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I Anzcigen-Grundpreise: Die S2-mw-8eile tm Anzeigenteil 12 Rps-. die 70>nun>Zeile im Tertteil 7b Rps.
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M. 548 / Z. Jahrgang
Menstag, 1?. Vezember
kinzelpreis 15 Npf.
Kritiker - Wegbereiter des kommenden Keines
örundlegende flusfükeungen Vr. voebbels zur Kritikertagung im Kaus der deutschen presse in verlin
Kunst und Kritik
Berlin, 17. Dezember. Am Sonnabend fand im Haus der deutschen Presse aus Veranlassung der Reichskulturkammer eine Tagung der in der deutschen Presse tätigen Kritiker statt, an der die Präsidenten der Reichs- musikkammer, der Reichstheaterkammer und der Reichsfilmkammer, der Reichskulturwalter Hinkel,
s
Unser logesspiegvl
Ueber das Wesen der Kritik machte Reichs- miitister Dr. Goebbels grundlegende Ausführungen.
In Verlin hat eine Arbeitstagung des Sozialen Amtes der Deutsche» Arbeitsfront begonnen.
Botschafter von Ribbentrop hat zur richtigen Beurteilung des deutschen Rechtssystems einen ausführlichen Brief an Lord Allen gerichtet.
Der Negus hat den Pariser Friedensplan abgelehnt.
Eauschulungsleiter Pg. Bnscher setzt heute abend seine Vortragsreihe über Rosenbergs Mythus des XX. Jahrhunderts fort.
Am heutige« Tage wird aus dem Kaiser-Wil- Helm-Platz der Weihnachtsmarkt erSsfnet.
eine Reih« von Mitgliedern des Reichskultursenats und weitere führende Persönlichkeiten aus dem deutschen Kunstleben teilnahmen.
Der Leiter des Reichsverbandes der deutschen Presse, Hauptschriftleiter Wilhelm W e i tz, betonte zu Beginn der Tagung: Die Verbindung zwischen Kunst und Presste stelle die Kritik dar, in deren Wesen es liege, daß man sich im Lause der Zeit leider daran gewöhnt habe, in der Kritik so etwas von gottgewolltem Gegensatz zur künstlerischen Leistung zu erblicken. Dieser Standpunkt sn abzulehnen:
Jede begründete Kritik stelle selbst einen Alt
der schöpferischen Leistung dar.
Kritik an der Kritik
Er begrüße es daher, daß den Vertretern der Kunst bei dieser Zusammenkunft auch einmal Gelegenheit gegeben sei, eine KritikanderKri- t i k vorzunehmen, um dann in gemeinsamer Arbeit jene Form zu finden, die heute im nationalsozialistischen Deutschland für die Pressekritik die angemessene sei.
Hauptschriftleiter Weiß schickte sodann der allgemeinen Aussprache einige grundsätzliche Bemerkungen zum Thema Kritik und Presse voraus. Auch die Kritik sei heute den gleichen Bestimmungen und Grundsätzen unterworfen, die ganz allgemein für die Presse Gültigkeit haben. Der Kritiker sei Schriftleiter im Sinne des Schriftleitergesetzes. Er sei heute kein Privatmann mehr, der leine Beziehungen zur Kunst nach persönlichen oder sonstigen Gesichtspunkten eigenmächtig regele. Als Träger einer öffentlichen Aufgabe habe er sich in den Rahmen einzufügen, den der nationalsozialistische Staat und die nationalsozialistische Weltanschauung bilden.
Die Zeiten der hemmungslosen und verantwortungslosen Kritik, wie sie früher im Zeichen der sogenannten Pressefreiheit geübt wurde, seien heute vorüber. Es sei heute nicht entscheidend, ob -in Theaterstück vom Kritiker für gut oder schlecht befunden werde, sondern entscheidend sei, wofür auf der Bühne gekämpft werde. Auf beiden Seiten, auf seiten der Kunst sowohl wie auf feiten der Kritik müsse sich eine grundsätzliche Erkenntnis durchsetzen:
„Der Standpunkt von der „Kunst an sich" ist »ach nationalsozialistischer Auffassung nicht haltbar. Beide, die Kunst sowohl als auch die Kritik, dienen einem höheren Ideal, dem Ideal der nationalen Ehre und dem Ideal einer wahrhaft deutschen Kultur".
Niemand werde behaupten wollen, daß dieses Ideal im Theater und Film heute schon überall erreicht sei. Damit es aber erreicht werde, dazu brauche man die positive Mitarbeit der Kritik.
Würdigung des Merkes und der Leistung
' Der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Raabe, wies darauf hin, daß es Ausgabe der Kritik sei, für den Zeitungsleser zu ichreiben: dem Leser solle sie eine Würdigung des Kunstwerkes und der-Kunstlei- Ituna bieten, eine Würdigung, die selbstverstand- luh nicht objektiv sein könne, weil jedes Urteil subjektiv sei, sie müsse aber deutlich erkennen lassen, welchen Eindruck Werk oder Leistung auf ->-n Kritiker gemacht habe. Da der Künstler leine Arbeit immer als etwas Ernstes, oft als -twas Heiliges empfinde, habe er Anspruch darauf. daß der Kritiker bei der Beurteilung neuer lö-rke in genügendem Maße vorbereitet ,ei. Da- b-r sei die Abschaffung der Nachtkritik notwendig. Der Leserkreis müsse daran gewöhnt werden, daß zusammengefaßte Kritiken m den- l-mgen Abständen erscheinen, die durch die lang
samere, aber sorgfältigere Arbeit des Kritikers geboten sind.
Ein falsches Lob sei für die Kunst genau so schädlich wie falscher Tadel. Es müsse gefordert werden, daß sich der Kritiker zu seinen Neigungen und Abneigungen bekennt, denn weil ja das Urteil nur subjektiv sein könne, kommt es darauf an, dieses Subjekt des Kritikers, also die kritische Persönlichkeit, die sich in der Öffentlichkeit vernehmen lasse, möglichst deutlich zu erkennen.
Es ist Adolf Hitlers festester und wichtigster Grundsatz, daß Gesinnung und Leistung vereint erst das ausmachen, was als nutzbringend anerkannt werden könne. Dieses gegenseitige Ergänzen von Leistungen und Gesinnung müsse vom Künstler und vom Kritiker in gleichem Maße gefordert werden.
Den Weg, den die Kunst einschlage, bestimmt stets das Genie, meistens das künstlerische, manchmal aber auch — wie z. V. im Falle Lessing — das kritische. Künstler und Kritiker werden stch am besten verstehen, wenn beide eingesehen haben, daß es in der Kunst überhaupt nicht gelte zu herrschen, sondern nur zu dienen.
Der Präsident der Reichsfilmkammer, Professor Lehn ich, führte aus, daß er es als seine Aufgabe betrachte, dem deutschen Film Produktionsbedingungen zu schaffen, die dem talentierten und genialen Künstler sowohl wie dem wirtschaftlichen und erfolgreichen Kaufmann die Möglichkeit geben, jährlich eine Anzahl künstlerischer Spitzenleistungen herzustellen und das Durchschnittsniveau des deutschen Filmes zu he
ben. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen dieses Aufbauwerkes sei die Mitarbeit der deutschen Presse, die ihren ganzen Einfluß ausüben müsse, um der Öffentlichkeit klar zu machen, daß sich der Film vom Kintopp und Amüsement zu einer ernsthaften Kunst entwickelt habe. Es sei deshalb notwendig, den Film in der Presse genau so ernst zu behandeln wie das Gebiet einer anderen Kunstform.
Es sei notwendig, den deutschen Film von dem unseligen Starkult zu befreie», der immer nur den Film um einen Schauspieler konstruieren wolle.
Die Kritik des einzelnen Filmwerkes sei immer noch Gegenstand der lebhaften Klage. Es widerspreche nationalsozialistischer Auffassung, in jedem Lustspiel, in jeder Operette und in jedem Unterhaltungsfilm weltanschauliche Eedankengänge zu suchen. Aus einer solchen Perspektive könnten Kritiken nicht geschrieben werden. Sachliche und fachliche Kritik, die positive innere Einstellung zum Film verrate, müsse verlangt werden. Es sei eine große fruchtbare und lohnende Aufgabe der deutschen Presse, den Kampf um die Höherentwicklung des Publikumsgeschmacks zu unterstützen. Sie müsse durch ständige Beeinflussung der Leser erreichen, daß dem von ganz neuen Menschen in absehbarer Zeit geschaffenen Film der Weg bereitet und eine Höherführung des allgemeinen Niveaus in steter Wechselwirkung zwischen dem schöpferischen Künstler und dem empfangenden Publikum möglich wird.
Der. Präsident der Neichstheater- kammer, Dr. Rainer Schlösser, stellte seine Ausführungen unter den Gesichtspunkt, daß der Nationalsozialismus eine alles umfassende Weltanschauung ist und kein Gebiet sich der Tatsache entziehen kann, daß der Nationalsozialismus für alles und jedes neue Maßstäbe aufgestellt hat. Auf dem Gebiet des Theaters wachse aus den gestrigen Vorstellungen der Schaubühne organisch eine neu» und aus der gestrigen Dramaturgie des Theaterstückes oder des Dramas eine andere, welche unserem Wesen und unserer Tradition entspreche. Der Tiferblickende erkenne, daß die Erundeinstellung des Publikums sich verändert habe.
Dem Kritiker falle die schwierige Ausgabe zu, das abbröckelnde Alte zurückzuweisen und das Neue, welches sich anbahnt, zu erkennen und zu stützen. Man dürfe das Neue nicht mit alte« Maßstäbe» messen, wohl aber müsse man das Alte mit neue» Maßstäbe« zu messe« wissen. Die kritische Ausgabe sei nicht eine beschreibende, sondern eine wahrhaft schöpferische, nicht eine schlechthin berichtende, sondern eine verantwortungsvolle.
Auch Präsident Schlösser forderte eine gründliche Vorbereitung des Theaterkritikers. Die erste Vorbedingung einer Kritik müsse der Respekt vor dem sich muhenden Geiste sein. Ohne etwas von einer Sache zu verstehen, könne man nicht über sie schreiben, und ohne ein sicheres Gefühl für den inneren Willen der Entwicklung könne man nicht über diese entscheiden. Höchste Objektivität heißt hier höchste Subjektivität.
(Fortsetzung auf Seite 2)
siufdemwegeMveuksch-enMchenfrelmVschlist
Mbbentrop antwortet Lord flllen auf eine englische kingabe an den sichrer und Neichskanzler
Berlin, 17. Dezember. Durch Vermittlung des bekannte» englische» Politikers Lord Allen os Hurtwood wurde vor einiger Zeit an den Führer und Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der die Freilassung des wegen staatsfeindlicher Vetiitigung in ein Konzentrationslager eingelieferten kommunistischen Rechtsanwalts Hans Litten erbeten wurde. Die Eingabe enthielt außerdem gewisse Betrachtungen über die Behandlung Littens und über das deutsche Rechtssystem im allgemeinen. Da die Eingabe zeigte, daß über das deutsche Rechtssystem und vor allem über seine Grundsätze in England immer noch Mißverständnisse herrschen, hat Botschafter von Ribbentrop folgenden Brief an Lord Allen gerichten:
I-orä Xllon ok Uurtrvvoil 8. XII. 1933.
Ilurtwooä Hause LIbne)' nr. Olliläork.
Sehr verehoter Lord Allen!
Ihr Schreiben an den Führer und Reichskanzler vom 31. Oktober wurde mir von der Reichskanzlei zur weiteren Behandlung übersandt, und ich komme wegen lleberhäufung meiner Arbeit erst heute zu dessen Beantwortung.
Zunächst muß ich Ihnen sagen, daß ich nach sorgfältiger Prüfung des von Ihnen dargelegten Falles zu meinem Bedauern nicht in der Lage bin, dem Führer und Reichskanzler die von Ihnen vorgeschlagene Lösung zu empfehlen. Die Gründe sind folgende:
Der Rechtsanwalt Hans Litten war einer der geistigen Führer des Kommunismus in Deutschland. Er ist wegen staatsfeindlicher Betätigung inhaftiert, und seine geistige Einstellung läßt eine Enthastung unter diesen gegebenen Umständen nicht zu.
Die in der Petition Ihrer englischen Rechtsfreunde im Hinblick auf diese Haft gemachten Feststellungen gehen teils von falschen Voraussetzungen aus, teils entsprechen sie nicht den Tatsachen und können deshalb nicht unwidersprochen bleiben. Revolutionen werden nicht in den Gerichtshöfen und nach den Regeln normalen Rechtsbrauches ausgefochten und entschieden, und im übrigen ist, entgegen Ihrer Eingabe, die Behandlung des Rechtsanwalts Litten völlig einwandfrei, und er genießt, wie ich höre. sogar noch gewisse Sonderoergünstigungen.
Ich möchte Sie aber, verehrter Lord Allen, nun meinerseits fragen: Kann ein Regierungs- und
damit ein Rechtssystem, das unverbesserliche Feinde der menschlichen Gesellschaft, die ein Volk dem Kommunismus ausliefern wollten, hinter Schloß und Riegel setzt, wirklich ein so schlechtes Rechts- Mein sein, wenn es dadurch gleichzeitig ein ganzes Volk von 65 Millionen wieder glücklich macht? Sind die Menschen für das Recht da oder das Recht für die Menschen? Muß ein solches Rechtssystem wirklich auf die Dauer um sein Ansehen in der Welt besorgt sein?
Im Gegenteil, ich möchte demgegenüber die Be- hauptung aufstellen: Wenn Ihre englischen Rechtsfreunde, die diese Petition unterschrieben haben, sich die Mühe machen würden, die Ursachen des Niederganges meines Landes ISIS, seit dem Versailler Vertrag, zu studieren, dann würden sie finden, daß eine stehengebliebene, den ungeheuren Problemen unserer Zeit nicht mehr ge- Wachsens Rechtspflege und vor allem aber der
Geist, in dem oft Recht gesprochen wurde, und dessen Träger wider das natürliche Empfinden des deutschen Volkes den Freiheitskämpfer Adolf Hitler nach denselben Paragraphen aburteilen konnten wie den Kommunisten Hans Litten, mit dazu beigetragen habe, ein großes Volk an den Rand des Abgrundes, nämlich des Kommunismus, zu fuhren.
Daß wir heute nicht mehr gewillt sind, diesen Geist in Deutschland jemals wieder auferstehen zu lassen und daß wir unverbesserlichen Trägern und geistigen Führern solchen Vernichtungswillens als Schädlingen der menschlichen Gesellschaft ihr Tätigkeitsfeld möglichst beschränken, das würde jeder ihrer Freunde von der Rechtsfakultät verstehen, wenn er die Entwicklung der'vierzehn Jahre bis zum 30. Januar 1933 in Deutschland miterlebt hätte. Ja, mehr als das:
Ich bin fest überzeugt, daß Großbritannien und die gesamte Kulturwelt Adolf Hitler eines Tages dankbar dafür sein muß, daß er mit eiserner Konsequenz und, wenn es sein muß, auch Härte die Träger dieses schleichenden und zersetzenden kommunistischen Gistes in Deutschland isoliert hat.
Deutschland soll in Zukunft ein Rechtsstaat werden, der dem Wesen und Rechtsempfinden des deutschen Volkes in Wahrheit entspricht. Dies ist das Bestreben der Sucher und Gestalter einer neuen nationalsozialistischen deutschen Gesetzgebung.
Im übrigen darf ich noch auf eins hinweisen: Die in der Geschichte des deutschen Volkes größte geistige Revolution, die zu der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus am 30. Januar 1933 führte, ist unter dem Zeichen völliger Legalität vor sich gegangen und mit Methoden durchgeführt worden, die wohl in der Geschichte nicht ihresgleichen haben und die im krassen Gegensatz zu den grausamen und barbarischen Methoden stehen,' mit denen die Revolutionen anderer Völker unserer Kulturwelt durchgeführt wurden.
Abgesehen aber von den eben geschilderten grundsätzlichen Erwägungen kann ich mich um so weniger entschließen, zu dem Wunsche Ihrer ehrenwerten Rechtsfreunde eine positive Haltung einzunehmen, als wir in einem ähnlichen Falle eine sehr schlechte Erfahrung gemacht haben. Dies liegt so:
Unverbesserliche feinde der Menschheit
Vor längerer Zeit wurde ich von einem Ihrer Landsleute, einem hervorragenden Engländer, darauf aufmerksam gemacht, ein wie großes Hindernis auf dem Wege der deutsch-englischen Verständigung die Haft der der Welt aus dem Reichstagsbrandprozeß bekannten Bulgaren Dimi- trow und Genossen sei und welch ausgezeichneten Eindruck auf die englische öffentliche Meinung deren Freilassung machen würde. Ich wußte, daß es sich hier um unverbesserliche Feinde der menschlichen Gesellschaftsordnung handelte und-daß.es das Beste wäre, sie würden nie mehr auf die Menschheit losgelassen. Trotzdem oder vielmehr in meinem ständigen Bestreben, die deutsch-englische Verständigung zu fördern, wurde ich mit zum Fürsprecher ihrer Freilassung. Die Bulgaren wurden nach Rußland geschickt und heute ist Herr Dimitrow Generalsekretär und damit der wahre Führer der Komintern! Er ist einer der eingefleischtesten Kommunisten und verschworensten Terroristen, der zum Vii. Komintern- Kongreß in Moskau im vorigen Sommer ungefähr folgendes Kampfziel bekanntgab:
1. Das unverrückbare Kampfziel der Komintern ist die Weltrevolution und die Aufrichtung der internationalen Diktatur des Proletariats. Zur Erreichung dieses Zieles ist jedes Mittel recht, Propaganda. Bündnisse, Terror, Gewalt usw.
2 . Das größte Hemmnis auf diesem Wege zur Weltrevolution, d. h. zur Aufrichtung des roten Imperialismus ist Adolf Hitler. Aus diesem Grunde muß der Nationalsozialismus mit allen Mitteln bekämpft werden. Fällt Hitler-Deutschland, ist der Weg für die kommunistische Weltherrschaft frei In kurzer Zeit wird ganz Europa folgen, und die Zersetzung des britischen Imperiums und der noch übrig gebliebenen Nationalstaaten wird dann nicht aufzuhalten sein
Dieses saubere Programm ist das Ergebnis der Freilassung Dimitrows, d. h. also das Ergebnis liberaler britischer Weltausfassung und deutscher Gutmütigkeit und Großzügigkeit! Der Kuriosität halber darf ich übrigens hinzufügen, daß ich seiner- zeit dem englischen Fürsprecher von dieser Frei-
lassung Kenntnis gab, aber weder dieser noch die gesamte öffentliche Meinung und Presse Englands, die sich vorher über den Vnlgarenfall fürchterlich aufgeregt hatte, nahm von dieser Tatsache die ge- ringste Notiz. Ich glaube, solche Fehler sollten beide Nationen in Zukunft vermeiden.
Mein lieber Lord Allen: Ihre Gegnerschaft gegen Versailles ist Deutschland und der Welt bekannt, und Ihr Einsetzen für eine deutsch. englischeFreundschaft war für mich immer eine große Befriedigung in meinem, ich glaube nicht ganz unbekannten Kampf für diese Freundschaft, Ich weiß daher, daß nur edle Gefühle Sie und Ihre Freunde zu Ihrer Eingabe vom 31. Ok- tober an den Führer und Reichskanzler veranlaßt haben.
Wir Deutschen verstehen dieses britische Gefühl „kor tlie uncierciog" (für den Unterlegenen) sehr gut und achten es, wie dies bei Angehörigen gleicher Rasse ja gar nicht anders sein kann. (gerade dieses Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen gleicher Rasse und gleichen Blutes aber sollte eine Garantie für die gemeinsame Erkenntnis sein, daß die Staatsräson Regierungen oft zwingt, harte Wege zu gehen, ohne daß hierdurch eine Volk seine in seinem innersten Wesen begründeten ethischen und weltanschaulichen Fundamente auch nur im geringsten preisgibt, ja, daß im Gegenteil diese harten Wege oft erst die Voraussetzung für die Erhaltung dieser ethischen und moralischen Grundlagen eines Volkes schaffen. An dieser Erkenntnis hat es dem heutigen England bisher noch etwas gefehlt. Ich glaube aber, daß auch diese Gedanken sich von Tag zu Tag mehr durchsetzen werden, und die Geschichte des Britischen Imperiums sollte hier der beste Lehrmeister sein!
Indem ich hoffe, daß ich noch oft das Vergnügen haben werde, Ihnen auf dem Wege, der zur deutsch-englischen Freundschaft führt, zu begegnen, seien Sie, verehrter Lord Allen, versichert der höchsten Wertschätzung und der freundschaftlichen Gefühle Ihres Jbnen ergebenen
gez. von Ribbentrop.
* Bremen, den 17. Dezember.
Kunst und Kritik haben sich im Haus der deutschen Presse ein Stelldichein gegeben. Man kann sich vorstellen, daß dies eines der anregendsten Ereignisse war, die sich je in diesem Hause zutrugen. Daß es aber noch mehr war, nämlich eine kulturpolitisch außerordentlich wichtige und erfreulicherweise überaus fruchtbare Tagung, ist besonders hervorzuheben.
Kunst und Kritik gehören zusammen. Man möchte fast sagen, wie Mann und Frau in einer guten Eh«. Wohnen dem einen Teile die werte- schaffenden, die schöpferischen, die eigene Wege gehenden und manchmal sogar bahnbrechenden Kräfte inne, so dem andern Teil die werte- würdigenden, wertewahrenden und wertefördernden Kräfte. Darum aber wäre es auch eine völlige Ver- kennung des Tatsächlichen, wenn man heute noch von einem naturgegebenen Gegensatz von Kunst und Kritik sprechen wollte. Nicht das Gegensätzliche, sondern das einander Ergänzende ist und bleibt das in den Vordergrund zu stellende Moment. Mag mancher Künstler die Kritik da und dort einmal verflucht haben, mag eln Künstler manchmal auch einen Kritiker gehaßt haben: wenn er ein echter Künstler ist und sein Kritiker ein richtiger Kritiker, dann haben sie bestimmt sich immer noch zur rechten Stunde wiedergefunden und haben immer noch zuletzt einer des anderen Arbeit achten gelernt. Vollends im nationalsozialistischen Staate, wo der Kritiker — Hauptmann Weiß, der Leiter des Reichsverbandes der deutschen Presse, hat es besonders betont — ein öffentliches Amt ausübt und als Träger einer öffentlichen Aufgabe das volle Bewußtsein dessen haben mutz, was das Gesetz von ihm verlangt, kann es kein Verkennen des richtigen Kritikers -mehr geben.
Wenn heute schon jedes Kunstwerk der nationalen Ehre und dem Ideale einer wahrhaft deutschen Kultur gelten muß, dann bleibt bei der Kritik ganz von selbst jeder persönliche und sonst abwegige Gesichtspunkt ausgeschaltet und als alleiniger Maßstab Gesinnung und Leistung, ein untrennbarer Begriff, bei Bewertung des Kunstwerks übrig. Damit leuchtet aber auch sofort ein, was der Präsident der Reichsmusikkammer anführte, als er hervorhob, daß Künstler und Kritiker sich dann am besten verstehen werden, wenn sie eingesehen haben, daß es in der Kunst nicht gilt, zü herrschen, sondern zu dienen. Ist dies aber erst einmal der allgemein anerkannte und durchweg von den Künstlern und Kritikern befolgte Grundsatz, dann mangelt es auch nicht an jener Ehrfurcht vor dem mit Ernst und Hingabe geschaffenen Werke des charaktervollen Könners und umgekehrt nicht an der Achtung dieses Könners vor der mit Ernst und Verantwortungsbewußtsein geschriebenen kritischen Betrachtung.
Dies gilt dann nicht allein für die Künstler eines einzelnen Gebietes, sondern ist unbedingt Richtlinie für die schöpferischen Kräfte sämtlicher Kunstzweige, nicht zuletzt des Films, der wie der Präsident der Reichsfilmkammer, Professor Lehnich, feststellte, sich vom „Kintop und Amüsement" zur ernsthaften Kunst entwickelt hat. Was dazu Professor Lehnich noch aussprach, ist besonders bemerkenswert im Hinblick auf so manches Verkennen des nationalsozialistischen Kunstanspruchs, aber auch auf so manchen Versuch, die Freiheit der Kritik zu beengen. Es ist nicht bloß unnationalsozialistisch, sondern der nationalsozialistischen Auffassung geradezu widerstrebend, bei jedem Lustspiel, jeder Operette und jedem Unterhaltungsfilm weltanschauliche Eedankengänge zu suchen und zu fordern. Andererseits aber kann es auch nicht möglich sein, daß eine im Streben um die Höhe des Publikumsgeschmacks sachlich und fachlich einwandfrei geschriebene, ablehnende Kritik, nur weil sie das, was schlecht ist, schlecht nennt, sich einen ungerechtfertigten Druck des betroffenes Künstlers oder des Leiters eines Kunstinstituts gefallen lassen muß, vor allem nicht dann, wenn sich dieser Druck etwa in wirtschaftlichen Drohungen, wie Anzeigenentzug und dergl. geltend machen möchte. Das ist ein Unterfangen, das unter Umständen die Schließung des Unternehmens, zumindest aber den Ausschluß des Schuldigen aus der Reichskulturkammer nach sich ziehen kann.
Ist sich schon die Kritik ihrer Verantwortung bei Ausübung ihres Dienstes an der deutschen