Ausgabe 
(16.4.1936) Nr. 106
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parteiamtliche ^geszeitung

Bachrichtenbiatt der Deutschen Arbeitsfront Bremen

flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Bremen

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Nr. 166 / 6. Jahrgang

Das amtliche verkündungsblatt des Deichsstatthalters in Oldenburg und Dremen

donnerstag, 16. flprtt 1SZ6

Slnzeigen-Grundpreise: Die W-m-mZeile im Anzeigenteil 12 Ps.. die 70-mm-Zeile im Textteil 75 Ps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine. Familien-Anzeigen u. a.> sowie sonstige Bedingungen Preis­liste « (Nachlaßstassel 01. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr Annahmsschluß Ik Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schristleitung Dienstag bis Freitag I2V--I3V- Uhr.

kinzelpreis 15 Npf.

Ungeklärte Haltung Italiens in 6enf

Spannung in der Völkerbundostadt / Serehte Sprache der italienischen presse / kdens Mchtlinien

Unsvr Vagssspsegel

Die italienischen Truppen haben Dessie besetzt.

Unter starken englisch-italienischen Spannun­gen beginnt heute in Gens die Tagung des Dreizehner-Ausschusses.

Bei der lleberführung des toten Botschafters von Hoesch erwies die englische Regierung dem Verstorbenen militärische Ehren.

In Berlin wurde eine Reichsakademie für Leibesübungen auf dem Reichssportfeld errichtet.

Auf der Ordensburg Crössinsee wurde eine Reichstagung der Kreisleiter der NSDAP. eröffnet.

Die Polizei veranstaltet eine Presseführung durch die am Freitag zu eröffnende Polizei­ausstellung.

Das Richtfest des ersten Hauses der großen bremischen Kindererholungsstätte in Bad Sachsa wird voraussichtlich bereits zu Pfingsten stattfinden.

Am kommenden Montag wird Taufe und Stapellauf der bremischen Ozean-Jacht statt­finden.

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Nelchslreffen aller Krelsleller

Politische Akademie des deutschen Volkes Berit«, 16. April.

In diesen Tagen wird in der Ordensburg Lrössin-See in Pommern, der neuen großen Schulungsstätt^ der Partei, eine Tagung der Kreisleiter der NSDAP. aus dem ge­samten Reichsgebiet abgehalten. Zum ersten Mal wird in dieser Form die gesamte Führerschaft der nationalsozialistischen Bewegung zu einer großen Schulungstagung zusammengefaßt. Das Treffen in der Ordensburg Crössin-See hat für die gesamte zukünftige Schulungs- und Auslese­arbeit der Partei richtungweisende Bedeutung, sind hier doch zum ersten Mal diejenigen Männer zu einer einheitlichen Ausrichtung, zu einer Art politischen Akademie des deutschen Volkes zusammengerufen worden, die die po­litische Verantwortung für die örtliche Arbeit der nationalsozialistischen Bewegung tragen.

Das Programm der Tagung sieht im einzelnen grundsätzliche Reden der führenden Männer der Partei und des Staates vor und zwar zunächst Vortrüge von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichskriegsminister v. Blomberg und dem Leiter des Rassenpolitischey Amtes der NSDAP., Dr. E r o ß.

Weiter werden Reichsbaüernführer R. Walther Darr 5, Reichsleiter Rosenberg, Stabs­chef Lutze, Reichsjugendfllhrer Baldur von Schiräch und Reichsj'uristenführer Dr. Frank das Wort ergreifen. Sonnabend, 18. April, werden Vortrüge von Hauptdienstleiter Staats­sekretär Reinhardt und Reichsminister Kerrl gehalten. Sonntag. 19. April,, sprechen der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP.. Pg. Köhler, und der Oberste Parteirichter, Reichsleiter Buch.

Den Geburtstag des Führers am 20. April wer­den die Kreisleiter in einer gemeinsamen Feier­stunde begehen. Dienstag. 21. April, sprechen Korpsführer Hühnlein, Reichsminister Dr. Goebbels und Reichsarbeitsführer Hier^. Mittwoch, 22. April, ergreifen Reichsführer S>s. Himmler und Ministerpräsident Gört n g das Wort. Donnerstag. 23. April, sprechen Reichs­schatzmeister Schwarz. Reichsleiter Fiehler und Reichsleiter R o s e n b e r g. Die Tagung fin­det ihren Abschluß am Freitag, 24. April, durch Äle lledergade der Ordensburg in einem großen feierlichen' Akt.

Vor fluftakt des Neichötreffens

Die Tagung aller Kreisleiter der NSDAP. auf er Ordensburg Crössinsee wurde durch Haupt- ienstleiter Pq. Schmeer in Anwesenheit von iauleiter Schwede (Koburg) eröffnet. Pg. ichmeer umriß in seinen Einfuhrungsworten !iel, Aufgabe und Gestaltung der Tagung Reichs­eiter Dr. Ley gab in einer Ansprache einen leberblick über seine Arbeit als Reichsleiter der »rutschen Arbeitsfront. Er schilderte die Schwie- iqkeiten, die zunächst bei der Machtübernahme ch dem großen Werk entgegengestellt hatten und :igte die grundsätzlich neuen Wege aup die die ationalsozialistische Bewegung bei der Heranbn- ung des politischen Führernachwuchjes beichrrtt.

Parade am öebuckskag des sührers

Berlin, 16. April

Anläßlich des Geburtstages des Führers und Reichskanzlers findet am 2V. April in Berlin eine Parade statt, an der Einheiten aller drei Wehr­machtsteile beteiligt sind. Der Vorbeimarsch der Truppen wird etwa um 11.36 Uhr am Kleinen Stern (Tiergartens aus Richtung Brandenburger Tor beginnen. Die Parade befehligt der Kom­mandierende General des IH. Armeekorps.

(Drahtbericht unseres Genfer Vertreters) Gens, 16. April

Die Völkerbundsstadt steht im Zeichen eines „großen Tages". Ein Heer von ausländischen Berichterstattern hat sich eingefunden, und auch die Delegation der einzelnen Länder sind zahl­reicher als sonst erschienen. Großes Kopfzerbre­chen verursacht noch immer die weiterhin unge­klärte Haltung Italiens, das sich bisher lediglich entschlossen hat, Aloisi nun doch nach Genf gehen zu lassen. Nach der außerordentlich gereizten Sprache der italienischen Presse, die sich in heftigen Ausfällen gegen England ergeht, ist kaum anzunehmen, daß noch mit irgendeiner italienischen Kompromißbereitschaft zu rechnen ist.

Aus die kürzeste Formel gebracht, läßt sich heute nur sagen, daß Italien kaum Neigung verspüren dürfte, irgendwelche militärischen Zugeständnisse zu machen — derartige Zugeständnisse würden zweifellos in einem Waffenstillstand bestehen —

bevor Genf nicht bedingungslos kapituliert hat, indem es die Sanktionen fallen läßt.

Dieser These steht die englische entgegen, die klar und nüchtern besagt, daß an ein Verhandeln über eine Zurücknahme der Zwangsmaßnahmen gegen Italien überhaupt nicht zu denken ist, bevor Italien seinen militärischen Vormarsch nicht ein­gestellt hat. Es wird sich heute, spätestens jedoch in den nächsten Tagen, zeigen, ob diese beiden sich offen gegenüberstehenden Meinungen überhaupt noch einen Spielraum für Verhandlungen lassen.

Nach den Berichten aus London scheint die ent­scheidende britische Kabinettssitzung, die kurz vor der Abreise Edens stattgefunden hat, keine we­sentliche Veränderung in der britischen Haltung gebracht zu haben. Man nimmt daher an, daß die Instruktionen Edens dahin lauten werden, die bisherige Linie der britischen Völkerbundspolitik weiterzuverfolgen, also Zugeständnisse an Italien ausschließlich von einem vorherigen Einlenken Italiens selbst abhängig zu machen. Zweifellos

ist damit ein hartes Aufeinanderpral­len der Gegensätze unabwendbar geworden.

Ob es im Rat der Dreizehn allerdings zu ir­gendwelchen sensationellen Beschlüssen kommt, muß noch völlig dahingestellt bleiben, da ein iso­liertes Vorgehen Englands völlig außerhalb jeder Diskussion stehen dürfte und die ganze wei­tere Entwicklung daher von der Bereitschaft der anderen abhängt, das Risiko neuer Maßnahmen gegen Italien zu teilen. Allerdings verhehlt man wähl auf keiner Seite, daß die Belastungsprobe der Genfer Institution keine geringe sein wird. Die französische Initiative in der Rich­tung eines vermittelnden Ausgleichs scheint eben­falls schwächer geworden zu sein. Inwieweit die programmgemäße Durchführung der Eeneral- sta'bsbesprechungen hier lähmend gewirkt hat, mag dahingestellt bleiben. Feststehen dürste jedoch schon jetzt, daß die Genfer Belastungsprobe nicht zuletzt eine Belastungsprobe für Paris sein wird.

Kessle von den Italienern besetzt

Ne pbesstnier leisteten bei der kinnastme der Stadt nicht den geringsten widerstand

Rom, 16. April.

Das neueste Fronttelegramm Marschall Bado- glios hat folgenden Wortlaut: Unsere Truppen sind Mittwoch früh in Dessie einmarschiert.

Nach dem Funkspruch eines Kriegsbericht­erstatters in Asmara sind die italienischen Truppen in Dessie eingezogen, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Als erste zogen die Äsbo Galla ein, die die Nachhut des Negus- heeres in Eilmärschen verfolgt und bereits seit einigen Tagen vor den Toren Dessies gelagert hatten. Ihnen folgten die Askaritruppen, denen sich das erste Korps anschloß. Sofort nach dem Einzug wurde auf dem Ghibbi und auf dem ita­lienischen Konsulat die Trikolore gehißt.

Dessie, die Hauptstadt der Wollo Galla, ist in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hin­sicht einer der wichtigsten abessinischen Punkte. Von dort führt eine verhältnismäßig brauchbare Straße in einer Länge von 356 Kilo- metern nach Addis Abeba. Dessie ist nicht eine typisch abessinische Stadt, die nur aus Einaebo- renenhütten besteht, sondern sie besitzt viele Bau­ten nach europäischem Muster. Die Stadt hat in der abessinischen Geschichte oft eine bedeutende Rolle gespielt.

Der Vormarsch des linken italienischen Flügels, der zur Besetzung von Dessie führte, vollzog sich wie folgt: Am 5. April besetzte das Erste Korps

Quoram. Am 6. nahm die Zweite Askari- division Alomata, südlich von Quorum. Wäh­rend die Luftwaffe die flüchtenden Abessinier un­aufhörlich beunruhigte, wurden am 7. neue Stel­lungen ausgebaut Währenddessen hefteten sich die Galla-Stämme an die Fersen der Abessinier. Am 9. April begann das Askarikorps dann den Vormarsch auf Dessie und besetzte noch am Abend Kobbo. Die nächsten Tage waren von Eil­märschen ausgefüllt, und am 13. April wurde der Haik-See bei Dessie erreicht. Am 15. April vollzog sich dann der Einmarsch der vereinten italienischen Streitkräfte in Dessie.

Addis Abeba. 16. April.

Einige von der Nordfront eintreffende Gerüchte erwecken den Eindruck, als habe sich die Lage der abessinischen Streitkräfte in den letzten Tagen gebessert. In abessinischen Kreisen ist man der Meinung, daß die italienische Taktik, stärkere Abteilungen auf befahrbaren Straßen gewaltsam vorzutreiben, den abessinischen Streitkräfisn die

Möglichkeit gebe, wieder zu den Euerilla- Methodeii überzugehen. In einem dieser Be­richte wird die Besetzung Eondars durch die italienischen Truppen nur als vorüber­gehend bezeichnet. Noch vor Ostern soll es den AbessiNiern gelungen' sein/ die italienische Be­satzung -überraschend anzUgre i f e n und zu vernichten.

Nach anderen Meldungen hat die Armee des Kaisers in der Nacht zum Ostersonntag in Stärke von 26 666 Mann einen überraschenden Angriff auf das von 4686 Italienern besetzte ehemalige Hauptquartier des Kaisers, Quoram, unternom­men. Es soll dabei zu blutigen Kämpfen gekom­men sein. Die abessinischen Meldungen behaupten, daß 2086 Italiener gefangengenommen worden seien. Am Ostermontag habe man 2666 Italiener begraben, davon die Hälfte weiße Truppen. Die abessinischen Darstellungen verzeichnen nur ge­ringe Verluste auf feiten der Angreifer.

Von der Slldfront wird gemeldet, daß die Italiener südlich von Sassabaneh nach voran­gegangenem Gas-Bombardement zum Angriff vor­gegangen seien Der Angriff scheint ein Um­gehungsmanöver gegen die Armee des Generals Ras Nassibu darzustellen, da die italienischen Hauptkräfte auf beiden Flügeln besonders stark angreifen sollen.

Neue itattemsche rruppenlransporte

Rom, 16. April.

Nach den Lsterseiertagen sind wieder mehrere Truppentransporte nach Ostafrika abgegangen. Auf der „Lombardia" wurden 2609 Soldaten. 1500 Arheiter und Munition aller Art verschifft. Trotz der italienischen Waffenerfolge werden noch wei­tere Truppenentsendungen vorbereitet. In erster Linie werden jetzt Artillerieabteilungen nach Lstafrika geschickt So steht in den beiden norditalienischen Städten Ales» andria und Piacenza je eine Artilleriebatterie zur Aus­fahrt bereit. In Nola verabschiedete der Kron­prinz eine stärkere Artillerieabteilung, die dieser Tage die Ausreise antritt.

Nundsunkappell der Kaiserin von flbessinien

Addis Abeba, 16. April.

Die Kaiserin von Abessinien richtete am Diens­tagabend über den Kurzwellensender Addis Abeba einen Protest gegen den „italienischen Angriffs­

krieg" an die ganze Welt. Die Kaiserin, die in amharischer Sprache das Wort ergriff, erklärte u. a., sie spreche nicht nur als Kaiserin des abessi­nischen Reiches, sondern auch als Frau und Mutter. Sie wies darauf hin, daß Italien die internationalen Verträge nicht einhalte und durch Bombenabwürfe und Gaskrieg unschuldige Menschen töte, deren Leiden unermeßlich seien. Die Rede, die anschließend von der ältesten Toch­ter des Kaiserpaares übersetzt wurde, schloß mit der Aufforderung an die gesamte zivilisierte Welt und an den Völkerbund. Mittel und Wege zu finden, um den grausamen Krieg umgehend zu beendigen.

Mai-Programm für Senf

Genf, 16. April

Das Völkerbundssekretariat veröffentlicht die vorläufige Tagesordnung der am 11. Mai in Genf beginnenden 92. Ratstagung. Neben den üblichen Verwaltungsangelegenheiten sind fol­gende Verkandlungsgegenstände in Aussicht ge­nommen: Gegenseitiger Earantievertrag zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, England und Italien, abgeschlossen in Locarno am 16. Ok­tober 1925. ferner der Auftrag des Völkerbunds­kommissars in der Freien Stadt Danzig und der Streit zwischen Italien und Abessi­nien.

Mater verschlossenen luren

London, 16. April

Die gemeinsamen Generalstabsbesprechungen zwischen England, Frankreich und Belgien wur­den am Mittwochvormittag im Gebäude der bri­tischen Admiralität durch den englischen Vize­admiral James eröffnet. Je nach dem Beratungs- stoff werden die späteren Sitzungen abwechselnd im Kriegsministerium, im Lustfahrtministerium und in der Admiralität stattfinden. Die Eene- ralstabsbesprechungen sind geheim.

Der „Evening News" berichtet, daß der Rah­men der Besprechungen begrenzt sei, und daß das britische Kabinett ein genaues Programm vor­bereitet habe. Trotz der Versicherungen über einen begrenzten Charakter der Stabsbesprechungen herrsche aber nicht unbeträchtliche Besorgnis hin­sichtlich der Folgen, die diese Besprechungen unter Umständen haben könnten.

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vis Intei-v^euAebiete am ades-uni^be» Tanaseo. Unsere Karts von Ostakriks vsranseksulidit äis Uags äss jet/.t von övn ltalisnsrn eroberten Tanassos. Snxlanä ist bekannt!icb am Tanasss öeskalb so bssonäsrs interessiert, weil äissss IVasssrbeoksn mit seinen kruobtbarsn /1blagsrun<-sn äsn Lianen diil speist unä äsn anglo-ägvptiselisn Srulan unä einen Teil /legz-ptens mit IVasssr. versorgt, ksekts: Kin Lilä vom Tanssss.

Sie Vardanellen-srage

Zum Vorstoß der Nikkei gegen die knlmilitaristerung der Meerengen

K. ktü. Die Auseinandersetzungen im italienisch- abessinischen Konflikt und im Zusammenhang da­mit die strategischen Vorgänge im Mittelmeer haben die Türkei veranlaßt, ihrerseits in Genf eine Frage von gleichfalls weltpolitischer Bedeu­tung aufzurollen: den Anspruch auf Wieder- befestigung der Dardanellen. Die Zwangsläufigkeit der flottenpolitischen Entwick­lung in der Nordostecke des Mittelmeeres scheint allerdings die Entscheidung bereits vorweggenom­men zu haben, spricht doch die türkische Regie­rung in ihrer Note an den Völkerbund von ihrer Verantwortung, zur Sicherheit ihres Gebietes die Maßnahmen zu treffen, „die durch die gebiete­rische Notwendigkeit der Umstände gefordert werden".

Eine Dardanellenfrage gibt es, wie man weiß, nicht erst seit dem Abschluß des Lausanner Meer- engen-Abkommens vom Jahre 1923, das der Tür­kei die Entmilitarisierung der Dardanellen-Ufer, des Bosporus und der nördlichen Küste des Marmara-Meeres auferlegte. Das Problem der Dardanellen beschäftigte bereits Jahrzehnte vor dem Weltkrieg mehr als einmal die europäischen Staatsmänner. Fast während des ganzen 19. Jahr­hunderts war die machtpolitische Beherrschung der Meerengen ein Schlüssel nicht so sehr in der Hand seines Besitzers, der Türkei, sondern Eng­lands — ein Schlüssel zur Sicherung der britischen Flottenvorherrschaft im östlichen Mittelmeer. Den Flotten-

streitkrästen Rußlands, der stärksten llfermacht des Schwarzen Meeres, war lange Zeit das Passieren der Dardanellen völlig versagt, wobei nicht nur die in internationalen Abmachungen verfügre Sperrung der Meerengen, sondern vor allem ihre in britischem Interesse erfolgte Befestigung eine Rolle spielte. Die verän­derten militärischen und wirtschaftlichen Verhält­nisse bei Abschluß des Weltkrieges ließen Eng­land plötzlich die Entfestigung der Darda­nellen und die Proklamation des freien Durchfahrtsrechtes für die Erreichung sei­ner flottenpolitischen Ziele nützlicher erscheinen. So wurden denn der Schiffahrt die Tore weit geöffnet und die Festungsanlagen (die ihre Probe im Weltkriege glänzend bestanden hatten) dem Erdboden gleichgemacht. Für den Fall, daß die Freiheil der Schiffahrt und die Sicherheit der entmilitarisierten Gebiete durch einen unver­muteten Angriff oder irgendeine Kriegshandlung gefährdet werden sollten, wurden England, Frankreich. Italien und Japan als Garantie- mächte eingesetzt. Recht illusorisch wurde diese Garantie freilich durch die Bestimmung, daß die genannten Mächte lediglich die vom Völker­bund zu fassenden Beschlüsse auszuführen hätten.

Die Revisionsbemühungen der Tür­kei, die sich seit der „Neutralisierung" der Dar­danellen in immer stärkerem Maße in ihrer nationalen Sicherheit bedroht fühlt, datieren vom Tage der mehr oder weniger unfreiwilligen Un­terzeichnung des Lausanner Abkommens an. „Die Entmilitarisierung der Meerenge ist gleichbedeuz tend mit der Wehrlosmachung der türkischen Hauptstadt Konstantinopel, des Marmara-Meeres und des östlichen Thraziens" — so erklärte 1923 der Führer der türkischen Abordnung, Jsmet Pascha, von Sowjetrußland übrigens lebhaft un­terstützt. Nach dem Eintritt der Türkei in den Völkerbund, 1933, forderte Ankara die Wieder-