Ausgabe 
(9.1.1936) Nr. 9
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parteiamtliche ^geszeitung

Nachnchtenblatt der Deutschen flrbeitsstont Vremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblatt des Senats der Zreien kjansestadt Vremen

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Nr. S / 5. Jahrgang

Vonnerstag, S. Januar

kinzelpreis 15 Npf.

Neue floltenbewegung im Mlttelmeer

krliebliche britische Verstärkungen / vedeutsame flktioität auch auf französischer Seite

Unser lagesspiegel

An der floltenbewegung im Mittelmeer be­teiligt sich nunmehr auch die französische Admiralität.

In Rom spricht man von der Wahrscheinlich­keit eines Rücktritts Suvichs.

In Ost-Sibirien soll es zu antirussische» Aus­ständen gekommen sein.

In Südamerika ist die Bildung einer Ein­heitsfront gegen den Bolschewismus in Vor­bereitung.

Bei schweren Streikunruhen in Buenos Aires wurden fünf Personen getötet.

Die Zahl der Rundsunkhörer in Deutschland ist aus über 7 Millionen angestiegen.

Reichslustsahrtminister Eöring wurde Ehren- Flugkapitä« der Lust-Hansa.

Nach Entfernung der Gerüste zeigt sich das Haus der Kunst in München als ein monu­mentales neues Bauwerk deutschen Stils.

Zum nächsten Reichshandwerkstag in Frank­furt a. Mai» wird jede Handwerks-Kreis- Letriebsgemeinschast eine Fahne stellen.

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erschlossen hinter dem sichrer

Treuetelegramm der Schriftleiter Weser-Ems an Adolf Hitler

Bad Essen. 9. Januar.

Von der dreitägigen Arbeitstagung der Hauptfchriftleiter des Gaues Weser-Ems auf der Gausührerschule in Bad Essen wurde fol­gendes Treuetelegramm an den Führer ge­sandt:

„Die Schriftleiter des Gaues Weser-Ems stehen mit ihrem Gauleiter in geschlossener Front hinter dem Führer im Kamps um das neue Deutschland. Von der dreitägigen Ar­beitstagung aller Hauptschristleiter in der Gausührerschule in Bad Essen unserem Füh­rer das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue.

Schulze, Landesstellenleiter."

Sörins kkrenflugkapitan

Berlin, 9. Januar

Einer Anregung des fliegenden Personais der Lufthansa folgend hat die Deutsche Lufthansa am

8. Januar aus Anlaß der Zehnjahresfeier Reichs­luftfahrtminister Eöring, Staatssekretär Milch und den Direktor der Lufthansa Frei­herr» von Gab lenz in Dankbarkeit für dre g ästete Aufbauarbeit in der Handelsluftfahrt gebeten, den Titel eines Ehrenflugkapitäns der Deutschen Lufthansa anzunehmen. Dieser Bitte haben die Herren, die persönlich ihre Flugzeuge führen, entsprochen. Sie werden Vertreter des fliegenden Personals zwecks Ileberreichung der Diplome und der Ehrennadeln empfangen.

Nechlsschutz der Versicherten

Neuregelung der Vertretung gegenüber den Dienststellen der Reichsanstalt

Berlin, 9. Januar.

Durch die Vierte Verordnung zur Durchfüh­rung des Gesetzes über Ehrenämter in der sozia­len'Versicherung und der Reichsversorgung vom

9. September 1935 hatte der Reichsarbeitsmrmster die Vertretung gegenüber Versicherungsträgern und Versicherungsbehörden den Anschauungen des neuen Staates entsprechend neu geregelt. Diese Regelung ist am 1. Januar 1936 in Kraft ge­treten. Zur Vertretung der Versicherten sind jetzt in erster Linie die Rechtsberatungs- st eilen der Deutschen Arbeitsfront berufen. Neben diesen können Rechtsanwälte, nahe Angehörige und Betriebsführer für ihre Ee- folgschaftsmitglieder als Bevollmächtigte auftre­ten. Nur dann, wenn eine Prozeßpartei- sich nicht durch einen nach diesen Vorschriften zur Vertre­tung Berechtigten vertreten lassen kann und ein dringendes Bedürfnis für eine anderweitige Ver­tretung besteht, kann der Versicherungsträger oder die Versicherungsbehörde eine solche ander­weitige Vertretung auf Antrag im Einzelfall zu­lassen.

Durch eine Verordnung vom 31. Dezember 1935 hat nunmehr der Reichsarbeitsminister angeord­net, daß diele Vorschriften auch für die Vertre­tung gegenüber den Dienststellen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenvergche- rung, den Spruchausschüssen der Arbeitsämter, den Spruchkammern für Arbeitslosenversicherung und dem Spruchsenat für die Arbeitslosenversiche­rung gelten. Auch hier ist die Neuregelung am 1. Januar 1936 in Kraft getreten. Auf Verfahren, die an diesem Tage bereits anhängig waren, findet sie jedoch keine Anwendung, solange sie bei derselben Stelle schweben.

Der Ltabschcs bei den Kruppen Hochland und Sach­sen. Am Sonnabend und Sonntag, 18. und 19. Januar, wird der Stabschef die SA.-Gruppe Hochland, und am 25. und 26. Januar die Gruppe Sachsen besichtigen.

(llüxsnvr Lerivbt äsr „Srswsr Leitung")

R. Paris, 9. Januar.

Im Mlttelmeer sind neue, diesmal rein mili­tärische Kräfteverschiebungen im Gange, die unter Umständen allergrößte Bedeutung für die nächste Zukunft haben. Nach einer offiziellen Meldung der britischen Admiralität werden die zurzeit in Gibraltar stationierten Einheiten der sogenannten „Howsüsst" nach England zurückkehren. Zu ihnen gehört die „Hood", das größte Schlachtschiff der Welt, ferner das Schlachtschiff „Ramillies" sowie die modernen Kreuzer „Orion" und „Neptuns". Dafür treten ab sofort neue, wesentlich stär- kere Einheiten der „Rowsklsst" „die nor­male Frühlingsfahrt" an, die sie, wie bisher fest­steht, an der portugiesischen und spanischen Küste

entlang nach Gibraltar oder doch in un­mittelbare Nähe Gibraltars führt. Zu diesen Einheiten gehören neben den modernen britischen Begleitschiffen die beiden großen Schlachtschiffe „Nelson" und „Rodney", die bekanntlich die stärk­sten Schlachtschiffe der Welt überhaupt sind. Außerdem ist der Flugzeugträger „Furious" so­wie der Kreuzer „Kairo" unterwegs.

Es ist kaum ein Zweifel möglich, daß in dieser Auswechslung der britischen Verbände praktisch nur eine außerordentliche Verstär­kung der englischen Flotte im Mittelmeer zu erblicken ist.

Eine ebenso große Bedeutung darf daneben den ebenfalls offiziell mitgeteilten Manövern

verschiedener Einheiten der fran­zösischen Flotte beigemessen werden. So ist das erste Geschwader der in Toulon liegenden französischen Streitkräfte nach Korsika unterwegs, wo am 2V. Januar Flottenübungen stattfinden werden. Gleichzeitig hat die französische Admirali­tät „theoretische Flottenübungen" anbefohlen, zu denen sämtliche maßgebenden höheren Offiziere der Marine nach Paris beordert werden.

Der Durchführung der Manöver in der Nähe von Korsika kommt zweifellos eine gewisse demon­strative Bedeutung zu, die noch verstärkt wird durch gewisse Maßnahmen der französischen Admiralität in einigen wichtigen Flottenstütz­punkten am Mittelmeer. (Siehe auch S. 2.)

Wahrzeichen des neuen deutschen vaustils

Vas Kaus der Veutschen Kunst In München / Ausdruck einer neuen Kulturepoche

(Von äussrem LItioobsusr S.-8ouäsibsricbt^ srstuttvr

München, 9. Januar.

Wer heute vom Hofgarten oder auch von der Jsar her die Prinzregentenstraße in. München entlanggeht, bleibt plötzlich unwillkürlich wie ge­bannt stehen. Eine helleuchtende, mächtige Fassade zieht unwiderstehlich das Augenmerk auf sich. In herrlicher Reinheit und Klarheit bietst sich uns die Hauptfassade des Hauses der Deut­schen Kunst. Die edle Gliederung der Vor­derfront wird betont und hervorgehoben durch den Architrao, den zwei Eckpfeiler und zwanzig Säulein aus Kehlheimer Donaukalkstein tragen. Der breite Treppenaufgang dagegen, der ebenso wie der Sockel und die Terrasse auf der rückwär­tigen Parkseite aus Brandenburger Nagelfluh ge­schaffen wurde, wirkt ruhiger und gedämpfter.

Langsam und besinnlich nähern wir uns der ungeheuren Baustelle, bei der jedoch nunmehr die Arbeit vorwiegend ins Innere gewandert ist, nach­dem der Rohbau im wesentlichen steht. Die Erinnerung schweift zurück zum 15. Oktober 1933, zum Tag der Deutschen Kunst. Damals durften wir der feierlichen Grundsteinlegung die­ser Akropolis einer neuen deutschen Kunst bei­wohnen, die das Dritte Reich sich hier errichtet. Damals hörten wir aus dem Munde des Füh­rers den verheißungsvollen Satz, der gegen­wärtig herrlich in Erfüllung geht:

„Ich bin glücklich, diesen Tag in der Stadt er­leben zu dürfen, von der die große Bewegung des

deutsche» Volkes ihren Ausgang nahm, und ich bin glücklich, den Täg erleben zu dürfen, an dem von dieser Stadt aus eine neue Kultur ihre» Aus­gang nehmen wird."

So sprach der Führer in einer denkwürdigen Stunde, die allen Teilnehmern unvergeßlich blei­ben wird, und als Sinnbild und zur Bekräfti­gung solch hoher Verheißung zogen die schönen Künste am gleichen Tage durch die Straßen der Stadt in einem Festzug, der Zeugnis ablegte von neuem Kunstschöpfen und neuer Kunstgestn- nung im neuerstandenen Reich.

Gut zwei Jahre sind vergangen, seit wir uns hier unter den hohen Bäumen des Parkes auf grünem Rasen versammelten und die hölzernen Tribünen sich um den Grundstein im Wiesen- grund gruppierten. Dann versammelten wir uns wieder vor der Baustelle am 29. Juni 1935, um im Beisein des Führers in einem ernsten und würdigen Weiheakt Richtfest des gewaltigen Bauwerkes zu begehen.

Nun sind in diesen Tagen, zunächst an Ver Vor­derfront, die hohen Gerüste und die Zäune ge­fallen, die seither die edle Architektur, entstanden aus rein st er deutscher Baugesinnung, nicht zur Geltung kommen ließen. Wir stehen vor dem größten Ealeriegebäude der Stadt, vor einem würdigen Tempel der Kunst, den der Führer den seit dem Elaspalastbrand heimatlos gewordenen größten Kunstausstellungen gewidmet hat. Mit einer Länge von 175 Metern, einer Höhe von etwa 15 Metern und einer Tiefe von 75 Metern macht der stolze Bau einen überwälti­

genden Eindruck. Die Freitreppe an der Haupt- fassade in ihrer Breite von 123 Metern führt zum Haupteingang empor.

Wir wandeln durch die imponierende Kolonade des mächtigen. Architrävs mit ihren Rundsäulen und Eckpfeilern. Edelstesdeutsches Mater- ria l fand hier Verwendung. Erst nach einem Jahrhundert erkannte man drüben am König­lichen Platz, daß die teureren ausländischen Steine nicht so wetterbeständig sind wie das kräftigere deutsche Material, daß die klassizisti­schen Bauten am Königlichen Platz, daß Propy­läen, Elypothek und Staatsgalerie blind ge­worden sind an ihren Fassaden. Denn die Oxy­dation hat die obere Schicht der teuren ausländi­schen Steinarten und Marmore dunkel, trüb und hart wie Glas werden lassen. Versucht man aber, eine solche Fassade zu reinigen, dann springt die ganze obere Schicht ab und darunter stößt man auf einen weich gewordenen, sandigen Stein, der nicht mehr widerstandsfähig ist. Kein Architekt, kein Baumeister wagte sich bisher an das Problem der Erneuerung dieser klassizistischen Fassaden am Königlichen Platz heran und man beläßt not-

edrungen die Fronten in ihrem durch ein Jahr-

undert getrübten Aussehen.

Der edle deutsche Donaukalkstein dagegen, den das neue Reich bevorzugt und zu neuen Ehren bringt, der bei den Neubauten der Reichs­leitung ebenso wie hier beim Haus der Deut­schen Kunst Verwendung fand, behält sein frisches, hell leuchtendes Aussehen, zieht schon in weiter Ferne durch den freundlichen, hellgelben Ton alle Augen auf sich. (Fortsetzung auf Seite 2.)

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London und Kairo

Was geht in der südöstlichen Ecke des Mittel- meeres vor?

ll. Ali». Der italienisch-abefsinifche Konflikt, der nicht nur in Ostafrika so manchen Stein ins Rollen brachte, hat auch die ägyptische Frage uner- wartet in das grelle Licht der Weltpolitik gerückt. Es war nicht einmal die englandfeindliche Pro- paganda der 46 066 im Nil-Land ansässigen Jta- liener, die der ägyptischen UnabhängigkeitsLe- wegung weiteren Aufschwung gab, sondern Eng­land selbst hat hier den Ausschlag gegeben, indem es Aegypten innerhalb weniger Monate zu seinem militärischen Stützpunkt im östlichen Mittelmeer gemacht und damit nicht zuletzt den Widerstand der Wafd-Partei neu herausgefordert hat. Wer die Ee- schichte der britisch-ägyptischen Beziehungen kennt, wird sich indes nicht verleiten lassen, im Zusam- menhang mit den wiederholten Studenten­unruhen in Kairo bereits von einem zwei­ten Malta Englands", wie es in einer gewissen ausländischen Sensationspresse geschehen ist, zu sprechen. Vielmehr weiß der Eingeweihte, daß die Reihe der ernsten englisch-ägyptischen Zwischen- fälle bis in das Jahr 1882 zurückgeht.

Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Leiden Staaten erfolgte oft genug unter recht dramatischen Umständen. Hier ein Streifzug in die Vergangenheit: 1882 sah sich England genötigt, das früher von Konstantinopel aus regierte Nil-Land zum Schutze britischer finan- zieller Interessen kurzerhand militärisch zu besetzen. Das Bombardement von Alexandrien und die Nie- derlage der Aegypter bei Tel-el-Kebir leiteten die 46 Jahre dauernde Zeit der unbeschränkten britischen Herrschaft ein. In den ersten Monaten des Weltkrieges wurde Aegypten, als durch Einsetzung eines englandfreundlichen Sul­tans die Abtrennung von der Türkei auch staats- rechtlich besiegelt werden konnte, in aller Form britisches Protektorat. Der Aufstand von 1919, bei dem zahlreiche englische Soldaten ihr Leben lassen mußten, brachte dann die Dinge nach der anderen Richtung hin in Fluß. Die Form der Unabhängigkeit, die Aegypten 1922/23 erhielt, hat jedoch die Partei Nahas Paschas, die Wasds, kei­neswegs befriedigt. Die Nationalisten blieben um so eifriger in der Opposition, als Britannien die Souveränität Aegyptens nur unter Ginschrän- kungen bestätigte: Es behielt sich die Verteidi­gung Aegyptens gegen alle fremden Einmischun- gen sowie den Schutz nichtägyptischer Interessen am Nil vor und erklärte die Frage des Sudans zu einer „Angelegenheit, die dem Ermessen der Kö­niglich Britischen Regierung- überlassen werden müßte". Gegenüber diesen Einschränkungen fiel der grundsätzlichen Gewährung einer parlamenta- rischen Verfassung (zumal sie nach jahrelanger Ausschaltung erst in diesen Wochen wieder in Kraft getreten ist) eine untergeordnete Bedeu- tung zu.

Die Politik der ägyptischen Nationalisten läßt sich nach diesem knappen geschichtlichen Rückblick so charakterisieren: Man will aus dem nur theoretisch unabhängigen Staat den wirklich unabhän­gigen Staat gestalten. Dabei geht die Forderung, besonders auch die der Jungägypter unter dem rührigen Ahmad Hussein, auf Abschluß eines die Gleichberechtigung Aegyptens unterstreichenden Bündnisses mit England und die Beseitigung aller Sonderrechte der am Nil lebenden Ausländer. Be­zeichnend ist für diese Unabhängigkeitsbe- wegung, daß sich ihre Führer sehr wohl hüten, zur Erreichung ihrer Ziele mit Italienzu pak- tieren, so verfänglich die von Rom ausgehenden Lockungen auch sein mögen. Man wittert — die römische Besetzung im Altertum ist noch nicht ver­gessen — das „lateinische Imperium", und Ahmad Hussein hat seinem Mißtrauen gegenüber der ita­lienischen Propaganda deutlich genug Ausdruck ge- geben, als er nach seinem Aufenthalt'in Rom'er- klärte: „lins liegt nichts daran, von einem an­deren Staat beherrscht zu werden: wir wollen unsere Unabhängigkeit."

In diesen Tagen nun hat England sich durch sei­nen Oberkommissar zu Verhandlungen mit Aegyp-

ten auf der G r u n d I a g e d e s V e r t r a g s e n t-

wurfs von 1 9 36 bereiterklärt. Welche Ve- wandtnis hat es mit jenen Verhandlungen, die vor sechs Jahren zwischen dem damaligen eng­lischen Außenminister Henderson und Nahas Pas-Ha