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Von D. Wattenbcrg. Berlin (früher Buridan»»)
Wenn wir in Burg nor-wärts die Lesumbrücke überschreiten. fo betreten wir uralten Boden, ein Gelände, dar schon sehr früh in die Geschichte eintritt und auch mit der stadtbrennschen Geschichte eng verknüpft >st. In grauer Zeit war die Lesum-Niederung allerdings weiter weniger wegsam als es heute der Fall ist, so daß es demgemäß auch nicht möglich war, durch die Wiesen eine feste Straße an die trockene Geest zu legen. Im Hinblick auf diese beachtenswerte aber nicht immer klar erkannte Tatsache führte auch nicht der Weg von Bremen an die Niederweser über die Bürger Dünen in das nördliche Erzstist, sondern der alte Heerweg lies sicherlich von Utbremen-Hemmstraße aus durch das Blockland und erreichte erst bei Ritterhude wieder den Geestrücken. Dies« Straße hat auch der Kaiser Heinrich lll. aus seiner Inspektionsreise nach Le- fum um das Jahr 1048 passiert. Zu jener Zeit hatten die Billunger, die mit der Erasschast Lcsuin im Wigmodigau belehnt waren, dem Kaiser den Gehorsam verweigert. Als der Kaiser aber nach Lesum ritt, wurde er etwa dort, wo heute sich die „Villa Marßel" aus dem sie umgebenden Gehölz erhebt, Lbersallen. Nachdem aber später die Erasschaft Lesum ausgelöst und die Ländereien den Ritterschaften der Umgegend zugesprochen wurden, gelangten die Lände- reien jenseits des Lesumflusses in den Besitz der Ritter von Marßel. die vor 750 Jahren zuerst genannt werden, so daß demnach heute die Dorfschaft Marßel. die seit 1800 mit der politischen Gemeinde Burgdamm verbunden ist, auf ein Drcivierteljahr- tausend ihrer Geschichte zurückblicken kann.
Was uns aus alter Zeit an Nachrichten über die Bewohner von Marßel überliesert ist. reicht zwar nicht aus, die ersten geschichtlichen Anfänge Marßels und der späteren Gemeinde Burgdamm zu erhellen: es genügt aber, um die Bedeutung des Rittergejchlcchts sowohl für Burgdamm als auch für die Stadt Bremen hervorzuheben.
Im Jahre 1185 wird in einer Urkunde ein Ritter Eerwardus von Marbel genannt. Drei Jahre später, im Jahre 1188 saß in Marßel ein Ritter Wilken. der in alten Papieren und Chroniken mehrfach erwähnt ist. Die Chroniken von Renner, Sparende rg und Rynesbergh und Scheue melden um 1188 von dem Verkauf eines Grundstücks in dem bei Lejum gelegenen Walde „Wollah" durch Wilken von Marßel an den Erzbischos Hartwig II. von Bremen, der in Wollah dem Zisterzienser-Orden ein Nonnenkloster erbaute. Der Chronist Renner schreibt hierüber wie folgt: „Anno 1188 koffte Ertz-Bischop Hart- wicus II de Lith von Iungkherr Wilken von Marßele eine Stede gehieten Wolda, by der Ließem, mu aller Thobehoringe vor 130 Mark. dat men dar baue» scholde ein Jungsrouen-Clofter." Nach Sparenbergs Chronik betrug der Kaufpreis allerdings 100 Bremer Mark. In Wollah hat da» Kloster aber nicht lange bestanden. Schon 1235 fiedelte es vorübergehend nach Lesum über. zog 1241 noch einmal nach Wollah zurück, von woaus es 1201 endgültig nach Lilienthal verlegt wurde, woselbst es dann bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges bestanden hat.
Der Wohnsitz der Marßeler Ritter lag etwa dort, wo heute noch das alte Marßeler Herrenhaus (schräg- gegeniiber der Burgdammer Windmühle) zu sehen ist. Das Wappen der Familie war ein Schild mit aufgerichtetem Löwen, woraus geschlossen werden kann, daß die Ritter von hoher Abstammung gewesen sind. Bemerkenswert ist, daß 1388 zu dem Familiennamen „von Marßel" oder „van Mercele" die Bezeichnung „anders gheheten van Kedinghen" hinzu tritt.
Im Jabre 1204 wird ein Wilhelm von Marßel und 1241 Lüder und Brüning von Marßel genannt. Wilhelm oder Wilken scheint sehr alt geworden zu sein, denn am 9. Juli 1244 verkaufte dieser an den Erz- bifchos Gerhard II. von Bremen einen weiteren Hos. Zur gleichen Zeit lebten Henricus und sein« Brüder, 1247 und 1248 finden sich Lüder, Brüning. Albert, Hermann, Heinrich, Johannes, Theodor und Wirandus von Marßel in Urkunden, und schließlich wird 1257 noch ein Bernhard von Marßel genannt. Die Ritter scheinen die besondere Gunst der Bremer Kirchen- fürsten genossen zu habe»: denn ihre Siegel schmücken in der Regel erzbischösliche Urkunden. So kauft der Erzbischof z. B. um 1255 von Johannes von Marßel einen in Lesum gelegenen Hos, und am 17. Oktober 1257 werden Johannes, Gerhard und Brüning von Marßel in einer Urkunde des Grafen Eerdert von Stotel als Zeugen für das Kloster Lilienthal angeführt.
Anno 1257 wurde der hochbetagtc Wilken von Marßel, der bis dahin Mönch im St.-Paul-Klofter in Bremen gewesen war, zum neunten Abt des Klosters Ra sted e gewählt. Besondere und sehr beachtliche Fäden spinnen sich von nun an ständig zum Kloster Lilienthal hinüber; denn der Lilienthaler Konvent besaß nach den Privilegien der Erzbischöfe Gerhard II. von 1243, Hillebold von 1248 und Giselbert von 1299 in Marßel verschieden« Höfe. Hierzu gehörte auch die Marßeler Mühle. Ferner erwarb das Kloster am 8. Mai 1314 von Johann von Marßel ein Grundstück in Lefumbrok. Eine angesehene Stellung hatte auch der Ritter Bernhard von Marßel im Kloster Lilien-
Ihal iiine. In einer lateinischen Urkunde voin 6. Juni 1257 wird „BcriiharLus de Mercele" zuerst als Zeuge wegen des Zehnten zu Onnigate für den Erzbischof erwähnt. Derselbe (?) kommt später in Lilienthaler Urkunden von 1314, 1320, 1321, 1328, 1329, 1332 und zuletzt 1339 als Prokurator des Klosters vor. Einige Jahre nachher (1351) führt das Lilienthaler Personal- register eine Gertrud von Marßel auf, und zwar als „hervorragende Nonne". Damit scheinen dann die Beziehungen zu geistichen Rängen im Ordensleben restlos nachgewiesen zu sein
Der Rat der Stadt Bremen schloß am 2. April 1305 mit allen Rittern der Umgegend Bremens zum Schutze des erwachenden bremischen Handels einen Vertrag ab, der auch von den Ritterlichen (Johannes und Wil- kinus) zu Marßel durch ihre Siegel unterfertigt ist. Wie weit zu dieser Zeit die Marßeler Besitzungen zerstreut lagen, zeigt ein« lateinische Urkunde des Rates von Bremen vom 13. Juli 1310, wonach der Knappe Gerhard von Marßel und dessen Ehefrau Walburgis nebst Sohn dem Bürger Gerhard von Rechte in Bremen für 7 Bremer Mark den vierten Teil eines Hofes bei Seehausen verkaufen, nachdem die übrigen Dreiviertel bereits früher abgetreten waren. Laut Urkunde vom 6. August 1350 verpfändet ein Lippold Monich dem Knappen Arnold von Marßel ein Grundstück im Dorfe Bare (Farge?), soweit dieses noch nicht Eigentum des Ritters war. Dieser Besitz wird am 26. März 1368 nochmals durch denselben Ritter bestätigt.
In Burg bestand im Mittelalter keine Brücke über den Lesumfluß, sondern der Verkehr wurde hier durch eine Fähre betrieben, an der die Grasen von Lesum einen Zoll erhoben. Der Weg an die höher gelegene Geest — sofern dieser überhaupt schon bestanden hat — war natürlich bei Hochwasser nicht begehbar. Nach dem Bericht der Rennerschen Chronik wurde aber 1350 bei Ausbruch des Krieges zwischen dem Erzbischof Gottfried von Bremen und dem Grafen Moritz von Oldenburg eine feste Brücke über die Lesum notwendig. Es ist jedoch nicht mit Gewißheit ermittelt, ob diese erste Brücke wirklich die Lesum überspannte oder ob sie nur den Graben des Castells zu Burg überbrückte; denn erst am 4. Mai 1378 erlaubte es der Erzbifchof Adalbert dem Rat von Bremen, die erste Brücke über die Lesum zu bauen, die 1388 fertig wurde und 6000 Bremer Mark gekostet hat. Gleichzeitig
sollte aber mit diesem Bauwerk eine sichere Straße Lurch die Marßeler Wiesen (Mercelingerbroke) gelegt werden, wobei der Rat aber auf die Zustimmung der Ritterlichen von Marßel angewiesen war. Am 31. Juli 1388 kam der Vertrag zustande. In der hierüber noch erhaltenen Urkunde verpflichten sich Hermann und Hinrich von Marßel, dem Rat einen 90 Fuß breiten Landstreifen für 20 Bremer Mark zu verkaufen, „unde de Stucke moghet ze hebben tho eynen dämme unde tho grauen unde moghet der bruken, wo ze willst, unde schalet ze beholden tho eynen ewighen sieden ervekope unde hebbet gheloten de be- zittnighe unde den eghendoem der Stucke, olze men erveghud tho latende plecht". Weiter bestätigen die Ritter, den Damm unter ihre Aufsicht zu nehmen, wofür ihnen der Rat aus Dankbarkeit am 7. Januar 1389 das Versprechen gibt, die Familie von Marßel und Kehdingen nebst allen Erben in seinen Schutz zu stellen, „darumme, dat sze dat uns erlowet hebbet, dat wy den Dam gelecht hebbet up ohre gudt." Endlich gestatteten die Ritter dem Rat in einer Urkunde vom 29. Oktober 1395, gegen die Entrichtung von 4 Bremer Mark, zur Befestigung des Wiesendammes gegen die spülenden Fluten der Lesum aus dem Nebengelände Grassoden zu stechen „für ewige Zeiten", wofür die Marßeler an der Bürger Brücke Zollfreiheit erlangten. Dieser alte „Burgdamm", später auch nach nochmaliger Befestigung während des vorigen Jahrhunderts „Steindamm" genannt, hat sich bis heute erhalten. Die Straß« biegt in Burg-Lesum sogleich nach dem alten Zollamt von der Landstraße rechts ab und führt nach „Villa Marßel".
Anno 1395 war die adelige Familie in Marßel noch sehr zahlreich. Genannt seien neben Hinrich und Hermann noch Ludelof sowie Hermanns Kinder: Wyndele, Heylwig und Volquin. Ferner Hinrichs Schwester- Kinder: Märten, Wilken, Curt, Elozeke und Wenneke.
Eine Urkunde vom 2. September 1400 überliefert schließlich noch den Namen eines Dietrich von Marßel und am 21. Dezember 1457 endlich tritt als letzter der einstmals so großen Familie ein Conrad von Marßel auf, womit dann das Rittergeschlecht ausgestorben zu sein scheint. Das ist in großen Zügen die Geschichte der Adeligen von Marßel, auf deren Besitzung sich heute die Gemeinde Burgdamm erhebt.
(Schluß folgt.)
A/r/el Wü'ck Mol...
MMeltvallÄ m üe? Aerüe/ Die lüncke w/ciei M Zwk / Mü oem, üe? ei/re/r ZäÄsf ettckiäsk
Kein Siegeszug sei so geehrt, wie wenn der Bauer führt das Gespann, wenn der Karren schwankend heimwärts kehrt und die Frucht einfährt aus dem Gewann.
Das ganze Land mit Dorf und Stadt wird von den nährenden Reckern satt.
Erst dehnten sich die Felder unabsehbar in die Horizonte hinein, die Gerste gleißte mit seinen Grannen, der Hafer schüttelte seine vollen Rispen wie kleine Schellenbäume, der Roggen stand stattlich aus dem Halm, und der Weizen erfüllte die Weite mit seinen goldnen Feuern Ueberall rief es: Nimm! Wenn der Bauer eingefahren hat und die Dreschmaschine ihr schweres Bienenlied ausgesummt hat, dann knarren die Flügel der Mühle und schreiben eine Schrift in den Himmel: „Unser täglich Brot . . . unser täglich Brot."
So scheint der Weg vom GetreiLekorn bis zur knusprigen Schnitte aus unserm Eßtisch einfach und kurz, eine vieltnusendjährige Selbstverständlichkeit. Soll man darüber noch nachdenken? Ja. Es lohnt sich um das schlichte, erdhafte, liebe Brot. Wir möchten, daß es nicht zur Ware wird, daß in ihm die alten heiligen Bindungen wieder empfunden und erkannt werden. Im Brot kommt der Boden aus unsern Tisch. Es ist nicht nur zum Magensüllen da.
Welch ein Genuß kann ein Stück Brot sein! Die Eigenart einer Landschaft und ihrer Bewohner ist im Brot herauszuschmecken. Da gibt es Hamburger Brot, braun und blank. Da gibt es hannooersches, viereckig, in einem schönen, reichen, stumpfen, gelben Mantel, durch Einschnitte verziert. Da hat man niederrheinisches Schrotbrot oder Oldenburger Brot, schwarz, klobig, wie aus dem Torf gestochen. Der Pumpernickel Westfalens ist schwer und gehaltvoll wie die rote Erde. Das Brot Schwabens ist das helle Dinkelbrot: es ist groß und rund. Das Bayernbrot wird mit Kümmel oder Anis gewürzt. Soviel Landschaften — soviel Unterschiede! Wie der erfahrene Weinkenner beim ersten Tropfen sofort den Jahrgang und die Gegend spürt, so kostet der Brotschmecker beim ersten Bissen die Mehlzusainrnensetzung, die Teigführung und die Zutaten heraus.
Einmal wieder richtiges Brot essen, seufzten viele im Krieg. Das war in den Jahren, wo man uns das Brot zuteilte, wo unser Lebensgrund mit Kartoffeln und Steckrüben, ja mit geriebener Baumringe gestreckt wurde. Davon ging keine göttliche Kraft aus. Richtiges Brot, das muß hausbackenes Vauernbrot sein aus golduer nahrhafter Halmfrucht, wo beim Essen das grobgeschrotene Korn zwischen den Zähnen auf
bricht und uns mit einer Fülle von Wohlgeschmack labt. Brot ist niemals gemahlenes Korn und Sauerteig allein. Mit hineingewirkt ist die heilige Kraft von Sonne und Erde, Regen und Wind. Brot ist eine Zelle göttlichen Schöpfertums.
Ei« Müller fährt über Land
In der Heide gibt es noch vereinzelte Mühlhöfe. Wohl 500 Jahre lebt, ackert, mahlt manche Familie hier auf dem gleichen Hofe, bestellt ihr Feld und mahlt das eigene Korn und das der Bauern. Da liegt so ein Hof und daneben die Mühle. Ganz alt; das Wohnhaus, ein riesiger Langbau, ist von rohen, unbehauenen und ungemörtelten grauen Findlingssteinen, wie eine Kappe scheint das Strohdach Larübergezogen. Nur die Mühle ist inzwischen neu gebaut. Aber auch das alte Mühlenhaus hat der Müller nicht abgerissen. Die alten Mahlsteine find noch da. Man hat sie in das Fundament der neuen Mühle eingemauert, zwei riesige Räder, die wie alte Sonnenscheiben in dem hohen Unterbau sitzen. Der alte Müller hält auf strengen Müllerbrauch. Die wandernden Müller- burschen haben gute Einkehr bei ihm. Aber sie müssen Müllerrecht und Mllllergruß kennen. Mit jedem, der um Zehrgeld kommt, nimmt er erst das Handwerk durch: wie sie stehen müssen, die Mllhlsnflügel, bei ganz verschiedenem Wind, bei Böen- und Gewittergefahr. Wer es nichr weiß, kann weitergehen. Zu Pfingsten bring: der Müller grüne Virkenreiser an die Flügel, und wenn Hochzeit ist, an jeden Flügel feine Spitzen. So will es der Brauch.
Einmal im Jahr läßt der alte Müller anspannen und fährt Lbers Land, queranf und querab, durch die ganzen Dörfer und die weite Heide. Auf freiem Felde hält er die Pferde an, steigt ab und prüft das Korn. Sein Korn, wenn es auch einem fremden Bauern gehört. Denn zu ihm kommt es in die Mühle. Korn ist des Müllers größtes Ding. Die Mühle ist ihm das Mahlwerk Gottes. Darum ist der Müller fromm. Einmal sah er, wie ein Geselle bei Tisch vom Brot kleine Kugeln drehte. Da fuhr er auf. Der Knecht hat es nie vergessen und hat viel davon erzählt. Der Müller schneidet auch noch das fromme Kreuz in jedes Brot. Er ist hingegeben an die einfachen Dinge: Land, Korn, Mehl, Brot. Das ist das Geheimnis und die Kraft der alten Mühle.
Innerhalb der Dörfer Niederfachfens — oft in Gärten oder wenn dre Straße breit genug ist, zwischen den Höfereihen — stellen die bienenkorbartigen Backöfen einen eigentümlichen Schmuck dar. Aus Stein
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schon, träumen sie ihr stiiies sricho-aiios Dnsoin. so-nvers oilivrinhiich ist ihr iU-iihNct, 1ULNN sie in einer aunzen Reihe oder vor dem dunkle» Hintergrund von mächtigen alten Föhren liegen ... *
Am Abend vorm Backen wird das Mehl von der Bäuerin gesäuert, dann heißt es pünktlich um 3 aus den Federn, schnell muß Feuer untern Herd, bald ist das Wasser lauwarm, das dem Teig zugegossen und verrührt wird. O, die Frau ist eine Feinschmeckerin, sie gießt noch einen Topf saure Milch zu, dann schnell ein wenig Salz her und kneten, kneten, immer fest kneten, wenn das auch eine Höllenarbeit ist. Aber einmal „knackt" der Teig und wird in die bereit- stehenden Brotkörbe getan. Inzwischen ist der Backofen mit 20 Backbnnd schon lange befeuert, der Wind pustet durch die Zuglöcher, die sonst rötlichen Steine schimmern schon vor Hitze weiß. Die Glut wird nun mit einer langen Stange an die rechte Seite gebracht. Mit einer zweiten Stange, an der sich ein Federwisch befindet, wird die Mitte und die linke Seite schön sauber gefegt. Dann schiebt man den Brotteig (ohne Korb natürlich) mit dem „Schütze!" hinein. Die Zug-
Leitspruch der Arbeit
„Alkes, was wir heute auf dieser Erde bewundern — Wissenschaft und Kunst, Technik und Erfindungen — ist nur das schöpferische Produkt weniger Völker und vielleicht ursprünglich einer Rasse. Von ihnen hängt auch der Bestand dieser ganzen Kultur ab. Gehen sie zugrunde, so sinkt mit ihnen die Schönheit dieser Erde ins Grab." Ä-olf Hitler.
löcher sind zugelegt Maria, Erste, schnell noch die Kuchen her! Morgen ist Sonntag, außerdem kommt Besuch, warum soll man sich da nicht mal ein Stückchen Kuchen leisten? In 1)6 Stunden, während der manch lustiges Wort hin- und herfliegt, find nun die Brote gut. Schnell mal ein Stück abgeschnitten, sachte, sachte, verbrennt euch nicht gleich die Schnabel, das Brot ist doch noch breünend heiß. Die abgebackenen Brote — 18 wohlgeratene Brote — werden auf einer Karre vom Backofen nach dem Hos gefahren und auf den Boden getragen. Alle Tage holt die Frau 2 herunter, die braucht der Hos. Der Backofen liegt inzwischen, längst wieder sauber und schmuck, ein uralt geheiligtes Symbol des Friedens und der Fruchtbarkeit, im Morgenlicht. Immer stärker dringt es durch die weitausladende Krone der alten Eiche.
Die „Speise der Speisen"
Allerlei Hinweise darauf, wie der Germane einst dem Brot gegenüberstand, bewahrt die Sprach« auf. Das mittelhochdeutsche Wort „Brot" ist allerdings ge- schichtslos, es führt aus „braunen" zurück. Aber das althochdeutsche Wort, das wir auch heute noch brauchen (Laib) hat seine Spuren hinterlassen. Verschollen ist das Wort „Eilaiba" (Genosse), also der, mit dem man gemeinsam das Brot ißt. Das englische „Lord" bedeutet ursprünglich den Brotherrn, während die „Lady" die Brotverteilerin ist.
Ueberall in der deutschen Sage und im Märchen ist das Brot, die „Speise der Speisen", ein gewaltiges Sinnbild. Wo frevelhafter Uebermut üppigreicher Menschen gezeigt werden soll, wird der Frevel durch Mißachtung des Brots anschaulich gemacht. Der Bericht von dem rätselhaften Untergang der reichen friesischen Seestadt Rungholt ist ganz mit deutschen Zügen ausgeschmückt. „Kleine Löcher in den Wänden haben die Rungholter mit Brot verstopft, ihre Kinder wischten sie aus reiner Wollust mit zartem Semmelkrum, wird in Niederdeutschland erzählt. Und dann raste eines Nachts der blanke Hans heran und schlug die Brotfrevler in seine schwarze Tiefe hinab.
Durch Zufall ist der Sauerteig erfunden worden. Irgendeine altsächsische Hausfrau hat einmal den Rest alten Teigs mitbenutzt, ohne seine Wirkungen zu kennen. Sie mag sehr erstaunt gewesen sein, als sie bemerkte, daß dieser alte saure Teig das Brot wundervoll lockerte, es schmackhafter und verdaulicher machte. Die neue Forschung hat festgestellt, daß gerade die Niedersachsen bei der Broterfindung und Brotzubereitung hervorragend beteiligt waren. Seit 300 n. Chr. gibt es bei den Germanen einen Väckerstand. Wie geachtet die Bäcker waren, zeigt eine Stelle aus dem ältesten deutschen Rechtsdenkmal. Damals konnte man Totschlag mit Geld sühnen. Wer einen Bäcker erschlug, der mutzte 750 Mark zahlen, eine für damalige Verhältnisse ungeheure hohe Summe.
In diesen Tagen wendet sich der Reichsnährstand an die deutschen Hausfrauen. „Haltet das Brot heilig," mahnt er. „Wer Brot verdirbt, versündigt sich an seinem Volke, das dieses Brot braucht."
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/ ckkirrs von Tvol/gany AeUekav
Die Tür zum Speisezimmer nebenan war geschlossen. „Ich bin nicht zu Hause", hatte Herr Berlitz angeordnet. „Ich habe viel zu tun und bitte dafür zu sorgen, daß niemand mich stört."
Seine Frau hatte ihn erstaunt und vorwurfsvoll angesehen: „Gerade heute, da Häuschen Geburtstag hat! Er freut sich schon die ganze Woche darauf, daß du mit ihm spielen würdest."
„Es geht nicht — es geht beim besten Willen nicht", war seine Antwort gewesen. Es tat ihm selbst leid — er liebte seinen Jungen sehr und tat gern alles, ihm eine Freude zu bereiten. Aber heute . .. eine seltsame Unruhe saß ihm im Herzen, die es ihm unmöglich gemacht hätte, die Gesellschaft anderer, und sei es auch nur von Kindern, zu ertragen. Er litt unter einem Angstgefühl, das er nun schon seit Monaten kannte— nie war es so spürbar geworden wie heute.
Herr Berlitz saß vor seinem Schreibtisch und stierte ins Leere. Nebenan tobten die Kleinen, ab und an von den beschwichtigenden Stimmen der Mutter, des Mädchens ermähnt. Manchmal schrillte die Glocke — dann kam ein neuer Gast, ein Junge, der sich verspätet hatte. Es waren nur Kinder, wirklich die nebenbei tafelten. „Erwachsene gehören nicht auf einen Kindergeburtstag", hieß einer von Berlitzens Grundsätzen. Er hatte viele Grundsätze, nach denen er sein Leben einzurichten versuchte. Wobei sich allerdings nicht verhindern ließ, daß immer wieder etwas geschah, was dieser Grundsätze spottete.
Daran mußte Berlitz denken. Denn die Stimme, die er jetzt, leise und gedämpft, aus dem Nebenzimmer hörte, das war nicht die eines Kindes. Das war ja. . . Herr Berlitz spitzte wider Wunsch und Willen die Ohren . . . natürlich! Das war doch die Stimme von Frau Kummer?
„Run geht mal alle schön rüber ins Kinderzimmer!" hörte er seine Frau sagen. „Und spielt dort irgendwas Nettes! Wir kommen gleich nach, dann werden wir Topfschlagen spielen und eine Verlosung machen, nicht wahr?"
Trappen von vielen kleinen Kinderfüßchen. Eine Tür schlug . . . und dann noch eine.
Es war plötzlich so merkwürdig still nebenan. Dann hörte Berlitz, wie gesprochen wurde. Die Leiden Frauen unterhielten sich miteinander — es mußte wohl etwas sehr Wichtiges sein. Sie wisperten.
Das Eetuschel quälte Berlitz und reizte zugleich seine Neugier. Er wollte an seinem Schreibtisch sitzen bleiben, aber wie ein Magnet zog es ihn zur Tür. Er mußte hören, was im Nebenzimmer gesprochen wurde.
„Ich dachte, mein Herz müsse aussetzen", erzählte Frau Kummer. „Stellen Sie sich das vor: Ahnungslos verlassen wir beide in bester Stimmung unsere Wohnung und haben noch nicht hundert Schritte gemacht, da kommt so ein wildfremder Mensch auf uns zu ..
„Sagte er denn nicht, worum es sich handele?" fragte Frau Berlitz. '
„Nein!", erwiderte die Besucherin. und ihre Stimme bekam einen merkwürdigen, gepreßten Klang. Er meinte nur, Sie sind doch Herr Kummer, nicht wahr?" And dann, als mein Mann, noch ganz freundlich, aber auch erstaunt, nickte, fuhr er fort: ,Jch habe den Auftrag, Sie festzunehmen. Folgen Sie mir zur Wache!" Dabei zeigte er irgendsoein Messingschild, das er unter der Rockklappe trug und das ihn als Kriminalbeamten auswies."
„Aber der Grund . . wollte Frau Berlitz wissen. „Haben Sie denn nicht . . . ?"
„Ich ging natürlich mit — aber auf der Wache wurden wir gleich getrennt, ich konnte kein Wort mehr mit meinem Mann sprechen. Höflich, aber sehr nachdrücklich erklärte man mir, daß ich einstweilen dort nichts mehr zu suchen hätte und daß ich nach einem oder zwei Tagen anfragen möchte."
Die Frau hatte sich bisher, offenbar mit dem Aufgebot ihrer ganzen Willenskraft, ruhig verhalten. Plötzlich aber brach sie in furchtbares Schluchzen aus.
Berlitz schlich an seinen Schreibtisch zurück. Er fiel mit einem schweren Seufzer auf den Stuhl. Wenn er sich im Spiegel gesehen hätte, wäre er wohl selbst erschrocken gewesen — so kreidebleich war sein Gesicht.
„Nun ist alles aus", dachte Berlitz, lind er war fest überzeugt, daß in diesem gleichen Augenblick schon in den Kaffenräumen seiner Bank alle Bücher und Belege durchgewühlt wurden, um festzustellen, ob nicht noch andere Beträge außer den dreitausend Mark, um die es hier ging, von ihm und Kummer unterschlagen worden waren.
„Sie sollen mich nicht hier abholen", entschloß sich Berlitz. „Dies wenigstens will ich meiner Frau, meinen Kindern, ersparen." Und er erinnerte sich eines dritten Grundsatzes: „Besser ein Ende mit
Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."
Es war soweit, sicher. Und nun, da der Augenblick gekommen, begangene Schuld zu sühnen, wurde es Berlitz fast leichter zumut als all die Monate vorher, da das schlechte Gewissen ihm die Freude am Leben und den Trost des Schlafes geraubt hatte.
Er stand auf, öffnete leise die Tür, die zum Hausflur führte. Er sah niemand — der Augenblick war günstig. Die Kinder tobten in ihrem Zimmer, und nebenbei hatte seine Frau wohl noch zu run, die arme, völlig gebrochene Frau Kummer zu trösten.
Berlitz griff nach Mantel und Hut und schlich, aus der Wohnung wie ein Fremder, wie ein Dieb.
Unterwegs machte er noch halt auf der Post. Schrieb mit zitternden, fliegenden Händen ein paar Zeilen an feine Frau, deutete an, wie alles gekommen war, erbat ihre Entschuldigung.
Dann ging er zur Polizei. Ließ sich znm diensthabenden Kommissar führen und erzählte ihm alles.
/Von WMü/rs t/romn
Eine Geschichte, die sich in den sechziger Jahren in Berlin zugetragen hat, beweist, wie aus unsinnigen, kleinen Ursachen Gerüchte entstehen, die jeder Grundlage entbehren, aber doch unabsehbare Folgen nach sich ziehen können.
Der unschuldige Urheber des Gerüchtes, von dem hier die Rede sein soll, war der ehrenwerte Berliner Kaufmann Paul Frieske. Der alte Herr, dem Las Gehen schon ein bißchen schwerfiel, unternahm eines Sonntags mit seiner Familie einen Ausflug in den Grunewald. Auf diesem Spaziergang begegnete er seinem Geschäftsfreund Peter Krelle, der gleichfalls mit Weib und Kind ins Grüne gekommen war. Die Herren blieben stehen, begrüßten einander und Peter Krelle fragte, wie dies schon so Brauch ist, den alten Herrn Frieske, wie es ihm denn ginge und wie er mit den Geschäften zufrieden sei.
„Na, wie es schon mal so geht," erwiderte Frieske, dessen Beine von dem langen Marsch schon tüchtig schmerzten, „mit den Geschäften wäre ich ja soweit ganz zufrieden, bloß die Gebrüder Beenekens, die können in der letzten Zeit leider schon gar nicht mehr mit!"
„Das ist mir neu," wunderte sich Herr Krelle, „aber immerhin gut zu wissen! Na, schönen Dank denn und auf Wiedersehen!"
Mit einer höflichen Verbeugung ging er weiter und ließ Herrn Frieske zurück, ohne ihm zu erklären, warum es so gut zu wissen sei, daß seine Beine nicht mehr mitkonnten. Herr Frieske wunderte sich eine Weil« über die merkwürdigen Redensarten des Herrn Krelle, hatte aber als er mit seiner Familie nach Hause kam, Las Gespräch im Grunewald längst vergessen.
Nicht so Herr Krelle. Er hatte die Klage des Herrn Frieske über seine schmerzenden Gehwerkzeuge vollkommen mißverstanden. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, daß dieser mit der scherzhaften Redewendung
„Gebrüder Beenekens" seine leidenden Beine gemeint hatte, sondern war überzeugt, Laß Herr Krieske ihm auf seine Frage nach dem Stand der Geschäfte mitgeteilt habe, daß das Bankhaus „Gebrüder Beeneke", bei welchem er sein Guthaben hatte, in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei.
Als am> nächsten Morgen die Schalter des Bankhauses öffneten, war er der erste, der sich beeilte, sein Guthaben abzuheben. Damit nicht genug, besuchte er alle seine Geschäftsfreunde, von welchen er wußte, daß sie mit den Gebrüdern Beeneke in Verbindung standen und erzählte ihnen von der angeblich schwierigen Lage des Bankhauses.
Die Sache sprach sich bald herum und nun setzte ein wahrer Sturm auf das Bankhaus der ahnungslosen Brüder ein, die jetzt wirklich in Zahlungsschwierigkeiten gerieten und infolge des unsinnigen Gerüchtes bald darauf tatsächlich ihre Schalter schließen mußten.
An 267 iMf NeM
Es wird behauptet, daß Hechte und Karpfen bis 500 Jahre alt werden können. Ob das stimmt, soll dahingestellt bleiben: daß aber Hechte durchaus ein gutes Vierteljahrtausend alt werden können, ist einwandfrei erwiesen. Im Museum in Mannheim wird nämlich ein Hechtskelett aufbewahrt, das von einem Fisch stammt, der im Jahre 1497 in einem See bei Kaiserslautern gefangen wurde, als er 267 Jahre alt war. Daß er dieses Alter tatsächlich hatte, wird bewiesen durch einen Ring, den das Fischskelett noch heute in seinen Kiemen trägt: denn darauf ist folgende Inschrift eingraviert:
„Ich bin der erste Fisch, der am 5. Oktober 1230 von dem Beherrscher der Welt, Friedrich II.. in diesen See gesetzt wurde." O. liroät.