gegenüberstellung der beiderseitigen Wünsche und Belange beseelt sein muh. So wird das gute Einvernehmen geschaffen werden, das unsere Zu­kunft sichern wird.

Wir französischen Frontsoldaten sind bereit zu diesem Werk, das unsere Länder versöhnen und Europa befrieden soll, und aus diesem Grunde bieten wir Euch die Hand und richten ap Euch diesen feierlichen Aufruf.

S

Jn einer kurzen Erläuterung, die General­sekretär Rivollet den anwesenden Pressevertretern gab, wies er darauf hin, daß alle in der Spitzen- organisation der französischen Frontkämpfern er­blinde zusammengeschlossenen Gruppen den Aufruf an die deutschen Kameraden einstimmig be­schlossen hätten. Er gebrauche bewußt den Aus­druck Kameraden. Denn seit dem Ende des Krieges hätten stets höfliche Beziehungen zwischen den französischen und den deutschen Frontkämpfern bestanden.

Um zu beweisen, dah alle Richtungen, die in dem Spitzenverband der französischen Front­kämpfer vertreten sind, an der Entschliehung be­teiligt sind. erwähnte der Generalsekretär/ daß unter anderem auch der Vorsitzende des großen linksstehenden Kriegsteilnehmerverbandes Union föderale, Pichst, sowie der Vorsitzende des rechtsstehenden Nationalverbandes der franzö­sischen Frontkämpfer und ehemalige Abgeordnete Goyan der Ausarbeitung dieses Aufrufes teil­genommen hätten. Die französische Regierung kenne den Wortlaut des Aufrufes und billige ihn. Bedauerlicherweise habe die Regierung es aller­dings abgelehnt, die Verbreitung dieses Aufrufes durch Rundfunk zu gestatten.

Schuschnigg greift ein

Wien, 13. Mai.

Bei Bundeskanzler Dr. Schuschnigg fand soeben eine Besprechung mehrerer Heimatschuh­unterführer und Führer des Freiheitsbundes statt Vizekanzler Starhsmberg soll an der Besprechung nicht teilgenommen haben. Bundes­kanzler Dr. Schuschnigg machte beiden Parteien, wie man hört, Vorwürfe wegen der zwischen ihnen entstandenen Meinungsverschiedenheiten und ermähnte sie, den Weg zueinander zu finden. Die versammelten Unterführer sollen Verspre­chungen in dieser Hinsicht gemacht haben. Man rechnet damit, daß die Regierung versuchen wird, den Wirkungskreis der Vaterländischen Front zu erweitern.

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kb-aiikkni-t a. Hain — ZVeltlnkt-a-Iiilkliakeii. Im llnntag Viircka cko- Tukt.seiiikk l. 2 127. „(link Lsppottu". als erstes l-uktsdritk naeti ckvm neuai-slanckonoa IVoltluktsediSbskoa branükurt am Asiv übsrgskübrt. .lueü D2 129 viril oavb seinem ersten .Imsrikaklug in i'ranlikurt lausten, vnser. Bück: 1-2 127 „6-rak 2oppslin" bsiw Hinbringen. (Sk-bsrl Liläsräisnst)

Verschärfung der Vegensätze

Uekerroschenve Sensor krsebnisse

(Orablbsriadt unseres 6-Snksr, Vertreters),

Eenf, 13. Mai.

Der gestrige Tag in der Volkerbundsstadt war reich an Zwischenfällen, die beinahe zu einer dra­matischen Zuspitzung der Lage führten. In den Mittagsstunden wurde bekannt, dah Aloisi auf Grund der Ereignisse vom Montag eine persön­liche Order Mussolinis erhalten habe, sofort die Koffer zu packen und mit der Delegation abzu­reisen. Gleichzeitig verlautete aus Kreisen der italienischen Delegation, und zwar von führender Seite selbst, dah die Lage in Rom als „erM? angesehen werde und datz das Matz mit der wei­teren Aufrechterhaltung der Sanktionen voll sei.

Obgleich der Beschluß des Rates über die Sanktionen bis zu dieser Stunde formell noch nicht vorlag, wurde in italienischen Kreisen die neue Lage dahin präzisiert, dah Italien die Be­ziehungen zu Genf abgebrochen habe und dah es sich so lange abseits halten werde, als das Fehl­urteil vom 3. Oktober vergangenen Jahres nicht korrigiert worden sei und diesem Umstände durch eine bedingungslose Aufhebung der Sanktionen Rechnung getragen werde.

Dabei wurde von der gleichen Stelle ausdrück­lich erklärt, daß diese Haltung Italiens nicht mit einem Austritt aus der Liga gleichzusetzen sei. In dieser Hinsicht sei die letzte Entscheidung noch nicht gefallen; sie werde von den weiteren Maß­nahmen abhängen. In jedem Falle aber werde eine außerordentlich kritische Lage geschaffen, wenn der Rat sich dazu verleiten lasse, jenen Kreisen nachzugeben, die sogar jetzt noch auf einer Verschärfung der Sanktionen bestünden. Eine derartige Maßnahme werde auf den „äußersten und bis zum Letzten entschlossenen Widerstand der gesamten mobilisierten nationalen Kräfte Italiens" stoßen. Diese Worte sind zweifellos deutlich genug. Sie lassen jedenfalls eine Situa­tion erkennen, für die das Urteil „ernst und äußerst kritisch", das man hier im übrigen nicht nur auf italienischer Seite hören konnte, zutref­fend zu sein scheint.

Der Rat hat nun gestern seinerseits sein wei­teres Verhalten nach drei Richtungen hin bis zu einem gewissen Grade präjudiziert. Erstens hat er sich mit der Anerkennung des bisherigen abessi- nischen Vertreters als einzigen rechtmäßigen Vertreter des „Völkerbundsmitgliedes Abessi- nien" erneut zu seinen Beschlüssen vom 3. Okto­ber 1935 bekannt und es damit abgelehnt, die militärischen Tatsachen in Ostafrika anzuerkennen. Zweitens sind die Sanktionen durch einen for­mellen Ratsbeschluß weiter in Kraft gehalten worden, und zwar zunächst auf unbestimmte Zeit. Daraus ergibt sich, daß sie auch weiterhin ihrem alten Zwecke, also der Verhinderung einer Fest­setzung Italiens in Ostafrika, dienen sollen. Nach den gestrigen Ereignissen dürften sie damit das schwerwiegendste Hindernis für alle kommenden Verhandlungen bilden. Drittens hat der Rat sich zuletzt selbst bis zum 15. Juni vertagt, und zwar zu einer außerordentlichen Ratstagung, die sich ausschließlich mit Abefsinien beschäftigen soll.

Faßt man die gestrigen Ereignisse zusammen, so läßt sich schwerlich etwas anderes sagen, als daß eine neue ernste Verschärfung der Gegen­sätze Tatsache geworden ist. Die gestrige zweite Vertagung, die der Rat in der weiteren Be­handlung der Locarno-Frage beschloß, tritt ge­genüber dieser Sachlage zurück. Es wird wahr­scheinlich nicht leicht sein, überhaupt noch einen Ausweg aus dem ganzen augenblicklichen Dilemma zu finden.

Im übrigen zeigt sich eine unverhohlene Ver­ärgerung Italiens über die Ausführungen Vald- wins vor dem Unterhaus, der den Negus nach wie vor als „Majestät" bezeichnete und die Proklamation des Imperiums als eine „tempera­mentvolle Kundgebung" bagatellisierte. In ita­lienischen Kreisen bemerkt man daher, daß die englische Außenpolitik aus dem abessinischen Streitfall offenbar immer noch nicht gelernt habe.