parteiamtliche Lageszeitung
liachnchtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Dremen
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str. r; / 6. Jahrgang
Vonnersiag, 2Z. Januar
der Nationalsozialisten Dremens
flmtsbiatt des Senats der Zielen kjansestadt vremen
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kinzelpreis lS kps.
taval und sein Kabinett Mückgetreten
srankreichs Ministerpräsident mußte dem druck der kadikalso;ialisten weichen / verzweifelte Suche nach dem Nachfolger
Unssr Vagssspüsgsi
Der französische Ministerprästdent Laval ist zurückgetreten.
Auf mehreren Plätzen Londons fand die feierliche Proklamation anläßlich der Thronbesteigung Eduards VIII. statt.
Die italienischen Truppen haben die Stadt Negelli, 38V Kilometer von Dolo entfernt, erobert.
Der Danziger Senatspräsident Greiser wandte sich vor dem Völkerbundsrat gegen unberechtigte Vorwürfe.
Auf der jüngsten Reichs- und Gauleitertagung in München standen wichtige wirt- schastspolitische Fragen zur Beratung.
Gauleiter und Reichsstatthalter Rover erlägt einen Aufruf zur Mitarbeit im Reichsluftschutzbund.
Aus Anlaß der Erhöhung von Eisenbahn- gütertarifen ist eine Verordnung gegen Preissteigerungen erlassen worden.
Paris, 23. Januar.
Das am 7. Juni 1935 gebildete dritte Kabinett Laval ist gestern nachmittag zurückgetreten. Es war 7)4 Monate am Ruder.
Diesem Rücktritt der französischen Regierung, der nach den vorangegangenen Auseinandersetzungen in der Radikalsozialistischen Partei nicht überraschend kam, ging ein Kabinettsrat voraus, bei dessen Beginn Staatsminister Herriot, Handelsminister Vonnet, Handelsmarineminister Vertrand und Innenminister Paganon ihren Rücktritt er-
vier Minister zum Rücktritt veranlassen, unterrichtet das folgende Schreiben, das sie an Ministerpräsident Laval richteten: „Sie kennen die Entschließung des Vollzugsausschusses der Radikal- sozialistischen Partei über die von dem Kabinett befolgte Politik sowie seine Wünsche hinsichtlich des Abstimmungszwanges der radikalsozialistischen Kammerfraktion. In einem Gefühl der Treue zu unserer Partei und der Aufrichtigkeit Ihnen gegenüber glauben wir, politisch ehrlich zu handeln, indem wir Ihnen unseren Rücktritt aus der Regierung mitteilen. Es scheint uns in der Tat, daß wir Ihnen nicht mehr die unentbehrliche
Unterstützung unserer Freunde aufrechterhalten können, um Ihnen in der Kammer die sür jede Regierungstätigkeit notwendige Mehrheit zu gewährleisten zu der Stunde, in der sich uns so viele schwere Fragen stellen, die eine Lösung erfordern."
In einem Ministerrat erstattete Laval dem Präsidenten der Republik Bericht über die Ereignisse und sprach darauf den Gesamtrücktritt des Kabinetts aus, der vom Präsidenten angenommen wurde. Der Präsident bat die Kabinettsmitglieder, vorläufig die Geschäfte weiterzuführen.
(Siehe auch Seite 2)
klärt haben. Ueber die Gründe, die zunächst diese
Mitarbeit im " s s ' ist Pflicht
stufruf des öauletters und Nelchsstattstatters larl Növer an die Medersachsen und priesen Um Weser-kms-6ebiet
In Hastedt und Sebaldsbrück findet am 26. Januar ein Aufmarsch der Politischen Leiter und DAF.-Walter statt.
Für den Bürgerpark wurde zur Blutaus- srischung neues Damwild erworben.
Auf einem in Bremen liegenden amerikanischen Dampfer bestand Brandgefahr durch Selbstentzündung der Baumwolle.
Bei den Hallentennismeisterschaften wurde der Landry-Bezwinger A. Gerstel von Dr. Dessart (Hamburg) geschlagen.
UUMUMUWWUUUW
öeneral Lltzmanns 86. 6eburtstag
Glückwunschtelegramm des Führers
Berlin, 23. Januar
General Litzmann, der siegreiche Heerführer des Weltkrieges und greise Mitkämpfer des Führers, beging gestern aus seinem Gut in Neu- globsow (Mark) in aller Stille seinen 86. Geburtstag. Zahlreiche Glückwünsche von führenden Stellen der Partei, des Staates und der Wehrmacht sind dem „Sieger von Brzeziny" und alten treuen Nationalsozialisten zugegangen.
Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Rover erläßt folgenden Aufruf:
Parteigenossen! Volksgenossen und Volksgenossinnen! Kameraden!
LuftfchnHdienstPflicht fordert das NeichsluftschuHgeseh vom 26. Juni 1935. Llnser Führer Adolf Hitler hat damit die Notwendigkeit klargelegt, den zivilen Luftschutz als Ergänzung der Wehrpflicht und damit der Landesverteidigung auszubauen und zu fördern.
Das Luftschutzgesetz wendet sich an jeden deutschen Mann und an jede deutsche Frau; denn nur ein Volk in seiner Gesamtheit kann erfolgreiche Abwehr der Luftgefahr gewährleisten. Dem Reichsluftschuhbund ist vom Neichsminister der Luftfahrt — Hermann Göring — die Einrichtung des Selbstschutzes der Zivilbevölkerung übertragen worden. Mitarbeit im Reichsluftschutzbund ist deshalb für jeden Parteigenossen und jede Parteigenossin, für jeden SA- und SS-Kameraden und darüber hinaus für jeden Volksgenossen und für jede Volksgenossin höchste vaterländische Pflicht.
Ich erwarte, daß niemand sich dieser Pflicht entzieht!
gez. CarlRöver,
Gauleiter und Reichsstatthalter.
VanMer „fragen" vor dem Völkerbundsrat
Der Führer und Reichskanzler sandte General Litzmann folgenden Glückwunsch: „Lieber Parteigenosse General Litzmann! Zu Ihrem heutigen 86. Geburtstag sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche in der innigen Hoffnung, daß Sie noch recht oft diesen Tag in jenem Dritten Reich feiern mögen, für das Sie als unser alter Parteigenosse mitgekämpft haben.
Ihr herzlich ergebener Adolf Hitler."
Von der Münchener Reichs- und Gauleitertagung ging General Litzmann folgendes Telegramm zu: „Den Soldaten des Weltkrieges und alten Streiter für Führer und Bewegung grüßen die zur Arbeitstagung in München vereinigten Reichsleiter. Gauleiter und Amtslei.ter der NS- DAP. am Tage seines 86. Geburtstages herzlich.
(gez.) Rudolf Hetz."
kobinettsrülklritt in stoppten
Kairo, 23. Januar.
Das ägyptische Kabinett Nessim Pascha ist am Mittwoch zurückgetreten, um einem Kabinett der Einheitsfront Platz zn machen. Wie verlautet, hat der Führer der nationalistische» Wafd-Partei, Nabab Pascha, die Bildung der neuen Regierung abgelehnt.
Senatspriistdent 6reiser weist unberechtigte Vorwürfe zurück
Genf, 23. Januar.
Der Völkerbundsrat trat gestern in nichtöffentlicher Sitzung in die Behandlung der Danziger Fragen ein. Die Aussprache wurde eröffnet durch den englischen Außenminister Eden als Berichterstatter, der erklärte, er wolle im Augenblick nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern nur die allgemeine Lage würdigen.
Bei der Vorlegung seines letzten Berichtes über diesen Gegenstand habe er bereits darauf hingewiesen, daß die zur Erörterung stehenden Fragen sich erfreulicherweise nicht auf irgendwelche Meinungsverschiedenheiten zwischen Danzig und P o l en beziehen. Gleichzeitig sei es aber bedauerlich, daß der Rat sich wieder einmal mit der „Verletzung der Verfassung der Freien Stadt durch die Danziger Regierung" zu beschäftigen habe. Diese Verfassung sei unter die Garantie des Völkerbundes gestellt und der Rat sei verpflichtet, sie aufrechtzuerhalten. Wenn er, der Berichterstatter, jetzt von der außergewöhnlich ernsten gegenwärtigen Lage, soweit sie die Beziehungen zwischen Danzig und dem Völkerbund betreffe, spreche, so deshalb, weil seit seinem September-Bericht Ereignisse eingetreten seien, die Zweifel darüber aufkommen ließen, ob die Danziger Regierung diese
Kelchs- und öauleltettagung
Vetterlstn schärfster einst, ts der bewährten Kraft der Partei
München, 23. Januar.
Die Nationalsozialistische Parteirorrespondenz meldet: In München fand am Mittwoch unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Führers und in Anwesenheit sämtlicher Reichsleiter, Gauleiter und Amtsleiter der Reichsleitung die erste Eauleitertagung des vierten Jahres der nationalsozialistischen Revolution statt.
Der Vormittag stand im Zeichen einer wnfang- reichen und ins einzelne gehenden Aussprache üb eine Reihe aktueller innenpolitischer Tagesfragen. Vor dem Eintritt in die Beratungen gedachte der Stellvertreter des Führers in bewegten Worten des im letzten Jahr verstorbenen Gauleiters Hauptmann Loeper.
Bon den einzelne» Punkten der Tagesordnung in deren Mittelpunkt vor allem wirtschaftliche Fragen standen, fanden die mit der deutschen E - nährungslage zusammenhangenden Fragen besonderes Interesse. Es kam zum Ausdruck, daß die entstandenen vorübergehenden Verknappungen ihren wesentlichen Gru d in der ^rch den nationalsozialistischen Aufbau hervorgerufenen Ver-
besserung der Lebenshaltung von Millionen von Familien gehabt habe» und daß das Verständnis und die innere Haltung des deutschen Volkes in diesen Fragen vorbildlich gewesen seien.
Des weiteren wurden in eingehenden und fruchtbaren Erörterungen Anregungen für die weitere Fortführung der Arbeitsschlacht sowie Einzelfragen der Betreuung des deutschen Handwerks und Handels besprochen.
In der Tagung der Reichsleitor, die am Nachmittag im Braunen Haus stattfand, erstatteten die einzelnen Reichsleiter ausführlichen Bericht über die Lage und die Entwicklung ihres Tätigkeitsgebietes, wobei die erfreulichen Fortschritte der Parteiarbeit im abgelaufenen Jahr festgestellt, aber auch einzelne Schwierigkeiten, die hier und dort vorübergehend zu überwinden waren, einer offenen und aufmerksamen Prüfung unterzogen wurden.
Es kam dabei insbesondere der Wille zum Ausdruck, die bewährte Energie und weltanschauliche Kraft der Partei in der Aufwärtsentwicklung aus wirtschaftlichem und sozialem Gebiete weiterhin aufs schärfste zum Einsatz zu bringen.
Fragen tatsächlich mit gutem Willen und gutem Glauben behandle. Der Rat habe im September zuversichtlich damit rechnen können, daß seine Empfehlungen vollständig und aufrichtig von der Danziger Regierung ausgeführt werden. Der Danziger Senatspräsident habe selbst die Versicherung abgegeben, daß oer Senat entsprechende Maßnahmen treffen werde. Man habe damals hoffen können, daß der Rat keinen weiteren Anlaß haben werde, sich mit dem Verfassungsleben der Freien Stadt zu beschäftigen. Leider sei dies bei weitem nicht der Fall. Obwohl der Senat damit die von seinem Präsidenten im Mai abgegebenen Verpflichtungen verletzt habe, habe er beschlossen, in mancher Hinsicht die Empfehlungen des Rates nicht auszuführen. Weiterhin sei dieser Entschluß im Volkstag durch dessen Präsidenten in einer Rede ausgesprochen worden, deren Wirkung nur sein konnte, eine Atmosphäre der Feindschaft gegenüber dem Rat zu schaffen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung ergriff der französische Redner Leger das Wort, der in dem gleichen Sinne wie Eden sprach. Es sei eine Lage entstanden, die nicht länger andauern dürfe. Der Berichterstatter werde wahrscheinlich ein Programm aufstellen, auf Grund dessen der Danziger Senat endgültig seine Verantwortung übernehmen müsse.
Wesentlich anders klangen die Ausführungen des dänischen Außenministers Manch. Er sprach die Hoffnung aus, daß der Danziger Senat eine Befriedung der verschiedenen politischen Richtungen in Danzig herbeiführen und auf Grund der Aussprache sowie der früheren Beschlüsse des Völkerbundes eine ersprießliche Zusammenarbeit mit dem Völkerbundskommissariat herbeiführen werde.
Der polnische Außenminister Beck wies auf das besondere Interesse Polens hin, das nicht nur Ratsmitglied sei, sondern dem darüber hinaus die geltenden Verträge seine Lebensinteressen in Danzig sicherten.
Der polnische Außenminister erklärte, er wolle bei dieser Gelegenheit die Befriedigung seiner Regierung darüber aussprechen, wie die oft recht verwickelten Beziehungen zwischen Polen und der Freien Stadt in Zusammenarbeit mit dem Danziger Senat geregelt worden seien. Er habe die Ueberzeugung, daß der Senat gemäß den Erklärungen. die sein Präsident dem Rat und kürzlich gegenüber einem Vertreter der polnischen Regierung abgegeben habe, den gleichen guten Willen in seinen Beziehungen zum Völkerbund an den Tag legen werde.
Wie nicht anders zu erwarten, benutze der Vertreter der Sowjetunion — dem noch die Behandlung des Falles Uruguay bevorsteht — eifrig die
Gelegenheit, in der Rolle eines internationalen Sittenrichters aufzutreten. Litwinow sprach von einer Verkennung oder sogar Verletzung internationaler Verpflichtungen. Das Recht müsse eingehalten werden. Hoffentlich werde der Rat seinen Willen unmißverständlich zum Ausdruck bringen.
Der türkische Außenminister Rüschtü Aras schloß sich auÄrücklich den Erklärungen des dänischen Vertreters an.
Hierauf erhielt der Kommissar in Danzig, Lest er, das Wort. Er verwies auf die in seinem Bericht enthaltenen Angaben und betonte, daß er die Anwendung nationalsozialistischer Grundsätze, soweit sie nicht gegen die Verfassung verstoßen, durchaus gerechtfertigt finde.
In freier Rede sprach sodann der Danziger Senatspräsident Greiser. Er ging davon aus, daß aus den Erklärungen der Ratsmitglieder zwei Punkte hervorgehoben werden könnten. Es bestehe^erstens eine gewisse Angst darum, daß die Freie Stadt Danzig das Statut nicht anerkennen oder es verletzen wolle, und zweitens, daß in Danzig angeblich ein gewisser Mangel an gutem Willen hinsichtlich der Empfehlungen des Völkerbundsrates bestehe. Zu dem ersten Punkt erklärte Präsident Greiser, er könne im Namen des Senats feststellen, daß die Regierung der Freien Stadt Danzig niemals und in keiner Weise die Absicht habe, sich irgendwie gegen das Statut der Freien Stadt Danzig zu wenden. Er fügte dieser Erklärung hinzu, daß auch alle Befürchtungen in bezug auf die Stellung des Kommissars in Danzig unbegründet seien. Es habe in Danzig auch nicht an gutem Willen gefehlt. Von den sechs Empfehlungen des Völkerbundsrates habe der Danziger Senat vier ausgeführt. Die restlichen zwei seien nicht aus Mangel an gutem Willen unausgeführt geblieben, sondern, abgesehen von ihrer an sich geringen Bedeutung deshalb nicht, weil der höchste Danziger Gerichtshof in dieser Frage eine andere Stellung eingenommen habe als die Völterbundsjuristen.
Wenn die Unabhängigkeit Danzigs eine Tatsache sein solle, müsse auch die Achtung vor seinen richterlichen Einrichtungen gewährleistet sein. Die Danziger Bevölkerung blicke auf den Völkerbund als eine Einrichtung, die Gerechtigkeit und Frieden verkörpere. Dies seien auch die Ideale der Danziger Bevölkerung. Danzig sei zwölf Jahre lang das Pulverfaß Europas gewesen. Dieses Pulverfaß sei dank der nationalsozialistischen Regierung ausgeräumt worden. Der Danziger Senat habe die Friedensideale des Völkerbundes in die Tat umgesetzt.
Der Senatspräsident dankte dann dem polnischen Außenminister Beck, daß er diese Friedensaufgabe Danzigs anerkannt habe. ^
Nalloflgkeil in Paris
* Bremen, 23. Januar.
Die um Lavals Person sich nun schon länger als vier Monate hinziehende französische Kabinettskrise hat mit dem gestrigen Tage durch Lavals Rücktritt ihren Höhepunkt erreicht. Ohne der Kammer erst noch Gelegenheit zu geben, ihn zu stürzen, hat Laval sich freiwillig zum Rücktritt entschlossen und hat seine Gegner, die ihn seit vier Monaten von einer Verlegenheit in die andere hetzten und ihn von einer Kammerabstimmung zur anderen in immer neuem Bangen um eine knappe Regierungsmehrheit hielten, nunmehr gezwungen, Farbe zu bekennen, d. h. zu zeigen, wen und was sie eigentlich an Stelle Lavals und sei« Kabinett zu fetzen wünschen.
Und siehe, schon zeigt sich, daß sie dies nicht wissen. Ein Schauspiel echt demokratischer Art spielt sich damit jetzt in Paris ab, wo sofort nach Lavals Rücktritt beim Staatspräsidenten Lebrun die Besprechungen um die Regierungsnachfolge einsetzten, aber keine richtigen Entschlüsse gefaßt
wer wird Sieger bei den olympischen Winterspielen?
Wir veröffentliche» heute die offizielle Teilnehmerliste sür die IV. Olympische» Winterspiele
werden konnten, weil ja bei der Nachfolge Lavals es ebensowenig wie bei seinem Sturze um reine Sachlichkeit, sondern vielmehr um Parteien- und Wahltaktik ging. Die Wahlen, die vor der Türe stehen, beeinflußten seit vier Monaten schon die Schachzüge der Parteien der Linken, vor allem der Raditalsozialistischen Partei, und sie beeinflussen erst recht nunmehr alle Erwägungen, die auf einen Ersatz Lavals und seines Kabinetts hinzielen.
Herriot, der seit dem Parteitag der Radikalsozialisten gerade im Hinblick auf die Wahlen ganz merkwürdige Wege gegangen ist, indem er zuerst den Parteivorsitz niederlegte, angeblich um in der Regierung bleiben zu können, vor kurzem aber auch sich entschloß, aus der Regierung auszuscheiden, vermutlich, um wieder den Parteivorsitz einzunehmen, möchte begreiflicherweise keinesfalls vor den Wahlen in Frankreich eine Regierung bilden, da jede Regierung, die heute in Paris gebildet wird, immer nur den Charakter einer Uebergangsregierung haben kann und nach den Wahlen ohnehin von einer neuen Regierung abgelöst werden muß.
Aus den gleichen Gründen wie Herriot bedanken sich vermutlich Daladier und Chautemps, die beiden anderen Männer der sogenannten Volksfront, im Augenblick eine Regierung zu bilden und die darüber in Paris herrschende Ratlosigkeit kann sehr leicht zu einer ganz scharfen Mißstimmung unter den Wählern selbst führen, die ohnehin im letzten Jahre den Parlamentarismus längst nicht mehr so wie vorher als ein unantastbares Regierungssystem ansehen. So kann es wohl kommen, daß trotz der Abneigung der Linken (die das Kabinett Laval zur Strecke brachte), am Ende doch noch der Wunsch der Rechten, Laval neuerdings die Regierung bilden zu lassen, sich erfüllt.
Laval aber, der immerhin mit Hilfe der ihm bei seinem Kabinettsantritt vom Parlament erteilten Vollmachten in mancher Beziehung auf erfolgreiche Arbeit seines Kabinetts zurückblicken kann — es gelang ihm, wie er selbst hervorhebt, das weitere Sinken des Franken zu verhüten und den Staatshaushalt um wesentliche Aus- gabensummen zu vermindern — schaut im Augenblick mit einer inneren Befriedigung auf die ernstlichen Schwierigkeiten, die seinen Gegnern durch den von ihnen betriebenen Kabinettssturz erwachsen sind, und wird seine innenpolitischen Erfolge ebenso wie übrigens auch seine immerhin geschickte Außenpolitik im kommenden Wahlfeldzug zu seinen Gunsten bei den Wählern anführen können. Gleichzeitig aber kann er auf die Unmöglichkeit eines Verfahrens der Gegner hinweisen, das Frankreich ohne innere Notwendigkeit in eine Kabinettskrise stürzte.
Die Beweisführungen Lavals vor seinen Wählern werden keinesfalls zur Mehrung des Ansehens des parlamentarischen Systems in Frankreich beitragen, und wie immer das Uebergangs-