Ausgabe 
(28.12.1935) Nr. 358
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Nr. rss / z. Jahrgang

Sonnabend, 28. Vezember

kinzelprels 15 Npf.

eustpakt tugm der Pariser Presse

In öerlin wird amtlich mitgeteilt, daß keine zweite Unterredung zwischen dem sichrer und dem englischen öotschaster

Sir krir Plzipps stattgesunden ka»

Unser lagssspisgvl

Bei der Trauerfeier für die Toten von Groß- Heringen wird im Namen des Führers Gau­leiter Sauckel sprechen.

Ein neuer Erlaß des Reichsinnenministers regelt die einheitliche Veslaggung der Dienst­gebäude.

Entgegen Pariser Luftpaktlügen hat eine zweite Unterredung zwischen dem Führer nnd dem englischen Botschafter nicht statt­gefunden.

Der französische Kriegsminister äußerte sich über die Schwierigkeiten der Londoner Flot- tenkonserenz.

Die Außenpolitik des französischen Minister­präsidenten Lava! war in der gestrigen Kammeraussprache heftig umstritten.

Für die Hansa-Linie sind zurzeit sünf neue Schiffe im Bau.

Am 8. Januar werden sich die Mitglieder der NS.-Kriegsopserpersorgung in den Dienst des Winterhilfswerks stellen.

Das Bremer Eartenamt gibt einen ausführ­liche» Ueberblick über die geleistete Arbeit des verflossenen Jahres.

des siilirers Sank

Lr. Berlin, 28. Dezember

Im Auftrage des Leiters der Anslandscrgani- sation der NSDAP., Gauleiter Bohle, über­reichte der Leiter der Landesgruppe Schweiz, Eustloff, kürzlich der Ortsgruppe Luzern ein Bild des Führers mit eigenhändiger Unter­schrift und ein Bild des Stellvertreters des Füh­rers Rudolf Hetz, mit persönlicher Widmung. Diese beiden Bilder stellen den Dank des Führers und Rudolf Keß' für die lleberreichung der Fri- dericus-Fahne des Regiments Schwerin dar, die dem Führer auf dem Reichsparteitag übergeben wurde. Die lleberreichung der beiden Bilder an die Ortsgruppe Luzern gab Veranlassung zu einer schlichten Feier im Deutschen Heim, das sich die Gruppe selber im freiwilligen Arbeits­dienst geschaffen hat.

dr. Soebbels spricht im Nundfunk

Berlin, 28. Dezember

Reichsminister Dr. Goebbels spricht im deut­schen Rundfunk am Dienstag, 31. Dezember von 1g Uhr bis 19.10 Uhr zur Jahreswende.

Steuerschieber sind Volksschädlinge

Berlin, 28. Dezember

Wichtige Grundsätze für die Arbeit der Steuer­beamten kommen in einer Betrachtung zum Aus­druck, die im Zentralblatt der NSDÄP. für Ge­meindepolitik W. Mühlbach-Leipzig über die Ar­beit des Eemeindesteuerbeamten im nationalso­zialistischen Staat anstellt. An der Tatsache, daß es innerhalb der Berufsstände eine wenn auch verhältnismäßig kleine Zahl von unlustigen und säumigen Steuerzahlern gebe, dürfe man nicht vorübergehen. In Fällen unverschuldeter Not sei es jedes Steuerbeamten vornehmste Pflicht, alle seine Kräfte einzusetzen und in weit­herziger Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen alles zu tun, um den wirtschaftlichen Eemndungs- prozeß feines Volksgenossen zu fördern. Diejenigen aber, die sich mit Absicht, und man könne dato sagen, rein geschäfts- und gewohnheitsmäßig ihrer Steuerpflicht entziehen oder dauernd zu entziehen ver'uchten, schlössen sich selbst aus unsrer Volks­gemeinschaft aus. Hier heiße es, wachsam lein. Es sei selbstverständliches Gebot gegenüber der Gesamtheit, daß derartige B o l k s s ch ädl i n ge sofort erkannt, unbarmherzig herausgestellt und mit größtem Nachdruck auf den Weg staatsbürger­licher Pflichterfüllung zurückgeführt wurden.

Siitzne für fiausfriebensbruch

in der Tschechoslowakischen Gesandtschaft

Berlin, 28. Dezember

Wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verurteilte die 19. Große Strafkammer des Ber­liner Landgerichts den 30jährigen Erwin ^.runczik zu sechs Monaten Gefängnis und den 25jährigen Emil Wilczek sowie den 21 jährigen ^osef Labadnia zu je drei Monaten Gefängnis. Die drei Ange­klagten sind tschechoslowakische Staatsangehörige. Am 21. Oktober drangen sie in die Räume der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin ein und zerschlugen im Warte- und Borzimmer Stühle, Fenster und andere Gegenstände.

Berlin, 28. Dezember.

In der französischen Presse werden hartnäckig Meldungen verbreitet, wonach der Führer und Reichskanzler den englischen Botschafter Sir Eric Phipps am 29. Dezember zu einer zweiten Un­terredung empfangen habe. Bei dieser zweite« Unterredung, so behauptet beispielsweise das „Oeuvre" in Paris, sei der englischen Regierung ein zweiseitiges Luftabkommen vorgeschlagen wor­den. — Hierzu wird amtlich festgestellt, daß ein zweiter Empfang des englischen Botschafters nicht stattgefunden hat und somit die an diese Unter­redung geknüpften Behauptungen des „Oeuvre" in sich zusammenfallen. Auch die Darstellung des Inhalts der Unterredung vom 13. Dezember, die Frau Tabouis gibt, stammt aus dem Reich der Phantasie.

Der Außenpolitikerin des „Oeuvre" fehlt es offenbar in den Weihnachtstagen an Stoff und so beschäftigt sie sich mit der Unterredung, die der englische Botschafter Phipps in Berlin am 13. Dezember mit dem Führer hatte; sie knüpft daran allerlei Kombinationen. Im einzelnen be­hauptet sie erneut, daß der Reichskanzler den Botschafter gebeten habe, noch einmal vor Neu­jahr bei ihm vorzusprechen, sei Phipps am.letzten Freitag erneut in der Reichskanzlei gewesen, um die Besprechungen mit dem Führer wieder auf­zunehmen. Obgleich über diese zweite Unterre­dung nur sehr spärliche Gerüchte an die Öffent­lichkeit gelangt seien, wisse man, daß er dem eng­lischen Botschafter ein gegenseitiges Luftabkom­men vorgeschlagen habe. Das Hauptinteresse liege jedoch in den Bedingungen, die er an den Ab­schluß eines solchen Abkommens geknüpft habe

und die bis zur Stunde noch nicht bekannt seien. In internationalen diplomatischen Kreisen Ber­lins ziehe man jedoch schon jetzt die Schlußfolge­rung, daß Deutschland immer mächtiger und ein­flußreicher werde, und daß es deshalb wünschens­wert sei, eine wahre Verständigung zwischen Lon­don und Paris herzustellen. Es gehe auf keinen Fall an, so schließt die Außenpolitikerin des „Oeuvre" ihre in der Tat sehr phanta- sievolle Betrachtung, daß England sich in­folge der Schwankungen und Veränderungen, denen die französische Politik unterworfen sei, dazu bestimmen lasse, mit Deutschland ein gegen­seitiges Abkommen abzuschließen.

Welchen Zweck man in Paris mit solchen aus den Fingern gesogenen Nachrichten verfolgt, ist angesichts der neuen schwierigen Situation in der , französischen Kammer unverkenbar.

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Vauletter Sauckel wird im Namen des sükrers sprechen — vremens flnteilnakme an dem furchtbaren Unglück

Berlin, 28. Dezember.

Der Trauerakt für die Opser des Eisenbahn­unglücks von Eroß-Heringen ist auf den heutigen Sonnabendvormittag 11 Uhr in der Horst-WesseliSchule in Apolda angesetzt. Es ist folgendes Programm für die Trauerfeier vorge­sehen: Nach einer vom Kammerquartett Weimar ausgeführten Trauermusik spricht der General­direktor der Deutschen Reichsbahn, Dr. Dorp- müller, und legt einen Kranz im Namen der Deutschen Reichsbahn nieder. Nach ihm wird Staatssekretär Königs vom Reichsverkehrs­ministerium als Vertreter des Reichs- und preu­ßischen Verkehrsministers das Wort nehmen und in seinem Namen und gleichzeitig als Präsident des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn einen Kranz niederlegen. Für das Land Thürin­gen wird hierauf Ministerpräsident Marschier eine Ansprache halten. Nach einem weiteren Musikstück wird zum Schluß im Auftrage des Führers der Gauleiter und Reichsstatthalter Sauckel reden und Kränze niederlegen. — Die Uebertragung der Trauerfeierlichkeiten durch den Reichssender Leipzig wird vom Deutschlandsender übernommen. Ferner hat der Reichsminister des Innern aus Anlaß der Trauerfeier für das Land Thüringen die H a l b m a st b e f l a g g u n g der Gebäude der staatlichen und kommunalen Ver­waltungen, Anstalten und Betriebe, der sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen und der öffentlichen Schulen für heute angeordnet.

Wie die Reichsbahndirektion Erfurt mitteilt, konnte eines der drei bisher noch unbekannten Opfer identifiziert werden. Es handelt sich um eine Frau Rosa Schmalz aus Eroszwelsbach im Kreise Langensalza, deren Mann sich ebenfalls unter den Toten befindet. Von den bisher er­mittelten 32 tödlich Verunglückten) (nicht 33), wie es- ursprünglich hieß), sind damit 30 namentlich festgestellt. Noch unbekannt sind die Leichen zweier Frauen im Alter von 10 bzw. 65 Jahren. Wie die Reichsbahndirektion weiter mitteilt, werden nach bei der Kriminalpolizei in Eroß-Heringen eingegangenen Mitteilungen noch sieben Per­sonen von ihren Angehörigen vermißt.

Ueber die Bergungsarbeiten der vom Reichsstatthalter Sauckel und dem Präsidenten der Reichsbahndirektion Erfurt aus Riesa an die Un­glücksstelle von Eroß-Heringen herbeigerufenen Pionierabteilung erfahren wir noch, daß die Pioniere zur Durchführung ihrer schwierigen Bergungsarbeiten in der Saale Pontons mitge­bracht hatten, die sosort zu Wasser gelassen wur­den. Entgegen den zuerst auftauchenden Vermu­tungen stellte sich bald heraus, daß kein Wagen des Personenzuges in die Saale gestürzt war, aber erhebliche Wagenteile, die auch Menschen mit in den Fluß hineingerissen hatten. Durch den Zusammenstoß hatten sich die Oberteile der Wagen auf der Brücke zum Teil gelöst, die Türen waren aufgesprungen, so daß Menschen und Oberteile von Wagen in den Fluß geschleudert wurden. Binnen kurzem gelang es der aufopfernden Ar­

beit der Pioniere, aus der eiskalten Saale meh­rere Leichen zu bergen. Diese Arbeiten wurden mit allen technischen Hilfsmitteln, zum Beispiel auch durch das Ziehen von Netzen, vorgenommen. Dank des Einsatzes der Pioniere ist es gelungen, daß gerade an dieser so besonders schwierigen Un­glücksstätte die Leichen sehr schnell aus den Fluten der Saale geborgen werden konnten. So arbeite­ten Wehrmacht,Ar bei Lsdienst, SA. und andere Verbände Schulter an Schulter.

Aus Anlaß des furchtbaren Eisenbahnunglücks sandte außer den Reichsministern Dr. Frick und Freiherr von Eltz-Rllbenach und Dr. Ley u. a. auch der französische Minister für öffentliche Arbeiten, Laurent-Eynac, ein Beileids­telegramm an die Deutsche Reichsbahngesellschaft. Ferner übermittelte Bremen dem Reichsstatt­halter Sauckel seine Anteilnahme. Das Bre­mische Staatsamt teilt dazu mit: Der

Regierende Bürgermeister hat dem Reichsstatt­halter in Thüringen, Sauckel, aus Anlaß des schrecklichen Eisenbahnunglücks in dem nachstehen­den Telegramm seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht:

„Tief erschüttert von der Nachricht über das schreckliche Eisenbahnunglück, das am Heiligen Abend so viele deutsche Menschen in Trauer ver­setzt hat, bringe ich Ihnen in aufrichtigem Mit­gefühl namens des Senats der Freien Hansestadt Bremen meine herzlichste Anteilnahme zum Aus­druck."

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ll'mäus (links, mit Ilmkanx) bei äsr. vurxbkuürung äsr karaäs.

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Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz, der Pressedienst der NSDAP., schreibt zum heu­tigen Geburtstag des Stabschefs der SA.:

Heute begeht der Stabschef der SA.,,Viktor Lntze, seinen 15. Geburtstag. In den ersten An­fängen der Bewegung kam er zu Adolf Hitler, einer der ersten Kämpfer für den Nationalsozia­lismus in Norddentschland. Es war kein leichter Boden, auf dem er den Kampf durch­kämpfen mußte. Berlin, Hamburg, das sächsische nnd das rheinisch-westfälische Industriegebiet waren seit dem Zusammenbruch des Jahres 1918 immer wieder, in fast regelmäßigen Abständen, vom Fieber marxistischen Aufruhrs durchschüttelt worden. Der Gau Ruhr, dessen Eausturmfllhrer Viktor Lutze bald nach der Neugründung der NSDAP. wurde, war eine Hochburg des Marxis­mus. Mit unermüdlicher Kleinarbeit, mit uner­hörten Opfern mußte die nationalsozialistische Idee hier hineingetragen werden in das Volk. Aber was einmal gewonnen worden war, das stand auch fest und hart zum Führer und zur Bewegung.

Viktor Lutze, Frontoffizier des Weltkrieges, hat den Kampf der SA. von seinen schwersten Anfängen an mitgemacht. Wie jeder örtliche SA.- Führer hat er um jeden Fußbreit Boden, um jede Seele des deutschen Menschen ringen müssen. So ist er gewachsen mit der SA., bis ihn der Führer nach der schweren Krise des 30. Juni 1934 zum Stabschef ernannte.

Wiederum war es eine harte Aufgabe, vor die Viktor Lutze gestellt worden war. Systematisch wurde sie angepackt. Die zu breit angelegte Organisation der SA. galt es zu einer geschulten, glaubensstarken, dem Führer fana­tisch treu ergeb enen Truppe zusammen­zufassen. Wie in der Kampfzeit mutzte jeder ein­zelne SA.-Mann nicht nur in seiner Formation, sondern an seiner Stelle im täglichen Kampf des Volkes, im Beruf und im persönlichen Leben zum kämpferischen Träger und Künder der national­sozialistischen Weltanschauung werden. Immer dann, wenn es darum geht, die unbedingte Treue und den unzerstörbaren Glauben an die Führung zu erweisen, da soll diese Truppe, als der Grund­stock dieser Zuverlässigkeit, im Volke stehen.

Wenig über ein Jahr ist es her, daß Viktor Lutze vom Führer mit diesem Auftrag an die Spitze der SA. gestellt wurde. In dieser kurzen Zeit ist es ihm gelungen, die Umwandlung, die die SA. wieder in die alte Richtung und die alte Aufgabe zurückführte, zu vollziehen. Die Umorganisation der SA., die einheitliche Aus­richtung der Führerschaft, alles das wurde ge­schafft. Und wenn Stabschef Lutze heute seinen 45. Geburtstag begeht, dann kann er — mitten im Werk, im Schaffen stehend - zurückblicken auf ein gewaltiges Stück Arbeit, das er dem Führer und dem deutschen Volk geleistet hat.