Ausgabe 
(15.12.1935) Nr. 346
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Das flmtsblatt des Senats

Nationalsozialisten Nremens

der freien Hansestadt Sremen

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Nr. Z46 / Z. Jahrgang

Sonntag, 15. Ve;ember

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Veutschlands frkdenspolitik unbeirrbar

Äer fulirer empfängt den britischen votfchafter / vesprechung der Luftlocarno-fragen und der Nüstungsbegrenzung

Unser Vagesspiegvi

Der Führer empfing gestern den britischen Botschafter.

, Abessinien lehnt den zwischen Hoare und . Laval vereinbarten Friedensplan ab.

Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Masaryk, hat seinen Rücktritt erklärt.

Reichsminister Dr. Goebbels erörterte in der Krolk-Oper die Zielsetzung des deutschen Film- schassens.

Gauleiter Carl Rover sprach gelegentlich der Besichtigung eines Bremer Betriebes zum Osfizlerkorps der Bremer Schutzpolizei.

Das Programm der WHW.-Sammelaktion der H2. steht für Bremen in allen Einzel­heiten fest.

Im Hafen H sind besondere Fernsprech- anschliisfe für die dort liegenden Schiffe ein­gerichtet worden.

Die Kulturtagung der HJ. in Bremen fand ihren feierlichen Auftakt.

Mit Illvv Aktiven aus 28 Nationen stellt das Nennungsergebnis für Garmisch-Parten- kirchen einen Rekord dar.

Gerüchte über eine Deklassierung derQueen Mary" sind unzutreffend.

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juchttiaus lür »varmlierzige Vrüder"

Die Sittlichkeitsvergehen in Marialindenhof

Münster, 18. Dezember. Im Prozeß gegen 18 Mitglieder derKongre­gation", der Genossenschaft der Barmherzigen Bruder von Montabaur, die in der Niederlassung Marialindenhof in Dorsten tätig waren und sich an den Pflegebefohlenen dieser Anstalt, so an Epileptikern, Schwachsinnigen und Geisteskranken, gegen 8 175 vergangen hatten, wurde am Sonn­abend das Urteil gefällt. Da die als Zeugen zu vernehmenden Kranken in die Heilanstalt Marien- thal in Münster überführt worden waren, mutzte die Verhandlung, die unter Ausschluß der Öf­fentlichkeit geführt wurde, in dieser Anstalt statt­finden.

Es wurden verurteilt der Angeklagte Eberhard zu zwei Jahren Zuchthaus, der Angeklagte Zacha- rias zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus, weiter die Angeklagten Joseph Ochs zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, Groß zu acht Monaten Gefängnis, Eerbracht zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus, Schandelmeier zu zwei Jahren Zuchthaus, Kurz zu neun Monaten Ge­fängnis, Maibach zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis, Schäfer zu einem Jahr Gefängnis und Weid zu acht Monaten Gefängnis. Die Angeklag­ten Eberhard, Zacharias, Joseph Ochs, Verbracht, Tchandelmeier verlieren die bürgerlichen Ehren­rechte aus die Dauer von drei Jahren. Der Vor­steher der Anstalt, Veckerm, und die Angeklagten Landolin Ochs, Hummel, Cichosz und Krüger wurden freigesprochen.

Hilfsbereit und tatenfrol,

Hamburg, 15. Dezember. Die täglich einlaufenden erheblichen Spenden der Besatzungsmitglieder deutscher Schiffe beweisen, wie der deutsche Seemann sich immer mehr für das Gelingen des großen vorn Führer ins Leben gerufenen Winterhilfswerkes einsetzt. Richtig be­wertet werden kann die Spende des Seemanns für das Winterhilfswerk aber erst dann, wenn man weiß, wie groß sie ist im Verhältnis zu seiner Heuer. So hart und gefahrvoll sein Beruf ist, so selbstverständlich erfüllt der Seemann seine Pflicht. So schwer und entsagungsreich sein Lebenskampf nicht nur für ihn, sondern auch für seine An­gehörigen daheim ist. so selbstverständlich bringt er auch seine Opfer für den Volksgenossen, der noch nicht in Arbeit und Brot ist.

Durch die in letzter Zeit eingegangenen Spenden der fahrenden Seeleute konnten dem WHW. rund lov oag RM. zugeführt werden, die den Meckerern und Kritikastern, Leg. Zweiflern und Nörglern so­wie den ewig Unzufriedenen und Egoisten einen Beweis vom lebenden Sozialismus der Tat geben.

krtüchtigung der Jugend

v. Schirach weiht die Reichs-Seesportschule l Berlin, 15. Dezember.

Testern fand die feierliche Einweihung der Reichsseesportschule I der Hitler-Jugend bei Prieros in der Mark durch den Reichsjugend- iührer Valdur von Schirach statt. In einer Ansprache gab der Reichsjugendfllhrer zunächst einen Rllckbiick auf die Arbeit der Hitler-Jugend vor der Machtübernahme. Schon damals sei die Ertüchtigung der Jugend ein hervor­ragendes Ziel gewesen, das jedoch hinter Tages­aufgaben des politischen Kampfes hätte zurück­treten müssen. Nach der Machtübernahme sei diese Ertüchtigungsforderung in die Tat umgesetzt worden. Es iei der besondere Wunsch des Führers, die Ertüchtigung der Jugend mehr uoch als bisher zum beherrschenden Erziehungs- saktor zu machen. Mit dem 1. April 1936 würde die gesamte Organisation der HJ. zur Erreichung dieses Zieles eingesetzt.

Berlin, 15. Dezember.

Der Führer und Reichskanzler hat am Freitag in Anwesenheit des Neichsministers des Auswär­tigen den britischen Botschafter empfangen. Dabei ist in offener und vertrauensvoller Aussprache die Erörterung der Möglichkeiten etwaiger Riistungs- begrenzungen und des bekannten englisch-franzö­sischen Vorschlages eines Luftpaktes zwischen den Locarnomächten fortgesetzt worden.

Hierzu drahtet unsere Berliner Schrift­leitung : Der amtlich gemeldete Empfang dos britischen Botschafters in Berlin durch den Füh­rer und Reichskanzler, bei welchem die Frage der Rüstungsbegrenzung und die des sogenannten

Luft-Locarnopaktes weiter besprochen worden sind, ist ein wichtiger neuer Schritt in der von der Reichsregierung seit Jahren betriebenen kon­sequenten Friedens- und Verständi­gungspolitik. Durch diese Politik sind bis­her schon wesentlich mehr praktische Ergebnisse erzielt worden als durch die jahrelangen Bemü­hungen des Völkerbundes und aller möglichen internationalen Konferenzen.

Die Frage der Rüstungsvegrenzung hat nicht auf der großen Abrüstungskonferenz ihre erste praktische Lösung erfahren, sondern im englisch­deutschen Flottenabkommen vom 18. Juni dieses Jahres.

Der Vorschlag des sogenannten Luftlocarno ist einer der wichtigsten Punkte des Londoner Pro­

tokolls vom 3. Februar. Die künftigen Unterzeich­ner dieses geplanten Abkommens sollen sich ver­pflichten, die Unterstützung ihrer Luftstreitkräfte jedem zu gewähren, der das Opfer eines nicht herausgeforderten Luftangriffs wird. Die Reichs­regierung hat zu diesem Londoner Vorschlag rn ihrer Antwort vom 15. Februar Stellung genom­men und diese Vorschläge begrüßt, wobei sie sich bereit erklärte, ihre Luftstreitkräftegegen Friedensstörer einzusetzen. Wenn jetzt die Besprechungen über diese wichtigen internatio­nalen Fragen zwischen dem Führer und dem eng­lischen Botschafter fortgesetzt worden sind, so liegt die Bedeutung solcher Besprechungen für die Wei­terarbeit in der Festigung des europäischen Frie­dens auf der Hand.

!>r. üoebbkls weist dem film neue Wege

Vor Neietispropagandamlnisler vor den deutschen Filmschaffenden wertvolle flnregungen und Maßnahmen

Berlin. 15. Dezember.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, sprach am Sonn­abend abend auf der Jahreskundgebung der Reichsfachschaft Film bei Kroll zu den deutschen Filmschaffenden. Der Minister stellte zu Beginn seiner Ausführungen fest, daß die Ratlosig­keit, die in der deutschen Filmwelt nach der Machtübernahme in den ersten Monaten des Jahres 1933 noch allenthalben zu beobachten war, längst gewichen ist und sich eine merkliche Besserung in der deutschen Filmproduktion an­gebahnt hat. Das Filmschaffen habe wieder ein festes Verhältnis zum Publikum bekommen, und auf diese wiederhergestellte Verbindung zwischen Kunst und Volk sei es auch zu­rückzuführen, daß sich die deutschen Filmtheater heute wieder durchweg eines guten Besuches er­freuten. Wenn sich unter den 189 Filmen der Jahresproduktion bereits eine ganze Reihe von Filmen befände, in denen mit hervorragenden künstlerischen Mitteln gearbeitet worden sei, so be­weise das, daß von den 1983 aufgestellten Zielen viele verstanden und einige auch schon erreicht wor­den seien.

Der Minister erinnerte dann in einem kurzen Abriß an die Programmpunkte, die er im März 1933 für das deutsche Filmschaffen auf­gestellt hat, und wies im einzelnen nach, daß von diesen, damals noch vielfach für undurchführbar gehaltenen oder gar verlachten Thesen heute be­reits die meisten zu einer glatten Selbstverständ­lichkeit im Filmschaffen geworden sind. Die Besser­wisser von damals seien durch die Erfolge wider­legt worden.Die Moralin-Atmosphäre, die sei­nerzeit unter dem Signum des Nationalsozia­

lismus, aber ganz im Gegensatz zur national­sozialistischen Weltanschauung zum Durchbruch kommen wollte, ist gewichen, und es hat sich in Deutschland allmählich wieder eine frische, reine Luft ausgemacht. Es sind daneben einzelne ganz große künstlerische Würfe gelungen, Würfe, die ganz aus deutscher Mentalität geschaffen wurden und auch nur aus ihr heraus verstanden werden können. Wieviele neue Talente sind nicht in diesen drei Jahren an die Oberfläche gekommen! lleberall ist schon vieles im deutschen Film zum Vorbild für die ganze Welt geworden."

Es gebe aber doch noch eine Unmenge von Problemen, die noch nicht gelöst und überhaupt noch nicht angefaßt worden seien. Es bedürfe na­türlich eines gewissen inneren Abstandes, um die Zeitereignisse mit künstlerischen Augen zu sehen. Wenn wir daher feststellen, daß die Zeit, die wir erleben, im Film offenbar noch zu kurz gekommen ist, so wollen wir damit durchaus keinen Zwang hinsichtlich der Produktion solcher das Zeit­geschehen behandelnder Filme aus­lösen, denn Zwang führt meist zu dilettantischer Verkrampfung."

Ein zweiter großer Fehler im Filmschaffen sei die Tatsache, daß es keinen gelungenen Wurf gebe, ohne daß das ganze Heer der mittelmäßigen Begabungen hinterherkomme und den echten Wein die>es großen Wurfes in eine dünne Limonade verwandele. Wenn zum Beispiel ein Film von der Königin Elisabety ziehe, so meinten gewisse Leute, das läge an der Zeit der Königin Elisa­beth und machten nun auch in Filmen jener Zeit. In Wirklichkeit sei der Erfolg einzig und allein

auf die Tatsache zurückzuführen, daß sich hier ein Könner gefunden habe, dem es gelungen sei, jene Epoche künstlerisch einzufangen.'

So sehr dem llnterhaltungsfilm das Wort zu reden sei, so sehr müsse man sich aber gegen die Verblödung des Unterhaltungsfilms wenden. Der Einwand, das Publikum wolle das so, sei keinesfalls treffend, denn das Publikum nehme diese Filme nur deshalb, weil es andere nicht habe. Im übrigen sei der Geschmack des Publikums durchaus kein feststehender Wert, son­dern nach oben wie nach unten beeinflußbar. Wenn die Künstler einen guten Geschmack bewie­sen, so werde sich das Publikum allmählich an diesem Geschmack der Künstler emporheben und umgekehrt. Weiter laste der Film oft noch den Zusammenhang mit dem wirklichen Leben vermissen. Dabei sei es gerade seine Auf­gabe, das Leben, wie es ist, einzufangen. Das heldische Ideal, das der Nationalsozialismus auf­gestellt habe, werde in der filmischen Kunst viel­fach mißverstanden.Es ist nicht wahr, daß Hel­den immer nur Helden sind, sie sind nebenbei auch Menschen! Es ist deshalb völlig unan­gebracht, in einem heroischen Film die Helden dieses Films dauernd über Heldentum reden zu lasten. Sie sollen", so erklärte Dr. Goebbels unter stürmischer Zustimmung,heldisch handeln!"

Der Minister kündigte dann unter gespanntester Aufmerksamkeit der Zuhörer für die nächste Zeit eine Reihe von Anregung en und Maß­nahmen an, die, auf lange Sicht berechnet, im Laufe der nächsten Monate und in enger Zusammenarbeit mit allen am Film tätigen Kreisen getroffen werden sollen, um in Zukunft eine Stabilität im Filmschaffen sicher­zustellen. Diese Maßnahmen sehen in -er Haupt­sache folgendes vor:

(Fortsetzung auf Seite 2)

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wann eins Spende .von Ludolk Leb entgegennimmt. '(Sobsrl Bilderdienst)

Vor Plan

Bremen, 15. Dezember.

Ungeheuerlich ist die Erregung, die der Pariser Friedensplan der gesamten Völkerbundsdiploma- tie gebracht hat. Keine der in Genf vertretene» Nationen weiß im Augenblick so richtig ein und aus. Selbst England nicht und auch nicht Frank­reich. Hoare und Laval mögen alles andere eher als einen Entrüstungssturm von solchem Aus­maße erwartet haben, wie sie ihn dieser Tage über sich ergehen lasten mußten.

Wie kam der Plan zustande.?, Was wird weiter mit ihm werden?, Das sind heute die Fragen, über deren Beantwortung sich die Presse sämtlicher VölkerLundsnationen vergeblich den Kopf zerbricht.

Ja, wie kam der Plan zustande?Wie konnte England umfallen", so formt sich das starre Er­staunen über den in Paris geborenen Friedens­vorschlag. Dachten Hoare und Laval denn gar nicht an den Völkerbund? Hatten sie keine Vor­stellung von der Rückwirkung des Planes auf dir kleinen Völkerbundsmächte, keine Ahnung von der Entrüstung und Enttäuschung, die bei seinem Be­kanntwerden in der Pariser Kammer und im Unterhaus entstehen mußten?

Ebenso viele Fragen, ebenso viele Antworten. Man hat in Paris sicher an die kleinen Mächt« des Völkerbundes gedacht. Man faßte wohl auch einen gewissen unfreundlichen Widerhall im eige­nen Parlament ins Auge. Aber man hat dabei auch sehr wohl an etwas anderes gedacht: an den europäischen Frieden.

Sei es nun, daß sie Grund dazu hatten oder nicht: jedenfalls haben Hoare sowohl wie Laval befürchtet, daß eine für Italien weniger annehm­bare Fassung des Planes in Rom glatt abgelehnt und damit die Oelsperre fällig würde, die Oel- sperre, die nach Mussolinis bestimmter Versiche­rung den Krieg bedeuten sollte. Es darauf an­kommen zu lasten, ob das Wort Mussolinis bitte­rer Ernst oder bloß eine Drohung wäre, dazu hatte man jedenfalls nicht die Entschlußkraft.

Wir glauben es ohne weiteres, wenn wir in der englischen Presse legen, daß im Londoner Auswärtigen Amt gerade im Hinblick auf das Wort Mussolinis eine ziemliche Beklemmung be­stand. Wenn es dann noch richtig sein sollte, daß Laval eine französisch-englische militärische Zu­sammenarbeit im Mittelmeer seinem Amts­genossen Hoare nur unter der Bedingung zuge­stehen wollte, daß erst das Aeußerfte versucht sein mußte, um den italienisch-abesstnischen Streit schiedlich beizulegen, dann kann man schon man­ches verstehen. Zumal ja tatsächlich ein italieni­scher Angriff auf Libyen eine für England durch­aus nicht leicht zu nehmende Angelegenheit ge­worden wäre.

Wenn es ferner richtig ist, was man in eng­lischen Hofkreisen flüstert, nämlich, daß der eng­lische König persönlich einen baldigen und für Italien ehrenvollen Frieden wünschte und sich selbst bei Eden einsetzt, daß dieser in Genf die Sache in des Königs Sinne führe, dann kommt man wohl dem Verständnis für das Zustandekom­men des Pariser Planes noch etwas näher.

Erwägt man aber des weiteren noch, daß zur­zeit eine England außerordentlich stark am Her­zen liegende Flottenkonferenz im Gange ist, eine Konferenz, auf der England sehr wohl auf Frank­reichs Verständnis und Unterstützung für die Not­wendigkeit des englischen Imperiums rechnet, dann mag man vollends alle Umstände berück­sichtigt haben, die das Zustandekommen des den Völkerbundsmächten in Genf unbegreiflichen Pariser Friedensplanes erklären.

Schwieriger ist die Beantwortung der Frage, was aus dem Plane nun wird.

Was Italien anbelangt, so sieht es sich plötz­lich und man darf sagen, ganz unerwartet aus einer überaus peinlichen Lage befreit. Das Gesetz des Handelns, das ihm mit der drohenden Oesperre völlig genommen schien, ist auf einmal wieder auf Mostulini übergegangen. Mit Seelen­ruhe kann er erklären, daß Italien, um seinen guten Willen zu beweisen, den übermittelten Frie­densplan als eine Verhandlungsgrundlage be­trachte. Dabei kann er noch kleine Vorbehalte und Wünsche in bezug auf die in Abessinien er­strebenswerte Rohstoffbasis vorbringen.

Es wird dies dann längst nicht so schroff wirken, wie des Negus' glatte Absage an den