Ausgabe 
(14.2.1936) Nr. 45
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parteiamtliche Tageszeitung

NachrichtenblaN der Deutschen flrbeitsftont vremen

der Nationalsozialisten Vremens

flmtsblatt des Senats der §reien Hansestadt vremen

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Nr. 45 / 6. Jahrgang

19)6

sreitag, 14. februar

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Veutschland erringt die dritte ooldmedmlle

Der WItrer erneut in der olvmpiastadt / Marie Herber und krnst vaier siegen im kisklunstlaus der paare

Unsere kisiiochegmannschaft unterliegt gegen Kanada

Unser lagesspivgvl

An der mongolischen Grenze kündet grelles Wetterleuchten einen russisch-japanischen Kon­flikt an.

Die französische Kammeraussprache zum sow- jetrussischen Pakt wurde auf Dienstag vertagt.

Die französische Regierung hat die „Action Franchise" verboten.

Der Schneelturm in Bulgarien hat 67 Todes­opfer gefordert.

Der Führer und Reichskanzler stattete am Donnerstag Garmisch-Partenkirchen erneut einen Besuch ab.

Maxie Herber und Ernst Vaier errangen im Eiskunstläufen für Deutschland die 3. Gol­dene Medaille. Sie gewährten dem Vertreter der „VZ" eine Unterredung.

Durch eine I:8-Niederlage gegen Kanada schied Deutschlands Eishockeymannschaft aus dem weiteren Wettbewerb aus.

Bei dem Skisprunglauf für die Kombination gewann Norwegen alle drei Medaillen.

Kreuzer „Köln" trifft heute zu einem 3tägi- gen Besuch in Bremen ein.

Heute wird die Schaffermahlzeit nach altem Brauch begangen.

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Ver sührer an unseren Sauletter

Oldenburg, 11. Februar.

Zum 47. Geburtstage unseres Gauleiters und Reichsstatthalters Carl Röver, trafen zahlreiche Glückwünsche ein. Der Gauleiter selbst war am Mittwoch nicht in Oldenburg, sondern wohnte, wie berichtet, den Veisetzungsfeierlichkeiten in Schwerin bei.

Als erstes Telegramm kam schon frühmorgens folgender Glückwunsch des Führers: „Zu

Ihrem heutigen Geburtstage sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche."

Ministerpräsident Göring telegraphierte: „Zu Ihrem heutigen Geburtstage übermittle ich Ihnen, lieber Pg. Rover, mit kameradschaftlichen Grüßen meine herzlichsten Glückwünsche." Reichs­minister Dr. Fricks Telegramm lautet: „Dem alten Kampfgenossen des Führers m Oldenburg und Bremen spreche ich zum Geburtstage meme herzlichsten Glückwünsche aus." Auch dre Reiche minister K e r r l, R u st und Freiherr vonEItz - Rüben ach sprachen dem Gauleiter ihre besten Wünsche aus. Im Auftrage des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß sandte Stabsleiter Vormann einen Glückwunsch. Fast alle Gauleiter und Statthalter schickten Glückwünsche; von Gau­leiter Streicher lief folgendes Telegramm ein: „Lieber Pg.Röver! Daß Sie am gleichen Tage wie ich Geburtstag haben, ist doch ein sonderbares Zusammentreffen. Eines haben wir gemeinsam: den harten Schädel. Daß der Ihnen noch lange erhalten bleibe, das wünsche ich Ihnen zu Ihrem Geburtstage."

Viele Glückwünsche kamen von der Wehr­macht, wie vom Kommandierenden General des VI. U.-K. und Oberst vonSchauro t h. Weitere Glückwünsche liefen ein vom Reichsfllhrer Ss. Himmler, Reichskriegsopferführer . Ober­lindober, vom Reichsobmann des Reichsnähr­standes Meinberg, von Reichshauptamtsleiter der NSV. Hilgenfeldt, Reichsarbeitsführer Hierl, vom 'Reichsamtshauptleiter von Renteln, von Korpsführer Hühnlein u. a.

Besonders viele Zuschriften erreichten den Gau­leiter von der Jugend. Reichsjugendführer Baldur von Schirach schrieb: „2m Namen der deutschen Jugend herzliche Glückwünsche." Seinem

Neiltiswirtschaftsminisler Vr. Schacht in Vremen

Zur heutigen Eröffnung der neugebildeten Wirtschastskammer Weser-Ems traf Reichs- wirtschastsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Bremen ein und nahm in Hill- manns Hotel Wohnung.

Gedenken schloffen sich an der Stellvertreter des Reichsjugendsührers Lauterbacher und Ee- bietsführer Lühr Hogrefe, Oldenburg.

Zahlreiche Telegramme und Glückwunsch­schreiben wurden vor allem von den führenden Männern der Regierungen Oldenburgs und Bremens, von den Leitern der Parteistellen und der Gliederungen der Bewegung an den Gauleiter gesandt. Aus Vremen schickte Reg. Bürgermeister Heider dem Reichsstatthalter einen herzlichen Glückwunsch.

(Loucksibsriobt cksr Lrsmer Leitung) Garmisch-Partenkirchen, 14. Februar.

Die große Begeisterung, die schon seit Beginn der Winterolympiade in Garmisch-Partenkirchen geherrscht hat, die täglich eine kaum. für möglich gehaltene Steigerung erfuhr, stieg gestern auf ihren Höhepunkt, als unerwartet der Führer und Reichskanzler zum zweiten Male die Olympiastadt aufsuchte und mehreren Entscheidun­gen beiwohnte. Der Führer, begleitet u. a. von den Reichsministern Dr. Goebbels, Dr. Gllrtner und Rüst, Stabschef Lutze, Obergruppenführer Vrückner, Reichspressechef Dietrich und Gauleiter Wagner, nahm vom Bahnhof aus den Weg durch ein vom Arbeitsdienst gebildetes Spalier zum Kunsteisstadion, wo er von stürmi­schem Jubel empfangen wurde. Der Reichs - sportführer von Tschammer und Osten und Dr. Ritter von Halt begrüßten den Führer, der

dann mit großem Interesse dem Eishockeytreffen England gegen Ungarn folgte, das mit 8:1 einen sicheren Sieg Englands ergab. (Das anschließende Treffen Oesterreich gegen Tschechoslowakei ergab einen knappen 2:1-Sieg der Tschechen.)

Noch am gleichen Morgen siel die Entscheidung im Skisprunglauf für die Kombina­tion auf der Kleinen Sprungschanze, dem eben­falls der Führer einen Besuch abstattete. Der Sprunglauf endete mit einem grandiosen Sieg der Norweger, die mit Oddbjörn Hagen, Olaf Hosfsbakken und Trygve Brodahl alle drei Medaillen erobern konnten.

Auch dem Eiskunstlauf der Paare wohnte der Führer bei. Nach den für Deutsch­land weniger glücklichen Konkurrenzen der letzten Tage gab es hier wieder einmal einen deutschen Erfolg. Maxie Herber und Ernst Vaier gewannen die Goldene Medaille vor dem österreichischen Ee-

schwisterpaar Ilse und Erik Pausin und dem Welt-' meisterpaar Emilia Rotier und Laszlo Szollas- Amerika.

Unter ungeheurer Beteiligung stieg dann am Abend im 'Kunsteisstadion der für die Endrunde entscheidende Eishockeykampf zwischen Deutschland und Kanada, dem u. a. Reichsminister Göring und Dr. Goebbels beiwohnten. Nach einem un­erhört fesselnden Kampf konnten die Kanadier gegen die durch das ungeheuer anstrengende Spiel gegen England noch stark ermattet wirkende deutsche Mannschaft einen sicheren 6:2-Sieg feiern, der in der Gruppe ^ Kanada und Eng­land die Teilnahme an der Endrunde sicherte. Deutschland scheidet nunmehr aus dem Wettbe­werb aus. Aus der Gruppe 2 gelangen Amerika und die Tschechoslowakei in die Entscheidungs­runde.

(Ausführliche Berichte über die Kämpfe und ihren Verlauf siehe Olympia-Sonderseite)

ks brennt an der monomischen kreiste

VolschewWscher Eroberungskrieg im fernen Vstenk — vombenflugreuge in littigkeit

. Schanghai, 1^. Februar.:

Wie aus Tschangtschun gemeldet wird, hat das Kommando der Tschangtschun-Armee einen schwe­ren Zusammenstoß zwischen einer japanisch­mandschurischen Abteilung und einer etwa 200 Mann starken mongolischen Truppe bekanntgege­ben. Der Zwischensall soll sich westlich des Buir- Sees ereignet haben, wo die mongolische Abtei­lung die Grenzstation Olanhotok besetzt habe. Wie von japanischer Seite verlautet, gelang es den vereinigten japanisch-mandschurischen Trup­pen am Mittwoch, den Grenzort wieder zurück­zuerobern, wobei auf japanischer Seite der Ver­lust von acht toten und zehn verletzten Soldaten verzeichnet wird. Wie es heißt, haben die Mon­golen bei den Kämpfen zwei Bombenflugzeuge eingesetzt.

Die Japaner melden weiter, daß sie im Ver­lauf der Zusammenstöße mehrere Geschütze und eine Anzahl von Maschinengewehren und Ge­wehren teilweise sowjetruffischer Herkunft er­beutet haben. Nachdem bereits der am Dienstag erfolgte Abbruch der Verhandlungen des stell­vertretenden Außenministers von Mandschukuo Ohaschi mit dem Generalkonsul der Sowjetunion Slavutsky in Tschangtschun starke Erbitterung hervorgerufen hat, hat die gespannte Lage im Grenzgebiet durch den neuen Zwischensall eine weitere Verschärfung erfahren.

Hierzu drahtet unsere Berliner Schriftleitung: Nachdem seit Wochen die sich häufenden Grenz- zwischenfälle an der mandschurisch-mongolischen Grenze inzwischen einen Zustand äußerster Span­

nung erzeugt haben, ist jetzt der erste militärische Zusammenstoß erfolgt, der weit über den Cha­rakter eines mehr zufälligen Erenzzwischenfalls hinausgeht. Es handelt sich in diesem . Falle aüch nicht mehr um bewaffnete Banden, denen die Japaner gegenüberstanden, sondern, wie

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gemeldet wird, wurden von der Gegenseite sogar Bombenflugzeuge und Artillerie ein­gesetzt. Nach dem japanischen Heeresbericht wur­den bei den Kämpfen einige Geschütze und Ma­schinengewehre erbeutet, die unverkennbar s 0 w - jetrussischer Herkunft waren. Hier ist also wohl der Schlüssel zu suchen, der zu den Hinter­gründen dieser blutigen Aktion führt.

Bekanntlich hat in den letzten Wochen der sowjet- russische Einfluß in der äußeren Mongolei immer

festere Formen, angenommen; die .Beziehungen der mongolischen Stammesfursten zum Nätestaat gehen sogar schon so weit, daß Sowjetrußland zuweilen offiziell ihre diplomatische Vertretung übernimmt. Gleichzeitig verlautet aus sicherer Quelle, daß die Sowjetregierung in dem Gebiet zwischen Amur und Baikalsee fieberhafte VorbereiÄrngen trifft. Abgesehen von geheimnisvollen Truppenverschie- bungen und Materialtransporten hat jetzt auch eine Propaganda bei der bäuerlichen Be­völkerung eingesetzt, die offenbar den Zweck verfolgt, das dort ansässige Bauerntum dem Sowjetsystem wohlgesinnt zu erhalten, damit einer in der Mongolei kämpfenden Armee eine geeignete landwirtschaftliche Verpflegungsbasis gesichert ist. Das alles deutet darauf hin, daß man in Mos­kau mit größeren kriegerischen Ver­wicklungen in nicht allzu langer Zeit sicher rechnet.

Bekanntlich sind bereits am Dienstag die Ver­handlungen. die Mandschukuo mit dem General­konsul der Sowjetunion in Tschangtschun wegen der überhandnehmenden Erenzzwischenfälle führte, ohne jedes Ergebnis abgebrochen worden. Nach weiteren Meldungen haben drei japanische Divi­sionen inzwischen Befehl erhalten, sofort in die bedrohten Gebiete abzurücken. Die Lage ist daher kritischer denn je. Moskau hat sein Vorhaben seit Monaten systematisch vorbereitet; jetzt scheint man den^ Augenblick für gekommen zu erachten, die bolschewistischen Eroberungspläne in die Wirk­lichkeit umzusetzen.

„wir Massen mit dentschland oertzanbeln"

forderung eines stan;östschen Kriegsteilnehmers — Kammeraussprache über den sowietruflistk-franrösischen Pakt

Paris, 14. Februar

Nach kurzer Sitzungspause setzte die französische Kammer gestern die Aussprache über den fran- zösisch-sowjetrussischen Pakt fort.

Der linksunabhängige Abgeordnete Mon- tigny (Mitte) erklärte, daß die Aussprache den Bestand des französischen Volkes aufs Spiel setzen könne. Der sowjetrussisch-sranzösische Pakt erhöhe die bereits weitreichenden Verpflichtungen erheb­lich, die Frankreich Sowjetrußland gegenüber dadurch übernommen habe, daß die Sowjetunion in den Völkerbund eingetreten sei. Der gegenseitige Beistandspakt setze Frankreich der Ge­fahr aus, daß es im Osten Europas allein handeln müsse, ohne England. Belgien und Italien. Es handele sich also nicht mehr um eine Frage der kollektiven Sicherheit. Für Frankreich werde es sich darum handeln, festzustellen, ob gegebenenfalls Deutschland eines Angriffs schuldig sei. Wenn die Antwort der Locarno-Mächte nicht einstimmig ausfallen sollte, wäre Frankreich dann noch Herr seiner Entschlüsse? Die Regierung müsse zu diesem Punkte Aufklärung geben.

Montigny fragte weiter, welcher Art der von Frankreich zu leistende Beistand sein würde. Der Vertrag geben keinen Aufschluß über diesen Punkt. Militärische Verpflichtungen wären gleich­bedeutend mit den alten militärischen Bündnissen.

Der Berichterstatter Torres erklärte, daß Frankreich selbst über die Form des Beistandes befinden könne, ebenso wie das für den Locarno­pakt und sür die Polen und der Tschechoslowakei gegenüber übernommenen Verpflichtung der Fall sei. Die Beistandsformel sei nicht neu. Frankreich habe Sowjetrußland gegenüber nicht mehr Ver­pflichtung als Polen und der Tschechoslowakei gegenüber.

Montigny betonte, daß die Lage Frankreichs der Sowjetunion gegenüber wesentlich anders sei als Polen und der Tschechoslowakei gegenüber, weil diese unmittelbar an Deutschland grenzten. Er betonte im übrigen nochmals, daß Frankreich seine Freiheit der Beurteilung der Lage auf­geben würde, sobald ein Militärvertrag außer­halb des Parlaments zwischen Frankreich und Sowjetrußland abgeschlossen werden würde.

Außenminister Flandin erklärte, daß er auf die einzelnen Einwende der Redner erst am Schluß der Aussprache antworten werde.

Der Abgeordnete Montigny betonte schließlich, daß der französisch-russische Vertrag mehr Ee- fahrenmomente als Friedensgarantien bringe. Die Kammer müsse den ausländischen Mächte»,

dre bestrebt seien, die Ratifizierung des Ver­trages durchzusetzen. Widerstand leisten, da dieser Vertrag für Frankreich die Verpflichtung zur Folge haben könnte, in einen Krieg verwickelt zu werden, den es vermeiden könne. Als ehemaliger Kriegsteilnehmer fordere er die Regierung aus, unverzüglich mit Deutschland zu verhandeln. Die­ser letzte Versuch müsse gemacht werden, um eine Katastrophe zu verhindern.

Nachdem auch noch der sozialistische Abgeordnete Margarne und der elsässische Abgeordnete Rosse gesprochen hatten, und letzterer erklärte, daß er und seine Freunde gegen die Ratifizierung stimmen würden, wurde die Fortsetzung der Aus­sprache auf kommenden Dienstag vertagt.

Her Mann auf der Straße ...

Ein gesundes englisches Urteil über den Russenpatt London, 14. Februar.

Die Tatsache, daß «in Teil der öffentlichen Mei­nung Englands den französisch-sowjetrussischen Pakt erheblich anders als die amtlichen Kreise und die Presse beurteilt, kommt in einer Zuschrift des Politikers D. G. Williams an die „Times" zum Ausdruck. Williams schreibt: „Ich möchte bezwei­feln. daß der französisch-russische Pakt das unschul­dige Dokument ist, als den ihn der Leitaufsatz der „Times" hinstellt. Der Mann auf der Straße ist der Ansicht, daß der Pakt lediglich der Teil eines Planes für die Einkreisung Deutschlands ist. Mit dieser Meinung hat der Mann auf der Straße nich: völlig unrecht. Die „Times" erklärt, daß es in Deutschlands Be­lieben stehe, sich dem Pakt anzuschließen. Will

"E denn etwa ernstlich behaupten, das bolsche­wistische Rußland würde im Falle einer Wieder- holung des Ruhrabenteuers durch Frankreich den Deutschen um eines Paktes willen zu Hilfe kom- ^ unterzeichnet nicht Pakte im Reiche 7 I Pnnntaste. Ist es nicht eine bedeutsame Tat- lnche. dajz der Völkerbund nicht das geringste ge­tan hat, um den Versailler Vertrag zu ändern? Wie können wir Abrüstung in einer Welt erwar­ten, die etwa einmal monatlich ihre Feindseligkeit g«Mn Deutschland zu erweisen scheint, aber nicht auch nur im Traum daran denkt, schreiende llnge- rechtigkeite» wie die Annexion von Memel und die Abtrennung von Danzig zu beseitigen?"

„Daily Mail" veröffentlicht längere Auszüge aus den polnischen Pressestimmen und meldet, es >ei möglich, daß das polnisch-französi­sche Bündnis aufgekündigt werde, wenn das französische Parlament den französisch- sowjetrussischen Pakt ratifiziere.

Paris geliorchtMoskau

Im Schlepptau der volschewisten

lk. Slü. Also da haben wir es: „Wenn der Pakt Paris—Moskau ins Wasser fallen würde" — so soll der französische Außenminister Flandin im auswärtigen Kammerausschuß gesagt haben — „dann würde ein Pakt zwischen Berlin und Moskau abgeschlossen werden." Worüber soll man sich angesichts solcher Erklärungen mehr wundern: über die Rückkehr der französischen Staatsmänner zur verhängnisvollen Linkreisungspolitik eines Delcasss, wie sie mit der unmittelbar bevorste­henden Ratifizierung des französisch-sowjetruffi- schen Beistands-Paktes verbunden ist, oder über die Begründung dieses gefährlichsten aller Militärbündnisse der Nachkriegszeit? Daß eher Feuer und Wasser eine friedliche Bindung mit­einander eingehen würden, als daß der National­sozialismus mit dem Bolschewismus in irgend­einer Form paktieren könnte und wollte, hat der Führer vor aller Welt mehrmals mit restloser Klarheit und Unwrderruflichkeit ausgesprochen. Allein schon die Tatsache, daß gewisse Pariser Zeitungen ihren Lesern diese Erklärung des deut­schen Reichskanzlers bis heute vorenthalten haben, spricht Bände. Sodann ist es wirklich zwecklos, den rein militärischen Charakter des französisch-bolschewistischen Ver­trages abzuschwächen oder gar in Abrede, zu stellen. Die Moskauer Freunde der Pariser Kammer mögen in diesen Tagen noch so eifrig von einem nur politischen Abkommen sprechen: es ist und bleibt ein Militär-

Bündnis, das hier ganz im Stil der Vorkriegs- diplomatie geschloffen wird. Und keinem Den­kenden wird man es weismachen können, daß der sowjetrussische Marschall Tuchaschewski sich in diesen Tagen ganz zufällig in Paris aufhält, ganz zufällig französische Munitionsfabriken be­sichtigt, ganz zufällig in einen regen Gedanken­austausch mit seinen Kollegen vom französischen Generalstab getreten ist.

Es ist ferner ganz ausgeschlossen, daß sich die Vertragschließenden am Quai d'Orsay der eigent­lichen Gefahr, in die sie sich mit der Inkraft­setzung des Russenpaktes begeben, nicht bewußt sind. Abgeordnete der Regierungsparteien, ange­sehene rechtsstehende Zeitungen des eigenen Lan­des und einflußreiche Pariser Schriftsteller haben eine Sekunde vor zwölf ihren Warnungen vor Moskau zum Teil recht drastische Formen gegeben. Sie hätten sich jedoch ihre Bemühungen von vorn­herein schenken können, denn die Entscheidung über den Pakt war bereits in dem Augenblick gefallen, als die Urheber des Bündnisses die letzte Verantwortung für den folgenschweren Vertrag, der auch ohne Befragung der Kammer vom Prä­sidenten der Republik ratifiziert werden könnte (!), der Linksmehrheit des Parlaments zuschoben. Diese Flucht vor der persönlichen Verant­wortung sagt genug.

Im übrigen geht es über den Einzelpakt hinaus um ein ganzes Vertragssystem. Um übersehen zu können, wie weit das hauptsächlich in Paris und Moskau entworfene Pakt- netz bereits ausgesponnen ist, genügt schon ein flüchtiger Blick in die Werkstatt der Versailler Diplomaten. Wir wollen dabei von der Völkerbundssatzung, den Statuten des Inter­nationalen Gerichtshofes, dem Locarnovertrag und dem Kelloggpakt ganz absehen: Bereits 1925 schloß die Türkei (um hier mit dem äußersten Südosten anzufangen) einen Neutralitäts- und Nichtangriffspakt mit Söwjetrußland. 1930 folgte ein Freundschafts- und Schiedsgerichtsvertrag zwischen Frankreich und der Türkei. Moskau selbst hat 1933 mit Finnland, Estland, Lettland und Polen Verträge über die „Begriffsbestimmung des Angriffs" unter Dach und Fach gebracht. Durch den Valkanpakt von 1934 sind Griechen­land, Rumänien, Südslawien und die Türkei in die gleiche außenpolitische Linie gebracht. Zwischen Polen und der Sowjetunion wiederum ist seit Anfang 1932 ein Nichtangriffspakt in Kraft, zwischen Polen und der Tschechoslowakei eine Militärkonvention. Auch mit Finnland hat Sowjetrußland einen Nichtangriffspakt vereinbart, desgleichen einzeln mit Litauen, Estland und Lettland. Außerdem liegen unzählige Sicherheits­verträge zwischen Frankreich einerseits und Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, Südslawien und Finnland andererseits vor. Die römischen Be­

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