Ausgabe 
(21.1.1936) Nr. 21
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parteiamtliche Tageszeitung

Hachnchtenblatt der Deutschen Arbeitsfront Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

flmtsblatt des Senats der Zreien fjansestaüt Vremen

Montag?). Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. SO Rps Zustellunasaebiihr^ Ächten HamW ausschl. Postb-st-Ilgeld. De? Bezugspreis ist im voraus zu

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Nr. 21 / 6. Zalirgang

MensSag, 21. Januar

kinzelpreis 15 6pf.

König öeorg von kngland gestorben

Letzter Kronrat beim britischen Herrscher / kduard fllbert unmittelbarer Nachfolger seines Vaters

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vklL. London, 21. Januar. Georg V., König von Großbritannien und Irland. Kaiser von Indien, ist am Montag, 28.58 Uhr englischer Zeit, auf Schloß Sand- ringham im 71. Lebensjahr nach einer Re­gierungszeit von 25 Jahren und 8 Monaten sanft entschlafen.

s Durch die englische Verfassung wird be­stimmt, daß der bisherige Prinz von Wales mit dem Tod seines Vaters unmittel­bar König wird. Seit den Tagen Hein­rich VIIl. wird der Thronerbe unmittelbar nach dem Tode des Königs versassungsgemätz sein Nachfolger. Der bisherige Prinz von Wales wird als König den Namen Edu­ard VIII. führen.

Vor der Verschlimmerung seines Zustandes hatte der König am Montag den vorgesehenen Kronrat in seinem Krankenzimmer abgehalten. Die Türen des Raumes neben dem Krankenzimmer des Kö-

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Stabschef Lutze «eilte zu kurzem Aufenthalt in Bremen.

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Am Montagabend verstarb auf Schloß Sand- ringham König Georg V. von England.

Der Rücktritt des französischen Ministerpräsi­denten Laval wird morgen erwartet.

Fürst Starhemberg wandte sich in einer selt­samen Rede gegen eine Volksabstimmung in Oesterreich.

Die deutsche Erdölförderung erfuhr 1935 gegenüber 1934 eine Steigerung von 38,6 v. H.

Der Kommandierende General unseres X. Ar­meekorps wurde zum General der Kavallerie ernannt.

Gestern gelangten die ersten Ehrenurkunden sür Freikorpskämpfer in Bremen zur Aus­teilung.

SS.-Abfchnitt XIV. hielt eine Schulungs­tagung seiner Führer in Verden ab.

Staatssekretär Psundtner berichtete in Gar- misch-Partenkirchen über den Abschluß der Vorbereitungen für die IV. Olympischen Winterspiele.

In Bremen wurden gestern die 21. inter­nationalen Deutschen Hallentennismeister- schasten eröffnet.

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nigs wurden weit geöffnet. Der König war in der Lage, vom Bett aus den Vorgängen zu folgen. Auch der Leibarzt des Königs, Lord Dawson of Peen, nahm an der Sitzung teil. Nach den üblichen Förmlichkeiten wurden dem König die Staats- Pipiere zur Unterzeichnung vorgelegt, die die E i n- setzung desStaatsra ts vorsehen. Der Leib­arzt nahm die Papiere und brachte sie dem König zur Unterschrift. Nach dem kurzen Kronrat ver- ließen die drei Mitglieder der Regierung mit dem .Sekretär des Geheimen Rats Sir M, Hankey das 'Zimmer und nahmen ihr Mittagsmahl zusammen .ANit der Königin ein. Die Minister kehrten hierauf nach London zurück,

. An dem Kronrat nahm auch der Erzbischof von Canterbury teil, dagegen war der Prinz von Wales nicht zugegen. Er hatte sich tm Flugzeug von London nach Sandringham begeben. Ueber die Sitzung des Kronrates wunde amtlich fol­gendes mitgeteilt: Seine Majestät der König er­

nannte auf einem Kronrat in Sandringham fol­gende Staatsräte: .Ihre Majestät die Königin, den Prinzen von Wales, den Herzog von York, den Herzog von Eloucester und den Herzog von Kent."

Der englische Thronfolger hat folgendes Tele­gramm an die in England weilende deutsche Frontkämpferabordnung gesandt: ...Seine könig­liche Hoheit der Prinz von Wales empfindet tief den Gruß der deutschen Frontkämpferabordnung bei ihrer Ankunft in England und dankt für ihre Anteilnahme an der Krankheit des Königs. Seine königliche Hoheit wünscht der Abordnung besten Erfolg."

Die Wendung in dem Befinden des Königs, die das Schlimmste befürchten läßt, ist nach den letzten Berichten am späten Nachmittag des Mon­tags eingetreten. Sie wurde durch die Aerzte kurz nach der Aussage der Nachmittags-Verlaut- barung festgestellt. Die Aerzte mußten erkennen, daß jede Hoffnung auf eine Wieder- erholung des Königs aufgegeben werden mußte. Der König ist bereits in den letzten Ta­gen nur noch bei halbem Bewußtsein gewesen. Er war jedoch noch Montag nachmittag in der Lage, die Königin wiederzuerkennen und grüßte seine Kinder mit einem erkennenden Lächeln, als sie sein Krankenzimmer betraten.

Durch den Tod des englischen Königs sieht sich das britische Volk in tiefe Nationaltrauer versetzt. Das deutsche Volk nimmt daran ehrlichen Anteil, und das um so mehr, als es weiß, wie des Ver­

ven verstorbene llönix lteorA V. storbenen Königs vornehme und edle Natur und nicht zuletzt sein schlichtes, menschenfreundliches Wesen ihn bei seinem Volke überaus beliebt hat werden lassen,

Als zweiter Sohn Edwards VII. zu London am 3. Juni 1865 geboren, war er durch den Tod seines älteren Bruders, des Herzogs von Lla- rence, der Thronerbe geworden und hatte am 6. Mai 1910 den Thron des britischen Impe­riums eingenommen. Streng konstitutionell die Verfassung des britischen Reiches achtend, nahm er an dessen Neuwahlen sehr regen und mitunter entscheidenden Anteil. Seine Stellung als Mon­arch erhielt eine ganz besondere Bedeutung da­durch, daß sich während seiner Regierung die Do­minien sowie der junge irische Freistaat die volle Gleichberechtigung mit dem Mutterlande erwar­ben und somit, nur noch durch die gemeinsame Krone mit England verbunden, der Wille und Einfluß des Königs die einzige staatsrechtliche Einheit zwischen diesen Teilen des britischen Reiches bildet.

Dem verstorbenen König auf den Thron folgt nun sein ältester Sohn, Prinz Edward Albert von Wales, der heute schon in England eine Volkstümlichkeit besitzt, aus der sich vermuten läßt, daß die künftigen Beziehungen zwischen dem eng­lischen Volk und seinem neuen König nicht weniger herzlich als die bei dem jetzt verstorbenen Herrscher sein werden.

Das deutsche Volk fühlt mit dem englischen die Schwere des England betroffenen Verlustes, emp­findet aber auch gleichzeitig mit ihm den Trost, daß in des Verstorbenen Sohn dem englischen Volk ein würdiger Nachfolger als Herrscher auf den Thron folgt. 0.

Starßembergs singst vor der Volksabstimmung

kingesländnis der Schwäche des „System SoUsuß": „wir können nicht mit den Nationalsozialisten konkurrieren!"

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Xronprinr kläunrä Albert, vi-inr von ^Vslss Lobsrl Liläsräisvst (2) - L.

Wien, 21. Januar.

Die „Vaterländische Front" Oesterreichs hat in Wien am Sonntag einen Funktionärappell abge­halten, bei dem Bundeskanzler Dr. 2 chuschnigg und Vizekanzler Fürst Starhemberg ge­sprochen haben. Am Tage vorher hielt die Vater­ländische Front eine Pressekonferenz ab, auf der Vizekanzler Fürst Starhemberg den Zweck des Funktionärappells behandelte. Er wandte sich gegen die Auffassung, daß es im heutigen Oester­reich zwei miteinander um die Vormacht ringende Richtungen gebe, die Richtung Schuschniggs und die Richtung Starhembergs. Allerdings bestünden in­nerhalb der Vaterländischen Front verschieden­artige Auffassungen über viele Probleme des öffentlichen Lebens.

Starhemberg wandte sich seiner gegen Sie Ge­rüchte, daß er nach dem Thron ober der Rcichsver- weserschaft in Oesterreich strebe. Eine M onarchie in Oesterreich sei nur möglich, wenn sie dem historisch-traditionellen Denken entspreche. Es sei aber falsch, daß man nun etwa am Vorabend der Ausrufung der Monarchie stehe. Kaiser Otto werde sich niemals unter solcher Voraussetzung ausrufen lassen, da er bestimmt keinerlei Erschütterungen der Ruhe Europas heraufbeschwören wolle und eine Monarchie in Oesterreich fest in ver Gesamt­heit des österreichischen Volkes verwurzelt sein müsse. ^

Starhemberg begründete dann den Tota1 1 - tätsanspruch der Vaterländischen Front. Er werde mit allen Mitteln danach streben, daß sämt­liche Posten des öffentlichen Lebens ausnahmslos, und möge es sich auch um die scheinbar bedeutungs- losesten Posten, beispielsweise eines Vereinsvor- standes in irgendeinem kleinen Orte, handeln, von Österreichern, die bewußte Österreicher sind, be- setzt würden. .

Auf eine Frage, wie stark die kommende Miliz sein werde, antwortete Fürst Starhemberg, es würden alle Mitglieder der Wehrverbände, so­weit sie physisch und sittlich einwandfrei wären, in die Miliz übernommen werden. Auf eine weitere Frage, was an den Gs-üchten über eine bevorstehende Volksabstimmung wahr wäre, er­widerte Fürst Starhemberg:

„Eine Volksabstimmung komme in abseh­barer Zeit in Oesterreich nicht in Frage. Wohl werde erwogen, im Rahmen der stän­dischen Körperschaften nach Möglichkeit dem Gedanken der Wahlen Rechnung zu tragen. An sich tonne Oesterreich eine Volksabstim­mung wohl abhalten, wenn es die Garantie bätte, daß diese unbeeinslutzbar sei. Eine Abstimmung sei aber Sache der Propaganda, und diese hänge ab von den zur Verfügung stehenden Mitteln. In dieser Hinsicht sei Oesterreich nicht in der Lage. in Konkurrenz zu treten mit den Mitteln, die den Natio­nalsozialisten zur Verfügung ständen."

Auf dem Funktionärappell am Sonntag sprach zunächst Bundeskanzler Dr. «chuschnigg, der betonte, daß Oesterreich den Dollfußkurs unabänderlich weiterfübren werde. Auch er er­wähnte, daß man in der letzten Zeit in Oester­reich versuche, für eine Volksabstimmung Propa­

ganda zu machen. Je mehr man aber glaube, die Regierung zwingen zu können, desto später werde die Volksabstimmung durchgeführt werden. Zu seiner Präger Reise erklärte Dr. Schusch- nigg, daß er sich freue, feststellen zu können, daß Oesterreich begründete Aussicht habe, durch Ver­tiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten, zu denen bisher nicht die nötige Fühlung bestanden habe, einen Fortschritt in der Konsolidierung des Landes zu machen.

Die Ausführungen des Vizekanzlers Fürst Starhemberg, der als Bundesführer der Vaterländische» Front sprach, bewegten sich im wesentlichen in dem gleichen Sinne, in dem er be­reits zur Presse gesprochen hatte.

Er erklärte einleitend, daß ein freies und unabhängiges Oesterreich im Sinne der gött­lichen Weltordnung liege. Einen Anschluß Oesterreichs an Deutschland, einen Zusammcn- schlns- Oesterreichs mit deutschen Stämmen i» der Form, daß Oesterreich in ein Miralisti- schcs Reich eingegliedert würde, lehne er ab.

Der Kampf gegen die Anschluß-Ideologie sei ein Hauptprogrammpunkt der Vaterländischen Front Wenn er die Theorie bekämpfe, daß Oester­reich ein widerrechtlich abae:rennter Teil des Deutschen Reiches iei. da Oesterreich nicht eine Provinz von Eroß-Deutschland werden dürfe, so schließe diese Auffassung ein Bekenntnis zu einem gesunden deutschen Denken nicht aus. Ge­rade weil er und seine Freunde gute Deutsche seien, wollten sie im Sinne der österreichischen Vergangenheit den Weg in die Zukunft gestalten. Wenn es Leute in Oesterreich gebe, die behaup­ten, daß der Anschluß an das heutige

Deutschland vereinbar sei mit einem richtigen und ehrlichen Be­kenntnis zum Vaterland, so sage er, das sei Schwindel und Betrüg.

Zum innenpolitischen Kurs erklärte Fürst Starhemberg: „Radikaler, systematischer und

hartnäckiger als bisher wollen wir den Kampf gegen versteckte und offene Feinde des vater­ländischen Gedankens führen. Nicht nur die öffentlichen Angestellten, nicht nur die Beamten und Angehörigen der bewaffneten Macht müssen vaterländisch denken und verlieren das Rechts öffentliche Funktionen auszuüben, wenn sie nicht bewußt und erprobt vaterländisch sind, sondern auch in der Wirtschaft haben Vaterlandsfeinde nicht mehr das Recht, aus der österreichischen Volkswirtschaft zu leben. Wir sind entschlossen, härter und gröber als bisher zuzufassen."

Zum vaterländischen Gedanken übergehend, führte Fürst Starhemberg aus, daß eine gesunde monarchistische Propaganda absolut in der Rich­tung des vaterländischen Gedankens liege. Er könne sich vorstellen, daß einmal der Zeitpunkt komme, wo die Begriffe Habsburg und Oester­reich wieder zu beider Gluck und Aufblühen zu­sammenkämen, nicht nur zn Nutz und Frommen Oesterreichs, sondern zum Heile ganz Europas.

Er wandte sich dann gegen die Art, mit der die nationale Propaganda in Oesterreich früher den Habsburgischen Gedanken beseitigt habe. Von die­ser Seite sei erklärt worden, Habsburg sei ein degeneriertes, undeutsches Herrscherhaus und deshalb abzulehnen. Diese verlogene Legendenbildung über'das Haus Habs­burg werde er bekämpfen, weil die Schaffung die­ser Legenden Oesterreich schade.

Der MkerbunSsrat tagt

Nunösunk im Dienste des sriedens / Neform der 6eschichrsbücher

Eenf, 21. Januar.

Der Bölkerbundsrat hat gestern seine 90. Ta­gung mit der üblichen nichtöffentlichen Sitzung begonnen Die dem Rat angehörenden Länder haben ihre Haupivertreler, also vor allem Laval (Frankreich). Eden (England), Aloist (Italien) und Litwinow (Sowjet-Rußland) zur Tagung ent­sandt

Aus Grund eines von dem französischen Mini­sterpräsidenten Laval erstatteten Berichts beschloß der Rat die Einberufung einer internationalen Konferenz, die im September 1936 in Genf zu­sammentreten und ein internationales Abkommen über die Verwendung des Rundfunks im Interesse des Friedens und zur Her­stellung eines besseren Verständnisses unter den Völkern ausarbeiten soll Zu dieser Konferenz sollen außer den Mitgliedern des Völkerbundes auch Deutschland, die Vereinigten Staaten, Brasilien, Costarica, Danzig, Aegypten, Island und Japan eingeladen werden.

In dem gleichen Zusammenhang nahm der Völ^rbundsrat den Entwurf einer Entschließung übe' die im Sckn'lunteriicht M verwendenden Ge- Michtebücher an. "

^uch Vanzig steht zur Debaitc

Danzig, 21. Januar.

Der Danziger Senatspräsident Greiser hab sich nach Eenf begeben, um anläßlich der Be­handlung der Danziger Fragen auf der Ratstagung den Standpunkt der Freien Stadt zu vertreten.. Am Montagmittag hat auch der diplo­matische Vertreter der Republik Polen in Danzig, Minister Dr. Papee. Danzig mit dem fahr­planmäßigen Berliner Flugzeug verlassen. Wie von unterrichteter Seite verlautet, hat Minister Papöe von seiner Regierung den Auftrag erhal­ten, an den Genfer Beratungen über die Dan­ziger Fragen teilzunehmen.

Katzengold

fürst Starhembergs rotalitärsanspruch

* Bremen, 21. Januar.

Neben echtem Gold gibt es auch unechtes Gold. Was immer mit echtem geschieht, es zeigt sich un- vergänglich und in allen Wandlungen behält es die Eigenschaften des edlen Metalls. Unechtes Gold gleicht echtem nur dem äußern Schein nach und das nur auf kurze Zeit, — und auch nur dem unerfah- renen Auge — solange es glänzt. In der Beize des Scheidewassers oder unter den Einflüssen von Zeit und Witterung erweist es sich rasch als unedel und gehaltlos, als falsch, als Talmi, als Katzen- gold, wie der Volksmund das nennt.

Wer müßte nicht daran denken, wenn er die so­eben bekanntgewordenen Reden des österreichischen Vizekanzlers Fürst Starhemberg vernimmt und be- sonders die Stellen prüft, worin der Redner offen­sichtlich im Hinblick auf das nationalsozialistische Regime Deutschlands den Anspruch auf Totalität für das in Oesterreich herrschende System erhebt. Daß Fürst Starhemberg die Vaterländische Front als einen Block verschiedenpolitischer Gruppen be­zeichnet, mag noch hingehen. Die Verschiedenartig- keit der Bestandteile ist ja auch das Charakteristi- kum unechten Goldes. Daß Fürst Starhemberg aber für die Vaterländische Front den Totalitätsan­spruch in Oesterreich verkündet, liegt bereits auf der Ebene des Versuches, etwas echtes nachzu­ahmen. Besonders reizvoll erscheint uns, daß Fürst Starhemberg mit demselben Atemzug, womit er in Anlehnung an die nationalsozialistische Staats­form für seine Volksfront offensichtlich erprobte nationalsozialistische Maßnahmen verkündet, sich in mehr als unfreundliche Auslassungen gegen den Nationalsozialismus selber ergeht.

Wenn Fürst Starhemberg, der sich bestimmt für Gott weiß welchen großen Staatsmann hält, auch vielleicht sich nicht bewußt sein sollte, wie selten etwas dasselbe sein kann, wenn zwei dasselbe tun, so entgeht dies bestimmt nicht den Men­schen in Oesterreich, die genau wie wir Menschen deutschen Blutes im Reich klar zu unterscheiden wissen, was Kadavergehorsam und was freiwillige Einordnung in eine Volksgemeinschaft, freiwillige Unterordnung unter eine alles begeisternde Idee ist. Warum macht übrigens denn Fürst Starhem- Lerg nicht die Probe aufs Exempel? Warum will er von Volksabstimmung denn so gar nichts wissen? Gerade hier Müßte er sich doch einmal ein Beispiel am nationalsozialistischen Reiche Adolf Hitlers nehmen. Müßte doch zu allererst einmal hierdurch zu beweisen versuchen daß der Totali­tätsanspruch der Vaterländischen Front von dem Totalwillen der in Oesterreich lebenden Menschen gestützt und getragen wird.

Adolf Hitler hat das nationalsozialistische Re­gime in Deutschland auf vollkommen gesetzmäßigem Wege. d. h. gestützt auf rasch nacheinanderfolgende Volksabstimmungen der ihm unter unerhörter Begeisterung alle Vollmachten gebenden Wähler­massen errichtet, hat alle seine die Staatsver­fassung des Reiches berührenden Maßnahmen sich immer und immer wieder bei Neuwahlen durch die deutschen Wählermassen bestätigen lassen. Fürst Starhemberg sagt aber selber, daß in Oesterreich heute von Volksabstimmung in absehbarer Zeit nicht die Rede sein könne.

Und warum? Man höre den Grund aus Herrn Starhembergs Munde selbst: „Weil die vaterländische Front", so sagt Fürst Starhemberg, „nicht in der Lage sei, mit den Propagandamit­teln der Nationalsozialisten in Oesterreich in Wettbewerb zu treten". Gibt es noch ein mehr entwaffnendes Eingeständnis der Schwäche der eigenen Stellung, als diese Feststellung? Nein, es ist kein anderes denkbar. Und daß dieses Ge­ständnis Fürst Starhembergs Mund entglrtt, läßt sich überhaupt nur damit erklären, daß er schon bei dem Gedanken an Volksabstimmung in Ratlosigkeit versinkt, wohl angesichts dessen, was dann die Vaterländische Front trotz ihrer zwangsläufig angehäuften Zwei-Millionen-Mit- gliedschaft als Volksurteil zu erwarten hätte.

Ein Volk ist geduldig — wir haben es in Deutschland während der Systemzeit erlebt —. und zumal das Volk in Oesterreich ist besonders geduldig. Das aber. was ihm in den letzten Jah­ren seine Regierung geboten hat, vergißt und vergibt es bestimmt nicht. Und es^bedürfte bei einer Volksabstimmung wohl gar keiner besonde­ren Propaganda der Nationalsozialisten Oester-