Ausgabe 
(7.5.1936) Nr. 127
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parteiamtliche Lageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsstont Bremen

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der National^Zlalisten Bremens

flmtsblatt des Senats der Freien Hansestadt Bremen

Erscheint 7mal wöchentlich. Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. 30 Pf. Zustellungsgeb.: durch die Post RM. 2.30 einschl. llberweisungsgeb., ausschl. Postbestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck: Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung od. Ersatz. RL-Gauverlag Weser-Ems G. m. b. H.. Bremen, Geeren S/8 / Fernsprecher: A 4 I 21 und 51115.

Das amtliche Verkündungsblatt des

Deichsstatchalters m Oldenburg und Bremen

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Pf-, die 70-nun-Zeils im Textteil 75 Ps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Familien-Anzeigen u. a.) sowie sonstige Bedingungen Preis­liste 6 (Nachlaßstasfel L). Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluh 16 Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich 12-13 Uhr; Schriftleitung Dienstag und Freitag 12X-l3iL Uhr.

Nr. 127 / 6. Jahrgang

Vonnerstag, 7. Mai 1SZ6

kinzelpreis 15 Npf.

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Scharfe außenpolitische flussprache im englischen Unterhaus /Vie britische Negierung verabscheute den Krieg"

Unser lagvsspiegel

Im englischen Unterhaus kam es zu einer ausführlichen Aussprache über die britische Abessinienpolitik.

Zur Verhinderung der Goldabziige hat die Bank von Frankreich ihren Diskont auf üb­erhöht.

In Franksurt a. M. sprach Reichsfinanz­minister Graf Schwerin von Krosigk über die Gesundung der deutschen Wirtschaft.

LZ.Hiltdenburg" ist gestern um 21.36 Uhr zu seiner Nordamerikafahrt gestartet. Heute bringt der Deutschlandsender ein interessantes Funkgespräch zwischen LZ.Hindenburg" und dem LloyddampferBremen".

Der Intendant des Staatlichen Schauspiel­hauses, Berlin, Gustaf Eründgens, wurde zum Preußischen Staatsrat ernannt.

Im Kunstturn-Länderkampf gegen Italien siegte Deutschlands Mannschaft mit 346:338 Punkten.

Eine unerwartete 1:2-Niederlage erlitt Eng­lands Fugball-Nationalelf durch Oesterreich in Wien.

Kranführer Engler wurde als Vertreter der bremischen Arbeiterschaft vom Führer empfangen.

Unter Leitung Senator Haltermanns fand ein« wichtige NhunzpHer-Arbeitsgemeinschaft zur Schaffung einer Freilust-Kunsteisbahn in Bremen statt.

Der Bremer Exporthandel macht einen Ge- , genbesuch in der thüringischen Hauptstadt.,

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fluftakt zur siitirertaguirg

Dr. Goebbels sprach aus der Zusammenkunft der Gauleiter

München, 7. Mai.

Die vom 6. bis 8. Mai unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Führers stattfindende Füh-. rertagung der NSDAP. begann gestern vormittag im Sitzungssaal des Münchener Rat­hauses mit einer unter Leitung von Reichs­organisationsleiter Dr. Robert Üey stehenden Eauleitertaaung, an welcher der Stell­vertreter des Führers, Rudolf Hetz, und fast glle Reichsleiter der NSDAP. teilnahmen. Die Tagung befaßte sich mit aktuellen innerpolitischen Fragen. Im Mittelpunkt stand ein Referat des Reichspropagandaleiters Dr. Goebbels über Propaganda und Volksaufklärung im Dienste von Partei und Staat. Am Nachmittag traten die Reichsleiter der NSDAP. zu einer 'Sitzung im Braunen Hause zusammen.

Sie Pflicht der Mutter gegenüber

Ausruf an die Erzieher zum Muttertag Berlin, 7. Mai

Der Reichsamtsleiter des NSLB., Gauleiter Fritz Wächtler, richtet zum Muttertag folgen­den Aufruf an die deutschen Erzieher und Er­zieherinnen:

Am 10. Mai feiern wir den Tag der deutschen Mutter. Eine neue Weltanschauung hat den Müttern der Äugend unseres Volkes jene Ach­tung, Ehre und Würde wiedergegeben, die ihnen als den opferbereiten Hüterinnen des kostbarsten Gutes der Nation gebührt.

Wir Erzieher haben eine besonders hohe Ver­antwortung vor der deutschen Mutter: Wir

sind mitberufen, der Jugend den Weg von der engeren Gemeinschaft der Familie zur großen Gemeinschaft des Polkes zu weisen. Am Tag der deutschen Mutter wollen wir uns bewußt sein, daß dieses unser Werk nicht nur eine Pflicht dem Staat und der Bewegung gegenüber ist, sondern auch eine Pflicht der deutschen Mutter gegenüber. Sie vertraut uns die Jugend an. Unsere Auf­gabe ist ihr Wille und ihr Auftrag. Und so wollen ioir Erzieher und Erzieherinnen an diesem Tag aufs neue geloben: Unser aller Arbeit soll stets der Jugenst dem Volke und damit auch der deutschen Mutter gehören!

Vorbereitung des Siedlungswerks

Berlin, 7. Mai.

In Ergänzung der durch Dr. Ley gelegentlich der Sitzung der Reichsarbeitskammer über die Vorbereitung des Siedlungswerks gemachten An­kündigungen kann mitgeteilt werden,'daß für das vom Führer angeordnete Siedlungswerk, das der bodenständigen Ansiedlung der Werktätigen dient, großzügige Pläne bereits fertiggestellt sind. Mit der Vorbereitung der praktischen Durchführung ist durch Dr. Ley das Reichsheimstättenamt der Deutschen Arbeitsfront beauftragt worden. Zu diesem Zweck ist durch Hauptamtsleiter Dr. Ludovici, den Leiter des Reichsheimstättenamtes, eine Abteilung Vorbereitung des Siedlungsprogramms" einge­richtet worden. Dementsprechend sind bei den Eau-Heimstättenämtern gleiche Abteilungen auf­gebaut worden. Für die Vorbereitung der Arbei­ten sind ferner die Akademie für Landesforschung und Reichsplanung und ihre Arbeitskreise ein­gesetzt.

London, 7. Mai.

Bor vollbesetzten Bänken fand Mittwoch im englischen Unterhaus eine große außenpolitische Aussprache statt. Der Hauptredner der oppositio­nellen Arbeiterpartei, Dr. Dalton kritisierte aufs schärfste die Außenpolitik der Regierung und be- stritt die Richtigkeit der kürzlich«!, Aeußerung Edens, daß sich England im Abessinienkonslikt keine Vorwürfe zu machen brauche.

Nachdem Dalton kurz die Angelegenheit des Fragebogens an Deutschland gestreift hatte, wandte er sich den englisch-ägyptischen Vertragsverhandlungen zu. Gerade im Hinblick auf die Ereignisse in Abessinien sei eine freundschaftliche Regelung besonders dringlich. Die Feindschaft Italiens werde Englands Stellung in Aegypten, im Sudan, in Kenya und im Roten Meer gefährden und darüber hinaus die freie Durchfahrt durch das Mittelmeer und die Ver­bindungen mit Australien, Neuseeland, Indien und den Fernen Osten. Die oppositionelle Arbeiter­partei mache die Regierung für den Ausbruch des italienisch-abessinischen Krieges verantwortlich, denn sie hätte ihn verhindern können. Die Ar­beiterpartei erhebe ferner die Beschuldigung, daß England die Abessinier ihrem Schicksal überlassen und ihnen keinerlei wirksame Hilfe geleistet, son­dern im Gegenteil Mussolini in seinem Vernich­tungsfeldzug unterstützt habe.

Unter dem Verfall der Opposition fragte Dal­ton die Regierung, was Eden am kommenden Montag auf der Ratstagung zu sagen gedenke. Der Rat habe sich nicht mit der Teilsrage zu be­sassen, was aus den besiegten Abessiniern und dem siegreichen Italien werden solle, sondern mit dem Völkerbundsproblem überhaupt. In diesem Stadium, so erklärte der Redner, dürfe keine Rede davon sein, daß der Sieg Italiens durch eine Aushebung der Sühnemaßnahmen anerkannt

werde. Im Gegenteil spreche gerade jetzt sehr viel eine Verschärfung dieser Siihnemaßnahmen durch die Verhängung der Oelsperre.

Nachdem der Oppositionsredner geendet hatte, erhob sich

flußenminister kSen

Er wandte sich sofort gegen seinen Vorredner und erklärte, Dalton habe eine Schilderung gege­ben, die mit der Wahrheit in keinerlei Beziehun­gen stehe. Die Wahrheit sei, daß während der ganzen Dauer des Streites England die Führung gehabt habe. Das möge falsch oder richtig gewesen sein. Es könne aber nicht be- stritten werden, daß England die Führung in dieser Frage übernommen habe.

Man habe absichtlich mit denjenigen Sühne- maßnahmen begonnen, die ein begrenzter Völker­bund verhältnismäßig wirksam gestalten könne. Die Schwäche dieser Siihnemaßnahmen habe darin bestanden, daß sie nicht sofort wirkten. Das habe der Völkerbund gewußt, als er sie verhängte. Es habe nur eine Sühnemaßnahme gegeben, die so­fort wirksam gewesen wäre, das sei die Ver­weigerung des Rechtes auf Benutzung des Suez- Kanals für Italien. Eine solche Maßnahme würde aber nnvermeidlicherweise eine militärische Aktion im Eesolge gehabt haben, die wiederum nach seiner Ansicht unvermeidlich zum Kriege ge­führt hätte.

Man könne den Suez-Kanal nicht mit papiernen Abstimmungen schließen. Er wünsche es klarzu­machen, daß die britische Regierung im Verlaufe dieses Streites sich deshalb nicht für militärische Sllhnemaßnahme-n eingesetzt habe, weil sie den Krieg verabscheue, und nicht, weil sie dessen Aus- gang. fürchte.

Wenn man aber schon eine Schließung des Suezkanals fordere, so müsse man schließlich auch die rechtliche Lage in Betracht ziehen. Ihre Prüfung ergebe einwandfrei, daß der Kanal nur

durch eine Aktion des Völkerbundes hätte ge­schlossen werden können. Hätte man aber erwar­ten können, daß der Völkerbund einstimmig einen Lerartrgsn Beschluß fassen würde? Er sei über­zeugt, daß hierfür niemals die geringste Hoff- nun bestanden habe. Eden verwahrte sich sodann gegen die Vorwürfe, daß England nach dem Zwischenfall von Ual-llal nichts getan habe, um den Ausbruch der Streitigkeiten zu verhindern.

Man müsse zugeben, daß der Völkerbund ge­scheitert sei. Man müsse zugeben, daß England enttäuscht sei und seine, Edens, Enttäuschung sei so groß wie die Daltons. Obwohl die Struktur des Völkerbundes und die kollektive Sicherheit einen schweren Schlag erhalten hätten, dürfe man sich nicht scheuen, die Lehre aus diesen Ersah- rungen zu ziehen. Man müsse der Welt sagen, was für einen Kurs Großbritannien für die Zu­kunft vorschlage, denn es gebe nichts Gefähr­licheres als eine Außenpolitik, die nicht auf der Wirklichkeit beruhe. Wie sehe die unmittelbare Zukunft aus? Es sei klar, daß der Völkerbund fortbestehen müsse. In der heutigen Welt sei der Völkerbund für die Organisierung der internatio­nalen Angelegenheiten nicht zu entbehren. Ebenso klar sei aber auch, daß die Lage überprüft wer­den müsse und daß diese Ueberprüfung nach An­sicht der britischen Regierung durch den Völker­bund erfolgen müsse.

' Jedes Völkerbundsmitglied müsse von sich aus selbst sorgfältig erwägen, was für Schlußfolge­rungen aus den letzten sieben Monaten zu ziehen seien. Diese Ansichten müßten dem Völkerbünde mitgeteilt werden, der dann zur gegebenen Zeit in seiner Gesamtheit über den zukünftigen Kurs Beschluß fassen müsse. Die Welt und der-Völker­bund ständen vor außerordentlich schwerwiegen­den Fragen. Die englische Regierung werde ihre Politik gemäß der Völkerbundssatzung fortführen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Italienischer Zivllgouverneur In Mir Bebn

wieder Nutze in der abessinischen Hauptstadt / kinzellzeiten über den kinzug der Italiener

Addis Abeba, 7. Mai.

Marschall Badoglio hat den Gouverneur so» Rom, Bottai, der den abessinischen Feldzug als Kriegsfreiwilliger mitgemacht hat und an der Spitze des italienischen Heeres in Addis Abeba einzog, zum Zivilgouoerneur von Addis Abeba ernannt. Mit dieser Maßnahme wird die ver­waltungsmäßige Neuordnung des abessinischen Kaiserreiches eingeleitet.

Asmara, 7. Mai.

Ueber den Einmarsch der italienischen Truppen in Addis Abeba werden jetzt weitere Einzelheiten bekannt. Bereits 10 Kilometer vor der abessi­nischen Hauptstadt kamen den italienischen Trup­pen zahlreiche Bewohner entgegen, die den Soldaten unter Freudenkundgebungen Blumen überreichten, in die Hände klatschten und abessi- nische Trommeln schlugen. Die Bevölkerung be­gleitete Marschall Badoglio dann unter Kreu- denrufen bis zur italienischen Gesandtschaft, wo Badoglio Wohnung nahm.

Der Marschall wurde bei seinem Einzug von italienischen und ausländischen Pressevertretern begleitet, denen er seine Genugtuung über die Erreichung des Endzieles zum Ausdruck brachte. Nach einer Würdigung der Leistungen seiner Truppen erklärte Badoglio u. a., es beginne jetzt eine harte Arbeit. Mussolini wünsche jetzt Frieden und Ruhe, um die Zivilisation unter den Völkern Abessiniens zu verbreiten. Er werde bei dieser Aufgabe sicherlich Erfolg haben.

Der Einzug der italienischen Truppen hat dem Räuberwesen, unter dem die Bewohner seit Tagen zu leiden hatten, ein sofortiges Ende ge-

Oinseppe iivttni, <iei- 6ouv erneui' vo»-4ililis.^l,enu (8eksi'I-l3iIäsräisnst.)

setzt. Es gelang überraschend schnell, die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Auch die zahl­reichen Brände konnten zum größten Teil ge­löscht werden. Die Nachricht von dem Aufruhr in der abessinischen Hauptstadt hatte Marschall Badoglio veranlaßt, kurz vor der Stadt die große Kraftwagenkolonne, die wegen der aufgeweichten Wege nur langsam vorwärts kam, zurückzulassen und in Eilmärschen in die Stadt einzurücken.

Ueber den Umfang der durch die Plünderer angerichteten Verheerungen kann man sich noch kein abschließendes Bild machen. Sicher ist, daß die Amerikanerin Stadia bei dem Aufruhr den Tod gefunden hat, doch scheint die Zahl der Todesopfer auch unter den Europäern noch größer zu sein. Kurz vor dem Einzug Badoglios drangen italienische Pioniere in die Stadt ein, um die lebenswichtigen Betriebe sicherzustellen. Sie scheinen jedoch große Verwüstungen angetrof­fen zu haben. Auch die große Rundfunkstation, die ebenfalls von italienischen Truppen besetzt wurde, ist vorläufig noch außer Betrieb.

Während des Einzugs der Truppen überflogen gegen 206 italienische Bombenflugzeuge die Stadt und gingen dann aus dem Flugplatz nieder. Ba­doglio dankte im Garten der italienischen Ge­sandtschaft dem Fliegergcneral Ranza für die wertvolle Mitarbeit der Luftwaffe.

Der Leiter der britischen Roten-Kreuz-Abteilung in Nordabessinien, Dr. Melly, der vor wenigen Tagen von einem betrunkenen abessinischen Sol­daten in Addis Abeba einen Lungenschuß er- balten hatte, ist im Gebäude der britischen Ge­sandtschaft seinen Verletzungen erlegen.

M Sefunvung der deutschen Wirtschaft

Neichsflnanzminister Sraf Schwerin von krosigk über Sie Finanzpolitik

Frankfurt a. M., 7. Mai.

Neichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk sprach Mittwoch in der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissen­schaft vor etwa 200 Mitgliedern und geladenen Gästen, den Vertretern der Partei und Staat über die Reichsfinanzpolitik. Er sprach über die Erfahrungen der letzten Jahre, über die Ziele und die Probleme, die die Reichsfinanz­politik beschäftigten und noch beschäftigen werden. Vor allem konnte der Reichsfinanzminister auf die erfolgreiche aktive Kreditpolitik, die im'Jahre 1933 einsetzte, hinweisen, die in­zwischen auch neben der Auftragserteilung durch die öffentliche Hand die Privatinitiative des deut­schen Unternehmers ausgelöst hat. 2n dem aus­gezeichneten und sich mit Einzelfragen gründlich befassenden Vortrug führte der Minister u. a. aus:

Die verzweifelte wirtschaftliche Lage Deutsch­lands, in der im Januar 1933 Adolf' Hitler die Regierung übernommen habe, sei nicht nur die Folge der letzten vorausgegangenen Krisenjahre gewesen. Wir hätten vielmehr seit dem verhäng­nisvollen Versailler Diktat in einer dauernden

Krise gelebt, die nur zeitweise, in den Jahren der erborgten Scheinkonjunktur, künstlich über­deckt worden sei. Die Anfangsgrllnde der Krise reichten sogar in die Vorkriegszeiten zurück, in denen sich die Strukturwandlungen der Welt­wirtschaft vorbereitet hätten. Diese Wandlungen seien durch den Krieg und die Nachkriegsentwick- lung voll in Erscheinung getreten. Der Minister zeigte an dem Beispiel der Reparationen den unheilvollen Einfluß, den Eewaltlösungen auf die gesamte Weltwirtschaft ausüben. Wir dürften nicht glauben, eines Tages einfach wieder zu den weltwirtschaftlichen Verhältnissen der Vorkriegs­zeit zurückkehren zu können, sondern müßten uns den eingetretenen Wandlungen anpassen. Jeden­falls hätten die letzten Jahre das eine gelehrt, daß eine gesunde Weltwirtschaft sich erst wieder auf der Grundlage gesunder Volks­wirtschaften entwickeln könne.

Der Minister gab dann einen lleberblick über die Maßnahmen, die in Deutschland seit 1933 zur Gesundung der deutschen Wirtschaft ergriffen worden sind. Er erläuterte die Ziele und Gründe der einzelnen Phasen der seit 1933

eingeleiteten aktiven Konjunkturpolitik. Er legte vor allem die von Jahr zu Jahr fortschreitende Verfeinerung der Mittel im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit dar und betonte die arbeitsmarkt- politische und wirtschaftliche Bedeutung der Wehrhaftmachung Deutschlands. Er be­gründete die Notwendigkeit der Konzentrierung der wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte auf dem Gebiet der Etatpolitik, die der Kapitalmarkt- politik auf die Durchführung der großen nationa­len Aufgaben. Nur wenn der Pfennig geehrt würde, könnten große Ziele erreicht werden. Der Minister setzte sich sodann mit den Spannungen auseinander, die sich in dem verhältnismäßigen Zurückbleiben der Ver­brauchswirtschaft und in unserer Devisen- und Rohstofflage gezeigt hätten. Er wies auf die Besserungstendenzen und die Möglich­keiten zur Ueberwindung dieser Spannungen hin.

Er rief zum Schluß zur vertrauensvollen Mit- a r b e i l. auf. Für den Unternehmungsgeist der Wirtschaft sei im nationalsozialistischen Reich mehr denn je nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht zur Betätigung gegeben.

Vor der Venfer Notstogung

Die europäische Lage. Mussolinisrömischer Friede". Ausgleich oder neue Spannungen?

Der englische Fragebogen

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R. Berlin, 7. Mai.

Die Entwicklung der europäischen Verhältnisse steht nach wie vor in stärkstem Maße unter dem unmittelbaren Eindruck des italienischen Sieges in Ostafrika. Nach der augenblicklichen Lage kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Italien die Besitzergreifung A-bessiniens als endgültig und unwiderruflich ansieht. Unter diesem Gesichts­punkt kann also kaum noch irgendwelcher Spiel­raum für etwaige Verhandlungen zwischen den Kontrahenten des Vertrages von 1906, also zwischen Italien, Frankreich. und England, für die augenblicklich in der französischen Presse die Reklametrommel gerührt wird, verbleiben. Die geschaffenen Tatsachen sprechen zu klar für den italienischen Verhandlungspartner, der in diesem Falle alle Trümpfe in der Hand hatte; es würde schwerfallen, sie ihm wieder zu entreißen, jeden­falls solange 400 000 glänzend ausgerüstete und in bester moralischer Verfassung befindliche italienische Soldaten noch in Ostafrika stehen. Das wird aber nach den Voraussagen vor allem auch auf englischer Seite noch eine ganze Zeit­lang der Fall sein, und so darf man damit rech­nen, daß das Vollgefühl des Sieges Italien so leicht nicht verlassen wird.

Die englische Bestätigung der Meldung, daß Eden am kommenden Montag den Vorsitz in Genf führen wird, darf zweifellos als ein Beweis da­für genommen werden, daß England unter allen Umständen zunächst hier reinen Tisch zu machen, wünscht. Diese Aufgabe wird zweifellos noch wesentlich heikler sein als alle anderen bisher, bei denen die Genfer Institution, wie heute ein­wandfrei feststehen dürfte, jämmerlichen Schiff­bruch erlitten hat. Immerhin beweist die eng­lische Haltung, soweit sie auch in den gestrigen Erklärungen vor dem Unterhaus zum Ausdruck kam, daß man dieses Kapitel endgültig ab­schließen wird.

Wahrscheinlich und der ganzen Lage nach wird es sich dabei als notwendig herausstellen, die Sanktionen fallenzulassen und ihr völliges Versagen festzustellen. Es spricht weiter aller Wahrscheinlichkeit dafür, daß von englischer Seite selbst im Zusammenhange damit auch das Ver­sagen der Liga formell und feierlich bestätigt werden wird, da außer dieser Feststellung und der Liquidierung des italienisch-abessinischen Kon­flikts mit der Löschung Abessiniens aus dem Mit­gliedsregister des Genfer Bundes nichts anderes mehr zu tun übrigbleibt.

Man darf wohl annehmen, daß hier die bitter­sten Worte über die bis jetzt bewieseneSolidari­tät" der Genfer Nationen fallen werden, und daß an dieser Stelle am lautesten die Stimmen er­hoben werden, die eine baldige Reform der Liga als eine unausbleibliche und zwangsläufige Kon­sequenz der Entwicklung der letzten sieben Monate fordern werden. Damit aber wird sich der Vor­hang über dem letzten Akt des abessinischen Dra­mas schließen, und eine neue Fortsetzungder europäischen Entwicklung wird be­ginnen können, die im Augenblick allerdings noch mit der außerordentlich schweren und verlust­reichen Hypothek der negativen Begleiterscheinun­gen des jetzt beendetenKolonialkonflikts" be­lastet ist.

Es ist kein Zweifel darüber möglich, daß das Hauptinteresse der europäischen Politik in den letzten Monaten wie gebannt auf die Spannungen gerichtet war, die über Nacht rund um das.Mittel­meer zu ernsten Gefahren anwuchsen und die alle wirklich wichtigen und großen Probleme der euro­päischen Zukunft erheblich in Mitleidenschaft zogen. Das mit den . ersten deutschen Friedens­angeboten vom 7. März eingeleitete europäische Friedensgespräch mußte eine Tatsache, die auf deutscher Seite am lebhaftesten bedauert wurde ins Stocken geraten, als akute Gefahren auf­tauchten, die die anderen in Frage kommenden wichtigen Gesprächspartner zwangen, ihr Haupt­interesse den plötzlich auftauchenden anderen neuen Aufgaben zuzuwenden

Es kann daher vom deutschen Standpunkt aus nur begrüßt werden wenn es jetzt gelingen >ollte, eine endgültige Liquidation der bisherigen Schwierigkeiten zu erzielen, die den Weg für eine