Ausgabe 
(30.12.1935) Nr. 360
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parteiamtl.Iageszeitung der

Das Amtsblatt des Senats

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Nationalsozialisten Bremens

der Lreien lzansestadt Bremen

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Nr. Z60 / 5. Jahrgang

Montag, 50. Dezember

kinzelprew 15 Npk.

volschewistische frechhett überschlagt sich

Moskau will wegen der Selbstkilfe Uruguags den Völkerbund anrufen / Sowjetrusfischer Sesandter eekebt kinspruch

Unser lagesspivgvl

Moskau will wegen des Abbruchs der diplo­matischen Beziehungen Uruguays zu Sowjet- rutzland den Völkerbund anrufen.

Die Kammer-Erklärungen Lavals find in der italienischen Presse mit Genugtuung aufge­nommen worden.

Britannien plant die Erhöhung seines Mann­schaftsbestandes in der Kriegsmarine.

Die Pyrenäen-Halüinsel wurde von einer Wetterkatastrophe heimgesucht.

Durch einen Sieg über den Berliner SC. gewann der LTC. Prag das Berliner Eis- Hockey-Turnier.

Den Ritter-von-Halt-Wanderpokal errang der SC. Riehersee.

Der Schweizer Handvallmeister Grashoppers Zürich wurde in Dortmund von Eintracht 17:12 geschlagen.

ens Gauklassenmannschaft im Handball in Zukunft höchstwahrscheinlich als Elf SB. Blau-Weih spielen.

In Bremen werden mehrere Werbesäule» für das WHW. zur Aufstellung kommen.

Bremens wird des ESB

Moskau, 30. Dezember.

Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion durch die Regierung von Uru­guay wird von maßgebender Moskauer Seite erklärt, daß die von Uruguay vorgebrachten An­klagen unangebracht seien. Die Sowjetregierung erörtere die Frage, mit Hilfe des Völkerbundes von Uruguay die Beweise für diese Beschuldigun­gen zu erlangen.

Der sowjetrussische Gesandte in Montevideo, Minkin, hat gegen seine Ausweisung Einspruch erhoben. 2n einer Note an den uruguayischen Außenminister bestreitet er die Beschuldigungen und wartet zurzeit noch auf die Anweisungen der Sowjetregierung.

Man muß sich wirklich über die Unverfrorenheit wundern, mit der die bolschewistischen Machthaber ihre revolutionären Umtriebe in Uruguay in Ab­rede stellen wollen. Der Abbruch der Beziehungen von Uruguay mit Sowjetrußland auf Grund nachgewiesener kommunistischer Werbetätig­keit durch den sowjetrussischen Gesandten Minkin beleuchtet schlaglichtartig eine Situation, die sich

nicht nur auf den südamerikanischen Kontinent beschränkt, sondern mehr oder weniger stark alle Länder der Erde berührt. Die politische Polizei von Montevideo hat einwandfrei festgestellt, daß Minkin als die Seele der kommunistischen llmsturzbewegungen auf dem gesamten südameri­kanischen Kontinent anzusehen ist. Wie weit seine fieberhafte revolutionäre Tätigkeit bereits gewirkt hat, bewiesen erst letzthin jene blutigen Aufstände in Brasilien, die nichts anderes als der Versuch des Bolschewismus waren, im größten südameri­kanischen Staat festen Fuß zu fassen.

Das scharfe und berechtigte Vorgehen von Uru­guay gegen den sowjetrussischen Gesandten wird überall da, wo Völker Ruhe und Ordnung lieben, auf größtes Verständnis stoßen, zeigen doch ge­rade diese Vorgänge, was sie zu erwarten haben, wenn es Sowjetrußland jemals gelingen würde, die sogenannte Weltrevolution zum Siege zu füh­ren. Erst kürzlich hat der Präsident Roosevelt eine scharfe Warnung an die sowjetrussische Adresse erlassen, ihre Agententätigkeit in den USA. ein­zustellen. Er hat damals gewissermaßen für die

ganze nichtbolschewistische Welt gesprochen. Heute tut das Uruguay, indem es aus dem Verhalten des Gesandten der UdSSR. die einzig mögliche Folgerung zieht.

Es ist gut, wenn von Zeit zu Zeit der Schleier des Geheimnisses, der über der bolschewistischen Tätigkeit im Ausland liegt, gelüftet wird, um Völkern, die in diesem Punkt allzusehr an die Tatsache der Zugehörigkeit Sowjetrußlands zum Völkerbund glauben, zu zeigen, daß die Idee der Weltrevolution mit Konsequenz von den sowjet­russischen Machthabern nach wie vor verfolgt wird. Was von Uruguay gilt, gilt mehr oder weniger von allen anderen Ländern der Erde. Der Bol­schewismus wühlt und möchte die an sich schon unruhige Welt durch revolutionäre Umtriebe in noch größere Unruhe verstricken. Sich hiergegen nach besten Kräften zu wehren, ist 'das Recht jedes Landes. Was heute Uruguay zu tun gezwungen ist, könnten morgen auch andere Länder zu tun gezwungen sein. Vielleicht dient der Zwischenfall von Montevideo der Moskauer Zentrale als War­nung.

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Vr. Soebbels an Stabschef Lutze

Berlin, 30. Dezember.

Reichsminister Dr. Goebbels hat an Stabs­chef Viktor Lutze zum 15. Geburtstage das nach­stehende Telegramm gesandt: Lieber Viktor! Zu Deinem heutigen 15. Geburtstage übersende ich Dir meine herzlichsten Grütze und aufrichtigsten Glückwünsche. Es ist unser aller Hoffnung, daß Du dem Führer, der Partei und dem Vaterland noch viele Jahre in voller Manneskraft erhalten bleibst und die große Aufgabe des endgültigen Aufbaues der SA. als der treuen und kampf­bereiten Garde des Führers vollenden mögest. In dieser Zuversicht übermittle ich Dir den Ausdruck meiner Verbundenheit und kameradschaftlichen Mitarbeit für Dich und Dein schweres und ver­antwortungsvolles Werk.

Mit herzlichen Grüßen und Heil Hitler

Dein (gez.) Joses Goebbels.

Sunnar eunnarsson spendet für das WM.

Hamburg, 30. Dezember

Die Nordische Gesellschaft veranstaltete eine große Reise des isländischen Dichters Eunnar Eunnarsson, die von großem Erfolg begleitet war. Eunnar Eunnarsson lernte auf dieser Reise iroße Teile Deutschlands kennen. Bei seiner Ab­fahrt aus Deutschland stellte der bekannte islän­dische Dichter dem deutschen Winterhilfswerk einen Teil seines Vortragshonorars zur Ver­fügung.

Mehr britische Matrosen

London, 30. Dezember

Die Voranschläge der englischen Admiralität, die zurzeit vorbereitet werden, sehen eine Ver­mehrung des Mannschaftsbestandes der Marine um 3000 Mann vor. Als Grund wird einmal un­genügende Bemannung und das Fehlen einer aus­reichenden» Reserve für die jetzt vorhandenen Schiffe angegeben, zum anderen wird die recht­zeitige Heranbildung von Mannschaften für die Neubauten der nächsten Jahre für unumgänglich gehalten. Darüber hinaus sollen dieienigen Matrosen, deren Dienstzeit jetzt oder m ab,eh- barer Zeit abläuft, aufgefordert werden, sich für einen weiteren Zeitraum von mehreren Jahren zu verpflichten.

geistlicher als Vorlekensschwindler

Paris, 30. Dezember.

Die Pariser Polizei verhaftete am Sonnabend einen katholischen Geistlichen, der unter dem Ver­wand, eine religiöse Zeitung gründen zu wollen, zahlreiche Geschäftsleute um große Geldsummen betrogen hat, die er von ihnen als Darlehen er­hielt. Der Verhaftete war bereits früher einmal wegen Betrügereien vorläufig seines Amtes ent­hoben worden. _

vootsbaus in Holland eingeäschert

32 Motorboote und Segeljachten, 125 Boote vernichtet

Amsterdam. 30. Dezember.

Ein großes Schadenfeuer vernichtete in der Nacht zum Sonntag in Ooster Ringdijl ein gro­ßes Bootshaus samt 32 Motorbooten und Segel­jachten sowie 125 Booten. Das Feuer wurde erst bemerkt, als die hellen Flammen aus dem Dach- stuhl schirmen. Die Feuerwehr konnte nur noch ern zweites Bootshaus retten, das leicht ein 2pser der Flammen hätte werden können. Der Sach­schaden belänst fich aus etwa 50 00» Gulden.

was wird nach taoals kammcrsieg?

erteilte Meinung in Frankreich — öenugtuung der italienischen presse — In kngland spricht man von

einer „flbkichlung der öemüter"

Paris, 30. Dezember.

Der Ausgang der großen außenpolitischen Aus­sprache in der französischen Kammer und die Mehrheit, die das Kabinett Laval noch in aller­letzter Stunde auf sich vereinigen konnte, werden in der Pariser Presse in spaltenlangen Artikeln, besprochen. Die regierungsfreundlichen Blätter schreiben diesen Erfolg einzig und allein der Rede Lavals zu, die als diplomatisches und poli­tisches Meisterstück bezeichnet wird. Der Minister­präsident, schreiben einige rechtsstehende Organe, habe alle Erwartungen übertreffen und sich den Namen eines wahren Staatsmannes verdient.

Die Oppositionspresse sieht die Dinge jedoch mit anderen Augen. Als maßgebend für die Haltung der Kammer wird hier nicht das letzte Ab­stimmungsergebnis von 304 zu 261 Stimmen an­gesehen, sondern das Stimmenverhältnis von 296 zu 276 Stimmen, mit dem die Kammer die be­vorzugte Behandlung des Mißtrauensantrages ablehnte. Von dieser 20-Stimmenmehrheit, erklärt man, müsse man noch sämtliche Minister abziehen soweit sie Abgeordnete und nicht Senatoren sind, so daß schließlich nur noch eine Mehrheit von fünf Stimmen übrig bleibe. Man wirft dem Ministerpräsidenten ferner vor, einen wahren

Kuhhandel getrieben und sich die Mehrheit da­durch verschafft zu haben, daß er die zögernden oder sogar feindlich gesinnten Abgeordneten per­sönlich überredete, für ihn zu stimmen. Das Schick­sal des Kabinetts hält man aber in der Oppo­sitionspresse nichtsdestoweniger sllr besiegelt. Es handele sich lediglich um eine Bewährungsfrist, denn bei der nächsten Gelegenheit, die sich wahr­scheinlich im Januar bieten werde, werde Laval abtreten müssen.

Eine andere Frage, die die Lppositionsblätter lebhaft beschäftigt, weil sie möglicherweise eben­falls zu einer Regierungskrise führen könnte, ist die Stellung der radikalsozialisti­schen Minister im Kabinett, die als un­möglich bezeichnet wird, nachdem mehr als Zwei­drittel der Radikalsozialisten der Regierung das Vertrauen versagt haben. Nach dieser Richtung hin ist auch von feiten der regierungsfeindlichen Elemente in den Reihen der Radikalsozialisten eine Initiative erfolgt, die darauf hinausgeht, sobald wie möglich einen Beschluß des Vollzugs­ausschusses der Partei herbeizuführen, um über die Belassung oder Zurückziehung der radikal­sozialistischen Minister im Kabinett zu entscheiden. Ein solcher Beschluß dürfte jedoch keinesfalls vor

dem 19. Januar gefaßt werden, d. h. gelegentlich der Neuwahl des Parteivorsitzenden an Stelle des zurückgetretenen Staatsministers Herriot.

Rom, 30. Dezember.

Der Kammersieg Lavals, ist in der italienischen Hauptstadt mit fühlbarer Genugtuung aufge­nommen worden. Durch das Verbleiben Lavals hält man hier eine weitere Zuspitzung der internationalen Lage für ver­mieden oder wenigstens für einige Wochen hinausgeschoben, wenngleich man zu weit gehenden Hoffnungen aus dem Wege geht. Auf dieser Linie sind auch die ersten Kommentare der Pariser und Londoner italienischen Korrespondenten gehalten, die das Verbleiben Lavals begrüßen und seinen Kammersieg als eine Enttäuschung im Lager der französischen und besonders der englischen Sank­tionspolitiker bezeichnen

So gibt der Pariser Vertreter der Turiner Stampa der lebhaften Genugtuung darüber Aus­druck, daß Laval, der bereits zahlreiche Beweise seines Verständnisses Mr die Notwendigkeit und die Gefahren der internationalen Stunde an den Tag gelegt habe, die Leitung der französischen Außenpolitik weiterhin in seinen Händen behalte.

(Fortsetzung auf Seite 2)

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Das IVraok eines zer-nnKonen enxlisclien biselulaiiigkei-s. IVakrsnö 6er l-teten -,«nrim tzing -'er >-„gIi <-ll l-,«-I„i.'„r,,>t<-r »ru 8trouA" ir> -ls,- X-A,s von Aarbour bei Kbsräeso unter. Drei ^lsnn äsr LssatrunZ, äsr Kapitän 6-- ein Auat und ein Ingenieur

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„Me rote Stadt"

Von Dr. Aullolk Kommoß, steiler 6er Pressesbteilung 6er ^.ntikomintern

Es ist hier nicht von Moskau die Rede; auch nicht von Leningrad, Charkoff, Odessa, Kiew und anderen Sowjetmetropolen. Denn diese Städte sind nicht „die rote Stadt". Die Sowjets haben es sllr nötig befunden, eine scharfe Trennungs«. linie zu ziehen zwischen zwei Kategorien sowjet- russischer Städte: solchen, die man den Auslän­dern zeigt, und solchen, die man ihnen nicht zeigt. Der „gerechte Weg" des Jntourist, des sowjet­russischen Reisebüros, von dem abzuweichen heute vielleicht schwieriger,, ist denn je, führt natürlich nur durch die ersten. Zu dieser Gruppe gehören vor allem Moskau und Leningrad — natürlich sind auch hier gewisse Stadtviertel ausgenom­men —, ferner Charkoff, Kiew und Odessa; sonst fast nur noch Kurorte im Kaukasus und am Schwarzen Meer. Zu der zweiten Gruppe gehören alle „echten" sowjetischen Städte, alle diejenigen, in denen sich das kommunistische Alltagsleben un­geniert und unfrisiert abspielt. Nur wer Städte von diesem Typ gesehen hat, kennt „die rote Stadt".

Es sollen hier SchilderungenausSow- jetstädten gegeben werden, deren Name jedem Ausländer bekannt, deren Leben und Stadtbild aber völlig unbekannt sind. Am mäch­tigen Dnjeprstrom liegt das aus alten Kosaken­zeiten berühmte Saporoschje, die „Stadt hinter den Stromschnellen", wie der Name besagt. Manch einer kennt sie aus Gogols Heldenepos von dem Kosaken Taras Bulba. Aber wenige wissen, wie es heute dort aussieht. Dabei braucht man sich gar nicht einmal auf die Beschreibungen von Ausländern zu verlassen, die die Stadt unter dem sowjetischen Regime gesehen haben. Die neben der „Prawda" größte sowjetrussische Zeitung, das Moskauer Regierungsorgan „Jswestija", dem man gewiß nicht die Tendenz zu sowjetfeindlicher Verzerrung der Tatsachen unterschieben kann, brachte vor einiger Zeit einen Bericht, der die wirklichen Verhältnisse in Sapo­roschje treffend schildert.

Bei Saporoschje erhebt sich der Dnjeprostroi, das große Dnjeprkraftwerk. Hier wurde der Strom gestaut und eine Anlage geschaffen, die den elektrischen Strom für umfangreiche Indu­strieanlagen liefern soll. Die Sowjets haben un­endlich viel Kapital und Arbeit in diese Anlage gesteckt. Jahrelang galt der Dnjeprostroi als das große Symbol des industriellen „Aufbaus". Die Jnlandspropaganda der Sowjets berauschte sich an diesem Projekt Im Auslande ging man mit ihm hausieren, um recht viele devisenschwere Tou­risten zu Besichtigungsfahrten in die Sowjetunion zu locken. Heute ist der Dnjeprostroi vollendet. Was hat er der arbeitenden Bevölkerung ge­bracht?

Man sehe sich die „Wohnungen" von 1515 Ar­beiterfamilien — 16 000 Menschen — an, die in den Betrieben des Dnjeprostroi beschäftigt sind. Sie Hausen in winzigen, schmutzigen Erdlöchern, die, in Gruppen von 80 bis 100 Hütten zerstreut, um die Stadt Saporoschje herum liegen. In die­len Erdlöchern gibt es kein Wasser — obwohl die Stadt über eine Wasserleitung verfügt —, zur Beleuchtung dienen Stearinkerzen und Petro­leumlampen — obwohl in unmittelbarster Nähe üas mächtigste Elektrizitätswerk liegt. Abfälle und Unrat häufen sich vor den Erdhütten. Und siese Arbeiter, die zu den „qualifizierten Arbei­terkaders" der Werke gehören, Hausen hier teils seit 1930. teils schon seit 1927 Alle diese Tatsachen berichtet das Moskauer Regierungsorgan!

Wie es in der „Musterstadt Stalins", die den Namen des Sowjetüiktators trägt, in den Abendstunden aussieht, zeigt gleichfalls eine Schil­derung der „Jswestija", die wir wörtlich wi.oer- geben: „Fast jeden Abend versinkt die Stadt Sta­une in undurchdringliches Dunkel infolge von Betriebsstörungen ,m städtischen Elektrizitäts­werk Man kann sich leicht vorstellen, wie sich dies au; das Leben eurer Großstadt auswirkt. Stra­ßenbahnen uno Maichuien bleiben stehen, Vor­tragende verstummen mitten in ihrem Bericht, Kur» uno lheareroon« llnngen werden unter­brochen. lautende von Zuichauern und Zuhörern drängen sich tastend dem Ausgange zu, denn in einem dunklen Saal bleibt keiner gerne sitzen. In