Ausgabe 
(6.5.1936) Nr. 126
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Nachrichtenbla» der Deutschen flrbeitsfront Bremen

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flmtsdlatt des Senats der §reien Hansestadt Bremen

Erscheint 7mal wöchentlich. Monatsbezug: RM. 2,30 einschl. 30 Pf. Zustellungsgcb.: durch die Post RM. 2,30 einschl. llberweisungsgeb.. ausschl. Postbestellgeld. Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck: Hamburg 17272. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch auf Erstattung od. Ersatz. RS.-Gauvcrlag Wcscr-Ems G. m. b. H., Bremen, Gcercn 8/8 / Fernsprecher: 841 21 und 51115.

Das amtliche verkündungsblatt des Neichsstatchalters in Oldenburg und Vremen

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Nr. 126 / 6. Jahrgang

Mittwoch, 6. Mai 1SZ6

kmzelpreis 15 Npf.

Me italienischen Iruppen in Bdis flbeba

stuswärtige Sesandtschaften vor der kinnastme der abessinischen Hauptstadt in schwerer Bedrängnis

Unser?ogesspiegel

Marschall Vadoglio ist an der Spitze starker italienischer Streitkräste in Addis Abeba eingezogen.

Beim Generalappell in Rom verkürzte Mussolini: „Abessinien ist italienisch! Der Krieg ist beendet!"

Nach einer Anordnung des Reichsjugend­führers finden bis auf weiteres keine Sprech- chor-Anffnhrungen bei HJ.-Beranstaltungen statt.

Die deutsche Kraftfahrzeugindustrie hat im ersten Vierteljahr 1838 eine kräftige Er- zeugungs- und Absatzsteigerung zu ver­zeichnen.

Die Kreisleitung der NSDAP. Bremen ver­öffentlicht die Sprechstunden der Hoheits­träger und Kreisamtsleiter.

Gestern erfolgte die Einführung des neuen Standartenführers der Motorstandarte 62. Beste Leistungen zeigte beim Kunstturn- länderkampf Deutschland-Italien der Bremer Walter Steffens.

Ein folgenschwerer Hauscinsturz mit 9 Todes­opfern wird aus Verona gemeldet.

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Keine KI-Sprechchöre mehr

Eine Anordnung des Neichsjugendführers Berlin, 6. Mau

Der Reichsjugendpressedienst veröffentlicht fol­gende Anordnung des Neichsjugendführers, die an alle Gliederungen der Hitler-Jugend gerichtet ist: „Ich habe, besonders in letzter Zeit, einigen Veranstaltungen der Hitler-Jugend beigewohnt, die von Sprechchören umrahmt waren. Ich muß leider offen gestehen, daß die meisten dieser Dar­bietungen unzureichend waren. Abgesehen davon, daß der gute Wille des Verfassers lolcher Sprech- chöre meistens im Widerspruch zu seiner Ge­staltungskraft steht, halte ich Sprechchöre Vieler Art für unjugendlich um nicht zu sagen, undeutlch. Um zu verhindern, daß Menschen, die an sich tüchtige Volksgenossen sein mögen, sogenannte ..Dichtungen" auf die Oesfentlichkeit loslassen, ob­wohl ihnen die Natur jede künstlerische Fähigkeit vertagt hat, ordne ich für alle Dienststellen der nationalsozialistischen Jugend mit sofortiger Wir­kung an:

1. Sprechchöre dürren bei Veranstaltungen der Hitler-Jugend bis auf weiteres nicht mehr auf­geführt werden. Als Umrahmung unserer Feiern werden in Zukunft nur noch Lieder und andere musikalische Darbietungen, die dem Stil der deut­schen Jugend entsprechen, verwendet.

2. Dichtungen werden bei Veranstaltungen der nationalsozialistischen Jugend ausschließlich von Einzellprechern vorgetragen.

Singt die Lieder Eurer Voriahren und Eurer lebenden Kameraden, und kämpft in der Hitler- Jugend für eine ehrliche deutsche Kunst.

(gez.) Valdur von Schir.ach."

Veileid des Whrers

zum Tode des Generalobersten von Falkenhausen

Berlin, 6. Mai.

Der Führer und Reichskanzler hat an die Witwe des Generalobersten von Falkenhausen folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Zu dem schweren Verlust, der Sie und Ihre Familie durch den Tdd des Herrn Generalobersten von Falken­hausen getroffen hat, spreche ich Ihnen meine herz­lichste Anteilnahme aus. Ich gedenke hierbei dank­bar der großen Verdienste, die sich der Verstorbene in seiner langen Friedenszeit wie in drei Krie­gen um Deutschland erworben hat.

(gez.) Adolf Hitler.

Junges selbstbewußtes Veutschland!

Eine Unterredung mit dem Bürgermeister von Athen, Kotzias

Berlin, 6. Mai.

Der Bürgermeister von Athen, Kotzias, ge­wahrte während seines Berliner Aufenthaltes einem Vertreter des DNB. eine Unterredung. „Welch umwälzende Veränderungen zwischen dem deutschen Menschen von heute und dem vor fünf Jahren," — stellte Bürgermeister Kotzias fest: „Heute ein frohes, freies, junges und selbstbewuß­tes Volk, das sich seiner Aufgabe bewußt ist, das seine geschichtliche Mission als Block der Ordnung und des Friedens vorbildlich erfüllt. Ueberall in Deutschland wird gearbeitet, und man weiß, daß diese Arbeit heute wieder einen Sinn bekommen hat, so wie ja auch der erste Mai — in anderen Ländern ein Tag der Klassenkämpse — in Deutschland mit einem neuen, einem höheren und edlen Sinn erfüllt worden ist. So froh ist der deutsche Mensch in seinen Feierstunden, so unge­zwungen glücklich, daß es auf mich geradezu an­steckend gewirkt und ich mitgerissen wurde von der llrspriinglichkeit dieser Freude. Und überall ist die Jugend mit dabei und am Werke! Eine Bewegung und ein Volk. die sich so fest auf die Jugend stützen und verlassen können, werden nicht untergehen.

Diese große Wandlung, so erklärte der Athener Bürgermeister am Schluß der Unterredung, ver­dankt das deutsche Volk allein seinem Führer.

London, 6. Mai.

Wie der britische Gesandte in Addis Abeba, Sir Sidney Barton, meldet, sind die italienischen Truppen gestern um 4 Uhr nachmittags abessini- scher Zeit, d. h. um 2 Uhr 48 Minuten mittel­europäischer Zeit, in Addis Abeba mit einer star­ken Streitmacht eingerückt. Die Truppen zogen zunächst an der britischen Gesandtschaft vorbei.

Nach Meldungen aus Addis Abeba. wie darüber hinaus nach Stimmen aus Paris, Rom und Newyork, ergab sich über die Lage der Hauptstadt unmittelbar vor dem Einmarsch der Italiener folgendes Bild: Der Zustand war für die in den Gesandtschaften in Addis Abeba eingeschlossenen Europäer äußerst besorgnis­erregend, da abessinische Horden plündernd und brennend die Stadt beherrschten. Der ameri­kanische Gesandte in Addis Abeba, Engert, bat über Washington das Auswärtige Amt in Lon­

don, indische Soldaten mit Maschinengewehren zur Verteidigung der amerikanischen Gesandtschaft zu Hilfe zu schicken. Die Lage der Amerikaner war besonders gefährdet, da die amerikanische Gesandtschaft ununterbrochen von Banditen ange­griffen wurde. Allerdings stand die amerikanische Gesandtschaft bald nach dem Hilferuf Engerts unter dem Schutz der britischen Gesandtschaft.

Ebenso war für die französische Gesandtschaft die Lage einige Zeit äußerst bedenklich, da sie seit Sonntagabend von plündernden Eingeborenen­gruppen umzingelt wurde. Da 2000 Personen Unterschlupf in ihr gefunden hatten, machte sich Montag bereits Mangel an Lebensmit­teln bemerkbar. Man erwartete mit Ungeduld das Eintreffen der ersten französischen Ein- geborenkompanie aus Diredaua. Aber auch für die Franzosen kam Hilse durch das energische Eingreifen des Ras Hailu, des Gouverneurs

von Eodjam, der Montagnachmittag mit ISO gut disziplinierten Soldaten in Addts Abeba ein­traf und binnen kurzem die Ordnung in der Stadt wiederherstellte.

Einer Meldung aus Dschibuti zufolge ist Ras Nassibu, der Befehlshaber der abessini- schcn Südarmee, der bis vor kurzem Eraziani einen recht energischen Widerstand geleistet hat, zusammen mit dem türkischen Ratgeber Wehib Pascha, von Drredaua kommend, in Dschi­buti eingetroffen.

Wie das Londoner Blatt „News Chronicle" be­richtet, beabsichtigt der Kaiser von Abessinien zu­nächst seine Familie in Jerusalem unterzubringen, um sich darauf nach Genf zu begeben und beim Völkerbund persönlich die abessinische Frage zu erörtern.

Moskau Kot gesiegt

srankreikk und sein neues Parlament

* Bremen, 6. Mai.

Frankreich hat sein neues Parlament! Man kann dem französischen Volke nur wünschen, daß es damit bessere Erfahrungen macht, als man vor­auszusehen heute in der Lage ist.

Da das Parlament ein reines Linksparlament ist, worin die Marxisten weitaus die Mehrheit haben und somit auch die Führung bean­spruchen — nachdem sie die Radikalsozialisten aus ihrer bisher unerschütterlich erschienenen führen­den Stellung verdrängt haben —, liegt der Schwerpunkt des neuen Parlaments fortan nicht mehr in der gemäßigten, der sogenannten bürger­lichen radikalsozialistischen Richtung, sondern auf der marxistischen Linie, die von den um das Sechs­fache gewachsenen Kommunisten her noch eine be­sondere Stärkung erfuhr.

Wie immer sich die französische Wählerschaft zu dem Ergebnis ihrer Wahlen vom 26. April und

3. Mai in Zukunft stellen mag — zu einem ab­schließenden Urteil muß sie nicht erst den Ab­lauf der vierjährigen Kamnterperiode abwarten — eines wird sie heute ohne weiteres bereits ein­sehen, daß der rote Sieg bei diesen Wahlen aus dem Abschluß des Sowjet-Bündnis kam, aus einem Bündnis, das den französischen Wählermafsen die Kommunisten gar nicht mehr als das erscheinen ließ, was sie sind und bleiben werden, nämlich als die Feinde der abendländischen Kultur, die Gegner des Eigenbesitzes und die Verneiner jeglicher europäischen Gesellschafts­ordnung.

Würde die französische Wählerschaft, würde das französische Volk die Sowjets und ihre Ziele richtig erkannt haben, dann wäre es noch nicht zehn Prozent der französischen Wählerschaft bei­gekommen, d i e Zusammensetzung in der französi­schen Kammer herbeizuführen, aus der nun die künftige Regierung Frankreichs hervorgehen soll. Jetzt ist es freilich zu spät und man muß schon V sagen, wo man einmal A gesagt hat.

Das außenpolitisch willkommen geheißene Sow­jet-Bündnis mußte sich innenpolitisch auswirket und zwar verhängnisvoll. Man kann nicht einen Staat, mit dem man soeben erst ein Kriegsbünd- nis auf Gedeih und Verderb abschloß, wegen seiner Staatsform angreifen und diese Staatsform vor dem eigenen Volke als verderblich hinstellen. Man kann auch nicht dem guten außenpolitischen Freunde, mit dem man soeben erst in ein inniges Freundschaftsverhältnis getreten ist, die Propa­ganda für seine Staatsform im Lande verwehren, und es läßt sich vor allem nicht vermeiden, daß, was außenpolitisch gesehen, vor dem eigenen Volke sympathisch hingestellt wird, von diesem auch innenpolitisch sympathisch aufgefaßt wird.

Nach wie vor steht jedenfalls fest.: wer in Frankreich die Radikalisierung der Massen nicht wollte, wer vor allem den ungeheuren Zuwachs der Kommunistischen Partei in der Kammer nicht wollte, der durfte das Bündnis mit Sowjet-Ruß­land nicht abschließen, durfte dem französischen Volke nicht zumuten, außenpolitisch mit dem zu sympathisieren, was es innenpolitisch verwerfen sollte. Aber wie gesagt: Nun ist es zu spät und Frankreich ist rot geworden. Rot wird es dem­nächst auch regiert werden.

Der französische Sparer wird zusehen müssen, ob keine Inflation für ihn kommt, das fried­liebende französische Volk wird besorgt sein müßen, daß Einflüsse von Moskau Frankreich nicht in ein kriegerisches Abenteuer treiben. Die Regierung selbst aber muß dafür sorgen, daß die Agenten von Moskau die Revolutionierung der Massen nicht so weit fortsetzen, wie man das seit einem halbe:. Jahre in Spanien erlebt. Die Welt kann sich darauf verlassen, daß Moskau nichts versäumen wird, um nach diesen drei Richtungen hin in Frankreich weiter zu kommen. Denn Moskau will und braucht die Unzufriedenheit, ja die Verzweif­lung der französischen Sparer, um sie, wenn sie durch die Inflation ihr Geld verloren haben, dem Kommunismus in die Arme zu treiben. Moskau braucht einen Krieg, um ganz Europa in Brand aufgehen zu lassen: insbesonders will Moskau

einen Krieg gegen Deutschland, um über dieses heute unübersteigliche Bollwerk gegen den Kom­munismus hinwegzukommen und dann seine

In Koni wird der Sieg gefeiert

Mussolini beim Veneralappell: „flbessinien ist italienisch!"

Rom, 6. Mai.

In Rom riefen gestern eine volle Stunde Glocken und Sirenen das italienische Volk zum Generalappell. Die Piazza Venezia, die noch um 8.30 den üblichen Nachmittagsverkehr auswies, war bereits eine Stunde später von weit über 100 000 Menschen angefüllt. Aus allen Ansahrts- straßen rückten unaufhörlich Abteilungen von Schwarzhemden und Militär mit Musikziigen an. Die Menge stimmte abwechselnd patriotische Lieder an und brach in Hochrufe auf den König und auf Mussolini aus. Der Jubel kannte keine Grenzen. Gegen 6.30 Uhr wurde unter ungeheurer Begeisterung auf dem Balkon des Palazzo Venezia die Parteislagge gehißt.

Kurz vor 8 Uhr erscheint Mussolini aus dem Balkon des Palazzo Venezia, von der Menge mit stürmischem Jubel begrüßt. Unter tosendem Beifall der Massen verkündet Mussolini:

„Hört mich an! Marschall Vadoglio tele­graphiert: Heute, 3. Mai, bin ich an der Spitze der siegreichen Truppen um 4 Uhr in Addis Abeba eingerückt. Während der 30 Jahrhunderte seiner Geschichte hat Italien viele denkwürdige Feiern erlebt. Aber die heutige ist eine der ein­drucksvollsten. Ich kündige dem italienischen Volk und der Welt an: Der Friede ist wiederherge­stellt. Nicht ohne innere Ergriffenheit und nicht ohne Stolz spreche ich nach Monaten harten Kampfes dieses große Wort aus. Allein es ist dringend notwendig, hinzuzufügen, daß es sich uin unseren Frieden, um den römischen Frieden han­delt, der in folgender einfachen, unwiderruflichen, endgültigen Losung seinen Ausdruck findet: Abessinien ist italienisch. Italienisch üe knotn, weil es von unseren siegreichen Heeren besetzt ist: italienisch äe stire, weil mit dem römischen Adler die Kultur über die Barbarei triumphiert, die Gcrechtiakeit über die grausame Willkür, die Er­lösung über die tausendjährige Sklaverei. Mit der Besetzung von Addis Abeba ist der Friede bereits eine vollzogene Tatsache.

Bei dem Generalappell vom 2. Oktober habe ich das feierliche Versprechen gegeben, daß ich alles in meinen Kräften Stehende tun will, um zu verhindern, daß der afrikanische Konflikt zu einem europäischen Kriege auswachse. Ich habe diese Verpflichtung eingehalten. Mehr als je bin ich überzeugt, daß die Störung des Frie­dens in Europa den Zusammenbrach Europas bedeutet.

Männer und Frauen ganz Italiens! Eine Etappe unseres Weges ist erreicht. Wir setzen im Frieden den Marsch und die Aufgaben fort, die morgen unserer harren, und die wir mit unserem Mut, mit unserem Glauben und mit unserem Willen auf uns nehmen werden." Mit dem Ruf „Es lebe Italien!" schloß Mussolini unter tosen­dem Beifall seine Ansprache.

Interview mit Mussolini

„Wir wollen die Regelung des abessinischen Problems für alle Zeiten!"

London, 6. Mai.

Das englische Blatt „Daily Mail" veröffent­licht eine Unterredung ihres Sonderbericht­erstatters Ward Price mit Mussolini, das einige bemerkenswerte Aeußerungen Mussolinis über die Politik Italiens nach der Beendigung des abessinischen Feldzuges enthält. Mussolini er­klärte u. a.: „In meiner Politik habe ich nie­mals irgendeine Schädigung der Interessen des britischen Weltreiches geplant. Auch jetzt habe ich keine derartige Schädigung vor. Italien hat nicht das geringste Verlangen nach Aegypten. Italien hat keinerlei politisches Interesse im Sud a n oder in P a l ä st i n a. Es ist daher völlig unrichtig, den Italienern irgendeine Ver­antwortung für die Zusammenstöße zwischen den Arabern und Juden zuzuschreiben." Mussolini fügte hinzu, er sei bereit, diese Erklärung in jeder geforderten Form zu be­kräftigen. Es treffe nicht zu, daß Italien irgend-

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welche weiteren kolonialen Bestrebungen habe: „Dieser Sieg in Ostasrika versetzt Italien in die Gruppe der befriedigten Mächte. England und Frankreich sollten sich der Bedeutung dieses Um- standes bewußt sein."

Aus eine Anfrage des Berichterstatters, wie sich Mussolini die F'risdensregelung in Abessinien denke, erklärte dieser: „Die Friedensbedingungen müssen durch den römischen Geist gekennzeichnet sein. Es darf kein lahmer Friede sein, denn wir wollen die Regelung dieses abessinischen Problems für alle Zeiten." Im weiteren Verlauf der Un­terredung kam Mussolini auf den Völkerbund zu sprechen. Er äußerte, es sei seine Ueberzeugung, daß der Völkerbund fortbestehen könne und müsse. Der Berichterstatter wies dann darauf hin. daß sich Italien bisher von den Besprechun- ien ferngehalten habe. die zu Verhandlungen über eine neue Verständigung zwischen Deutsch­land und den beiden anderen Westmächten führen sollen. Mussolini erklärte hierzu, es wären die Sanktionen, die der italienischen Regierung nach der Wiederbeietzung des Rheinlandes eine Stellungnahme der äußersten Zurückhaltung auf- gezwungen hätten Aber Italien sei immer noch bereit, bei der Herbeiführung einer offenen und endgültigen Verständigung zwischen den Groß­mächten Westeuropas zu helfen.

wie verhält sich kngland!

Eine Aeußerung Valdwins über die Sühnemaß- nahmen gegen Italien

London, 6. Mai

Zahlreiche englische Blätter verschiedener poli­tischer Richtung sind der Meinung, daß die eng­lische Regierung schwerlich an der Aufrechterhal­tung der Sühnemaßnahmen gegen Italien fest­halten werde, nachdem keine verantwortungsvolle abessinische Regierung mehr bestehe. „Es ist durch­aus fraglich", meint der diplomatische Korrespon­dent des „Daily Telegraph", „ob Abessinien er­warten kann, eingeladen zu werden, als ein unab­hängiger souveräner Staat am Ratstisch Platz zu nehmen." Man rechnet damit, daß Italien, noch ehe der Völkerbundsrat über die Lage in Abessinien beraten wird, eine provisorische Regierung in Addis Abeba einsetzen und den Krieg als beendet erklären werde, fer­ner, daß Mussolini eine Regierung ähnlich der in Französssch-Marokko in Abessinien einsetzen und General Graziani zum Gouverneur er­nennen werde.

Im Unterhaus sragte der konservative Abge­ordnete Sandys den Ministerpräsidenten, ob die britische Regierung beabsichtige, in Gens auf die Zurückziehung der wirtschaftlichen Sühnemaß­nahmen gegen Italien zu drängen. Valdwin er­widerte: „Die zukünstige Politik in bezug auf den italienisch-abessinischen Konslikt wird von den bc- trossenen Staaten auf der bevorstehenden Sitzung des Völlerbundsrates gemeinsam erwogen wer­den. Ich kann heute keine weiteren Erklärungen abgeben."

Vec Negus am srettag in Haifa

London, 6. Mai.

Der englische Kreuzer „Entreprise", auf dem sich der Kaiser von Abessinien mit seiner Frau und seinen sechs Kindern befindet, wird voraus­sichtlich am Freitag in Haifa eintreffen. Die „Entrepriie" wird zu den schnellsten Schissen der englischen Marine gezählt.

slaggenhissung in flddis flbeba

Feierliche Kundgebungen für Marschall Vadoglio Addis Abeba, 6. Mai.

Nach dem Einmarsch in die abessinische Haupt­stadt besetzten die Italiener am Spätnachmittag des gestrigen Dienstag die italienische Gesandt- Ichaft. Dort fand unter militärischen Ehren die Zierliche Flaggenhissung statt, wobei Marschall Badoglio große Kundgebungen bereitet wurden.

Gleichzeitig traf der frühere italienische Mili­tärattache Caldcrini in Addis Abeba ein der icinerzeit mit dem Gesandten Vinci vor seiner Abre,,e aus der Hauptstadt die Haft geteilt hatte.

(Siehe auch Seite 2)