Ausgabe 
(26.2.1936) Nr. 57
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parteiamtliche Tageszeitung

Nachrichtenblatt der Deutschen flrbeitsfront Vremen

der Nationalsozialisten Bremens

flmtsblatt des Senats der Zreien Hansestadt Bremen

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Nr. 57 / 6. Jahrgang

Mittwoch, 26. sebruar

kinzelpreis l5 Npf.

Italien sprengt die londoner flottenkonferen; ?

Mussolinis Bertreler macht die Unterzeichnung des Vertrages von einer Änderung der Iülznepolitik knglands ablzangig

Unssi^ Vagssspisgvl

Im Rahmen der Londoner Flottenlonserenz ist es zu englisch-italienischen Gegensätzen ge­kommen.

Der französische Außenminister Flandin be­schäftigte sich in einer Rede vor der Kammer mit den Widerständen gegen den Russenpakt.

Gegen den Pakt Paris—Moskau äußert nunmehr auch das japanische Außennnni- sterium schwere Bedenken.

Ueber die bolschewistische Wühlarbeit in Süd- amerika werden aufschlußreiche Briefe kom­munistischer Agenten veröffentlicht.

Truppenarzt Dr. Brauneck wurde vom Führer nach Berlin berufen.

Die NSDAP.-Seefahrt, Abschnitt Weser- Ems, Bremen, plant die Errichtung von LS neuen Siedlerstellen für Seefahrer.

I» Kürze wird Bremen den Besuch einer U-Boot-Flottille erhalten.

Für die Freizeitgewährung liegen die Zeiten der Bremer HJ.-Lager nunmehr fest.

Zu den Wintersportkämpsen der Gliederungen der NSDAP. in Oberschreiberhau stiftete der Führer einen Wanderpreis.

Das bisherige Ergebnis der Vestandserhebung im DRL. beläuft sich auf 4150V Vereine.

Die Neichsstraßensammlimg der Vfls.

Berlin, 26. Februar.

Eine der ausgeprägtesten Zeiterscheinunaen in dem von nationalsozialistischem Geist beseelten Deutschland ist die große Kameradschaft, welche heute alle Volkskreise miteinander ehrlich und tief verbindet. Diese Feststellung bedarf kaum eines Beweises mehr; erlehten wir doch genügend An­laste, bei denen es galt, ohne Ansehen der Person nach dem Grundsatz, einer für alle und alle für einen zu handeln. Die letzte Reichsstraßen- sammlung des Winterhilfswerks 1938/36 am 1. März wird wiederum Zeugnis ablegen von dieser engen Verbundenheit.

Neben den Generaldirektoren der größten deutschen Werke, neben den führenden Männern aus Handwerk und Handel, neben den bekannten Pionieren aus der Deutschen Arbeitsfront, stellen sich Tausende und aber Tausende der Volksgenossen zur Verfügung, die mittragen an der Verant­wortung für Anständigkeit, Ehre und Leistung in den Betrieben, sowie für die Betreuung unserer schaffenden Volksgenossen durch die Deutsche Ar­beitsfront.

Kriegsmarine IM dem WKW.

Kiel, 26. Februar.

Die 1. U-Boots-Flottille (U-Flottille Wsddigen) hat zum Zeichen ihrer engen Verbundenheit mit dem Volk eine Sonderaktion für das Winterhilfs- werk unternommen. Die Sammlung ergab einen Betrag von 773 RM.

Auch die übrigen Dienststellen und Schiffe der Kriegsmarine stellen sich in diesem Jahre wieder­um in den Dienst der segensreichen Einrichtung des WHW. Am 15. März wird in der Nordostsee­halle eine Veranstaltung der Kriegsmarine unter dem Leitwort „Auf der Auslandsreise" durch­geführt.

Neichsdienstflagge aus Kochschulen

Berlin, 26. Februar.

Zur Behebung von Zweifeln hat der Reichs­und preußische Wissenschaftsminister im Einver­nehmen mit dem Reichsinnenminister angeordnet, daß sämtliche Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen des Reiches die Reichsdienstflagge führen.

Mefer Igp muß verschwinden!

Neustadt a. H., 26. Februar, ün höherer Beamter der Stadt Neustadt a H. te am 30. Januar die Straßenkehrer von dem tischen Gemeinschastsappell ausgeschlossen, sen Vorfall nahm Gauleiter Burckel zum aß, vor den Ratsherren der Stadt eme gründ­liche Stellungnahme zum Ausdruck Zu bringen ein Exempel zu statuieren. Der Gauleiter rte u. a. aus: Alles, was sich auf dem Trottoir umtkeibt und sich unwohl fühlt auf der breiten atze des Volkes, mutz rücksichtslos bis zur dgiiltigen Ausrotrung bekämpft wer- . Der Straßenkehrer hat nicht notwendig, für die Straße zu fegen, der nichts von lym sen will. Wer nichts vom Straßenkehrer wissen l muß von unseren Strassen bleiben, denn e führen zur Volksgemeinschaft und nicht zu -r Cliquenwirtschaft oder vor den Thron einer gebildeten, besitzenden Intelligenz oder Speku- son Den Verantwortlichen, er mag heißen, wie will, rettet kein Titel und kein Bildungsgrad, verschwinden.

8er sich zu uns an den Tisch setzt, setzt sich an en Tisch an dem alle Platz nehmen. Wem das t vaß der soll uns von der Seite bleiben. Für Staat tt-gt der Wert seiner Bürger nicht in irde und Titeln und Gehaltsklasten, sondern -in in der Treue und Einsatzbereitschaft ,edes zelnen für das Ganze.

London, 26. Februar Die Londoner Flottenkonserenz steht im Zeichen einer neuen Krise, hervorgerufen durch ernste englisch-italienische Spannungen. Es bestätigt sich, wie die Londoner Blätter melden, daß Italien den Unterzeichnern des geplanten Flottenabkom- mens Schwierigkeiten in den Weg legt. Man ver­mutet, daß der italienische Admiral Biscia während seines Aufenthaltes in Rom angewiesen worden ist, die Unterzeichnung oder Nichtunter- zeichnung des Vertrages mit der Frage der Sank­tionen im italienisch-abessinischen Konflikt in Ver­bindung zu bringen. Italien wolle jedenfalls, so

heißt es, keinen Flottenvertrag unterzeichnen, solange die Sühnemaßnahmen in Kraft sind.

Die Tatsache, daß Englands Außenminister Eden an den nächsten Besprechungen zwischen dem eng­lischen Marineminister Lord Monsell und den italienischen Vertretern persönlich teilnehmen wird. wird allgemein dahin verstanden, daß auch politische Fragen außerhalb des Flotten- programms ausgeworfen worden sind. Die nächste Besprechung zwischen den Italienern und den Engländern soll am Freitag in London statt­finden. Es ist noch nicht ersichtlich, ob die Ita­liener ihre politischen Forderungen soweit verfolgen werden, daß die Konferenz zum Schei­tern gebracht werde. Die Haltung der bri­

tischen Abordnung ist jedoch klar: sie wird es ablehnen, daß die Konferenz für die Begrenzung der Flottenrüstungen zu einer politischen Kampf­bahn werde.

Schließlich wird in London behauptet, daß man sich bereits sehr lebhaft mit der Frage beschäftige, was geschehen werde, wenn die vier Flotten- Mächte England, Frankreich, Italien und Amerika zu keinem Ucbercinkommen gelangten. Es sei möglich, daß in diesem Falle ein Versuch von Großbritannien und Amerika gemacht werde, zu einem Uebereinkommen zu gelangen, das ein eng­lisch-amerikanisches Wettrüsten zur See verhindern würde.

flankn» „begründet" den kussenpM

Veschwichligungsversuche in Der Kammer / sür Zusammenarbeit mit verlin

Paris, 26. Februar

Der französische Außenminister Flandin nahm gestern in der Kammer das Wort zu einer anderthalbstündigen Rede, um den franzö- sisch-sowjetrussischen Pakt zu begründen. Flandin erklärte, Frankreich sei immer bestrebt gewesen, die kollektive Sicherheit in den Dienst des Friedens zu stellen. Aber das System allge­meiner Verpflichtungen sei auf einen derartigen Widerstand gestoßen, daß man sich regionalen Lösungen halle zuwenden müssen. Eine solche regionale Lösung sei der Vertrag von Locarno gewesen und hätte die von Briand vorgeschlagene europäische Union sein sollen.

Im Juni 1934 sei der von Litwinow und Barthou ausgestellte sowjetrussisch-französische Plan von Deutschland als gefährlich bezeichnet worden, während Polen eine ausweichende Antwort gegeben habe. Die französische Diplomatie habe sich damals bemüht, die Befürchtungen Berlins und Warschaus zu entkräften und sogar eine Aenderung des ursprünglichen Planes vorgesehen. Deutschland habe aber jedes Veistandsabkommen abgelehnt.

In rechtlicher Hinsicht habe die Reichsregierung in einer Denkschrift den Standpunkt vertreten, daß der. französisch-sowjetrussische Vertrag mit dem Locarno-Vertrag nicht verein­bar sei, während England Berlin habe wissen lassen, daß eine Unvereinbarkeit nicht bestehe. Frankreich habe aber nie aufgehört, Deutschland an der Politik der kollektiven Friedensgarantien beteiligen zu wollen. Der Russenpakt sei abge­schlossen in der Hoffnung, daß Deutschland sich an ihm beteiligen werde.

Flandin wandte sich ferner dagegen, daß Frank­reich durch den sowjetrussischen Pakt die Freiheit seiner Entschlüsse im Ernstfälle verliere. Frank­reich sei nicht gehindert, gegebenenfalls zu beurteilen, ob ein Angriff vorliege oder ob es sich um einen herausgeforderten Angriff handele usw. Der Vertrag solle dem Kriege vorbeugen und '

unterscheide sich darin von den Vorkriegs- bündnissen. Das System der kollektiven Sicherheit sei gleichbedeutend mit der Einkreisung des Angriffsgeistes.

Der Minister wies ferner die Anregung zurück, Frankreich solle die Slawen und Germanen sich auseinandersetzen lassen und sich selbst hinter seme befestigten Grenzen zurückziehen. Frankreich könne die These der egoistischen Vereinsamung nicht gelten lassen. Flandin bestritt sodann die Richtig­keit des von einigen Rednern in der Kammer vor­gebrachten Hinweises, daß Frankreich nicht genügend auf den „Ueberfall von jenseits des Rheines" geachtet habe.

Er habe immer den Wunsch gehabt, eine Zu­sammenarbeit mit Deutschland zu suchen. Er wünsche, daß dieses große Volk. das der mensch­lichen Zivilisation viele Dienste geleistet habe, seinen gleichberechtigten Platz am Tisch der Völker einnehme zu gemeinsamer Arbeit gegen die Krise, die Arbeitslosigkeit usw.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wandte sich der Minister gegen die Auffassung, daß Frankreich den Locarnopakt zerstöre. Der französisch-sowjetrussische Pakt würde, seiner An­sicht nach, genau das Gegenteil bewirken. Der Locarno-Vertrag verbiete, zum Kriege zu schrei­ten, es sei denn, daß es sich um einen Beistand im Falle eines Angriffs handele. Der Pakt be­stimme nichts anderes. Wenn aber eine andere Auslegung erfolgen sollte, so würde der Völker­bundsrat berufen sein, sich darüber zu äußern. Niemand könne eine einseitige Zurückweisung des Locarno-Vertrages zulassen.

Als Flandin einen Auszug aus dem Vertrag über die Anerkennung Sowjetrußlands vorlas, in dem sich beide Teile verpflichteten, von einer gegenseitigen Einmischung abzuseifen, wurde auf der Rechten Gelächter laut.

Am Donnerstag werden die einzelnen Kammer­gruppen ihre Haltung gegenüber dem Russenpakt bei der Abstimmung begründen.

— warum vündnis mit Moskau l

In einer Ergänzungsmelduug der Haoas- Agentur zur Kammerrede Flandins heißt es u. a.: Der Außenminister Flandin hat, nachdem er be­kräftigt hatte, daß der französisch-sowjetrussische Pakt nicht im Widerspruch zum Geist des Lo­carno-Vertrages stehe, hinzugefügt, daß, wenn Deutschland dieses bestreiken sollte, Frankreich be­reit sei, die Frage vor den Hanger Gerichtshof zu bringen.

Am Vorabend der Notifizierung des fran­zösisch-russischen Paktes kann keineswegs gesagt werden, daß sich die Welt in wachsendem Maße für ihn begeistert. Die verschiedenen Pannen in Paris und die zeitweise außerordentlich lärmende Auseinandersetzung in der französischen Kammer haben schon gezeigt, daß sich das Heer der Zweif­ler ständig mehrt und daß selbst in Frankreich von einer einmütigen Begeisterung für die Ehe mit den Sowjets keine Rede sein kann.

Hinzu kommt, daß die französische Diplomatie ihrerseits lange genug gezögert hat. Es ist be­kanntlich nicht das erstemal, daß, wie auch in diesen Tagen, die Herren in Moskau nervös werden und der sowjetrussische Botschafter in Paris am Quai d'Orsay erscheint, um diese ver­ständliche Eemütswallung in eine neue nachdrück­liche Bitte um Beschleunigung des Verfahrens umzusetzen. Wie die einmal in Gang gebrachte Entwicklung aber auch weiter verlaufen mag, fest steht heute, daß auch eine relativ starke fran­zösische Kammermehrheit nichts mehr an der Tatsache ändern wird, daß der französisch-sowjet­russische Pakt inzwischen in das rechte Licht gerückt wurde.

(Siehe auch Seite 2)

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Vurg-flmvörler

Von

Walter Kiehl

Daß die in der vergangenen Woche begonnene neue Reise des Reichsorganisationsleiters der NSDAP., Dr. Ley, durch die deutschen Gaue überall stärkstem Interesse begegnet und nicht nur in der deutschen Öffentlichkeit lebhaft besprochen wird, ist verständlich. Diese Reise dient der Durchführung einer Aktion, die in jeder Hinsicht erst- und einmalig ist. Junge Menschen für be­stimmte Zwecke, für besondere Aufgaben möglichst gewissenhaft auszuwählen — weder ein neuer Vorgang in Deutschland, noch anderswo! Ge­danke und Ausführung jedoch der jetzt von Dr. Ley geleiteten Ausmusterungen deutscher Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren für den Führer­nachwuchs der nationalsozialistischen Bewegung kommen aus einer Ideenwelt, die auch mit dieser Maßnahme die entschiedene Abkehr von allem Bisherigen, von aller lieb-, weil bequem ge­wordenen Tradition erkennen läßt.

Am 1. Mai 1936 sollen zunächst auf der Burg Vogelfang in der Eifel 500 Männer für die Mindestdauer eines Jahres ihren Einzug halten. Sie sind für den Führernachwuchs der Partei vorgesehen. Es gilt also, eine Auswahl zu treffen, die der Bedeutung des Zieles entspricht.

Ilm es vorwegzunehmen: Mit der Primareife allein sind diese Burgen der NSDAP. nicht zu stürmen. Die richtige Ausrüstung für den schwe­ren, aber schönen Weg ist nicht in den überlaufe­nen und strapazierten Matzateliers eines müden Bürgertums zu erwerben. Wer die Tore der NSDAP.-Vurgen Vogelfang, Cröstinsee und Sonthofen passieren will, mutz — auch schon mit 25 Jahren — für das neue Deutschland gelebt und gehandelt haben. Nicht Etappen der Kinder­stube, sondern Stationen der Tat müssen irgend­wo und irgendwie nachgewiesen werden.

„Sie sind seit 1930 in der SA!" stellt Dr. Ley mit einem raschen Blick auf die Aermelstreifen des vor ihm stehenden Düsseldorfer Sturmführers fest. „Sie waren auch als Politischer Leiter tätig, sind einmal in einer Saalschlacht und einmal Lei der Abwehr eines marxistischen lleberfalls auf das Sturmlokal verwundet worden!" Der Reichs­organisationsleiter reicht die Papiere des Sturmführers an den zur Musterungskommission gehörenden Leiter des Hauptpersonalamtes der Reichsorganisationsleitung, Marrenbach, weiter. „Sie haben das SA.-Sportabzeichen!" setzt Dr. Ley seine Unterhaltung mit dem Düsseldorfer Parteigenossen fort. „Sie werden auch auf der Burg hinreichend Gelegenheit zu weiterer sehr intensiver sportlicher Betätigung haben!" Dr. Ley lächelt, gibt dem Sturmführer die Hand und weist ihn dann an Dr. Streck, den Arzt der Musterungskommission.

Jeder der 30 im großen Saale des Gauhauses .angetretenen Burganwärter hat selbstverständlich als eines der ersten Erfordernisse das gewissen­haft ausgefüllte ErLgesundheitsblatt vor der Ausmusterung eingereicht. Die entscheidende Be­urteilung erfolgt aber erst nach genauer Nach­prüfung der Angaben und nicht zuletzt nach dem persönlichen Eindruck, den der Kommissionsarzt bei der Musterung gewinnt.

Die Uniformen der Männer, die vor Dr. Ley stehen, wechseln. SA., SS., Arbeitsdienst und HJ. Des Reichsorganisationsleiters Augen sind lange mit jedem einzelnen beschäftigt. Sicher auch sein Herz. Denn aus der Fülle der Geschehnisse im Leben des einzelnen — eine ausgezeichnete vor­bereitende Arbeit der Gaupersonalämter ver­mittelt Dr. Ley sehr schnell wertvollen Aufschluß über den Ablauf der verschiedenen Schicksale — macht er die Stunden und Tage zum Gegenstand verständnisvoller Rückfrage, die Blick- und Marschrichtung dieser Männer entscheidend be­eindruckt oder bestimmt haben.

So vollzieht sich ein Akt der Musterung, besten Inhalt den durch das herkömmliche Wort ver­muteten Rahmen sprengt. Eine Auslese im edel­sten, aber auch im schärfsten Sinne des Begriffs tritt in Erscheinung, eine Auslese, deren Urteils­tenor weder vom Umfang des Brustkorbes, noch von der Tönung der Haarfarbe und schließlich am allerwenigsten von der Tatsache oder der Anzahl abgelegter Examina der Anwärter diktiert ist. Daß vornehmlich die Auslese nach Wissen und