Ausgabe 
(21.12.1935) Nr. 352
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Parteiamtklageszeitung der

Das flmksblatt des Senats

Nationalsozialisten Bremens

d er Zreien lzansestadt Bremen

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Sonnabend, 21. Dezember

kinzelpreis 15 Npf.

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Vittsthastsbelebung steigert Steuereinnastmen

SlaalssekrelLr keinhardl über die von der nationalsozialistischen sülzrung erzielte öesundung der keichssinanzen krsolge der öeamtenumschulung in der Steuerverwaltung / Wichten des einzelnen im dienst der Volksgemeinschaft

Lehren der Seschichte

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Unser lagesspiegvl

Vor den Eauwettkampfausschüssen fand der letzte Appell zum Reichsberufswettkampf statt.

Staatssekretär Reinhardt äußerte sich über die Steigerung der Steuereinnahme«.

Die Reichskriegertage werden, wie jetzt fest- ' steht, alljährlich in Kassel stattfinden.

Die Landsmannschaften von Eupen-Malmedq machen gegen die Vertreibung Heimattreuer Front.

Die englische Regierung hat an die Völker- bundsstaaten die Frage gerichtet, wieweit sie zu militärischen Sühnemaßnahmen bereit seien.

Auf dem ostasrikanilchen Kriegsschauplatz haben die Italiener 12 große Bombenangriffe durchgeführt.

Der amerikanische Senator Pittmam hat eine scharfe antijapanische Rede gehalten.

VDM. und Jungmädel konnten am zweiten Tag der WHW.-Aktion der Bremer Hitler- Jugend 18 528 Reiterlein verkaufen.

Im Gewerbehaus fand die Zuteilung von Baugeld der Sparkasse in Bremen statt.

Kr. Berlin, 21. Dezember.

Die Arbeitstagung des Sozialamtes der Deut­schen Arbeitsfront, die vom 16. Dezember bis gestern in Verlin-Zehlendorf stattfand, wurde mit einem Vertrag des Staatssekretärs im Reichs­finanzministerium Reinhardt über das Thema Arbeit und Steuer" abgeschlossen. Dieser Ver­trag diente vor allem dem Nachweis, daß die Ar­beitsleistungen und die Steuerleistungen der Nation in ihrer Entwicklung gewissermaßen parallel verlaufen und daß zwischen beiden deut­liche Wechselwirkungen bestehen.

Die Maßnahmen der nationalsozialistischen Reichsregierung haben in den letzten Jahren durch die steigende Einschränkung der Er­werbslosigkeit zu einer Belebung der Wirt­schaft und damit gleichzeitig zu einer Gesun­dung der Reichsfinanzen und einer dauern­de» Steigerung der Steuereinnahme« geführt..

Während einerseits sehr ansehnliche Summen für die Arbeitsbeschaffung aufgewendet wurden, hat umgekehrt die damit erzielte Wirtschafts- Lelebung die Rückwirkung gehabt, daß die Steuer­kraft der Bevölkerung und somit auch die Steuer- einnahmen des Reiches von Jahr zu Jahr ge­stiegen sind und weiter steigen. Jnfolgedsssen kann nicht nur der Reichshaushalt ausge­glichen werden, sondern es können auch die sogenannten Vorbelastungen allmählich abgedeckt und schwebende Schulden in lang­fristige Anleihen umgewandelt werden. Ebenso ist auch weiterhin die Bereitstellung großer Mittel möglich, die für die Durchführung der vom s und Reichskanzler gestellten nationalen Au erforderlich sind.

Die Steigerung der Steuereinnahme« ist noch besonders durch eine umfassende Ver­besserung des Steuerapparates gefördert worden.

Das gilt vor allem auf dem Gebiete der Um­schulung einer großen Zahl von Beamten in höherem Dienstalter für solche Zweige der Steuer­verwaltung, in denen Mangel an geeigneten Kräften besteht. So werden insbesondere zahl­reiche ältere Zollbeamte aus den Erenzdienst gezogen und für die Verwaltung in den Finanz­ämtern umgeschult. Damit wird eine gründ­lichere Erfassung der Steuerleistün- gen erzielt, die hohe Beträge für die Reichskasse einbringen.

Im Rahmen des Möglichen soll selbstverständ­lich auch eine Senkung der Lasten erwogen wer­den, um damit wieder die Kaufkraft der Bevöl­kerung zu heben. Die steuerliche Gesamtarbeit soll, wie der Staatssekretär am Schluß seiner Rede eindringlich forderte, stets von dem Ge­danken der Pflicht getragen sein, die jeder einzelne an seinem Platz im Dienste der Volks- gemeinfchaft zu erfüllen hat.

London fragt: wer ls« für militärische Sanktionen

Völkerbundsstaaten fallen sich entscheiden / Vas britische Parlament bis zum 4. februar vertagt

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Sven Sedin über den sichrer

Stockholm, 21. Dezember.

Der bekannte Asienforscher Dr. Sven Hedin kehrte soeben von einer längeren Vortragsrerse in Deutschland zurück. Die Morgenblätter am Freitag bringen Erklärungen Sven Hedins über seine Eindrücke in Deutschland und seine Plane für die Zukunft. Auffallenderweise bringt das RegierungsorganSocialdemokraten"- auf der ersten Seite unter der doppelzeiligen Ueberschrrft Sven Hedin über Hitler und das Deutschland von heute" den umfangreichsten Bericht über die Unterredung mit dem heimgekehrt«« Asienforscher Hedin erklärte u. a. folgendes: ,,^m Unterschied zu der unsicheren Lage im Deutschland von früher hat sich dort jetzt etwas Festes -rnd Be­stimmtes herauskristallisiert. Die meisten Deutschen strahlen von Zufriedenheit, und das neue Heer hat die alte Tradition für Disziplin und Organisation geweckt." Das Blatt stellt an­schließend daran fest, daß Hedin seineseit Jahr­zehnten allenthalben bekannten Sympathien für Deutschland entwickelte und im gleichen Atemzüge seine warme Sympathie für Hitler biüäkis"

Ueber seinen Besuch Heim Führer erklärt Sven Hedin u. a.:Er hat viele meiner Bücher gelesen und unterhielt sich auch mit großer Kenntms über Dinge, die meinem Interesse naherlagen. NachStockholms Tidningen" hat das Olympische Stadion in Berlin auf Sven H/dm einen groß­artigen Eindruck gemacht. Eine besondere Freude habe es ihm ferner bereitet, als er m Stettin den ireisen Feldmarschall von Mackensen gesehen ^abe, der gar nicht wie ein 86 jähriger ausgesehen zabe.

Mchtsest in vavretitl,

Vayreuth. 21. Dezember.

Das Richtfest des Bücherei- und Lehr­mittelgebäudes. das neben dem Haus der Teutschen Erziehung ersteht, wurde Freitag nach­mittag im Beisein zahlreicher Ehrengast« festlich begangen. Nach dem Entwurf des Architekten Reissinger und unter der Bauleitung des Regie­rungsbaumeisters Locke ist der stattliche Neubau entstanden, der bei 60 Metern Länge und 13 Me- lern Breite das Haus der Deutschen. Erziehung flankiert und zur Aufnahme der Bücherei und Lehrmittel des NSLB. dienen soll. In knapp rier Monaten wurde von 120 Arbeitern der Roh­bau fertiggestellt. ,, .

Bei dieser Gelegenheit sprach zum ersten Mal in seiner neuen Amtstätigkeit Gauleiter Waechtler. Sein erstes Gedenken galt seinem verewigten Vorgänger Hanns Schemm, auf den der Plan zu diesem Bau zurückzuführen ist. Seine dann an die Arbeiterschaft, die Erzieherschaft und das aanze deutsche Volk gerichteten Worte gipfel­ten in der Feststellung, daß Adolf Hitler zugleich der erste Arbeiter und der erste Erzieher des deut­schen Volkes ist. Die schlichte Feier schloß mit einer Huldigung für den Führer. ,

Jährliche Neichskriegertage in Kassel

Berlin, 21. Dezember.

Wie der Kyfshäuserbunü mitteilt, hält der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund e. V.) von nun an in jedem Jahr einen Reichskrieger­tag, und zwar in Kassel ab. Diesem . Groß- ausmarsch alter Soldaten wird in Zukunft stets eine Arbeitstagung vorausgehen.

London, 21. Dezember.

Die britische Regierung hat mit mehreren Völ­kerbundsstaaten Fühlung genommen, um festzu­stellen, bis zu welchem Grade die Staaten bereit sind, ein angegriffenes Land nicht nur mit dem Mittel wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen, sondern auch militärisch zu unterstützen. Reuter glaubt annehmen zu können, daß in erster Linie Mittelmeermächte wie Spanien, Jugoslawien und Griechenland befragt worden sind. In amtlichen Kreisen wird in dieser Angelegenheit große Zu­rückhaltung beobachtet.

Die beiden Häuser des englischen Parlaments haben sich am Freitagnachmittag bis zum 1. Fe­bruar vertagt.

2n der Schlußsitzung des Unterhauses hatte die Arbeiteropposition, da nur wenige Regierungs­anhänger anwesend waren, überraschend einen An­trag eingebracht, nach dem das Unterhaus be­reits am 21. Januar wieder zusammentreten sollte. AIs Grund wurde der drohende Bergarbei­terstreik sowie der Umstand angegeben, daß die Regierung im Hinblick auf ihre außen­politischen Fehler in jüngster Vergangen­heit nicht länger als einen Monat ohne Aufsicht des Unterhauses bleiben könnte. Die Regierungs­einpeitscher konnten eine sofortige Abstimmung über den Antrag verhindern, indem sie die Aus­sprache in die Länge zogen, so daß in der Zwischen­zeit eine genügende Anzahl von Anhängern der Regierungsparteien fernmündlich und telegraphisch ins Unterhaus gerufen werden konnte. Der An­trag wurde dann mit 103 gegen 81 Stimmen a b - gelehnt.

Unter Führung des nationalen Arbeiterpartei- abgeordneten Mäbane haben 13 Abgeordnete im Unterhaus einen Antrag niedergelegt, der die Re­gierung ersucht Vorbereitungen zur Revision der Friedensverträge von 1919 und 1920 zu treffen.

Paris, 21. Dezember.

Die nationalistische Pariser ZeitungLiberts" fragt sich im Hinblick auf die neue Zu­spitzung im italienisch-abessinischen Konflikt, ob man am Vorabend eines neuen Waffenganges stehe und ob der sinnlose Fall eintreten sollte, daß sich die Völker Europas wegen eines Barbaren­königs gegenseitig totschlagen. Wenn die eng­lischen Staatsminister in der Tat derartige Pläne hätten, müsse ihnen so schnell wie möglich bei­gebracht werden, daß Frankreich nicht mittun werde. Bereits gegen seinen Willen habe Frank­reich an den Sühnemaßnahmen gegen Italien teilgenommen. Militärische Maßnahmen seien nie in Aussicht genommen worden. Falls aber die

anderen ihre Meinung geändert haben sollten, Frankreich habe sie nicht geändert.

Dem Krieg, in den man Frankreich treiben wolle, werde es nicht mitmachen. Friede, das sei das einzige Wort, was Frankreich sowohl England wie dem Völkerbünde zurufen müsse.

Rom, 21. Dezember.

In römischen politischen Kreisen wird die durch die llnterhausdebatte entstandene völlig neue Lage mit der größten Zurückhaltung betrachtet. Auch amtliche Kreise vermeiden jede Stellung­nahme. Die römische Abendpresse beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Frage der Verant­wortung an dem Scheitern der letzten englisch- französischen Vermittlungsaktion. lleberein- stimmend bringen die Blätter zum Ausdruck, daß die Schuld keinesfalls auf Italien oder gar auf die letzte Rede Mussolinis in Pontinia geschoben werden könne.

Das halbamtlicheGiornale d'Jtalia" schreibt, Mussolini habe in dieser Rede kein Urteil über die französisch-englischen Vorschläge abgegeben, sondern sich nur darauf beschränkt, eine der grund­legenden Bedingungen, die für eine italienische Siedlungsaktion in Lstafrika unerläßlich sei, fest­liegen. Auch wenn eine sofortige Annahme der Vermittlungsvorschläge möglich gewesen wäre, hätte dies nur den Illtrasanktionisten einen Grund mehr für ihre Opposition in die Hand gespielt.

Anderseits habe eine sachliche Prüfung der Vor­schläge und ihre Klärung nicht in wenigen Tagen abgeschlossen werden können. Es sei daher Unsinn, in den Worten Mussolinis oder in seinem Schrei­ben den Grund für die englische Krise suchen zu wollen.

Giornale d'Jtalia" versucht im übrigen an Hand von englischen Zeitungsstimmen weiter nach­zuweisen, daß seit Tagen auf Veranlassung ver­schiedener englischer Minister die Sabotage der Friedensvorschläge und der Arbeit von Hoare im Gange war. Hätte Italien, so schreibt das Blatt, ohne Zögern die Vorschläge an­genommen, so hätte es unmittelbar darauf erleben müssen, wie die Vorschläge torpediert oder aber bei der Aussprache tiefgehend abgeändert worden wären.

Nach demLavoro Faszista" zeigt sich jetzt klar der Grundfehler, der von Anfang an mit der Gleichstellung Italiens und Abessiniens begangen worden sei, und auf den Italien immer wieder vergebens hingewiesen habe. Praktisch sei die abessinische Frage bereits im Begriff, nach und nach aus der Reihe der großen europäischen Probleme zu verschwinden. Diese Entwicklung sei nur gerecht, da es sich in der Tat bei dem italienisch-abessinischen Streit um eine Kolonial­frage handele, über die Italien allein zu ent­scheiden habe.

flmerika fWt sich bedroht

Schorfe antt-japanische Nede Senator pittmans - Vachington rückt ab

Washington, 21. Dezember

Der Vorsitzende des Senatsausschusses für aus­wärtige Angelegenheiten, Senator Pittman, hielt vor seiner Rückkehr nach Washington in Ne- vada eine aufsehenerregende Rede, in der er er­klärte, daß Japan die Welt erobern wolle.

Senator Pittman, der zu den führenden Per­sönlichkeiten der regierenden demokratischen Par­tei gehört, führte ü. a. aus, daß die Vereinigten Staaten unweigerlich in einen Verteidi­gungskrieg im Stillen Ozean ver­wickelt werden würden, wenn die derzeitige japa­nische Regierung am Ruder bleibe. Er behaup­tete, daß die Eroberung Chinas der erste Schritt sei, dem ein japanischer Einfall auf den Phi­lippinen in Hawai und an der Westküste der Vereinigten Staaten folgen werde. Er ging so

Ministerpräsident Köring gab gestern im preußischen Staatsministerium auf einer Konfe­renz der Ober- und Regierungspräsidenten den höchsten Beamten der preußischen Provinzen und Regierungen richtunggebende Weisungen für die Arbeit im kommenden Jahr.

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weit, sogar von der Gefahr einer Besetzung der Westküste Mexikos und Südamerikas durch Japan zu sprechen

Er erklärte, daß der Tag kommen werde, an dem Amerika um sein Dasein gegen Japan kämp­fen müsse. Es könne vor Japans Vordringen entweder immer weiter zurückweichen oder sich entscheiden, Japan zu erklären:Bis hierher und nicht weiter!"

Senator Pittman verwies darauf, daß der Völkerbund versagt habe und Japan mit den Bindungen Englands in Europa und der pazifi­stischen Gesinnung in Amerika rechne. Er schloß mit den Worten:Nur vor einem hat Japan

Angst, und das ist die Zusammenfassung der briti­schen und amerikanischen Flotte. Wenn die bei­den Flotten gleichzeitig in der Nähe Japans Manöver abhalten sollten, so würde Japan klein beigeben, ohne daß wir einen Schutz. abzugeben brauchten."

In maßgebenden Kreisen in Washington wer­den die Ausführungen von Senator Pittman nicht ernst genommen. Man betont, von der Rede vor­her keine Kenntnis gehabt zu haben. Im Staats­departement wird der scharfe Ton gegen Japan um so mehr bedauert, als Pittman Vorsitzender des Senatsausschusses für auswärtige Angelegen­heiten ist.

Japans Südsee-poMik

Tokio, 21. Dezember.

Das Kabinett beschloß die Errichtung einer Southseas Development Co. mit 20 Millionen den Kapital. An der Eründungsversammlung nahmen Vertreter sämtlicher Ministerien, des Handels, der Industrie und der Schiffahrt teil. Im auswärtigen Amt wurde außerdem eine neue Abteilung für Südsee-Angelegen- heiten eingerichtet.Tokio Asahi Schimbun" bemerkt dazu, daß Japans Südseepolitik nur auf freundliche Begehungen mit den Södseeländern gerichtet sei. Die neue Gesellschaft werde be­weisen, daß Japan keine Eroberungsabsichten gegenüber Australien, den Philippinen, Hollän- disch-Jndien oder anderen Südseebesitzungen habe.

Vor und nach der deutsch-englischen Flotten- oerftändigung

K.. Wenn wir die von der deutschen Außen­politik im Jahre 1935 erzielten Erfolge über­blicken, verdient als eines der allerwichtigste« Ereignisse der Abschluß des deutsch-eng­lischen FlottenaLkommens hervorge­hoben zu werden. Er brachte die Verständigung in einer Frage, die noch Lis vor kurzem für un­lösbar erklärt wurde. Ein erstes Beispiel wirk­licher Rüstungsbegrenzung wurde gegeben, und der so in die Tat umgesetzte Friedenswille des Führers schuf die Voraussetzungen für eine weitere deutsch-englische Annäherung, deren Be­deutung durch folgenden Rückblick auf die vergeb­lichen Verständigungsbemühungen zwischen Berlin und London vor dem Weltkrieg noch unter­strichen werden soll.

Man hat das Jahr 1898 im Hinblick auf eM Zusammengehen zwischen Deutschland und Eng­land als das der verpaßten Gelegenheiten be­zeichnet; nicht unwesentlich jedoch ist es für die Beurteilung gerade der Vorgänge um die Jahr­hundertwende, daß bereits Bismarck eine Anfrage über die Möglichkeit eines deutsch-eng­lischen Bündnisses nach London richtete und daß die Worte des englischen Staatsmannes Cham- berlain:Ohne Deutschland kein Ge­danke an Sicherheit" schon 1889 fielen. Wenn Bismarck trotz der nicht ungünstigen Lon­doner Antwort seine ursprüngliche Absicht nicht zur Ausführung brachte, so mag ihn dabei der stärkere Vorsatz geleitet haben, das der Isolierung preisgegebene Frankreich nicht an die Seite Ruß­lands zu treiben. In diesem Zusammenhang ist oft die Frage gestellt worden, wie er, Bismarck, sich später, in den entscheidenden Monaten des Jahres 1898, dem englischen Angebot eines Defensiv-Bündnisses gegenüber verhalten hätte. Es ist jedoch müßig, hierüber Betrachtungen an­zustellen, da bei der ablehnenden Entschei­dung Vülows eine Reihe von Faktoren mit­spielten, die sich einer diplomatischen Einwirkung entzogen und ihre letzte Ursache in einem tief­wurzelnden Mißtrauen hatten.

Die Vorbedingungen für eine deutsch-englische Verständigung waren drei Jahre vor der Thronbesteigung Eduards VII. aller­dings außerordentlich günstig. Nicht nur war 1898 Rußlands Vormarsch in Ostasien für England be­ängstigend : auch Frankreichs Afrika-Politik durch­kreuzte Britanniens Interessen (Hissung der französischen Flagge bei Faschoda!). Noch bevor die englisch-russischen und die englisch-französischen Spannungen ihren Höhepunkt erreichten, war der britische Kolonialminister Chamberlain eifrig am Werk, der Gefahr der Isolierung feines Landes durch ein Abkommen mit Deutschland zu begegnen. Es kam zu mehreren Unterredungen der eng­lischen Staatsmänner mit dem deutschen Bot­schafter in London, dem Grafen v. Hatzfeld, bei denen der stellvertretende britische Ministerpräsi­dent Arthur Balfour der Chef des Londoner Kabinetts, Salisbury, weilte außer Landes erklärte:Es gibt keine gegensätzlichen Interessen in den großen politischen Problemen, die uns trennen." Und Chamberlain brachte nicht mehr und nicht weni­ger als Englands Bereitschaft, dem Bund zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien bei- zutreten, zum Ausdruck. Das Ziel des englischen Kolonialministers, einen Bundesgenossen für die Verteidigung britischer China-Interessen zu gewin­nen, war nun freilich nicht geeignet, Deutschlands (unbegründete) Bedenken zu zerstreuen, Rußland und Frankreich könnten im Falle eines Vertrags­abschlusses mit London sofort über Deutschland herfallen. Bülow glaubte jedenfalls, Gründe zu haben, die Verhandlungen über das englische Angebot, ohne es formell abzulehnen, bis 1901 er­gebnislos hinzuziehen. In diesem Jahre, als man in Berlin noch einmal den Gedanken eines deutich-englischen Bündnisses aufgriff, hatte sich das Blatt aber bereits so weit gewendet, daß auch die schönfärbenden Berichte des deutschen Bot­schaftsrates in London, Eckardstein, die Situation des Jahres 1898 nicht noch einmal herbeiführen konnten. England lehnte nunmehr jede Verpflich­tung gegenüber Oesterreich, auf die es der deut-