Ausgabe 
(9.2.1936) Nr. 40
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parteiamtliche Tageszeitung

Tlachrichlenblatt der Deutschen flrbeitssront Vremen

der Tiationalsozmlisten Bremens

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Nr. 40 / 6. Jahrgang

Sonntag, S. sebruar

klnzelpreis 15 Npf.

tlMel trän; gewinnt die erste goldene Medaille

ölüchwunschtelegramm des süHrers / kroßer deutscher krsolg im Kombinations-Skilaus der brauen / Köche krasegger Iweite vor LaNa Schou-Nttsen / Deutscher 2:0 kisliockev-Sieg über die Schwei; / Italien schlügt USfl 2:l

Unssr Vagesspisgsl

Im Kombinations-Skilauf der Frauen errang Ghristel Cranz die erste Goldene Medaille und erhielt den Glückwunsch des Führers.

Christel Cranz gewährte nach ihrem Sieg unse­rem Sonderberichterstatter eine längere Un­terredung.

Die deutsche Eishockeymannschaft führt nach ihrem neuen Siege über die Schweiz 2:8 in der Gruppe L.

In Davos begannen gestern die Trauerfeier­lichkeiten für den ermordeten Landesgruppen­leiter.

Im Königsmörderprozetz erregten Aussagen des obersten Leiters der jugoslawischen Sicher­heitspolizei groszes Aussehen.

Die Verhandlungen im Seefeld-Prozetz brach­ten Aufklärung über den Doppelmord von Neuruppin.

Im Nordatlantik-Fahrgastverkehr wurde die 1. Klasse abgeschafft.

Der Eauwalter der DAF. erlägt einen Auf­ruf zu den Bertrauensratswahlen.

Mit einem Kameradschaftsabend schloß das Kreisschulungsamt einen dreimonatigen Lehr­gang.

Professoren und Studenten der Hansischen Universität weilten in Vremen zu Gast.

walilen des Vertrauens

Aufruf des Gauwalters der DAF.

Oldenburg, S. Februar.

Der Eauwalter der DAF., Gau Weser-Ems, Bruno Dieckel m a n n, erlägt folgenden Aufruf:

In diesem Monat beginnt der Auftakt zu dem Wahlkampf für die Vertrauensratswahlen 1936. Wenn den Wahlen in den Vorjahren eine große Bedeutung beigemessen wurde, so mutz der Wahl 1936 noch eine viel größere Bedeutung beigemessen werden. Das deutsche Volk führt augenblicklich den schwersten Existenzkampf.

Seit der Machtübernahme durch den National­sozialismus haben die Partei und alle ihre Glie­derungen das deutsche Volk von der Notwendig­keit dieses Kampfes überzeugt. Heute gilt es, aus dieser Notwendigkeit und Ueberzeugung heraus Taten zu vollbringen, die von jedem einzelnen innerhalb der Gemeinschaft des Volkes ungeheure Opfern fordern. Trotz dieser Opfer, die die Par­tei und ihre Gliederungen verlangen müssen, ist ein merkliches Aufblühen derWirtschaft wahrzunehmen. Der nationalsozialistische Lebens­wille unseres Volkes meistert alle Schwierigkeiten. So dürften auch die Schwierigkeiten bei den kom­menden Vertrauensratswahlen von allen Betei­ligten freudig überwunden werden.

Wir appellieren an alle Schassenden der Stirn und der Faust, durch eine hundertprozentige Stimmabgabe für unsere Vertrauensleute in den Betrieben ihren Lebenswillen zum Ausdruck zu bringen. Es gilt, der gesamten Welt zu zeigen, daß vor allem das schassende Volk restlos hinter unserem großen Führer Adols Hitler steht. Wir wollen, indem wir alle Schulter an Schulter innerhalb der Deutschen Arbeitsfront um die soziale Befreiung des deutschen Menschen ringen, zu treuen und charakterfesten Mitkämpfern inner­halb der nationalsozialistischen deutschen Frei­heitsbewegung werden.

ktiegenetimisung für jüdische Mischlinge

Berlin, 9. Februar.

Das Reichsministerialblatt für die innere Ver­waltung veröffentlicht eine Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern, der zufolge der Reichsausschuß für Ehegenehmi­gungen beim Reichsministerium des Innern ge­bildet worden ist und der den Namen „Reichs­ausschuß zum Schutze des deutschen Blutes" er­halten hat.

Diesem Reichsausschuß sind alle Anträge von staatsangehörigen jüdischen Misch­lingen mit zwei volljüdischen Erotzeltern auf Genehmigung der Eheschließung mit Staats­angehörigen deutschen oder artverwandten Blutes oder mit staatsangehörigen jüdischen Misch­lingen, die nur einen volljüdischen Eroßeltern- teil ijaben, vorzulegen. Die Anträge sind schrift­lich bei der für den Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt des Antragstellers zuständigen höhe­ren Verwaltungsbehörde zu stellen.

Dem Reichsausschuß zum Schutze des deutschen Blutes gehört u. a. als ordentliches Mitglied SA.-Samtätsgruppenführer Dr. Brauneck. geiler des Gesundheitsamtes Bremen an.

(Loncksichsriodt äsr Lrsmsr 2sitnvg) Garmisch-Partenkirchen, 9. Februar.

35 600 Zuschauer sahen am Sonnabendmittag die Entscheidung im ersten Olympischen Skiwett­bewerb in Garmisch-Partenkirchen. 36 Frauen, die Besten von 13 Nationen, waren beim Tor­lauf am Start. Aus dem Ergebnis des Torlau­fes und dem des Abfahrtslaüses wurde die Sie­gerin ermittelt. Die beste Skiläuferin der Welt — diesen Titel und die erste Goldene Medaille bei einem olympischen Wintersportwettbewerb errang für uns Christel Cranz, die in beiden Läusen die beste Zeit des Tages fuhr. Zweite wurde die erst 18 Jahre alte Käthe Gra- segger. Unsers beiden anderen Frauen, Hadi Pfeifer-Lantschner und Lisa Resch, nahmen den fünften und sechsten Platz ein. Das ist ein ganz großer Triumph für den deutschen Skisport, der nicht zuletzt der von nationalsozialistischem ziel­sicherem Geist getragenen Vorbereitungsarbeit zu danken ist.

Zuerst geht Schou-Nilsen (Norwegen) über den Kurs. Sie schwingt oben gut durch die Tor«, stürzt dann an der gefährlichsten Stelle. Zeit 1:20,1. Lisa Resch (Deutschland) erzielt eine Zeit von 1:25,5. Dann flitzt die kleine Erasegger wie ein Kobold den Hang hin­unter, fährt mit Schwung und guter Behändigkeit und setzt sich mit einer Zeit von 1:16 an die Spitze. Bewegung geht durch die Massen, jetzt startet

Oliristel di'niir beim Torlauk

Cristel Cranz. Sie fährt fabelhaft. Sie packt die Wenden an, meistert alle Tücken, man merkt ihr ' die gut trainierte Torläuferin an. Als der Laut­sprecher die beste Zeit von 1:12 Minuten verkün­det. da ist das weite Rund von einem einzigen > Brausen und Toben erfüllt.

Die Sonne stand hoch über dem Eudiberg, als der zweite Gang des Torlaufs begann. Noch waren 30 Frauen im Rennen.

Christel Cranz steht oben als sechste Läuferin startbereit. Nun muß die Entscheidung fallen. Wunderbar beherrscht und wunderbar fabelhaft schwingt sie über die gefährlichsten Stellen. Un­erhört geht sie über die Schräge. Dann kommt der letzte Teil der Piste. Die letzten Tücken nimmt sie glatt, biegt exakt in die Schlußgerade ein, schießt wie ein Pfeil durch das Ziel. Ju­bel bricht aus, als der Lautsprecher die phantastische Zeit von 1:10,1 Minuten verkündet.

Der Führer hat an die Siegerin in der Kombi­nation (Abfahrts- und Torlaus), Frl. Christel Cranz in Garmisch-Partenkirchen folgendes Tele­gramm gesandt:

Nehmen Sie zu Ihrem wunderbaren Siege meine allerherzlichsten Glückwünsche entgegen.

Adols Hitler.

Da Deutschland durch einen schönen 2:0-Sieg die Schweiz überwand, andererseits Amerika von Italien 1:2 geschlagen wurde, führt nunmehr un­sere Eishockeymannschaft in der Gruppe 8 vor USA. Wahrlich, ein vielversprechender Auftakt!

(Ausführliche Berichte über die Kämpfe mit ihrem Verlauf siehe Olympia-Sonderseite.)

Mtterlichkeit im Sport

warum nicht in der Politik!

* Bremen, 9. Februar.

Schön war der Beginn der Olympischen Spiele und schön bisher ihr weiterer Verlauf. Voll Hoch­spannung sind die Wettkämpfe, voll Glanz die besten Leistungen. Erfreulich aber vor allem ist der Einklang aller Beteiligten und der ebenso herzliche wie neidlose Jubel, der gleichmäßig von allen Na­tionen gespendet, die jeweiligen Sieger umbraust. Rückhaltlos ist die Bewunderung, welche die Ver­treter der einen Nation für die Leistungen der an­deren haben und echt das gegenseitige Ver­trauen, das allesamt untereinander verbindet.

Wenn es etwas gibt, was die Möglichkeit und Ersprießlichkeit friedlichen Wettbewerbs um hohe Ideale unter den Kulturnationen der Welt ein­dringlich vor Augen führen kann, so ist es bestimmt solch eine Veranstaltung, die aus dem edlen Geiste reinen Sportlertums geboren, mit höchster gegen­seitiger Achtung aller am Wettbewerbe heißen Herzens Beteiligten durchgeführt wird und schließ­lich mit der ehrenvollsten Anerkennung der besten Leistungen für die glücklichen Sieger endet. Daß die dabei errungenen Siege die hinter den Siegern Zurückbleibenden für die Zukunft zu besonderen Hochleistungen emporreißen, und diese neuen Hoch­leistungen wiederum die Sieger zum Uebertreffen ihrer eigenen Kräfte anspornt, das kommt im höchsten Maße der ständigen Fortentwicklung sport­lichen Hochstandes aller Nationen in gleicher Weise zugute, das nutzt im gleichen Maße den Siegern wie den Besiegten. Aus dem Erkennen gegenseiti­gen Könnens und aus der Bewertung der einzel­nen Leistungen aus nächster Nähe aber erwächst von selbst gegenseitige Hochachtung und aus dieser wiederum gute Kameradschaft.

Kameradschaft, wie nur echte Kameradschaft sein kann, ist denn auch schon heute das Ver­hältnis aller Anwesenden am Orte der Olym­pischen Spiele. Und das nicht etwa bloß bei offi­ziellen Begegnungen, was eine sportliche Selbst­verständlichkeit wäre, sondern überall, wo nur immer die aktiven und passiven Teilnehmer an diesen Spielen beisammen sind. Es muß höher bewertet werden, als nur bloße Höflich­keit, wenn, wie man uns meldet, Meister und Meisterinnen der einzelnen Sportzweige, die un­bedingte Anwartschaft auf erste Placierung bei den Spielen haben, ihren Sportkameraden und -kameradinnen anderer Nationen noch vor dem Austrag der Wettkämpfe bewußt Einblick geben in eine besondere Technik, ja ganz offen die oder jene Sonderheit ihrer Meisterstärke preisgeben, obwohl feststeht, daß solches Wissen den sport­lichen Erfolg zu fördern und am Ende sogar für die siegreiche Entscheidung bedeutsam zu werden vermag.

Es ist auch durchaus mehr als bloße Höflich­keit, wenn in herzgewinnender Selbstverständ­lichkeit da unten bei den Spielen eine gegensei­tige Hilfsbereitschaft sich offenbart, von der schon darum kein großes Aufheben gemacht wird, weil man es einfach für gar nicht anders denkbar hält. Das eben aber läßt nur wiederum er­kennen, wie menschlich schön das Kameradschafts­verhältnis ist, das sich hier unter den Gesetzen des Sports ganz von selber einstellt zwischen den Männern und Frauen der verschiedensten Natio­nen. die im Sportkampf schärfste Wettbewerber um das Zeichen höchsten sportlichen Ruhmes, um die Olympische Medaille, sind.

Sollte es nun nicht auch möglich sein, daß sich an solch hehrem Vorbild — gegeben und vor­gelebt von den besten Männern unö Frauen der eigenen Nationen - die Diplomaten der Welt einmal ein gutes Beispiel nähmen? Es müßte doch möglich sein, den heute üblichen diplomatischen Verkehr der Völker untereinander aus ganz neuer Grundlage und unter neue Ge­setze zu stellen. Wie so vieles in unserer Zeit faul und morsch und nichtswürdig geworden ist, soll­ten endlich auch einmal die herkömmlichen Methoden einer Allerweltsdiplomatie neueren und besseren Regeln weichen müssen; Regeln, die ganz gut den Adel, den Anstand und den Kame­radschaftsgeist der Sportgesetze in sich tragen könnten.

Faimeß nennt der Engländer das erste Gebot aller sportbetätigung. Brunnenvergiftung nennen

M slnschliW der kroatischen lerroriften

Wettere Zeugenvernehmung im königsmord-proieß — stuffehenerregende Aussagen des obersten Lstters

der jugostavisthen Sicherheitspolizei

Paris, 9. Februar.

2m Königsmord-Prozeß in Aix-en-Provence wurden die letzten Zeugen, die bei dem Mord­anschlag auf König Alexander zugegen waren, vernommen.

Der Lenker des königlichen Kraftwagens sagte aus, er fei völlig überrascht gewesen, als er den Täter mit dem Revolver in der Hand auf den Wagen habe zulaufen sehen. Ein Versuch, ihn am Schießen zu hindern, sei mißglückt. Der An­geklagte Pospischil warf ein: Alles dies betrifft mich gar nicht. Aber ich muß feststellen, daß der Wagenlenker nicht seine Pflicht getan hat. Ihm fehlte es an Kaltblütigkeit. Er hätte nur Gas zu geben brauchen, um den Anschlag zu ver­hindern.

Dann wurde der Zeuge Simonowitsch, der oberste Leiter der jugoslawischen Sicherheitspoli­zei, gehört, der über frühere Ustaschi-Anschläge be­richtete, so über den Eisenbahnanschlag im Jahre 1930 zwischen Agram und Belgrad. Bei allen Anschlägen der kroatischen Terroristen seien zahl­reiche Menschen, darunter Frauen und Kinder, ums Leben gekommen; auch mehrexe Polizei­beamte seien getötet oder verletzt worden. Die

Leitung aller dieser Anschläge hätten stets Pawe- litsch und Percewitsch gehabt. In den Jahren 1932 und 1933 allein seien 13 Anschläge, dar­unter mehrere Mordanschläge, verübt worden.

Seit Beginn des Jahres 1933 habe man mit den Anschlägen gegen den König von Jugo­slawien, der die Einheit des serbisch-kroatischen Reiches geschaffen habe, begonnen. Man habe einen ersten Täter in Agram namens Peter Oreb bestimmt. Dieser Mordanschlag sei bekanntlich mißglückt, da man Oreb rechtzeitig verhaften konnte.

Simonowitsch ging dann auf die Vorberei­tungen des Anschlages von Mar­seille ein. Die Anstifter dazu seien Pawe- litsch und Percewitsch. Um nicht denselben Fehler zu begehen wie in Agram, seien zu diesem Anschlag ganz besonders erfahrene mutige und kaltblütige Terroristen ausgewählt worden. K a- leinen'sei ein Verbrecher, der schon mehrere Opfer in Bulgarien auf dem Gewissen habe. Er sei sozusagen der Henker von Ustaschi. Pospi­schil sei ebenfalls ein Mann von großer Kalt­blütigkeit, der mehrere Morde begangen habe, darunter an zwei Polizeibeamten in Agram.

Er sei es auch, der alle Bomben zu An­schlägen gegen internationale Züge herge­stellt habe.

Hierauf erhob sich der Angeklagte Pospischil und erklärte mit verkrampften Händen und er­bittert: „Der Zeuge hat viele Dinge erzählt, die mir völlig unbekannt sind, und das, was mir be­kannt ist, ist unbedingt falsch dargestellt, z. B. was die Handhabung von Waffen im Lager von Janka-Puszta betrifft. Wir haben uns dort nur mit landwirtschaftlichen Dingen beschäftigt.

In der Sonnabendverhandlung begab sich der Gerichtspräsident auf das Gebiet der Politik, indem er erklärte, daß die Forderung der Kroaten auf Selbständigkeit auf falschen Voraus­setzungen beruhe. Man brauche nur die Erinne­rung an den König Alexander wachzurufen, der sich ohne Begleitung und ohne Schutzgarde in­mitten seines Volkes habe zeigen können.

Der Hauptoerteidiger, Rechtsanwalt Saint- Auban, betonte, daß er die Verteidigung nieder­legen müsse, wenn die Aussage Simonowitsch' nicht erörtert werden dürfe.

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