Ausgabe 
(21.9.1935) Nr. 261
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Nationalsozialisten Vremens

Das flmtsblatt des Senats

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H- «remen. Am G-er-n k-8 , F ernsprecher: Roland 825 .

Nr. 261 / Z. Jahrgang

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die 70-mm.ZetI« im Text teil 7b iiips

Sprechzeit! Verlno merltnalich von >2- 12 Uhr: Schrik"»t<>in

Sonnabend, 21. September

kinzelpreis 15 Npf.

teideigenstliast im Sowjet-Paradies

Me Sauern ständig von Hungersnot bedrostt / Eine umfassende stnklage vor dem Völkerbund / Langsam dämmert die krkenntnis über das wahre weltrevolutionSre Ziel des Bolschewismus auch bei anderen Nationalitäten

Unser lagssspivgel

Die englischen Flottenzusammenziehungen im Mittelmeer scheinen Mussolini im Abessinien- konflikt zum Einlenken zu bewegen.

Die Vorschläge des Genfer Fiinferausschusses werden von Abessinien wahrscheinlich ange­nommen.

Der spanische Ministerpräsident Lerroux hat den Rücktritt des Eesamtkabinetts erklärt.

In München wurde die Rekofa feierlich er­öffnet.

Die Beisetzung der Urne mit der Asche Georg Trostes fand auf dem Osterholzer Friedhof statt.

Um den Wanderpreis des Senats entspann sich unter den Schulen Bremens ein harter Kampf.

Mit derEuropa" haben sich 45 Mitglieder des NS.-Juristenbundes zum Studium ame­rikanischen Rechts- und Wirtschaftslebens nach Newyork begeben.

Sestoliung der Neichskriegsflagge durch den sichrer

- Berlin, 21. September

Der Führer und Reichskanzler hat sich die Ge­staltung der neuen Reichskriegsflagge persönlich vorbehalten. Ihre Einführung ist in kurzer Zeit zu erwarten. Bis dahin wird nach einer Ver­fügung des Reichskriegsministers aus den Dienst- gebäude» der Wehrmacht die bisherige Reichs­kriegsflagge zusammen mit der Hakenkreuzslagge gesetzt.

Kaiser KiroWo an den sichrer

Berlin, 21. September.

Seine Majestät der Kaiser von Japan hat an den Führer und Reichskanzler folgendes D a n k, telegramm gerichtet:Botschafter Mushakoji hat mir soeben das Gemälde mit dem Porträt des Kaisers Saga überreicht, das Eure Exzellenz mir gütigst zum Geschenk gemacht haben. Ich bin sehr glücklich, in dieser Gabe die freundliche Ge­sinnung Eurer Exzellenz zu erkennen, deren hohen Wert ich zu schätzen weiß und sage Ihnen meinen herzlichsten Dank. Hirohito."

wieder im keimachasen

Wilhelmshaoen, 21. September.

Nachdem die Flottenschau wegen des Sturm- wrtters abgesagt werden mußte, Md die rn helinshaven stationierten Einheiten der Krregs- marine am Freitag wieder hier eingetroffen, Auch alle übrigen Schiffe der deutschen Kriegs­marine sind in ihre Heimathäfen zurückgekehrt.

kntlassungsappell für den flrbeiksdienst

Berlin, 21. September

' Am morgigen Sonntag findet von 11 bis 11,16 llhr vormittags eine Rundfunkübertra­gung des Deutschlandsenders statt, m der der Reichsarbeitsführer die ausscheidenden Arbeitsdienstmänner mit einer Ansprache ent­lassen wird. Die Uebertragung wird von musi­kalischen und anderen Darbietungen umrahmt. Die Ansprache gilt gleichfalls auch den Mit­gliedern des Arbeitsdanks. Bei den gleichzeitig in den Abteilungen des Arbeitsdienstes statt­findenden Entlassüngsappels sollen den ausschei­denden Arbeitsmännern die Arbeitsdanknadeln überreicht werden.

sranziskanerpateralsDeoisenschieber

Breslau, 21. September.

Der Franziskanerpater Franz Zimolong (Pater Vertrank») erhielt wegen Vergehens gegen das D-visengesetz ei» Jahr sechs Monate Gefängnis und zggo Mark Geldstrafe oder »och weitere 38 Tage Gefängnis.

Der Angeklagte hatte im Oktober 1934 und im Januar 1835 jedesmal 15 000 Reichsmark, die dem in Jerusalem ansässigenVerem vom Heiligen Lande" zustanden, von einer Breslauer Bank abgehoben und dem Vertreter einer Orgel­baufirma in Jägerndorf in der Tschechoslowakei für einen Orgelbau übergeben, der das weis dann ins Ausland brachte.

Zur vollendeten 100. Oz-ansahrt des Luftschiffes .Gras Zeppelin" sandte der Oberbefehlshaber der Krieg,- marin^ Admiral Dr. h. c. Raeder, -m Glückwunsch­telegramm an Dr. Ebener,

Genf, 21. September.

Die Vertreter der fremdstämmigen Nationali­täten in den Grenzgebieten Sowjetrußlands, Aserbeidschan, Georgien, Turkestan und Ukraine, haben dem Präsidenten der Völkerbundsver­sammlung eine Denkschrift überreicht, in der da­gegen protestiert wird, daß trotz der Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund die mosko- witische Unterdrückungspolitik in diesen Gebieten hemmungslos fortgesetzt werde. Ungeachtet der Zusage verschiedener Delegierter bei der Aus­nahme der Sowjet-Union in den Völkerbund sei Nichts geschehen, um auf Moskau einen mäßigen- den Einfluß auszuüben. Der Terror, die Reli­gionsverfolgungen und die Zwangsarbeit bestän­den in vollem Umfange weiter.

Als neue Tatsache von größter Bedeutung sei die Massenabschiebung der Bevölke­rung aus den Grenzgebieten und ihre Ersetzung durch russische Bauern zu verzeichnen. 2n der Ukraine habe man nicht nur einen Grenz­streifen von 50. sondern von 150 bis 200 Kilo- meter als Verteidigungszone erklärt und die dor­tige bodenständige Bevölkerung nach Nordrußland abgeschoben. Die Reform der Kollektivwirtschaft sei nur zum Schein erfolgt. Die Bauern seien nach wie vor einer leicht modernisierten Leib­eigenschaft unterworfen und seien ständig von Hungersnot bedroht. Die Auf­hebung der Lebensmittelkarten habe nur eine Erhöhung der Preise und damit eine noch schlech­tere Versorgung der Volksmassen zur Folge ge­habt. Der Kampf gegen die Kulaken werde in unmenschlicher Form weitergeführt: besonders in den Grenzgebieten der Union.

Was die sowjetrussische Außenpolitik betreffe, so habe der letzte Kongreß der Komintern ge­zeigt, daß sich seit der Ausnahme der Sowjet­union in den Völkerbund der zerstörende Geist Moskaus nicht geändert habe; hinter der pazi­fistischen Maske Litwinows stehe der feste Wille der Sowjets, die Weltrevolution in Gang zu bringen.

Die Anklage der Nationalitäten in den Grenz­gebieten Sowjetrußlanvs bestätigt, was von deut- icher Seite mehr als einmal über den Volsche­wismus gesagt worden ist: daß er auch da, wo er unter der Maske der Friedseligkeit erscheint, nichts weiter als die Zerstörung aller Ordnung, die Her­beiführung wahrhaft chaotischer Zustände verfolgt. Nur gut, daß die von Deutschland erkannt» Wahrheit auch in anderen Ländern und Ge­bieten ihren Siegeszug antritt!

Lenkt Mussolini doch noch ein?

kngland droht Italien Mit SperrnnA der oelzufuhr Italien will die Jusammenziehung der englischen slotten-

krSste km Mittelmeer vor den Völkerbund bringen

Berlin, 21. September.

Nach einer Reuter-Meldung aus Rom soll Italien im abessinischen Konflikt infolge des ziel­bewußten Vorgehens Englands im Mittelmeer nunmehr doch mehr oder weniger einlenken.

Die Nachricht, die wir jedoch mit allem Vor­behalt wiedergeben, besagt folgendes: Die Vor­schläge des Genfer Fiinferausschusses zur Bei­legung des. Konfliktes zwischen Italien und Abes­sinien könnten nach römischer Auffassung als Ver­handlungsgrundlage angenommen wer­den,wenn sie zufriedenstellend abgeändert wür­den". Die italienische Abordnung in Genf habe die Vorschläge bereits als Grundlage für eine technische Aussprache" bezeichnet. Mussolini habe die Absicht, erst in zwei bis drei Wochen auf die Vorschläge zu antworten; in der Zwischenzeit wünsche er mit Großbritannien und Frankreich über Kompromißvorschlägezu verhandeln. Die englische ZeitungStar" will erfahren haben, daß inStresa bereits Hotelräume bereitgehalten wurden für den Fall von Verhandlungen zwischen Italien, Großbritannien und Frankreich.

Der Londoner Berichterstatter desEcho de Pa­ris" berichtet seinem Blatt, die englische Marine­leitung sei der Ueberzeugung, im Ernstfälle Italien durch Abschnüre» der Petroleumlieferungen matt­

setzen zu können. Dieser Absicht entsprächen auch die Flottenbewegnngen.

Die Schließung des Suez-Kanals würde die Versorgung durch den persischen Meerbusen und die Petroleumlinie von Abadan abschneiden. Die Bewachung der Palästina-Küste und Haifas würde die Zufuhren von Petroleum aus dem Irak sper­ren. Selbst wenn die Italiener dort Erfolge haben sollten, würden die Engländer leicht das Pe­troleum an der Quelle in Mossul aufhalten hön- nen. Um den Italienern die Lieferungen aus dem Kaukasus abzuschneiden, sollen gegenwärtig Verhandlungen mit der türkischen Regierung über die Schließung der Dardanellen im Gange sein. Durch Sper­rung der Meerenge von Gibraltar werde Italien von der Zufuhr amerikanischen Petroleums ab­geschnitten. Es könnte dann nur noch auf dem Festlandsweg über die Schweiz, Deutschland und mittelbar über Rumänien Petroleum beziehen, vorausgesetzt, daß die Lieferanten dieser Länder trotz der etwaigen Vorschriften des Völkerbundes überhaupt Italien versorgen könnten.

Inzwischen gehen aber die Vorsichtsmaß­nahmen Englands in Gibraltar wei­ter. Ein Stahlnetz sperrt bereits sämtliche Ein­gänge zum Hafen. Der Aufruf an die Bevölke­rung, sich für den Ernstfall mit Wachslichten zu

flbesfinlen oerliandlungsbereil

flber der Kaiser denkt nicht an Verzicht aus Unabhängigkeit

Addis Abeba, 21. September.

Die Vorschläge des Genfer Fiinferausschusses zur Beilegung des italienisch-abesstnischen Kon­fliktes sind nunmehr in der abessinischen Haupt­stadt Addis-Abeba eingehend geprüft worden. Im großen und ganzen werden sie von der abessinischen Regierung als annehmbar bezeichnet.

Allerdings steht die Regierung auf dem Stand­punkt, daß sie gemäß ihren früheren Zusagen über wirtschaftliche Zugeständnisse, die allen Ländern gleiche Rechte einräumen, nicht in der Lage seinwird.JtalienSonderzugeständ- nisse einzuräumen, da diese unter Um­ständen Streitigkeiten mit den anderen interessier­ten Großmächten bringen könnten. Im übrigen hat der Kaiser die Schaffung einer be- sonderen Polizei, die für die Sicherheit der in Abessinien lebenden Europäer sorgen soll, bereits vorbereitet. Was die Kontrolle des Skla­venschmuggels an den Grenzen anbelangt, so ist man in Addis-Abeba der Ansicht, daß dies die Aufgabe der anliegenden Länder sei, durch die der Schmuggel erfolgt. In der Frage der Aufnahme ausländischer Berater in die abessinische Regie­rung ist man nach wie vor zu Zugeständnissen be­reit Der Völkerbund solle seine Kandidaten Europäer oder Amerikaner vorschlagen. Der Kaiser behalte sich jedoch seine Einwilligung vor.

Das große Festessen, das der Kaiser von Abesst- nien, wie angekündigt, für die rn Addis-Abeba weilenden Vertreter der Weltpresse veranstaltet hat, nahm in Anwesenheit von 85 Pressevertretern einen glänzenden Verlauf.

Im Verlaus des Abends nahm der Kaiser das Wort zu einer Ansprache, in der er nochmals wie­derholte, daß er niemals ei» Mandat, welcher For« es auch fei, annehmen werde, das die Un­

abhängigkeit seines Landes verletzen würde. Er sagte wörtlich:

Ueber 2880 Jahre unserer Freiheit habe» wir unsere Fähigkeit gezeigt, uns ohne Protektorat selbst zu regieren. Als Führer des Kaiserreiches und Beschützer meines Bolkes werde ich im Kriegs­falle selbst das Heer gegen den Feind führen, aber Gott wird es zu verhindern wissen, daß unser Streit mit Italien einen blutigen Ausgang nimmt. Wir können Italien keine wirtschaftlichen und Gebietszugeständnisse gewähren, ohne eine Gegen­leistung zu erhalten oder Italien dadurch von einem Angriff abzuhalten. Als unabhängiger Staat wachen wir über unsere Freiheit."

versehen, hat die Folge gehabt, daß an einem ein­zigen Tage 15 000 Lichte verkauft wurden.

Die brrtischen Kriegsschiffe sind im Mittellän­dischen Meer zurzeit wie folgt verteilt: In Ei- braltar befinden sich die SchlachtkreuzerHood" undRenown", ferner vier Kreuzer, neun Zer­störer und drei Minensucher. In Alexandria liegen insgesamt 28 britische Kriegsschiffe, von dEn das SchlachtschiffResolution" mit Admi­ral Sir William Klsher an Bord erst am 18. Sep- tember eingetroffen ist. Zu dem Geschwader in Alexandria gehören u. a. die SchlachtschiffeRe- venge undValiant", drei Kreuzer, die beiden FlugzeugmutterschiffeElorious" undCoura- geous sowie ein Hospitalfchiff. Die Zahl der in Aden emgetroffenen Kriegsschiffe beläust sich aus zehn, darunter sind die KreutzerNorfolk" und Colombo". In Haifa befinden sich drei Kreuzer und zwei Ik-Boote. In Port Said halten sich das Schlachtschiff Varham", der KreuzerDespatch" und ein Zerstörer auf. Aus Alexandria wird be­richtet, daß dort Gasmasken in reichen Mengen verkauft werden.

Sie Spannung kam-London

Angesichts der militärischen Vorbereitungen Großbritanniens dauern die Spannungen zwischen England und Italien in un- verminderter Stärke fort. Die Londoner Zeitung Daily Telegraph" meint, wenn sich in den näch­sten Tagen das ewige Nein Mussolinis nicht ändere, müsse der Völkerbund in anderem Tone reden. Demgegenüber läßt es auch die Sprach» der italienischen Blätter an Schärfe nicht fehlen.

Oesfentlichkeit und Presse zeigen Ueberraschung und Befremdung über das starke Flottenauf- gebot, das England in aller Stille an den strategisch wichtigsten Punkten des Mittelmeers zusammengezogen hat. Dieses Befremden wird selbst in autorisierten politischen Kreisen zum Ausdruck gebracht, wobei es als durchaus nicht ausgeschlossen hingestellt wird, daß das italienische Ratsmitglied Aloisi bei nächster Gelegenheit, etwa in der nächsten Ratssitzung, die Aufmerk samkeit des Völkerbundes aus die außergewöhnlich starken englischen Flottenkräfte im Mittelmeer lenken werde. Man könne in diesen englischen Maßnahmen geradezu Präventivsanktionen sehen, die ohne Stellungnahme des Völkerbundes von England im voraus ergriffen worden seien.

(Siehe auch Seite 2.)

KabinettsrücktM in Madrid

vorauslichtttch wird terrour auch die neue Negierung führen

Madrid, 21. September.

In Spanien ist es zu einer ernsten Regierungs­krise gekommen. Ministerpräsident Lerroux hat gestern dem Staatspräsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts erklärt.

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Die Krise war zunächst hervorgerufen Lurch den Rücktritt des Marinemini st ers und des Landwirtschaftsministers, die Leide der Agrar-Partei angehören. Nach dem Rücktritt, der aus Gründen der Finanzpolitik erfolgte, gab der Führer der Agrar-Partei die Erklärung ab, daß er auch ist M neues Kabinett keinen Vertreter mehr

entsenden werde. Man rechnet jedoch in Madrid damit, daß die neue Regierung eine ähnliche Zu- sammensetzung wie die bisherige ausweisen wird, da die Agrarier sich inzwischen dazu bereitgefunden haben, eine Regierung unter Lerroux wenigstens im Parlament zu unterstützen, ohne direkt an ihr beteiligt zu sein. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß die stärkste Partei Spaniens, die Katholische Volksaktion, eine Erweiterung des Ka­binetts nach links, die von einer Reihe' marxisti­scher Blätter propagiert wird, nicht zulassen wird. An der Erfüllung dieser Voraussetzung ist nicht zu zweifeln. Man ist jedenfalls bemüht, eine Auf- lösung des Parlaments in Anbetracht der innen- und außenpolitischen Lage zu vermeiden.

Memelautonomie eine Vagatelle?

Hitlers Erklärung in Nürnberg, daß die Vor­bereitungen für die Memelwahlen eine Verachtung der Gerechtigkeit und der Verpflichtungen zeigen, scheint voll und ganz durch das groteske Sy­stem erwiesen zu sein, unter dem das Volk zu den Wahlen gehen wird." Diesen Satz veröffentlicht der Sonderberichterstatter derDaily Mail" aus Tilsit und gibt damit als englischer Journalist einer Auffassung Raum, die sich auf der ganzen Linie mit der öffentlichen Meinung Deutschlands und dem Urteil objektiver ausländischer Beob­achter deckt. Es ist schon so, daß Rechts- und Staatspolitiker, die ein Empfinden für Gerech­tigkeit und Vertragstreue haben, in steigendem Maße empört nach Kowno blicken und von den dortigen Gewalthabern erwarten, daß sie sich ihrer Pflicht zur Vertragserfüllung endlich bewußt werden sollten. Die Nürnberger Worts des Führers sind nicht verständnislos im luft­leeren Raum einer an den Tatsachen vorbei­gehenden Politik verhallt, sondern haben vielfach jenseits der Grenzen des Reiches- ein Echo ge­funden, das die Litauer nicht unbeachtet lassen sollten.

Leider konnte man bis jetzt: in Kowno den Weg einer brutalen Vergewaltigung jeden Rechts­gefühls weiterschreiten, weil die verantwortlichen Signatarmächte den Dingen dort oben im Memelgebiet freien Lauf ließen. Diese Garantie- staaten sind keineswegs irgendwelche unbedeuten­den oder nebensächlichen Mächte im Weltkonzert der Nationen. Sie pflegen bei allen internationa­len Auseinandersetzungen die erste Geige zu spie­len und hier und da stabführend vor diesem oder jenem internationalen Forum aufzutreten. Sie seien hier der deutschen Oesfentlichkeit noch ein­mal vorgestellt: England, Frankreich, Italien und Japan. Fürwahr Staaten, de­ren Ansehen und Bedeutung es nicht zulassen sollte, sich von einer kleinen Zweimillionen-Nation hänseln zu lassen.

Es mag sein, daß ihnen bei allen übrigen schwe­benden Fragen der großen Politik das Memel- problein als eine, gebietsmäßig betrachtet, relativ kleine und unbedeutende Angelegenheit erscheinen mag. Für Deutschland aber handelt es sich um 75 000 Volksgenossen des eigenen Blutes und darüber hinaus um die grundsätz­liche Frage, ob ein unbedeutender Staat es heute wagen darf, die fundamentalen Voraussetzungen des internationalen Rechtes zu verhöhnen und mit Füßen zu treten.

Ein Rückblick auf die Rechtsentwicklung: des Memellandes sei daher gestattet. Im Ar­tikel 99 des Versäiller Friedensoertrages verzich- zunächst auf das Souveränitäts­recht des Memelgebietes, das vorerst die alliier­ten Hauptmächte unter ihre Oberhoheit zu bringen verstehen. Die führende Rolle spielte Frankreich. Im Januar 1923 reißt Litauen durch sei­nen bekannten Gewaltakt das Land anZich, obwohl bis zum heutigen Tage jede Wahl im Memelgebiet der Welt demonstrierte, daß dieses Land von einer neunzigprozentigen deut- schen Bevölkerung bewohnt ist. Trotz der un- glaublichsten Schikanen vermochte Litauen nicht mehr als fünf Abgeordnete in den memelländischen Landtag zu entsenden. Am 8. Mai 1924 wurde der denkwürdig« Vertrag mit den Hauptmächten abge­schlossen, demzufolge das Memelland als autö- nomes Gebiet in jeder Hinsicht dem litauischen Staat anvertraut wurde. Am 25. August 1925 end­lich trat dieses Abkommen als Memelstatut in Kraft. Litauen hatte sich also freiwillig ver­pflichtet, die Autonomie des deutschen Memellandes zu respektieren und für feine Unantastbarkeit Sorge zu tragen.

Die Welt kennt den Leidensweg dieses Landes und seiner treudeutschen Bevölkerung. Prozesse, Schikanen, Drangsalierungen, Vergewaltigungen, Entrechtungen, Vertragsbrüche lösten einander ab. Um das litauische Ziel einer Entdeutschung dieses Gebietes erfolgreicher zu erzwingen, wurde auf die Parole aus Kowno hin ein latenter Kriegs- zustand verhängt, mit Hilfe dessen die der deut- schen Bevölkerung im Artikel 33 des Memelstatuts gewährten Rechte der Versammlungs- und Ver- emigungsfreiheit, der Gewissens- und Pressefrei- heit, der Schul-, Sprach- und Unterrichtsfreiheit in brutalster Weise genommen wurden. Dieser Zustand besteht ohne - Unterbrechung seit dem Jahre 1926!

Aber damit nicht genug! Der Meine Hün­dische Landtag blieb auch trotz dieser Ent­rechtungspolitik noch eine Bastion der Memel­autonomie und ein Bollwerk des Deutschtums. Ihm galt daher der letzte entscheidende Kampf der Kownoer Tyrannen. Die deutscheM e h r- heit in diesem Parlament muß um jeden Preis beseitigt werden. Dieses Ziel ist aber nur durch eine Vergewaltigung des der deutschen Bevölkerung zugebilligten Wahlrechts zu er­reichen. Zu diesem Zweck wurde am 8. Februar v. Js. ein Sonde rgesetz zum Schutze von Volk und Staat erlassen, das in übelster Weise