Ausgabe 
(19.12.1935) Nr. 350
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partelamtklageszeitung der

Das Amtsblatt des Senats

Nationalsozialisten Vremens

der Freien Hansestadt Dreinen

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Nr. 550 / 5. Zatirgang

Vonnerstag, 1S. Vezember

kinzelpreis 15 Npf.

Hie sicherste fichnmg vermittelt der Instinkt

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l!r. tezl auf der strbeirslagung des Sozialamtes der deutschen Srbeitsfrant über die neue Sozialordnung Deutschlands

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Der Genfer Rat hat die Aussprache über den Pariser Friedensplan vertagt.

An der abessinischen Nordfront habe» schwere Kämpfe bisher über 1880 Tote und Ver­wundete gefordert.

Der englische Autzenminister Hoare ist gestern abend zurückgetreten.

Der Präsident von Venezuela, Eomez. ist ge­storben.

Die tschechoslowakische Nationalversammlung hat Dr. Venesch zum Staatspräsidenten ge­wählt.

Die Filmtheater sind ab sofort zur Eintritts- ermatzigung für Wehrangehörige berechtigt.

Gestern abend wurde auf dem Domshof die WHW.-Aktion der Hitler-Jugend durch Kreis- leiter Blanke eingeleitet.

Im Wilhelm-Decker-Haus und im Hansa- Theater fanden Versammlungen der Be- triebsfllhrer und Gefolgschaften der bremischen Hafenbetriebe statt.

Die zweite Fischverteilung findet am kommen­den Sonnabend in der Zeit von 18 bis AI Uhr statt.

Veurfcher Protest in Vriissel

Brüssel, 1g. Dezember.

Das Appellationsgericht in Lüttich hatte am 2t. Oktober d. I., wie berichtet, gegen vier Heimat­treue Bewohner von Eupen-MaHmedy die Aus­bürgerung verfügt. Nachdem von der belgischen Regierung ungeachtet aller von der deutschen Re­gierung gegen das Ausbürgerungsgesetz vom M. Juli 1334 und gegen den Ausbiirgerungs- prozeh erhobenen Vorstellungen mit kürzester Frist die endgültige Ausweisung der vier Heimattreuen verfügt worden ist, hat die deutsche Regierung durch ihren Geschäftsträger in Brüssel nochmals schärfsten Protest gegen das Vorgehen der belgi­schen Regierung einlegen lassen.

ver Landflucht wird ;u Leibe gerückt

Lr. Berlin, 19. Dezember.

Innerhalb der vom Siedlungsbeauftragten des Stellvertreters des Führers geleiteten Akademie siir Landesforschung und Reichsplanung wurde jetzt der Hauptausschutz „Landflucht" gebildet, dessen Vorsitz der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Dr. Groß, übernommen hat. Dr. Trotz beschäftigte sich in seiner Einführungs­rede grundsätzlich mit den Fragen der Landflucht und der Verstädterung, von deren Lösung für die Zukunft des deutschen Volkes alles abhänge. Auf­gabe des Hauptausschusses sei es, durch wissen­schaftliche Arbeit die Voraussetzungen für einen kämpferischen Einsatz zu schaffen, der rm Volke selbst ein neues Gefühl für den Wert natürlichen und landschaftlichen Lebens erwecken soll.

Berlin, 19. Dezember.

Auf der Arbeitstagung des Sozialamtes der Deutschen Arbeitsfront, die vom 16. bis 21. Dezem­ber in Berlin stattfindet, ergriff gestern Reichs­leiter Dr. Ley, stürmisch begrüßt, das Wort. Er führte u. a. aus: Die sicherste Führung ver­mittelt der Instinkt. Alles Wissen ersetzt nicht den Instinkt, den gesunden Menschenverstand.

Führe« kann darum nur der, der das Glück hat, sich mit seinem gesunde» Instinkt ein reiches Wissen anzueignen.

Wer alle Lebensgesetze der Kultur und Rasse kennt, der kann auch felsenfest glauben und sein Empfinden wissenschaftlich begründen. Schwache und halbe Menschen brauchen dauernd Kommen­tare, an die sie sich halten wollen. Dr. Ley ging im Anschluß auf die Frage der Führung von wirtschaftlichen Unternehmungen ein und erklärte, datz es eine Doktrin in wirtschaft­

lichem Sinne überhaupt nicht gäbe, sondern auch hier die Frage von Wichtigkeit sei:

Leistest du etwas und bist du anständig?

Was sozialpolitisch falsch sei, sei auch wirtschaftlich falsch, wie umgekehrt alles, was wirtschaftlich falsch sei, sich in der gleichen Weise sozialpolitisch als falsch herausstellen müsse. Auch über dem Aufgabengebiet der Sozial- ordnung müsse die Frage stehen: Nützt unsere Sozialordnung Deutschland?

Ueber die Frage der Betreuung des schaffenden Menschen kam der Reichsorganisationsleiter auf die Betriebsgemeinschaften und ihre Arbeit zu sprechen und betonte hier: Gesund­heit, Sauberkeit, Ordnung, Disziplin, Vernunft und Einsicht müssen wir fordern. Der Betrieb ist unsere Zelle, die Betriebsgemeinschaften sind unsere Nervensysteme. Kapitalismus ist ein technisches Hilfsmittel, das ich zum Betrieb

brauche, es wird erst zum Kapitalismus übler Prägung, wenn das Geld nach politischer Macht strebt. Dann sagen wir „halt".

Wir haben aus dem Gebiet einer sauberen Ver­waltung in den zwei Jahren Gewaltiges ge­leistet. Wir sind gesund, wir haben bares Geld. wir werden der Wirtschaft ein vorbildliches Ver­sorgungssystem geben.

Die Menschen müssen ihr Schicksal in der neu­gewonnenen Selbstverwaltung selber meistern und in vernünftiger Zusammenarbeit gemeinsam arbeiten. Ich glaube, datz das eine vernünftige Volksgemeinschaft ist.

Eroher Beifall dankte Dr. Ley für seine Aus­führungen. Ämtsleiter Pg. Wende richtete den Gruß und das Gelöbnis der Tagung an den Führer: Alles zum Besten des ganzen deutschen Volkes!

Englands fWenminister zurückgetreten

Ne Nackfolgeschast von Hoare «rock ungeklärt / Ver Senfer Not vertagt die flussprache Über den pariser sriedensplan

Japan will nicht nachgeben

Tokio, 19. Dezember.

Während einer Beratung im japanischen Haus­haltsausschutz erklärte Vizeadmiral Pamamoto, Japan werde nicht zögern, die Londoner Flotten- konferenz scheitern zu lassen, wenn die japanische Forderung auf eine gemeinsame Höchstgrenze der Rüstungen nicht angenommen werden sollte.

Mussolini: »Bis ;u knde kämpfen!"

Rom, 19. Dezember.

Mussolini hat in den früheren pontinischen sümpfen eine neue Gemeinde Pontinia, die dritte Siedlung in dem trockengelegten Ge­rade, eingeweiht. Nach Besichtigung der neiwn Siedlungshäuser hielt Mussolini eine Ansprache, >n der er folgendes ausführte:

.Der heutige Opfertag der Trauringe ist zugleich em Tag des Glaubens und des Bekenntnisses des ganzen italienischen Volkes. Was der Faschismus '» den letzten Jahren mit der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe und der Gründung von drei neuen Gemeinden geschaffen hat, ist der beste Matzstab für die Tatkraft des neuen Italiens und die Leistungsfähigkeit der Revolution der «chwarzhemden. 380 900 Hektar neues Getreide­land sind bereits für die italienische Landwirt­ichast aus diesem Sumpfgelände zurückgewonnen worden. Das italienische Volk kann einer sehr langen Belagerung Widerstand leisten, weil es weitz, datz es das Recht auf seiner Seite hat. Der Krieg, der in Afrika begonnen hat, ist Esn Krieg der Zivilisation. Gegen uns steht die aront des Konservativismus, der Selbstsucht und aer Heuchelei. Gegen diese Front liegen wir im Kampf, der hart ist, den wir bis zu Ende durch­kämpfen werden.

London, 19. Dezember.

Der englische Autzenminister Sir Samuel Hoare ist, wie Reuter meldet, am Mittwoch gegen 22.48 Uhr zurückgetreten. Wer sein Nachfolger wird, ist noch völlig ungeklärt. Man hält es für möglich, datz Baldwin vorläufig das Autzenministerium mit verwalten wird, andererseits glaubt man, datz Neville Chamberlain Autzenminister werden wird.

Welchen Einfluh der Rücktritt Haares auf die für heute angesetzte autzenpolitische Aussprache haben wird, ist gleichfalls noch ungewitz. Man nimmt an, datz die autzenpolitische Aussprache stattfindet, datz aber an Stelle Haares Baldwin als erster spreche« wird.

Sir Samuel Hoare wurde im letzten Juli zum englischen Autzenminister ernannt, und zwar als Nachfolger Sir John Simons. Er ist also knapp sechs Monate im Amt gewesen. Sein Rücktritt dürfte ausser durch die außenpolitischen Ereignisse u. a. auch durch seinen Gesundheitszustand mit verursacht sein. Hoare litt stark an Rheumatis­mus, der ihn in der letzten Zeit außerordentlich mitgenommen hat. Als Politiker hat er eine längere Laufbahn hinter sich. Er hat sich in meh­reren Staatsämtern, u. a. als Staatssekretär für Indien, ausgezeichnet. Dieses Amt hatte er seit 1931 inne.

Gens, 19. Dezember.

Der Völkerbundsrat hat Mittwoch abend eine öffentliche Sitzung abgehalten, um die englisch­französischen Anregungen zur Erledigung des italienisch-abessinischen Streitfalles entgegenzu­nehmen. Der Platz Italiens am Ratstisch blieb unbesetzt. Der italienische Beobachter war jedoch unter den Sachverständigen der Abordnungen im Saale anwesend.

Der 'englische Minister Eden gab eine Er­klärung ab, in der er betonte, datz die Pariser Vorschläge nicht gemacht worden seien, um auf ihnen in jedem Falle zu beharren. Sie sollten vielmehr die Stellungnahme der drei Parteien zu ihnen erreichen, und nur zu diesem Zwecke empfehle sie die britische Regierung.

Wenn sich herausstellen sollte, datz diese Bor­schläge der wesentlichen Voraussetzung einer Zustimmung der beiden Parteien und des Völkerbundes nicht genügen sollten, könne die britische Regierung sie nicht weiterhin empfehlen oder unterstützen.

Der augenblickliche Versöhnungsversuch müsse von ihr dann als gescheitert angesehen werden und die britische Regierung wünsche ihn in diesem Falle nicht weiter fortzusetzen.

Ministerpräsident Lava! betonte gleichfalls, datz für alle Regelungsvorschläge die Genehmigung des Völkerbundsrates notwendig sei. Solange von anderen Regierungen keine Stellungahme vorliege, werde es der Rat vielleicht für richtiger halten, sich nicht zu äußern.

Nach einer längeren Erklärung des abessinischen Vertreters Wolde Mari am, der sich mit der italienischen Politik auseinandersetzte, und den Völkerbund bat, Abessinien nicht im Stich zu lassen, ergriff der Ratspräsident das Wort, um festzustellen, datz die Auffassung der italienischen Regierung noch nicht bekannt sei. Der Rat habe den Wunsch, die Aussprache auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Der Rat stimmte dem stillschweigend zu und die Sitzung wurde ge­schlossen.

Die Vorgänge der letzten zehn Tage haben, wie weiter aus Genf berichtet wird, insofern ein neues Moment geschaffen, als das Vertrauen zahlreicher Völkerbundsmitalieder in die Erundsatzfestigkeit der führenden Mächte, stark erschüttert ist. Man kann hier die Bemerkung hören, datz, der Plan wenigstens eines erreicht habe, nämlich die Stimmung so grundsätzlich zu verderben, datz das Abbröckeln der Front der an der Durchführung der Sühnematznahmen teilnehmenden Mächte nur noch eine Frage der Zeit sei.

Von einer Aufhebung der Sanktionen kann zunächst allerdings nicht die Rede sein. Es ist sogar bezeichnend, dass sich im Gefolge Edens ein Fachmann für Erdölfragen befindet.

Line abessinische krklärung

Genf, 19, Dezember.

Der abessinische Vertreter hat Mittwoch im Völkerbundssekretariat eine längere Erklärung des Kaisers überreicht, die eine ausführliche Dar­legung des abessinischen Standpunktes enthält, je­doch aus taktischen Gründen eine ausdrückliche Ab­lehnung des englisch-französischen Fried-ensplanes vermeidet. Im einzelnen werden aber folgende Einwände erhoben:

Kein Organ des Völkerbundes ist befugt, einem Mitgliedsstaat eine Gebietsabtretung oder auch nur einen Eebietsaustausch, aufzuerlegen oder anzuraten. Dies wäre eine Verletzung des

Artikels 10 des Völkerbundsvertrages. Die Pari­ser Vorschläge versuchen aber unter dem Deckman­tel eines Gebietsaustausches Absffnien eine Ge­bietsabtretung aufzuerlegen oder gebieterisch an­zuraten. Kein Organ des Völkerbundes ist befugt, einem Mitgliedsstaat die Einräumung von wirt­schaftlichen Vorrechten für einen Teil seines Ge­bietes gegenüber einem dritten Staat aufzuer­legen, noch anzuraten.

Irauringe werden geopfert

Rom, 19. Dezember.

Am „Altar des Vaterlandes", dem jedem Rom­reisenden bekannten National-Denkmal, hat am Mittwochvormittag das feierliche Opfer der Trauringe für den Goldschatz der italienischen Staatsbank begonnen. Schon lange vorher hatte sich vor den breiten Rampen des National- denkmals eine gewaltige Menschenmenge, die die Trauringe verstorbener Familienmitglieder zum Opfer brachte, versammelt. Nachdem ein Priester Tausende von Stahlringen, die gegen die goldenen Trauringe eingetauscht werden, einge­segnet hatte, stieg als erste italienische Frau langsamen Schrittes die Königin von Italien, begleitet von einem Zug römischer Kriegswitwen und hoher Parteipersönlichkeiten unter dem Ge­sang vaterländischer Lieder die Stufen des Nationaldenkmals hinauf, um am Grabe des unbekannten Soldaten die Trauringe des italienischen Herrscherpaares zu opfern und die Stahlringe mit den beiden Daten des 18. 11. XIV (faschistische Zeitrechnung) einzu­tauschen.

Mit ergriffener Stimme verlas die Königin anschließend eine Botschaft, in der sie das Opfer der Trauringe, „dieses Symbol ersten Glückes und letzten Verzichtes," im ganzen Lande als eine Huldigung an den unbekannten Soldaten und die übrigen italienischen Gefallenen des Weltkrieges verherrlichte. Zugleich entbot sie allen italienischen Soldaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft, den Schwarzhemden, den Arbeitern, den getreuen Askari in Ostafrika, ihren Weihnachtsgrutz. Als die Königin das Denkmal verlassen hatte und der etwa 40 Meter breite Treppenaüfbau freigegeben wurde, strömten in fünf Kolonen die Massen die Treppen hinauf. Zur gleichen Zeit begann in allen Städten und Dörfern Italiens die Ablieferung der Trauringe, zu der überall die Geistlichkeit, die Partei und die Behörden aufgeboten worden sind.

Schwere kämpfe an Ver Norvstont

Ueber 1MM Lote unb verwundete der Italiener und flbessinier

Berlin, 19. Dezember.

Am Takasse-Fluß ist. wie wir gestern schon mitteilen konnten, seit dem 18. Dezember eine größere Schlacht im Gange, die Nachrichten aus Asmara zufolge die größte seit Beginn des Feldzuges sein soll. Während die Meldungen aus Addis Abeba nicht nur die Kämpfe in dieser Ge­gend, sondern auch die um Aksum sowie nörd­lich von Makale und in der Provinz Eeralta. die alle zu gleicher Zeit aufflamm­ten als für die Abessinier erfolgversprechend dar­stellen und keinen Gefechtsabschlutz verzeichnen, ent­hält der italienische Heeresbericht die Meldung über die siegreiche Beendigung der Kämpfe. Es heißt darin u. a.: Die am 15. Dezember zwischen Mai/Timchet und Dembeguing begonnenen Kämpfe sind am 17. Dezember abgeschlossen worden. Unsere Streitkräft« haben die abessinischen Kolonnen, die beim Patz Tembeguina ein Umzingelungsmanöver begonnen hatten, angegriffen und nach heftigen

Kämpfen mit der blanken Waffe aufgerieben. Die sicher festgestellten feindlichen Verluste belaufen sich auf über 5 00 Tote. Auf unserer Seite sind gefallen sieben Offiziere und 20 Unteroffiziere und Soldaten des Zeimatheeres, von den Eritrea- truppen 48 Korporale und 127 Askaris. Zwei Offiziere, zwei Soldaten und 2Z Askaris wurden

verwundet. — Abessinische amtliche Stellen haben bislang keine Dotenlisten herausgegeben.

Weiter besagt der Bericht, datz italienische Flug­zeuge eine abessinische Kolonne südwestlich von Makale mit Erfolg bombardiert haben und datz die freiwilligen Unterwerfungen abessinischer Stäpime im Norden anhalte. An der S ü d f r on t herrsche Ruhe.

tolles der Nebellion berichtigt

Mexiko, 19. Dezember.

Der mexikanische General Earrido Alfaro hat beim Generalstaatsanwalt gegen den früheren Präsidenten Ealles Anklage wegen umstiirz- lerischer Pläne erhoben. Earrido hat ange­geben, zwei Mittelsmänner Ealles hätten ihn aufgefordert, an dem Sturz der Regierung mit­zuwirken. Die Mittelsmänner hätten ihm ferner mitgeteilt, datz bei einigen Banken in Newyork 10 Millionen Dollar hinterlegt seien, mit denen

der Umsturz finanziert werden solle.

Das

„Nationalkomitee für proletarische Verteidigung hat die Bevölkerung zu Sonntag zu einer Kund­gebung aufgerufen. Die Kundgebung steht unter dem Schlagwort „Gegen Ealles und für Cardenas".

Verfassungsänderung in Brasilien. Das brasilianische Bundesparlament hat mit 218 gegen 59 Stimmen einer Reihe von Verfassungsänderungen zugestimmt. Auf Grund dieser Beschlüsse ist es jetzt möglich, datz auch bei inneren Unruhen der Kriegszustand erklärt werden kann.

per vetrleb eine kinheit

Von

Senator Pg. Bernhard

Bei einer Zusammenkunft der Betriebssichrer der bremischen Hafenbetriebe, die gestern im Wichelm-Decker-Haus stattfand, sprach Senator Pg. Bernhard über die Kameradschaft zwischen Betriebssichrer und Gefolgschaft. Den Bericht über diese bedeutungsvolle Veranstaltung veröffentlichen wir im örtliche» Teil der heutigen Ausgabe. Die Ausführungen von Senator Pg. Bernhard lassen wir, ihrer grundsätzlichen Be­deutung wegen, hier im Wortlaut folgen:

Ich freue mich sehr, in der Kreisbetriebsgemein- schaft X, Verkehr und öffentliche Betriebe, vor den Vetriebsführern der bremischen Hafenbetriebe sprechen zu können. Die bremischen Hafenbetriebs gehören zu meinem besonderen Arbeitsgebiet. Ich fühle mich deshalb in ganz besonderem Matze mit Vetriebsführern und Gefolgschaft der Hafenbe­triebe verbunden.

Die nationalsozialistische Reichsregierung hat aus der Fülle der Probleme, die der National­sozialismus zu lösen hat, als eines der ersten die Arbeit des deutschen Menschen gesetzlich geregelt. Das vom Reiche erlassene Arbeitsgesetz hat bewußt mit den Auffassungen der Vergangenheit gebrochen. Dabei ist es dem Nationalsozialismus vorbehalten geblieben, den Gedanken der Ein­heit des Betriebes, den Gedanken der Verbundenheit des Vetriebsführers mit seiner Gefolgschaft durchzuführen.

Wie war denn früher das Verhältnis, als man noch vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprach?, Es ist ganz klar, datz in den Auffassungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stets Un­terschiede vorhanden sein mutzten. Das liegt in der Stellung des Arbeitgebers und des Arbeit­nehmers begründet und ist naturgegeben. Es war deshalb naturgegeben, datz das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterdem Gesichtspunkt des Klassenkampfes angesehen werden konnte. Der Gedanke, datz Ar­beitgeber und Arbeitnehmer im Betriebe eine Einheit bilden und zusammenarbeiten müssen, wenn der Betrieb das Beste leisten will, ist nicht neu. Ich erinnere an Versuche, die zur Durch­setzung dieser Auffassung vor dem Kriege und nach dem Kriege gemacht worden sind, ich erinnere an die Firma Zeitz in Jena und an das sogenannte Legien-Stinnes-Abkommen über die Zusammen­arbeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer­verbänden vom November 1918. Diese und ähn­liche Versuche haben es aber nicht vermocht, sich durchzusetzen. Immer wieder wurden sie durch den Klassenkampfgedanken gehemmt und getötet.

Als der Nationalsozialismus zur Regierung kam, fand er in den Arbeitgeberverbänden und in den Arbeitnehmerverbänden zwei feindliche Lager vor, die sich innerlich nicht mehr ver­standen.

Wenn nun der Nationalsozialismus das Problem der Einheit des Betriebes sofort in An­griff genommen hat, so mutz man sich darüber klar sein, datz die inneren Voraussetzungen für das neue Gesetz zur Regelung der nationalen Ar­beit nicht von heute auf morgen geschaffen wer­den können. Es wird einer langjährigen Er­ziehungsarbeit bedürfen, bis diese inneren Voraussetzungen, auf denen das neue Arbeits­gesetz beruht, wirklich restlos geschaffen sind.

Was sind nun diese Voraussetzungen?

Zunächst das innere Zusammengehörig­keitsgefühl zwischen Betriebsfüh­rer und Gefolgschaft. Die Bezeichnung Ar­beitgeber und Arbeitnehmer mutzte verschwinden! Betriebsführer und Gefolgschaft sind zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschmolzen. Nur durch innerlich gewallte und bewußte Zusammen­arbeit kann der Betrieb wirklich gute Arbeit im Interesse der Wirtschaft und damit der Gesamt­heit des deutschen Volkes leisten. Durch Klaffen- kampf wird das Zusammengehörigkeitsgefühl an der Wurzel zerstört. Es ist nicht einfach, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl in allen Fragen, die den Betrieb beschäftigen, zu Letätigen. Ich habe schon gesagt, datz ganz natürliche Reibungsflächen zwischen Betriebssichrer und Gefolgschaft vorhan­den sind und bleiben werden. Aber das Bewußt­sein, datz beide, Vetriebsführer und Gefolgschaft, ein Ganzes und eine Gemeinschaft bilden müssen, wird immer wieder alle sachlichen Gegensätzlich­keiten abmildern und dafür Sorge tragen, datz

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