Ausgabe 
(26.9.1935) Nr. 266
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p arteiamtl.Iag eszeitung der

Nationalsozialisten Vremens

Das Amtsblatt des Senats

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der Lreien Hansestadt Bremen

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Nr. 266 / Z. Jahrgang

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Vonnerslag, 26. September

kmzelpreis 15 Npf.

Note Kampfflieger" greifen Warnemünde an

Erfolgreiche Manöver der Luftwaffe in Meiklenburg / vombenabwüefe und Abwehrfeuer

Unser lagesspiegel

Der Führer stattete Augsburg einen un­erwarteten Besuch ab.

Stabschef Lutze hat die Zugehörigkeit von SA.-Miinnern zum Kösener SC. verboten. Der erste Jahrgang der Reichsarbeitsdienst- pslichtigen ist eingezogen worden.

In Berlin fand eine Tagung desGroßen Eeneralstabes des Winterhilfswerks" statt. Mecklenburg stand in diesen Tagen im Zeichen großangelegter Manöver der Luft­waffe.

Dem Außenminister Litauens wurden in Genf von Laval und Eden Vorhaltungen wegen der Rechtsbrüche im Memelgebiet gemacht.

Im italienisch-abesfinischen Konflikt werden nunmehr entscheidende Beschlüsse des Völker­bundsrats erwartet.

Die spanische Kabinettskrise hat mit der Bil­dung einer neuen Regierung ihr Ende ge­sunden.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach vor der Reichswirtschaftskammer in Düsseldorf.

In Bremen-Horn wurde durch einen vom Sturm abgebrochenen Pappelast eine Ge­meindeschwester erschlagen.

See süflrer besucht flugsburg

Augsburg, 28. September.

Der Führer und Reichskanzler traf am Mitt­wochvormittag aus der Durchreise in Begleitung des Reichspressechefs Dr. Dietrich und seines Adjutanten Obergruppenführer Briickner uner­wartet in Augsburg ein.

Unter Führung des Intendanten Pabst besich­tigte er das Augsburger - Stadttheater und an­schließend den Goldenen Saal des Rathauses so­wie die neue Stadthalle. Während des Aufent­haltes des Führers im Goldenen Saal hatte sich vor dem Rathaus eine vieltausendköpfige Men­schenmenge angesammelt, die ihrer Freude über den Besuch des Führers in begeisterten Kund­gebungen Ausdruck gab. Spontan sang die Menge Lei der Abfahrt das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied.

kin krlaß des Stabschefs

Verbot der Zugehörigkeit von SA.-Führern und -Männern zum Kösener SC.

München, 26. September.

Die Oberste SA.-Führung'gibt folgenden Erlaß des Stabschefs Lutze bekannt: 1. Ich verbiete mit Wirkung vom 15. Oktober 1935 die Zugehörigkeit von SA.-Führern und -Männern zum Kösener SC, da der Kösener SC. nach öffentlicher Mit­teilung durch den Chef der Reichskanzlei die Durchführung des Arier-Grundsatzes abgelehnt hat. 2. SA.-FLHrer und -Männer, die bis zum 15. Oktober 1935 ihren Austritt aus einem ak­tiven Korps oder einer Altherrenschaft des Köse­ner SC. nicht vorgenommen haben, sind aus der' CA. zu entlassen. , . ^ .

(gez.) Lutze

wrnterbttfsWerk-prbettstagung

Berlin, 26. September.

Am 9. Oktober wird das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36 eröffnet werden. Vor Beginn dieser Arbeit, die wiederum eine gewal­tige Kraftanstrengung für alle im Winterhilfs­werk Tätigen bedeutet, berief der Reichsbeauf­tragte des Winterhilfswerks. Hauptamtsleiter Pg. Ki'lgenfeldt, noch einmal seine Gaubeauf­tragten für das Winterhibsswerk zu einer Tagung in den Reichstag ein, an der auch die Reichs- frauenführerin Frau Scholtz-Klink, ferner Ve-r- treter des Ministeriums für Volksaufklarung und Propaganda, des Reichsnährstandes, die Landes- bauernfübrer die Eaufrauenschaftsleitermnen der NS.-Frauenschaft. die Landesstellenleitermnen des Frauenarbeitsdienstes und die Vertreterinnen des Vaterländischen Frauenvereins vom Deutschen Roten Kreuz teilnahmen.

Diese Arbeitstagung, die Schlußbesprechung im Großen Generalstab der Winterhilfe, erfuhr durch die grundsätzlichen Ausführungen desReichsbeauf- traaten Pa Hilgenfeldt und der Reichsfrauen, tührerin Frau Scholtz-Klink ihre ganz besondere Note.

kolonialkriegerlag in Vüsleldorf

Cr. Düsseldorf, 26. September.

Am 28. und 29. September dieses Jahres findet in Düsseldorf ein rheimsch-westfalilcher Kolonial kriegertag statt, zu dem auch der Reichsstatthalte General Ritter von Epp in >erner Eigenchaf

als Vundesführer des Deutschen Kolomalkrr^er- bundes sein Erscheinen zuge,agt hat. Im Pro. gramm ist für Sonnabend erne Großkundgebung der NSDAP. mit einer Amprache des Ritters von Epp und für Sonntag eine Gefallenen-Ehrung sowie die Denkmalsübergabe an die Stadt Düsseldorf vorgesehen.

Warnemünde, 26. September.

Unter Gesamtleitung des Kommandeurs im Luftkreis II, Oberst. Sp e r r le, fanden am 2-t. und 25. September größere Uebungen der Luft­waffe statt. Im Mittelpunkt des Manövers stand der Schutz Warnemündes und seiner Anlagen gegen Angriffe einer Roten Partei, die mit ihren Streitkräften die Blaue Partei, also die Verteidiger Warnemündes, bis an die Elbe zurückgedrängt hatte. Ein Angriff der Roten hatte nach der Annahme dieses Kriegs­spiels die Verkehrsanlagen von Stettin zerstört, außerdem waren alle anderen Häfen bis Lübeck ebenfalls in den Händen der Roten, so daß die Blaue Partei nunmehr darauf angewiesen war, ihren gesamten militärischen Nachschub über Warnemünde zu. leiten. Aus dieser Lage heraus ergab sich für die Blaue Gruppe die Erkenntnis, daß mit einem Angriff der roten schweren Kampfflieger auf Warnemünde zu rechnen sei.

Der gesamte, Verteidigungsapparat, also Flug­abwehr, Jagdflieger und der Beobachtungsdienst des zivilen Luftschutzes, wurde in den Zustand höchster Abwehrbereitschaft versetzt.

Am 21. September zwischen 9 und 10 Uhr v o r - mittags bereits wurde der Anmarsch einer Kampftruppe auf Warnemünde gemeldet, die von Hildesheim vorgestoßen'war) sich,jedoch unterwegs getrennt hatte, um die Abwehr zu zersplittern. Die eine Gruppe flog bis 3906 Meter, die andere bis 1560 Meter, bei sehr günstiger Witterung das Ziel Warnemünde an, das auch erreicht wurde. Ein Jagdgeschwader, das sofort zur Abwehr auf- gestiegen war, drückte den Gegner nach Kämpfen über der Wolkendecke zurück. Der Angreifer ver­lor ein Kampfflugzeug. Ein zweiter Angriff er­folgte mittags auf Warnemünde. Die Angrei­fer bewegten sich in einer Höhe von 1566 und 5566 Meter, wurden aber rechtzeitig abgefangen und verloren zwei Kampfflugzeuge. Inzwischen hatte die Blaue Partei zu einem Angriff auf Vraun- schweig angesetzt. Das Ziel wurde ebenfalls er­reicht. Der Angreifer verlor allerdings vier Flug­zeuge, während die rote Abwehr, also die Jagd­staffeln, zwei Flugzeuge einbüßte.

Alle drei Angriffe erfüllten ihren Zweck. Be­stimmt vorher bezeichnete Plätze wurden mit Bom­

ben belegt. Im Anschluß daran stellten Fernauf­klärer das Ergebnis des Bombenabwurfes fest; das Ergebnis war gut.

In der Nacht zum Mittwoch, in der zur Ver­schleierung der Lage Warnemündes und seiner Objekte ganz Mecklenburg verdunkelt war, ging eine ganze Reihe von Angriffen auf Warnemünde vor sich. Wieder arbeitete der Warndienst ausgezeichnet. Um 6.36 Uhr tauchte am abendlichen Himmel das erste Kampfflugzeug auf, das sofort von den Scheinwerfern erfaßt und unter Feuer genommen wurde. Insgesamt erfolg­ten bis 3 Uhr früh 15 Angriffe in unregelmäßigen Abständen.

Das Urteil des Schiedsrichters lautete in diesem Falle, daß die Angreifer 56 Prozent ihrer Maschinen verloren haben. Sie konnten aber 15 Bombentreffer aus die Anlagen von Warnemünde verzeichnen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Äer VAKerbundsrat greift wieder ein

Die wettere Behandlung des ttaNenischabesflnischen Streitfalles in Senf Bildung eines neuen flusfchrifses

Verlin, 28. September. Der französische Ministerpräsident Laval, der englische Völkerbundsminister Eden und der Vorsitzende des Fünferausschusfes Madariaga besprachen gestern in Genf gemeinsam das weitere Verfahren, das dem Völkerbundsrat für die Regelung des italienisch-abesfinischen Streites vorgeschlagen werden soll. Danach würde sich der Rat heute darauf beschränken, den Bericht des Fünfer-Ausschusses einem neuen Ausschuß, der wahrscheinlich alle Ratsmitglieder außer den streitenden Parteien umfassen würde, zur Prüfung zu überweisen.

Aus dieser Prüfung würde dann in der nächsten Woche der Entwurf eines endgültigen Berichts des Völkerbundsrates hervorgehen. Die Annahme des Berichtes durch den Rat oder die Versamm­lung würde 'die in der Satzung vorgesehenen Rechtswirkungen, vor allem das Verbot kriegerischer Maßnahmen für die streitenden Parteien und gegebenenfalls die sofortige Feststellung eines Bruches der Satzungen auslösen.

Das Präsidium der Völkerbundsversammlung ist Mittwoch abend bereits zu einer Beratung über diese Frage zusammengetreten, ein Beweis dafür, daß die Anrufung der Völkerbunds­versammlung, die den englischen Wünschen nach einer Verteilung der Verantwortlichkeit auf einen möglichst großen Kreis von Staaten entspricht, grundsätzlich bereits beschlossene Sache ist.

Weiter haben in Genf gestern Besprechungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Laval und dem italienischen Vertreter, Baron Aloisi. stattgefunden, über deren Ergebnis jedoch lediglich verlautet, daß .neue Dreimächte- V e rhandlungen nicht in Frage kom­men. In Rom suchte der französische Botschafter erneut den italienischen Staatssekretär Suvich auf. Man schließt aus diesem Besuch, daß die diplomatischen Bemühungen zwischen Paris, Rom und London zur gütlichen Bei­

legung des italienisch-abessinischen Streitfalles fortgesetzt werden.

Wie weit dabei die italienische Absicht, auf einem anderen als dem Genfer Boden zu einem Ergebnis zu kommen, durchzuführen sein wird, läßt sich noch nicht übersehen.

Noch immer wird übrigens im Zusammenhang mit dem Konflikt RomAddis Abeba d i s Frage neuer englischer Garantien für Mitteleuropa behandelt. Nach Londoner Meldungen soll die englische Antwortnote an Frankreich keinerlei weitere Garantien enthalten. Man beschränke sich vielmehr auf die Ausfüh­rungen des englischen Außenministers in Genf. Frankreich könne nur auf Mitarbeit Englands rechnen, wenn es sich darum handle, gegen einen Angreifer vorzugehen, der den Völkerbunds-Pakt herausfordere. Diese Zurückhaltung Englands sei darauf zurückzuführen, daß man in London den Standpunkt vertrete, die innenpolitische Revolution in irgendeinem europäischen

Addis Abeba, 26. September.

Einer amtlichen Mitteilung zufolge hat der Kaiser von Abessinieu an den. Völkerbund ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt:In An­betracht der ständigen Herausforderungen und zur Vermeidung von Zwischenfällen ist Befehl gegeben worden, die abessinischen Truppen auf der ganzen Front 36 Kilometer zurückzunehmen. Die Durch­führung dieses Befehles ist strengstens befolgt worden. Der Kaiser bietet dem Völkerbund an, einen Beobachter zu entsenden, damit bei künf­tigen Zwischenfällen gleich zu Anfang der Schul­dige festgestellt werden kann." Die abessinische Regierung dementiert am Mittwoch wiederum

Lande könne gegebenenfalls von der einen oder anderen Macht als Bedrohung der Sicherheit an­gesehen werden.

Demgegenüber müsse es die englische Regie­rung ablehnen^ festumschriebene Versicherun­gen dafür abzugeben/ wie sie sich in dem einen oder anderen Falle verhalten werde.

Die Pariser ZeitungJour" ist denn auch mit der bevorstehenden englischen Antwort schon jetzt unzufrieden: Im Falle eines deutschen Angriffs (!) laufe man Gefahr (so meint das Blatt), Laß Eng- land sich als durch den Völkerbundspakt nicht ge­bunden fühle. Die Anwendung von Sühnenmaß­nahmen könne aber nur nach einstimmiger An­nahme erfolgen, und es sei sehr wohl möglich, daß sich verschiedene Länder weigern würden, ge­gen Deutschland zu stimmen. Damit also die eng­lische Antwort als zufriedenstellend angesehen werden könne, müsse sie gerade diese Sonderfälle vorsehen und geeignete Garantien enthalten.

die Gerüchte von einer angeblichen Eeneralmobi- lisation.

Rom, 26. September

Wie die römische Presse meldet, liegen im Hafen von Neapel zehn Dampfer ausfahrtbereit, die in den nächsten 21 Stunden mit rund 9066 Soldaten und Schwarzhemden und großen Materialbestän­den nach Ostafrika in See gehen werden.

(Siehe auch Seite 2.)

6ömbös fleute m verlin

Budapest, 28. September.

Der ungarische Ministerpräsident Gömbös begibt sich Donnerstag früh im Flugzeug nach Deutschland, um auf Einladung des Minister­präsidenten General Eöring an einer von diesem veranstalteten Jagd teilzunehmen. Minister­präsident Gömbös wird auf seiner Reise auch Verlin berühren und dort dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler seine Aufwartung machen. Man nimmt an, daß der ungarische Ministerpräsident in Berlin auch mit anderen führenden Persönlichkeiten Besprechungen pflegen wird.

Die politischen Beziehungen zwischen Deutsch­land und Ungarn sind in allen Krisen der letzten Jahre nicht nur normal, sondern immer auch von dem Bestreben nach einer besonders freundschaft­lichen Verständigung getragen gewesen. Der Be­such des ungarischen Ministerpräsidenten ist ein neuer Beweis dafür, daß zwischen Deutschland und Ungarn die besten politischen Beziehungen be­stehen, unabhängig von allen augenblicklichen weltpolitischen Krisen. Beide Nationen haben das Bestreben, sich von unmöglichen Lasten der Frie­densdiktate zu befreien. Auch in handelspoli­tischer Beziehung ist trotz vieler natürlicher Schwierigkeiten zwischen Deutschland und Ungarn immer wieder ein Ausgleich gefunden worden. Mehrfach haben in den letzten Jahren Besuche von Vertretern der Presse, der Kunst und der Wissenschaft die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn auf dem allgemeinen Gebiet der Kultur ergeben.

I'oto: llmni-ivli HolkmniiiiL.

v/-.'tiAs1elIunA der irolelisaiitvbnkn Iraiiktiirt am Hain Kaniilioim Heidelberg. lisob genau rivsizäkrigsr Lauheit ist zetrt äis gesamte Ltrselrs äsr Rsiobsautobakn Uranlckurt Darm- staät blsnnlisiin Heidelberg kertiggestsllt vordem Kus diesem Kulak land unter klliliruug des Ksueraliuspslctors kür das deutsolis Straüsuvsssn. Or.-Iug. Todt. eins Lssiektigung der neuen strecke Oarmstsdt Llannbsiin statt: Die lange Kutoüolonns mit Ksnsralinspslrtor

Ox. Todt (reokts) an der. Lxitzs. bei der Kuskabrt aus Llannüsim.

Keine Mobilmachung in Ndessinien

Kein silmdwerk;um Nutz!

* Bremen, den 26. September.

Das deutsche Handwerk, dessen Bedeutung und Daseinsnotwendigkeit erst im nationalsozialisti­schen Staate wieder voll gewürdigt wird, hat immer noch nicht ganz die schlimmen Fährnisse überwunden, die ihm eine dem Handwerk gänz­lich verständnislos gegenübergestanden« System- zeit gebracht hatte. >

Wohl hat das alte stolze WortHandwerk hat goldenen Boden" im Reiche Adolf Hitlers wieder neuen Klang erhalten, wohl schreiten die hand­werklichen Zünfte zu neuem Glanz und neuem An­sehen, wohl scheint allmählich, ganz allmäh­lich im Handwerk wieder bescheidener Wohl, stand einzukehren. Indes gibt es noch ungezählt viele Handwerker, die schwer und sorgenvoll um ihre finanziellen Grundlagen ringen und manchen Tag nicht ein noch aus wissen, wie sie ihrenge- gebenen Verpflichtungen nachkommen sollen. Wer möchte als Volksgenosse und deutscher Arbeits­kamerad ihnen nicht den besten Erfolg in ihrem Wirtschaftskampf wünschen, wer nicht wünschen, ihnen unter die Arme zu greifen, wo es möglich ist, wer nicht bereit sein, einen um den Bestand seines Geschäftes tapfer ringenden Handwerks­meister zu stützen. Niemand, der von Volks­gemeinschaft etwas begriffen hat, kann sich aus, schließen wollen, und dennoch glauben manche, die helfen könnten, zum Helfen nicht imstande zu sein.

Dennoch sind viele imstande zu helfen, ohne sich dessen recht bewußt- zu werden und zwar auf dem ganz einfachen Wkge, daß sie ihren finanziellen Verpflichtungen-gegenüber ihren Handwerksmei­stern pünktlich nachkommen. Ist es doch vor allem die Kreditschuld, die vielen Handwerkern heute erschwert, frei Atem zu schöpfen, weil meist die den handwerklichen Kreditinstituten geschulde- ten Summen im Mißverhältnis zu dem Umsatz des handwerklichen Geschäftes stehen.

Woher aber kommen solche Schulden? Vom Aufbau und Ausbau des handwerklichen Betrie­bes; aber auch noch von etwas anderem. Aufbau mußte sein und Ausbau muß sein.'Es, fragt sich nur, ob die dann so notwendigen Schuldsummen des Handwerkes bei Kreditanstalten noch vermehrt werden müssen durch den Ausfall von Kunden­zahlungen, auf die der Handwerksmeister zu ge­wissen Zeitpunkten zuverlässig rechnen zu können glaubt. Gerade die darau s erwachsenden Sor­gen um pünktliche Verzinsung und Zurückzahlung belasten oft als schwerster Druck die Schaffens- freude und den Unternehmungsgeist des Hand­werksmeisters. Und doch könnte dieser Druck ein leichter, ja geradezu unwesentlich sein, wenn es das Verständnis vieler Kunden wollte. Daran nämlich fehlt es leider oft genug.

Wenn man hört, daß in einem deutschen Handwerksbezirk 2666 Betriebe zusammen über drei Millionen RM. Außenstände haben, so daß auf jeden einzelnen Betrieb durchschnittlich ein- tausendzweihundert RM. entfallen, dann muß man bekennen, daß, wo es hier doch meist um kleinere Handwerksbetriebe sich handelt,dies ein unmöglich befriedigender Zustand für das Handwerk sein kann. Denn es ist einleuchtend, daß die meisten Handwerker ihren Kunden Außen­stände in solcher Höhe von sich aus nicht zu kreditieren vermögen, sondern eben Kredit­institute in Anspruch nehmen müssen, von denen sie zur pünktlichen Zinszahlung und pünktlichen Rückzahlung des Kapitals verpflichtet werden.

Wieaberstehtesdemgegenllbermtt der pünktlichen Zahlung der Kund­schaft, zu deren Gunsten, d. h. um deren Aufträge und Wünsche ausführen zu können der Handwerksmeister Kredit in Anspruch nimmt? Gestehen wir es alle doch einmal offen ein. So­bald unsere Aufträge von dem Handwerksmeister zu unserer Zufriedenheit erfüllt sind, sobald wir das haben, was wir erwünschten und liefern ließen, machen wir uns meist, vorerst einmal recht wenig Gedanken um die Bezahlung und warten ruhig einmal wenigstens den nächsten Monats- ersten, meist sogar den nächsten Vierteljahrsersten ab, um an die Begleichung der Rechnung zu gehen, die dann manchmal mit bösen Augen noch angeschaut wird, wenn siezu rasch" der gelieferte Arbeit folgt. Ist dies nun recht?

Und welche unumgänglichen Folgen hat solche Gleichgültigkeit, um nicht zu sagen, Gedanken­losigkeit, bei unseren Verpflichtungen dem Hand­werk gegenüber? Wir haben bereits betont, daß der Handwerker zum Erhalt des notwendigsten Betriebskapitals für die Wetterführung seines Geschäftes gezwungen ist, bei Kreditmstituten Geld aufzunehmen, das pünktlich verzinst und amortisiert werden muß. Gehen nun zu den Zins- zahlnngszeitpunkten wenigstens einigermaßen die Zahlungen der Kunden ein, dann mag es für den Handwerker noch hingehen. Welche Sorge aber um Kreditverlängerung entsteht, wenn die Zah­lungen ausbleiben! Wer sich in solche Geschäfts­lage eines Handwerksmeisters hineinzudenken ver­mag, wird nicht bestreiten können, daß es die einfachste Pflicht des Anstandes und der Gewis­senhaftigkeit ist, dem Handwerksmeister mindestens pünktlichst znm zugesagten Zeitpunkt zu bezahlen, sofern man wirklich nicht in der Lage gewesen sein sollte, überhaupt Barzahlung zu leisten.

Barzahlung für handwerkliche Leistungen? Es ist kein gutes Zeichen sür